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Wie könnte eine bessere Welt aussehen?

Es gibt nicht zu Unrecht eine Art Bilderverbot bzgl. des Kommunismus, weil eine Ausmalung einer Utopie bloss dazu führt, dass man sich nicht mit der Kritik der Verhältnisse abgibt und dabei davon absieht, warum bestimmte Bedürfnis- und Gesellschaftsstrukturen zu der desolaten Gesamtsituation beitragen, sie ermöglichen und fortsetzen.

Aber wie könnte Utopie aussehen, wenn man das mal ignoriert? Was wäre, wenn die halbe Welt im Generalstreik stünde und kurz davor steht, die kapitalistische Produktionsweise zu stoppen?  Die Streikenden müssten ziemlich schnell eine Produktionsweise etablieren, die auf Bedürfnissen und Gebrauchswerten beruht. In der alle Bedürfnisse, die niemanden (ungewollt) verletzen. Wenn man Lust auf einen Schokoriegel hat, dann  müsste in der kommenden Gesellschaft nicht Geld, Kapital, Staat, Wert, Tauschwert, verschiedene Fetschismen wie Arbeitsfetischismus daran maßgeblich beteiligt sein, wie dieser zustande kommt und zur Befriedigung des Konsumenten führt. Die Zeit, Arbeitsteilung und Qualifikation müsste genauso eine bedeutende Rolle spielen, wie die neue Operationalisierung der Verteilung und Produktion von Waren. Die Menschheit müsste zum ersten Mal bewusst ihre Gesellschaft gestalten: Dies setzt voraus, dass jeden Tag geprüft wird, ob man die Bedürfnisse genug befriedigt und die Gebrauchswerte genug Qualität und Quantität besitzen. Das wäre also so eine Art alternativer Prüfung der eigenen betrieblichen Tauglichkeit: Schmecken die Schokoriegel und bilden sie die gesamte Palette von Geschmäckern ab, die niemanden in einer Art und Weise schädigen, wie es gut für ihn oder sie ist.

Man müsste ebenso schauen wieviel Arbeitszeit braucht man in der neuen Gesellschaft und den neuen Bedingungen von Produktivität, die sich nicht mehr dem Konkurrenzkampf, Leistungsdruck unterwerfen, wie es unter dem Kapitalprinzip wäre, sondern unter dem Diktat der Bedürfnisse. Zugleich beruht die Befriedigung der Bedürfnisse und die Ausbildung der Gebrauchswerte nicht mehr auf Gewalt, sondern auf Vertrauen und Solidarität. Wir waren schon immer aufeinander angewiesen, haben das aber in den aller seltensten Fällen gelebt. In dieser neuen Epoche wäre genau das nun aber bewusst zu leben. Wir alle wollen ein Höchstmaß an Befriedigung erfahren, dazu brauchen wir Gebrauchswerte und dazu ist die schnellsmögliche Abwicklung der notwendigen Arbeitszeit zur Reproduktion der Reichtümer offensichtlich. Unser neuer und zentraler Ansporn die Arbeit zu erledigen ist demnach nicht Zwang, sondern Genuss. Produktivität geschieht nur noch unter dem Maßstab des Lustgewinns. Wir verzichten also nur noch dann auf Lust, Freizeit usw., um mehr Lust und Freizeit zu produzieren, z.B. wenn wir Schokoriegel zu produzieren, die wir hinterher genüsslich verzehren oder Maschinen produzieren, die wir hinterher zur Reduktion der generellen Arbeitszeit einsetzen können.  Damit also das Leben generell immer besser werden kann, müssen wir aktiv daraufhin arbeiten und die gesamte Ordnung der Gesellschaft darauf ausrichten. Oberste Priorität für die Gesellschaft hat der Schutz von Kindern, Frauen, Älteren und Erkrankten. Ressentiments müssen sensibel beachtet und sinnvoll mit psychotherapeutischen Mitteln geheilt werden. Die Entfernung der Notwendigkeit von Profitabilität öffnet den Raum für bislang ungeahnte Zuwendungen gegenüber allen benachteiligten Gruppen, weil die Reichtümer und Produktivkräfte auch dorthin fliessen, wohin sie Aufgrund der Profitgrenze nicht gelangen durften.

Der Kapitalismus bietet einige Erfahrungswerte, die uns in der neuen Zeit nützlich sein werden. Empirische Methoden bieten die Möglichkeit neue Vertriebsmöglichkeiten zu entwickeln. Ein zentraler Punkt ist nämlich die Frage, wie wir Milliarden Güter mit Milliarden Konsumenten möglichst schnell, hochwertig und nachhaltig zusammenbringen können. Denkbar wäre soetwas wie eine globale Webseite mit gewaltigen Datenbanken, die die Bedürfnisse der Leute aufnimmt und an die Produzenten weiterleitet, sodass am Ende eine schnelle Lieferung erfolgt. Heute kennen wir das als Amazon.com nur eben mit den falschen Produktionsverhältnissen mit Gewalt, Zwang und Ausbeutung. Die Verbindungslinien der Datenbank könnten also global und lokal gleichermaßen dicht gesponnen sein, sodass nie eine Versorgungslücke entsteht, Planbarkeit für Produzenten und Konsumenten zu jeder Zeit existiert. Die neuen Geldscheine müssten Zahlen enthalten, die z.B. für den Zeitaufwand oder eine gewisse Kategorie von Zeitaufwänden sprechen. Jeder Mensch ist Anteilseigner an den Reichtümern der Welt. D.h. Ein Mensch erhält mit wachsendem Alter per se immer mehr Anteile am gesellschaftlichen Reichtum, weil wir generell davon ausgehen, dass er eine Bereicherung darstellt, sodass immer ein Minimum an Anteil vom Reichtum der Gesellschaft vorhanden ist, egal ob er nun arbeitet oder nicht.  Hungertod, Tod durch verdursten oder fehlender Medikamente ist damit abgeschafft. Für bestimmte notwendige Arbeiten, die z.B. keinen hohen Qualfifizierungsgrad erforden, wäre es denkbar, eine Art Lotterie einzuführen, sodass diese nach dem Zufallsprinzip bei täglichen oder wöchentlichen Wechsel vollzogen wird. Unangenehme Arbeiten könnten davon betroffen sein, die noch nicht von Maschinen geleistet werden können.

Das Prinzip der neuen Zeit sollte für jedes Kind verständlich sein. Wenn jemand etwas will, dann kriegt er es. Und er kriegt es deshalb, weil wir generell alles produzieren, was gewollt wird, solange es Umwelt, Tiere oder Menschen nicht schädigt. Assoziativ, netzwerkartig organisiert sich angesichts der angemeldeten Bedürfnisse eine neue Gesellschaft und Rationalität aus. Sowohl Grundbedürfnisse als auch Spezialbedürfnisse werden sowohl aufgrund ihrer Notwendigkeit als auch aufgrund ihres Lustgewinns Geltung erhalten. Dies ist das Geschenk der Produktivitätskraft, die Millionen von Menschen über Generationen hinweg hervorgebracht haben. Ihnen verdanken wir die Gelegenheit zur Realisierung des Pardieses. Ohne gelebte Empathie wird dieses System nicht möglich sein und es stellt sich die Frage, wie mit Mängeln, Gewalt und dergleichen umgegangen werden kann. Die Räte, die sowohl in Produktionsstätten, Gemeinden usw. existieren, müssten einerseits jederzeit abwählbar sein und andererseits eine Kontrollfunktion darstellen. Sie müssen sicherstellen, dass die Macht auf alle Individuen geteilt wird, sodass alle Individuen die Verantwortung übernehmen können, die ihnen von Geburt an zuteil wurde. Jeder Mensch hat sein Leben ganz zu leben. Kein Mensch darf über den anderen stehen. Es kann nur eine kurzfristige Autorität geben, die z.B. aufgrund von Qualifikation über dem anderen steht und in bestimmter Funktion eine Weisungsbefugnis hat. Ein Kind kann in der Regel nicht darüber befinden wie der Bau eines Wasserkraftwerkes modernisiert werden kann. Die Räte müssten sich also permanent selbst reflektieren, so wie die Menschen auch, sie müssten permanent überprüfen, ob der Aufbau und die Realität dem Wunsch entspricht, dass alle frei sind.  Die Menschen, die arbeiten, müssen die Gewissheit haben, die auch der Realität entspricht, dass sie andere Menschen mit ihrer Arbeit befriedigen und das diese Menschen ihrerseits wiederum daran arbeiten, sie zu befriedigen. Das klingt nach einer Orgie und so soll es auch sein. Natürlich hat jeder die Gelegenheit frei zu wählen, wo, wann, wie, was geschieht.

