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Anschlag auf Berliner S-Bahn

Ich weiß nicht wann es zuletzt soviele Kommentare unter einem Artikel bei Indymedia gab. Man sieht das diese Aktion etliche Leute gepackt hat und somit zu Reflexionen geführt hat. Leider sind viele Kommentare extrem undifferenziert. Natürlich ist es nicht schön, wenn Krankenhäuser ihre Arbeit nicht tun können, Menschen durch das erhöhte Verkehrsaufkommen verletzt werden oder sogar gestorben sind. Nur sterben jeden Tag tausende Menschen an Hunger, tausende an fehlenden Medikamenten oder frischem Wasser. Wieviele Millionen Menschen leben in totaler Armut? 800? 900 Millionen? Wieviele Menschen sind in Lohnarbeit und können ihre persönlichen Bedürfnisse und Träume nicht entfalten oder gar erkennen? Seht ihr denn nicht in was für einer Welt wir leben? Deutschland ist privilegiert, aber nur auf dem Rücken von Millionen armer Menschen. In Deutschland gibt es den größten Niedriglohnsektor, er setzt nicht nur die Lohnabhängigen in Deutschland unter Druck, sondern Millionen von Lohnabhängige in ganz Europa. Warum wohl wird Griechenland von Merkel als faul beschimpft? Es herrscht Krieg auf diesem Planeten, nur findet dieser Krieg nicht unbedingt nur auf Schlachtfeldern wie in Lybien oder Afghanistan statt, sondern vor allem in den Fabriken und Bürogebäuden dieser Welt. Es geht darum wer die höchsten Profite erstreitet und wer sich langfristig gegen andere Nationen durchsetzen wird. Macht die Augen auf, wir haben nicht die Kontrolle über unser Leben. Die Wahlen sind seit Jahrzehnten, wahrscheinlich sogar seit der Ermordung von Liebknecht und Luxemburg, eine einzige Enttäuschung und Alibiveranstaltung. Die Konzerne beuten seit Jahrzehnten ungehindert ihre Angestellten aus, und die freuen sich auch noch darüber oder lassen sich zumindest willig auspressen. Echte Streiks sind hierzulande verboten, fragt Euch warum. Warum wird das Bildungssystem immer stärker auf Konzerne abgestimmt? Warum lässt man tausende Flüchtlinge vor den Mauern Europas ersaufen, anstatt ihnen zu helfen ihr Leben zu entfalten? Wieso stellt ihr Euch nicht die berechtigten Fragen, die auch in diesem, angeblich so naiven, Bekennerschreiben angesprochen werden? Wieso seht ihr nur das was die Politiker und Medien Euch diktieren?! Was muss denn noch passieren damit ihr es passiert? Die Kinderarmut, Altersarmut wächst weltweit, nicht nur in Deutschland. Während auch die Vermögen einzelner Familien ins unermessliche wachsen. Es wird früher oder später zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen, wenn wir als Bevölkerung nicht endlich die richtigen Fragen stellen. Warum sind wir nicht glücklich im Beruf? Warum gibt es seit Jahrzehnten Millionen von Menschen, die in Arbeitslosigkeit ein Schattendasein führen müssen? Warum ähneln sich die Parteien immer mehr? Warum akzeptieren wir die korrupten Politiker und Bosse? Warum akzeptieren wir die Lobbys, die Ohnmacht, Apathie und Lethargie in unseren Köpfen und Reihen? Natürlich ist es leicht etwas zu zerstören, anstatt etwas zu schaffen. Aber diese Aktion hat zumindest mal ein paar Lohnabhängige aufhorchen lassen. Auch wenn diese Aktion destruktiv ist, weil sie immer von den falschen Mächten instrumentalisiert und definiert wird, sollte es doch einige Menschen inspirieren zu den richtigen Büchern zu greifen und friedlichen, konsequenten Widerstand zu leisten.

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Überlebenskampf

Obwohl ich nicht den härtesten Job habe, bin ich jeden Abend nach der Arbeit ziemlich müde und kaputt. Da bleibt nicht mehr viel Elan für andere Dinge. Auch wenn ich mir täglich etwas vornehme, wird am Abend wenig oder gar nichts daraus. Ich denke ich stecke genauso wie viele andere Leute ziemlich fest im Arbeiterleben.

Jeden Tag gibt es nun Routine auf allen Bahnen meines Lebens. Ich stehe zurselben Uhrzeit auf, dusche, frühstücke und so weiter. Dann aufs Fahrrad, Musik an, S-Bahn, traurige, deprimierte, hängende Gesichter. Einige Leute rauchen oder unterhalten sich, gucken wo die S-Bahn bleibt und reiben sich die Hände vor Kälte.

Dann kommt sie mit den üblichen immer gleichen Geräusch. Ein paar steigen aus, viele wollen rein, die Jagd auf einen Sitzplatz beginnt. Station für Station kommen mehr Leute und es wird voller. Ich lese und höre Musik. Ich versuche möglichst keine Gefühle oder Gedanken über den bevorstehenden Tag zu hegen, das würde mich nur belasten.

