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Don’t be afraid. We are all gonna die anyway.

Keine Sekunde darf ein Gedanken darüber verschwendet werden, was andere Menschen über einen denken könnten, wenn man bestimmte Dinge tut oder sagt. Grundsätzlich ist es daher gefragt, möglichst radikal den eigenen Impulsen nachzugehen und ihnen bestmöglichen Ausdruck zu verleihen. Die Angst vor Ablehnung oder Respektlosigkeit ist wie jede Angst letztlich irrational, auch wenn in Gefangenschaft dieser Angst, das nicht direkt auffällig wird. Wir leben in einer Abfolge von Generationen, die den Zerfall und Verfall erleben, leben und reproduzieren. Davon ist niemand frei.

Es ist entscheidend, die Kritik hieran zu maximieren, um sich nicht mit diesem Falschen gemein zu machen. Der Preis ist mit aller Wahrscheinlichkeit, dass das blanke Unverständnis von tausenden Leuten einem entgegenschlägt, schliesslich ist es normal den Alltag hinzunehmen, die Lohnarbeit zu absolvieren, sich einzurichten in den Katastrophen. Freilich gibt es gar keine andere Möglichkeit als sich zu arrangieren, um nicht direkt den Suizid zu vollziehen. Als Konkurrenz- und Rechtssubjekte sind wir ohnehin funktionalisierte, funktionalisierende Objekte, die eingerichtet sind in die Kapitalverwertung und richten diese zugleich aus. Daraus entflieht keiner, egal ob jemand nun in Bangladesh Fußbälle für ein paar Cent zusammen näht, Milliarden auf den Bahamas-Inseln zählt oder in einem besetzten Haus kiffend Fußball guckt. So divers wie die Erscheinungsformen des Lebens sind, so monoton ist ihr Wesen. Das scheinbar Intakte ist nur Ausdruck einer Trägheit von Krise, die sich noch nicht an diesen konkreten Punkt innerhalb einer Beziehung oder Identität durchgeschlagen hat. Allerdings ist nicht, wie es im Titel dieses Textes scheinbar anklingt, von Fatalismus auszugehen, wenn man die Gewissheit hat, dass alles tödlich enden wird, sondern vielmehr für die Zeit und Momente zu streiten, die bis zum Tode möglich sind. Insbesondere geht es um die Potenz nachfolgender Generationen, die sich mit den katastrophalen Folgen der jetzigen Katastrophen herumschlagen werden müssen. Insofern ist die Verantwortung für die Radikalität der Kritik stark intersubjektiv und abstrakt. Konkret dankt einem keiner, wenn man Kategorien und Sozialverhältnisse wie Wert, Gender, Staat, Kapital, Nation, Religion, Lohnarbeit als irrsinnigen Unsinn kritisiert und zurückweist. Es ist allerdings historische Pflicht auf deren Überwindung zu zielen und hinzuarbeiten.

Der Preis für diese Haltung darf nicht unterschätzt werden. Die Folgen können jahrzehntelange Einsamkeit, Armut und kräftezehrende Kämpfe ohne Aussicht auf Erfolg sein. Es gehört zur Historie der Linken grundsätzlich zu Scheitern. Die Auseinandersetzung mit komplexer Theorie verschlingt Jahre bis irgendeine halbwegs gesicherte Erkenntnis möglich ist und selbst dann ist sie womöglich schon wieder veraltet. Auch hier liegt erneut ein Grund vor möglichst radikal vorzugehen und schon beim Einteilen des Alltags keine Kompromisse mehr zu machen. Wer die Theoriearbeit vernachlässigt, vernachlässigt die Menschwerdung der Zivilisation. Die Menschheit befindet sich in der Pubertät und dementsprechend sind die Vorwürfe ihrer einzelnen Exemplare in den meisten Fällen nicht dringlich wahrzunehmen. Die ganze psychische, kognitive bzw. intellektuelle Konstitution des Subjekts wohnt im Zerfall und Verfall, denn die Fähigkeit eines vernünftigen Realitätssinn kann nicht auf der Grundlage von permanenter Mobilmachung für die Kapitalakkumulation gedeihen, auch wenn der produzierte Überfluss eine Dynamik der Möglichkeit zur radikalen Veränderung dieser unmündigen Verhältnisse enthält.

Fehler werden andauernd gemacht. Keiner ist frei von Mängeln. Perfektion wäre Ausdruck von Unmenschlichkeit. Daher darf man sich die eigene Mangelexistenz zugestehen, aber sollte sie zugleich nicht idealisieren. Also keine Angst vor Fehlern, sie sind vielmehr Wegweiser zur wünschenswerten Realität. Die Menschen vergessen einen ohnehin laufend. Sie nehmen häufig nicht einmal Notiz von sich selbst. Alle sind sich fremdgeworden und bluten aus sich heraus. Die Unzuverlässigkeit und Oberflächlichkeit menschlicher Beziehungen resultiert vornehmlich daraus, dass sie dem Kapitalprozess anhängen. Der Zerfall von Empathie und Intellekt kommt daher, weil dieses Vermögen ausschliesslich auf einen monotonen Zweck zugerichtet wird. Generation für Generation war das Wirtschaftswachstum der größte und einzige Imperativ. Alles andere zog sich dem nach. Häufig werden technologische Faktoren wie Smartphones für die Unfähigkeit zur Zwischenmenschlichkeit angeführt, aber das verkennt den inneren Gehalt unserer Gesellschaft. Die sich permanent überschlagende und umwälzende Politökonomie geht von den Individuen aus, die sich damit zugleich ebenso permanent zerstören und für neue Anforderungen der Wertverwertung modernisieren. Dass der Mensch sich permanent selbst verdinglicht und damit die ganze Identität auf eine Maschine reduziert, erzeugt u.a. permanent psychische Gebrechen. Depressionen und Burn-Out gelten als Massenphänomen, aber es gibt auch mildere Subformen davon, die man logischerweise als noch weiter verbreitet vermutet werden können. Auch hier ist wieder ein Argument zu finden, warum man sich nicht von anderen Menschen nicht abhängig machen kann. Ihre Urteile und Verurteilungen beruhen nicht nur auf Antiintellektualismus und Zivilisationsfeindschaft, sondern auch auf Verzweiflung und Regression. Wer diesen Irrationalismus Ernst nimmt, ist selbst Teil davon und wird entsprechend nie wieder glücklich im Leben, obschon Glück ohnehin eine generelle Marginalität ist.