Es kommt darauf an den Gebrauchswerten und Bedürfnissen gerecht zu werden. Der Zeitaufwand zur Herstellung bestimmter Produkte dürfte eines der wichtigsten Kriterien werden, um die Gesellschaft sinnvoll zu strukturieren. Die Wachsamkeit der konkreten Produzenten wird dafür sorgen, dass die notwendige Arbeit verrichtet wird, damit die Gesellschaft sich derart reproduzieren kann, dass ihr Reichtum an Bedürfnisbefriedigung nicht geringer wird. Das Diktat der notwendigen Arbeit ist der wirkliche Ernst des Lebens vor dem wir uns alle beugen müssen. Das wäre sozusagen etwas für die neuen Schulen, sie sollen lehren, was logisch ist: Wir müssen bestimmte Strukturen aufbauen und pflegen, damit wir geniessen können. Die gute Nachricht ist, dass der Ernst des Lebens sehr viel geringer gehalten werden kann, wie gegenwärtig, denn die Produktion orientiert sich an uns und nicht an einem unersättlichen blinden Prinzip, an dem nur eine Minderheit profitiert. Die Bindungskraft an der neuen Produktionsweise wird von Generation zu Generation stärker sein und das noch Frische, Unvertraute zur Normalität machen. D.h. für uns wird es am schwierigsten die neue Zeit zu etablieren, weil wir die Verwerfungen der alten in uns tragen, und so stellen wir entsprechende Ruinen der Vergangenheit dar, die bald von den neuen Generationen mit saftigen Grün überwuchert werden. Möge unser grässliches Zeitalter in diesem neuen Licht in Vergessenheit geraten und sich nie wieder wiederholen.

Ergänzung – 10.07.16: Die Verdinglichung muss für die Menschen arbeiten. Es müssen Verwertungsschlüssel gefunden werden, die Zweckrationalität und materialistische Rationalität als Nervenpunkte inne haben. Dem gegenwärtigen kaufmännischen Minimal-Maximal-Prinzip müsste anstelle der reinen Zweckrationalität nach Profitmaximierung eine Neudefinition erfolgen, und zwar, dass das Handeln und Streben ausschliesslich zur Bedürfnisproduktion eingesetzt wird. D.h. Es wird nach dem minimalsten Aufwand in der Produktionssphäre gesucht, um maximal den eigenen Bedürfnissen bzw. der Befriedigung der Bedürfnisse nachgehen zu können. Um die Bedürfnisse also stärker befriedigen zu können, muss die Gesellschaft von einer Rationalität durchzogen werden, die diesen Zweck assoziativ unterstützt, fordert und belohnt. Die Menschen müssten über die operative Reproduktionsarbeit zwischen erster und zweiter Natur darauf hinarbeiten, dass sie immer weniger arbeiten müssen, um mehr Reichtum zu geniessen. Entscheidend ist der Verteilungsschlüssel. Er muss den Anteil eines Individuums an der Produktion enthalten, die aktuelle Produktivkraft der Gattung und die gegenwärtigen Bedürfnisse der Individuen transparent kommunizieren und operationalisieren.

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Die Beschissenheit der Dinge

Paradoxerweise hungern 1 Milliarde Menschen, weil 50 Milliarden Tiere jährlich geschlachtet werden. Die Tiere der ersten Welt, essen den Menschen der Dritten Welt die Nahrung weg. Die westliche Welt wirft die Hälfte ihrer Lebensmittel weg, die in der Regel noch sehr gut schmecken würden. Jährlich werden 130.000 km² Waldflächen gerodet. Täglich sollen mehr als 120 Arten aussterben. 2008 wurden mehr als 3,7 Milliarden Tonnen Güter durch die Welt kutschiert. Tagtäglich fahren allein in Deutschland mehr als 44 Millionen Kraftfahrzeuge durch Betonlandschaften. Weltweit sollen 1 Milliarde davon unterwegs sein. Keine Sekunde ist ohne den Ausstoß von giftigen Abgasen. Die Industrie bläst und pumpt ihr Gift in irren Ausmaßen in die Weltmeere. Es sollen sich mehrere Millionen Tonnen Kunststoffmüll und damit bis zu 18.000 Kunststoffteile auf jedem Quadratkilometer Meeresfläche in allen Weltmeeren befinden. Frankreich schüttet darüberhinaus jedes Jahr 33 Millionen 100-Liter-Fässer radioaktives Abwasser ins Meer. Es sollen sich bereits mindestens 100.000 Tonnen radioaktiver Müll in den Weltmeeren befinden. Und hierzulande regen sich Menschen über Hundekot oder zu hohe Benzinpreise auf. Jedes Jahr werden 12 000 Tonnen weiterer radioaktiver Müll produziert, obwohl weltweit kein sicheres Endlager existiert.

Mehr als 1 Millionen Menschen bringen sich jedes Jahr freiwillig um. 2,9 Millionen Menschen sterben jährlich an AIDS. 1,6 Millionen jährlich an Tuberkolose. Zehntausende verhungern tagtäglich. Tausende sterben an diversen heilbaren Krankheiten oder verunreinigtem Wasser. Alleine die Durchfallerkrankungen Cholera, Typhus und Ruhr raffen jedes Jahr 2,1 Millionen Menschen dahin, wobei hauptsächlich Kinder betroffen sind. 2,5 Millionen Menschen sterben jährlich durch Alkohol. Etwa sechs Millionen Menschen sterben an den Folgen des Tabakkonsums. Weltweit sterben jährlich etwa 740.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen von Waffengewalt. Allein Hecklar & Koch hat seit 1949 mehr als 11 Millionen Kleinwaffen hergestellt. In Deutschland haben sich die Genehmigungen für Ausfuhren von Rüstungsgütern im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 1 Milliarde EUR auf 8,7 Milliarden EUR erhöht. Rund 650 Millionen kleiner Waffen gibt es gegenwärtig weltweit, davon alleine 30 Millionen in der Krisenregion Sub-Sahara Afrika. Laut Unicef sind „Kleinwaffen die wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit“. Weltweit soll es mehr als 300 000 Kindersoldaten geben. Laut dem Proliferation-Report von 2007 der Stiftung Carnegie Endowment for International Peace gibt es mehr als 28 000 Atombomben auf der Welt. Davon sollen mindestens 30 US-Atombomben in Deutschland lagern.

Mit dem eigenen Arbeitsplatz ist die Zerstörung der Umwelt, der Tierwelt und der Menschheit gesichert. Egal ob Kaffee, Schokolade, Bananen, Autos, Motorräder, Haushaltsgeräte, Computer, Handys, die Konsumenten und Produzenten von Gütern dieser Welt, befeuern die Umweltzerstörung, die Armut, den Hunger und die Entfremdung auf allen Kontinenten. Wir alle sind für diese Zustände verantwortlich, denn wir erhalten mit unserer Arbeitskraft schließlich ständig dieses Schweinesystem! Wir passen uns an, bringen Leistung um jeden Preis und wofür? Um damit Geld zu verdienen, um letztlich unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Sämtliche Lohnabhängigen dieser Welt führen kein selbstbestimmtes Leben. Sie arbeiten für fremde Vermögen, für ein abstraktes Prinzip, welches nichts mit Rationalität oder Vernunft zutun hat! Die Intelligenz der Menschheit wird dem Prinzip des Konkurrenzkampfes und Profitmaximierung untergeordnet und geopfert! Die kapitalistische Produktionsweise mit ihren Wachstumszwang zwingt Milliarden Menschen zur exzessiven Produktion von Gütern, die letztlich den gesamten Planten vermüllen, Menschen und Tiere ausbeuten, vergiften und zerstören. Wir konkurrieren tagtäglich gegeneinander um uns gegenseitig Marktanteile abzutrotzen, wovon wir wiederum als Lohnabhängige nur einen geringen Bruchteil erhalten. Zwei Prozent der Weltbevölkerung besitzen mehr als 50 Prozent des weltweiten Vermögens, was mehr als 47.000 Milliarden Euro entspricht. Doch sind nicht einfach nur die Reichen und Eigentümer von Arbeitsplätzen für all diese Entwicklungen verantwortlich, wir entscheiden uns tagtäglich mitzumachen. Anstatt uns mit diesen Themen zu befassen schieben wir die Verantwortung an Regierungen ab, dabei konnten sie niemals all diese Schwierigkeiten bewältigen, geschweige denn den Bedürfnissen und Vorstellungen aller Menschen entsprechen. Der Parlamentarismus ist unfähig die gewaltigen Schwierigkeiten der Menschheit zu bewältigen, eigene Initiative und Selbstverwaltung muss daher dringend erfolgen!

