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Wir sind mehr – vom selben Elend

Das ist besinnungsloser Betroffenheitskitsch, der den Musikern und dem Publikum ein gutes Gewissen einreden soll, obwohl sie überhaupt nichts gegen den postnazistischen Normalbetrieb unternehmen. Den Beweis bringen die Toten Hosen selbst, weil sie heute wie damals vor 25 Jahren nichts anderes betrieben haben als Ergriffenheitsprosa, welche ausschliesslich ergriffen sein will, aber nirgends jemals irgendwo eingreift. Das tut absolut keinem Weh, sondern im Gegenteil, es ist ein anfeuerndes Weiterso an die deutsche Volksgemeinschaft, die sich seit Jahrzehnten mit durchsichtigen juristischen Kniffen weigert Reparationszahlungen an die NS-Opfer zu zahlen. Es ging nur um Gefühle und keine Gedanken.

Bei tausenden Abschiebungen, tausenden Angriffen gegen Flüchtlingsheime, die Abschaffung des Asylrechts, die Abschaffung Menschenrechte der Migranten sowie Flüchtlinge, sowie Abschottung der Bundesrepublik und EU sagte keine Stadt, keine Band, kein Bürger nein! Und als der NSU aufflog war genauso Totenstille im Land! Fast so als würde man heimlich zustimmen.

Und jetzt plötzlich, als das Ansehen der Wohlfühlbürger in der nationalstaatlichen Zwangsgemeinschaft bedroht zu sein schien, entbrannte ein „lauter“ Aufschrei totaler Symbolpolitik, die mit inhaltsloser Quantität ihre antiintellektuellen Phrasen drischt: „Wir sind mehr!“ Mehr wovon? Mehr von der gesamtgesellschaftlich anerkannten deutschen Volksgemeinschaft, die in ganz rechtsstaatlicher Manier Menschen in Todeszonen abschiebt und dem sicheren, stillen, kostengünstigen, und effizienten Ableben überlässt. Frei.wild hat übrigens einen Song namens „Wir sind viele“.

Daher betont der deutsche Pilz vom Dienst, Campino, es gehe nicht um einen „Kampf links gegen rechts“. Vielmehr ginge es darum, „dass man nicht allein ist“, wie Kraftclub Brummer anmerkt. So als wäre der Staat und das Kapital nicht genauso dafür verantwortlich wie das unmündige Individuum, dass Menschen unter Drohung der sozialen Vernichtung als atomisierte Subjekte allein im Konkurrenz- und Leistungskampf am jeweiligen Wirtschaftsstandort bestehen müssen. Ministerpräsident Kretschmer dankt den beiden Nationalmusikanten daraufhin jedenfalls eilig für ihr Engagement. Frank-Walter Steinmeier, der gerne glücklich mit antisemitischen Hinrichtungsweltmeistern wie Hassan Ruhani in den Armen liegt, segnete folgerichtig mit sozialdemokratischer Mythenbildung die öffentliche Onanie der Zwangsgemeinschaftsinsassen ab.

„Wir stehen hier für Einigkeit, Recht und Freiheit“, brachte es ein Hofberichterstatter am Ende des Livestreams von #Wirsindmehr Chemnitz auf den Punkt. Das „Zeichen für Toleranz“ ist ein Zeichen für Deutschland. Es ist ein stolzes Zeichen im Sinne einer Ergebenheitsgeste für das deutsche Vaterland, welches notwendig Rassismus, Faschismus und Antisemitismus hervorbringen muss.