Ohne Distanzierung von der allgemeinen gesellschaftlichen Realität zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, wird auch keine radikale Kritik an ihr möglich sein, weil die Lohnarbeit den Intellekt genauso korrumpiert wie das emotionale Gefüge. Lohnarbeit macht dumm und krank, raubt wertvolle Lebenszeit, wenn nicht gerade das seltene Glück getroffen wurde, von der Kritik monetär leben zu können. Und selbst dann besteht die Gefahr, dass aus Existenzängsten oder ökonomischen-politischen Krisen heraus eine Kündigung droht und daher eine Anpassung also Beschneidung der radikalen Kritik erfolgen muss. Niemand kann einem irgendetwas garantieren. Jeder ist austauschbar. Alle sind abhängig von der Kapitalakkumulation. Es gibt keine Autonomie davon. Permanent ist mit einer enormen Unreife des Geistes und der Tat zu rechnen, die von einem selbst aber auch anderen performativ mehr oder weniger streng und heftig realisiert wird. Selbsterkenntnis bedeutet auch Selbstzerstörung im Sinne von Vernichtung der persönlichen Illusionen, was harte, undankbare Arbeit bedeutet. Wer sich selbst der Illusionen beraubt, der steht ungefiltert einer grauenhaften Realität gegenüber, die allgemein stets verklärt wird. Die lohnende Qualität hierin liegt ausschliesslich darin, dass bei Fortsetzung dieser Tätigkeit eine aufklärende Erklärung ausgebreitet werden kann, die auch andere Menschen inspiriert, diesen Prozess bei sich anzugehen, was letztlich soziale Realität wandeln wird. Allerdings ist das eine sehr romantische Vorstellung, die selbst eingestehen muss, dass das Jahrzehnte andauert, keine Garantien enthält und zugleich permanent bedroht ist von der krisenhaften Alltäglichkeit von Identität bis Kapitalverwertungsprozess.

Der allgemeinen Unkenntnis, dem permanenten Vergessen wohnt auch das Glück inne, sich davon loszulösen und innerhalb von deren blinden Flecken eine Existenz zu fristen, die sich bei entsprechender Hingabe nahezu komplett davon distanziert. Es wird zwar immer ein Restbestand von ekelhafter Instrumentalität und Formalisierung in der eigenen Identität und Realität existieren, aber man kann diesen über Kritik unschädlicher machen, als wenn man sich ohnmächtig ergibt, wie es die breite Masse der Individuen in der Wirtschaft, Politik, Kultur, Kunst, Sport und diversen anderen Segmenten der Gesellschaft unternehmen. Der Konformität aller wohnt auch ein Zauber zur Revolution inne, den es zu erlernen und vollführen gilt.

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Mit allem verlassen sein

Der Verlust ist eine tragische Alltagserfahrung. Wenn es normal ist, dass es keinen Menschen gibt, der das eigene Leben vervollständigt oder der sich seiner annimmt, dann ist die eigene Zerstörung vorgezeichnet. Die Hoffnungslosigkeit und Apathie strömt in die leere Identität und von dort vollzieht die Gewissheit ihr giftiges Werk. Sie konstatiert, dass man immer allein sein wird, weil es gar nicht anders sein kann, da die Welt generell unter Liebesmangel leidet. Es ist eine tödliche Klarheit. Das Ersticken an sich selbst und durch das Nichts, was in den anderen wohnt, als Keimform des Alltags. Und das Überleben konzentriert sich auf eine permanente Reduzierung und Rücknahme von allem, was man vielleicht hätte wollen können. Die Vorsicht als Triumph über alle Spontanität. Der nächste Moment könnte die letzte Enttäuschung bereiten, weil es danach nichts mehr zu erfahren gibt. Diese krankhafte Innerlichkeit und versumpfende Wehleidigkeit ist mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Aber die Zerstörung entspringt nicht nur der eigenen Identität, sondern auch aus dem Umfeld, woraus letztlich die Identität überhaupt geraten konnte. Es zermalmt einen den Magen nicht zu wissen, ob man morgen noch genug monetäre Mittel haben wird. Die Gewissheit, dass die Gesellschaft einen jederzeit vernichten kann und es niemanden negativ auffällt, weil die alltäglichen Katastrophen in millionenfacher Form üblich sind, erstickt alles. Man verliert nicht nur Lebenszeit oder Kraft, was noch natürlich wäre, sondern auch Wohlstand, sobald man nicht in den Kapitalismus investiert, der systematisch alles zerstört. Man investiert Zeit, Kraft, Nerven in diese Wirtschaftsform, obwohl sie auch einen selbst vernichtet. Es gibt nur eine Angst, die innerhalb des Jobs antreibt: Man hofft, dass es für einen noch reichen wird. Man schliesst sich einer Bande an, die in Konzernkreisen als Team tituliert wird und alles geht ganz professionell, routiniert zu. Der hohe Druck gehört genauso wie die interne und externe Konkurrenz zum Alltag. Und schon ist man ausweglos in einem brennenden Labyrinth gefangen, welches zunehmend verrauchte Gänge und Sackgassen enthält. Jede Hand, die sich dir reicht, will Dir nicht helfen, sie will Dich schlagen und berauben. Die Kosten erhöhen sich Monat für Monat, die Löhne stagnieren und sinken, die Arbeitszeit und Aufwand erhöhen sich. Das Alter schärft die eigene Mangelhaftigkeit. Wer nicht früh vorgesorgt hat, mit einem Netzwerk aus Unterstützern oder Erbschaften oder sonstigen unfairen Vorteilen, der ist geliefert und muss den Misserfolg als Alltag ertragen. Die ganze Reflexion besteht allerdings so oder so aus der Frage, ob man Geld haben wird oder nicht. Die Angst prägt zusätzlich die geistige Wüste.

