Schlagwort-Archive: Sozial

Stiller Abstieg

Ein alter Arbeitskollege schreibt mir eine E-Mail. Er ist mittlerweile 30 Jahre alt, hat eine Frau und ein zweijähriges Kind. Damals war er mein Vorgesetzter und hatte genug Geld für Auto, Computer und Partys. Das letzte was ich von ihm hörte war, dass er seinen alten Job geschmissen hat und etwas neues machen wollte. Nun schreibt er aber: „Es tut mir leid dich bitten zu müssen, ob Du mir irgendwie helfen kannst. Mir geht es finanziell sehr schlecht, habe meinen Job verloren. Hast Du vielleicht die Möglichkeit mich bei (beliebige Firma einsetzen) zu empfehlen? Wenn mir nicht bald etwas einfällt müssen wir aus der Wohnung raus, weil wir die Miete nicht mehr bezahlen können.“ Man kann jetzt sagen es war naiv von ihm ein Kind zu zeugen und dann nicht ordentlich gearbeitet zu haben, aber diese Schicksäler sind im Kapitalismus vorprogrammiert. Wer nicht ständig hochflexibel schuftet und funktioniert, der darf auch nicht konsumieren oder auf ein halbwegs erträgliches Leben hoffen, denn dann ist er nur noch ein ungerechtfertigter Kostenfaktor, der keinen Profit abwirft, und damit völlig überflüssig. Dementsprechend fühlt sich das betroffene Subjekt. Zukunftsängste und Schuldgefühle treiben nun meinen Kollegen in den Wahnsinn. Er weiß nicht wie er seinem Kind etwas bieten soll, wie er und seine kleine Familie zurecht kommen sollen, was nur noch durch die Schuldzuweisungen an die eigene Person übertroffen wird. Da mir natürlich auch nicht das Glück zuteil wurde ein Millionenvermögen geerbt oder „verdient“ zu haben, und kein Ausbeuterbetrieb bzw. Konzern auf meine Meinung hört (wäre ja noch schöner), bleiben mir nur die üblichen Informationen, wie man hierzulande an Geld kommt: Teilzeit- und Zeitarbeitsjobs, die am ehesten noch Menschen wie ihn nehmen, die einen ordentlichen Bruch im Lebenslauf haben. Seine Naivität hat auch eine ideologische Grundlage, schliesslich hatte er bislang auf der Sonnenseite gelebt, musste zumindest nicht auf jeden Euro achten, und konnte den Sprüchen der Politik von der sozialen Marktwirtschaft glauben, weil er nach der Schule direkt einen Ausbildungsbetrieb fand, der ihn hinterher auch für einige Jahre übernahm. Sein Leben funktionierte trotz aller kapitalistischen Zwänge. Jetzt lernt er auf die harte Tour wie unsere Ökonomie für die Verlierer des Marktes funktioniert. Inwieweit das zur Reflektion oder Rebellion führt ist natürlich schwer zu sagen, vorallem wenn er horrende Verantwortung für sein Kind hat. Ein Kind soll um die 250 000 EUR bis zum 18. Lebensjahr kosten, dieses Geld will erstmal erworben sein. So ein sozialer Abstieg verläuft still und heimlich neben den saufenden, jubelnden und paarungswilligen Partygängern, den gesunkenen Arbeitslosenzahlen und den horrenden Reichtümern auf der Welt. Man sieht an solchen Schicksälern genauso vorbei, wie an den Obdachlosen auf der Straße oder den Hungernden in Afrika. All das gilt als Normalität, als Verschulden des Einzelnen, die Realität wird umgebogen damit man selbst weiterhin funktionieren kann, wie man es gewohnt ist.

Werbeanzeigen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft

Die Menschwerdung ist ein Virus

Die Welt ist grausam, der Mensch neidisch und gierig, so hat er es, so hat man es, so haben wir es, so hast Du es gelernt. Deshalb bleibt alles so unheimlich ungerecht. Wer im Beruf weiterkommen will muss andere Menschen verarschen, überlisten, ausstechen, zerstören, ausschalten. Die edelste Möglichkeit dies zutun ist über Fleiss oder Talent, – aber grundsätzlich ist es immer ekelhaft, widerlich, pervers und primitiv. Das ist in der Geschichte der Menschheit eigentlich schon immer so gewesen und die teilweise behaarten „Könige“ des blauen Planeten sehen nicht danach aus sich irgendwie einzukriegen und ihre „Kindereien“ abzulegen. Hoch gestraft sind die Zeitgenossen welche diesem verblödeten Zeitgeist voraus sind und die volle Entfaltung der Idiotie bei vollem Bewußtsein über das gesamte Leben hinweg ertragen und mit Lebendigkeit erfüllen müssen. Ihnen bleibt nichts anderes übrig als sich und ihr zartes Äpfelchen namens Erkenntnis in Humor, Zynismus, Verbitterung, Hass oder physische Isolation zu werfen, – in der Hoffnung damit den letzten Funken Lebenslust  zu retten.