Nach weiteren Stationen steige ich um, sehe noch mehr trübe Gesichter und fahre wieder herum. Dann in den Bus, der auch immer nur dieselbe Strecke kennt. Ich steige aus und dann die Treppen des Firmengeländes zur Abteilung hoch. Sage: Guten Morgen, werfe meine Jacke auf den Stuhl und dann geht dieselbe Leier des Vortages von vorne los.

Und das ist nur ein Teil des Ablaufes der sich ganz ähnlich wiederholt. Ich bin mir sicher, so leben neben mir noch viele Millionen andere Menschen. Die einen zweifeln ob das schön ist, die anderen wissen das es erbärmlich ist, und so weiter. Jeder hat so seine Art und Weise seine Situation zu  beurteilen und dann zu durchleben. Wenn ich meinen Alltag so betrachte, und die Gedanken und Gefühle die daraus folgen beobachte, dann kann ich mein Leben nur als stumpfsinnig definieren.

Ähnlich definiere ich wenn ich das Leben von Millionen anderen Menschen betrachte. Sicher, auch die Tiere leben im Stumpfsinn, sie scheinen mir aber im Wesentlichen nicht so einem Chaos ihrer direkten Artgenossen ausgesetzt. Der Mensch ist durch sein Denken wirklich immer schlimmer geworden. Ich weiss nicht was ich aktiv dagegen machen soll.

Es ist mir nicht möglich die Welt zu ändern, oder gar ein Land zu ändern, denn dafür bräuchte ich soviele Eigenschaften, Geld und Macht, die ich in meinem ganzen Leben nie aufhäufen könnte. Ich will mein Leben auch gar nicht dafür verwenden, Wissen, Geld und Macht anzuhäufen. Ich verliere das alles doch mit dem Tod ohnehin. Aber was soll ich tun?

Soll ich wirklich einfach von einem Tag auf den anderen in eine der wenigen abgelegenen Bereiche der Welt, ohne Menschen, ohne Zivilisation und so weiter ziehen? Ich würde wahrscheinlich kein halbes Jahr da draußen überleben. Nie habe ich einen Überlebenskurs oder dergleichen besucht. Dafür würde mir jetzt auch das Geld und die Zeit fehlen. Ich weiss nicht, meine Situation ist stumpfsinnig, ätzend und absolut ausweglos.

Gut, wenn man Suizid als Ausweg sieht, gibt es doch noch einen Ausweg. Aber warum sollte ich mein Leben jetzt schon beenden? Zwar würde ich dann aus meiner Entscheidung heraus einen Schlussstrich ziehen und von niemanden abhängig sein und müsste mich auch nicht um die Altersvorsorge kümmern. Nur, ich habe das Leben nicht genug begriffen, alsdass ich es jetzt schon auslöschen könnte. Klar, es ist nicht notwendig, aber irgendwie will ich mir die Chance lassen zu verstehen. Auch wenn es bedeutet, ständig in Gefahr zu leben.

Momentan sehe ich mein stumpfes Arbeiterleben tatsächlich als Überlebenskampf an. Es geht jeden Tag darum achtsam zu sein. Denn es passiert ganz schnell und man ist genervt, sauer und will nur noch weg. Und dann erkennt man sofort, es geht nicht. Man muss den Job durchziehen, denn es gibt unzählige Verpflichtungen, vorallem finanzieller Art, es wäre der Ruin den Widersprüchen nachzugehen.

Ich habe viele Verwirrungen teuer bezahlt. Viele tausend Euro, sprich, ich habe viele Monate quasi für nichts gearbeitet, weil ich einfach unüberlegt Risiken eingegangen bin. Diese Gesellschaft straft soetwas sofort mit finanziellen Abbuchungen. Natürlich wird das immer ganz positiv verpackt. Letztlich weiss ich aber, das die immer nur mein Geld wollten und mir nicht wirklich eine konstruktive Richtung weisen wollten.

Das zeugt einfach von einer zerstörerischen Gesellschaft, wenn unerfahrene Menschen gnadenlos mit hinterhältigen Verträgen und Verpflichtungen mit einem Lächeln geknebelt und gefesselt werden. Erst spät erkennt man dann, die haben alle nur geschauspielert um ihr schickes Auto  oder ihre tollen Anzüge bezahlen zu können. Das ist eine grundverlogene Gesellschaft in der wir leben.

Sie ist in einem hohen Maß stumpfsinnig und kompliziert. Das Leben selbst ist unglaublich einfach, aber der Mensch hat sich selbst und sein Leben mit seinem Denken kompliziert gemacht. Dieses Denken hat auch meinen stumpfsinnigen Alltag verursacht. Ich muss daraus ausbrechen und es auflösen. Anders geht es nicht. Viele Fehler kann ich mir nicht mehr leisten. Mich wird niemand mehr auffangen. Ich bin nicht mehr interessant genug.

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