Es stellt sich jeden Tag erneut die Frage, wie man angesichts solcher Zustände überhaupt leben soll. Die Lust am Leben ist ohnehin bereits vergangen, wenn die Katastrophen, die anderen unschuldigen Seelen angetan wird, in das Bewusstsein genommen werden. Wer sich nicht an das Falsche anpasst, fliegt innerhalb weniger Wochen auf die Straße. Der herrschende Gewaltapparat zwingt, nötigt einen mit allen bürokratischen Mitteln zurück in das ökonomische Getriebe, weil das alles ist, was der Mensch heute sein darf. Wer zu arrogant, unbekümmert, übermütig, illoyal ist, der stirbt den leisen Tod, der geht den sozialen Abstieg. Mord ist in dieser Gesellschaft ein allgemein akzeptiertes Mittel, um sich der überflüssigen Menschen zu entledigen. Das beweist die Asylgesetzgebung jeden Tag an den Grenzen und im Mittelmeer, wo Tausende bereits durch unterlassene Hilfeleistung ermordet wurden. Man braucht nicht zu glauben, dass irgendwer einem zu Hilfe eilt, wenn man selbst zu Ertrinken droht, denn Blut ist genau das, was essentiell diese Gesellschaft vorantreibt. Das ist ihre instrumentelle Vernunft nach der sich alles organisiert.

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Wie könnte eine bessere Welt aussehen?

Es gibt nicht zu Unrecht eine Art Bilderverbot bzgl. des Kommunismus, weil eine Ausmalung einer Utopie bloss dazu führt, dass man sich nicht mit der Kritik der Verhältnisse abgibt und dabei davon absieht, warum bestimmte Bedürfnis- und Gesellschaftsstrukturen zu der desolaten Gesamtsituation beitragen, sie ermöglichen und fortsetzen.

Aber wie könnte Utopie aussehen, wenn man das mal ignoriert? Was wäre, wenn die halbe Welt im Generalstreik stünde und kurz davor steht, die kapitalistische Produktionsweise zu stoppen?  Die Streikenden müssten ziemlich schnell eine Produktionsweise etablieren, die auf Bedürfnissen und Gebrauchswerten beruht. In der alle Bedürfnisse, die niemanden (ungewollt) verletzen. Wenn man Lust auf einen Schokoriegel hat, dann  müsste in der kommenden Gesellschaft nicht Geld, Kapital, Staat, Wert, Tauschwert, verschiedene Fetschismen wie Arbeitsfetischismus daran maßgeblich beteiligt sein, wie dieser zustande kommt und zur Befriedigung des Konsumenten führt. Die Zeit, Arbeitsteilung und Qualifikation müsste genauso eine bedeutende Rolle spielen, wie die neue Operationalisierung der Verteilung und Produktion von Waren. Die Menschheit müsste zum ersten Mal bewusst ihre Gesellschaft gestalten: Dies setzt voraus, dass jeden Tag geprüft wird, ob man die Bedürfnisse genug befriedigt und die Gebrauchswerte genug Qualität und Quantität besitzen. Das wäre also so eine Art alternativer Prüfung der eigenen betrieblichen Tauglichkeit: Schmecken die Schokoriegel und bilden sie die gesamte Palette von Geschmäckern ab, die niemanden in einer Art und Weise schädigen, wie es gut für ihn oder sie ist.

Man müsste ebenso schauen wieviel Arbeitszeit braucht man in der neuen Gesellschaft und den neuen Bedingungen von Produktivität, die sich nicht mehr dem Konkurrenzkampf, Leistungsdruck unterwerfen, wie es unter dem Kapitalprinzip wäre, sondern unter dem Diktat der Bedürfnisse. Zugleich beruht die Befriedigung der Bedürfnisse und die Ausbildung der Gebrauchswerte nicht mehr auf Gewalt, sondern auf Vertrauen und Solidarität. Wir waren schon immer aufeinander angewiesen, haben das aber in den aller seltensten Fällen gelebt. In dieser neuen Epoche wäre genau das nun aber bewusst zu leben. Wir alle wollen ein Höchstmaß an Befriedigung erfahren, dazu brauchen wir Gebrauchswerte und dazu ist die schnellsmögliche Abwicklung der notwendigen Arbeitszeit zur Reproduktion der Reichtümer offensichtlich. Unser neuer und zentraler Ansporn die Arbeit zu erledigen ist demnach nicht Zwang, sondern Genuss. Produktivität geschieht nur noch unter dem Maßstab des Lustgewinns. Wir verzichten also nur noch dann auf Lust, Freizeit usw., um mehr Lust und Freizeit zu produzieren, z.B. wenn wir Schokoriegel zu produzieren, die wir hinterher genüsslich verzehren oder Maschinen produzieren, die wir hinterher zur Reduktion der generellen Arbeitszeit einsetzen können.  Damit also das Leben generell immer besser werden kann, müssen wir aktiv daraufhin arbeiten und die gesamte Ordnung der Gesellschaft darauf ausrichten. Oberste Priorität für die Gesellschaft hat der Schutz von Kindern, Frauen, Älteren und Erkrankten. Ressentiments müssen sensibel beachtet und sinnvoll mit psychotherapeutischen Mitteln geheilt werden. Die Entfernung der Notwendigkeit von Profitabilität öffnet den Raum für bislang ungeahnte Zuwendungen gegenüber allen benachteiligten Gruppen, weil die Reichtümer und Produktivkräfte auch dorthin fliessen, wohin sie Aufgrund der Profitgrenze nicht gelangen durften.