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»Schiessbefehl«-Petry & die »jungen Leute« – Die AfD in Landau

Als jahrelang-erprobte Bundesvorsitzende von oben herab ein paar Kids mit rhetorischen Tricks runterzumachen, unvorbereitet vor großem Publikum vorzuführen ist kein Ausdruck von Demokratie. Aber genau das entspricht dem Demokratieverständnis der AfD-Bundesvorsitzenden Petry, welches sie am 14. Mai 2016 in Landau eindrucksvoll bewies. Im folgenden soll auf einige wenige Aspekte kurz eingegangen sein:

1. Frauenfeindlichkeit & Homophobie: Das Parteiprogramm der AfD sieht in der Tat ein Frauen-/Familienbild aus den 1950ern vor. Man will es den Frauen schwerer machen eine Abtreibung vorzunehmen. Man will vorallem die Mutter im Haushalt sehen und nicht die Männer. Alleinerziehende sollen steuerlich benachteiligt werden. Homosexuelle möchte man nicht erlauben eine Familie über eine Ehe zu gründen. Wenn man Vater-Mutter-Beziehungen staatlich bevorzugen will, dann schliesst das eine Benachteiligung von homosexuellen Beziehungen ein. Das gibt Petry auch am Ende zu („Das sehen wir anders“ Minute: 26:35)

2. Klimawandel: Bernd Lucke sagte 2013 es gebe „wissenschaftliche Evidenzen, dass CO2 ein Klimakiller ist“. Ist der auch von der >Lügenpropaganda< instrumentalisiert? Die absolute Mehrheit in der Naturwissenschaft sagt weltweit das Gleiche: Der Klimawandel und die Co2-Gase stehen in einem direkten Zusammenhang und es ist daher plausibel, den Ausstoß dieses Gases zu senken. Seit Beginn der Klimaufzeichnungen liegen 15 der 16 wärmsten Jahre im 21. Jahrhundert, wie die Meterologiebehörde der UN und andere Forscher einstimmig gemessen haben. Wenn Petry sich so sicher ist, dass tausende Wissenschaftler falsch liegen, dann soll sie mal mit führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet diskutieren und nicht mit Abiturienten. Übrigens: Zu glauben eine Hypothese sei so gut wie die andere, würde John Oliver völlig zurecht widersprechen.

3. Flüchtlinge sind alle Terroristen? Die bedeutende Mehrheit derer die nach Deutschland einwandern sind keine Islamisten, sondern Familien, Flüchtlinge, Menschen die nach einer besseren Zukunft suchen. Wären das Islamisten, wie Petry hier darstellt, dann würde bei über 1 Millionen Zuwanderern mittlerweile ganz Europa brennen. Somit benutzt Petry einige Extremisten als Argument, um Zuwanderung generell einzugrenzen. Ohnehin lässt sich nie totale Sicherheit herstellen, es gibt global in jeder Bevölkerungsschicht Kriminalität. U.a. fordert Petry im obigen Beitrag mehr Polizei und mehr Grenzkontrollen: Dies dürfte den Exportweltmeister Deutschland nicht gerade beim internationalen Warenhandel hilfreich sein, womit der Wohlstand über die „innere Sicherheit“ gesenkt wird, was wiederum die behauptete Bestrebung der AfD aushöhlt, mehr Wohlstand zu erzeugen.

4. „Angebrannte Asylheime“ (Petry): Die AfD agiert offen mit Pegida und hat mindestens mit ihrer Rhetorik dazu beigetragen, dass Gewalt gegen sogenannte Fremde legitim erscheint. Gerade die Phrase von den Islamisten, die Petry 5 Minuten zuvor tätigte ist ein Beispiel dafür. Davon will sie nun plötzlich nichts mehr wissen. Es gab hunderte Anschläge auf Flüchtlingsheime, da nun herzugehen und zu behaupten es wären „häufig“ gar keine Rechtsextremen gewesen ist pure Fantasie. Übrigens: Wenn immer mehr Menschen Suizid in Flüchtlingsheimen begehen, dann sicher nicht, weil die deutsche Gesetzgebung so freundlich mit Migranten umgeht. Und selbst diese scharfe, rassistische Asylpolitik, die gegenwärtig bereits besteht, will die AfD noch weiter verschärfen.

