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Die Gründe für das Ausbleiben von revolutionären Bedingungen

Alles Denken und Empfinden wird bestimmt von der Warenform, die in der Kapitalakkumulation steckt. Sämtliche Berufsgruppen sind vom Kapitalverhältnis eingesogen, aber auch sämtliche Denkformen. Vollzogen wird das über die Berufsausbildung und -tätigkeit, die eine permanente Internalisierung der zum jeweiligen Stand der Produktivität erforderlichen Denkoperationen erzwingt. Die zeitliche, geistige und körperliche Investition nimmt die Mehrheit des Alltags ein und erhält das höchste Gewicht im Leben aller Menschen. Die Lohnarbeit ist der Mensch und umgekehrt. Die Lohnarbeit ist Vehikel der Mehrwertproduktion und wird als solche über die Verausgabung von Hirn, Kraft oder schlichter Lebenszeit und Lebensenergie betrieben und permanent intensiviert. Lebenslanges Lernen ist hier eine Drohung und Forderung sich gefälligst dem eigentlichen Subjekt der Gesellschaft anzupassen, was eben nicht der Mensch, sondern die höchste Zahl ist. Dieser Umstand ist auch libidinös besetzt, der Mensch geniesst geschunden zu werden, sich selbst oder andere zu schinden. Der Mensch fühlt sich in den Warenköper anstelle seines eigenen Körpers ein.

Das Leiden der Welt entspringt aus dem automatischen Subjekt, welches alle Kategorien und Dimensionen des Lebens formalisiert, instrumentalisiert, rationalisiert und ausbeutet. Die Strukturen der Warengesellschaft wiegen durch die Konstitution der gesellschaftlichen Reproduktionsweise schwerer als jedes Individuum. Das Denken hinkt der Realität immer hinterher, aber im Kapitalismus hängt das Denken auch noch etwas an, was es selbst erzeugt, aber nicht begriffen hat: Der Warenform. Die Leute lieben die Lohnarbeit, den Staat, das Geld und dem opfern sie sich selbst, die Natur, die Tiere, einfach alles. Jede Wahl, jede Kaufentscheidung, jeder Arbeitstag zeigt das. Je mehr Lohnarbeit betrieben wird desto dümmer und empathieloser der Mensch. Die lebendigen Anteile des Menschen werden zugunsten der abstrakten, gesellschaftlichen Arbeit geopfert, die wiederum nur dem Profit dient. Die ganze Welt dient einer Wahnvorstellung, die gesellschaftlich als vernünftig anerkannt ist und sogar als Wissenschaft an den Universitäten gelehrt oder als politische Agenda in den Parlamenten in Gesetze gegossen oder als betriebswirtschaftliche Vernunft in allen Konzernen umgesetzt wird. Die Wertverwertung hat das Denken maßgeblich verwildert, die instrumentelle Vernunft hat auf erhöhter Stufenleiter triumphiert: Die Prekarisierung ganzer Berufszweige, die Perspektivlosigkeit des Intellektuellen an der Akademie, des Lohnarbeiters in allen Branchen, der Antiintellektualismus in Forschung und Lehre, überhaupt in der ganzen Welt, der totale Mangel an Intellektuellen in Politik oder Ökonomie oder Akademie, dann der Klimawandel, die Altersarmut, Armut von Kindern sowie Familien, der Pflegenotstand, das Aussterben von Tierarten und Insekten, die wachsenden (radioaktiven) Müllberge, psychischen Erkrankungen, das alles und noch viel mehr zeugt vom Zerfall der Menschheit, der sich in einem blinden Gesellschaftsprinzip verliert.

Warum sollte ein Lohnarbeiter auf die Idee kommen, dass sein Leid nicht sein muss? Gerade dadurch, dass das Elend der Lohnarbeit so allgemein ist, erscheint es natürlich und notwendig. Millionen leiden unter den Verhältnissen, sie alle sind überzeugt, dass sie durchhalten und kämpfen, weil es nicht anders geht. Es wird sie alle kränken, wenn behauptet wird, dass ihr Leiden vollkommen sinnlos war. Sie haben nur gelitten, weil sie einem unverstandenen Prinzip anhingen, welches sie selbst geschaffen haben. Ihnen nun zu erzählen, dass sie gelitten haben, weil sie sich über ihre eigene gesellschaftliche und inviduelle Tätigkeit selbst verletzt haben, wird immer Ablehnung hervorbringen. Plötzlich ist nicht der Bankier, der Manager, der Ausländer oder Jude an allem schuld, sondern die eigene Bürgerlichkeit. Das ganze Leben ist falsch gelebt worden. Es kostet viel Courage, Empathie und Scharfsinn, angesichts dieser Erkenntnis, das Leben komplett umzustellen. Zumal Umstellung bedeutet, nicht nur die Lohnarbeit aufzugeben und den darin enthaltenen Arbeitsfetischismus, sondern auch diverse andere Kategorien, die die Warenform von Staat bis Geld ausprägt. Zumal zugleich kaum bekannt ist, wofür das gesamte Leben auf den Kopf gestellt wird. Warum sollte man ein Leben wegwerfen, das zwar Schmerzen bereitet, aber doch zumindest ein Mindestmaß an vermeintlichen Komfort bietet? Die Egalität ist soweit vorangeschritten, dass das eigene Elend genausowenig klar ist, wie das der anderen.

Die Verantwortung für die Überwindung der falschen Verhältnisse teilt sich unter der globalen Weltbevölkerung auf. Niemand fühlt sich daher verantwortlich für das Schicksal der Menschheit, auch wenn das eigene individuelle Schicksal streng damit verbunden ist. Die Atomisierung der Konkurrenzsubjekte führte zu einem unternehmerischen Selbst, zum homo oeconomicus, das die Optimierung der eigenen Belange hinsichtlich des Fortkommens im Unternehmen oder generell in der kapitalistischen Gesellschaft als höchste Priorität im Alltag für unausweichlich und absolut notwendig hält. Es handelt sich hier um ein Verhalten, was einerseits menschlich, andererseits erlernter Irrationalismus ist. Wer hiergegen argumentiert, argumentiert häufig gegen Jahrzehnte von Lebenserfahrung und erlernten, praktizierten Wissen, welches in die Identität und Triebökonomie des Individuums eingegangen ist. Da müsste ein Argument, ein einziger Satz so einleuchtend und so plausibel dargelegt werden, dass es das Leben des Individuums vollständig auf den Kopf stellt. Dieses Kunststück ist noch keinem gelungen und auch daran krankt die Revolution.

Wie kann man so ein Bewusstsein, welches sich offenbar nahezu völlig jeglicher wahrheitsgetreuen Erkenntnis verschlossen hat, weil es so sehr dem Kapitalverhältnis angedient wurde, überhaupt noch mit Kritik in die Krise stürzen? Man muss fragen, wieso es die Leute nicht zur Kritik treibt, wenn Hunger kein Anlaß zur Produktion ist, wie es in unserer Gesellschaftsform nunmal ist. Wann und wie soll man denn jemals zu einer Kritik der Verhältnisse kommen, wenn man sich andauernd nur diesen Verhältnissen andient und unterordnet? Wie lauten die Bedingungen der Revolution im Jahr 2017? Und woher will der Revolutionär wissen, dass er revolutionär ist? All diese Fragen streifen die Möglichkeiten oder Unmöglichkeit der Bedingungen von transzendentaler Kritik. Die einzige Differenz zwischen Waren- und Denkform scheint in der Trägheit, im Leiden und in dem Unvermögen des Menschen selbst zu liegen.

Unvermögen ist Hoffnung: Der Mensch ist keine Maschine und so kann er nicht den Arbeitstag endlos erweitern und intensivieren. Auch die 24 Stunden eines Tages setzen der Wertverwertung Grenzen. Da der Mensch sowieso nicht kann, wie das Wertverwertungsprinzip will, wird sie niemals endgültig siegen. Sie kann nicht den gesamten Menschen aufsaugen, selbst wenn er wie heute ihr nahezu total anhängig ist. Die Fehlerhaftigkeit des Menschen ist Trumpf und Freude. Im Unvermögen Kapitalist zu sein, steckt die Fähigkeit zum Kommunismus.

Leiden ist Index des Negativen: Das Leiden, eine Maschine sein zu müssen, die am Arbeitsplatz wie eine Reiz-Reaktionsapparatur Leistung konkurrenzfähig abruft, erscheint als stärkstes Mittel gegen diese Produktionsweise, weil sie schon über die Potenz des gegenwärtigen Produktivitätsstandes den Hinweis liefert, dass diese Intensität des Arbeitslebens nicht sein muss. Niemand will leiden. Schon gar nicht an Bedingungen, die er selbst ändern könnte, die er überhaupt nur hat, weil er sie nicht selbst bewusst bestimmt. Die Bedingung transzendentaler Kritik ist also die normative Wertung, dass irrationales Leiden abzuschaffen ist. Und irrational ist hier etwas, was vom Menschen unbewusst betrieben wird, demnach also der Kapitalismus. Eine aufgeklärte Zivilisation, kann nicht die unsichtbare Hand des Marktes als Hauptkategorie aller gesellschaftlichen Reproduktion gestatten, denn das wäre gelebte Mythologie, Rationalisierung von Irrrationalismus und ein empörender Persilschein zur Menschenvernichtung. Die Kränkung, dass der Mensch nicht sein Leben bestimmt, muss zur Emanzipation von eben diesem Zustand führen. Insoweit zeigt das Elend aus seinem Wesen heraus die Möglichkeit seiner Abschaffung auf und bietet somit den Maßstab aller Kritik sowie des Kommunismus.

Trägheit ist Glück: Die Trägheit speist sich aus dem Zeitfaktor, dem Puls der Warenproduktion, der sowohl von der Produktionszeit, aber auch dem Tauschprozess oder der Reproduktion der Arbeitskraft abhängt. Nichts im Kapitalismus kann unendlich schnell gleichzeitig geschehen. Es dauert Menschen auszubeuten, es dauert bis sie sich erholen, ihr Bier getrunken, neue Arbeitskräfte gezeugt, die Waren produziert, auf den Markte getragen, verkauft und gekauft haben. An all diesen und vielen weiteren Punkten gibt es notwendigen Widerstand in der Kapitalverwertung, denn die Welt ist keine Maschine. Trägheit heisst auch Müßiggang. Heisst Sandkorn im Getrieb sein. Heisst Schwermut, Schwerkraft und Schwervermittelbarkeit. Wendet man letzteres als soziale Unverträglichkeit, ist Arbeitsverweigerung ein wichtiges Mittel, das arbeitsfetischistische Bewusstsein sämtlicher Leute in der Umgebung in die Krise zu stürzen. Dem Arbeitgeber auf die Hand spucken anstatt sie zu schütteln, bedeutet auch Trägheit im besten Sinne und zugleich harte Arbeitslosigkeit, aber auch glückliche Distanz von Lohnarbeit, Schinderei und Dummheit. Revolutionär ist, was träge ist, was sich nicht dem Prinzip der Wertverwertung andient. Außerhalb des kapitalistischen Höllenfeuers atmet der Mensch.

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We are Trump

Um eine Verbesserung der gesellschaftlichen Bedingungen herzustellen ist die Reflexion der eigenen Sozialisation, Familie, des persönlichen Umfelds, der Werte, Normen, Persönlichkeit notwendig. Dies alleine ist eine eklatante Selbstreflexion bzw. Reflexionsleistung, die von unserer Gesellschaft grundsätzlich nicht gefordert wird. Sie fordert lediglich Akzeptanz, Gehorsam und Übernahme all dessen, was ein Individuum seit Geburt vorfindet. Und weil die Gesellschaft unangepasstes Verhalten bestraft, ist das wichtigste, nämlich die Erkenntnis, nebenbei zu machen, wenn nicht gerade das Glück existiert, dass Freunde oder Familie einen unterstützen. Zu einem gewissen Grade ist es in jeder Gesellschaftsform üblich, dass nachkommenden Generationen etwas aufoktroyiert wird. Allerdings schiebt sich in unserer spezifischen Gesellschaftsform noch eine Dimension hinein, nämlich der irrationale Charakter der jetzigen Epoche. Dieser drückt sich im Zwang aus Profite zu maximieren. Dieser Zwang ist total geworden und damit als zweite Natur unwidersprochen anerkannt worden, sodass er permanent unhinterfragt reproduziert wird. Zugleich wurde nach zwei Weltkriegen die tatsächliche Konstitution der Gesellschaft verleugnet, die u.a. die Shoa überhaupt erst ermöglichte. Die Verhältnisse wurden nie insoweit verändert, dass die Shoa unmöglich wieder stattfinden kann. Mehr noch: Man hat den Faschismus demokratisiert. Ausdruck dessen lässt sich u.a. in allen Rechtsbewegungen weltweit in jüngerer Zeit erkennen.

Somit kämpft das Individuum also nicht nur gegen die eigene Regressionen, Verhärtungen und ringt um Selbstreflexion, sondern es kämpft auch gegen die nähere sowie fernere Regressionsleistung der sozialen Umwelt, die zugleich Erwartungen stellt, die über Lebensqualität und Reflexionsfähigkeit entscheiden. Wer arbeitet wird in diesem Zusammenhang dümmer, weil er einem Prinzip nachgeht, welches Reflexion nur im Sinne der Kapitalakkumulation benötigt und demnach jegliche Gedankenprozesse bestraft, die davon ablenken oder sogar auf eine Abschaffung zielen. Zugleich lässt sich die Erkenntnis über die Unwahrheit unserer Gesellschaft nur auf der individuellen Ebene leisten, da die Totalität sich tief in die Menschen eingegraben hat. Die Gesellschaft droht permanent in Banden zu zerfallen bzw. organisiert sich über Banden, d.h. auch Wissen wird nur innerhalb von Banden geteilt oder verhandelt. Ohne eine Bezugsgruppe, die spezifische Reflexionsgrade erreicht haben, um die Gesellschaft auf eine sinnvolle Weise zu hinterfragen, wird die Reflexionsleistung des Individuums ohne geniale Disziplin oder Kreativität schwach bleiben. Zugleich lässt die Auffindbarkeit von reflektierten Gruppen oder Individuen mit dem fortschreiten der instrumentellen Vernunft systematisch nach, weil traditionell, wie gesagt, nur systemimmanentes Wissen belohnt wird.

Die Fähigkeiten des gesamten Bewusstsein oder der gesamten menschlichen Intelligenz sind fest an den Produktionsverhältnissen verankert. Sie tradieren, manipulieren, segregieren, vernichten, wühlen im Menschen und durch den Menschen, reproduzieren die Herrschaft des Menschen über den Menschen. Die Menschen verhalten sich zu Menschen wie Dinge zu Dingen und der Mensch behandelt sich  selbst wie ein Ding, welches zu bearbeiten ist wie ein Bergwerk. Je länger er in sich wühlt und optimiert, desto leerer ist er im Verlauf des Lebens. Die permanente Mobilmachung im Sinne der kapitalverwertenden Nützlichkeit hält die Individuen derart in Atem, dass nur leere Wissensformen, die im Sinne eines Reiz-Reaktions-Schemas abgespuhlt werden, angewendet werden. Diese Logik arbeitet ins uns allen und der Kampf dagegen ist das Interesse der Menschheit. Trump ist eine Persönlichkeit, die für eine postnazistische Ideologie steht, die sich gerade durch eine opportunistische Anpassungsleistung an diese zerstörerischen und irrationalen Verhältnisse auszeichnet. Wahllos prügelte er auf Minderheiten ein, schliesslich gelten sie auch in der Kapitalakkumulation als wenig profitabel. Zugleich wohnt in seinem Größenwahn auch der Wahn, der stumme Schrei der narzistischen Kränkung, die der Kapitalismus jedem Individuum in jeder Kindheit mehr oder minder stark antut. Die Popularität des neuen US-Präsidenten zeigt den weiten Verbreitungsgrad der autoritären Persönlichkeit, die jegliche Reflexion über sich und die anderen ausschliesslich im Sinne des Profits unternimmt.

Das Wissen, welches zur Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Sinne einer Abschaffung von Hunger, Krieg, Antisemitismus, Antifeminismus, Rassismus, Antiziganismus, Homophobie uvm. nötig wäre, setzt sich nicht durch, weil es keine Profite abwirft, weil es der systemimannenten Logik widerspricht, weil keine kapitalkräftigen Banden für sie kämpfen. Die Atomisierung, Entpolitisierung und Entleerung der Individuen lässt sich akut in allen sozialen Beziehungen deutlich erkennen. Die Profitmaximierung hat die Individuen so stark erschüttert, so häufig ins Gesicht geschlagen, dass sie immer stärker in ihrer Regression, Verantwortungslosigkeit aufgehen und ein postfaktisches Zeitalter mit faschistoiden, islamistischen, nationalboschewistischen bis technokratischen Führerfiguren wie Trump, Petry, Hofer, Putin, Erdogan, Gabriel, Wagenknecht und Co. begründen. All hope is gone, denn es gibt keinen Ort außer der immer schwächer werdenden Reflexionsleistung des Individuums, welches sich auf unzähligen Fronten und Ebenen zu behaupten hat, während es zugleich das so wichtige revolutionäre Potential erfassen, denken und ergreifen muss. Panik, Angst, Wut und Trauer sind keine guten Ratgeber, aber sie sind alles was neben all den Erschütterungen, Katastrophen und Umwälzungen in den letzten Jahrzehnten übrig geblieben ist.

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Die Mächte des kollektiven Wahnsinns

Unsere Gesellschaft ist systematische Akkumulation von physischem Leid und todbringender Gewalt. Die permanente Mobilmachung im Sinn der blinden, irrationalen Verwertung des Werts, der sich in den Tauschakten und in der abstakten Arbeit versteckt, treibt in immer ungeheureren Maß zur Entsexualisierung der Sexualität, zur Entleerung der Sprache, der Verstummung von Kunst, Kultur und Philosophie. Der Mensch entmündigt sich selbst und gerät im Prozess dieser Dynamik immer tiefer in die Abgründe eines wildgewordenen Kanninchenbaus. Ausdruck dieser Fatalität ist die Körperlosigkeit, Beziehungslosigkeit und Erinnerungslosigkeit, die anfällig für autoritären Masochismus und Sadismus macht. Die Menschen stürzen sich in die Lohnarbeit, in den Konsum, in die Ressentiments um die Realität abzuwehren, entziehen sich vor der eigenen Verantwortung das Leben selbst und vernünftig zu gestalten.

In Deutschland ist die Aggressivität, Apathie, Unzufriedenheit und Asozialität durch Angst, Schwäche, Frust und Konkurrenzneid gehärtet. Die Freudlosigkeit und Unfähigkeit zu Lieben entstammt dem eigenen verantwortungslosen Handeln, Straf- und Verfolgungswünschen und einer puren Lust- und Zivilisationsfeindschaft. Deutschland ist eine Vergesellschaftung der Paranoia, die permanent den eigenen Identitätsverlust imaginiert, sich dadurch wahnsinnig macht und daher auf alles einschlägt, was in diesem Zusammenhang auch nur irgendwie bedrohlich erscheinen könnte. Subjektlose Wendehälse im Korsett einer durch die eigene Aktivität verewigte Weltverkehrung, die das hunderttausendfache Sterben und Morden rationalisiert, normalisiert und veredelt: Das ist die Substanz unserer Realität.

Das Leben ist sinnlos. Es lässt sich nur erträglich machen über die persönlichen Beziehungen zu anderen Lebewesen, die in diese Tragik hineingeworfen wurden. Das höchste für den Menschen ist demnach der Mensch. Alles hat sich danach zu richten, was ihm Lust und Glück verschafft: Die Sozialisation, worin eine möglichst angstfreie Erziehung steckt, die Ökonomie, worin eine Produktion für den Gebrauchswert und nicht den Tauschwert existiert, die Politik, die ausschliesslich verwaltet und jederzeit wechselbar ist, die Ökologie, die nicht zerstört oder als reines Mittel gesehen, sondern bewahrt und als Selbstzweck behandelt wird, usw. usf. Das Glücksversprechen welches heutzutage im Konsum angedeutet ist, muss zu seiner vollen Entfaltung gelangen.

Wenn sozusagen klar ist, dass die Welt verrückt geworden ist, dann kann das sich selbst bewusstgewordene Individuum nur den Kampf dagegen antreten und zwar mit aller rückhaltlosen Schärfe der Kritik. Der Widerstand gegen die blinde Geschäftigkeit, die den Wahnsinn immerzu neu herauswachsen lässt, muss genauso gesteigert werden, wie gegen sämtliche Fetischformen, die die Warenform gebiert. Die Angst hierin zu scheitern ist irrelevant, weil es keine Alternative außer der Barbarei gibt. Entweder man streitet für eine andere Welt und scheitert oder man vergibt kategorisch die Chance sie jemals auch nur denkbar zu machen, was einer völligen Verweigerung zum Leben und der damit verbundenen Verantwortung gleichkommt. Wenn der Zufall einen vor dem Hungertod gerettet hat, so ist es absolut notwendig, für jene zu streiten, die ihn in grotesker Irrationalität sterben mussten und müssen. Der Preis wird mit dem Verlust einer üblichen Karriere im beruflichen Stahlgehäuse hoch sein, aber nicht hoch genug.

 

 

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Du musst um dein Überleben kämpfen

Hunderte sind tot. Erneut. Weil wir eine zynische und menschenverachtende polit-ökonomische Ordnung unterstützen, die dies möglich macht. Man zeigt auf die Schlepperbanden, auf die Parteien, auf Frontex, auf Einsparungen der Flüchtlingsrettung und die millionenteure Abschottung, aber wäre es nicht angebracht auch auf uns zu zeigen? Wir wählen diese rassistische Politik und diese tödliche Ökonomie jeden Tag. Indem wir zur Arbeit und Wählen gehen anstatt solidarisch mit diesen Flüchtlingen zu streiken bis das Morden aufhört. Und ja, es ist Mord. Seit Jahrzehnten wird zugeschaut. Noch häufiger wird weggeschaut. Man hat sich an diese Katastrophen gewöhnt. Hat gelernt davon zu sprechen, dass unser Land keine weiteren Flüchtlinge verträgt, auch wenn es die, Zitat „Vorstufe zum Paradies“, in sich trägt.

Fakt ist: Unsere rassistische Asylpolitik hat mehr Menschen ermordet als der nationalsozialistische Untergrund. Es sind 23258 Menschen. Deutschland hat die europäische Aussenpolitik geprägt, die nun als die unterlassene Hilfeleistung ganze, katastrophale Abschreckungsarbeit leistet. Man bedenke angesichts von mittlerweile über zwanzigtausend verstorbenen Flüchtlingen die 138 Mauertoten der deutschen demokratischen Republik. Das Kapital soll mobil sein. Menschen nicht. Eine erstaunliche Definition von Freiheit.

Fakt ist: Man lässt Menschen lieber sterben als ihnen zu helfen, weil sie zu teuer sind. Obwohl man 338 Millionen Euro in die Abschottung der europäischen Grenze investierte, lässt man die Menschen lieber ertrinken, als ihnen zu helfen, weil man sie für eine zu große Belastung der Sozialsysteme hält. Selbst jene Menschen die dem Tod entronnen sind und nach Europa gelangen landen in Haft,  werden zu Illegalen und lebenden Toten erklärt. Ihr Leben wird auf Eis gelegt, weil sie die falsche, arme und unprofitable Nationalität an sich haben. Sie gelten als  überflüssiger, lästiger Problemfall. Sie erhalten kein Bargeld und keine Ausbildung. Und selbst obwohl schon das Bundesverfassungsgericht die „menschenunwürdige“ Behandlung von  Flüchtlingen in Deutschland monierte, befürchtet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dass es „Anreize für Wanderungsbewegungen“ schaffen könnte.  Und ein  Seehofer will bis zur „letzten Patrone“ dagegen kämpfen, dass Deutschland zum Sozialamt der Welt wird.

Fakt ist: Es hat Tradition Menschen, die vor Hunger, Armut und Krieg flüchten, wie eine tödliche Krankheit zu behandeln.

Fakt ist: Die Untätigkeit sorgt für das Blut an unseren Händen. Aber auch unsere Tätigkeit sorgt für Blut an unseren Händen: Unsere Arbeit erhält einerseits Staaten am Leben, die diese mörderische Asylpolitik durchsetzen und andererseits treibt unsere Arbeit über unsere Produktivität ärmere Nationen in Armut und Krisen, was letztlch die sogenannten Fluchtursachen erzeugt.

Wo ist unsere Menschlichkeit und unsere Rationalität? Wo ist  unser Mut etwas gegen Unrecht zu unternehmen? Woher kommt diese Gleichgültigkeit und Apathie? Wenn man die täglichen Toten im Mittelmeer, die täglich zehntausenden Hungertoten endgültig verhindern will, muss man Schluss mit dem Kapitalismus machen. Weniger geht nicht. Wenn das Morden stoppen will muss man Staaten, Nationen und die irrationale Verwertung des Werts über die Ausbeutung der Arbeitskraft der Menschen abschaffen! Notwendig ist die Produktivität im Sinne der Bedürfnisse aller Menschen einzusetzen.

Kein Mensch muss ertrinken. Kein Mensch muss verhungern. Reichtum ist für alle möglich. Die 40-stündige Arbeitswoche kann ohne Verlust des Wohlstands um 30 Stunden für alle reduziert werden. Kriege können genauso gestoppt werden, wie die Vernichtung der Umwelt oder der Tierarten. Aber das müssen wir mit Radikalität denken und anstreben. Jeden Tag. Es gibt niemand sonst der das für uns tun wird. Innerhalb des Systems hilft ansonsten nur das Betonieren des Mittelmeers.

„Du musst um dein Überleben kämpfen,“ sagte Wally gegenüber dem Weltspiegel.

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Emotionen statt Reflektionen – „Hunger!“ mit Claus Kleber

Das Fernsehen ist etwas fürs Volk, sagte einmal Felix Bartels. Und Claus Kleber spricht als Nachrichtenvorleser der Nation für das Volk. „Claus Kleber und Co-Autorin Angela Andersen interessieren sich bei ihrer Bestandsaufnahme vor Ort weniger für die Mächtigen und Regierenden, mit denen Kleber sonst als News-Anchorman des ZDF zu tun hat. Hier geht er vor allem zu den Menschen, die von Hunger und Durst betroffen sind und tapfer für eine bessere Zukunft kämpfen.