Der Kapitalismus bietet einige Erfahrungswerte, die uns in der neuen Zeit nützlich sein werden. Empirische Methoden bieten die Möglichkeit neue Vertriebsmöglichkeiten zu entwickeln. Ein zentraler Punkt ist nämlich die Frage, wie wir Milliarden Güter mit Milliarden Konsumenten möglichst schnell, hochwertig und nachhaltig zusammenbringen können. Denkbar wäre soetwas wie eine globale Webseite mit gewaltigen Datenbanken, die die Bedürfnisse der Leute aufnimmt und an die Produzenten weiterleitet, sodass am Ende eine schnelle Lieferung erfolgt. Heute kennen wir das als Amazon.com nur eben mit den falschen Produktionsverhältnissen mit Gewalt, Zwang und Ausbeutung. Die Verbindungslinien der Datenbank könnten also global und lokal gleichermaßen dicht gesponnen sein, sodass nie eine Versorgungslücke entsteht, Planbarkeit für Produzenten und Konsumenten zu jeder Zeit existiert. Die neuen Geldscheine müssten Zahlen enthalten, die z.B. für den Zeitaufwand oder eine gewisse Kategorie von Zeitaufwänden sprechen. Jeder Mensch ist Anteilseigner an den Reichtümern der Welt. D.h. Ein Mensch erhält mit wachsendem Alter per se immer mehr Anteile am gesellschaftlichen Reichtum, weil wir generell davon ausgehen, dass er eine Bereicherung darstellt, sodass immer ein Minimum an Anteil vom Reichtum der Gesellschaft vorhanden ist, egal ob er nun arbeitet oder nicht.  Hungertod, Tod durch verdursten oder fehlender Medikamente ist damit abgeschafft. Für bestimmte notwendige Arbeiten, die z.B. keinen hohen Qualfifizierungsgrad erforden, wäre es denkbar, eine Art Lotterie einzuführen, sodass diese nach dem Zufallsprinzip bei täglichen oder wöchentlichen Wechsel vollzogen wird. Unangenehme Arbeiten könnten davon betroffen sein, die noch nicht von Maschinen geleistet werden können.

Das Prinzip der neuen Zeit sollte für jedes Kind verständlich sein. Wenn jemand etwas will, dann kriegt er es. Und er kriegt es deshalb, weil wir generell alles produzieren, was gewollt wird, solange es Umwelt, Tiere oder Menschen nicht schädigt. Assoziativ, netzwerkartig organisiert sich angesichts der angemeldeten Bedürfnisse eine neue Gesellschaft und Rationalität aus. Sowohl Grundbedürfnisse als auch Spezialbedürfnisse werden sowohl aufgrund ihrer Notwendigkeit als auch aufgrund ihres Lustgewinns Geltung erhalten. Dies ist das Geschenk der Produktivitätskraft, die Millionen von Menschen über Generationen hinweg hervorgebracht haben. Ihnen verdanken wir die Gelegenheit zur Realisierung des Pardieses. Ohne gelebte Empathie wird dieses System nicht möglich sein und es stellt sich die Frage, wie mit Mängeln, Gewalt und dergleichen umgegangen werden kann. Die Räte, die sowohl in Produktionsstätten, Gemeinden usw. existieren, müssten einerseits jederzeit abwählbar sein und andererseits eine Kontrollfunktion darstellen. Sie müssen sicherstellen, dass die Macht auf alle Individuen geteilt wird, sodass alle Individuen die Verantwortung übernehmen können, die ihnen von Geburt an zuteil wurde. Jeder Mensch hat sein Leben ganz zu leben. Kein Mensch darf über den anderen stehen. Es kann nur eine kurzfristige Autorität geben, die z.B. aufgrund von Qualifikation über dem anderen steht und in bestimmter Funktion eine Weisungsbefugnis hat. Ein Kind kann in der Regel nicht darüber befinden wie der Bau eines Wasserkraftwerkes modernisiert werden kann. Die Räte müssten sich also permanent selbst reflektieren, so wie die Menschen auch, sie müssten permanent überprüfen, ob der Aufbau und die Realität dem Wunsch entspricht, dass alle frei sind.  Die Menschen, die arbeiten, müssen die Gewissheit haben, die auch der Realität entspricht, dass sie andere Menschen mit ihrer Arbeit befriedigen und das diese Menschen ihrerseits wiederum daran arbeiten, sie zu befriedigen. Das klingt nach einer Orgie und so soll es auch sein. Natürlich hat jeder die Gelegenheit frei zu wählen, wo, wann, wie, was geschieht.