5. Linksextreme Gewalt: Mal abgesehen davon, dass Petry absurder Weise behauptet (Minute 39:40), die „Linksextremen“ seien der Polizei „technisch und logistisch“ überlegen, ist es so, dass es seit 1990 über 178 rechtsextreme Morde gab. Die sogenannten Linksextremen haben im gleichen Zeitraum keinen einzigen begangen und trotzdem meint Petry, sie seien die „Vorboten von Weimar und 33“ (Minute 40:20), was man nur als Verharmlosung des Nationalsozialismus bezeichnen kann. Petry bedient sich hier also wieder eines rhetorischen Kniffs insbesondere da die Jugendlichen jegliche Gewalt ohnehin verurteilen. Apropos Gewalt:

»Der Zeitung „Mannheimer Morgen“ sagte sie nach einem Angriff auf Journalisten bei einer AfD-Demonstration: „Gewalt geht gar nicht.“ Auf die Frage aber, wie nach einer Grenzschließung und der Errichtung eines Zauns mit Grenzverletzern umzugehen sei, sagte sie, der jeweilige Bundespolizist „muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.“« (Quelle)

Abgesehen davon will die AfD die Reichen weniger besteuern, Klimaschutz-Organisationen die Finanzierung streichen, hunderttausende Soldaten einziehen, Hartz 4 privatisieren und damit die Armen schwächen, 12-Jährige in den Knast stecken, Alkoholiker und psychisch Kranke in Lager werfen und Sozialversicherungen zerschlagen. Das klingt nicht nach einer demokratischen Partei.

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Die Mächte des kollektiven Wahnsinns

Unsere Gesellschaft ist systematische Akkumulation von physischem Leid und todbringender Gewalt. Die permanente Mobilmachung im Sinn der blinden, irrationalen Verwertung des Werts, der sich in den Tauschakten und in der abstakten Arbeit versteckt, treibt in immer ungeheureren Maß zur Entsexualisierung der Sexualität, zur Entleerung der Sprache, der Verstummung von Kunst, Kultur und Philosophie. Der Mensch entmündigt sich selbst und gerät im Prozess dieser Dynamik immer tiefer in die Abgründe eines wildgewordenen Kanninchenbaus. Ausdruck dieser Fatalität ist die Körperlosigkeit, Beziehungslosigkeit und Erinnerungslosigkeit, die anfällig für autoritären Masochismus und Sadismus macht. Die Menschen stürzen sich in die Lohnarbeit, in den Konsum, in die Ressentiments um die Realität abzuwehren, entziehen sich vor der eigenen Verantwortung das Leben selbst und vernünftig zu gestalten.

In Deutschland ist die Aggressivität, Apathie, Unzufriedenheit und Asozialität durch Angst, Schwäche, Frust und Konkurrenzneid gehärtet. Die Freudlosigkeit und Unfähigkeit zu Lieben entstammt dem eigenen verantwortungslosen Handeln, Straf- und Verfolgungswünschen und einer puren Lust- und Zivilisationsfeindschaft. Deutschland ist eine Vergesellschaftung der Paranoia, die permanent den eigenen Identitätsverlust imaginiert, sich dadurch wahnsinnig macht und daher auf alles einschlägt, was in diesem Zusammenhang auch nur irgendwie bedrohlich erscheinen könnte. Subjektlose Wendehälse im Korsett einer durch die eigene Aktivität verewigte Weltverkehrung, die das hunderttausendfache Sterben und Morden rationalisiert, normalisiert und veredelt: Das ist die Substanz unserer Realität.

Das Leben ist sinnlos. Es lässt sich nur erträglich machen über die persönlichen Beziehungen zu anderen Lebewesen, die in diese Tragik hineingeworfen wurden. Das höchste für den Menschen ist demnach der Mensch. Alles hat sich danach zu richten, was ihm Lust und Glück verschafft: Die Sozialisation, worin eine möglichst angstfreie Erziehung steckt, die Ökonomie, worin eine Produktion für den Gebrauchswert und nicht den Tauschwert existiert, die Politik, die ausschliesslich verwaltet und jederzeit wechselbar ist, die Ökologie, die nicht zerstört oder als reines Mittel gesehen, sondern bewahrt und als Selbstzweck behandelt wird, usw. usf. Das Glücksversprechen welches heutzutage im Konsum angedeutet ist, muss zu seiner vollen Entfaltung gelangen.