Das Internet funktioniert ähnlich wie das Fernsehen – nämlich über Emotionen. (Claus Kleber). Der ZDF-Anchorman geiselt das raffende Kapital, schreibt mit „Not“ und „Verzweiflung“ gegenüber dem „Unfassbarem“ eine flammende Hommage zugunsten des schaffenden Kapitals. „Hunger, lerne ich, hat viele Gesichter. Hier sind es die Fratzen von Profitgier und Inkompetenz.“ Er glaubt, dass wir zu viel Fleisch konsumieren („Chinas Rinderwahnsinn„) und daher Menschen verhungern. „Wenn sich jemand bescheiden muss, dann alle. Auch Egoismus ist ein Gesicht des Hungers.“ Antworten „sucht die zweiteilige Dokumentation weniger in Zahlen und wissenschaftlichen Analysen als in einer sehr persönlichen Betrachtung mit einer optimistischen Vision.“ Eine Vision, die dümmer kaum sein könnte: „Urban Gardening„, ein „Löffel Zuckerwasser„, „riesige Kugeln im Ozean“ und „faire Investitionen“ sollen als kleine „Puzzelstücke“ die Rettung sein. Kein schlechtes Ergebnis für eine Weltreise und ein Jahr „Planung, Überlegung und Fokussierung“ oder? Und überhaupt: „Um es gleich zu sagen: Das wird kein restlos objektiver Bericht.“ Na dann kann die geistlose, ressentimentbeladene Hetze ja losgehen!

Eigentlich ist alles super in der Marktwirtschaft. Maitland in Australien: „Das wir eigentlich genug für alle ernten, verdanken wir auch Kerlen,“ und „Kerlen“ wird hier mit einer extra Portion Pathos ausgesprochen; „Kerlen wie Ben. Er macht aus einem großen Stück Halbwüste in Südaustralien Brot für die Welt.“ Quasi wie Jesus, schöpft er aus der Todeszone Wüste („an den Grenzen des möglichen„) Leben. Ben: „Wir verwandeln Regen in Getreide.“ Transsubstantiation im ZDF! Ich habe es kapiert Kleber, der Arbeiter ist ein Heiliger! Aber dann das: „Silotürme und Verladeanlage haben Farmer gebaut. Jetzt kauft ein Großkonzern das Ganze auf.“ Der heilige Arbeiter wird vom internationalen Kapital überfallen. Schrecklich! Unerhört! Völker dieser Welt stürmt zu den Waffen!

Tapfer wirft sich der Volkstribun Kleber uneigennützig in den Dreck der Welt, um uns die ganze grauenvolle Wahrheit zu präsentieren: Tüchtige Produzenten, die im Schweiße ihres Angesichts schaffendes Kapital hervorbringen, aber „Rädchen im Getriebe der Großkonzerne“ sind, stehen seiner Ansicht nach im Kampf gegen eine „Weltmacht“ voller „Megakonzerne“, die „ihre Risiken streuen“, „Investmentfonds“, die „mit Milliarden pokern“ und „Geldstörmen“, die „30 mal so mächtig wie der Wert aller Ernten zusammen“ sind. Dies wäre nicht nur in Australien so, sondern auch in Afrika: „Der Großinvestor hat keine Hoffnung gebracht, er hat sie genommen.“ Gleiches gilt für Indien: „Einflussreiche Fabrikanten sichern sich dort ein Stück vom Profit hier. Auf der Strecke bleiben die, um die es eigentlich gehen soll.

Fragen über Fragen:

Generell stellt Kleber Fragen ohne sie je zu beantworten: „Was haben wir falsch gemacht?“ Oder: „Warum kommen so viele Lebensmittel nie bei den Hungernden an?“ Oder: „Wie kann es immer noch sein, das Menschen an Hunger sterben?“ Oder: „Wir produzieren mehr als genug Nahrung für alle. Warum leiden dann immer noch hunderte Millionen an Hunger?“ Oder kombiniert mit eigenen Ressentiments: „Wie können wir dem Land und den Ozeanen noch mehr abgewinnen, ohne die Böden auszulaugen und Fischbestände zu zerstören? Dürfen Nahrung und Trinkwasser weiterhin als Spekulationsobjekte an Börsen missbraucht oder als Machtinstrumente eingesetzt werden?“ Und: „Wie können trotz der weltweiten Bevölkerungsexplosion alle Menschen satt werden?

Guter Weizen verrottet. Liegen geblieben in Spekulationsgeschäften bei denen die Rechnung nicht aufging.“ Kleber fragt in eine Runde indischer Bauern: „Also nochmal die Frage, die mich hergeführt hat: Da ist soviel Reis hier, warum gibt es in Indien immer noch Hunger?“ Ein indischer Bauer antwortet: „Schlechtes Management der Regierung.“ Kleber: „Die Regierung ist schuld, huh!?“ Ein zweiter indischer Bauer schaltet sich ein: „Ja, Korruption. Die haben unser ganzes Geld auf schweizer Bankkonten versteckt.“ Kleber fragt den ersten indischen Bauer wieder: „Stimmt das was er sagt?“ Dieser reagiert zustimmend: „Er hat völlig Recht! Das sind alles Schurken. Krokodile, die das Land ausbeuten und das Volk bluten lassen.“ Unter emotionalisierenden Beats wird das unkommentiert einfach so stehen gelassen, als ob es sich dabei um eine treffende Analyse gehandelt hätte.

Über Respekt

Von seiner Anmutung her ist es ein großer, wenn Sie so wollen, opulenter Film. Mit Respekt vor den Menschen, denen wir begegnen“ (Claus Kleber im Interview). Die jungen Männer in dem afrikanischen Dorf fragen Claus Kleber, ob sie nicht nach Deutschland kommen dürfen und er „schafft es nicht„, lässig an einem Baum gelehnt, „ihnen ehrlich zu sagen„, „dass aus ihrem Traum nichts wird„. Macht nix Claus, Frontex wird es ihnen schon in Deinem Sinne zeitnah begreiflich machen.

Salamatus Land ist Beute geworden, eines globalen Trends. Reiche Staaten und Firmen pachten bestes Land der Dritten Welt. Kolonialismus 2.0. Nicht mit Soldaten. Mit großen Geld.“ Salamatu erzählt dann ganz im Widerspruch dazu, dass sie eben doch unter Waffengewalt von Soldaten, Polizisten und schliesslich ihrem Häuptling, der die Regierung hinter sich hatte, ihr Land völlig unter Wert verkauft hat.

Sie [die Bevölkerung in dem afrikanischen Dorf] glauben wohl, dass dieser Film den Konzern zu einem besseren Deal zwingen wird.“ Was für ein Irrtum, es geht hier in der „persönlichen Betrachtung“ nur darum Vorurteile zu bestätigen und eben nicht darum die Lebensverhältnisse der Armen nachhaltig und qualitativ zu verbessern. Warum sonst hat man sich gleich von Beginn an von der Wissenschaft verabschiedet? Kleber weiter im Text: „Aber ich sage es nicht, damit Salamatus weiter mit mir spricht.“ Klar, verarschen wir sie ruhig noch weiter, soviel zum Thema „wenn wir die Afrikaner betrügen.“ (Claus Kleber im Interview) – „Ich fühle mich schäbig dabei, aber ich brauche ihre Geschichte.“ Wofür? Für die Quote? Um bei Markus Lanz mehr erzählen zu können und Schulterklopfer zu ernten? Um im Namen der Armen besser in den Krieg gegen die Spekulanten ziehen zu können?

Fressen und gefressen werden:

Plötzlich spielen die Preise „verrückt“. „Kein Wunder, wenn die Weltbevölkerung dreimal schneller wächst als die Produktion, brauchen wir immer mehr. Koste es was es wolle.“ Moment mal! Hat Claus Kleber nicht eben Jean Ziegler zitiert, der sagte, dass jedes verhungernde Kind ermordet wird, weil bereits jetzt für 12 Milliarden Menschen Nahrung produziert wird? Wen interessiert es, die Chinesen fressen „mit der Tendenz grenzenlos„, so als ob sie schwarze Löcher in ihren Mägen hätten. Also gehen wir dort mal hin und suggerieren, dass der Welthunger mit Veganertum zu erledigen ist. „Es ist Wahnsinn. Menschen verhungern und wir mästen weltweit 1,5 Milliarden Kühe für unsere Lust auf Fleisch und Milch.“ Dabei war der Konsum noch nie Antriebsfeder für den Kapitalismus, sonst würde niemand hungern und würden nicht Millionen Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen. Daher weiß Kleber auch nicht was er den Chinesen vorwerfen soll: „Sie arbeiten sauber und gewissenhaft.“ Wie echtes schaffendes Kapital eben! Sie tun was alle tun, sie arbeiten so, dass es profitabel ist. „Sie richten sich nach den Regeln industrieller Nutztierhaltung und sie glauben, dass das Fortschritt sei. Das habe ich ja auch geglaubt, bis jetzt.“ Nein, letzteres war ein Scherz, das glaubt er immer noch, deswegen plädiert er ja für „faire Investitionen„, um sowohl Hunger als auch alles andere lösen. „Wenn demnächst alle soviel Fleisch essen, wie wir heute, fahren wir die Sache gemeinsam vor die Wand.“ Nein, selbst wenn wir alle nur noch Steine lecken, wird das wohl kaum die Dynamiken und Krisen innerhalb des Kapitalismus verändern oder lösen, schließlich tangiert unser Konsumverhalten nicht das Prinzip der kapitalistischen Produktionsweise. Autarkie und Verzicht in Zeiten von Überfluss ist obendrein schlichte Dummheit.

Reflektionen statt Emotionen:

Im Kapitalismus verhungern Menschen, obwohl Lebensmittel in überreichlichem Ausmaß produziert werden. Im Kapitalismus werden Kriege geführt, obwohl genug Güter für alle vorhanden sind – niemand um sein Überleben kämpfen müßte. Im Kapitalismus müssen Menschen körperlich schwer schuften, obwohl es ausreichend und zunehmend perfektere Maschinen gibt, die ihnen die Mühe abnehmen oder zumindest unendlich erleichtern könnten. Im Kapitalismus müßte immer weniger gearbeitet werden, dennoch verlängert sich der Arbeitstag auf bis zu 16 und mehr Stunden, werden selbst Kinder zur Arbeit herangezogen. Marxens Vermutung: Nicht obwohl soviel Reichtum im Kapitalismus geschaffen wird, verelenden Menschen, sondern gerade weil. Genauer: Die Form, in der der Reichtum geschaffen wird, die Warenform, ist dafür verantwortlich, daß Menschen massiv verelenden.“ („Die halbe Wahrheit ist die ganze Unwahrheit“ – Conne Island)

Mich überfordert das Labyrinth,“ kein Problem Claus! Schauen wir uns die Realität an. Aber wo fangen wir da am besten an? Vielleicht dort wo die Dokumentation beginnt. „So hatte ich mir den Tag nicht vorgestellt: Ich suche Einblick in eine Krise und stattdessen führen sie mir ihren Stolz vor„: Säcke voller Lebensmittel werden vor die Füße des entgeisterten Nachrichtensprechers und Armutstouristen ausgeschüttet.

Dabei ist das gar nicht verwunderlich: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.“ (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 49). Es gibt genug Gebrauchswerte in der Welt, die von den Menschen konsumiert werden könnten, ein Blick in irgendein Kaufhaus oder die Produktionszahlen von Lebensmitteln oder anderen Gütern zeigt das. Die Gebrauchswerte können aber nicht konsumiert werden, wenn das menschliche Bedürfnis sich nicht über finanzielle Mittel legitimiert. Wer kein Geld hat, wird auch nicht essen. Deshalb verhungern Menschen neben Bergen von frischen Lebensmitteln. Gebrauchswerte werden nur dann verkauft, wenn die in der Ware enthaltene Kalkulation aufgeht, also genug Tauschwerte für die Mehrwertproduktion veräußert werden können. Es ist also nicht so wie die Ausgangsfrage der Dokumentation suggeriert: „Auf unserem Planeten müsste kein Kind verhungern oder verdursten, wenn wir alles richtig machen würden.“ Es verhungern und verdursten Menschen, eben gerade weil wir alles „richtig“ also im Sinne der kapitalistischen Produktionsweise machen.

Neben diesen Grundwiderspruch im Kapitalismus gibt es noch einen weiteren: Einerseits muss immer mehr lebendige Arbeit (variables Kapital) eingespart, deren Tätigkeit durch Maschinen (tote Arbeit, konstantes Kapital) ersetzt werden, andererseits ist diese lebendige Lohnarbeit der einzige wertschaffende Faktor. Norbert Trenkle spricht hier vom „Selbstwiderspruch des Kapitals zwischen Produktivkraftentwicklung und Verwertungsimperativ.“ Der Zwang, Mehrwert zu produzieren, hat zudem zur Folge, die Mehrwertmasse zu senken. Jede Innovation in der Produktion, die u.a. der Konkurrenzkampf aufnötigt, sorgt für Einsparung menschlicher Arbeitskraft und für eine Reduktion der Wertproduktion, weil mehr und besser in kürzerer Zeit produziert werden kann. Es müssen mehr Waren als zuvor abgesetzt werden, damit Profit gemacht werden kann. Resultat ist anders gesagt die gesamtkapitalistische Senkung der Wert- und Profitmasse.

Die Verwertung des Werts gerät also immer weiter ins Stocken, seit 1945 wurden Staaten mehrere hundert Mal zahlungsunfähig, da die die Märkte gesättigt sind, dort keine Profite mehr im großen Maß abzusetzen sind, die Produktivkraft größer denn je ist, keine gigantischen Produktinnovationen, wie die der Mikroelektronik, mehr stattfinden. Damit Wertschöpfung überhaupt noch ausreichend stattfinden kann, wird Spekulation mit Finanzprodukten notwendig. Fiktives Kapital in Form von Aktienkapital greift auf zukünftige reale Wertschöpfung (Lohnarbeit) zu. Ergeben sich nicht die prognostizierten Verwertungen, platzt die Spekulationsblase und es gibt eine Krise.

Ernst Lohoff: „Es wird so getan, als wäre der spekulative Kasino-Kapitalismus der Grund für mangelnde Realinvestitionen und Massenarbeitslosigkeit. In Wirklichkeit ist das Verhältnis genau umgekehrt: Weil die Produktivitätssteigerung der dritten industriellen Revolution seit den achtziger Jahren die Expansion der Märkte überholt und arbeitsplatzträchtige Realinvestitionen unrentabel gemacht hat, strömt das Geldkapital in die Finanzmärkte und treibt immer größere spekulative Blasen.“ („Entfesselter Spekulant“ – Jungle World)

Die Lohnarbeit existiert für die Produktion von Mehrwert, das Finanzkapital bzw. die Spekulation existiert für die Produktion von Mehrwert. Sie sind die Kehrseiten derselben Medaille, bedingen und beziehen sich aufeinander. Wer also vom Mehrwertterror in der Fabrik nicht reden will, sollte von den finsteren Spekulanten schweigen. Alle Individuen in dieser Gesellschaft werden geknechtet ovn einem und demselben Zwangsverhältnis, dem neuen kategorischen Imperativ: Handle so, dass am Ende mehr rauskommt!

Der Film mit Claus Kleber ist also eben nicht wie die SZ-Online schreibteine sehr systematische Analyse der Gründe“ für Hunger. Das Credo der Kritik von Claus Kleber lautet: Lohnarbeit und Mittelstand gegen Finanzkapital für eine krisenfreie Marktwirtschaft, in der „die tüchtigen Produzenten belohnt und nicht die unproduktiven Geldverleiher, Grundeigentümer und andere Parasiten bereichert“ werden (Neo-Gesellianer Klaus Schmitt, zitiert nach Robert Kurz 1995). Man spricht den multinationalen Konzernen gesamtwirtschaftliche Verantwortungslosigkeit zu, weil sie sich aus den angeblich produktiven Sektor zurückzögen, stattdessen Wertpapiergeschäfte tätigten, dem Mittelstand damit den Boden unter den Füßen wegzögen. Die bombig laufende Marktwirtschaft wird angeblich von geldgeilen, kosmopolitisch ausgerichteten Dunkelmännern attackiert, die die Politik und überhaupt alles in der Tasche haben, wenn man sie nicht dingfest macht. Kleber stülpt der subjektlosen Herrschaft des Wertprinzips seine üble Ausbeutersubjektivität über. Es hat im Kapitalismus eine lange, gefährliche Tradition, die Zirkulationssphäre des Kapitalismus, gegen die Produktionssphäre auszuspielen, weswegen diese Kritik überhaupt keine ist, sondern reines Ressentiment.

Für Chaya

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Hungern für den Platz an der Sonne

92 000 Leute machen bei einer Petition gegen Hartz-4-Sanktionen mit, was kommt raus? Warme Luft.

In Deutschland hungern also Menschen, rechnen in „Broteinheiten“ damit Deutschland produktiv bleibt. Ein neunzigjähriger Mann möchte lieber sterben, als für 5 EUR Brutto zu arbeiten. Andere sind „hilflos“, „machen Platte“, verfallen in eine „Starre“, „Isolation“ oder in „Depressionen“. „Skandal“, „erschreckend“, „traurig“, „sowas kann es in einem Sozialstaat doch nicht geben“, „das Fordern“ im staatlichen Konzept von Fördern und Fordern „hat Überhand genommen“, „über 1 Millionen Sanktionen“, die Sanktionspraxis kostet „10 Millionen“ und bindet zuviel staatliches Personal. Es gibt sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen, die als „Qualifikationsmaßnahmen“ verkauft werden, es gibt den bösen „prekären Arbeitsmarkt“, den „Drehtüreffekt“ bei den Zeitarbeitsfirmen, „sehr enge Grenzen Menschen wieder in Arbeit zu bringen“, die Forderung „Ersteinladungen“ der Behörden an Hartz-4-Empfänger „menschlicher“ zu gestalten und ingesamt „mehr Zeit für die Erwerbslosen“ einzusetzen.

All dieses moralisierende Gejammer lässt einen als halbwegs kundigen Marx-Leser nur müde lächeln, muss doch gerade in einer Gesellschaft mit Staaten die Bevölkerung solange sanktioniert und gemaßregelt werden, wie es nur irgendwie geht, um die Produktivität und Konkurrenzfähigkeit, der, in diesem Falle, deutschen Nationalökonomie zu erhöhen. Zeit ist Geld! Der Mensch ist Ware in der Warengesellschaft. Das ist wörtlich zu nehmen. Wer sich nicht um die Gründe bemüht, der muss eben Jammern.

Dementsprechend wurde die Petiton gegen die Hartz-IV Sanktionen trocken abgeschmettert: Die geforderten bedarfsunabhängigen, voraussetzungsfreien Sozialleistungen darf es laut Sozialrecht gar nicht geben. Und dieses Recht setzt das Interesse des Staates durch, sich zu rekapitalisieren und die Menschen als Mittel für diesen Zweck zu instrumentalisieren. So proklamiert die Sprecherin der Bundesregierung: „Wir erwarten Mitwirkung“. Passiert die nicht vorbildlich, dann sieht es der Staat als gerechtfertigt an, auch das unantastbare „Existenzminimum“ auf 0 Prozent zusammenzustreichen, um die Motivation des unproduktiven Schmarotzers zu steigern, bei dem bislang die „Mitwirkung gescheitert“ ist, was „Qualifizierung, Weiterbildung“ oder „Beschäftigung“ angeht.

Wer „Anspruch hat“ muss „mitwirken“, schließlich ist jeder seines Glückes Schmied. Natürlich ist letzteres eine Drohung: Arsch bewegen bis ins Grab ist angesagt. Wer das nicht will, muss eben hungern. „Menschenwürde, Recht auf Unversehrtheit, Berufsfreiheit, auch der Gleichheitsgrundsatz“ werden allesamt laut dem Verfassungsgericht durch diese Sanktionen gewahrt. Was sagt uns das? Es ist per Gesetz so gewollt, dass die Menschen sich gleichberechtigt ganz im Einklang mit den Menschenrechten für diese Gesellschaftsordnung kaputt machen. Eindeutiger kann die Antwort eigentlich nicht ausfallen. Aber trotzdem streitet man sich in dieser fachkundigen Runde lieber über Armutsdefinitionen und ab wann ein Mensch eben ein Mensch ist: Vielleicht wenn er genug zu essen hat!? Wenn er auch noch Kultur genießen kann!? Wenn seine „Menschenwürde“ gewahrt wird, von der noch niemand sagen konnte wie die eigentlich definiert werden soll!? So werden auch noch die Nachgeborenen für Deutschland in Broteinheiten rechnen oder Pfandflaschen sammeln gehen, während andere sich im Bundestag mit Ahnungslosigkeit bewerfen. Da könnte man schon aggressiv werden.

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Deutschlands Wutbürger

Hunderte Berliner applaudierten am 1. April 2014 mit Begeisterung einem antisemitischen Demagogen, der nun auch im Internet mit zehntausenden Klicks innerhalb weniger Tage großen Erfolg hat.

Ken Jebsen ist als deutscher Wutbürger, und Wut ist hier in all seinen Auftritten wörtlich zu nehmen, vorallem in Folge seiner Querfrontstrategie zu einigen Kunststücken fähig: Er argumentiert einerseits eindeutig antisemitisch, wenn er behauptet, der „Zinseszins“ und die „Wirtschaftseliten“ würden die Welt regieren und stellt sich andererseits gleichzeitig auf die Seite von Dutschke (APO, SDS, marxistischer Soziologe) und die Geschwister Scholl.

Desweiteren ist er konsequent uneindeutig wenn er diverse Themen anspricht: Er sei für „Veränderungen“ und „Aktivist“, weil er „aktiv ist“ (wer hätte das gedacht) und „unabhängiger Reporter“ (was auch immer das heißen soll), der nicht zum Kanzler gemacht werden will (sondern Reichskanzler?), der „die da oben“ wegfegen will (Marsch nach Berlin?), der für Konsumverzicht, Dezentralisierung, Schwarmintelligenz (Blut- und Schicksalsgemeinschaft?), den Aufbau eigener Medien (Völkischer Beobachter?) plädiert: „Wir brauchen unser eigenes Twitter, Google, Facebook“ (Antiamerikanismus darf nicht fehlen). Er hetzt gegen Banken, Merkel, die FDP, Wahlen, breitet 9/11 Verschwörungstheorien aus, hat etwas gegen „totale Überwachung“, „gegen Regierungen“ und „gekaufte“ Politiker, misstraut den Amerikanern mehr als den Russen, befürchtet den „dritten Weltkrieg“ in Europa usw. Seine Thesen richten sich dabei strikt an die Vorurteile und Emotionen seiner Zuhörer, die alle Steilvorlagen dankbar und jubelnd aufgreifen.

Warum Zinseszinskritik im besonderen antisemitischer Struktur ist? Wenn man die Produktionssphäre von der Zirkulationssphäre unterscheiden bzw. trennen will und das tut Jebsen, wenn er den Zinseszins einsam herausstellt, dann steht das in einer Linie mit historischen, antisemitischen Vorläufern wie Proudhon, Lassalle, Gesell, Gottfried Feders. Man argumentiert damit automatisch gegen das schlechte, unproduktive, raffende Kapital (z.B. Zins, Finanzkapital) und für das gute, produktive und schaffende Kapital (Lohnarbeit), – denn man bedenkt die Werttheorie, das Geld, das Kapital, den Profit, den Staat, die Nation, den Fetisch, die anonyme Herrschaft, die Konkurrenz, den Doppelcharakter der Ware und der Arbeit usw. nicht. Wohin das führen kann, haben die Konzentrationslager des Nationalsozialismus bewiesen, der den Kapitalismus wie Jebsen personalisiert hat (Eliten, die angeblich alles an sich reissen, wie eine jüdische Krake, wie zuletzt bei der SZ, die antisemitisch Facebook kritisierte: http://cdn1.spiegel.de/…/image-663644-panoV9free-yzlf.jpg) und Juden mit dem Kapital gleichsetzte, eben anstelle des Kapitals die Juden ausrottete, um damit den Versuch zu unternehmen, das deutsche Volk zu retten. Nicht umsonst wurde zwischen schaffenden und raffenden Kapital unterschieden.

Ein neuer Volkstribun (so nannte Goebbels einst Hitler) ist geboren, der die deutsche Seele liebkost. Der Vergleich hinkt? Hat Hitler nicht auch eine Querfrontstrategie verfolgt („Nationaler Sozialismus“)? Hat er nicht antisemitisch argumentiert? Hat er nicht gegen die demokratischen Politiker gehetzt? Katastrophen beschworen? An Emotionen und Vorurteile appelliert? Die Deutschen als passive Opfer hingestellt, die sich endlich erheben mögen? Der moderne Antisemit hat aus Auschwitz gelernt, spricht nicht mehr offen von der Ausrottung, versteckt seinen Antisemitismus hinter indirekten Schachtelsätzen, scheinbar gutem Willen wie Jebsen hinter „Frieden“ und „Veränderung“ (Siehe: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert – Von Prof. Schwarz-Friedel).

 So zieht der brave, augenscheinlich geläuterte Deutsche und moderne Antisemit gerade wegen Ausschwitz in den Krieg, wie damals Joschka Fischer 1999 bezüglich dem Kosovo argumentierte  und heute Joachim Gauck, der die historische, deutsche Schuld nicht als „Recht auf Wegsehen“ betrachten sondern vielmehr im Gegenteil verstärkt mit Deutschland militärisch eingreifen will. Jebsen muss noch wütender werden, denn er hat Konkurrenz mit all den Sarrazins („Deutschland schafft sich ab“) und Elsässers („Feindbild Familie“) dieser Nation, die auch schon sehr erfolgreich den deutschen Volkstod befürchten. Wobei die sich alle schon auf diversen Podien die Hand gereicht haben. Immer mehr Menschen „wachen auf“. Endlich heisst es wieder: „Deutschland erwache.“ Würde es doch lieber für immer schlafen.

P.S. Hier noch eine Jebsen-Kritik

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Die Verlogenheit im Hoeneß-Prozess

Laut dem Finanzministerium in Nordrhein-Westfalen wurden allein in diesem Bundesland 2013  mehr als 670 Millionen EUR durch die sogenannten Steuer-CDs eingenommen. Im selben Bundesland wurden im Februar 2014 ca. 1000 Selbstanzeigen getätigt. Laut Verdi könnten „jährlich bis zu 50 Milliarden EUR mehr“ an Steuern eingenommen werden, wenn die Finanzämter ordentlich besetzt wären. Hoeneß ist also mitnichten  „Sinnbild von Maßlosigkeit und Unanständigkeit„, sondern ein vorbildliches Konkurrenzsubjekt, welches alle persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten ausschöpft, um maximalen ökonomischen Erfolg zu haben und Ausdruck einer marktwirtschaftlichen Gesellschaft, die dieses „Streben nach Glück“ als Kernelement per Gesetz erzwingt und fördert. Es liegt kein individuelles Fehlverhalten vor, ganz im Gegenteil. Wir leben in einer Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft, die uns bereits in der Schule zeigt, dass Eigennutz das wichtigste ist, die jeden Tag tausende Menschen über unterlassene Hilfeleistung verhungern lässt, jährlich tausende im Mittelmeer ersaufen lässt, Kriege führt und weitere vor hat, demokratische Entscheidungsprozesse verweigert (interessant wird es besonders ab Minute 6) um für den Profit leistungs- und konkurrenzfähig zu bleiben. Wer treibt vor diesem Hintergrund also wirklich die „Verwilderung der Sitten in Deutschland“ voran? Hoeneß oder die kapitalistische Gesellschaft?