Anstatt die Regierungen und damit die Staaten dieser Welt abzuschaffen, sie durch basisdemokratischen Rätesysteme zu ersetzen, in denen nur noch das zählt was die Bevölkerung will, wird den alljährlichen leeren Versprechen bei Wahlen geglaubt. Kein Parteiprogramm dieser Welt kann Millionen Individuen berücksichtigen und genau deshalb sind alle Wahlen weltweit reine PR Veranstaltungen für Parteien, sind die Nutznießer von Wahlen eine absolute Minderheit, die gegenüber der Masse horrende Vorteile wahrnehmen können! Wenn man als Mensch der Zerstörung der Menschen, der Tiere und des Planeten entgegentreten will, muss man also für eine radikale Abschaffung des Kapitalismus und sämtlicher Nationalstaaten eintreten, da von ihnen die theoretische und praktische Grundlage, Legitimierung und Absicherung dieser Lebens- und Produktionsform ausgeht. Die Interessen des Staates und des Kapitals, sind nicht die Interessen der Bevölkerung! Die Menschen verhungern weil sie kein Geld haben, weil sie sich nicht am globalen Markt ausbeuten lassen können. Sie sind ausgeschlossen von den Reichtümern dieser Welt, weil die eigenen Bedürfnisse nur dann etwas wert sind, wenn man auch bezahlen kann. In diesem System werden Lebensmittel lieber verbrannt, anstatt den Hungernden übergeben. Man muss hier von einem tagtäglichen Massenmord sprechen! Diese Sauerei muss aufhören! Milliarden Menschen schuften 10 und mehr Stunden täglich, sehen ihre Familie nicht, können sich nicht über ihre Bedürfnisse und Probleme klar werden, obwohl es in den letzten Jahrzehnten gigantische Produktivitätssteigerungen gegeben hat. Das Kapital zwingt die Menschen nicht ihren eigenen Interessen und Bedürfnissen zu entsprechen. Millionen Menschen leiden mittlerweile an Depressionen, Burnout, diversen anderen psychischen Erkrankungen, weil sie permanent den Anforderungen am Arbeitsplatz bzw. den Anforderungen des Marktes und damit des Kapitals entsprechen müssen.

Sämtliche Menschen sind also dazu aufgerufen ihre Charaktermasken zu erkennen und zu vergessen, durch das zu ersetzen was sie sein wollen! Wir müssen uns engagieren, vernetzen und solidarisieren! Alle Ideen der Menschheitsgeschichte müssen hierzu eingebracht werden. Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus bieten ideale Ansätze für die theoretische Auseinandersetzung und praktische Erprobung. Man muss nur zugreifen und darüber debattieren! Es kann sofort damit begonnen werden die Bedürfnisse der Menschen über die Produktion von Gütern zu stellen. Generalstreiks erzwingen die Gründung von basisdemokratischen Entscheidungsgremien, welche die profitortientierte Logik der Produktion ersetzen. Aufgrund technologischer Fortschritte wie dem Internet könnte mittlerweile jedes einzelne Bedürfnis effizient berücksichtigt werden. Niemand muss verhungern, niemand muss an heilbaren Krankheiten sterben, geschweige denn tausende von Stunden jährlich am Arbeitsplatz die Zerstörung der Menschheit und der Welt vorantreiben! Atomkraftwerke gehören abgeschafft, sämtliche Waffen und Waffenfabriken dieser Welt zerstört. Generell muss die Zerstörung der Umwelt verboten werden, was sich leicht durchsetzen wird, wenn die Menschen nicht mehr finanziell von der Rodung ihres Urwalds oder der Überfischung der Weltmeere oder der Produktion von Kraftfahrzeugen abhängig sind! Staaten sind vorallem dann nutzlos wenn die Menschen aufhören gegeneinander zu konkurrieren. Damit sind auch sämtliche Armeen dieser Welt überflüssig, wodurch Millionen Menschen sinnvollere Dinge tun können.

Allein in Deutschland sind mehr als 7 Millionen Menschen von der Sozialhilfe abhängig und können nur schwer ihre Bedürfnisse wahrnehmen und befriedigen, weil sie zu den Verlierern der kapitalistischen Gesellschaft gehören. Ohne den Kapitalismus und ohne den repressiven Staat, ist eine Freisetzung diese Menschen und damit Unmengen von Zeit möglich. Diese Zeit kann in die menschlichen Beziehungen fliesen, psychische und physische Erkrankungen lindern oder sogar völlig abschaffen! Wenn jeder Mensch nur noch 3-4 Stunden am Tag für die Befriedigung der gesamtgesellschaftlichen Bedürfnisse investieren muss, bietet das Raum für grundsätzliche Veränderungen und qualitative Steigerungen der Lebensqualität aller Menschen. Durch die Maximierung der Freizeit können sich mehr Menschen mit der Lösung von Problemen kümmern, d.h. es werden nicht mehr bloß ein paar tausend Politiker sich um die Belange der Menschheit kümmern, sondern alle Menschen! Dies setzt alle Potentiale der Menschheit frei und wird selbstverständlich Kriminalität, Rassismus, Terrorismus, sämtliche Konflikte und Missverständnisse mildern, wenn nicht sogar beseitigen! Der Aufbau Afrikas und sämtlicher Völker mit großer Armut wird nicht mehr nur NGOS und ein paar Spenden überlassen, es können sich hunderttausende Menschen aktiv mit ihrer Arbeitskraft einsetzen. Anstatt sich also mit den leeren Versprechen abzugeben, sollten wir alles daran setzen diese Utopie zu erkämpfen, zu erdenken und zu entwickeln. All das sind bloße Ansätze die reichtlich unzureichend und quasi aus der Hüfte heraus formuliert wurden. Das ist ein Appell sich stärker mit Theorie und Praxis des Widerstands gegen das kapitalistische System zu engagieren. Es gibt eine Welt zu gewinnen!

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Antikapitalistische Notizen aus dem Säurebad

Da versauern Millionen von Menschen an ihren Arbeitsplätzen und warten darauf in den Abgrund gezogen zu werden. Weltmeere werden verstrahlt, von Müllinseln beglückt, Tiere und einzigartige Ökosysteme verheddern, versinken und ersticken in der industriellen Pest. Wir unterhalten uns über Politik, Wirtschaft, Sport und diskutieren was richtig ist. Sehen untätig zu wie der Planet ungenießbar wird. Schuld sind grundsätzlich die anderen Menschen. Wir sind nämlich vernünftig. Ständig werden Kinder geboren, geschlagen, missbraucht und das ganze Leben lang abgetrieben. Wenn sie nicht rebellieren sind wir alle verloren, denn Priester sind Pädophile, Politiker und Manager korrupt, es regiert das Ego, der Prügelstock und das Kapital. Der Wahnsinn ist der freundliche, unscheinbare Nachbar von nebenan, wie Du und ich. Das Leben ist eine Seuche geworden. Konzerne manipulieren und missbrauchen Menschen, saugen sie aus, bis sie nichts weiter als Konsumzombies und Automaten sind.