Wenn sozusagen klar ist, dass die Welt verrückt geworden ist, dann kann das sich selbst bewusstgewordene Individuum nur den Kampf dagegen antreten und zwar mit aller rückhaltlosen Schärfe der Kritik. Der Widerstand gegen die blinde Geschäftigkeit, die den Wahnsinn immerzu neu herauswachsen lässt, muss genauso gesteigert werden, wie gegen sämtliche Fetischformen, die die Warenform gebiert. Die Angst hierin zu scheitern ist irrelevant, weil es keine Alternative außer der Barbarei gibt. Entweder man streitet für eine andere Welt und scheitert oder man vergibt kategorisch die Chance sie jemals auch nur denkbar zu machen, was einer völligen Verweigerung zum Leben und der damit verbundenen Verantwortung gleichkommt. Wenn der Zufall einen vor dem Hungertod gerettet hat, so ist es absolut notwendig, für jene zu streiten, die ihn in grotesker Irrationalität sterben mussten und müssen. Der Preis wird mit dem Verlust einer üblichen Karriere im beruflichen Stahlgehäuse hoch sein, aber nicht hoch genug.

 

 

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Ekelwochen mit Sido

Schwarz-Rot-Gold total: Paul Hartmut Würdig, reich geworden durch sexistische Songs wie »Arschficksong«, hat mit »wehenden Fahnen« eine alternative Nationalhymne für patriotische Erweckungsmomente seiner Deutschen geschrieben und leistet mit seiner Beschwörung der Volksseele einen Beitrag zur »Wiedergutwerdung der Deutschen.« Unterstützt wird er dabei von »neun jungen Hörfunkprogrammen der ARD«, da der Song im Rahmen der massenmedialen Ekelwoche »Heimat« produziert wurde (»Geographisch, emotional oder politisch: Heimat geht jeden an.«).

Sido, der 1,44 Millionen Likes auf Facebook hat, ist »einfach begeistert« von seiner »kleinen Heimat«, denn sie reicht »vom Minister bis zum Kaiser.« Zwischen Minister und Kaiser fand der systematische Massenmord der deutschen Massen an Millionen Juden statt und bereits das Kaiserreich träumte vom »Platz an der Sonne« und brach den ersten Weltkrieg vom Zaun. Was solls: »Du bist nie so ganz gerecht, trotzdem liebe ich dich echt.«

Rassistische Progrome, Straftaten  und Morde während der deutsche Staat wegsieht und dadurch mithilft. Jährlich tausende Tote aufgrund einer von Deutschland geprägten EU-Außenpolitik. Aber »egal, daran gewöhnste dich«, denn »niemand ist perfekt!« Sido winkt alle Katastrophen durch, die durch diese Zwangsgemeinschaft diktiert, praktiziert und reproduziert werden und die man aufgrund ihrer Unmenge kaum vollständig bilanzieren kann: Ob es nun um die Geschäfte mit dem antisemitischen iranischen Regime durch Vize-Kanzler Gabriel (SPD) geht, ob es um den Konkurrenzkampf, Leistungsdruck, die Arbeitswut der permanenten Mobilisierung sämtlicher menschlichen Kräfte für die Verwertungs des Werts zugunsten des nationalen Bruttoinlandsprodukts und zuungunsten der Lebensqualität aller geht, Sido meint dazu nur: »Du bist der Grund, dass ich gut schlafen kann.«

Deutschland kann anrichten was es will, Sido ist zufrieden: »Du bist perfekt auf deine Art, fast genau wie ichs mag.« Durch seinen Song liefert er einen kleinen Beitrag zur Idealisierung und Naturalisierung der Volksgemeinschaft, die unendliche Opfer, Disziplin, Berechenbarkeit und Lustfeindlichkeit von ihren Insassen erzwingt. Dabei wäre es nötig Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung, als funktionaler Bestandteil des kapitalistischen Produktionssystems und einer pathologischen psychischen Verfassung zu kritisieren und zurückzuweisen. »Wir können wieder unverkrampft „Wir“ sagen«, auch Dank Sido.