Sicher, Hoeneß hat sich nicht an die Wettbewerbsregeln gehalten, sie vielmehr für den Profit gebeugt. Wenn das alle machen würden, wäre die Kapitalakkumulation gefährdet, dafür wird er bestraft werden. Der brave Bürger empört sich bereits über die geringe Strafe, die für Hoeneß im Raum steht, insbesondere weil andere Mitbürger für viel weniger hart bestraft wurden oder sanktioniert werden. Aber Hoeneß ist in Freiheit für den deutschen Staat wertvoller, weil er mit dem FC Bayern München einen einträglichen Steuerzahler geschaffen hat, eine eigene Firma besitzt und reich ist. Ohne Hoeneß wäre der FC Bayern nicht derart erfolgreich und die internationale Expansionskonzepte des Clubs würden diesen Verlust nur schwer verkraften, denn dafür braucht es Experten in Schlüsselfunktionen. Gleichzeitig würde eine harte Bestrafung von Hoeneß sich auch auf die namhaften Sponsoren des FC Bayern auswirken, die eigentlich vom guten Namen, der jetzt schlechter wird, profitieren wollten. Es geht also vor Gericht nicht darum Schaden von den Menschen sondern vom Staat und der kapitalistischen Gesellschaft abzuwenden. Das Urteil wird im Sinne der Profitmaximierung gefällt, also nach genau der gleichen Priorität, wie Hoeneß seine Spekulationsgeschäfte zu tätigen versuchte. Warum sonst wurde kaum einer für die Finanzkrise verurteilt, obwohl sie allein Deutschland über 187 Milliarden EUR gekostet hat? Krisen, Betrug, „Verwilderung“ sind typisch in einer barbarischen Gesellschaft. Sie kann sich nicht für Dinge verurteilen, die ihre Identität ausmacht.

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All Hail the King: Breaking Bad

Breaking Bad bricht alle Rekorde, aber warum? Breaking Bad ist eine Geschichte über den Niedergang des modernen Menschen, den wir alle mehr oder weniger in unserem Alltag spüren.

Walter White ist ein netter, fleissiger und genialer Chemiker bzw. Chemielehrer, aber er ist trotz zweier Jobs und Überqualifizierung unterbezahlt, überschuldet, erhält wenig Achtung z.B. von seinen gelangweilten Schülern und wurde von seinen besten Freunden um viel Geld betrogen, die von seinem Wissen enorm profitiert haben. Sein Leben ist eine schmachvolle Sackgasse und dann bekommt er auch noch Krebs. Natürlich zahlt die Krankenkasse seine teure Behandlung nicht, Obamacare existiert noch nicht und Walt entscheidet sich zu sterben, weil dies das letzte und einzige ist worüber er überhaupt noch im Sinne seiner Familie bestimmen kann. Aber seine Familie überredet ihn weiter zu kämpfen und aus dieser allgemeinen sowie finanziellen Ohnmacht heraus entsteht eine unfassbare Wut, wodurch eine Rücksichtslosigkeit in Gang gerät, nun doch innerhalb kürzester Zeit das Leben zu erkämpfen, um welches man ihn bisher betrogen hatte. Er bringt seine einzigartigen Fähigkeiten in einen hochriskanten aber enorm profitablen Markt ein, wird statt Lehrer Dealer und Mörder, rutscht von der unteren Mittelschicht zum White Trash ab, verbreitet Angst, Terror und Schrecken um seine und nur seine Familie zu schützen und zu versorgen. Alles mit dem Argument keine Wahl zu haben, auch wenn ein reicher Freund, der ihn einst betrogen hatte, alles erdenkliche bezahlt hätte, – was Walter aber aus falschem Stolz ablehnte.

Die besondere Poesie hierin liegt aber zwischen den Zeilen: Es gibt die Anklage, dass die Gesellschaft sich nicht genug um ihre Kranken, Fleissigen und Cleveren kümmert, dass sie sie vielmehr betrügt, ausbeutet und ihnen keine andere Wahl als Entfremdung, Qual und Tyrannei bietet. Es gibt die Behauptung, dass man sofort Abenteuer erlebt und wirklich „reich“ wird, wenn man die festgefahrenen beruflichen Pfade verlässt, wenn man sich an diesen Zuständen rächt indem man die Regeln der Gesellschaft missachtet und sich strikt gegen sie wendet. Im Grunde genommen plädiert diese Serie für die Revolution, die Umwälzung sämtlicher Verhältnisse, die den Menschen zu einem geknechteten, unmündigen Wesen machen und zeigt, dass die Verzweiflungstat von Walter White in die Drogenszene zu gehen dagegen letztlich unbefriedigend ist. Ironischerweise ist unser Krebspatient übrigens ausgerechnet in der direkten Konfrontation mit dem Tod zum ersten Mal seit langer Zeit wieder lebendig. Was sagt das über die Lebendigkeit seiner vorherigen Jahre? Das ist eine Inspiration für uns Zuschauer, weil unser Leben jetzt ähnlich beschissen ist, wie das von Walter White kurz vor seiner Krebserkrankung, denn egal wie sehr wir uns anstrengen und einbringen, egal wieviel wir verdienen, es reicht nicht um das Leben wirklich endgültig genießen zu können und es scheint eher immer schwieriger als besser zu werden, weil soviele Menschen um den Platz an der Sonne konkurrieren. Wie oft hört man von Amokläufen, Geisel-, Familien- und Beziehungsdramen, Todesfahrten, toten Babys in Plastiktüten, Suiziden, Depressionen und Erschöpfungssyndromen etc.? wie oft bemerkt man an sich Stress, Ruhelosigkeit, Schlaflosigkeit oder Zukunftsangst?

Diese grotesken Situationen die „Heisenberg“ und Pinkman erleben, legen also Zeugnis über eine verrückte Welt ab. Es ist ein Leben am Limit und darüber hinaus. Höchste Aufopferung, Opferbereitschaft, Flexibilität, Arbeitsintensivierung, Produktivität, Austauschbarkeit: Der Mensch als Material und Zahl, seine Bedürfnisse und Gefühle haben eine geringe Priorität und er ist ein scheinbar machtloses Anhängsel der Verhältnisse, die er einst selbst geschaffen hat. Man kann nie überleben ohne in noch größere Schwierigkeiten zu geraten. Das Leben existiert als Fass ohne Boden, als eine Leere, die durch kein Geld der Welt gestopft werden kann, als ein einziger Unsicherheitsfaktor und Angstzustand, der einen unvorbereitet trifft und irrational handeln lässt. Es gibt nur noch den Überlebenskampf, aber kein Leben mehr. Das zertrümmert die menschliche Seele, Kreativität, Spontanität und Freiheit. So beginnt in der Serie eine Schwangere das Rauchen von Zigaretten, Teenager das Rauchen von Crack, Unternehmer fälschen Bilanzen, Anwälte beugen das Gesetz, Droganbarone sprengen DEA-Agenten in die Luft, trockene Süchtige werden wieder süchtig, Polizisten reißen solange Witze über Leichen bis sie arbeitsunfähig werden und Kids werden von Crackheads großgezogen: „Viel Glück für Dein weiteres Leben,“ wünscht Pinkman in einer Szene eines dieser verlorenen Kreaturen. Die drogenabhängigen, zerfallenen Prostituierten, die paranoiden Drogenbosse, die Kinder als Drogendealer nutzen, sind Gefallene. Fallen Angels gewissermaßen. Ihr Lebensmittelpunkt ist der Methpalast voller gebrauchter, infizierter Spritzen und Kondome. Warum zerfaulen diese Menschenleben wie die Zähne eines Methjunkies?

Die äußerlichen Verwüstungen sind bloß der Endpunkt einer langen Leidensgeschichte in der wir alle drin stecken. Die Verrohung erfolgt schleichend, die man im jungen, leistungsfähigen Alter kaum spürt. Mr. White spult das im Highspeedtempo ab, versteinert schließlich immer mehr und kann zwar endlich einen gewissen Stolz für seine Arbeit entwickeln, weil er das beste Meth in ganz Amerika und damit ein Produkt mit Alleinstellungsmerkmal hervorbringt, er dafür berüchtigt ist und geachtet wird, aber es verdirbt ihn. Er wird arrogant, überheblich, paranoid, unberechenbar, skrupellos und gnadenlos. Irgendwann ist er kein Lehrer, kein Amateur, kein Mittelsmann, kein Profi mehr, sondern eine gefürchtete Legende, die nur noch ihren Ruf, ihre Formel und ihr Geld hat. Er ist der herausragende Leistungsträger der alle Konkurrenten besiegt. Der ohne geschnappt zu werden sich von einem Fass zu einem Güterzug hochgearbeiten konnte, weil er all seine persönlichen Beziehungen für diesen Erfolg gnadenlos ausgebeutet hat. Je erfolgreicher er sich durch die Drogenszene mordet, durch die Gesellschaft lügt und betrügt, desto mehr verliert er den Bezug zur Realität und zu seiner Familie. Er entwickelt eine ernsthafte Unfähigkeit zur Aufrechterhaltung von vertrauensvollen Beziehungen. Selbst der Erfolg ist also ein mindestens ebenso großes Problem wie Misserfolg in der Marktwirtschaft. Menschen verkommen für White zu reinen Schachfiguren. Aber eigentlich sind wir das alle im Berufsleben: Wir sind alle austauschbar, wenn wir nicht mehr wie vorgesehen funktionieren und das macht uns tendentiell ängstlich, konformistisch, dumm, unmenschlich und beziehungsunfähig. Wie soll man auch in so einer toxischen Umgebung langfristig überleben? Walter war schon tot bevor Breaking Bad anfing. Der wahre Krebs ist die Gesellschaftsform.

Die Serie feuert also nicht nur in der Vielschichtigkeit der Figuren von Walter über Jessie, Sol, Mike bishin zu Hank, der Geschichte mit enormen Spannungsbögen und der kinoartigen Inszenierung sowie Darstellung der Darsteller bishin zu den Kameraeinstellungen ein Feuerwerk nach dem anderen ab, sie ist auch äußerst reflektiert, scharfsinnig, gnadenlos und unverstellt gegenüber der Realität. Diese authentische Radikalität macht den besonderen Erfolg dieser Serie aus. Sie ist nie plump und verlangt mit viel Charme eine Menge vom Zuschauer ab. Während andere Serien wie Lost oder Akte X nicht wissen wann oder wie sie aufhören sollen, ist bei Breaking Bad alles klar. Während die Dexter-Macher vor der Konsequenz ihrer Geschichte zurückschrecken, gibt Breaking Bad unerschrocken Vollgas. Breaking Bad macht daher süchtig wie Meth. Ich musste vor der finalen Staffel zum ersten Mal alle Staffeln davor nochmal ansehen, um alles auszukosten und im Blick zu haben. Für mich ist das ganz großes Fernsehen! Ein sich ständig steigernder Kinofilm im Serienformat, aus einen Cocktail voller Kriminalität, Gewalt, Mord, Verrat, Drogen, Sex, Sucht, Suchtbekämpfung, Witz, Armut, Reichtum, Wettkampf, Bandenkrieg, Drogenkrieg, Sozialkritik und und und…!

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Jeder ist seines Unglückes Schmied

Wir leben in einer knallharten Leistungsgesellschaft. Wer den Anforderungen nicht genügt verliert, kann seine Träume begraben. Jeder ist seines Glückes Schmied allerdings ist das weniger eine Verheißung als eine Drohung. Wer nicht funktioniert stirbt. Beruflich, sozial, kulturell und überhaupt. Arme sterben schneller. Und keiner der anderen Konkurrenzsubjekte wird auch nur einen Funken zuviel Empathievermögen für die Loser zeigen, sofern es Kraft für ihren eigenen Wettkampf kostet. Ein paar hohle Phrasen und Beileidsbekundungen hat man für die Versager immer übrig. Wenn irgendjemand nicht erfolgreich ist in der Schule oder im Job, dann hat er eben etwas nicht richtig gemacht. Und wenn der Misserfolg anhält, wenn er jammert, wie schlecht es ihm geht, dann bestätigt das nur noch mehr sein Fehlverhalten und gibt damit ein deutliches Signal an alle Kollegen, Mitschüler, Mitmenschen und Leidensgenossen ab: Haltet Euch fern von mir, ich ziehe Euch mit in den Abgrund, mit meiner Unfähigkeit Leistung nach beliebiger Vielfalt und unendlich Intensität oder Dauer abzurufen. Wer nicht den unbedingten Leistungswillen mitbringt, wird sie niemals von Misserfolg erholen können. Es wird für ihn immer schlechter laufen als gewünscht. Und da außer ihm kein personifizierter Grund für das Losertum ausfindig zu machen ist, ist er eben selbst schuld. Und damit treibt er noch weiter ab von der Leistungsgesellschaft, die erfolgreich nach unten tritt und nach oben buckelt.

Die ganze Gnadenlosigkeit und Brutalität manifestiert sich im Bild des traurigen Straßenzeitungsverkäufer, dem heruntergekommenen Obdachlosen, den verhungernden Kinder in Afrika. Egal ob relative oder absolute Armut, diese Menschen sind die abgehängten, aussortierten und überflüssigen Anhängsel einer asozialen Gesellschaft, die jeden wie Dreck behandelt, der nicht der Norm entsprechen kann oder will. Diese „soziale Ordnung“ wird von Angst bestimmt. Jeder ist austauschbar, wenn er nicht mehr funktioniert, egal wieviel er zuvor geleistet hat. Die einzige Chance besteht darin über Kumpanei, Anhäufung von Reichtümern und fachspezifischen Interna sich möglichst indisponibel zu machen. Der aufkeimende Rassismus in ganz Europa speist sich aus dieser Gewissheit heraus. Einzig die Nationalität erscheint den Rassisten als beständiger Wert ihrer Identität. Sie hätten doch als Deutsche ein Vorrecht gegenüber Ausländern ihren Arbeitsplatz zu behalten oder vom deutschen Sozialsystem zu profitieren. Aber dieser Kadavergehorsam gegenüber einer Nationalität, die sich nur über ein staatliches Verhältnis bildet und fortsetzt, basiert auf Kapitalakkumulation und damit auf der Ursache ihrer Verwahrlosigung, ihrer Austauschbarkeit, ihrem Mangel, der künstlich über die kapitalistische Gesellschaft erzeugt wird.

Und weil alle damit beschäftigt sind zu arbeiten, zu lernen, sich ganz der Verausgabung ihrer Fähigkeiten und Lebenszeit unter dem Diktat des Kapitals zu widmen, das über die gesellschaftlichen Institutionen durchgereicht wird, egal ob bei Universität, Schule oder in sämtlichen Konzernen aller Branchen, begreifen sie niemals genug, dass sie es mit ihrem Leistungsdrang nur noch verschlimmern. Wir können niemals ein reichhaltiges Leben führen, ohne Obdachlose, ohne Hungertote, ohne unsere Opfergaben am Arbeitsplatz, ohne unsere permanenten Selbstoptimierung, die von Makeup, Fitnesscenter über Teambuilding beim Oktoberfest bishin zu exzessiven Kokainkonsum reicht. Die Raserei führt zu psychischen und physischen Erkrankungen. Aber es ist auch eine unglaubliche Anstrengung sich von der gesellschaftlichen Ohnmacht nicht dumm und wahnsinnig machen zu lassen.

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Warum die Revolution nicht ausbricht

Gleichgültig wo auf der Welt rebelliert wurde, es blieb bei einem kurzfristigen Aufschrei, der schnell in Reformismus oder Apathie unterging. Neben den üblichen inhaltlichen Verkürzungen, ist dafür auch die narzistische Kränkung in der Kindheit und im gesamten Leben verantwortlich. Niemals fühlen wir uns vollständig, aufrichtig geliebt und wertgeschätzt. Selbst wenn diese Wertschätzung kurz der Fall ist, besteht immer die Angst, es könnte bald damit vorbei sein. Stetig währt der Eindruck des Kontrollverlustes über das eigene Leben, der immer wieder aufkeimt und verdrängt wird. Dieses bedrückende Gefühl der Leere, Unsicherheit und Bedrohung scheint allgegenwärtig und unendlich.

Der Alltag ist also nicht nur von einer kalten Rationalität der Ökonomie durchzogen und definiert, sondern auch von einer Suche nach Selbstbestätigung, die jeder zwingend mehr oder weniger dringend verfolgt, weil die Kindheit niemals perfekt verläuft, weil es immer irgendwann zu einer Abgrenzung vom Selbst und Nicht-Selbst kommt, wie Freud es benannte. Irgendwann merken wir, wir sind nicht mehr im warmen, geschützten Mutterleib und dann stellt sich immer die Frage, wie man diesen Verlust von Schutz und Vertrauen wiederherstellen kann? Schliesslich lässt es sich mit diesem Verlust nicht leben. Die Kompensationen sind so vielfältig wie das Leben, Süchte nach Alkohol, Gras, Lebensmittel, Partys, Sport, PC-Games, usw. werden herausgebildet oder aber materielle Dinge, wie Geld oder Häuser angestrebt. Die gesellschaftlich am größten anerkannte Kompensationsinstitution ist einerseits im Bildungswesen und andererseits im Arbeitsmarkt verortet. Hier kann der gekränkte Mensch seine Selbstbestätigung im permanenten Konkurrenzkampf um Noten, Geld und Karriere versuchen. Die positive Identifikation mit der Arbeit, dem Wettbewerb, fördert damit die Unterstützung eines politischen, wirtschaftlichen Systems, welches irrational entgegen menschlicher Bedürfnisse u.a. vom Wertgesetz bestimmt wird.

Wenn also Brasilianer, Spanier, Deutsche, Engländer oder Chinesen protestieren, dann protestieren sie um gehört zu werden anstatt die Welt selbst zu machen, die ihren Bedürfnissen eher entspricht. Sie verorten die Fähigkeit, die Dinge zu verbessern im Staat oder in der Politik, die stets vorallem damit beschäftigt sind, den Reichtum der Nation zu mehren, also eine der Ursachen für ihr Elend darstellen (Kapitalakkumulation anstatt Bedürfnisbefriedigung). Einerseits fühlen sich die Individuen nicht mächtig genug, andererseits identifizieren sie sich mit Verhältnissen, die sie aussaugen, krank machen, benachteiligen und von den Reichtümern ausschliessen, die sie selbst hervorgebracht haben. Wenn fundierte Kritik gegenüber unserer Ökonomie stattfindet, dann hört dies das gekränkte Individuum nicht gerne, denn die fundierte (namentlich Marx, Adorno) Kritik besteht darin, Dinge wie Staat, Kapital, menschenfressenden Wettbewerb, Geld und andere Fetische abzuschaffen, – Dinge, die das gekränkte Individuum dummerweise als Selbstbestätigung braucht, um die Leere usw. zu ertragen. Die meisten Sozialprotestler wollen bloss vom Staat in die Arme geschlossen werden, um sich wieder wie ein Baby im Mutterleib fühlen zu können.

Vor ein paar Wochen habe ich darüber geschrieben, dass die US-Serie Walking Dead mit all ihren Zombies unserer eigentlichen Realität gar nicht so fern ist. Denn einerseits praktizierten wir eine Ökonomie, die uns zwingt, die globalen menschlichen Bedürfnisse gegeneinander auszuspielen, was in Afrika Hungertod und in Europa Arbeitsplätze bedeutet, und andererseits lieben wir es diese Zerstörung der Menschen und der Umwelt zu vollziehen, denn wir gehen im Konsum, in Arbeit, Staat und Kapital auf, wodurch wir es gewissermaßen geschafft haben, die eigene Leere erträglich zu halten, auch wenn die Zahl der psychischen Erkrankungen weiterhin wächst. Daher bricht die Revolution nur aus, wenn bei Sozialprotesten mit diesen Fetischen Schluss gemacht wird. Zunächst müssen Lohnarbeiter aufhören ihre wirklichen Gefühle zu verdrängen, bevor sie erkennen können, welche Katastrophen sie durch diese Verdrängung alltäglich anrichten. Blanke sachliche Argumentation, die sich gegen die Irrationalität der Ökonomie richtet, wird diese gekränkten Individuen nicht überzeugen, schliesslich hängt ihre Identität daran.

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The Walking Dead

Ich wünsche mir eine Zombieapokalypse, weil es das Leben aufrichtiger und übersichtlicher machen würde. Die Jagd nach Geld, Jobs und einem besseren sozialen Status auf Kosten anderer Menschen wäre beendet. Die lärmende, stinkende, giftige Industrie des menschlichen Krebsgeschwürs auf Kosten der Natur und aller Lebewesen würde den stöhnenden, trotteligen und langsamen Zombies weichen, die leicht mit einigen Kopftreffern auszuschalten wären. Das Endzeitszenario mit einer Gruppe von Überlebenden, die gegen Massen von Untoten vorgeht, ist längst das Alltagsempfinden von Millionen Menschen im gegenwärtigen wirschatlichen System. Jetzt hat man auch nur seine Familie und eine handvoll vertrauenswürdiger Freunde mit denen man allein, jeder gegen jeden, im permanenten Konkurrenzkampf um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse kämpft, und gibt gleichermaßen vor, es sei Ausdruck von Fortschritt, Wohlstand und Zivlisation. Das Recht des Stärkeren und die Verlogenheit unserer Gesellschaft lässt sich leicht an den täglichen Bergen von Hungertoten ablesen, die neben den Bergen von verschwendeten Lebensmitteln entstehen. Längst zerfleischen wir uns als Menschheit gegenseitig bei vollem Bewusstsein, während wir in modischen Klamotten in hippen Clubs tanzen, mit unseren polierten Fahrzeugen durch die Betonwüsten fahren und auf Flirtportalen nach dem nächsten Geschlechtspartner suchen, welcher genauso beliebig gewählt wie ausgetauscht wird. Ich tausche gerne meine 40-50 Stunden Arbeitswoche gegen ein paar Stunden Zombies zertreten und Vorrätebeschaffung, denn ich gewinne dadurch meine Mündigkeit und Autonomie zurück. Es würde auch mehr Gerechtigkeit herrschen, denn niemand stirbt mehr weil es ein gesellschaftliches Prinzip so will, welches sich verselbstständigt hat und nur noch durch religiösen Fanatismus überlebt, sondern aufgrund einer natürlichen Katastrophe: Der Zombies. Lieber lasse ich mich innerhalb weniger Minuten zerfetzen, alsdass ich die Bitterkeit eines anonymen, machtlosen Arbeitslebens in mir trage, die in jedem von uns Einzug hält, wie ein Tier, das einst in die Gedärme kroch um dort zu sterben. Dieser verderbliche Geruch hat alle Hoffnungen und jeden Mut für Veränderungen erstickt. Von der Pest betrunkene, verzerrte Körper und Gesichter schleppen sich in U-bahnen, Autos, Bussen und auf Rolltreppen zu Arbeitsplätzen, um mit dem Schritt über die Schwelle des Unternehmergeländes eine Lohnsklavenmaske aufzusetzen, die die Apologeten, Priester und Missionare unseres kapitalistischen Systems, aber auch die Werbebranche, die Schule, die Eltern und ihr Umfeld ihnen angedichtet hat. Tagtäglich werden lustige Dinge für Wesen hergestellt, die unglücklich sind. Das Blut ist aus unseren tapferen Lohnarbeitern geronnen, längst ist von ihrer Menschlichkeit nur noch ein kümmerliches Häuflein übrig, den Zombies gleich, – deren einziger Antrieb anstelle von Menschenfleisch Geld ist. Die Überlebenden der Zombieapokalypse müssen sich nicht mehr für einen irrationalen Selbstzweck aufreiben, sondern nur noch für das persönliche, reale Überleben von ihnen und ihrer Gruppe, während unsereins sich bei niemanden seiner Solidarität sicher sein kann, weil in unserer Gesellschaft Geld mehr zählt als eine tiefe menschliche Bindung und dieser Umstand jegliche Empathie erstickt hat, wie sonst wäre die Schoa möglich gewesen? Es gäbe keine Illusionen mehr, man wüsste, jeder Fremde muss erst beweisen, dass er ein Freund ist indem er sein Leben für den Anderen riskiert. Der Tod der anderen wäre permanent präsent und nicht verschüttet unter dem Lärm von Partys, Autos, Industrie, Medien, politischen Reden, der strebsamen Arbeiterhände und Meetings in Konzernzentralen. Wir würden alle als Wunden offen liegen, die Welt mit unserem Blut überschütten und nicht mehr nur einige von uns.