Wir diskutieren was richtig ist und entscheiden uns für den Wahnsinn. Tausende Menschen erhalten keine Medikamente, tausende Tiere werden nur geboren um als Bifi, Chicken McNugget oder offenfrische Tiefkühlpizza zu enden. Wir nennen Tierkadaver nicht Tierkadaver, sondern Salami und verniedlichen Massenmord. Wir karren dieses Kadaver tausende Kilometer, verbrauchen liebend gerne jedwede Energie für den genüßlichen Gaumenkick, aber der Hunger der anderen ist uns fremd. Keine Sensation, keine Veränderung, kein Ende. Wir ergötzen uns am Elend des modernen internationalen Holocaust und warten gierig auf neue Katastrophen, über die wir schockiert aber tatenlos protestieren und jammern können. Leichenberge in den Entwicklungsländern und Schlachthäusern dieser Welt, wir profitieren davon und drehen die Popmusik auf, ficken unseren Partner und fühlen uns gut. Wir masturbieren zu Explosionen im Fernsehen und betrachten tausende Verkehrstote als normal, den Islam natürlich als Gefahr, verkaufen tonnenweise Waffen in Krisenregionen und verbieten unseren Kindern nach 18 Uhr draußen zu spielen. Wir sind schizophrene Wärter des globalisierten Konzentrationslagers, wir sind Häftlinge und Tyrannen in einer Person. Wir zünden die Welt an und schreien nach Hilfe.

Die Erde wird geplündert und vermüllt damit wir den neusten Wagen, das modernste Handy, die neuste Erfindung von tausenden Konzernen haben können. Auf allen Kanälen, in Zeitungen, im Radio, Fernsehen und Internet wird geworben, wie toll doch alles ist und wie frei und glücklich wir uns fühlen sollten. Jeder weiß das unser Leben eine Lüge ist. Aber wir gehen gerne zu Ostern, Weihnachten, Geburtstagen und an jeden erdenklichen Tag froh einkaufen um uns davon abzulenken. Wir rauchen Tabak, welcher von armen Kindern und deren Familien angebaut und zu Dumpingpreisen verkauft wurde. Auch der Tabak macht uns krank. Dann trinken wir Alkohol um zu vergessen, was uns schmerzt und was uns hilft, bis wir vom nächsten Arbeitstag vergewaltigt werden. Manchen gefällt die Maschinerie der Zerstörung, sie steigen auf. Werden Chef, bis sie an einem Herzinfarkt sterben oder von ihren Kindern, die mittlerweile Teenager geworden sind, als Rabenväter beschimpft werden. Wir diskutieren was richtig ist und entscheiden uns für den Wahnsinn.

Ein Eisbär ist gestorben und manche Menschen vermuten besorgt einen Mord, während all die anderen Tiere in Zoos und Zirkusse aufzeigen müssen, wie beschränkt der Mensch ist. Sie werden begafft und beklatscht, während gierig Tierkadaver in Form von Bockwürsten und Dönern verschlungen werden. Es schmeckt so gut. Es ist Tradition. Wir riechen gerne Benzin. Wir haben Benzin im Blut. Funktionieren wie Maschinen, glauben an Zahlen und verleugnen unsere Gefühle. Wir asphaltieren die Erde mit Beton. Wir ersticken unsere Nachkommen mit Qualm, Dreck und Gewalt. Die Lüge ist zur Wahrheit geworden, unser Heroin ist der Arbeitsplatz, jeder der diese Ordnung stört ist ein Chaot, ein Träumer, ein Spinner, der kein Konzept hat, der unsere Sicherheit und unsere Zukunft aufs Spiel setzen will. Wir lieben unsere Peiniger, die Schreie der Hungernden, den Sound eines Sportwagens, weil wir die Entfremdung leben.

Wir sortieren unsere Klamotten, halten Wohnung und Toilette peinlich genau sauber, aber wir haben kein Problem mit dem atomaren, chemischen Müll auf dem Planeten, kein Problem mit den Hungertoten, den Kinderarbeitern, den Menschenhändlern, den Korrupten in Politik und Wirtschaft. Wir haben kein Problem damit tagtäglich in etwas zu investieren was den Planeten und alles darauf existierende zu vergiften, denn wir definieren uns als eine kranke lebensunwerte Spezies. Jeder der Vorschläge bringt ist ein Feind der systematischen Zerstörung und muss entsprechend bekämpft werden. Wir warten auf das Ende, wir freuen uns auf den Abgrund und bis dahin greifen wir ab was wir kriegen können. Unsere Kinder sind Totgeburten, sie leben weil wir zu ängstlich waren sie abzutreiben. Wer wirft schon aus Liebe, einen Menschen in so eine vermüllte, verstrahlte Welt voller untätiger, uneinsichtiger Menschen. Wohl nur Menschen die selbst untätig und uneinsichtig sind.

Was tun?

Jegliches Engagement gegen diese Zustände war mehrheitlich nichts weiter als blinder Aktionismus, eine Rennerei zu Führern, Vertretern und Betrügern. Die Wahrheit ist doch das kein Mensch, keine Partei, kein Konzern und keine Religion vollständig versteht was auf diesem Planeten passiert und was dagegen zu tun ist. Sie alle geben jedoch stehts vor es zu wissen und verkaufen Lösungskonzepte, die nichts weiter liefern können als neue Probleme. Ich brauche nicht erwähnen wieviele Menschen alleine im Kampf der Religionen um die Deutungshoheit der „Wahrheit“ starben. Also werde ich als Betrachter dieser Zustände nicht denselben Fehler begehen. Der einzige mögliche Weg ist ersteinmal mit diesen Betrügereien aufzuhören. Wir müssen endlich mal kapieren, dass die Demokratie, wie sie heutzutage als Parlamentarismus vorherrscht, eben nicht höchster Ausdruck von Freiheit ist. Die Parteien behindern sich seit Jahrzehnten gegenseitig und verpauschalisieren die Bedürfnisse und Vorstellungen von Millionen von Menschen. Parteien können schon alleine aufgrund der Organisation der Strukturen nicht den Willen der Wähler erfüllen, näheres habe ich schon in früheren Beiträgen formuliert und ist auch unter Demokratiekritikern keine Neuigkeit.

Der Kapitalismus funktioniert nicht, weil er der Profitmaximierung und nicht den Bedürfnissen der Menschen folgt. Insofern ist der Spruch aus dem Volksmund: Geld regiert die Welt, klarer Ausdruck unserer wirtschaftlichen Realität. Ich bin sicher, darüber herrscht in der Bevölkerung Einigkeit. Demzufolge muss nur noch eines erfolgen, eine breite Debatte wie man vergangene Fehler ausräumen und Alternativen aufbauen kann. Da der menschliche Verstand immerzu beschränktes hervorbringen kann, sind auch all seine Theorien über die Welt und die Wirklichkeit beschränkt. Ideologien egal ob aus Politik oder Religion müssen ins Chaos, in Verwüstung und Elend führen, je stärker sie verfolgt werden, denn sie gehen nicht mit der unendlichen Wirklichkeit konform. Man sieht es aktuell mal wieder am aktuellen Wahn, wie ich in den ersten Absätzen formuliert habe. Wenn man sich die Geschichte anschaut sind die Menschen ständig irgendwelchen „plausiblen Lügen“ gefolgt, es wird Zeit erwachsen zu werden und sich loszusagen von irgendwelchen geschlossenen Konzepten und deren Priestern.

Uns alle eint Individualität und verschiedene Grundbedürfnisse. Jeder braucht gesunde, frische Nahrung, ein Dach übern Kopf, Medizin und die Möglichkeit sich nach seinen Vorstellungen und Fähigkeiten auszudrücken. Es ist absolut möglich die Befriedigung der wirklichen Bedürfnisse der Leute dezentral, ohne Führerkult, ohne Herrschaftscliquen, ohne Gewalt und Betrug zu organisieren. Alles ist eine Frage der Kommunikation und des Willens. Aufgrund der hohen Produktivität und der Massen an Arbeitslosen, gibt es die Chance allen Menschen Lebensmittel, Medizin, Lebensraum und Platz, Sicherheit und Nährboden für sein Leben zu gewährleisten. Man muss sich beispielsweise nur mal ansehen wieviele Tonnen tagtäglich an Lebensmitteln weggeworfen werden! Die heutigen Gemeinden und Kommunen können den Staat als Vorreiter einer Räterepublik übernehmen, Betriebsräte und Gewerkschaften können die Organisation und Produktionsintensität in den Konzernen bewerkstelligen und regulieren. Größere Entscheidungen über die politische und wirtschaftliche Zukunft können von allen Menschen entschieden werden, ohne Bevormundung irgendwelcher Experten oder Vertreter.