Es kommt darauf an den Gebrauchswerten und Bedürfnissen gerecht zu werden. Der Zeitaufwand zur Herstellung bestimmter Produkte dürfte eines der wichtigsten Kriterien werden, um die Gesellschaft sinnvoll zu strukturieren. Die Wachsamkeit der konkreten Produzenten wird dafür sorgen, dass die notwendige Arbeit verrichtet wird, damit die Gesellschaft sich derart reproduzieren kann, dass ihr Reichtum an Bedürfnisbefriedigung nicht geringer wird. Das Diktat der notwendigen Arbeit ist der wirkliche Ernst des Lebens vor dem wir uns alle beugen müssen. Das wäre sozusagen etwas für die neuen Schulen, sie sollen lehren, was logisch ist: Wir müssen bestimmte Strukturen aufbauen und pflegen, damit wir geniessen können. Die gute Nachricht ist, dass der Ernst des Lebens sehr viel geringer gehalten werden kann, wie gegenwärtig, denn die Produktion orientiert sich an uns und nicht an einem unersättlichen blinden Prinzip, an dem nur eine Minderheit profitiert. Die Bindungskraft an der neuen Produktionsweise wird von Generation zu Generation stärker sein und das noch Frische, Unvertraute zur Normalität machen. D.h. für uns wird es am schwierigsten die neue Zeit zu etablieren, weil wir die Verwerfungen der alten in uns tragen, und so stellen wir entsprechende Ruinen der Vergangenheit dar, die bald von den neuen Generationen mit saftigen Grün überwuchert werden. Möge unser grässliches Zeitalter in diesem neuen Licht in Vergessenheit geraten und sich nie wieder wiederholen.

Ergänzung – 10.07.16: Die Verdinglichung muss für die Menschen arbeiten. Es müssen Verwertungsschlüssel gefunden werden, die Zweckrationalität und materialistische Rationalität als Nervenpunkte inne haben. Dem gegenwärtigen kaufmännischen Minimal-Maximal-Prinzip müsste anstelle der reinen Zweckrationalität nach Profitmaximierung eine Neudefinition erfolgen, und zwar, dass das Handeln und Streben ausschliesslich zur Bedürfnisproduktion eingesetzt wird. D.h. Es wird nach dem minimalsten Aufwand in der Produktionssphäre gesucht, um maximal den eigenen Bedürfnissen bzw. der Befriedigung der Bedürfnisse nachgehen zu können. Um die Bedürfnisse also stärker befriedigen zu können, muss die Gesellschaft von einer Rationalität durchzogen werden, die diesen Zweck assoziativ unterstützt, fordert und belohnt. Die Menschen müssten über die operative Reproduktionsarbeit zwischen erster und zweiter Natur darauf hinarbeiten, dass sie immer weniger arbeiten müssen, um mehr Reichtum zu geniessen. Entscheidend ist der Verteilungsschlüssel. Er muss den Anteil eines Individuums an der Produktion enthalten, die aktuelle Produktivkraft der Gattung und die gegenwärtigen Bedürfnisse der Individuen transparent kommunizieren und operationalisieren.

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Sprengt die Lohnarbeit!

Arbeiten bedeutet Gewalt erfahren. Die Zurichtung der eigenen Persönlichkeit geschieht über den Inhalt der Tätigkeit. Der Diebstahl von Lebenszeit, die Entfernung jeglicher Kontrolle über das eigene Leben, die Verewigung der Abhängigkeit von einem Prinzip, dass man automatisch und blind bestätigt, wohnt jeder Arbeitsstelle inne. Was getan werden soll bestimmt der Chef und was der denkt bestimmt der Markt und was der denkt ist die Kapitalverwertung und die hat nur sich selbst im Sinn, aber nicht die Menschen samt ihrer Bedürfnisse. Das Skandalöse an unserer Wirtschaftsform besteht also in der Abgabe von Leben für ein selbstreferentielles, anonymes und abstraktes Herrschaftsystem, welches niemand steuert. Lediglich die wenigen Eigentümer von hohen Mengen von Kapital oder Firmen können in die Nähe von Nutznießern dieser prekären Lage gerückt werden, aber auch sie müssen sich permanent der Profitabilität gewahr sein, sofern sie mit ihren Vermögen nicht in Frührente gegangen sind.

Die Lohnarbeit übt eine strukturelle Gewalt auf jeden Menschen aus. Sie zerstört die Fantasie, sie macht krank, sie raubt einem die Zeit, die Nerven, die Gesundheit und sie hört niemals auf. Sie ragt in alle Lebensphären hinein und katalogisiert, kategorisiert, verwertet alles. Die Schönheitsideale rühren daher genauso wie die vollen Fitnesscenter oder Universitäten. Die arbeitsgeile Welt vergisst sich selbst im Schweisse ihres Angesichts. Dass die Menschen sich mit ihrer täglichen Lohnarbeit ins eigene Fleisch schneiden, verdrängen sie mit größter Hingabe. Das Hangeln von einer zur anderen Freizeitbeschäftigung, soll die Reproduktion der eigenen Arbeitskraft sichern, sodass es für ein weiteres Quartal reichen möge. Die apathischer Warterei auf den großen Knall, dass man sich vor der Massenvernichtung vielleicht noch hinwegducken kann, macht die totale Teilnahmslosigkeit gegenüber das eigene Leben, aber auch das der anderen aus. Der Lebensinhalt wird bestimmt von der Verwertbarkeit der eigenen Tätigkeiten und Gedanken. Die Menschen sind nicht geboren. Sie sind nur Zuchtmeister, Arbeitskraftbehälter, zerrissene, zerschlissene, erstarrte Drohnen deren Programmierung das Kapital vorgenommen hat.

Die gesamte Gesellschaft ist trotz ihres betriebsamen Lärms von einer Friedhofstille eingenommen, die nach Tod riecht. Unsere Weltordnung beruht auf Leichenschmaus und Kannibalismus, der Konkurrenzkampf und Leistungsdruck ist der direkte Ausdruck davon. Wer nicht arbeitet stirbt. Wer arbeitet stirbt, – aber etwas später. Und die Angst, dass es sie früher erwischen wird, wenn sie Widerstand leisten, lässt die Menschen mitmachen. Das ist kein Ausdruck einer lebendigen Welt, die sich ihren Ängsten, Verdrängungen und Verwerfungen stellt. Es ist eine verlogene Welt, die dringend zugrunde gehen will bevor irgendjemand ihr den Spiegel vorhält. Und jener, der versucht diesen Spiegel zu halten wird eilig bestürmt und zunichte gemacht. Die Feldherren des Kapitals werfen schnell ihr Napalm auf Dich, damit ihre Autorität nicht untergraben wird. Die Maschinen müssen laufen, die Menschen müssen darin zugrunde gehen, etwas anderes hat diese Gesellschaft nicht als Substanz.