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Stiller Abstieg

Ein alter Arbeitskollege schreibt mir eine E-Mail. Er ist mittlerweile 30 Jahre alt, hat eine Frau und ein zweijähriges Kind. Damals war er mein Vorgesetzter und hatte genug Geld für Auto, Computer und Partys. Das letzte was ich von ihm hörte war, dass er seinen alten Job geschmissen hat und etwas neues machen wollte. Nun schreibt er aber: „Es tut mir leid dich bitten zu müssen, ob Du mir irgendwie helfen kannst. Mir geht es finanziell sehr schlecht, habe meinen Job verloren. Hast Du vielleicht die Möglichkeit mich bei (beliebige Firma einsetzen) zu empfehlen? Wenn mir nicht bald etwas einfällt müssen wir aus der Wohnung raus, weil wir die Miete nicht mehr bezahlen können.“ Man kann jetzt sagen es war naiv von ihm ein Kind zu zeugen und dann nicht ordentlich gearbeitet zu haben, aber diese Schicksäler sind im Kapitalismus vorprogrammiert. Wer nicht ständig hochflexibel schuftet und funktioniert, der darf auch nicht konsumieren oder auf ein halbwegs erträgliches Leben hoffen, denn dann ist er nur noch ein ungerechtfertigter Kostenfaktor, der keinen Profit abwirft, und damit völlig überflüssig. Dementsprechend fühlt sich das betroffene Subjekt. Zukunftsängste und Schuldgefühle treiben nun meinen Kollegen in den Wahnsinn. Er weiß nicht wie er seinem Kind etwas bieten soll, wie er und seine kleine Familie zurecht kommen sollen, was nur noch durch die Schuldzuweisungen an die eigene Person übertroffen wird. Da mir natürlich auch nicht das Glück zuteil wurde ein Millionenvermögen geerbt oder „verdient“ zu haben, und kein Ausbeuterbetrieb bzw. Konzern auf meine Meinung hört (wäre ja noch schöner), bleiben mir nur die üblichen Informationen, wie man hierzulande an Geld kommt: Teilzeit- und Zeitarbeitsjobs, die am ehesten noch Menschen wie ihn nehmen, die einen ordentlichen Bruch im Lebenslauf haben. Seine Naivität hat auch eine ideologische Grundlage, schliesslich hatte er bislang auf der Sonnenseite gelebt, musste zumindest nicht auf jeden Euro achten, und konnte den Sprüchen der Politik von der sozialen Marktwirtschaft glauben, weil er nach der Schule direkt einen Ausbildungsbetrieb fand, der ihn hinterher auch für einige Jahre übernahm. Sein Leben funktionierte trotz aller kapitalistischen Zwänge. Jetzt lernt er auf die harte Tour wie unsere Ökonomie für die Verlierer des Marktes funktioniert. Inwieweit das zur Reflektion oder Rebellion führt ist natürlich schwer zu sagen, vorallem wenn er horrende Verantwortung für sein Kind hat. Ein Kind soll um die 250 000 EUR bis zum 18. Lebensjahr kosten, dieses Geld will erstmal erworben sein. So ein sozialer Abstieg verläuft still und heimlich neben den saufenden, jubelnden und paarungswilligen Partygängern, den gesunkenen Arbeitslosenzahlen und den horrenden Reichtümern auf der Welt. Man sieht an solchen Schicksälern genauso vorbei, wie an den Obdachlosen auf der Straße oder den Hungernden in Afrika. All das gilt als Normalität, als Verschulden des Einzelnen, die Realität wird umgebogen damit man selbst weiterhin funktionieren kann, wie man es gewohnt ist.

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Trivialisierung des Lebens

Man ist auf ständiger Suche nach einem qualitativeren Ventil, welches einen aus dieser grausamen Welt entlässt, die ja vorallem Verletzungen, Enttäuschungen, Zurückweisungen, Hürden, Fallen und Schmerzen aufbietet, insbesondere wenn man sich zurecht finden will, wenn man normal und angepasst sein will. Wer funktionieren will in einer Welt des ständigen Konkurrenzkampfes, der permanente Vergleiche und Selbstdisziplinierung sowie -konditionierung aufzwingt, der also dem unerreichbaren Idealismus unserer modernen Gesellschaft entsprechen will, wo Leistung, Stärke und Jugendlichkeit mehr zählt als alles andere, der kann selbst bei großer Gesundheit nur irgendwann mit psychischen und physischen Schwierigkeiten und Erkrankungen rechnen. Die Vernichtung der Welt durch unser ökonomisches und politisches System fängt bei uns als bewusstlose Täter an, die als Arbeitnehmer glauben, einen sinnvollen Dienst innerhalb der Menschheit zu verrichten, auch oder gerade weil es ihnen soviel Kraft abverlangt und Schmerzen bereitet. Allerdings ist das ein Trugschluss, der keine Hinterfragung erfährt, weil man die Profitmaximierung der Ökonomie und Politik zu seiner persönlichen Sache macht, schliesslich fand bereits in frühester Jugend eine kontinuierliche Identifikation mit dementsprechenden Werten statt.  Diese Diskrepanzen zwischen eigener Empfindung und gesellschaftlichen Ansprüchen, die am ehesten noch in der Pubertät für die meisten Menschen gewahr werden, können dann nur noch als lästig empfunden werden. Denn man will sich gut fühlen und nicht den Eindruck haben, man sei nicht funktionstüchtig und damit nicht wertvoll oder liebenswürdig. Wer erinnert sich nicht an das Erlebnis schlechter Noten, Zeugnisse, Bewerbungsgespräche usw.? Wer weiß nicht wieviele Härten man im beruflichen Alltag überstehen muss damit man am Ende des Monats eine überlebensnotwendige Kapitalspritze erhält? Da schwindet das Herzblut bis zum Infarkt.

Damit das Erlebte ertragen werden kann, schafft man sich Ereignisse in denen man diese Konflikte, Entbehrungen und Schmerzen nicht mehr spürt. Wo einem nicht ständig angetragen wird unendlich mehr zu leisten, ständig verfügbar und flexibel zu sein und die eigenen Gefühle sowie charakterlichen Eigenheiten auszublenden. Am wolligsten fühlt es sich dann im Bereich des Entertaiments an, wo Filme, Fernsehen, Musik, Spiele und Partys  mit all ihren Genres und Facetten einem gewissen Unterhaltungsfaktor entsprechen. Filme bieten eine ideale Reflektionsfläche für die Träume und Sehnsüchte, die man im realen Leben nicht erfüllt sieht. Natürlich gibt es auch Dokumentationen oder Filme die mit einem gesellschaftskritischen Kontext aufwarten, aber sie gehen in ihrer Kritik oft nicht weitgenug und gefallen sich bloss in ihrer Position. Ähnlich im Fernsehen, welches aber gleichzeitig als Vergleichsvehikel dafür dient, was normal ist, was gesellschaftlich geachtet oder geächtet ist. Die systematische Sezierung  von adipösen Menschen bei Scripted Reality Shows, das aufgeblähte zelebrieren von Konkurrenzsituationen bei Casting- und Talentshows, die pseudointellektuellen Idealisierungen gesellschaftlicher Zustände in Talkshows, die entweder einen politischen oder boulevardesken Tonfall haben, bieten neben den ganzen Comedyformaten, die auch bloss mit billigen Klamauk die Isolation in der  Konkurrenzsituation und die daraus resultierende Seelenpein für ein paar Sekunden verdrängen sollen, also ein umfassendes Programm, um Ablenkung und Zerstreuung von einer Ordnung zu bieten, die die Menschen längst nicht mehr verstehen oder gar unter Kontrolle haben.

Die junge Generation führt es beim Zocken oder mit ihren trivialen Youtubevideos vor. Da wird zwar genau das reproduziert was ohnehin gesellschaftlich üblich ist, nämlich wer ist der beste Zocker, wer hat am meisten Erfolg in einem Game, allerdings wird der soziale Raum als wesentlich unproblematischer verstanden als es in der Realität wahrgenommen wird. Man konkurriert nämlich unter Freunden und es geht nicht um das Leben sowie dessen Qualität, wie im Berufsleben, sondern nur um den Spaß am gegenseitigen messen und ausprobieren. Dabei ist es auch egal ob etwas erschossen, zermetzelt oder konstruiert wird. Hauptsache man kann sich vom alltäglichen Leben distanzieren, welches einem eh immer nur über anonyme, abstrakte Herrschafts- und Machtverhältnisse dieselben absurden Anforderungen aufzwingt. Leute die süchtig nach Zockereien sind, wollen genau diesen Umstand permanent aufrechterhalten, weil sie eine massive Überforderung oder Ablehnung gegenüber der Schule, dem Beruf oder dem Privatleben empfinden, was ja auch seine Legitimität hat. Gesellschaftlich anerkannt und wesentlich gesünder wird dann das „Lets playen“ auf Youtube praktiziert, wo irgendein stumpfsinniger Müll über das eigene Gezocke als Tonspur drüber gelegt wird, und sich so mancher dieser daddelnden Erzähler einer hunderttausendfachen Zuschauerschaft erfreuen darf.  In Youtubevideos werden dann die Formate aus dem Fernsehen übernommen, trivialer Comedydurchfall wechselt sich mit Analysen über Schminke, Musik und Musik an sich ab. An Popularität erfreuen sich gerade jene, die besonders viel von diesem Müll fabrizieren. Alles was Abwechslung bietet, was technisch hochwertig ist, was sympathisch wirkt, wird also seine Fangemeinde finden, egal ob auf neuen oder alten Medien.  Die Partys sind Ausdruck der Vorstellung, man müsse sein Leben geniessen und als Selbstzweck feiern. Wer soviel jeden Tag arbeitet, der müsse sich auch etwas gönnen und etwas für sich tun. Dementsprechend tingeln vermutlich Millionen jedes Wochenende in die Hallen von Discotheken, Clubs, Bars, was auch immer, wo die Kehlen befeuchtet werden, nicht unbedingt um im Koma zu landen, aber um eine gewisse Druckerleichterung zu verspüren, wo man ebenfalls wie beim Zocken, beim Youtubevideos gucken, einen Abstand zum harten Alltag gewinnt, der dadurch natürlich keine nähere Betrachtung erfährt.

Was lässt sich also zu diesen ganzen Beschäftigungen letztlich zusammenfassend sagen? Die Freizeit wird mit besagten Zeitfressern befüllt, weil diese Aktivitäten sich nicht um den Großteil des eigentlichen Lebens kümmern und auch nicht um die alltäglichen Katastrophen, die darin und im beruflichen, schulischen Alltag angerichtet werden. Man lebt ein konformes Funktionieren im Getriebe der kapitalistischen Gesamtmaschinerie, erfreut sich sozusagen an den eigenen Fähigkeiten, die man durch die Entfremdung erarbeitet hat, trotz aller Verluste und Ängste, weil man nachwievor existiert, weil man mit Zweckoptimismus agiert, weil alle genauso funktionieren, und der Konsum von allerlei Produkten jeglichen Kot versüsst. Jeden Tag gibt es neue Songs, neue Filme, neue Clips, neue Clubs, neue Technik, neue Produkte, die einem die Mittel fürs Einrichten in ein unmenschliches Gefüge bieten sollen. Der Mensch verfügt nicht über sein Leben, er sitzt darin wie in einem Auto, welches aber der Kapitalmarkt und nicht er selbst lenkt, und empfindet den Blick aus dem Fenster als Freiheit, das betätigen der Hupe als Akt der Rebellion und die Wahl der Sitzfarbe als Individualität usw.  Der Antrieb dieses imaginären Mobils ist das Kapital, welches sich als Hauptantriebsfeder immer wieder den Planeten und den Menschen einverleibt, verdaut und auskotet, über seine Freude an der Konformität, seiner Identifikation mit seiner Sozialisation und Tradition, die ihm kein anderes Leben mehr vorstellbar macht, als das Leben im Kapitalverhältnis, obwohl er hier nur als Sklave und Diener fungiert, was er nur aushält, wenn er sich selbst verdrängt und gesellschaftlich erwünschte Rollen einstudiert und praktiziert. Die Reduktion des Lebens auf Leistung und Konkurrenz findet gerade im Freizeitverhalten seine wildesten Blüten. Blüten, die allerdings eher selten zu einer tatsächlichen Rebellionen gegenüber bestehenden Zuständen führt. Pubertäre Kämpfe führen kaum zu einer Selbstreflektion und Reflektion gesellschaftlicher Zustände. Vielmehr wird in der Mehrheit der eigene Zweifel, werden die ganzen alltäglichen Konflikte als Mangel der eigenen Persönlichkeit wahrgenommen, die unbedingt abgestellt gehören. Die Gläubigkeit in die Richtigkeit unserer Gesellschaft, trotz zehntausender Hungertoten täglich, trotz zigtausender Quadratkilometer Rodungen, trotz zig hunderter Arten die täglich ausgerottet werden usw, ist ein Zeichen für den Mangel an Aufklärung.

Auch die Kommunikation hat sich unlängst verändert. Da findet die Kritik an solchen Lebensinhalten keine größere Beachtung, einerseits weil die Präsentation nicht stimmt, andererseits weil es zu anstrengend geworden ist ein paar Absätze zu lesen, die einem nicht gleich Glücksmomente wie aus dem üblichen Konsum liefern. Die permanenten Herausforderungen in der Schule und in der Arbeit sorgen also für eine Ablehnung von Anstrengung im privaten Leben, weil die Belastungen gestiegen sind und die Reproduktion der eigenen Kräfte nur noch über möglichst große Abstandgewinnung in der Freizeit möglich ist. Der Erfolg des Fernsehens, von Hollywood, von der Gamingindustrie, der Musik, den Partys usw. erklärt sich aus dem Elend im beruflichen Leben bzw. in der Ökonomie. Man hat keine Zeit mehr, man muss ständig Weterbildung betreiben, und Sicherheiten nehmen eher ab als zu, da die Konkurrenz stetig wächst, weil sämtliche Nationen weltweit Anschluss am Weltmarkt finden. Demzufolge sind Exzesse wie das Komasaufen nur ein verzweifelter Versuch, Abstand gegenüber einer ökonomischen Realität zu bekommen, die einem immer weniger charakterliche Eigenheiten durchgehen lässt. Das Maß an Konformität, welches verlangt wird um höchste Profite erlangen zu können, nimmt also mit der wachsenden Konkurrenz zu, weil es eben immer schwieriger wird Produkte abzusetzen, ganz besonders dann, wenn Mitarbeiter nicht zielgerichtet arbeiten können. Der Mensch wirft sich in eine Ordnung hinein, die ihn und seine Umwelt widerum ins Chaos stürzt, weil sie ihn nur als Mittel für Profite benutzt. Ursprünglich dachte der Mensch einmal, er sei es, der von Profiten profitiert, das hat sich gewandelt.

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Hamster mit Burnoutproblem

Frontal 21 hat bahnbrechendes herausgefunden: Die „meisten“ Unternehmen betrachten die „meisten“ ihrer Arbeitskräfte als Ressorce und nicht als Menschen! Ja wie ist denn das bloss möglich? Was für eine Fehlentwicklung oder? Es folgt Gerede vom „leeren Akku“ und vom „Hamsterrad“ aus dem man „nicht rauskommt“, wo man trotz „Spaß“ an der Arbeit irgendwann Suizid begeht, weil es „zuviel“ geworden ist. Und wer ist schuld? Microsoft! Denn die haben letzteren Hamster, der sich sogar noch für seine Unfähigkeit „entschuldigt“, einfach mal nicht zugehört und ganz böse unter Druck gesetzt. „Bissi schwach“, findet der Bruder. Für Microsoft ist dagegen alles in Butter, der Typ war halt depressiv, da kann die liebe Arbeit beim Konzern doch nix dafür, schliesslich gibt es „viele Faktoren die uns Menschen glücklich oder unglücklich machen können“! Blöd nur wenn der Kerl offenkundig gar kein Privatleben mehr hatte, sondern pausenlos von den „1440 Minuten“ am Ackern war.

Das Bewertungssystem wird später als Grund für den großen „Konkurrenzdruck“ angegeben bzw. kritisiert, welches Mitarbeiter von Microsoft offenkundig regelmäßig zum „weinen“ bringt. 5 % Prozent aller Arbeiter im Land leiden an Erschöpfung, der Arbeitsmarkt besticht durch „Bewährung und Bewertung“, überhaupt sind Arbeitsplätze unsicher, „Arbeitsverträge immer öfter befristet“ und was fällt der Frontal 21 Redaktion dazu ein? Rationalisierung und Arbeitsverdichtung sind schuld! Ja, toll und die fällt wohl vom Himmel oder was?! Und ein Arbeitssoziologe haut nochmal drauf und sagt: Wer sich „betriebswirtschaftlich nicht rechnet“ geht! Ja, und warum, aus Spaß an der Freude oder aus purem Sadismus der Manager?! Tja und der Pressesprecher von Microsoft hat keine Ahnung von über 9000 Erschöpften Leuten in seinem Lieblingsbetrieb, na klar! Also dieser ganze Beitrag bringt das Kunststück fertig jede Menge Katastrophen des Kapitalismus zu benennen, aber ihn selbst niemals auch nur mit einem Wort zu problematisieren! Da heult man wegen kaputten Menschen, schafft es aber nicht die Lage vollständig zu analysieren. Muss wohl das „notwendig falsche Bewusstsein“ sein, was die zu funktionalisierten Charaktermasken zerfallenen atomisierten Subjekte im Kapitalismus in sich tragen.

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Fragmente aus einem falschen Leben

Die Menschheit existiert in Lohnarbeit und produziert jeden Tag Zustände in denen es normal ist die Menschen, Tiere und die Umwelt systematisch zu zerstören. Milliarden Menschen können sich nichts schöneres vorstellen als an dieser Zerstörung teilzuhaben. Ihnen erscheint diese Welt als die beste aller Welten. In der Tat sind die Konsummöglichkeiten und Produktivitätssteigerungen gigantisch. Die wenigen Menschen die begriffen haben, dass es nicht mehr so weiter gehen kann, ergiessen sich in Fatalismus, Hedonismus, blinden Aktionismus und verlieren sich im Treibsand einer verlorenen Gesellschaft, die es aus ideologischer Verblendung für notwendig hält, Irrsinn als Vernunft umzudeuten. Dabei müssten die Lohnabhängigen bloss ihren alltäglichen Überlebenskampf zum Anlass nehmen, um über ihr Leben zu reflektieren.

Jeder Mensch in diesem System ist Junkie, Hure, Zombie und Sklave in einer Person.

Wir sind Junkies, weil wir regelmäßig unsere Finanzspritze bzw. Lohn brauchen, mit dem wir unsere stets steigenden Lebenshaltungskosten finanzieren.

Wir sind Huren, weil wir täglich auf dem Straßenstrich genannt Arbeitsmarkt anschaffen gehen. Und jedem zahlungskräftigen Arbeitgeber unsere Fähigkeiten, unseren Körper und unsere Seele anbieten. Wir verkaufen unser unendliches Potential, unsere Lebenszeit und Lebenskraft für ein paar Euros, ohne Aussicht darauf, dass es jemals aufhören wird. Erniedrigungen, Demütigungen und Missbrauch sind unser täglich Brot, welches wir demütig annehmen um Überleben zu können.

Wir sind Zombies, weil wir glauben in der besten aller Welten zu leben und dem Gehirntod gleich den üblichen Sprüchen von Medien, Politikern, Kollegen, Verwandten und Freunden glauben. Wir übernehmen Vorurteile, Traditionen und Ideologien, verteidigen sie im Laufe unseres Lebens mit allen Mitteln, statt sie in einem langen Reflexions- und Selbstreflexionsprozess zu hinterfragen. Wir fallen auf den Märkten übereinander her, zerfleischen unsere Bedürfnisse und Hoffnungen, deren Befriedigung nur die Stärksten erfahren, während die Schwächsten sofort oder über einen langen Zeitraum sterben. Hierbei geht auch die Umwelt zugrunde.

Wir sind Sklaven, weil wir unsere Lebenszeit als Arbeitszeit verstehen. Es herrscht Arbeitszwang, wer nicht arbeitet verliert an Lebensqualität, wird von der Gesellschaft ausgegrenzt und als wertlos betrachtet. Den Großteil unseres Lebens verbringen wir am Arbeitsplatz und haben dort gelernt Charaktermasken aufzulegen und in einer bestimmten Rolle wie ein Zahnrad zu funktionieren. Wir sind als Lohnabhängige so austauschbar wie Zahnräder. Wir sind Sklaven, weil wir eine Sklavenmentalität haben, die Faulheit als Qual erscheinen lässt, die Sozialhilfeempfänger als Schamrotzer definiert, die fundierte und grundlegende Kritik als utopisch oder naiv brandmarktet, die Anarchismus als Chaos definiert. Und das obwohl unsere gegenwärtige Gesellschaft das größte Chaos hervorgebracht hat, das permanent und systematisch von allen Lohnabhängigen qua ihrer Arbeitskraft erarbeitet und aufrechterhalten wird.

Das Chaos beginnt im Bildungssystem

In der Schule werden wir bereits als Kinder mithilfe der Noten auf Leistungs- und Wettbewerbsprinzpien konditioniert und gezüchtigt. Man spaltet die jungen Menschen in verschiedene Leistungskategorien und definiert damit wieviel wert sie sind. Eltern möchten das ihre Kinder gute bis sehr gute Noten erbringen, erbringen sie diese nicht, versteht das Kind schnell, das die Eltern enttäuscht sind. Anerkennung und Liebe erhält man als Kind oft nur dann besonders intensiv, wenn die Leistungen in der Schule stimmen. Das ist nur ein Grund von vielen, der dazu führt, dass wir unsere Identität in den meisten Fällen über unsere Leistungen und Leistungsfähigkeit definieren. Weiteres findet sich in Büchern von Autoren wie Arno Gruen. Wir fühlen uns erst dann als vollständiger, wertvoller und liebenswerter Mensch, wenn unsere Leistungen überdurchschnittlich sind. Daher auch der unglaubliche Drang im Berufsleben voranzukommen, zu funktionieren oder Schönheitsidealen zu entsprechen. Allgemein wird das gern Egoismus genannt und als charakterliche Schwäche bezeichnet, die allgemein der gesamten Menschheit zugeschrieben wird. Mittlerweile gilt es als populär die Menschheit als Krankheit zu bezeichnen. Jedoch wird dabei völlig vergessen, dass Egoismus mit dem Wettbewerbs- und Leistungsorientierten Schulunterricht anerzogen wird und auf ökonomischer Ebene sogar überlebensnotwendig ist.

Inhalt & Ziel der Ökonomie

Das zentrale Moment der Ökonomie besteht darin für den Tauschwert Milliarden Menschen, Tiere und zehntausende Quadratkilometer Natur aufzufressen und entfremdet auszukotzen. Industriegebiete sind Kriegsgebiete. Es sind Gebiete, die in Beton und Stahl gegossen wurden um konzentriert Profite zu scheffeln. Zwischen Autobahnen, Hauptstrassen, Flughäfen, S-Bahnen, Zügen, Discounterhallen, Logistikzentren, anderen diversen Konzernen und tobenden, lärmenden Kraftfahrzeugen lagern neben Müll und Schrott, die erbärmlichen menschlichen Existenzen. Ehrgeizig arbeiten die Menschen tagtäglich an der Realisierung der Apokalypse, der Hölle auf Erden, ohne je ihre Beteiligung daran zu erkennen. Die globale Identifikation mit dem Arbeits-, Leistungs- und Wettbewerbswahn, ist Ausdruck einer tiefen Entfremdung des Menschen von sich selbst und dessen Umwelt. Der Kapitalismus pervertiert das Leben zu reinen Kosten-Nutzen Aspekten und Menschen die sich damit identifizieren, betrachten z.B. den materiellen Überfluss als Ausdruck von desssen Güte und Erfolgs. Es wird gemeinhin als Freiheit verstanden sich als Hure auf dem Arbeitsstrich zu verkaufen, egal wie die Arbeitsbedingungen sind, egal welche gesundheitlichen Folgen sich daraus ergeben.

Tauschwert herrscht über Gebrauchswert, über Leben, Menschen, Tiere und alles Existierende und Nichtexistierende, also auch Fantasien und Gefühle. Grundlage der Ökonomie ist  die Maximierung des Profites, mithilfe der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft, deren Träger der moderne Mensch ist. Die Globalisierung erbrachte wachsende Teilnehmerzahlen am permanenten Wirtschaftskrieg. Die Grabenkämpfe in Büros, Verkaufszentren und Produktionshallen werden erbarmungsloser, je mehr Lohnabhängige, Huren, Sklaven, Zombies, Junkies ein Stück ab haben wollen vom allgemeinen Profit. Jeder weiß erst mit dem Verkauf der Ware, welchen Wert seine Schufterei hatte. Alle kämpfen darum zu gewinnen, aber wie üblich gibt es immer andere die noch mehr für ihren Sieg getan haben. Und man muss sich mit weniger zufrieden geben. Die Bedürfnisse der Menschen blockieren sich also gegenseitig. Jene mit der besseren Infrastruktur, Fachausbildung, Umsetzung der Tugenden wie Fleiß, Flexibilität, Belastbarkeit usw, Technologie und dem höchsten Eigenkapital, haben also die besten Chancen später auch über ihre Kaufkraft und dem Konsum von Produkten ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Erstrangig in unserer Ökonomie ist also die Maximierung der Profite, danach kommen die Bedürfnisse der Menschen.

Das Ziel jedes Konzerns basiert auf Profitmaximierung, auf maximale Auspressung der Ware Arbeitskraft. Je mehr ausgepresst wird, je besser die Konkurrenz, desto intensiver und länger wird die Arbeitszeit, desto höher steigt die Anzahl von gesundheitlichen Erkrankungen bspw. Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen wie Perfektionismus, Rigidität und Pedanterie. Obendrein erhalten die Lohnabhängigen nur geringe Löhne, sodass sie weiterhin nur ihre Arbeitskraft für ihren Überlebenskampf haben. Kein Lohn ist gerecht, weil man nie genug verdienen kann, um endlich nicht mehr als Hure am Markt erniedrigt zu werden. Die Vermögensentwicklung ist daher global sehr einseitig: Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besaß 40 Prozent des Weltvermögens. Die reichsten zehn Prozent besaßen im Jahr 2000 zusammen 85 Prozent des Weltvermögens. Im Gegensatz dazu besaßen die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen nur ein Prozent des weltweiten Vermögens. Verantwortlich für diese Entwicklung ist aber nicht der Reiche, der Politiker oder irgendein anderer Sündenbock, sondern die gesamte Bevölkerung die sich dem Prinzip der Profitmaximierung unterordnet. Herrschaft besteht heutzutage nicht mehr über Menschen, sondern über ein dialektisches Verhältnis, das im Kapital ihre Definition findet. Ob du Zeit für Deinen Partner hast, ob Du Geld für Medikamente hast, ob Du über ein Studium realisieren kannst, alles hängt von Deinen monetären Mitteln ab, da sich darüber Deine materiellen, zeitlichen Möglichkeiten und Resourcen definieren.