»Du kleines Land, wenn mir mal Wieder nicht gefällt, was ich hier sehe, ruf ich Poldi an und er zeigt mir die Weltmeister-Trophäe.« Die »Weltmeisterschaft des Nationalismus« soll in der Tat diesen Effekt beim Konkurrenzsubjekt haben: Wenn Du nur genug Opfer bringst triumphierst Du über alle anderen Wettbewerber am Markt. Triumph ist nur über die Niederlage anderer erhältlich, womit systemisch bereits die Vernichtung der Konkurrenz eingeschrieben ist. Sidos Song ist ein Beispiel für den »ungeglaubten Glauben« des Konkurrenzsubjektes im Kapitalismus.

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Du musst um dein Überleben kämpfen

Hunderte sind tot. Erneut. Weil wir eine zynische und menschenverachtende polit-ökonomische Ordnung unterstützen, die dies möglich macht. Man zeigt auf die Schlepperbanden, auf die Parteien, auf Frontex, auf Einsparungen der Flüchtlingsrettung und die millionenteure Abschottung, aber wäre es nicht angebracht auch auf uns zu zeigen? Wir wählen diese rassistische Politik und diese tödliche Ökonomie jeden Tag. Indem wir zur Arbeit und Wählen gehen anstatt solidarisch mit diesen Flüchtlingen zu streiken bis das Morden aufhört. Und ja, es ist Mord. Seit Jahrzehnten wird zugeschaut. Noch häufiger wird weggeschaut. Man hat sich an diese Katastrophen gewöhnt. Hat gelernt davon zu sprechen, dass unser Land keine weiteren Flüchtlinge verträgt, auch wenn es die, Zitat „Vorstufe zum Paradies“, in sich trägt.

Fakt ist: Unsere rassistische Asylpolitik hat mehr Menschen ermordet als der nationalsozialistische Untergrund. Es sind 23258 Menschen. Deutschland hat die europäische Aussenpolitik geprägt, die nun als die unterlassene Hilfeleistung ganze, katastrophale Abschreckungsarbeit leistet. Man bedenke angesichts von mittlerweile über zwanzigtausend verstorbenen Flüchtlingen die 138 Mauertoten der deutschen demokratischen Republik. Das Kapital soll mobil sein. Menschen nicht. Eine erstaunliche Definition von Freiheit.

Fakt ist: Man lässt Menschen lieber sterben als ihnen zu helfen, weil sie zu teuer sind. Obwohl man 338 Millionen Euro in die Abschottung der europäischen Grenze investierte, lässt man die Menschen lieber ertrinken, als ihnen zu helfen, weil man sie für eine zu große Belastung der Sozialsysteme hält. Selbst jene Menschen die dem Tod entronnen sind und nach Europa gelangen landen in Haft,  werden zu Illegalen und lebenden Toten erklärt. Ihr Leben wird auf Eis gelegt, weil sie die falsche, arme und unprofitable Nationalität an sich haben. Sie gelten als  überflüssiger, lästiger Problemfall. Sie erhalten kein Bargeld und keine Ausbildung. Und selbst obwohl schon das Bundesverfassungsgericht die „menschenunwürdige“ Behandlung von  Flüchtlingen in Deutschland monierte, befürchtet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dass es „Anreize für Wanderungsbewegungen“ schaffen könnte.  Und ein  Seehofer will bis zur „letzten Patrone“ dagegen kämpfen, dass Deutschland zum Sozialamt der Welt wird.

Fakt ist: Es hat Tradition Menschen, die vor Hunger, Armut und Krieg flüchten, wie eine tödliche Krankheit zu behandeln.

Fakt ist: Die Untätigkeit sorgt für das Blut an unseren Händen. Aber auch unsere Tätigkeit sorgt für Blut an unseren Händen: Unsere Arbeit erhält einerseits Staaten am Leben, die diese mörderische Asylpolitik durchsetzen und andererseits treibt unsere Arbeit über unsere Produktivität ärmere Nationen in Armut und Krisen, was letztlch die sogenannten Fluchtursachen erzeugt.