Es wäre sofort Schluss mit den hohlen Phrasen der Politiker und Bosse. Keiner der ernsthaft bei Verstand ist hat ihnen jemals geglaubt. Es wäre Schluss mit dem Hunger in der Welt, der Umweltzerstörung und der Entfremdung der Massen. Weil alle Menschen dazu gebracht werden sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen und nicht stets durch die wirtschaftlichen und politischen Machtzentren in die Passivität gedrängt werden. Es wird Zeit laut über Alternativen nachzudenken. Das Leben ist zu kostbar um länger diesen Wahnsinn mit Verstand und Körper zu unterstützen. Es wird Zeit für branchenübergreifende Streiks und nationenübergreifende Generalstreiks. Es muss eine Wiederbelebung der revolutionären Theorien geben, die jenseits des Bürgertums, des Kapitalismus und der parlamentarischen Demokratie funktionieren. Wir brauchen offene Konzepte, in denen neue Ideen und neugeborene Menschen sich unkompliziert und unbürokratisch einbringen können. Wir brauchen die gesamte Kreativität und Kraft um die Herausforderungen der Menschheit zu lösen. Es darf keine Tabus oder Denkverbote geben die dem Fortschritt der Menschheit im Wege stehen.

Der Anarchismus ist beispielsweise so ein offenes Konzept. Es gibt keine Herrschaft durch Menschen über andere Menschen, stattdessen hat jeder die Möglichkeit seine Individualität frei auszuleben. Das ist aber kein Paradies für Mörder, denn auch Anarchisten kennen Ethik und Recht, hier muss selbstverständlich eine breite Debatte geführt werden um in der Praxis keine neuen Opfer zu produzieren. Es ist klar, das jeder Mensch der sich ausleben will, Regeln befolgen muss, aber eben Regeln die einen Sinn ergeben und uns allen zugute kommen. Wer glücklich leben will darf die Umwelt nicht vergiften und andere Menschen nicht manipulieren, damit man günstig an ihre Arbeitskraft herankommt. Wir wissen alle das der heutige Rechtsstaat mit allem zu tun, aber sicher nicht mit der Gerechtigkeit. Er ist Erfüllungsgehilfe der Ausbeutung und Unterdrückung. Ein Werkzeug der Manipulation und Kontrolle. Solche Verbrecherinstitutionen haben in einer freien und offenen Gesellschaft überhaupt nichts verloren! Insofern mal wieder der Aufruf sich für den Anarchismus, Sozialismus oder Kommunismus stark zu machen, auch wenn ich mich damit sicherlich erneut für die Staatsdiener interessant mache.

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Es gibt keine Lösung für alle Probleme

Ja, die Zeiten ändern sich nicht. Es bleibt hart. Es bleibt aussichtslos. Es gibt immer weniger gut bezahlte Jobs, es gibt immer mehr Leute die diese Jobs haben wollen. Unser wirtschaftliches und politisches System wird dies weiter verschärfen. Viele jammern für sich allein, blicken nicht auf die Nachbarn, nicht auf die anderen Nationen, sehen nicht das große Ganze und fühlen sich entsprechend ohnmächtig, als hätten sie keine Wahl, als hätten sie keine Fähigkeiten positivere Veränderungen für alle Menschen anzugehen. Das Geld dominiert alle Lebensbereiche, ohne Geld kannst Du keine Rechnungen bezahlen, kannst dir keine Wohnung, keine Möbel, keine Bücher, Klamotten kaufen. Klar, der Staat gibt Dir ein paar Notgroschen, aber wer will die schon annehmen, gerade bei den Hetzereien gegen ALGEmpfängern? Jeder will lieber „auf eigenen Beinen“ stehen, das eigene Leben in die Hand nehmen und das eigene Glück mehren.

Aber es ist nicht möglich das zu tun, denn der Markt ist nicht fähig allen Menschen ein Chance zu geben. Ich habe es in meinem Blog schon ziemlich häufig beschrieben, wieso dem so ist. Die Realität sollte den Leuten zeigen das es so nicht weitergehen kann. Wenn es sich weiter verschlimmert, wie bisher, dann wird es bald schwere Konflikte geben. Konflikte die über das Jammern hinaus gehen, Konflikte mit denen selbst der Staat große Schwierigkeiten haben wird. Die Politik hat in den letzten Jahren immer stärker auf Wirtschaftsinteressen statt auf das Gemeinwohl gesetzt und wird für diese Politik bald den Preis sehen. Ich sehe quasi keine Firma die Vollzeitkräfte einstellt, Zeitarbeit, Kurzarbeit, 400 EUR-Kräfte, usw. alles eindeutige Zeichen wohin es in Zukunft weiterhin gehen wird. Wir werden uns demnächst wie in Amerika mit mehreren kleinen Jobs über Wasser halten müssen, es wird noch weniger Zeit bleiben das Leben zu genießen oder Fragen zu stellen, Antworten zu bekommen usw. Dieser Prozess beschleunigt sich immer mehr und es wird logischerweise mehr Konflikte geben.

Menschen die immer weniger Zeit für sich und ihre Leidenschaften haben, sind selbstverständlich gereizt, aggressiv, brauchen Ausgleich und so weiter. Wir haben Millionen Suizide bzw. Suzidversuche jedes Jahr, Millionen die an Depressionen leiden, Millionen mit schlechten Essgewohnheiten, Millionen die kaum Essen erhalten, Millionen die keine ordentliche medizinische Versorgung erhalten, Millionen die mit Billigjobs abgespeist werden und sich niemals ein Haus werden bauen können, Millionen die immer nur ihre Arbeitskraft auf dem Markt anbieten können und dadurch selbst zur Ware werden. Dagegen haben wir wenige Menschen die Milliarden auf ihren Konten haben, ganz wenige Menschen die ihr Geld arbeiten lassen und nur noch Luxusprodukte konsumieren, wenige Menschen die sich Inseln statt Häuser kaufen, wenige Menschen die die politischen Entscheidungen beeinflussen, wenige Menschen die trotz ihrer großen Vermögen allenfalls in Stiftungen investieren um Steuern zu hinterziehen. Vielleicht sind das alles nur Legenden, populistische Phrasen, aber es läuft offenbar real mehrheitlich so, sonst wären all diese Probleme doch gar nicht vorhanden.

Es wird gern behauptet die Reichen wären die Leistungsträger. Aber was ist mit den Kassierern bei Lidl oder den Putzen die die Büros reinigen, den LKW-Fahrern auf den Autobahnen, sind das keine Leistungsträger? Haben die nicht auch wesentlich mehr Geld und Entlastung mit ihrer täglichen harten Arbeit verdient? Die Methoden mit denen diese Leute um ihr Recht betrogen werden, sind gerade in den Massenmedien täglich einsehbar. Es wird ein Feuerwerk der Entrüstung ausgelöst wenn man die Systemfrage stellt oder an die Vermögen der „Reichen“ gehen will. Die sehen ihre soziale Leistung im erwirtschaften der Summen die sie teilweise nun auf ihrem privaten Konto haben. Ich sehe das völlig anders. Wer braucht schon mehr als 1 Millionen EUR auf dem Konto, besonders angesichts der Verhältnisse in der Welt? Wieso setzen sich die „Reichen“ nicht zusammen, gründen eine fette Stiftung und lösen alle Probleme? Offensichtlich sind sie daran interessiert egoistisch ihre Vermögen zu halten oder zu vermehren. Sie identifizieren sich nicht mit den Hungertoten, den Harz4-Empfänger, Zeitarbeitskräften usw. Vermutlich sind sie da nicht viel anders als viele andere Menschen, was aber nichts daran ändert dass das Bewusstlosigkeit ist.

Diese Bewusstlosigkeit erzeugt Gewalt, Mord, Ausbeutung, Zerstörung jedweder Form. Das scheiten jeglicher Ideologien, egal ob Sozialismus, Kapitalismus etc. ist begründet auf dieser Bewusstlosigkeit. Egal was sich der Mensch ausdenkt, denkt er nicht an andere, respektiert er andere nicht, wird das was er sich erdacht hat zur Qual für sich und andere.  Insofern ist es nicht notwendig sich Gedanken zu machen wie man die Gesellschaft grundsätzlich ändern „muss“ damit es besser ist. Es ist notwendig zu Fragen warum seit tausenden von Jahren die Menschen nicht in der Lage waren friedlich miteinander umzugehen und keinen zu vernachlässigen. Man muss mehr in die Realität gehen und beobachten wie es ist. Die theoretischen Vorstellungen können selten 1 zu 1 auf Milliarden Menschen übertragen bzw. aufgezwungen werden. Schliesslich sind wir alle Individuen mit eigenen Vorstellungen, Wünschen und Träumen. Niemand kann und sollte das irgendwem absprechen. Diese Welt sollte für jeden offen sein, jedem das Recht auf Leben und Glück von Geburt bis zum Tode ohne wenn und aber sichern. Es sollte keine Grenzen geben.