Die Rolle der Politik

Definiert, legitimiert und verteidigt wird diese Ökonomie von den Gesetzen, dem Gewaltmonopol und den Parteien. Keine der größeren Parteien möchte den Kapitalismus abschaffen. Ziel der Politik ist vorrangig die Haushaltskonsolidierung, wenn danach etwas Geld übrig bleibt, sieht man sich an, was man von seinem Parteiprogramm noch realisieren könnte. Stets werden Wahlversprechen gebrochen. Stets fühlen sich die Bürger nicht von ihren Politikern vertreten oder ernst genommen. Regelmäßig wird gegen einzelne Probleme protestiert, anstatt das große Ganze im Blick zu haben. Immer wieder wird der Staat als neutrale Instanz betrachtet, obwohl dieser mit seinen Gesetzen, mit seinem Gewaltmonopol für den Konkurrenzkampf und die Profitmaximierung ist. Kein Konkurrent am Markt kann das garantieren was der Staat garantieren kann. Der Staat bestraft jene die nicht arbeiten wollen sowie er jene bestraft die es mit der Ausbeutung etwas übertrieben haben. Denn wir wollen sozial ausbeuten und vernichten, soviel haben wir aus der Geschichte gelernt. Der Staat dient also genauso der Profitmaximierung wie jeder Konzern weltweit. Jede Partei die den Staat übernehmen statt abschaffen will, geht konform mit dieser zerstörerischen Wirtschaftsform. Die einzelnen Politiker der jeweiligen Parteien stellen lediglich die Details der Form wie in den nächsten 3-4 Jahren ausgebuetet werden soll ein. Sie ändern nichts fundamentales an der praktizierten wirtschaftlichen Ordnung. Alles andere würde schliesslich auch ihre eigenen Interessen verletzten. Parteien sind auf Machterhalt aus und betreiben daher nicht einfach nur im Wahlkampf Populismus, sondern begnügen sich ähnlich bescheiden, im alltäglichen Geschäft mit er Erhaltung und Wahrung der Ausbeutung der Lohnarbeiter, die stets als Freiheit umgedeutet wird.

Reichtum & Armut

Das reichste Prozent der weltweiten Bevölkerung besitzt 40 Prozent des gesamten Weltvermögens. Die reichsten zehn Prozent zusammen etwa 85 Prozent des Weltvermögens. Im Gegensatz dazu besaßen die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen nur ein Prozent des weltweiten Vermögens. 946 Milliardäre der Welt besitzen 3,5 Billionen Dollar.  Die Uno schätzt, dass es 300 Milliarden Dollar kosten würde, das Einkommen der ärmsten Milliarde Menschen über die Schwelle der extremen Armut anzuheben. Das wäre weniger als ein Sechzigstel des Einkommens der reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung. Die reichsten acht Männer der Welt könnten diese Summe alleine bezahlen. (Quelle der Daten ohne Verlinkung: „Uns gehört die Welt“ von  Klaus Werner Lobo)

Laut der Welthungerhilfe hungern weltweit 925 Millionen Menschen. Laut dem Welthunger Index 2010 befinden sich 29 Länder in einer sehr ernsten Hungersituation, davon sind besonders Bangladesh, China, Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan betroffen. Laut Unicef sterben pro Jahr 2,2 Millionen Kinder an den Folgen von Mangel- und Unterernährung, das sind über 6000 Kinder täglich. Täglich sollen laut BMZ zwischen 25 000 und 30 000 Menschen an den Folgen von Unterernährung sterben.  195 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind zu klein für ihr Alter und damit unterentwickelt. 129 Millionen Kinder sind untergewichtig, 880 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung (laut Oxfam), 17 Millionen Menschen, davon 21.000 Kinder täglich, sterben an heilbaren Krankheiten wie Durchfall, Malaria und Tuberkulose, 5 Millionen davon aufgrund des mangelnden Zugangs zu sauberem Trinkwasser. Rund 2,5 Milliarden – mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung – leben ohne sanitäre Basisversorgung.

Hunger gibt es weil das Bedürfnis der Hungernden nach Nahrung, nicht mit Kaufkraft befriedigt werden kann. Das kapitalistische System betrachtet die Bedürfnisse der Hungernden als nicht legitim, da keine monetären Mittel zur Verfügung stehen. Also ist es gemäß der zynischen Logik der „sozialen Marktwirtschaft“ nur gerecht, wenn sie verhungern. Die Menschen die in derart verarmten Regionen ihr Dasein realisieren müssen, nehmen alles in Kauf um zu überleben. In Manila auf den Philippinen leben ca. 15 000 sogenannter Müllmenschen. Der Smokey Mountain ist voller Müllberge die bis zu 40 Meter hoch sind und gilt als Wahrzeichen der Hafenstadt. Hunderte starben bereits unter Mülllawinen, um ein paar Cents fürs Überleben zu ergattern. Andere flüchten vor dem Hunger, den Müll, den Kriegen, dem Chaos das die Globalisierung angerichtet hat und wollen ihr Glück in Europa versuchen. Wenn sie nicht gerade wie ca. 2000 Menschen im Jahre 2011 vor Europas Küsten ersaufen und tatsächlich ins gelobte Land gelangen, werden sie hierzulande mit Fremdenfeindlichkeit, Isolation und Ablehnung begrüßt. „Diese Schweine wollen uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen“ Sind dann die typischen Bemerkungen aus dem konservativen Bürgertum. Klar, das Überleben hängt auch in Europa von den Vergütungen am Arbeitsstrich ab.

Während also hunderte Millionen Menschen hungern, werden laut Recherchen des Filmemachers Valentin Thurn allein in Deutschland  jedes Jahr bis zu 15 Millionen Tonnen frischer Lebensmittel im Wert von 20 Milliarden EUR weggeworfen. Das wird allgemein als „Wegwerfmentalität“ empört beklagt. Dabei handelt es sich sowohl bei den Hungertoten als auch bei der Überproduktion von Lebensmitteln um im Kapitalismus fest eingeplante Zustände. Das Wegwerfen von Produkten ist fest im Kaufpreis einkalkuliert. Man investiert kein Geld in Hungernde, wenn diese nicht voller Dankbarkeit in naher Zukunft horrende Profite abwerfen. Obendrein lassen sich Hungernde leichter dazu überreden ihre Umwelt, ihre Gesundheit für Geld aufs Spiel zu setzen. In den Produktionshallen in China vergiften sich regelmäßig Mitarbeiter, Afrika ist längst zur Müllhalde Europas verkommen und wird gleichzeitig als reines Rohstofflager missbraucht. Genauer ist Armut notwendiger Ausdruck der Logik des Marktes. Es gibt Verlierer und Gewinner in der täglichen Maschinerie der Profitmaximierung. So wie es in Europa Millionen Menschen in Arbeitslosigkeit gibt, weil es einerseits nicht genug Arbeit gibt, die halbwegs ordentlich bezahlt wird, so gibt es in ärmeren Regionen ohne Industriegebiete, ohne Kaufkraft, ohne Infrastruktur usw. Millionen Menschen, die als Hungernde und Verhungernde zu den Verlierern am Markt gehören. Keiner will nachhaltig in Afrika die notwendigen Milliarden investieren, da keine Garantie für horrende Renditen vorliegen. Kapital fliesst immer dorthin, wo die Profitmaximierung am förderlichsten erscheint. Hungernde, Arbeitslose gelten als die überflüssigen Humanressourcen im Kapitalismus. Sie können absterben, da ihre Arbeitskraft nicht gebraucht wird. Ohne Arbeitskraft die sich am Arbeitsplatz, am Markt realisiert, keine legitimen Bedürfnisse die via Kaufkraft befriedigt werden können bzw. sollen. Wer nicht arbeitet der soll auch nicht essen, egal ob er nun daran schuld ist oder nicht.

Es ist also so, dass auf dieser Welt Armut und Reichtum nebeneinander existieren.  Es stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen extremer Armut und extremen Reichtum gibt. Wer ist verantwortlich für diese Entwicklung? Sind die Reichen gierig und die Armen nicht leistungswillig? Warum wird die Produktion von Luxusgütern vollzogen, aber die Versorgung der Hungernden unterlassen?

Die Gegensätze in der Gesellschaft, sind Ergebnis der Zielsetzung der Ökonomie und Politik. Während täglich tausende Menschen verhungern, arbeiten andere als Sklaven des Kapitals und verkonsumieren sofort wieder ihre Einkommen. Diese Lebensweise zerstört nicht nur Menschenleben, sondern auch die Umwelt. Es ist teuer die Umwelt zu schützen und extrem profitabel sie ohne Rücksicht auf Verluste auszubeuten. Jährlich werden 130 000 km² Waldflächen gerodet. Täglich sollen mehr als 120 Arten aussterben. Arten sterben während der Verkehr lebt. 2008 wurden mehr als 3,7 Milliarden Tonnen Güter durch die Welt kutschiert. Tagtäglich fahren allein in Deutschland mehr als 44 Millionen Kraftfahrzeuge durch Betonlandschaften. Weltweit sollen 1 Milliarde Fahrzeuge unterwegs sein. Keine Sekunde ist ohne giftige Abgase. Die Industrie pumpt ihr Gift in enormen Ausmaßen auch in die Weltmeere. Es sollen sich mehrere Millionen Tonnen Kunststoffmüll und damit bis zu 18 000 Kunststoffteile auf jedem Quadratkilometer Meeresfläche in allen Weltmeeren befinden. Frankreich schüttet darüberhinaus jedes Jahr und ganz legal 33 Millionen 100-Liter-Fässer radioaktives Abwasser ins Meer. Jedes Jahr werden 12 000 Tonnen weiterer radioaktiver Müll produziert, obwohl weltweit kein sicheres Endlager existiert. Diese systematische Zerstörung der überlebensnotwendigen Umwelt hat ihre Ursache im Streben nach Profit. Seit Jahrzehnten bekommt man das Problem nicht in den Griff, weil Umweltschutz sehr teuer ist. Statt die kapitalistische Produktionsweise zu hinterfragen, verschliessen die Menschen die Augen vor der Zerstörung, die sie mit ihr anrichten und verteidigen sie auch noch als besonders wirtschaftlich und effizient.

Ein gutes Beispiel ist neben Dserschinsk, Bajos de Haina, Kabwe usw. die chinesische Großstadt Linfen. Dort verdrecken zahlreiche Schmutzstoffe die Provinz Shanxi, u.a. mit Giften wie Arsen, Blei, Kohlenmonoxid, Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen. In der kleinen Stadt La Oroya in Peru, werden tagtäglich 800 Tonnen giftiger Gase abgelassen und Abwässer ungefiltert in den Fluss geleitet. 100 000 Tonnen ausgemusterter Elektrogeräte werden jährlich allein von Deutschland nach Afrika gebracht. Nur ein Bruchteil ist überhaupt funktionstüchtig.  Öko-Aktivist Mike Anane in Ghana meint dazu: „Eure alten Computer vergiften hier unsere Kinder“.  Im Delta des Niger verseucht das Öl seit 50 Jahren Natur und Menschen. Jedes Jahr fließen dort 180 000 Tonnen Rohöl in  die Mangrovenwälder des Delta. Nach Informationen des United Nations Environment Programme (UNEP) von 2005 schwimmen durchschnittlich bis zu 13.000 Plastikteilchen auf jedem Quadratkilometer Ozean. Der Dokumentarfilm Plastic Planet behauptet sogar, dass jeder von uns Bestandteile von Plastik im Blut hat. Chemikalien, Schwermetalle, Öl, Dünger, Nitrat, Phosphat, Pestizide, Herbizide, Fungizide, Kohlendioxid, Stickoxide, Ammoniak, Schwefeldioxid, Radioaktive Stoffe sind bloss einige der widerlichsten Ausgeburten die für unsere Zivilisation nutzbar machen. Die verschmutzung von Gewässern, Luft, Boden und so weiter ist allgegenwärtig und breitet sich mit dem sogenannten Fortschritt der Ökonomie weiter aus. Das Artensterben, die Rodung der Wälder, der Verlust unendlich wertvoller Gebiete, gehört zum Normalbetrieb des Kapitalismus und an dem wirken wir alle als Lohnabhängige mit. Wir glauben an die Richtigkeit, der Vernichtung von Resourcen im Dienste des Kapitalismus. Unsere bisherigen Zweifel haben bloss zu Green Washing, also Marketingkampagnen statt wirklichem Umschwenken geführt.

Die Liste der Formen wie Umwelt zerstört wird, liese sich endlos und ähnlich willkürlich fortführen. Die Überproduktion an Waren führt zu einer inflationären Ausbeutung der Resourcen dieses Planeten. Der Wahn nach Profit findet seine logische Konsequenz in der wahnhaften Zerstörung allen Lebens und aller Lebensgrundlagen. Der Planet ist begrenzt, nicht aber der systembedingte Zwang zum Wachstum. Der ist unendlich.

Warum machen die Menschen soetwas mit?

Bewusstlosigkeit! Die Arbeit hält die Menschen gefangen. Charakterbildung, Sozialisation im Kapitalismus, in der Schule (Noten- und Konkurrenzsystem) führen zur Identifikation mit Leistung, Wettkampf und Egoismus. Misserfolg wird als eigener Fehler oder charakterlicher Mangel verstanden und nicht zum Anlass genommen das System zu hinterfragen. Als Kind vertraut man seinen Eltern, Lehrern usw. hält eigene Zweifel, Bedürfnisse zurück, erachtet die Noten gleichsam wie der Vormund zur höchsten Instanz über den eigenen Wert als Mensch. Nach etlichen Jahren der Vorkämpfe im Bildungssystem geht es weiter im Berufsleben, bei der die eigene Abhängigkeit vom Leistungsvermögen und dessen Bewertung über Lebensqualität bzw. Sozialen Auf- und Abstieg entscheidet. Wird der eigene Lebensweg, bürgerliche Charakter und dessen Leistungsfähigkeit als profitabel genug bewertet, führt das zum erfolgreichen Abschluss eines Arbeitsvertrages, der solange aufrecht erhalten wird, wie die Leistung stimmt. Dem Ideal höchster Leistungsfähigkeit rennt daher fast jeder Mensch im Kapitalismus nach, weil er sich davon höchste Lebensqualität verspricht. Da dies aber jeder Marktteilnehmer global tut, gibt es aufgrund der verschiedenen Lebensbedingungen, Erfahrungen und Fähigkeiten zwingend zu Verlierern und Gewinnern. Im Kapitalismus können nicht alle Menschen gewinnen, weil Profite stets auf Kosten anderer zu machen sind. Alle Einkommen folgen aus den Profiten, die die Arbeitnehmer am Markt gegen andere Arbeitnehmer erstritten haben, weil sie profitabler gearbeitet haben. Profitabler ist man dann, wenn man mit wenig Lohnkosten teure Produkte erarbeitet und verkauft hat. Der höchste Abstand zwischen Kosten und Gewinn ist also Hauptkriterium für die Bewertung von Rentabilität. Obendrein werden nur die Bedürfnisse befriedigt, die mit Geld legtimiert werden können. Der Zweck der kapitalistischen Produktionsweise liegt in der Profitmaximierung, weshalb Hungernden trotz horrender Lebensmittelberge die Befriedigung ihrer Bedürfnisse verweigert wird. Womit wir wieder bei der Ausgangslage wären. Die Menschen verhungern weil die Welt im Kapitalismus nicht für ihre Bedürfnisse eingerichtet ist, sondern für die Bedürfnisse des Kapitals, der Profitmaximierung und des Wachstums. Das erkennt man auch an der Zerstörung der Umwelt, der Armut in aller Welt, Die sozialen Schwierigkeiten zwischen den Menschen (Familiendramen, Amoklauf etc) folgen aus der Vernachlässigung der Beziehungen zwischen den Menschen, da immer mehr Zeit und Kraft für die Maximierung der Profite aufgewendet wird. Je mehr die Menschen in dieses System investieren, desto mehr verlieren sie. Die Welt ist schlecht, der Mensch ist schlecht, der Grund liegt in diesem Umstand. Der Mensch entmachtet sich selbst. Er verhindert seine Emanzipation, die Durchsetzung seiner eigentlichen Bedürfnisse.

Die Parteien und die Konzerne wollen Profite machen und setzen alles daran möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen, denn Profite lassen sich nur über möglichst viele produktive Arbeiter erzielen. Arbeit gilt nur aufgrund dieser Realität im Kapitalismus als das höchste Gut. Erst kommt der Profit und dann kommen die Bedürfnisse der Menschen, denn ohne Profit gibt es keine Produktion oder Einkommen. Die Arbeit hält die Menschen zeitlich, körperlich und geistig gefangen. Es fehlt die Zeit und die Kraft sich die Hintergründe der Welt anzusehen oder eigenes Handeln und Denken zu hinterfragen. Das gesamte Leben wird von Generation zu Generation immer besser den Bedürfnissen des Kapitals angepasst, wodurch die Arbeitsintensität im Beruf steigt. Zivilisationskrankheiten und Entfremdung sind die Folge. Diese Bewusstlosigkeit hängt auch mit der Sozialisation im Kapitalismus zusammen, die den Charakter der Menschen auf Wettkampf, Leistung und Egoismus abrichtet. Das fängt bereits in der Schule mit dem Notensystem an. Misserfolg wird als eigener Fehler oder charakterlicher Mangel verstanden. Als Kind vertraut man seinen Eltern und Lehrern, identifiziert sich also mit deren Kritik und Bewertung. Diesen Prozess die Eltern und Lehrer in ihrer eigenen Kindheit durchgemacht. Durch die Identifikation mit Leistung und Wettkampf kommt es zur Akzeptanz der kapitalistischen Gesellschaft. Die Natur des Menschen wird als egoistisch betrachtet.

Emanzipation der Menschheit von der politischen Ökonomie

Die Bewusstlosigkeit jedes einzelnen Menschen muss also durchbrochen werden. Das geht nur wenn jeder einzelne Mensch sich ständig selbst hinterfragt, mit all seinen Gedanken und Handeln. Jeder muss sich selbst mit den Problemen der Welt konsequent auseinandersetzen, kritische Theorie durcharbeiten, diskutieren und sich im Kampf gegen Unmündigkeit und das Kapital basis-demokratisch organisieren. Die Menschen sollten sich endlich wieder für das verantwortlich fühlen was in der Welt geschieht und sich nicht mehr ohnmächtig zurückziehen und alles der Politik beziehungsweise den anderen überlassen. Es hängt von der eigenen Aktivität und Wahrnehmung ab, ob Menschen verhungern müssen, wofür, wielang gearbeitet wird und worin der Zweck und Inhalt sämtlichen Lebens auf diesem Planeten besteht.

Es geht um nichts weniger als die Emanzipation der Menschheit von dem heutigen ökonomischen, politischen Prinzip, das derart wertvolle Opfer verlangt, dass wir uns selbst verlieren würden, wenn wir dem weiter mit dieser eisernen Disziplin und Selbstausbeutung nachkommen. Wenn wir die Arbeitszeit für Millionen von Menschen nicht deutlich verkürzen, die sogenannten Arbeitslosen zu einem wertvollen Teil der Gesellschaft machen, alle verfügbaren gesellschaftlichen Mittel einsetzen um nicht nur die Armen und Hungernden zu nähren, sondern auch eine Perspektive für Jedermann zu bieten, wird man nur noch als Zyniker oder verbissener Menschenfeind überleben können indem man auf möglichst tägliche Amokläufe und einen baldigen alles zerstörenden Atomkrieg hofft. Die Menschheit ist in der Lage sich von irrsinnigen Theorien oder Vorstellungen zu emanzipieren. Sie hat Götter geköpft. Sie hat Könige geköpft. Sie hat Folter, Ungerechtigkeiten und Privilegien für Minderheiten geköpft. Doch konnte bislang keine Revolution derart weitreichend sein, als dass ihre Ausführung das Ende der Geschichte, die Befriedigung aller Wünsche und Bedürfnisse von allen Menschen bedeutet hat. Solange dies nicht der Fall ist, dürfen wir nicht erschöpft in den Sessel sinken und aufgeben!

Was wir brauchen ist eine neue Epoche der Aufklärung in der neue radikale Formen der Demokratie realisiert werden müssen, die die Menschen tagtäglich an allen Entscheidungen beteiligt. Demonstrationen sind extrem wichtige Keimformen der jederzeit möglichen Emanzipation der Menschheit! Der Rechtsstaat mag ein Fortschritt zum Absolutismus gewesen sein, aber er verteidigt nicht die Natur noch die Lohnabhängigen vor dem Kapital und dessen Verwertungszwang. Jeder Staat kämpft gegen andere Staaten um Kapital, genauso wie ein Individuum auf dem Markt gegen andere Individuen konkurriert! Das ist nichts weiter als Krieg. Völker kämpfen gegeneinander um irgendwelche Reichtümer und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, obwohl sie es viel leichter hätten, würden sie ihre Ansprüche schlicht respektieren und die vorhandenen Quellen fair untereinander aufteilen. Der Mensch von heute sollte diesen Krieg beenden und sich nicht mehr vom Staat, den Parteien vertreten lassen oder sich durch den Arbeitsplatz ausreichend und fair am Reichtum der Welt beteiligt sehen. Er muss seine Bedürfnisse selbst erkennen, hinterfragen, diskutieren, vertreten und durchsetzen mit direkter Demokratie, mit einer Ökonomie die neben dieser direkten Demokratie auf Solidarität und menschlichen Bedürfnissen beruht! Die technischen Möglichkeiten sind längst gegeben

Das Internet bietet die Möglichkeit ständig mit der gesamten Welt in Kontakt zu stehen. Organisation und Kommunikation ist leichter als jemals zuvor. Informationen sind enorm schnell abrufbar. Die weltweite Vernetzung und die zunehmende Völkerverständigung sind ideale Bedingungen um internationale Solidarität zu praktizieren und die Macht des Kapitals zu brechen.

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Ignoranz

Kochshows: Pornografie für den verwöhnte Gaumen. Unzählige TV-Kochs brutzeln allerlei Meisterhaftes während Millionen ihnen dabei sabbernd zuschauen und Zehntausende ein paar Kilometer weiter tagtäglich verhungern.

Fußball: 22 Mann laufen einem Ball hinterher, Millionen gaffen zu. Selbst Bundespräsidenten und Kanzler(in) biedern sich beim Volk durchs Fußball gaffen an. 25 Fahrer fahren im Kreis, verschwenden Benzin, verpesten wie 42 Mio. Fahrzeugnutzer in DE die Luft und Millionen gaffen zu. Besonders gerne tut man das in Ländern bei denen die Menschenrechtssituation prekär ist. Dies liese sich für zig andere Sportarten in denen Wahnhaft der Wettbewerbsgedanke praktiziert wird fortführen.

Boulevard: Kaum ein Sender kommt ohne Gerede über Oberflächlichkeiten, Stars und Beautytipps aus. Seit Jahrzehnten halten sich Formate, die nichts anderes auf der Welt als Problem betrachten, wie Frau oder Mann am besten auszusehen hätte. Sie mäkeln an Stars herum, kommentieren deren Garderobe, masturbieren zu den neusten Skandalen und verschenken technischen Müll, der in ein paar Wochen durch neuen ersetzt wird.

Talkshows: Täglich palavern Experten, Politiker, Lobbyisten, die immerselben Gesichter auf irgendwelchen Sofas über die aktuelle Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird. Die Themen sind so willkürlich wie die Opfer, die Debatten sind emotional, oberflächlich, chaotisch und ohne jeglichen Mehrwert für die Zuschauer. Man geht aus solchen Talkshows genauso dumm hervor, wie man zuvor schon war. Talkshows dienen dazu das eigene Buch, die eigene politische Agenda oder Partei zu bewerben und nicht um sich eine sachlich fundierte Meinung zu erarbeiten. Selbstdarstellung und heiloses Geschwätz wird als demokratischer Grundwert verkauft.

Youtube: JuliensBlog steht für die junge Generation, die primitive Provokationen, Ignoranz und Halbwissen für Unterhaltung sowie klugen Egoismus hält. Sowas kommt heraus wenn man in der Entertaimentwelt aufwächst. Mit pubertären Dünnschiss erreicht allein Julien Millionen und lehnt jegliche Verantwortung  wie selbstverständlich ab, schliesslich sei alles nur Satire wenn er Rollstuhlfahrer oder hungernde Kinder beschimpft. Wer das nicht versteht, hat eben keinen Humor und wohl auch keinen Fatalismus der die Welt nur brennend ertragen kann. (Mehr zum Thema gibt es hier)

Musik: Kollegah ist einer der Stars von Julien und vielen anderen seiner Altersgenossen. Dieser Typ scherrt sich ähnlich gering um irgendwelche Zustände in der Welt. Alles was ihn kümmert sind seine sexistischen, homophoben Songs, wie sie branchenüblich sind, die er möglichst technisch und „qualitativ hochwertig“ für Kohlemacherei verbreitet, um dann in irgendwelchen überteuerten Blechkisten für seine bedauernswerten Fans zu posieren und sich für den Größten zu halten. Bedauerlicherweise funktioniert dieses Konzept, weil verkrüpelte Identitäten nach respektablen Führungsfiguren lechzen. Erbärmlicherweise sucht man sich solche Blender als beruhigende Droge gegen den grauen, rauen Alltag im Kapitalismus.

Und schliesslich: Die Oberschicht die gar nicht weiß wohin mit ihrem Geld, die ebenfalls immer wieder im Fernsehen als die Sorte Mensch bestaunt wird, die es irgendwie geschafft hat. Diese Entwicklung wird nicht hinterfragt sondern mit sehnsüchtigen Sprüchen, dass man es doch auch gerne mal so schön haben wolle, untermalt. Die Botschaft für den Zuschauer: Streng Dich an, so wie dieser Millionär es gerade sagt und Du schaffst es bestimmt auch mal soweit. Dabei ist das völlig illusorisch. Milliarden Menschen denken und arbeiten so.

Fazit: Gemeinsam ist all diesen Fetzen aus dem Entertaimentbereich die Ignoranz gegenüber den tagtäglich vorherrschenden Zuständen in der Welt. Sie helfen niemanden bei der Lösung des Hungers, der Armut oder der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich, im Gegenteil, durch Konsum von Entertaimentformaten egal ob von Amateuren oder Profis, entsteht die Illusion alles sei schon irgendwie in Ordnung. Kein Wochenende vergeht ohne Fußball, ohne Kochshows, ohne Youtubevideos mit Schminktipps od. pseudokomischen Klamauk, ohne Musikveröffentlichungen die einfach nur Lärm sind, usw. Was hier Millionen von Menschen betrachten, erhalten sie mit ihrer eigenen Aktivität aufrecht und machen es damit wertvoll. Und so wird es immer wieder produziert, weil es sich verkauft. Als ob es tatsächlich irgendwem eine wertvolle Erkenntnis bringt.

Statt zu sehen wie hoch man fliegen kann, schaut man lieber wie tief man im eigenen Dreck versinken kann. Und erheitert sich auch noch daran. Der Hunger in der Welt muss nicht sein, da bereits heute Lebensmittel für ca. 12 Milliarden Menschen produziert werden. In Europa werden tausende Tonnen frischer Lebensmittel jeden Tag weggeworfen. Wie kann es sein, dass Überfluss und Mangel gleichzeitig nebeneinander existieren können? Wie kann es sein, dass diese Zustände den Menschen hierzulande kein Umdenken oder Reflektieren näher bringen? Die Identität vieler Menschen ist offenkundig auf Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien geprägt. Einer derartigen Vorstellung erscheint es nur logisch, dass derjenige verhungert, der nicht arbeitet egal ob nun eine Infrastruktur oder Wettbewerb vorhanden ist oder nicht. Dann ist es auch logisch vor den Augen der Hungernden, der vor Europas Küsten ersaufenden Armuts-Flüchtlingen, einen Braten gold-braun zu braten und dabei vermeintlich lustige Bemerkungen abzugeben, als sei das Paradies auf Erden weltweit gegeben.