Wo ist unsere Menschlichkeit und unsere Rationalität? Wo ist  unser Mut etwas gegen Unrecht zu unternehmen? Woher kommt diese Gleichgültigkeit und Apathie? Wenn man die täglichen Toten im Mittelmeer, die täglich zehntausenden Hungertoten endgültig verhindern will, muss man Schluss mit dem Kapitalismus machen. Weniger geht nicht. Wenn das Morden stoppen will muss man Staaten, Nationen und die irrationale Verwertung des Werts über die Ausbeutung der Arbeitskraft der Menschen abschaffen! Notwendig ist die Produktivität im Sinne der Bedürfnisse aller Menschen einzusetzen.

Kein Mensch muss ertrinken. Kein Mensch muss verhungern. Reichtum ist für alle möglich. Die 40-stündige Arbeitswoche kann ohne Verlust des Wohlstands um 30 Stunden für alle reduziert werden. Kriege können genauso gestoppt werden, wie die Vernichtung der Umwelt oder der Tierarten. Aber das müssen wir mit Radikalität denken und anstreben. Jeden Tag. Es gibt niemand sonst der das für uns tun wird. Innerhalb des Systems hilft ansonsten nur das Betonieren des Mittelmeers.

„Du musst um dein Überleben kämpfen,“ sagte Wally gegenüber dem Weltspiegel.

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Deutschlands Wutbürger

Hunderte Berliner applaudierten am 1. April 2014 mit Begeisterung einem antisemitischen Demagogen, der nun auch im Internet mit zehntausenden Klicks innerhalb weniger Tage großen Erfolg hat.

Ken Jebsen ist als deutscher Wutbürger, und Wut ist hier in all seinen Auftritten wörtlich zu nehmen, vorallem in Folge seiner Querfrontstrategie zu einigen Kunststücken fähig: Er argumentiert einerseits eindeutig antisemitisch, wenn er behauptet, der „Zinseszins“ und die „Wirtschaftseliten“ würden die Welt regieren und stellt sich andererseits gleichzeitig auf die Seite von Dutschke (APO, SDS, marxistischer Soziologe) und die Geschwister Scholl.

Desweiteren ist er konsequent uneindeutig wenn er diverse Themen anspricht: Er sei für „Veränderungen“ und „Aktivist“, weil er „aktiv ist“ (wer hätte das gedacht) und „unabhängiger Reporter“ (was auch immer das heißen soll), der nicht zum Kanzler gemacht werden will (sondern Reichskanzler?), der „die da oben“ wegfegen will (Marsch nach Berlin?), der für Konsumverzicht, Dezentralisierung, Schwarmintelligenz (Blut- und Schicksalsgemeinschaft?), den Aufbau eigener Medien (Völkischer Beobachter?) plädiert: „Wir brauchen unser eigenes Twitter, Google, Facebook“ (Antiamerikanismus darf nicht fehlen). Er hetzt gegen Banken, Merkel, die FDP, Wahlen, breitet 9/11 Verschwörungstheorien aus, hat etwas gegen „totale Überwachung“, „gegen Regierungen“ und „gekaufte“ Politiker, misstraut den Amerikanern mehr als den Russen, befürchtet den „dritten Weltkrieg“ in Europa usw. Seine Thesen richten sich dabei strikt an die Vorurteile und Emotionen seiner Zuhörer, die alle Steilvorlagen dankbar und jubelnd aufgreifen.

Warum Zinseszinskritik im besonderen antisemitischer Struktur ist? Wenn man die Produktionssphäre von der Zirkulationssphäre unterscheiden bzw. trennen will und das tut Jebsen, wenn er den Zinseszins einsam herausstellt, dann steht das in einer Linie mit historischen, antisemitischen Vorläufern wie Proudhon, Lassalle, Gesell, Gottfried Feders. Man argumentiert damit automatisch gegen das schlechte, unproduktive, raffende Kapital (z.B. Zins, Finanzkapital) und für das gute, produktive und schaffende Kapital (Lohnarbeit), – denn man bedenkt die Werttheorie, das Geld, das Kapital, den Profit, den Staat, die Nation, den Fetisch, die anonyme Herrschaft, die Konkurrenz, den Doppelcharakter der Ware und der Arbeit usw. nicht. Wohin das führen kann, haben die Konzentrationslager des Nationalsozialismus bewiesen, der den Kapitalismus wie Jebsen personalisiert hat (Eliten, die angeblich alles an sich reissen, wie eine jüdische Krake, wie zuletzt bei der SZ, die antisemitisch Facebook kritisierte: http://cdn1.spiegel.de/…/image-663644-panoV9free-yzlf.jpg) und Juden mit dem Kapital gleichsetzte, eben anstelle des Kapitals die Juden ausrottete, um damit den Versuch zu unternehmen, das deutsche Volk zu retten. Nicht umsonst wurde zwischen schaffenden und raffenden Kapital unterschieden.