Und doch bringt sie das Potential mit, was ihre Produktivität angeht, dass sie die Grundlage für eine bessere Gesellschaft bietet, in der der Mensch angstfrei verschieden sein kann und dem Müßiggang nach gehen kann. Dieses gilt es zu betonen, auch wenn das bedeutet, dass die Lohnarbeit zu meiden ist, um die eigene Fantasie und Intellektualität zu bewahren, Armut und sozialen Abstieg, Peinigung, Ausgrenzung, Einsamkeit et cetera zur größeren Alltagserfahrung werden als ohnehin schon. Die Unerträglichkeit der Welt muss zu einer unerträglichen Kritik führen, die diejenigen, die diese Welt unerträglich machen, ihrer eigenen Unerträglichkeit überdrüssig werden lässt. Die Selbstreflexion muss gegenüber der Resignation angespornt werden. Die Menschen müssen verstehen, dass sie die Welt bereits aktiv gestalten nur eben nicht so wie sie sie gerne hätten. Die Bewusstlosigkeit gegenüber den konstitutiven Momenten der Gesellschaft, muss der bewussten Gestaltung der Gesellschaft weichen. Ein erster Schritt wäre die Einsicht, dass die Lohnarbeit eine Katastrophe gegen die Menschheit ist, die sie sich selbst angetan hat.

Es wird unerbittliche Kämpfe gegen die Interessenten an diesen Zuständen geben müssen. Das Interesse der Lohnarbeiter liegt unbestritten in der Abschaffung der Lohnarbeit, weil sie ihrer Entfaltung im Wege steht. Die Kapitalverwertung zerstört uns alle. Sie zerstört die Umwelt und die Tierwelt. Sie fördert nur Kapitalverwertung und sonst nichts. Aber wir müssen uns selbst fördern, wir müssen uns entfalten können und uns selbst genügen. Wenn jeder gegen den anderen konkurriert, wird jeder blockiert und das Recht des Stärken und der Gewalt herrscht. Daher ist dieser Zwangszusammenhang zu durchbrechen zugunsten einer möglichst geteilten Machtstruktur, die die Verantwortung allen Menschen in individueller Form zukommen lässt. Die einzige Perspektive liegt in einer selbstorganisierten polit-ökonomischen Bedürfnisstruktur, die sich auf Gebrauchswerte und die Menschen konzentriert. Das oberste Diktat ist also die Befriedigung von Bedürfnissen und nichts anderes. Das Ziel muss die Reduktion von notwendiger Arbeit sein, damit maximal gelebt werden kann.

Hierzu müssen wir radikale Räte bilden, die die Lohnarbeiter entsprechend auf die Umstände ihrer Unfreiheit solange hinweisen bis sie die Lage verstehen. Der Generalstreik vollzieht dann das endgültige Ende der bisherigen Eigentumsverhältnisse. Der Staat wird etwas dagegen haben, aber auch der kann schnell aufgelöst werden, wenn jeder einsieht, dass dieser nur eine Clique aus Schlägertrupps enthält, die das Falsche stützt. Eine besondere Frage wird sein, wie die Gewaltenteilung fortgesetzt werden kann, wie gegenwärtige sinnvolle Rechte bewahrt und durchgesetzt werden können, obwohl die Angst vor der staatlichen Autorität fehlt. Bevor also praktisch etwas bewältigt wird, muss die Gewaltfrage simultan zur Eigentumsfrage gestellt werden. Außerdem: Wie können die Güter fair, effizient ohne den Zwang der Kapitalverwertung an jene gelangen, die ihrer am dringensten bedürfen?

Ungeachtet dieser schwierigen Fragen, die unbedingt vorher genau diskutiert werden müssen, ist es unabdingbar, dass die Menschen sich ihren Ängsten stellen. Nur wenn sie die Ursachen der Angst kennen, können sie die Angst loswerden und endlich das Leben angehen, ohne stets eingeschränkgt, gehemmt, geängstigt, niedergehalten, zerstört zu werden. Wer die Lohnarbeit nicht bekämpft verewigt sein Elend, versteinert überhaupt jeden Wahnsinn, der momentan für absolute Normalität und Notwendigkeit gehalten wird, obwohl sich dieser nur durchhält, weil die Menschen sich aus Angst und Identifikation mit dem Aggressor, dem Falschen nicht um die Ursachen ihres Leidens kümmern.

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Lebendige Peinlichkeiten

Das was der moderne Mensch gerne mit sich anzufangen wüsste, ist heute nur noch der Betrug seiner Selbst. Aber unter der Maßgabe dessen, was aus ihm hätte werden können, kann er sich stets nur verströsten. Ein ganzer Mensch wird er erst, wenn er keine Vermittlerfunktion zwischen Staat und Kapital mehr einnimmt. In umtriebiger Selbsttäuschung wurde hastig ein Ungetüm nach dem anderen belebt, um den Zweifel zu zerstreuen und sich selbst zu zerstören. Seht her, wir haben uns hohe Parlamente, Universitäten, Gerichte und Institute erbaut, sie sind so wahrhaftig, wirklich und bedeutend, sie können niemals falsch sein! Und den nachfolgenden Generationen stirbt die Kenntnis und Erinnerung immer genauer ab, dass diese Felsen nichts weiter als Totem für die Reflektion darstellen. Sie nehme hin. Sie haben sich seit Geburt an diesen Grobheiten aufgerissen und sind nun stumpf.