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Verelendung der Massen

All die Streitereien zwischen Angestellten und leitenden Angestellten sogenannten Chefs sind offenkundige Kleinigkeiten, die aber das Zünglein an der Waage sind, wenn es um die Zukunft des Angestellten oder des leitenden Angestellten oder der jeweiligen Niederlassung oder gleich der gesamten Firma geht. Zukunft insofern als das bei allen natürlichen wie juristischen Personen das ökonomische Überleben davon abhängt, ob sie weiterhin mit allen Mitteln so profitabel wirtschaften können, wie es das Dogma der Betriebswirtschaftslehre vorschreibt. Und wirtschaftliches Überleben heisst bei Menschen immer auch das Überleben selbst. In dieser Realität steckt eine Logik die eine große Entwürdigung für sämtliche Menschen bedeutet. Zu spät kommen, zu wenig Leistungsbereitschaft, zu wenig Überstunden, Unflexibilität, fehlende Stressresistenz, mangelnde Teamfähigkeit, sind die üblichen charakterlichen Attribute die also schnell in Ungnade fallen und zu Abmahnungen und Kündigungen führen können. Insbesondere unterschiedliche Auffassungen wie ein Betrieb, ein Team zu führen oder ein Problem gelöst werden soll, können zu ähnlichen Konsequenzen führen. Zuviel Denken und zuviel Eigenständigkeit ist nicht erwünscht, sofern es sich nicht in Zahlen positiv messen lässt.

Nun sind das Dinge die man unter privaten Verhältnissen durchaus in einem klärenden Gespräch lösen könnte. Man kann die gegenseitigen Vorurteile, Missverständnisse durchaus ausräumen, sofern genug Zeit, Nerven, Sachlichkeit und ein entsprechender Wunsch zur gemeinsamen Fortführung der (in dem Fall beruflichen) Beziehung besteht. Wir wären im alltäglichen Konkurrenzkampf innerhalb des Kapitalismus eigentlich sogar dazu gezwungen uns miteinander zu solidarisieren, da er uns irrationalen, allgemeinen wie individuellen Entbehrungen und Zerstörungen aussetzt, aber aufgrund der Sozilisation die während dieses permanenten Kampfes stattgefunden hat und weiter stattfindet, herrscht mal offen mal unterschwellig oder versteckt: Egoismus, Missgunst, Misstrauen, Neid, Ignoranz und Intoleranz. Es gibt im alltäglichen kapitalistischen Vewertungslauf und des permanenten Überlebenkampfes sämtlicher Menschen auf allen Märkten zum Beispiel keine oder nur eine sehr geringe Toleranz von Fehlern oder Individualität, weil ökonomische Vorstellungen von Wachstum, Leistung und Wettbewerb in der Mehrheit der Köpfe verankert sind, die im Widerspruch dazu und auch zu Solidarität, Brüderlichkeit oder Gegenseitiger Hilfe stehen. Solidarität zahlt sich im Konkurrenzkampf des atomisierten Individuums nicht sofort messbar aus, also zieht es demgegenüber Vorstellungen und Handlungen vor, die mit Sicherheit zumindest einen Lohn zur Folge haben, wie also eine disziplinierte, fleissige, flexible, stressresistente berufliche Tätigkeit am Arbeitsplatz. Es kommt aus diesem Grund zu einer ständigen Verschlimmerung der üblichen menschlichen Probleme.

Kleine Fehler die Menschen nunmal stetig machen, weil niemand alles überblicken kann, entscheiden besonders im Beruf unter gnadenlosen „Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten“ über die Lebensqualität des einzelnen Menschen insgesamt. Es gibt genug andere Marktteilnehmer die man verheizen kann, wenn der aktuelle Angestellte nicht sofort gemäß der Firmeneigenen bzw. nationalen, wirtschaftlichen Pseudophilosophie entspricht, auch wenn diese nur geringe oder nur kurzfristige Verbesserungen leisten können, schliesslich ist keiner vor den Belastungen und Entbehrungen des Berufslebens im Kapitalismus sicher. Kosten und Nutzen gelten als faire und gerechte Gesichtspunkte, obwohl das menschliche Gegen-, Zwischen- und Miteinander ausgeblendet wird beziehungsweise grundsätzlich diesem Prinzip untergeordnet und davon bestimmt wird. Es ist zwar mittlerweile modern zu sagen, wie kann ich als Chef meine Mitarbeiter motivieren, wie fördere ich die Identifikation des Mitarbeiters zu „seinem“ Unternehmen, wie kann ich Krankheitsfälle vermeiden, usw. Aber diese Menschen werden trotzdem sofort ins Nichts und den sozialen Abstieg geworfen, wenn sie nicht so funktionieren wie es aufgrund eines theoretischen Ideals verlangt ist, welches obendrein nur gilt weil sich kaum einer traut es zu hinterfragen. Es wird niemals die Frage gestellt woraus eigentlich die ständigen Konflikte im alltäglichen Wirtschaften entstehen folgen können. Warum die Millionen Arbeitslosen? Warum leisten die Besitzer eines Arbeitsplatzes Überstunden, warum riskieren sie ihre Gesundheit, entfremden sich von sich selbst, ihrer Familie, der Gesellschaft und der Umwelt, wenn Millionen Arbeitslose die gesellschaftlich notwendige Arbeit unterstützen könnten? Offenkundig möchte man sich das aufgrund der dadurch einbrechenden Profite nicht leisten, mal abgesehen davon, dass es dem Konzept unserer Ökonomie grundsätzlich widerspricht Arbeit zu minimieren, was man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss!

All das wird gemeinhin als normal und als Errungenschaft der Zivilisation abgetan, obwohl es sich hier um den ultimativen Wahnsinn handelt. Man setzt auf Kündigungen statt auf Dialog, schliesslich sind die auch wesentlich günstiger. Gespräche binden Arbeitskraft und Arbeitszeit, wer kann sowas gebrauchen, zumal es keine Sicherheiten für qualitative Verbesserungen in der Leistung des vermeintlichen Störenfriedes geben kann. Ignoranz und Intoleranz gehören dazu wenn man Profite erwirtschaften will. Man muss aggressiv sein, sich durchsetzen und ohne Rücksicht auf Verluste agieren. Was zählt ist das Wohl der Profite der juristischen Person, das Wohl einer Sache oder vielmehr eines Prinzips, welches in der gesamten Gesellschaft rauf und runter idealisiert wird. Menschen werden entlassen egal ob das für sie einen Verlust ihrer Lebensqualität bedeutet. Es ist gleichgültig ob sie sich selbst oder ihre Familien nicht mehr ernähren können, ob sie sich nichteinmal den mickrigen Jahresurlaub an der Ostsee leisten können oder ob sie für das Alter etwas zu Seite legen können. Menschen werden in Berufsverhältnisse eingestellt von denen sie nicht einmal leben können und selbst wenn sie davon bloss überleben können, so doch nicht davon leben, schliesslich bedeutet ein Arbeitsplatz heute nicht Friede, Freude, Eierkochen, sondern unter anstrengenden, krankmachenden Zuständen Malochen bis zum Schlaganfall.

Das wird in den Medien zwar durchaus genauso beklagt, wie mehr oder weniger öffentlich in den Betrieben. Aber es erfolgt kaum eine genauere Analyse über die Ursachen. Dieses kurze Aufbäumen verliert sich schnell wieder indem einfach so weiter gemacht wie bisher. Diese Ideenlosigkeit, diese unglaublich fantasielose, systemhörige Herdenmentalität ist es, die den Hunger in der Welt genauso ermöglicht, wie die Millionen Heere an Arbeitslosen und Billigjobs, die sklavenhafte Unterordnung und religiöse Bejahung des gesamten gesellschaftlichen Lebens unter einem wahnhaften Dogma der Profitmaximierung. Darüberhinaus herrscht der totale Irrglaube Arbeitsplätze würden Zukunft bedeuten. Dabei sind sie Ausdruck einer unreifen, gedanklichen Totgeburt. Wir werden immer produktiver, wir machen uns quasi als Arbeiter selbst überflüssig und reagieren damit nur mit noch größerer Produktivität von dessen Früchten wir nicht naschen können, weil die Profite an die Anteilseigner unserer Arbeitsplätze fliesst. Anschliessend wird mit großem Erstaunen der Niedriglohnsektor oder die Entwicklung der Abstaltung von Vermögen und Länder in reich und arm wahrgenommen.

Man wird als Mensch heutzutage wie eine Ware behandelt, benutzt, gebraucht und nachdem man ausgebrannt ist, wird man ausgekotzt und kann sehen wo man bleibt, scheißegal was man geleistet hat. Als Angestellter bzw. Lohnabhängiger der um seines Überleben willen sich wie eine Hure verkaufen und derart erniedrigen lassen muss, darf sich dann einen neuen Freier suchen der ihn solange missbraucht, bis ihm dessen Qualitäten nicht mehr ausreichen. Es gibt keine Solidarität, Anstand, Vernunft, Gerechtigkeit oder gar eine erstrebenswerte Zukunft in so einem Verhältnis. Millionen menschliche Beziehungen sehen so aus, was nicht nur Rastlosigkeit aufgrund der Intensität und ständigen Flexibilisierung und Rationalisierung der Arbeit bedeutet, sondern auch Stress, Anfälligkeit für Krankheiten, mangelnde Lebensqualität weil man seine Lebenszeit hauptsächlich mit derart widerlichen Situationen verschwenden muss. Davon sind bloss einige glückliche Millionäre insoweit ausgeschlossen, alsdass sie sich eben nicht auf dem Arbeitsmarktstrich verkaufen müssen. Genauer muss man aber sagen das wirklich jeder Mensch auf der Welt im Kapitalismus eingebunden ist. Meine Kritik ist also an nahezu alle Menschen gerichtet, auch jene die in ihre Freier verliebt sind oder dem Arbeitswahn für den einzig wahren Lebensinhalt erachten.

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Wir brauchen mehr Arbeitslose!

Die Finanzkrise hat bewiesen worauf es in dieser Gesellschaft wirklich ankommt und wofür sich die Menschen entscheiden wenn sie am Abgrund stehen. Man hat innerhalb kürzester Zeit, egal ob in Amerika oder in Europa, gigantische Summen in die Fortsetzung eines System gesteckt, welches weltweit Milliarden Menschen knechtet, entmündigt und verhungern lässt. Die Menschen haben Angst vor dem eigenen Abstieg, Angst vor der Zukunft, vor Veränderungen und vor Ablehnung, also gehen sie, und zu allererst die Politiker, diesen Weg der Zerstörung. Die Mehrheit weiß um den katastrophalen Zustand unseres Planeten und unserer Gesellschaft, aber was tut sie dagegen? Was tut sie gegen Hunger? Was tut sie gegen Krieg? Was tut sie gegen Aids, Krebs oder Depression? Sie bleibt hinter den Erwartungen und den eigenen Ansprüchen zurück. Aber wenn das System gefährdet ist, woraus Hunger, Krieg und Krankheiten entspringen, wird innerhalb kürzester Zeit alles getan um es aufrechtzuerhalten. Man spendet 2-3 Milliarden für die Armen, aber für die Ursache dieser Armut gibt man hunderte Milliarden und jammert obendrein wie schlecht die Welt doch ist, so als ob es nicht in unserer Macht läge daran etwas zu ändern. Tagtäglich gilt es als das Normalste der Welt, im permanenten Konkurrenzkampf gegen andere Mitmenschen, seine unendlich wertvolle Lebenszeit für die kapitalistische Produktionsweise zu verkaufen. Jeder Arbeitsplatz ist ein Schauplatz für Überlebenskämpfe. Ein Arbeitsplatz gilt als Lottogewinn unter den Lohnabhängigen, obwohl sie in diesem Spiel, mit oder ohne Arbeit, nicht gewinnen können. Jeder ist ersetzbar, jede Nachlässigkeit kann zur Kündigung führen und die Gehälter bleiben stets zu gering. Es scheint uns wichtiger unserer Arbeit nachzugehen, als nach den Quellen dieser Zerstörungen, der Krisen und den Toten zu fragen. Die steigenden Anforderungen, der Leistungs- und Zeitdruck lässt die Menschen einen Lebensstil entwickeln, welcher es für besser hält zu funktionieren anstatt zu reflektieren und zu rebellieren. Der Alltag ist schon genug mit Melancholie, Depression, mit Tragödien und anderen hässlichen und ekelhaften Situationen, Dingen und Personen befüllt, da will man als gequälter Mensch nicht auch noch die geringe Freizeit für tiefere Gedankengänge durch diese widerlichen Realitäten vollziehen. Es käme einer Wiederholung der Qualen gleich, einer Wiederholung, die man auch noch selbst veranstaltet hat. Eine Wiederholung, welche man hätte vermeiden können. Wegsehen, weghören, ausblenden, nicht aussprechen was einen bedrückt und peinigt, dies ist Ausdruck des Gefängniswärters in uns. Das ist die Selbstzensur, dies sind die Wände, Gitter und Stahltüren unseres selbstgeschaffenen Gefängnisses, dessen Schlüssel wir ständig in der Hand halten. Wir haben gelernt uns von der Kindheit an anzupassen, so zu funktionieren wie es unsere Mitmenschen erwarten, wir wurden bestraft wenn wir es nicht genug taten und daraus speist sich auch die Art und Weise wie wir heute denken, handeln, wirtschaften, wählen, lieben und es auch in Zukunft tun werden. Seit unserer Kindheit wird die Unvollkommenheit unseres Lebens angeklagt und beklagt. Immer muss mehr getan werden, muss mit größter Anstrengung die Liebe der Eltern und die Anerkennung der Mitmenschen erkämpft werden. In den Schulen gibt es Lernbedingungen, die die Schüler systematisch scheitern lässt. Es gibt weder genug Zeit für den Lehrstoff, noch gibt es für die Schüler die Möglichkeit selbst zu bestimmen womit sie sich beschäftigen wollen. Ihnen wird jegliche eigene Meinung im vorhinein abgesprochen, ihnen wird vorgekaut was sie zu denken, zu glauben und was sie zu lieben und zu verabscheuen haben. Erste Reflexe und Konditionierungen werden installiert. Autoritäten sind zu beachten, nicht zu hinterfragen oder abzulehnen. Still sein, fleißig mitarbeiten, besser sein als andere, so wird eine erste Version von einer Charaktermaske gebildet, die später in höherem Detail benötigt wird. Noten trennen die Schüler in gut und schlecht, spucken auf ihr Selbstbild und vergewaltigen ihre Seele. All das nur um sie auf ihr Leben als Leistungsträger vorzubereiten, um sie zu einem funktionierenden Fachidiotien mutieren zu lassen, um sie als Konkurrent auf den Markt zu jagen, um den Planeten im Dienste des Kapitals zu verwüsten und auszuschlachten. Die Schüler lernen unter Anweisung der Lehrer und des Lehrplans etwas von gerechten Kriegen, lernen den Kommunismus mit Gulags gleichzusetzen und huldigen die per se gute eigene Nation, Lebensweise, Ernährungsweise, die freiheitlichen Demokratie, die heilige sozialen Marktwirtschaft. Die Schüler werden mit ihrem erfolgreichen oder nicht so erfolgreichen Abschluss, schlicht mit Propaganda im Schädel auf die Realität losgelassen. Wir alle sind seit unserer frühesten Kindheit gequält worden um als Lohnabhängige auf den Arbeitsmärkten, in den Branchen dieser Welt ausgebeutet zu werden. Wir haben gelernt so zu funktionieren wie es dem Kapital gut tut. Egal ob als Staatsdiener, in der Verwaltung, als Soldat, Polizist, oder als Journalist in den Medien oder in der Lebensmittelindustrie oder als Selbstständiger, was zählt sind die Profite, nicht die Werte die von tausenden Generationen mühsam erdacht, erarbeitet und letztlich Stück für Stück mit Blut und Schweiß durchgesetzt wurden. Es erscheint uns normal und richtig, selbst wenn wir dadurch krank werden, massenhaft Betonlandschaften, Blechlawinen, Lebensmittelskandale, Plastik-, Elektronik- und Müllberge produzieren, tonnenweise frischer Lebensmittel wegwerfen, während tausende Menschen tagtäglich verhungern, Lebensmittel immer billiger werden müssen, Millionen Tiere fürs exzessive Fleisch fressen leiden und sterben müssen, Kriege für unsere Sicherheit und Handelswege geführt, tausende Menschen ermordet werden und so weiter. Dies ist der ganz normale Wahnsinn. Es war schon immer so. Also was tun? Die Verantwortung schieben viele Menschen an die Politik ab und daher richten sie auch an jede Anklage und jeden Protest an sie, dabei ist die Bundesregierung, sämtliche Parteien und der Staat eine der Hauptverantwortlichen für diese Katastrophen. Die Parteien, die Regierung und die Staaten tun nur das wozu sie sich wirklich gezwungen sehen und das sind in erster Linie Sachzwänge, die sich permanent aus dem Kapitalismus speisen. Die Politiker haben keinen Überblick darüber wozu der Kapitalismus die Menschen verführt und manipuliert, denn sie werden selbst verführt und manipuliert, sie sind selbst Marionetten des Kapitals, Marionetten einer Ideologie, die sie genauso wie alle anderen seit ihrer Kindheit als die Realität anerkannt haben. Es muss schon ein Glücksfall wie in Fukushima passieren, damit die Regierung das tut worauf Proteste schon seit Jahrzehnten pochen. Es mussten tausende Menschen sterben, damit ein paar billige Lippenbekenntnisse gemacht werden, um bei den Wahlen nicht völlig nackt dazustehen. Die ganze Erbärmlichkeit und der ganze Zynismus unseres politischen und wirtschaftlichen Systems, lässt sich anhand der letzten Jahre wunderbar ablesen. Die erste revolutionäre Tat ist es, die Realität klar und deutlich zu benennen. Es darf kein wegsehen, weghören, ausblenden und bedingungsloses funktionieren als Lohnabhängiger mehr geben, weil sonst alles gefährdet ist, was das Leben überhaupt lebenswert macht. Es wird niemanden geben der uns hierin etwas abnehmen wird. Weder der Staat, die Parteien, die Regierung, die Gewerkschaften und die NGOs können oder wollen die Realität tatsächlich benennen und tiefgreifend verändern. Alle diese Organisationen mögen ursprünglich irgendwelche Rechtfertigungen für ihr Bestehen haben, aber gelöst haben sie weder den Hunger, noch die Lohnabhängigkeit, noch die ganzen anderen Ungerechtigkeiten dieser Welt, weil sie offenkundig die Quelle nicht benennen und wirksam bekämpfen. Der Kapitalismus muss weltweit weg und damit auch die Staaten, denn nur so sind die Probleme der Menschheit tatsächlich zu lösen. Nur wenn nicht mehr gegeneinander sondern miteinander gearbeitet wird. Wenn Kooperationen statt Konkurrenzkampf die Regel sind, können sich andere Strukturen in der Welt entwickeln, die nicht von Angst, Depression, Minderwertigkeitskomplexen dominiert sind. Nur wenn wir uns die Hand reichen, nur gemeinsam können wir diese Herausforderungen angehen. Es kann nicht sein das jeder Mensch darauf hin arbeitet sein eigenes Haus, sein eigenes Auto zu haben, das ist ökologischer Wahnsinn, mal abgesehen davon wieviele tausend Stunden man sich dafür opfern muss. Wohngemeinschaften, Fahrgemeinschaften sind die Zukunft, denn sie machen das Leben leichter, verbrauchen und zerstören weniger. Selbiges gilt für Staaten, wenn sie erst einmal aufgelöst sind, braucht es auch keine Billionen Euro teuren Armeen, Rüstungskonzerne mehr die sich gegenseitig für nichts und wieder nichts bekämpfen. Die Beteiligten können sich sinnvolleren Dingen, wie der Bildung und der Bekämpfung von Armut, der Unterstützung von anderen Menschen zuwenden, anstatt sie mit Waffen und Bomben zu ängstigen, zu quälen und zu töten. Seien wir mutig und nehmen auch in der Politik statt Vormundschaft, Autorität und Vertreterschaft die Dinge selbst in die Hand. Räte bzw. Kommunen können statt der Parteien, Regierungen, die alltäglichen Probleme übernehmen. Wir brauchen keinen bürokratischen Überbau, keine Behörden die uns missachten und mit Vorschriften quälen und bei Missachtung verklagen, obwohl sie eigentlich für uns da sind. Weg mit der Agentur für Arbeit, weg mit den ineffizienten Steuerverfolgungsbehören, die gute Beamten sogar bestrafen anstatt zu belohnen, weg mit den Vermögenden, den Armen, wir wollen die Menschen nur noch nach ihrem Charakter und ihrem Tun für andere Menschen bewerten! Es soll keine Nation, kein großes Ganzes mehr geben welchem gedient werden soll. Wen interessiert Deutschland, wen interessieren Landesgrenzen, wen interessieren wachsende Zahlenkolonnen, wenn man das Leben ohne sie viel besser genießen kann? Was wir brauchen sind mehr Arbeitslose statt weniger Arbeitslose! Wir brauchen die reale Anerkennung aller Menschen als würdevolle, liebenswürdige Kreaturen und nicht leere Versprechen in Gesetzen und Regierungserklärungen! Wir brauchen effizientere Maßnahmen gegen Korruption, Machtmissbrauch, Ausbeutung und Unterdrückung. All das geht nur mit Strukturen die nicht autoritär und hierarchisch funktionieren, die jenseits von Profitmaximierung und Konkurrenzkampf stehen. Die Obrigkeitsgläubigkeit, die duckmäuserische Art vor der Politik, den Konzernen, der Justiz muss aufhören. Denn sie helfen uns nicht ein würdevolles Leben zu führen welches tatsächlich alle Bedingungen und Möglichkeiten hat um sich frei zu entfalten. Und diese Entfaltung soll nicht nur für Amerikaner, Europäer gelten, denn manche werden einwenden, sie könnten doch bereits alles tun was sie wollten, diese Entfaltung soll für alle Menschen gelten! Also auch für jene die tagtäglich Hungern müssen, die auf Müllbergen ihr Dasein fristen müssen und so weiter. Unser scheinbarer Reichtum speist sich aus deren Not und aus der Not der Arbeitslosen, der Niedriglohnjobber, der Verschuldung von Millionen Menschen. Es kann nicht in unserem Interesse sein, ein Haus und ein Auto auf Leichenbergen von Hungertoten und anderen Verlierern dieser Gesellschaft zu haben. Wir sind nicht frei wenn wir für Geld arbeiten, denn wir arbeiten für eine Systematik die uns die Lebensgrundlagen entzieht!

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Antikapitalistische Notizen aus dem Säurebad

Da versauern Millionen von Menschen an ihren Arbeitsplätzen und warten darauf in den Abgrund gezogen zu werden. Weltmeere werden verstrahlt, von Müllinseln beglückt, Tiere und einzigartige Ökosysteme verheddern, versinken und ersticken in der industriellen Pest. Wir unterhalten uns über Politik, Wirtschaft, Sport und diskutieren was richtig ist. Sehen untätig zu wie der Planet ungenießbar wird. Schuld sind grundsätzlich die anderen Menschen. Wir sind nämlich vernünftig. Ständig werden Kinder geboren, geschlagen, missbraucht und das ganze Leben lang abgetrieben. Wenn sie nicht rebellieren sind wir alle verloren, denn Priester sind Pädophile, Politiker und Manager korrupt, es regiert das Ego, der Prügelstock und das Kapital. Der Wahnsinn ist der freundliche, unscheinbare Nachbar von nebenan, wie Du und ich. Das Leben ist eine Seuche geworden. Konzerne manipulieren und missbrauchen Menschen, saugen sie aus, bis sie nichts weiter als Konsumzombies und Automaten sind.

Wir diskutieren was richtig ist und entscheiden uns für den Wahnsinn. Tausende Menschen erhalten keine Medikamente, tausende Tiere werden nur geboren um als Bifi, Chicken McNugget oder offenfrische Tiefkühlpizza zu enden. Wir nennen Tierkadaver nicht Tierkadaver, sondern Salami und verniedlichen Massenmord. Wir karren dieses Kadaver tausende Kilometer, verbrauchen liebend gerne jedwede Energie für den genüßlichen Gaumenkick, aber der Hunger der anderen ist uns fremd. Keine Sensation, keine Veränderung, kein Ende. Wir ergötzen uns am Elend des modernen internationalen Holocaust und warten gierig auf neue Katastrophen, über die wir schockiert aber tatenlos protestieren und jammern können. Leichenberge in den Entwicklungsländern und Schlachthäusern dieser Welt, wir profitieren davon und drehen die Popmusik auf, ficken unseren Partner und fühlen uns gut. Wir masturbieren zu Explosionen im Fernsehen und betrachten tausende Verkehrstote als normal, den Islam natürlich als Gefahr, verkaufen tonnenweise Waffen in Krisenregionen und verbieten unseren Kindern nach 18 Uhr draußen zu spielen. Wir sind schizophrene Wärter des globalisierten Konzentrationslagers, wir sind Häftlinge und Tyrannen in einer Person. Wir zünden die Welt an und schreien nach Hilfe.

Die Erde wird geplündert und vermüllt damit wir den neusten Wagen, das modernste Handy, die neuste Erfindung von tausenden Konzernen haben können. Auf allen Kanälen, in Zeitungen, im Radio, Fernsehen und Internet wird geworben, wie toll doch alles ist und wie frei und glücklich wir uns fühlen sollten. Jeder weiß das unser Leben eine Lüge ist. Aber wir gehen gerne zu Ostern, Weihnachten, Geburtstagen und an jeden erdenklichen Tag froh einkaufen um uns davon abzulenken. Wir rauchen Tabak, welcher von armen Kindern und deren Familien angebaut und zu Dumpingpreisen verkauft wurde. Auch der Tabak macht uns krank. Dann trinken wir Alkohol um zu vergessen, was uns schmerzt und was uns hilft, bis wir vom nächsten Arbeitstag vergewaltigt werden. Manchen gefällt die Maschinerie der Zerstörung, sie steigen auf. Werden Chef, bis sie an einem Herzinfarkt sterben oder von ihren Kindern, die mittlerweile Teenager geworden sind, als Rabenväter beschimpft werden. Wir diskutieren was richtig ist und entscheiden uns für den Wahnsinn.