Es wird nie eine Lösung für alle Probleme geben. Keine Ideologie wird jemals das Leben von allen Menschen einschliessen können. Deshalb werden alle Parteien immer scheitern. Deshalb werden wir uns im Streit nur im Kreis drehen, während rings um uns herum die Leute verhungern oder ums überleben kämpfen. Das ist doch kein Leben! Jeder Mensch ist für sich und andere verantwortlich. Jeder Mensch sollte sich daher Fragen was die wirklichen Ursachen der Schwierigkeiten lokal und global sind. Hierfür gibt es keinen Plan oder vorgeschriebenen Weg. Jeder Mensch hat individuell für sich allein diesen Fragen nachzugehen, wenn er sich irgendwann einmal glücklich schätzen will. Man kann gerne sich mit Ideologien auseinandersetzen, aber man muss vorallem deren Grenzen kennenlernen und sich dann fragen warum es diese Grenzen gibt. Das menschliche Denken ist begrenzt, folglich sind alle Ideologien begrenzt und würden Konflikte produzieren, wenn man sie in die Realität übertragen wollte.

Wir haben heute dieselben Probleme wie vor 500 oder 2000 Jahren. Wir denken uns etwas aus und verlangen von anderen Menschen das sie dem folgen was wir uns ausgedacht haben. Und dann wundern wir uns das es Konflikte gibt. Es ist absurd. Die schwachen Leute gehören zu den Verlierern dieser Gesellschaft, immer noch, es gibt nur in den „reichen“ Ländern ein relativ schwaches Solidarprinzip, während in anderen Nationen die Menschen glatt verhungern oder auf Müllbergen versuchen zu überleben. Wie ist das möglich? Wie sind diese Entwicklungen möglich geworden? Warum werden sie nachwievor hingenommen? Wo sind die Proteste? Wo die Debatten? Wo sind die rebellischen Jugendlichen? Saufen die sich wirklich alle ins Koma? Es ist erschreckende Bewusstlosigkeit, produziert von einer Gesellschaft die sich in weiten Teilen selbst ignoriert. Dies muss in Konflikten enden, ich kann es gar nicht oft genug betonen!

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Du kannst die Wohlfühldiktatur nicht ändern!

Seit Generationen zwingen wir uns gegenseitig innerhalb eines globalen Wettbewerbs gegeneinander um Profite, Gehälter, Karrieren, Status usw. zu kämpfen. Das Leben von uns, unseren Eltern, deren Eltern und deren Eltern und so weiter ist nichts weiter als ständiger Kampf, jeder ist der Feind und daher muss jedem Menschen misstraut werden.

Es gibt keine Alternative, die Alternativen sind gescheitert, wir können uns nur im permanenten Wettbewerb gegenseitig zerfleischen und alljene die dafür zu schwach sind oder das einfach nicht mitmachen wollen haben eben zu verrecken! Das ist Kapitalismus, das ist Marktwirtschaft, politisch u.a. durch unser demokratisches System, in welchem wir zwischen Pest und Cholera „wählen“, legitimiert.

Laut Ansicht von Generationen, also hunderten von Millionen von Menschen, ist die bestmögliche Freiheit in dieser Welt die Wahl zwischen Pepsi und Cola, die bestmögliche Freiheit ist 1 Monat Urlaub bei 11 Monaten Arbeit, ist 1 Milliarde Menschen in Hunger, während andere Menschen in ihrem Fett erkranken und erdrückt werden. Arbeit und Konsum die perfekte Harmonie auf dem Weg zur Freiheit! Alljene die das hinterfragen sind arbeitsscheue Schmarotzer die man zur Arbeit peitschen sollte!

Ist es nicht merkwürdig, wenn andere täglich 8, 10, 12, 14, 16 ja teilweise sogar 20 Stunden arbeiten und trotzdem nicht reich werden? Das ist halt so, daran ist nichts merkwürdig.

Ist es nicht merkwürdig, wenn andere innerhalb von 1 Jahr hunderte Millionen Euro verdienen, obwohl sie täglich sehr viel weniger Stunden arbeiten? Das ist halt so, daran ist nichts merkwürdig.

Ist es nicht merkwürdig, seit 60 Jahren Demokratie nur verwaltet, ignoriert und verarscht zu werden, statt befreit zu werden von menschlichen Illusionen, Gewalt und Ausbeutung? Das ist halt so, daran ist nichts merkwürdig.


Alles was meine Familie zu meinen Gedanken sagen kann: Das ist halt so. Es war schon immer so. Du kannst es nicht ändern. Mach etwas vernünftiges, geh arbeiten, so kann Dich immerhin keiner als asozial beschimpfen!

Aber gleichzeitig soll ich zusehen wie meine Familie und Milliarden andere Menschen sich zu tode arbeiten und kaum etwas vom Leben haben! Ich soll einfach so tun als sei alles so, wie man es mir von Geburt an vorgelebt und gelehrt hat. Ich soll versuchen ein glücklicher Sklave zu werden und Ausbeutung als höhere Gewalt, für die niemand verantwortlich ist, akzeptieren.

Man sagt mir ich wäre ein Träumer, Teil einer Sekte und ich soll aufhören mir einzubilden ich sei ein idealistischer Messiahs der das Paradies auf Erden schaffen kann. Soetwas bekomme ich zuhören wenn ich Zustände nicht ertragen kann und diese anspreche! Es scheint für diese Menschen eine Qual zu sein, darauf hingewiesen zu werden, dass sie ihre Möglichkeiten zur grundsätzlichen Veränderung der Gesellschaft nicht genutzt haben. Und damit meine ich ganz klar Revolution, damit verbundenen Generalstreik, Selbstorganisation in völliger Gewaltlosigkeit.

Politiker, Bosse, Bonzen müssen entmachtet werden und dazu gehört nunmal die völlig Auflösung der jetzigen Praktizierung der unterdrückenden Ideologien und Institutionen. Dieses muss natürlich friedlich geschehen, dieses muss mit dem entsprechenden Bewusstsein der Massen geschehen, sonst wird alles dahingehende weitgehend scheitern. Daher ist es dringend erforderlich Theorien zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. Genau dieses tue ich in Berlin und werde dafür nicht einmal von meiner Familie gelobt oder unterstützt, – stattdessen diese Phrasen ich hätte durchgedreht und würde ja nur so leben weil ich faul wäre!

Dabei ist das völliger Irrsinn, – ich tue mir im Gegenteil sehr viel mehr Arbeit an als viele andere Arbeiter die sich brav in das Heer der Arbeiter einreihen, – denn ich kämpfe gegen sämtliche Fronten der Zivilisation, die durch die Ignoranz und Dekadenz entstanden sind. Keiner will seine Lebensweise hinterfragt haben, daher hat sich jeder einen gewissen Panzer zugelegt und diesen aufzulösen ist eigentlich eine Lebensaufgabe und bedarf unheimliches Wissen, Beharrlichkeit und Idealismus. Inwieweit man so überleben kann, erprobe ich gerade. Aber es ist alles andere als Faulheit, so zu leben. Es ist hochgradig unangenehm, aber notwendig, weil es keine Alternative gibt, als Aktivismus gegen diese Zustände! Und ich fordere jeden dazu auf, seine im Alltag aufkommenden Gedanken und Gefühle exakt wahrzunehmen, deren Quelle nachzugehen, vielleicht erhaltet ihr dann eine ähnliche Motivation wie ich.