Wie ist es zu ertragen wenn verstörte 18 jährige Mädels auf Speed von alten frustrierten, halbglatzigen Mitdreissigern gevögelt werden? Oder wenn jemand in seiner geistigen Verirrung Dir während Du frühstückst grinsend vor die Beine pisst, während er eine Schlange um den Hals hat? Wie ist es zu ertragen wenn Millionen von Menschen, von denen Du die meisten niemals gesehen hast, Dir ihre Dummheiten aufzwingen? Und damit meine ich u.a. diesen Zwang zur (Mehr- & Profit-)Arbeit. Es gibt keine Möglichkeit in dieser Welt zu existieren ohne irgendeinem Vollhorst in den Arsch kriechen zu müssen, – den man darüberhinaus noch nicht einmal kennt, – was es andernfalls vermutlich kaum besser machen würde.

Grundsätzlich ist es überlebensnotwendig irgendwelche Öffnungen für irgendwelche Harten bereit zu halten, in Position zu bringen und sich dann schön knallhart durch die „Zeitgenossen“ vom Leben ficken zu lassen, – damit man(n) selbst irgendwann auskotzt was sich Schleim des Lebens schimpft oder als Frau zu gebähren was später ebenfalls gebähren, flutschen, lutschen oder spritzen wird. Klopfende Herzen, röchelnde Lungen, schlotternde Arschlöcher, zischende Pisslöcher, milliardenfach über den Planeten gespannt seit Milliarden von Jahren. Wer hat diesen Knast erfunden? Dieses Drecksloch ist nicht blau, es ist ein miese gelb-eitrige Lebenszelle welches unzählige Krankheiten gefangenhält. Und wir meine Damen und Herren sind als Menschheit, als Homo sapiens, ein winziger Virenstamm der selbstherrlich glaubt er hätte eine Existenzberechtigung und Gerechtigkeit in allen Lebensfragen verdient! Tz!

Traumatisiert fliegen wir alle aus dem Geburtskanal der Mama, häufig als Ergebnis stumpfsinniger Geilheit, oberflächlicher Saugerei, Stoßerei, Rammelei und hoffnungsloser Verblendung! Geschleudert werden wir aber vorher in tiefe Schlunde um dann nach einigen Monaten aus diesem wie ein Tumor, völlig vor lauter Faulheit aufgebläht, von selbst oder per Kaiserschnitt herauszufallen und schliesslich mit wildem Geschrei zu platzen! Kaum sind die Säfte von uns abgetrocknet, ist unser Geschrei erstickt, geht es los mit dem Diktat der Vorstellungen jener Kreaturen die wir später Eltern nennen und wir werden weiter geschleudert bis das Trauma oder besser die Traumatas perfekt sind. Schliesslich als wir dem glauben woran unsere Eltern und deren Eltern, deren Eltern, deren Eltern, deren Eltern und so weiter glauben oder meinten zu wissen was sie ungefähr glauben, stecken wir unsere Zungen und Genitale an und in den nächsten pulsierenden Kadaver hinein ohne überhaupt irgendetwas reflektiert zu haben.

Okay, mittlerweile, nach ein paar tausend Jahren, oder innerhalb dieser Zeit, haben wir es geschafft uns innerhalb dieser kurzen Zeit, die wir Lebenszeit schimpfen, uns und andere Lebewesen in immer schnelleren und heftigeren Intervallen gegenseitig atomisiert wie auch massenhaft zu ermorden, auf die grauenhaftesten, dämlichsten, perversesten und ekelerregensten Arten und Weisen wie wir uns das nur ausmalen konnten! Ja wirklich, im gegenseitigen zufügen von Schmerz macht uns keiner etwas vor, – muss wohl irgendetwas mit den Schleudertraumatas und der Rutschpartie durch die Muschi der Mama zutun haben. Aber wer weiß woher wir alle diesen entscheidenden Treffer abgekommen haben, – entscheidend ist, wir haben es drauf uns gegenseitig die Hölle auf Erden zu ermöglichen. Das ist etwas was wir wirklich immer schon konnten. Das ist erstaunlich und bemerkenswert, – ich finde dafür sollte man mal Preisverleihungen gründen. Die kreativste 1on1-Ermordung muss in Zukunft genauso gewürdigt werden, wie der schnellste Hot-Dog-Esser oder der schnellste Massenmord.

Vielleicht kommen wir uns dann nicht mehr so hoffnungslos allein vor. Wenn schon nicht die ganzen Autos, der Schmuck, der schnelle Sex mit Unbekannten, die Klamotten, die Karriere, der Sport, Waffen, Macht, Geld und so weiter nicht reichen, – dann vielleicht der gestörteste Mord? Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben, irgendwann finden wir schon den perfekten Weg uns selbst zu verleugnen ohne dabei Gewissensbisse, psychische, physische Krankheiten und solche fiesen Details zu bekommen.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Emotionales