Ein Eisbär ist gestorben und manche Menschen vermuten besorgt einen Mord, während all die anderen Tiere in Zoos und Zirkusse aufzeigen müssen, wie beschränkt der Mensch ist. Sie werden begafft und beklatscht, während gierig Tierkadaver in Form von Bockwürsten und Dönern verschlungen werden. Es schmeckt so gut. Es ist Tradition. Wir riechen gerne Benzin. Wir haben Benzin im Blut. Funktionieren wie Maschinen, glauben an Zahlen und verleugnen unsere Gefühle. Wir asphaltieren die Erde mit Beton. Wir ersticken unsere Nachkommen mit Qualm, Dreck und Gewalt. Die Lüge ist zur Wahrheit geworden, unser Heroin ist der Arbeitsplatz, jeder der diese Ordnung stört ist ein Chaot, ein Träumer, ein Spinner, der kein Konzept hat, der unsere Sicherheit und unsere Zukunft aufs Spiel setzen will. Wir lieben unsere Peiniger, die Schreie der Hungernden, den Sound eines Sportwagens, weil wir die Entfremdung leben.

Wir sortieren unsere Klamotten, halten Wohnung und Toilette peinlich genau sauber, aber wir haben kein Problem mit dem atomaren, chemischen Müll auf dem Planeten, kein Problem mit den Hungertoten, den Kinderarbeitern, den Menschenhändlern, den Korrupten in Politik und Wirtschaft. Wir haben kein Problem damit tagtäglich in etwas zu investieren was den Planeten und alles darauf existierende zu vergiften, denn wir definieren uns als eine kranke lebensunwerte Spezies. Jeder der Vorschläge bringt ist ein Feind der systematischen Zerstörung und muss entsprechend bekämpft werden. Wir warten auf das Ende, wir freuen uns auf den Abgrund und bis dahin greifen wir ab was wir kriegen können. Unsere Kinder sind Totgeburten, sie leben weil wir zu ängstlich waren sie abzutreiben. Wer wirft schon aus Liebe, einen Menschen in so eine vermüllte, verstrahlte Welt voller untätiger, uneinsichtiger Menschen. Wohl nur Menschen die selbst untätig und uneinsichtig sind.

Was tun?

Jegliches Engagement gegen diese Zustände war mehrheitlich nichts weiter als blinder Aktionismus, eine Rennerei zu Führern, Vertretern und Betrügern. Die Wahrheit ist doch das kein Mensch, keine Partei, kein Konzern und keine Religion vollständig versteht was auf diesem Planeten passiert und was dagegen zu tun ist. Sie alle geben jedoch stehts vor es zu wissen und verkaufen Lösungskonzepte, die nichts weiter liefern können als neue Probleme. Ich brauche nicht erwähnen wieviele Menschen alleine im Kampf der Religionen um die Deutungshoheit der „Wahrheit“ starben. Also werde ich als Betrachter dieser Zustände nicht denselben Fehler begehen. Der einzige mögliche Weg ist ersteinmal mit diesen Betrügereien aufzuhören. Wir müssen endlich mal kapieren, dass die Demokratie, wie sie heutzutage als Parlamentarismus vorherrscht, eben nicht höchster Ausdruck von Freiheit ist. Die Parteien behindern sich seit Jahrzehnten gegenseitig und verpauschalisieren die Bedürfnisse und Vorstellungen von Millionen von Menschen. Parteien können schon alleine aufgrund der Organisation der Strukturen nicht den Willen der Wähler erfüllen, näheres habe ich schon in früheren Beiträgen formuliert und ist auch unter Demokratiekritikern keine Neuigkeit.

Der Kapitalismus funktioniert nicht, weil er der Profitmaximierung und nicht den Bedürfnissen der Menschen folgt. Insofern ist der Spruch aus dem Volksmund: Geld regiert die Welt, klarer Ausdruck unserer wirtschaftlichen Realität. Ich bin sicher, darüber herrscht in der Bevölkerung Einigkeit. Demzufolge muss nur noch eines erfolgen, eine breite Debatte wie man vergangene Fehler ausräumen und Alternativen aufbauen kann. Da der menschliche Verstand immerzu beschränktes hervorbringen kann, sind auch all seine Theorien über die Welt und die Wirklichkeit beschränkt. Ideologien egal ob aus Politik oder Religion müssen ins Chaos, in Verwüstung und Elend führen, je stärker sie verfolgt werden, denn sie gehen nicht mit der unendlichen Wirklichkeit konform. Man sieht es aktuell mal wieder am aktuellen Wahn, wie ich in den ersten Absätzen formuliert habe. Wenn man sich die Geschichte anschaut sind die Menschen ständig irgendwelchen „plausiblen Lügen“ gefolgt, es wird Zeit erwachsen zu werden und sich loszusagen von irgendwelchen geschlossenen Konzepten und deren Priestern.

Uns alle eint Individualität und verschiedene Grundbedürfnisse. Jeder braucht gesunde, frische Nahrung, ein Dach übern Kopf, Medizin und die Möglichkeit sich nach seinen Vorstellungen und Fähigkeiten auszudrücken. Es ist absolut möglich die Befriedigung der wirklichen Bedürfnisse der Leute dezentral, ohne Führerkult, ohne Herrschaftscliquen, ohne Gewalt und Betrug zu organisieren. Alles ist eine Frage der Kommunikation und des Willens. Aufgrund der hohen Produktivität und der Massen an Arbeitslosen, gibt es die Chance allen Menschen Lebensmittel, Medizin, Lebensraum und Platz, Sicherheit und Nährboden für sein Leben zu gewährleisten. Man muss sich beispielsweise nur mal ansehen wieviele Tonnen tagtäglich an Lebensmitteln weggeworfen werden! Die heutigen Gemeinden und Kommunen können den Staat als Vorreiter einer Räterepublik übernehmen, Betriebsräte und Gewerkschaften können die Organisation und Produktionsintensität in den Konzernen bewerkstelligen und regulieren. Größere Entscheidungen über die politische und wirtschaftliche Zukunft können von allen Menschen entschieden werden, ohne Bevormundung irgendwelcher Experten oder Vertreter.

Es wäre sofort Schluss mit den hohlen Phrasen der Politiker und Bosse. Keiner der ernsthaft bei Verstand ist hat ihnen jemals geglaubt. Es wäre Schluss mit dem Hunger in der Welt, der Umweltzerstörung und der Entfremdung der Massen. Weil alle Menschen dazu gebracht werden sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen und nicht stets durch die wirtschaftlichen und politischen Machtzentren in die Passivität gedrängt werden. Es wird Zeit laut über Alternativen nachzudenken. Das Leben ist zu kostbar um länger diesen Wahnsinn mit Verstand und Körper zu unterstützen. Es wird Zeit für branchenübergreifende Streiks und nationenübergreifende Generalstreiks. Es muss eine Wiederbelebung der revolutionären Theorien geben, die jenseits des Bürgertums, des Kapitalismus und der parlamentarischen Demokratie funktionieren. Wir brauchen offene Konzepte, in denen neue Ideen und neugeborene Menschen sich unkompliziert und unbürokratisch einbringen können. Wir brauchen die gesamte Kreativität und Kraft um die Herausforderungen der Menschheit zu lösen. Es darf keine Tabus oder Denkverbote geben die dem Fortschritt der Menschheit im Wege stehen.

Der Anarchismus ist beispielsweise so ein offenes Konzept. Es gibt keine Herrschaft durch Menschen über andere Menschen, stattdessen hat jeder die Möglichkeit seine Individualität frei auszuleben. Das ist aber kein Paradies für Mörder, denn auch Anarchisten kennen Ethik und Recht, hier muss selbstverständlich eine breite Debatte geführt werden um in der Praxis keine neuen Opfer zu produzieren. Es ist klar, das jeder Mensch der sich ausleben will, Regeln befolgen muss, aber eben Regeln die einen Sinn ergeben und uns allen zugute kommen. Wer glücklich leben will darf die Umwelt nicht vergiften und andere Menschen nicht manipulieren, damit man günstig an ihre Arbeitskraft herankommt. Wir wissen alle das der heutige Rechtsstaat mit allem zu tun, aber sicher nicht mit der Gerechtigkeit. Er ist Erfüllungsgehilfe der Ausbeutung und Unterdrückung. Ein Werkzeug der Manipulation und Kontrolle. Solche Verbrecherinstitutionen haben in einer freien und offenen Gesellschaft überhaupt nichts verloren! Insofern mal wieder der Aufruf sich für den Anarchismus, Sozialismus oder Kommunismus stark zu machen, auch wenn ich mich damit sicherlich erneut für die Staatsdiener interessant mache.

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Pornografie für die Verdammten dieser Erde

Ihr schuftet freiwillig bis ihr verreckt, Ihr wählt freiwillig wer Euch betrügt und ausbeutet, weil ihr glaubt es sei Ausdruck von Freiheit für Konzerne zu arbeiten und Parteien zu wählen. Ihr seid jederzeit korrumpierbar, jeder kann Euch kaufen, auch wenn das den Tod von Menschen, Tieren und der Umwelt bedeutet. Ihr unterstützt das Prinzip der Ausbeutung, welches Milliarden knechtet und eine elitäre Minderheit privilegiert, mit Eurer Schulbildung, Ausbildung, Karriere, Arbeitskraft, Bewusstlosigkeit, Apathie, Lethargie, Ignoranz und Schizophrenie. Ihr verschachert Euer einzigartiges, unendlich wertvolles Leben für Geld, es ist Euch egal was das bedeutet. Und selbst wenn: Eure Bedenken, Zweifel und Gefühle habt ihr längst verraten und verdrängen gelernt. Jetzt hungert ihr gelegentlich nach Leben, Zeit, Genuss, wertvollen Momenten und starken Freundschaften, wie all die anderen Verdammten dieser Erde, weil ihr eben doch nicht alles verraten, vergessen und verdrängen könnt. Ihr seid Menschen deren Träume und Bedürfnisse gelebt und wahrgenommen werden wollen.

Was wollen Konzerne?

Die Konzerne wollen Eure Arbeitskraft auspressen, das gilt immer und global, egal wie nett die Kollegen sind oder wie interessant die Arbeit ist. Daher interessiert sich der Konzern nicht für Eure Bedürfnisse, alles was ihn interessiert ist: Wie kann man möglichst effizient viel Zaster aus dem Humankapital holen. Natürlich funktioniert das auch indem man das Humankapital freundlich behandelt, es nicht mit Befehlen verschreckt und ein Dienstauto gewährt oder Überstunden bezahlt. Der Wolf kommt sozusagen im Schafspelz daher. Die Freizeit wird immer geringer und kann immer weniger ausgelebt werden, weil wir zu erschöpft aus der Arbeit kommen. Die Arbeit intensiviert sich mit zunehmender Entwicklung der Konkurrenzkämpfe an den weltweiten Märkten. Immer mehr Konkurrenten drängen auf den Markt und verkomplizieren den Verkauf von Waren, weil es zu viele Anbieter und zu wenig Nachfrage gibt. Daher gilt es z.B. auch als modern nach der Arbeit mit den Kollegen und dem Boss noch einen saufen zu gehen, dies dient dazu versteckte Arbeitskraft ausfindig zu machen, denn: Wenn man sich miteinander identifiziert, funktioniert man als Team auf dem Markt besser und hat folglich auch mehr Chancen auf höhere Profite. Nun stellt sich die Frage: Wo ist eigentlich der böse Kerl der uns auspresst? Kann man ihn gepflegt zusammenscheissen oder umstimmen? Der so genannte Kapitalist steckt mittlerweile in uns allen, aber vor allem in jenen Leuten die an Schlüsselpositionen des Kapitalismus sitzen und einfach nur ganz harmlos ihren Job machen. Das kann der Niederlassungsleiter sein, der Abteilungsleiter, die Vorstandsvorsitzenden und so weiter. Diese Leute schauen sich die ganze Zeit genau an wie die Zahlen sind und dann entscheiden sie was für den Konzern möglicherweise am besten ist. Müssen Leute rausgeworfen werden? Müssen die Leute angetrieben werden, damit sie schneller und mehr arbeiten? Wie kann man sie dazu bringen? Hierfür gibts ziemlich ulkige Lehrgänge für Führungspersönlichkeiten. Im Grunde ist das nur ein Seminar für moderne Sklavenhalter. Um die Frage zu beantworten ob man diese Leute umstimmen kann: Ja, sicher, aber das wird wahrscheinlich nur zu einer Pleite des Konzerns führen und würde das System nicht ändern. Firmenpleiten gehören zum Alltag.

Eine Welt voller Sklaven

Im Prinzip hängen also auch die Bosse und leitenden Angestellten am Busen des Kapitalismus. Ihre Jobs hängen genauso von den Profiten ab wie die Jobs aller anderen. Nur haben sie natürlich höhere Gehälter, damit auch mehr Sicherheiten, verfügen aufgrund ihrer Position über ein ganz anderes berufliches Netzwerk, welches sie in der Regel bei Insolvenz nicht in den sozialen und finanziellen Ruin führen wird. Außerdem sehen diese Führungspersönlichkeiten oft Monate vor der Insolvenz die tatsächliche Lage des Unternehmens und können entsprechend früh Maßnahmen für den weiteren Verlauf der Karriere ergreifen. Gewöhnliche Angestellte, Praktikanten, Azubis, 0 bis 400 Euro Jobber, Zeitarbeiter, Angestellte mit befristeten und unbefristeten Arbeitsverträgen haben da meist keine Chance. Es wird generell gern gehofft das sich alles „zum Guten“ wenden wird. Der Konzern wird einen schon nicht rauswerfen, vor allem nicht nach all den Jahren, nach allem was getan und investiert wurde. Die Naivität der Leute ist gigantisch. Sie glauben nur weil sie ihre Arbeitskraft verkaufen, wäre Dankbarkeit und Solidarität seitens des Konzerns zwingend erforderlich. Aber das einzige was zählt ist der Profit und wenn Angestellte die Kohle nicht mehr reinbringen, haben sie sich ganz einfach ohne murren zu verpissen. Egal ob sie sich zukünftig vom Müll anderer Angestellte und Bosse ernähren müssen, ihren Lebenspartner, ihre Wohnung oder ihren Lebenswillen verlieren. Es gibt keine Gnade in diesem System und es gibt auch keine Reformen die das jemals ändern werden, denn dazu müsste man grundsätzliche Mechanismen der kapitalistischen Produktionsweise aufheben, u.a. die Profitmaximierung.

Das Elend hat unzählige Gesichter

Man muss sich nur ansehen wie Menschen in Chile, Indien, Afrika, Brasilien, China, Ukraine, Bangladesh bzw. generell Indonesien und in vielen anderen Ländern behandelt werden. Die Konzerne wandern in diese Länder ab, weil die Löhne sehr gering sind. Die Löhne sind u.a. so gering weil diese Menschen noch nie etwas von Menschenrechten oder Menschenwürde gehört haben. Sie wissen nicht welche Rechte sie als Menschen, als Angestellte haben. Es gibt keine Versicherungen oder zusätzliche Leistungen für Gesundheit und Alter. Das freut die leitenden Angestellten der diversen Konzerne und sie investieren in diese Regionen um mit höchsten Profiten ihre Ware an den heimatlichen Märkten zu verschachern. Viele Menschen sterben dort weil es keinerlei Sicherheit am Arbeitsplatz gibt, weil es Geld kosten würde so etwas einzurichten und weil es sowieso egal ist, denn jeder Angestellte kann jederzeit durch einen nächsten armen Lohnabhängigen ersetzt werden. Menschen in Japan bringen sich nicht selten um, wenn sie ihren Job verlieren. Sie haben sich so sehr mit dem Konzern identifiziert, sie glauben ohne Job seien sie wertlos. Diese Überidentifikation konnte möglich werden aufgrund der Lohnabhängigkeit und Entfremdung. Die Menschen drohen zu verhungern, drohen den Kontakt zur Gesellschaft zu verlieren, wenn sie kein Geld haben. Dieses Geld können sie nur erhalten wenn sie die Bedingungen der Konzerne akzeptieren. Sie müssen also den leitenden Angestellten gefallen, sonst haben sie keine Chance. Somit befindet man sich als Lohnangestellter immer in einer Erpressungsituation. Das gilt nicht nur für Kinderarbeiter oder in extremen Elend lebende Hungernde, sondern auch für den Hartz IV Empfänger, einem Rentner oder einem Schüler, für die eigenen Eltern hier in Europa oder Amerika.

Das Elend in Deutschland

Hartz IV Empfänger können nicht von den Sozialabgaben leben, sie werden von den Konzernen nicht gebraucht, die Medien, Politiker und Nachbarn inszenieren sie gerne als Asoziale, dabei sind sie nichts anderes als die Hungernden dieser Welt, sie gehören zu den Verlierern im System Kapitalismus. Beobachtet mal wieviele Leute an den Haltestellen oder Stadien nach Müll suchen. Es gibt keine Jobs für alle Menschen, das ist Systembedingt, denn Jobs sind teuer und minimieren Profite. Rentner können nicht mehr von ihrer Rente leben und müssen sich Zuverdienstmöglichkeiten erschließen, meist als 400 EUR Jobber, gehen putzen oder fahren Taxi und das nach vielen Jahren Lohnarbeit. Die Politik spricht davon wie toll das ist, denn der Staat profitiert natürlich davon wenn die Leute statt für ihr Recht und Geld zu protestieren lieber arbeiten gehen. Schüler müssen ihre Noten ständig optimieren um bei Bewerbungen positiv aufzufallen. Diese jungen hoffnungsvollen Menschen werden hier erneut auf Zahlen reduziert, obwohl kein Mensch in eine Schublade passt! Ich nenne das Alltagsfaschismus der kapitalistischen Bürokratie, die übrigens auch beim Staat gelebte Normalität ist, gerade was die Arbeitsagenturen angeht. Die eigenen Eltern müssen wie die meisten Lohnabhängigen im beruflichen Alltag diversen Repressalien und Widerständen trotzen. Motzende Kunden, Zeitdruck, Termine, Verpflichtungen, Meetings, immer wieder Probleme in den Abläufen, fehlende Unterstützung aufgrund von Rationalisierungen, ignorante und arrogante Sprüche von Oberen, eine sich tagtäglich wiederholende Zermürbung des einzigartigen menschlichen Wesen findet mit unendlich vielen Nadelstichen ihren bitteren rauen Ausdruck. Unsere Eltern müssen uns quasi nebenbei großziehen und erziehen. Sie leiden selbst darunter wenig Zeit für ihr Kind zu haben. Kinder sind überhaupt eine sehr teure Angelegenheit, wer kennt sie nicht? Die Angst beim Sex, ein Kind zu zeugen was man nicht bezahlen kann? Dies muss als Armutszeugnis dieser kapitalistisch geprägten Gesellschaft verstanden werden.

Ausbeutung der Tierwelt

Tiere werden im Kapitalismus ähnlich wie die Menschen lediglich als Quelle für Profite betrachtet. Deshalb gibt es diese sehr merkwürdige Entwicklung der Massentierhaltung. Tiere die zu tausenden in abgeschotteten Hallen auf ihre Schlachtung warten, Antibiotika und Fleisch in ihrem Futter akzeptieren müssen, und später als Bioqualitätsfleisch an den Konsumenten bzw. Lohnabhängigen verschachert werden sind ganz normale Zustände. Der Preisdruck treibt die „Fleischproduzenten“ dazu immer mehr Tiere unter immer kosengünstigern, also schlimmeren, Bedingungen einzusperren. Es gibt natürlich gesetzliche Kontrollen, diese finden in der Realität aber viel zu selten statt. Egal ob in der Kosmetik- oder Textilindustrie, Forschung, Ausbeutung der Tierwelt ist allgegenwärtig. Die zunehmende Lust auf Fleisch und Milchprodukte sorgt für ein immer größer werdendes Heer von Schlacht und Melktieren und damit auch für eine wachsende Zahl von Tieren die großes Leid erfahren müssen. Die Palette der Grausamkeiten ist facettenreich, die Tiere werden bei lebendigen Leib geschlachtet, trotz aller Vorkehrungen, werden mit gebrochenen Beinen zur Schlachtung gezerrt oder müssen aus vereiterten Eutern Milch geben. Fast-Food-Ketten preisen mit ihren teuren Werbekampagnen ein sorgloses und harmonisches Verzehren ihrer Produkte an. Prominente, bei denen man nicht weiß aufgrund welcher wichtiger Leistungen sie prominent sind, starren mechanisch in die Kamera, machen auswendig gelernte Späßchen, die laut Marketingagentur am besten ankommen, zeigen ihre tolle Figur und beissen grinsend in Tierleichen. Propaganda ist allgegenwärtig, aber hier findet sie ihre absolute Vollendung u.a. auch mit einem manipulierenden Slogan der einem einreden soll was man liebt. Jeder weiß auf welche Kette ich hier anspreche, was für den Erfolg der Kampagne spricht, was wiederum viele tausend gequälte Tiere bedeuten wird. Die Menschen essen viel zu viel Fleisch, mehr als es ihnen gut tut, und uns tut nur sehr wenig Fleisch tatsächlich gut. Einmal im Monat würde so ein Burger völlig reichen. Mittlerweile haben sich die Fast Food Ketten aber wie eine Seuche verbreitet, sie finden sich in Stadtzentren, in der Nähe von Schulen, Bahnhöfen oder Stadien. Auch hier schauen sich Angestellte und Führungspersönlichkeiten die Zahlen genau an, wo können wir am meisten Geld machen? Ihre Kampagnen zielen ebenso nur darauf ab möglichst viele Menschen zu verführen. Es spielt ihnen in die Karten wenn die Menschen auf die Tiere und die Gesundheit scheißen, daran ändern ihre Alibi-Salate, glückliche-Kühe-auf-saftigen-Wiesen-Spots auch nichts.

Ausbeutung der Natur & Umweltverschmutzung

Wenn der Fleischkonsum steigt, steigt die Zahl der Tiere die geschlachtet werden müssen und damit steigt auch die Zahl der Futtermitteltonnagen. Wälder müssen gerodet werden damit Soja und ähnliches angebaut werden kann, um die Millionen Nutz- und Schlachttiere zu füttern. Würden wir in der westlichen Welt weniger Fleisch verzehren könnten wahrscheinlich tausende Menschen vor dem sicheren Hungertod gerettet werden, denn Soja könnte auch von ihnen gegessen werden. Aber da die Hungernden dieser Welt kein Geld haben, sind ihre Bedürfnisse für unser System irrelevant. Es macht mehr Sinn die Umwelt zu zerstören, Tiere mit Genen und Züchtung in immer kürzerer Zeit auf ein ertragsreiches Schlachtniveau zu bringen, ihr Fleisch und Futtermittel um die halbe Welt zu karren, horrende Energie zu verschwenden um am Ende Konsumenten mit zuviel von allem krank zu machen, die Gesundheitssysteme zu belasten und Kindern ihre Väter und Mütter zu rauben. Fettleibkeit ist eine Epidemie, die diverse Zivilisationskrankheiten auslöst. Herzrythmusstörungen, Asthma, Allergien, es gibt unzählige Beispiele. So bringt der Fleischkonsum auch eine zunehmende Verschmutzung der Umwelt mit sich. Das betrifft aber auch viele andere Produkte, egal ob Computer, Handys, Fernseher, Autos, Motorräder, diverse Lebensmittel von Kakao, Kaffee über Bananen usw. Was tagtäglich aufgrund unseres Konsumverhaltens durch die Welt gefahren, verschifft und geflogen wird, ist unermesslich. Der Ölverbrauch steigt von Jahr zu Jahr, der Hunger sämtlicher Industrienationen ist ähnlich unermesslich wie unsere Suche nach neuen Konsumerlebnissen. Wir langweilen uns weil wir unsere wirklichen Bedürfnisse nicht kennen, weil wir unglücklich sind im Job, in der Familie, in der Liebe oder mit uns selbst. Deshalb brauchen wir Ablenkung statt Lösungen. Dies führt unweigerlich zu Ölkatastrophen. Es gehört mittlerweile zum normalen Wahnsinn: Tiere die in Ölteppichen ersticken, hundertausende Liter Wasser werden zu einer giftigen Suppe die alles verklebt und abtötet. Regelmäßig laufen Tanker auf Grund oder sinken, Ölplattformen gehen in Brand oder Bohrlöcher sorgen für monatelange Verschmutzung. Wir brauchen Rohstoffe wie Öl um unsere Produktion aufrechtzuerhalten. Die Konzerne wollen jedes Jahr mehr Computer, Handys, Fernseher, Autos, Motorräder uvm. verkaufen. Dieser Energiehunger hat uns in die Atomkraft getrieben. Die Atomkraft sorgt in Fukushima für einen strahlenden Alptraum. Sogar das Meer wird nun verstrahlt. Die Technik ist nicht beherrschbar, Kritiker sagen das seit Jahrzehnten. Aber man ist verliebt in die Idee. Nachdem Milliarden investiert wurde, will man umso mehr Milliarden wieder heraus holen. Es gibt hunderte Atomkraftwerke und kein Endlager, es gibt Studien die eine Häufung der Krebserkrankungen rund um Atomkraftwerke belegen. Das sind eben Kollateralschäden. Tausende Tiere und Menschen sterben für den zweifelhaften Wohlstand der Massen. Dafür traten Politiker wie Merkel und Kohl ein. Die Zerstörung der Weltmeere, Wälder, Naturschutzgebiete, einzigartiger Lebenswelten wie auf Madagaskar gehören zur traurigen Normalität im Kapitalismus. Je mehr die Menschen sich von den Versprechen der Konzerne und Parteien verführen lassen, desto stärker werden die Bedrohungen und Zerstörungen ausfallen und fortschreiten.