Die Kriege zwischen Nationen, Konzernen, Haushalten, Individuen sind es die die Menschen reihenweise leiden und zerstören lassen. Diese Kriege beruhen zurzeit, also seit einigen Jahrhunderten, auf Ängsten, u.a. der Angst „zu kurz zu kommen“. Jeder fürchtet sich vor irgendetwas und braucht die Unterstützung anderer Menschen, auch wenn es um wesentlich grundlegendere Bedürfnisse wie Nahrung, Kleidung, Lebensraum und so weiter geht, brauchen wir die Unterstützung anderer Menschen.

Es ist doch absolut logisch das jeder Mensch gewisse Rechte hat, die ab seiner Geburt in Kraft treten und erst enden wenn er gestorben ist. Warum kämpfen wir nicht um diese Rechte und die Durchsetzung der Rechte? Warum nehmen wir unseren Schmerz einfach hin, – der übrigens vorallem aus der gesellschaftlichen Unterdrückung und Ausbeutung resultiert?

Kooperation statt Konkurrenzkampf, das ist mein Wunsch und meine Forderung an alle. Es gibt bereits Kooperationen, oft meist kapitalistischer Art oder vom „Sozialstaat“ ausgehend, – aber das sind rein oberflächliche Zugeständnisse die nicht ausreichen um das Leben tatsächlich qualitativ zu verbessern.

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Günter Gaus interviewt Rudi Dutschke

UPDATE: Interessant, nach etlichen Monaten und zigtausend Views ist das Interview plötzlich ein Verstoss gegen die Nutzungsbedingungen, absurder geht es nicht mehr. Wenn jemand das Interview hat, bitte in den Kommentaren melden.

UPDATE²: Ich konnte glücklicherweise noch eine Kopie im Netz finden! Merkwürdig ist die plötzliche Löschung dennoch.

Rückblicke, Bilanzen, Epitaphe – sie alle müssen ihn verfehlen, den Geist von 68, auch 40 Jahre danach. Vor allem die ehemals Beteiligten, die heute doppelt so alt sind, wissen meist nicht mehr, wovon sie reden. Glücklicherweise gibt es Kameras und Fernsehsender. Selbst ein bescheidenes Dreiviertelstündchen-Interview bewahrt und verrät heute mehr von jener Zeit als ganze Bände voller Reminiszenzen.

Günter Gaus mit Rudi Dutschke, im Dezember 1967 in einem Studio des Südwestfunks – kein Schmuck, kein Trick, keine Musik, die Sendung lebt vom Wort und lebt bis heute kraftvoller als sämtliche Talk-Shows eines ganzen Jahres. Das liegt nicht nur daran, dass hier zwei Leute miteinander sprechen, die was zu sagen haben, sondern dass das Wort, noch nicht entwertet durch televisionäre Redeflut, den Interviewpartnern selbst etwas gilt. Hier werden keine Worte verraten, weil ja Fernsehsekunden teuer sind und deshalb gekrallt werden müssen, sondern Worte werden gesucht und sorgsam geformt. Hier wird erörtert – mit Feuer und Konzentration. So etwas gibt es im Fernsehen nicht mehr.

Gaus, selbst ja damals noch nicht alt, aber „etabliert“ interviewt in Dutschke die junge Generation, die „so“ nicht mehr weitermachen will. Aber Gaus kennt die Welt nur „so“, und er ist nicht fähig, sie sich anders zu denken. Das Interview lebt von der Spannung, dass beide Mühe haben, einander zu verstehen, es aber unbedingt wollen. „Wer führt Ihre Bewegung?“ fragt Gaus, und Dutschke sagt: „Die Menschen führen sich selbst.“ – „Wie verhindern Sie Minderheiten-Terror?“ — „Wir werden Mehrheit, oder wir scheitern.“ – „Sie werden Gefängnisse brauchen . . ., KZs …“ – „Es hängt vom Willen der Menschen ab, ob sie zur Freiheit finden. Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat.“ Während Gaus durch jede Rebellion die noch unreife Demokratie der Bundesrepublik gefährdet sieht, erscheint Dutschke diese Demokratie mürbe und faul. „Sind Sie antiparlamentarisch?“ – „Ja, weil die wirklichen Bedürfnisse der Menschen im Parlament nicht vorkommen.“


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Berlin – Du bist so wunderbar

Vor ein paar Monaten sass ich noch leicht bis völlig verzweifelt in irgendeinem verschlafenem Kaff, voller Menschen die nichts anderes taten und tun als arbeiten, arbeiten, arbeiten.  Ich hatte die letzten Monate, ja – sogar Jahre, vorallem damit zugebracht diese Gesellschaft und ihre Probleme, Konflikte und Sorgen zu sichten, zu begreifen und träumte teilweise kurzweilig  auch davon Lösungen diesbezüglich zu finden. Mein Engagement, welches ich nachwievor auch als Arbeit betrachte, war und ist gesellschaftlich nicht anerkannt. Ich bekam  für meinen Aktivismus, meine Gedankengänge und Recherchen keinen Lohn, keinen Job, keine Perspektive innerhalb des Systems. Meine Zweifel, meine Fragen waren für die meisten Arbeitgeber und Arbeitskollegen, für die Ämter, sogar für meine Familie, Freunde und Bekannte lediglich lästig, naiv und unproduktiv. Und darüber war ich lange Zeit mehr als ratlos und fragte mich langsam ob ich selbst das Problem sei. Dann endlich, nach langem zögern entschied ich mich eines Tages völlig aus dem Moment heraus spontan nach Berlin zu ziehen. Ich kaufte ein Ticket und flog mit kaum Gepäck am selben Tag weg.

Seit Anfang August 2009 bin ich nun hier in Berlin, in einer riesigen Stadt, mit einer riesigen Geschichte und beeindruckender sozialer, kultureller und künstlericher Vielfalt, welche auch unzählige hässliche wie schöne Gegensätze beherbergt. Viele Menschen in München hatten mich vor Berlin gewarnt, der soziale Abstieg wäre dort ganz besonders schnell und brutal. Die Arbeitslosigkeit in Berlin ist hoch, keine Frage, die Frustration, Wut, Perspektivlosigkeit ist daher natürlich viel stärker konzentriert als im verwöhnten überschaubaren München. Mich packte Berlin aber vom ersten Moment an, auch wenn sehr viele Menschen in der U-Bahn, auf der Strasse betteln, singen, Texte aufsagen, Flaschen sammeln um sich etwas zu „verdienen“. Mich packte Berlin besonders schnell weil die Probleme nicht mehr versteckt werden können und sich daher immer wieder eine gewisse kritische Masse an Menschen bilden und reproduzieren konnte. Die Touristen können genausowenig wegsehen wie die eigentliche Bevölkerung oder die Politik und Wirtschaft, daher bietet Berlin den idealen Nährboden für Bewegungen und wesentliche Veränderungen.

Obwohl die Zustände den meisten Menschen bekannt sind, sind diese Zustände kaum verändert worden, was mich besonders am Beispiel des Kinderstrichs bzw. Babystrichs schockiert. Vielleicht berührt mich dieses Thema deshalb so besonders, weil ich doch eine sehr idealisierte, romantische Ansicht zu Frauen, Sexualität und Beziehungen habe. Dennoch kann keiner ignorieren das Menschen unter 18 ihren Körper nicht verkaufen sollten und das Prostitution im allgemeinen genausowenig wie Drogen länger kriminalisiert werden sollte. Aus meiner Sicht ist die Prostitution nicht nur das „älteste Gewerbe der Welt“ sondern auch das ehrlichste, weil hier offensichtlich ist was getan wird und warum es getan wird. Es geht um gut bezahlte oberflächliche Befriedigung von Geilheit und in einigen Fällen bestimmt auch um Phantasien die von „gewöhnlichen“ Partnern nicht befriedigt werden können.

In Wahrheit verkaufen wir uns alle im kapitalistischen System wie die Prostituierten auf der Strasse, nur heißt unser Strich Arbeitsamt oder Arbeitsmarkt, Stellenanzeiger usw. und das Anquatschen von Freiern ist bei uns die Bewerbung bzw. das Bewerbungsgespräch. Die Menschen die sich auf dem Strich verkaufen sind also Unternehmer mit Gewinnen und Verlusten, mit der ständigen Bestrebung möglichst hohe Profite zu erzielen. Die Prostituierten sind lupenreine Kapitalisten und sie sind sowohl Sklaven wie auch Sklavenwärter, die Arbeit fungiert hier als Polizei wie auch bei all den anderen Berufen, Branchen innerhalb dieses Systems. Und das interessante an Berlin ist, viele Menschen wissen von diesem Zustand. Sie begreifen bspw. den vom System organisierten Arbeitszwang und kämpfen mit ihren Mitteln mehr oder weniger intensiv dagegen an. Einige sind als Hausbesetzer aktiv, andere gehen auf Demos, wieder andere machen Kunst, malen, zeichnen, schreiben, es gibt Musiker unzähliger Richtungen und überhaupt endlos viele Menschen deren Protest sich unheimlich individuell äußert.