Ein neuer Volkstribun (so nannte Goebbels einst Hitler) ist geboren, der die deutsche Seele liebkost. Der Vergleich hinkt? Hat Hitler nicht auch eine Querfrontstrategie verfolgt („Nationaler Sozialismus“)? Hat er nicht antisemitisch argumentiert? Hat er nicht gegen die demokratischen Politiker gehetzt? Katastrophen beschworen? An Emotionen und Vorurteile appelliert? Die Deutschen als passive Opfer hingestellt, die sich endlich erheben mögen? Der moderne Antisemit hat aus Auschwitz gelernt, spricht nicht mehr offen von der Ausrottung, versteckt seinen Antisemitismus hinter indirekten Schachtelsätzen, scheinbar gutem Willen wie Jebsen hinter „Frieden“ und „Veränderung“ (Siehe: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert – Von Prof. Schwarz-Friedel).

 So zieht der brave, augenscheinlich geläuterte Deutsche und moderne Antisemit gerade wegen Ausschwitz in den Krieg, wie damals Joschka Fischer 1999 bezüglich dem Kosovo argumentierte  und heute Joachim Gauck, der die historische, deutsche Schuld nicht als „Recht auf Wegsehen“ betrachten sondern vielmehr im Gegenteil verstärkt mit Deutschland militärisch eingreifen will. Jebsen muss noch wütender werden, denn er hat Konkurrenz mit all den Sarrazins („Deutschland schafft sich ab“) und Elsässers („Feindbild Familie“) dieser Nation, die auch schon sehr erfolgreich den deutschen Volkstod befürchten. Wobei die sich alle schon auf diversen Podien die Hand gereicht haben. Immer mehr Menschen „wachen auf“. Endlich heisst es wieder: „Deutschland erwache.“ Würde es doch lieber für immer schlafen.

P.S. Hier noch eine Jebsen-Kritik

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77 Menschen getötet: Für Breivik klarer Fall von „Notwehr“

Breivik denkt den Nationalismus zu Ende. Er sieht überall Feinde der eigenen herrlichen Nation. Dazu gehören angeblich integrationsunwillige Moslems, die selbstverständlich nur in Norwegen leben um ihre „faschistische Religion“ zu verbreiten und wehrlose Norweger vampirartig zu missbrauchen. Obendrein Teil der Achse des Bösen: Die Marxisten, die diese Moslems dabei unterstützen würden. Beide Sorten von Schädlingen der Nation müssten laut Breivik ausgerottet werden. Ihm ging es mit Blei und Sprengstoff um den schnellen Akt der Säuberung des norwegischen „Genpools“. Er hätte also nur vernünftigerweise und als Ausdruck von „Güte“ in Notwehr gegen die angebliche Islamisierung durch bärtige Islamisten und Marxisten in Europa gehandelt. Als man ihm eine paranoide Schizophrenie und damit eine fehlende Zurechnungsfähigkeit während der Tatzeit diagnostizierte, war er entsprechend beleidigt. Er sah die Größe seines für ihn so rationalen und vernünftigen Werks in Gefahr. Wo liegen die Ursachen für ein derartiges Weltbild?

