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Es gibt keine richtige Europameisterschaft im Falschen

Der Ekelcharakter unserer Gesellschaft spiegelt sich in der nationalfahnengeschwängerten Verwechslungsgefahr zwischen EM-Fans und Pegida-Nazis. Die libidinöse Besetzung einer künstlichen und irrationalen Zwangsgemeinschaft, wie sie Deutschland nunmal darstellt, ist schon seit langem zu einem allgemeinen Faktor gewachsen. Konzerne ummanteln sich mit den Symbolen der Nation, vergewissern sich und anderen, dass sie zur Volksgemeinschaft gehören und auf der „richtigen“ Seite stehen, wenn wieder nach Frankreich gestürmt wird. Es erlaubt den gekränkten Konsumenten dann auch eine kurzfristige zusätzliche Befriedigung nicht nur irgendwas sich einzuverleiben, sondern gleich noch die Nation ansich. So gibt von Sexspielzeugen bis Süßigkeiten alles, was man sich in den Leib stecken kann, wo keine Sonne scheint und entsprechend die eigene dunkle Geistlosigkeit füttert. Zeitgleich werden Konzerne wie der FC Bayern und deren Angestellte wie Schweinsteiger ebenso libidinös besetzt, schliesslich gibt es ja auch VW-Fanclubs oder Apple-Jünger.

Das Abfeiern eines Herrschafts- und Gewaltzusammenhangs, dass Menschen an den Grenzen der eigenen Machtzentren systematisch durch unterlassene Hilfeleistung ermordet oder ersaufen lässt, Millionen in Armut und krankmachender Lohnarbeit hält, Ungleichheitsverhältnisse in den Vermögen- und Eigentumsverhältnisse als Definitionskern aufrechterhält und immer weiter potenziert, drückt deutlich den autoritären Charakter unserer direkten Nachbarn und von uns selbst aus. Die Europameisterschaft ist eine affektiv besetzte Nabelschau der Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft, die die Balltreterei mit Massendynamik, Massenmedien, Kapital, Personenkult und Alkohol positiv auflädt, um sich selbst zu erhöhen und für den eigenen persönlichen Kampf allein gegen alle am Arbeitsmarkt neue Motivation zu schöpfen. Wenn der alte Schweinsteiger noch den Ball einnetzen kann, Millionen dafür abgreift, obwohl er nur Lohnarbeiter ist, dann sollte es doch für einen auch noch gut werden? Nein, das wird es nicht, wenn man konform geht mit der nationalistischen und profitfixierten Zerstörungswut. Fußball ist nicht die heile Welt, sondern Ausdruck des Unheils.

Das lärmende Spektakel, um ein paar Unbekannte, trommelt für den nächsten Angriff, – da sollte man sich nicht vom Kitsch täuschen lassen. Das Lächeln der Zombies ist keine Grundlage für ein Picknick in der Hölle. Der popelnde Löw, die prügelnden Hooligans deuten die Dummheit, Trivialität, Ignoranz und Brutalität einer Totalität an, deren Vermittlungen schon lange nicht mehr in Wissenschaft, Ökonomie oder Politik reflektiert werden. Es deutet die Leere in den Köpfen an, die sich für wertlose Titel blutig schlägt. Deutschland, das ist eine blutende Leere, die immer neue und weitere Opfer verlangt, weil es nur so bestehen kann. Irgendwo darunter unter all den verdorbenen Kadavern, die diese Nation unter dem Jubel ihrer Einwohner erstochen hat, liegt die Lust und Freude am Spiel und Spaß, welche sich selbst genügt. Fußball ist eine ritualisierte Form der Gewalt, die Nationalhymnen zeigen woher sie kommt: Aus dem nationalen Gewaltmonpol des Staates. Die Aggressionen, die die falsche Produktionsweise immer wieder neu erzeugt, muss kanalisiert werden und das läuft über die Fouls auf dem Spielfeld oder das Geschrei neben dem Spielfeld. Zugleich wird von Friedlichkeit und dem Kampf gegen Rassismus gesprochen, so als sei diese nationalistische Vergleichung nicht selbst maßgeblich für Krieg und Rassismus mitverantwortlich.

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Weltmeister – Na und?

Sexy Spielerfrauen umarmen ihre potenten Einkommensmillionäre. Sie haben immer an sie geglaubt. Merkel und Gauck fallen ihren Kriegern um den Hals, die das Ausland teilweise bis aufs Blut fair niedergerungen und somit einen seltenen deutschen Ausnahmezustand der Einigkeit erstritten haben. Die Leistungsgesellschaft feiert sich selbst. Hunderttausende bejubeln Nation und Konkurrenzkampf. Für einen winzigen Moment sind die Hungertoten, die Umweltzerstörungen, die Kriege, die Verrohungen der sozialen Beziehungen und all die anderen unbezahlbaren Opfer dieses Prinzips von Wettbewerb und unendlicher Kapitalverwertung über die nationalen Arbeitsplätze vergessen.

Endlich hat es sich mal gelohnt der deutschen Schicksalsgemeinschaft anzugehören. All die beschwerlichen Alltagskämpfe um Noten oder Quartalszahlen sind für einen winzigen Moment vergessen. Die Schere zwischen arm und reich, die fehlenden Partizipationsmöglichkeiten in der Politik oder im Betrieb, der leere Geldbeutel und die Angst vor der Zukunft. Dieser Sieg sorgt für die notwendige Motivation, die deutsche Kapitalverwertung im Wettbewerb weiter voranzutreiben, denn er schürt die Hoffnung darauf, dass man selbst mal attraktive Personen für sich gewinnt, die scheinbar bedingungslos an einen glauben, dass man selbst mal Einkommensmillionär ist und Ausgelassenheit zulassen kann, anstatt permanent Verzicht zu üben und Kampf, Hinhaltetaktiken oder Vertröstungen als Lebensinhalt zu haben. Wartet nur, irgendwann seid ihr dran. In 24 Jahren oder nie!

Die hysterischen Jubelschreie in den Kneipen und an den Fanmeilen sind befüllt von der Hoffnung endlich mal etwas zu bedeuten. Im Alltag sind die Menschen Kostenpunkte, hinter denen permanent ein Fragezeichen steht, so wie bei Löw und all seinen „Spezialkräften“ in der Nationalmannschaft. Wer hat die Potenz das Bruttoinlandsprodukt zu erhöhen und wer nicht? Auch die Aussortierten sollen ihre Schicksalsgemeinschaft von Erfolg zu Erfolg pushen, egal ob Hartz IV Empfänger oder Ersatztorhüter.

Wir als deutsch-geborene Konkurrenzsubjekte sollen nicht nur im Sport Weltmeister sein, sondern überhaupt überall und für immer, daher wird alles durchrationalisiert und bejubelt was damit zutun hat. Opferbereitschaft, Aderlass um das deutsche Wesen bzw. Bruttoinlandsprodukt zu mehren. Jeder rennt willentlich oder nicht insgeheim einem Weltpokal nach, den er nie erreichen wird, weil die Anforderungen u.a. über die abstrakte Arbeit unendlich ansteigen. Die Gesellschaft hat sich monoton auf ein Ziel eingeschworen: Profit. Merkel und Gauck wünschen sich, wie die meisten Deutschen, im Schweiße ihres Angesichts endlich Weltmeister in der Politik und Ökonomie zu sein. Allmachtsfantasien krakeeln immerdann aus dem deutschen Michel, wenn er ausgelassen sich selbst feiert. Nichts gelernt, alles verdrängt, endlich wieder deutsch sein und Spaß dabei.

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