Und diese Leute spüre ich in dieser Stadt obwohl ich sie noch nicht alle kennengelernt habe. Vielleicht spüre ich auch die berühmte Mauer die mal in der Stadt stand. Ich bilde mir ein diese Mauer hat sichtbar gemacht wie es in den Köpfen der Menschen in den letzten Jahrhunderten aussah. Auch die chinesische Mauer ist dafür ein gutes Beispiel, aber diese Berliner Mauer ist natürlich unser ganz persönliches deutsches Ding.  Das Zitat: Die Mauer verläuft nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen Dir und mir. Beschreibt ganz gut was ich meine. Wir haben einen permanenten Kampf und Wettbewerb um Ansichten, Ideologien, Positionen egal um welchen Aspekt der Realität es geht. Wir versuchen mithilfe der Sprache und der Kommunikation und jede Menge Engagement für eine bestimmte Partei, Ansicht usw. irgendwie einen „Sieger“ zu ermitteln, um uns endgültig darauf bzw. danach ausrichten zu können. Dieser individuelle wie kollektiv gelebte Versuch ist eine Illusion und er muss kontinuierlich scheitern. Jeder Mensch und alles was er tut oder denkt ist einzigartig, daher ist es unmöglich einen bestimmten Gedanken oder ein bestimmtes Gefühl einem anderen Menschen aufzwingen zu wollen. Sobald versucht wird per Zwang etwas bestimmtes anderen Menschen aufdrücken zu wollen, entsteht automatisch Widerstand und damit ist auch der erste Schritt hin zum Konflikt und Scheitern getan.

Das Leben ändert sich ständig. Alle unsere Urteile hängen naturgemäß der Realität immer hinterher und obwohl wir das täglich individuell wie auch kollektiv spüren entspannen wir uns nicht, sondern steigern sogar unsere Anstrengungen unsere Ideologien, Gedanken, Urteile an die Realität anzupassen. Lernen wir nicht uns zu entspannen und geben wir diesen Wettbewerb bzw. Wettlauf nicht auf, werden wir immer und immer wieder Konflikte jedweder Art produzieren. Wir müssen erkennen das jeder Mensch seine einzigartige Sichtweise auf das Leben und alle darin befindlichen Aspekte hat. Jeder hat seine einzigartigen Erfahrungen gemacht, verbindet seine einzigartigen Gefühle damit und wird sich auch entsprechend einzigartig dazu verhalten. Es macht daher keinen Sinn pauschal irgendetwas in irgendwelche Schubladen zu sortieren, es sei denn man tut dies um sich zu orientieren was es so gibt. Es ist notwendig daraus keine Gesetzmäßigkeiten, Zwänge usw. zu entwickeln in dieser Welt ist überhaupt nichts sicher, nichts hat Bestand alles unterliegt der ständigen Veränderung. Nichts ist beständiger als die Veränderung!

In Berlin hat man meiner Ansicht nach diesen extrem wichtigen Aspekt auf sehr unterschiedliche Art und Weise verstanden oder verinnerlicht. Viele Leute haben es mal freiwillig mal gezwungen aufgegeben, dem permanenten Wettlauf um Resourcen, Arbeitsplätze, Anerkennung usw. flexibel und unermüdlich zu folgen. Sie haben verstanden das es eine Ideologie ist unter dem scheinbar edlen Dogma des „lebenslangen Lernens“ die „Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt“ aufrecht zu erhalten. Diese Ideologie ist wie jede andere zum scheitern verurteilt, nicht nur weil sie begrenzt ist, sondern auch weil sie sehr vielen Menschen auferzwungen wird, sobald diese auf die Erde geboren werden. Die wenigsten Menschen entscheiden sich tatsächlich freiwillig dafür in jedem Menschen einen potentiellen Konkurrenten zu sehen, vorallem in Deutschland, einem Land welches voller Überflüss existiert. Dennoch haben wir erstaunlicherweise mehr als 30 Millionen Menschen die tagtäglich  zur Arbeit fahren und stundenlang ihren Körper hinhalten. Sie arbeiten zuviel, bekommen zu wenig und lernen daraus überhaupt nichts. Sie verkaufen zum Vorteil einer Minderheit ihre Eigenschaften und ihre Lebenszeit und sehen darin überhaupt kein Problem solange sie „genug“ bezahlt bekommen. Sie sind Opfer einer Ideologie die behauptet Arbeit sei ein Naturgesetz welches dem Menschen von Geburt an mitgegeben wird. Und diese Ideologie stammt, wen wunderts, von der Minderheit für die permanent geschuftet wird.

In Berlin gibt es Menschen die sich einen Kopf um dieses System machen, vorallem weil sie u.a. aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit Zeit haben sich intensiver mit den Problemen des menschlichen Zusammenlebens auseinanderzusetzen. Sie streben danach etwas Neues auszuprobieren was natürlich nicht immer wie gewünscht oder sonderlich erfolgreich verläuft. Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus, sind wunderbare Ansätze wie sich die Menschen einmal organisieren könnten, aber sie werden wie schon erwähnt alle komplett individuell eingeschätzt, beurteilt und behandelt. Dies trifft natürlich auch auf den Kapitalismus, die Soziale Marktwirtschaft, den Neoliberalismus und so weiter zu. Es ist nur natürlich das jeder Mensch seine eigene Sicht auf irgendeinen Aspekt des Lebens hat. Wir haben genau genommen mehr als 6 Milliarden verschiedene Ansichten auf der Welt. Wie sollen wir damit umgehen? Ich spüre das in Berlin diese Frage insgeheim immer und immer wieder aufkommt, nur scheint sie keiner wirklich auszusprechen. Eher verfallen die Menschen immer und immer wieder in einzelne Aspekte gewisser Umstände des Lebens, ertrinken gewissermaßen darin, bekämpfen eventuelle Feinde, greifen nach eventuellen Rettern oder Ästen und kommen nie wieder an die Oberfläche, verlieren die Übersicht und das wars dann. Es ist dramatisch was hier passiert, aber zugleich auch umfassend spannend. Sind wir Menschen als reflektierende Masse irgendwann oder vielleicht sogar möglichst bald in der Lage das Paradies auf Erden zu organisieren?

Ich glaube Berlin ist eher bereit sich diesen teilweise sehr harten Ansichten, Widersprüchen und so weiter zu stellen. Die Berliner Bevölkerung hat in der Vergangenheit sehr viel mehr erlebt und durchmachen müssen als andere Menschen in Deutschland. Es war und ist eine besondere Verkettung von Traumatas die permanent auf die Menschen einzuwirken scheint und sich immer weiter entfaltet. Ich bin absolut sicher, wir werden immer stärker dazu in der Lage sein unsere eigenen Dummheiten erkennen. Es gibt keine andere Alternative als das Paradies! Und deshalb bin ich glücklich hier in Berlin zu leben, denn hier wird es definitiv aufkeimen.

 Ich werde ab sofort in dieser Rubrik mehr oder weniger oft berichten was ich erlebe, vielleicht auch Teile einzelner Diskussionen mit den vielen Aktivisten die ich so treffe verbreiten. Ich bin wirklich froh darüber was für Menschen ich bereits getroffen habe. Egal ob es sich um die Leute der Offenen Universität Berlin (OUBS), um die Leute hinter der Überpartei Deutschland (ÜPD) oder um nicht-organisierte Individuen handelt! Es gibt Menschen die sich die Lebenslust und vorallem Lebensfreude trotz der autoritären, brutalen Menschheitsgeschichte nicht nehmen lassen! Es gibt ohne Zweifel viel zu verstehen, vieles zu diskutieren und es wird viele erschütternde Rückschläge geben, aber was haben wir anderes zu verlieren außer unsere Ketten und Illusionen? 🙂

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