Fahnungschef Mæland billigt Breivik eine „rechtsextreme, christlich-fundmaentalistische Haltung“ zu. Sozialwissenschaftler Gule charakterisiert ihn als nationalkonservativ, mit konservativer, christlicher Ideologie. Allerdings widerspräche laut Oda Lambrecht und Christian Baars seine Gleichgültigkeit gegenüber den 77 Opfern essentiellen Glaubensinhalten. Er würde vielmehr „kompromisslos bestimmte konservative Werte“ vertreten. Politikwissenschaftler Hafez behauptet, dass die „Mainstream-Diskure über die angebliche islamistische Bedrohung“ den Anschlag mit verursacht hätten. Psychiater Leygraf behauptet Breivik würde an einer individuellen Krankheit leiden, daher müsse man alle seine Ausführungen unter diesem gesundheitlichen Aspekt betrachten. In diesen verschiedenen Einschätzungen liegt überall ein gewisser wahrer Kern.

Im internationalen Konkurrenzkampf des Kapitalismus setzt sich die Atomisierung und Zersetzung des Individuums fort. Die Identifikation mit Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien bilden die stärkste charakterliche Prägung des modernen Menschen. Das Berufsleben isoliert und zementiert die soziale Rolle in der Gesellschaft. Man definiert sich über den Beruf, betrachtet Arbeit als Lebensinhalt. Diese Konzentration des Lebens auf wirtschaftliche Aspekte, ist von zentraler Bedeutung, da der Konkurrenzkampf das egoistische Individuum bildet. Und das egoistische Individuum will seine Vorteile soweit wie möglich realisieren, auch wenn das im harten Konkurrenzkampf für die breite Masse kaum möglich ist. Es gibt also erstens kaum noch verlässliche Bezugspunkte zu anderen Menschen und Gruppen mit denen man sich identifizieren, groß und mächtig fühlen kann und zweitens gibt es einen enormen Drang danach sich groß und mächtig zu fühlen.

Hier bietet sich die Herkunft als ideale Möglichkeit an, dem Geltungsdrang der vernachlässigten Identität nachzugehen und das Gefühl von Bedeutungslosigkeit damit zu füllen. Deutschlandfahnen wehten nicht zum Spaß bei irgendwelchen Sportereignissen in ganz Deutschland. Der Jubel und Trubel um die eigene Nation, lässt eigene Nöte, Schwächen und Zweifel in den Hintergrund rücken. Man gewinnt wieder Hoffnung, schöpft Kraft für die nächste Etappe im internationalen Konkurrenzkampf auf den globalen Märkten, kann wieder über die politischen  Fehlentscheidungen hinwegsehen und so weiter. Breivik identifiziert sich stark mit seiner Nation, ihrer wirtschaftlichen, kulturellen Stärke und überhöht sie derart, dass ihm andere Nationen insbesondere islamisch geprägte Nationen fern, fremd und gefährlich erscheinen.

Er fand schnell ein Fundament für seine Vorurteile, so wie die sogenannten normalen Kritiker des Islams, die dieser Religion Faschismus unterstellen. Täter gibt es überall auf der Welt.  Breivik war zwar ähnlich paranoid, unsachlich und atomisiert wie sämtliche Patrioten, Nationalisten und Konservativen heutzutage, aber er wollte nicht einfach nur darüber klagen, dass angeblich seine  Herkunft und damit seine Identität durch fremde Einflüsse beschmutzt oder gar vernichtet werden. Er wollte handeln statt reden um die eigene Nation vor wirtschaftlichen und ökonomischen Schäden zu verteidigen.

Darin besteht der einzige Unterschied zu Typen wie Seehofer  („Multikulti ist tot„), Merkel („Jetzt machen wir hier mal Multikulti und leben so neben’ander her und freuen uns über’nander“ / „Dieser Ansatz ist gescheitert, absolut gescheitert„), Sarrazin („Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.„) und Co.  Um diesen Zusammenhang auszublenden erklären ihn die Medien nahezu geschlossen als „Irre„, „Zynisch„, „Teuflisch“ oder „Pervers“  obwohl er lediglich den allgemeinen, normalen Nationalismus, der vom Staat, von den Parteien und Konzernen gelebt und vorgegeben wird, radikal als Individuum bis ins letzte Detail umgesetzt hat. Damit ist der menschenverachtende Charakter der gesamten Zivilisation  im praktizierten Nationalismus dieses Menschen offenbar geworden.

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