Jedes Jahr werden im deutschsprachigen Raum zehntausende Sozial- und Politikwissenschaftler ausgebildet und  zugleich sterben jeden Tag zehntausende Menschen an Hunger, während genauso täglich hunderttausende Tonnen frischer Lebensmittel in den Müll geworfen werden. Dass nun diese Wissenschaft nicht erkennt wie sie mit ihrer eigenen Lehre die Leere produziert, die dieses tägliche Morden zu einer Selbstverständlichkeit macht, die keinen mehr berührt, darin liegt ihre ganze Bedeutung für die Gesellschaft. Sie ist nichts weiter als eine Lüge, die den Wahnsinn ausbrühtet und uns alle der Vernichtung ausliefert. Nur die Apathie führt zur permanenten Entschuldigung, man könne ja nicht alles hinterfragen, da wäre doch soviel zu ändern und schliesslich sei zumindest das Risiko zu groß. Nichts befreit den Henker vor seiner Verantwortung, auch nicht die Sozialforschung, die aufgrund ihrer eigenen gedankenfaulen Aktivität mit dem Blut der Hungertoten täglich bespritzt wird.

Der Schrecken ein Mensch im Kapitalismus zu sein, der muss bekämpft werden, weil er keine Rationalität hat, so wie die ganze Produktionsweise. All das trägt sich nur fort, weil die Verblendung überall ist. Die Verzweiflung und Erschöpfung erschlägt noch jeden Gedanken an eine bessere Welt. Da alles versteinert, blind und leer geworden ist, sind jene mit der ultimativen Last belagert die Zukunft zu retten, die noch eine Regung spüren, einen Funken sehen und aus sich schöpfen können. Und wenn sie die Einsamkeit nicht hinterrücks ersticht, dann können sie es wagen und dieser Gesellschaft ins Gesicht schlagen. Das Scheitern ist aber angesichts dieser Totalität sicher, weil die Wahnvorstellungen die Bedeutung von unumstößlichen Wahrheiten erhalten haben.

Solange aber ein Hungernder sich dafür entschuldigen muss, Hunger zu haben, ein Obdachloser sich dafür entschuldigen muss kein Dach über den Kopf zu haben, ein Arbeitsloser sich dafür entschuldigen muss, keinen Job zu haben,  ein Arbeiter sich dafür entschuldigen muss, eine Verkürzung seiner Arbeitszeit zu erstreben, solange es also eine Peinlichkeit ist, Bedürfnisse zu haben, ein unendlicher Wert an sich zu sein, der Liebe empfängt und gibt, solange ist mit größter Aggressivität Widerstand gegen Staat, Nation und Kapital angesagt. Wer diesen Widerstand nicht vollzieht, der hat sich ergeben und hat aufgegeben sein Leben ganz zu leben. Das Glück aller, die Entfaltung aller, steht auf dem Spiel und sie wird jeden Tag durchgestrichen von einem blinden Prinzip, das wir alle jeden Tag vorantreiben und somit uns alle zugrunde richten.

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Ekelwochen mit Sido

Schwarz-Rot-Gold total: Paul Hartmut Würdig, reich geworden durch sexistische Songs wie »Arschficksong«, hat mit »wehenden Fahnen« eine alternative Nationalhymne für patriotische Erweckungsmomente seiner Deutschen geschrieben und leistet mit seiner Beschwörung der Volksseele einen Beitrag zur »Wiedergutwerdung der Deutschen.« Unterstützt wird er dabei von »neun jungen Hörfunkprogrammen der ARD«, da der Song im Rahmen der massenmedialen Ekelwoche »Heimat« produziert wurde (»Geographisch, emotional oder politisch: Heimat geht jeden an.«).

Sido, der 1,44 Millionen Likes auf Facebook hat, ist »einfach begeistert« von seiner »kleinen Heimat«, denn sie reicht »vom Minister bis zum Kaiser.« Zwischen Minister und Kaiser fand der systematische Massenmord der deutschen Massen an Millionen Juden statt und bereits das Kaiserreich träumte vom »Platz an der Sonne« und brach den ersten Weltkrieg vom Zaun. Was solls: »Du bist nie so ganz gerecht, trotzdem liebe ich dich echt.«

Rassistische Progrome, Straftaten  und Morde während der deutsche Staat wegsieht und dadurch mithilft. Jährlich tausende Tote aufgrund einer von Deutschland geprägten EU-Außenpolitik. Aber »egal, daran gewöhnste dich«, denn »niemand ist perfekt!« Sido winkt alle Katastrophen durch, die durch diese Zwangsgemeinschaft diktiert, praktiziert und reproduziert werden und die man aufgrund ihrer Unmenge kaum vollständig bilanzieren kann: Ob es nun um die Geschäfte mit dem antisemitischen iranischen Regime durch Vize-Kanzler Gabriel (SPD) geht, ob es um den Konkurrenzkampf, Leistungsdruck, die Arbeitswut der permanenten Mobilisierung sämtlicher menschlichen Kräfte für die Verwertungs des Werts zugunsten des nationalen Bruttoinlandsprodukts und zuungunsten der Lebensqualität aller geht, Sido meint dazu nur: »Du bist der Grund, dass ich gut schlafen kann.«

Deutschland kann anrichten was es will, Sido ist zufrieden: »Du bist perfekt auf deine Art, fast genau wie ichs mag.« Durch seinen Song liefert er einen kleinen Beitrag zur Idealisierung und Naturalisierung der Volksgemeinschaft, die unendliche Opfer, Disziplin, Berechenbarkeit und Lustfeindlichkeit von ihren Insassen erzwingt. Dabei wäre es nötig Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung, als funktionaler Bestandteil des kapitalistischen Produktionssystems und einer pathologischen psychischen Verfassung zu kritisieren und zurückzuweisen. »Wir können wieder unverkrampft „Wir“ sagen«, auch Dank Sido.

»Du kleines Land, wenn mir mal Wieder nicht gefällt, was ich hier sehe, ruf ich Poldi an und er zeigt mir die Weltmeister-Trophäe.« Die »Weltmeisterschaft des Nationalismus« soll in der Tat diesen Effekt beim Konkurrenzsubjekt haben: Wenn Du nur genug Opfer bringst triumphierst Du über alle anderen Wettbewerber am Markt. Triumph ist nur über die Niederlage anderer erhältlich, womit systemisch bereits die Vernichtung der Konkurrenz eingeschrieben ist. Sidos Song ist ein Beispiel für den »ungeglaubten Glauben« des Konkurrenzsubjektes im Kapitalismus.

P.S. Auf Sido möchte man rapmäßig mit Prezident/Whiskeyrap antworten: »Die effizienten Menschen werden effizient zugrunde gehen.«

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Du musst um dein Überleben kämpfen

Hunderte sind tot. Erneut. Weil wir eine zynische und menschenverachtende polit-ökonomische Ordnung unterstützen, die dies möglich macht. Man zeigt auf die Schlepperbanden, auf die Parteien, auf Frontex, auf Einsparungen der Flüchtlingsrettung und die millionenteure Abschottung, aber wäre es nicht angebracht auch auf uns zu zeigen? Wir wählen diese rassistische Politik und diese tödliche Ökonomie jeden Tag. Indem wir zur Arbeit und Wählen gehen anstatt solidarisch mit diesen Flüchtlingen zu streiken bis das Morden aufhört. Und ja, es ist Mord. Seit Jahrzehnten wird zugeschaut. Noch häufiger wird weggeschaut. Man hat sich an diese Katastrophen gewöhnt. Hat gelernt davon zu sprechen, dass unser Land keine weiteren Flüchtlinge verträgt, auch wenn es die, Zitat „Vorstufe zum Paradies“, in sich trägt.

Fakt ist: Unsere rassistische Asylpolitik hat mehr Menschen ermordet als der nationalsozialistische Untergrund. Es sind 23258 Menschen. Deutschland hat die europäische Aussenpolitik geprägt, die nun als die unterlassene Hilfeleistung ganze, katastrophale Abschreckungsarbeit leistet. Man bedenke angesichts von mittlerweile über zwanzigtausend verstorbenen Flüchtlingen die 138 Mauertoten der deutschen demokratischen Republik. Das Kapital soll mobil sein. Menschen nicht. Eine erstaunliche Definition von Freiheit.

Fakt ist: Man lässt Menschen lieber sterben als ihnen zu helfen, weil sie zu teuer sind. Obwohl man 338 Millionen Euro in die Abschottung der europäischen Grenze investierte, lässt man die Menschen lieber ertrinken, als ihnen zu helfen, weil man sie für eine zu große Belastung der Sozialsysteme hält. Selbst jene Menschen die dem Tod entronnen sind und nach Europa gelangen landen in Haft,  werden zu Illegalen und lebenden Toten erklärt. Ihr Leben wird auf Eis gelegt, weil sie die falsche, arme und unprofitable Nationalität an sich haben. Sie gelten als  überflüssiger, lästiger Problemfall. Sie erhalten kein Bargeld und keine Ausbildung. Und selbst obwohl schon das Bundesverfassungsgericht die „menschenunwürdige“ Behandlung von  Flüchtlingen in Deutschland monierte, befürchtet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dass es „Anreize für Wanderungsbewegungen“ schaffen könnte.  Und ein  Seehofer will bis zur „letzten Patrone“ dagegen kämpfen, dass Deutschland zum Sozialamt der Welt wird.

Fakt ist: Es hat Tradition Menschen, die vor Hunger, Armut und Krieg flüchten, wie eine tödliche Krankheit zu behandeln.

Fakt ist: Die Untätigkeit sorgt für das Blut an unseren Händen. Aber auch unsere Tätigkeit sorgt für Blut an unseren Händen: Unsere Arbeit erhält einerseits Staaten am Leben, die diese mörderische Asylpolitik durchsetzen und andererseits treibt unsere Arbeit über unsere Produktivität ärmere Nationen in Armut und Krisen, was letztlch die sogenannten Fluchtursachen erzeugt.

Wo ist unsere Menschlichkeit und unsere Rationalität? Wo ist  unser Mut etwas gegen Unrecht zu unternehmen? Woher kommt diese Gleichgültigkeit und Apathie? Wenn man die täglichen Toten im Mittelmeer, die täglich zehntausenden Hungertoten endgültig verhindern will, muss man Schluss mit dem Kapitalismus machen. Weniger geht nicht. Wenn das Morden stoppen will muss man Staaten, Nationen und die irrationale Verwertung des Werts über die Ausbeutung der Arbeitskraft der Menschen abschaffen! Notwendig ist die Produktivität im Sinne der Bedürfnisse aller Menschen einzusetzen.

Kein Mensch muss ertrinken. Kein Mensch muss verhungern. Reichtum ist für alle möglich. Die 40-stündige Arbeitswoche kann ohne Verlust des Wohlstands um 30 Stunden für alle reduziert werden. Kriege können genauso gestoppt werden, wie die Vernichtung der Umwelt oder der Tierarten. Aber das müssen wir mit Radikalität denken und anstreben. Jeden Tag. Es gibt niemand sonst der das für uns tun wird. Innerhalb des Systems hilft ansonsten nur das Betonieren des Mittelmeers.

„Du musst um dein Überleben kämpfen,“ sagte Wally gegenüber dem Weltspiegel.

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