Plädoyer

Wenn also Konzerne Menschen, Tiere und Natur für die Profite auf zerstörerische Art und Weise ausbeuten, bis sie nicht mehr überleben können, stellt sich doch die Frage warum all das weiter betrieben wird. Es gibt diesen Irrglauben, die Politik müsse das alles Regeln. Der kleine Mann sei ja völlig machtlos, obwohl er tagtäglich in den Betrieb rennt und seine Arbeitskraft investiert und damit die ganze Maschinerie legitimiert und am laufen hält. Manchmal denke ich: Es braucht nur einen einzigen Generalstreik und dann ist Schluss mit diesem ganzen Scheiß! Aber nein, die Leute reden sich ein, sie können es nicht ändern, glotzen daher lieber seelenlose Sport-, Sing- und Modelwettbewerbe, jammern wie dumm das doch alles ist, gehen saufen, ficken Menschen die sie nicht lieben, zeugen leere Kinder, wählen Parteien die diese ganze Situation mit Gesetzen legitimieren und prostituieren sich am Arbeitsmarkt für ein paar Kröten. Wieso machen die Leute Jobs die ihnen nicht gefallen? Warum machen sie miese Arbeitsbedingungen mit? Sie empfinden eine große Ohnmacht wenn sie die Katastrophen dieser Welt erleben. Die kapitalistische Gesellschaft hat die Individuen atomisiert. Jeder für sich, jeder gegen jeden, Ellbogengesellschaft, wir kennen die Schlagworte. Wir glauben keine Macht zu haben, weil wir bei den Wahlen unsere Stimme und am Arbeitsplatz unsere Individualität abgeben. Wir tun das aus Tradition, weil es bislang immer so gemacht wurde. Jene die dies hinterfragt haben mussten schwere gesellschaftliche Repressionen ertragen, denn die freiheitlich-demokratische Welt ist keine freie Welt. Warum musste Martin Luther King jr. sterben als er sich für die Rechte seiner Brüder und Schwestern eingesetzt hat? Oder Malcolm X? Warum musste Rudi Dutschke sterben als er beharrlich die Unbrauchbarkeit unseres politischen und wirtschaftlichen Systems anklagte und zu mehr zivilen Ungehorsam aufrief? Warum landen Anarchisten wie Jörg Bergstedt im Knast, wenn er sich im Namen von uns allen gegen Genfood einsetzt? Warum werden Menschen in gesellschaftskritischen Projekten von Spitzeln selbst in ihrem Bett überwacht? Warum erhalten dagegen Politiker wie Roland Koch, der in seinen Wahlkämpfen mit ausländerfeindlichen Parolen auffiel, das Bundesverdienstkreuz? Warum wünscht sich der bayrische Minister Seehofer Betrüger wie Guttenberg an der politischen Spitze? Es gibt ganz offensichtlich Interessengegensätze in dieser Gesellschaft deren Hintergründe nur in zeitintensiven Recherchen begriffen werden können. Meine Ausführungen können diesbezüglich nur unzureichend sein. Aber ich appelliere an jeden Leser sich undogmatisch und ohne Tabus die Zustände dieser Welt anzusehen und darüber zu reflektieren. Es muss unser gemeinsames Anliegen sein nachhaltige und wirksame Alternativen und Veränderungen voranzutreiben. Es kann nicht sein das die Ausländer, der Islam oder Sozialhilfeempfänger zum Problem erklärt werden, Hetze betrieben wird statt Aufklärung und Dialog, unser tatsächliches Problem ist ein globales, nämlicher der Kapitalismus und gegen ihn muss mit allen friedlichen Mitteln gekämpft werden.

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Unser politisches und wirtschaftliches System ist unbrauchbar

Wenn man sich die Frage stellt, inwieweit unsere Demokratie noch funktioniert, so ist es vorallem wichtig sich nicht in Pauschalisierungen zu ereifern. Die Politiker lügen und betrügen, ja, aber nicht alle. Die Wirtschaft beutet aus, aber nicht nur. Die Wirtschaft hat uns in ihrer kapitalistischen Form materiellen Wohlstand gebracht, gleichzeitig ist dieser Wohlstand jedoch nur durch die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft möglich geworden, was ein hoher Preis ist. Wenn man davon spricht wie oberflächlich, krank und bewusstlos die Menschen sind, dann ist auch das nicht die volle Wahrheit. Vielen ist klar das die Demokratie konkrete Probleme nur punktuell und nicht sonderlich tiefgreifend löst. Atomkraftwerke werden nicht sofort abgeschaltet, weil ein Restrisiko besteht oder weltweit kein einziges Endlager existiert. Die Arbeitslosen und Hungernden dieser Welt bekommen keine Perspektive, keinen Job, kein Brot. Es gibt zahllose Problemherde die sich über Jahrzehnte und länger festgesetzt haben. Wahlen verändern daran nichts, warum eigentlich? Warum beutet die Wirtschaft Menschen aus? Warum wird Arbeit intensiver je mehr rationalisiert wird? Weshalb betrachtet man immer die anderen Menschen als Konsumzombies, ohne sich selbst einzuschließen? Es gibt hier ganz klare Verbindungen die nicht mit Vorurteilen oder wilden Verschwörungstheorien erkannt werden können. Die Politiker sind keine Übermenschen, die die Weltherrschaft an sich reissen wollen, um die Gesellschaft mit ihrem Gewaltmonopol für immer zu unterwerfen. In der Regel glauben sie einer guten Sache zu dienen, sie wollen das Gute, sie streben nach dem Guten. In der Wirtschaft denkt sich der Konzernleiter nicht haarklein aus, wie er seine Mitarbeiter noch mehr quälen und auspressen kann, um weitere überteuerte Konsumprodukte für den Privatgebrauch zu verwenden. In der Regel glauben auch die Bosse, einer grundsoliden guten Sache zu dienen. Wächst die Wirtschaft, gewinnen alle Menschen, ist der allgemeine Duktus unserer Ökonomie. Und was ist mit den restlichen Menschenmassen auf diesem Planeten? Sie wollen das beste aus ihrem Leben machen, es genießen und möglichst reich ausschöpfen, sodass sie am Ende sagen können, sie hätten wirklich gelebt.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Was ist gut? Ist es gut sich bei den Wahlen zwischen Parteien entscheiden zu können, die sich inhaltlich immer weniger unterscheiden? Alle Parteien gleichen sich immer mehr an, weil sie alle, sofern sie in eine Regierungsbeteiligung geraten, vor der Realisierung ihrer politischen Inhalte, den Haushalt konsolidieren müssen. Daher müssen erst einmal die finanziellen Aspekte geklärt werden, bevor die Parteisoldaten die Gesellschaft bewusst gestalten können. Die Politik räumt dem Kapital also die größte Bedeutung ein, sie legt ihre eigentlichen Inhalte beiseite um die wirtschaftliche Funktion der Konzerne innerhalb der nationalen Grenzen zu gewährleisten und sicherzustellen. Da sich diese Aufgabe in den letzten Jahrzehnten durch die Krisen immer weiter verkompliziert hat, rückt sie immer mehr in den Mittelpunkt und füllt mittlerweile das Hauptaugenmerk der Politiker aus. Erst kommt die Ökonomie, danach die Ökologie, das Soziale, die Kultur und so weiter. Es gibt aber noch einen weiteren Punkt: Selbst wenn die Parteien ihre Inhalte besprechen und Stück für Stück umsetzen könnten, wird es immer Millionen von Menschen geben, die ihre Bedürfnisse als nicht befriedigt sehen müssen. Meinungen werden durch Parteien verpauschalisiert. Du willst sofort aus der Atomkraft aussteigen? Wähl die CDU, die will die Atomkraft auch abschaffen, aber eben erst in ein paar Jahrzehnten. Du willst keinen Krieg? Wähl die Grünen, die wollen auch keinen Krieg, aber nur solange er nicht wichtig für die Demokratie ist. Ständig werden konkrete Forderungen durch die politische Realität aufgeweicht und sogar ins Gegenteil verkehrt. Die Unterschiede zwischen Realität und Wunschvorstellung klaffen weitauseinander. Man sieht es bei jeder Wahl: Es wird alles versprochen was dem menschlichen Verstand logisch erscheint. Die Bürger gewinnen die Hoffnung endlich Erfüllung durch eine bestimmte Partei zu finden und dann, kaum ist die Wahl vorüber, wird beschwichtigend formuliert. Egal ob Steuern, Sozialsysteme, überall muss plötzlich ein Kompromiss gefunden werden, wie aus heiteren Himmel erscheint den Politikern die Lage viel schwieriger als noch vor Tagen oder Wochen. Man hat es auch in den letzten Wochen wunderbar am Beispiel von Kanzlerin Merkel erkennen können. Kaum explodiert ein Kernkraftwerk, hat sich für sie die Lage auf wundersame, plötzliche Weise verändert und Kernkraftwerke können unverzüglich abgeschaltet werden, was die letzten Jahre als Katastrophe für die Stromversorgung galt. Obendrein ist mindestens seit den 70ern klar, das Atomkraftwerke von Naturkatastrophen und Terroranschlägen heimgesucht werden können.

Diese üblen Verrenkungen finden deshalb statt weil Politiker eben ihre Prinzipien dem Kapital unterordnen müssen. Klar, es mag auch Politiker geben die das Kapital per se für eine gute Sache halten. Aber grundsätzlich müssen auch Kapitalismuskritiker in Parteien an der Regierung so verfahren, sonst können sie nicht regieren ohne das Land an die Wand zu fahren. Jedenfalls ist die Atomkraft vorallem deshalb so wichtig für dieses Land weil über Jahrzehnte enorme Summen durch den Steuerzahler verprasst wurden, und diese mit den horrenden Gewinnen der Konzerne über Steuereinnahmen zumindest teilweise und irgendwann zurückfliessen sollten. Daher erschien es Merkel sinnvoll die Verlängerung dieser riskanten Technologie zu beschließen. Natürlich ist ihr klar das jede Menge Risiken vorhanden sind. Helmut Kohl äußerte sich vor kurzem ganz ähnlich, Atomkraftwerke seien riskant, aber im Leben sei eben nichts ohne Risiko. Hier wird ganz offen mit der Sicherheit und Gesundheit von hunderten Millionen Menschen gespielt, um die Kapitalinteressen der Energiekonzerne und des Staates zu schützen und zu sichern. Es ist absurd eine solche Behauptung aufzustellen, denn Atomkraft ist ein Risiko welches vermeidbar ist, das Leben hingegen muss ertragen werden bis es sein Ende findet. Radioaktivität ist quasi eine menschliche Kopfgeburt die uns nun die saftige Landschaft in apokaylptische Wüsten zu verändern droht. Ich weiß nicht ob Merkel oder Kohl irgendein Prinzip haben, jedenfalls steht in der Partei CDU, welcher beide angehören, vorallem ein C für christlich bzw. das Christentum, für Nächstenliebe und so weiter. Wenn man mal von den Kreuzzügen, Hexenverbrennungen und allerlei mehr organisierten Wahnsinn absieht, dürfte es uns allen doch reichlich schwer fallen Millionen verstrahlte Menschen und Quadratkilometer als Ausdruck von innerster Menschenliebe zu verstehen. Daher ist ganz klar diese Irrationalität an der Kapitalismusgläubigkeit festzumachen. Die Politiker gehen ungefähr demselben bereits genannten Trugschluss nach, wie die meisten Konzerne und die darin aktiven Menschen. Sie glauben in der Tat, wenn die Wirtschaft wächst gewinnen alle Menschen.

Das Problem dabei ist aber das die Wirtschaft nicht unendlich wachsen kann ohne die Menschen, die Tiere und die Umwelt auszubeuten und zu zerstören. Es ist ein Grundübel dieser Wirtschaftsweise die auch nicht durch die oberflächlichen Lösungen der Parteien gelöst werden kann. Am schlimmsten sind Parteien wie die Grünen die einen ökologischen Kapitalismus, einen grünen Kapitalismus propagieren, einen Kapitalismus der von Fairtrade schwadroniert und Konsumbewusstsein. Genau auf der selben schlimmen Ebene bewegen sich Konzerne wie Google die die Arbeitsplätze zu Spielhallen und Erlebnisparks machen um noch mehr versteckte Arbeitskraft ausfindig und nutzbar zu machen. Fakt ist nunmal das die Profitmaximierung eine Notwendigkeit in unserer globalen Weltwirtschaft ist. Es gehört zwingend zum 1 mal 1 so wenig wie möglich für Dinge auszugeben die die Profite nicht erhöhen. Am besten sollte man als Unternehmer keinen Cent für die Umwelt oder die Mitarbeiter ausgeben. Mit der gesellschaftlichen Entwicklung und Bewusstseinsteigerung kam es aber immer wieder zu schweren Kämpfen und Auseinandersetzungen die es fertig brachten Umweltschutz und Tariflöhne als Norm zu etablieren. Aber auch das befindet sich immer zur Disposition. Die Zerstörung und Ausbeutung war immer auf einem viel zu hohen Niveau, nach einigen Fortschritten befinden wir uns mittlerweile in einer Situation die als worst case definiert werden kann. Schlimmer kann es zwar schon noch kommen, aber wir sind andererseits auch auf dem besten Weg dieses schlimmste Szenario möglichst bald zu realisieren.

Der Regenwald wird genauso wie viele andere Wälder in den USA, Russland oder China ohne jegliche Nachhaltigkeit wild gerodet, weil die armen Menschen keine andere Möglichkeit zum ‘Überleben haben, als eben durch den Verkauf von uralten wertvollen Holz zu völligen Dumpingpreisen. Überall wird auf diesem Planeten nach Rohstoffen gebuddelt. Egal ob es um Gold, Silber, Coltan, Kupfer oder Öl geht, der Hunger nach Rohstoffen ist unbegrenzt denn diese bilden die Grundlage für die Produktion von noch mehr Produkten, um noch mehr Profite daraus schöpfen zu können. Es gibt unzählige illegale bzw. wilde Minen, Kaffee- und Kakaoplantagen in denen Kinder und Erwachsene für Hungerlöhne ihre Gesundheit ruinieren. Auch ist es mittlerweile üblich das tausende Menschen auf Müllbergen nach verwertbaren Resten kramen um sich irgendwie ihr geschundenes Leben zu sichern. Auf der anderen Seite gibt es uns Westeuropäer, wir gehören noch zu den Gewinnern des weltweiten Kapitalismus. Wir stehen auf der vermeintlich richtigen Seite. Trotzdem tragen wir unseren Teil zum Heer der Millionen Arbeits- und Perspektivlosen bei. Es gibt tausende die auf der Straße leben, von den Ämtern aus Kostengründen keine Hilfe erhalten, gerade bei Suchterkrankungen und schweren Schicksalsschlägen die nur durch jahrelange Therapie zu bewältigen sind. Es gibt Millionen Menschen die in Hartz IV Verhältnissen ihr bescheidenes Dasein verleben. Sie versinken in Verzweiflung, Einsamkeit, Apathie, Lethargie, Traumatas, den Verurteilungen der Politik und der für die Profite arbeitenden Bevölkerung. Sie gehen zu der Treberhilfe, zu den Tafeln, kramen im Müll der Wegwerfgesellschaft, lassen sich auf Ämtern und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen erklären wie man zu arbeiten und zu leben hat. Sie mögen nicht verhungern, aber ihr Leben können sie nicht entfalten, genauso wie die Menschen die verhungern müssen, die keine Schule besuchen können, die an verunreinigten Wasser und heilbaren Krankheiten sterben. Ihr Leben ist umsonst geboren worden weil ihre Arbeitskraft nicht gebraucht wird. Und jene Menschen die das zynische Glück haben sich als willenlose Nutte auf den Märkten der Industriegesellschaften zu verkaufen ächzen unter den massiven Belastungen die das moderne Wirtschaftsleben mit sich bringt.

Ist ein gewöhnlicher Angestellter, ein Vorstandschef eines Dax-Konzerns eine willenlose Nutte des Kapitals? Selbstverständlich. Man könnte auch sagen das wir alle Kapitalsoldaten sind, oder hörige Gläubige des schnöden Mammons. Letztlich läuft es auf dasselbe hinaus, wir ordnen wie die Politiker als Wirtschaftssubjekte unsere Interessen und Bedürfnisse dem Kapital unter. Wir sehen im Dienst der Profitmaximierung auch die Befriedigung unserer Bedürfnisse, was eindeutig schizophren ist, denn immer weniger Geld für immer mehr Arbeit zu erhalten, kann nicht unser eigentliches Streben und im Interesse unserer Bedürfnisse sein. Warum aber machen wir es trotzdem mit? Es gibt außer dem sozialen Abstieg keine Alternative. Wer an der Gesellschaft wenigstens ein bisschen teilhaben möchte, der muss arbeiten, der muss sich verkaufen. Es gibt genug Menschen die sagen, Arbeit sei etwas positives. Wer arbeitet könne sich verwirklichen und gleichzeitig die Gesellschaft mitgestalten. Aber das ist eine illusorische und dreckige Lüge. Denn das Kapital bestimmt worin sich der Mensch verwirklichen kann, das Kapital sagt inwieweit eine Gestaltung möglich ist. Hast Du kein Geld kannst Du dir nicht Klamotten kaufen mit denen Du Individualität vorgaukelst. Bist Du nicht leistungsfähig, erhälst Du kein Geld und bist von Almosen der sogenannten Leistungsträger abhängig. Bei letzteren Beispiel wird Dir als Arbeitsloser sozusagen das Recht auf Selbstbestimmung genommen. Wir wollen unsere Firma nach vorne bringen, wir wollen das die Abläufe im Betrieb reibungslos funktionieren, wir wollen als Angestellte funktionieren damit wir stolz auf uns sein können. Wir leisten etwas und erhalten dafür Geld. Das sind die üblichen Glaubensbekenntnisse. Wenn man das ohne diese duckmäuserischen Phrasen betrachtet kommt folgendes heraus: Jeder Betrieb im Kapitalismus dient dem Kapital und damit auch alle seine Abteilungen und zugehörigen Angestellte. Alles wird präzise auf die Profitmaximierung abgestimmt. Jedes Bewerbungsgespräch belegt es eindeutig, der Personalchef guckt sich das junge Mädchen, das gerade aus der Schule kommt, genau an. Ist sie fleissig, ist sie zuverlässig, kann sie sich im Team einfügen, ist sie eine Person die zur Effizientsteigerung der Maschinerie beitragen kann? Das was in den Schulen schon mit dem lernen von Bewerbungsschreiben anfängt, nämlich das saubere pedantische Formulieren von wirtschaftlichen Fähigkeiten, soll letztlich im ausbeutenden Betrieb seinen vollen lebenslangen Ausdruck finden. Hat man es dann geschafft einen der begehrten Arbeitsplätze zu ergattern muss man sich 11 Monate des Jahres Tag für Tag stundenlang dem Profit unterordnen. Jede Tätigkeit im Betrieb ist darauf ausgerichtet möglichst schnell, ordentlich und kostenorientiert erledigt zu werden. Jede Pause, jedes private Gespräch, jeder Besuch auf einer privaten Homepage, jedes nicht begreifen eines betrieblichen Umstandes wird als Kostenfaktor betrachtet. Wer am Markt bestehen will muss seine Mitarbeiter im Griff haben, sie müssen sich täglich immer stärker an die Marktsituation anpassen. Sie müssen Kunden umgarnen und hinzugewinnen, Probleme unverzüglich mit Kollegen abklären und regeln, sie haben den ganzen Tag nichts anderes zu tun als Kosten zu minimieren und Gewinne zu maximieren. Kann man darauf als Angestellter stolz sein? Gestaltet man damit das eigene Leben so wie man es sich vorgestellt hat? Ist das die Realisierung der Wünsche, Träume und Bedürfnisse aller Menschen?

All das kann in den Branchen auf unterschiedlichste Art und Weise stattfinden, aber letztlich funktionieren sie alle nach dem selben Prinzip. Egal ob im Discounter als Verkäufer, oder als Mechaniker in der Werkstatt, oder als Manager in einer Bank, es gilt immer die Tätigkeit möglichst schnell, ordentlich und kostenorientiert zu erledigen, Kosten zu minimieren und Gewinne zu maximieren. Und unterm Strich sagen sich die meisten Menschen in der Wirtschaft, wenn wir hart arbeiten gewinnen wir alle. Das ist aber nicht korrekt. Selbst wenn sich alle anstrengen, ihre Arbeitskraft und Arbeitszeit voll ausreizen, bedeutet das am Ende nicht eine Steigerung der Konzernerträge und Löhne oder eine Entfaltung der persönlichen Bedürfnisse und Vorstellungen. Es gibt unzählige Faktoren die ich nun nicht näher schildere, ich sage nur wie es letztlich Tag für Tag als Resultat für uns alle daher kommt: Es gibt Gewinner und Verlierer am Markt. Genau dieses Prinzip sorgt dafür das Menschen ihre Jobs verlieren, Betriebe ihre Niederlassungen schließen oder ins kostengünstigere Ausland verlagern, das der Niedriglohnsektor wächst, Arbeitslose arbeitslos bleiben, Profite an Minderheiten weitergereicht werden. Die Verlierer haben eben laut der unsichtbaren Hand des Marktes versagt, egal wie hart sie gearbeitet haben, oder wieviel der Manager studiert hat. Der Markt hat immer Recht, er ist quasi das Medium des Kapitals, durch ihn spricht das Kapital zu seiner Glaubensgemeinschaft. Das Kapital ist in ständiger Bewegung und führt ein unkontrollierbares Eigenleben. Es wird teilweise von Politikern wie Horst Seehofer ehrfürchtig „Monster“ genannt, welches man „irgendwie im Griff“ haben müsse. Das Kapital sucht sich den idealen Nährboden für das eigene Wachstum. Wenn viele Millionen Menschen in Hunger, Elend, Arbeits- und Perspektivlosigkeit leben, ohne Chance auf nachhaltige Veränderung, während gleichzeitig weitere Millionen zu Dumpinglöhnen und mittelmäßigen Löhnen zehntausende Stunden pro Leben schuften, gibt es natürlich auch eine Minderheit die als Gewinnerseite betrachtet werden darf. Sie hat es geschafft sich entweder aus einer prekären Situation zu befreien und aufzusteigen, was recht selten ist, schliesslich können nicht alle gewinnen, oder ihre vermögende Situation weiter auszubauen, entweder durch kluge Finanzanlagen, Erbschaft oder verstärkte Ausbeutung im Konzern. Dies ist es was ein Karl Marx als Klassengesellschaft definiert hat und sie besteht nach wie vor. Während Milliarden Menschen kaum etwas verdienen trotz horrender Produktivität, verdienen einige wenige Menschen Milliarden von Dollar indem sie die Produktivität der Menschenmassen über das Eigentumsrecht ausbeuten. Die Konzerngewinne steigen, aber die Löhne stagnieren. Während auf der einen Seite des Globus horrende Reichtümer gefeiert werden, verrecken andere im Nichts. Dies ist der normale Wahnsinn im Kapitalismus. Dies ist die Marktwirtschaft die alle Parteien mit ihrer Politik unterstützen, die alle Konzerne mit ihrer tagtäglichen Betriebsführung fortführen und verschlimmern. Alle wollen das Gute machen aber mit ihrem Handeln aber das genaue Gegenteil. Jeder liebe Kollege, jeder nette intelligente Chef, ist ein Zerstörer dieser Welt.

Vielen Menschen ist diese recht einfache Tatsache nicht bewusst. Manchen ist diese Tatsache vielleicht eher bewusst als anderen und noch weniger Menschen sprechen das letztlich auch einmal aus. Daher erscheint es oft so als ob viele Menschen die Situation einfach akzeptieren und ihr Leben recht willenlos vergeben. Aber ich denke das die Unzufriedenheit und Skepsis schon immer recht hoch war. Kein Schulkind mag die Schule, schon aus reinem Instinkt. Das Leistungsstreben gehört nicht zu unserer Natur. Natürlich wollen wir uns ausprobieren und Dinge ausreizen, aber wir brauchen nicht zum Sieger gekürt werden um uns glücklich zu fühlen. Kein Angestellter, kein Boss mag seine Tätigkeit aus dem selben Grund. Es mag Ausnahmen geben, aber auch diese Menschen werden bestätigen müssen, dass sie den Spaß an der Arbeit verlieren wenn es nur noch ums Geld geht. Und das geschieht ganz automatisch weil der Konkurrenzkampf sich im Verlauf der ständigen Wiederholung der kapitalistischen Produktion verstärken muss. Kein Profit ist hoch genug und keine Rationalisierung ist rational genug. Alles muss noch schneller, noch besser, noch kostenorientierter gemacht werden. Alle Kosten müssen noch mehr minimiert und alle Gewinne müssen noch mehr maximiert werden, denn nur so kann das wirtschaftliche Überleben eines Betriebes gesichert werden und damit auch der eigene Job, die Familie, das gesellschaftliche Miteinander und die Teilhabe an der Gesellschaft. In der Wirtschaft arbeiten wir den ganzen Tag nur gegeneinander und die Politik legitimiert das mit ihrem Staat, mit ihrem Gewaltmonopol und der Justiz. Im Kapitalismus wird es immer Krisen geben denn wir sind als Menschen nunmal nicht perfekt. Wir sind endliche begrenzte Lebewesen und können daher der Profitmaximierung niemals gerecht werden. Die Rohstoffe gehen zu neige, das wird automatisch auch endlose Krisen für die jetzige kapitalistische Produktionsweise geben. Vielleicht kommt irgendwann der „grüne Kapitalismus“, aber das wird nichts an der Profitmaximierung und der Ausbeutung der Menschen ändern. Es werden weiterhin Menschen verhungern nur weil sie kein Geld haben, nur weil sie keine Arbeit haben. Die Massenmedien werden sich dieser Problematik weiterhin nur beiläufig widmen, schliesslich belebt es nicht gerade die Quote und den Konsum stetig die Hungertoten zubeklagen, auch wenn das dringend erforderlich wäre! Die Politik wird weiterhin vorwiegend darauf achten den Haushalt zu konsolidieren und die Wirtschaft als solche in die Zukunft zu führen. Eine grundlegende Veränderung wird durch die parlamentarische Demokratie niemals stattfinden, sie müsste quasi mit ihren Parteien über sich selbst hinauswachsen und bislang grundlegende Mechanismen und Machtstrukturen verlassen. Wir sehen anhand der letzten Jahrzehnte wie unmöglich es erscheint innerhalb der parlamentarischen Demokratie eine Überwindung des Kapitalismus zu realisieren. Denn leider ist der Staat elementarer Teil des Kapitalismus und verbietet sogar in seinen Gesetzen friedlich Veränderungen anzustreben. Wir können in der Politik schlussendlich wählen was wir wollen, die Entfaltung unserer Persönlichkeiten wird dadurch niemals realisiert werden können, damit ist der Hölle auf Erden weiterhin Tür und Tor geöffnet.

Das alles ist nicht richtig und kann nicht richtig werden. Wir dürfen das nicht mehr zulassen. Es ist wichtig dem eigenen Gewissen zu folgen. Lasst Euch nicht von Zeitfressern verführen. Das Fernsehen sendet auch gesellschaftskritische Beiträge, schaut lieber 3sat, Arte, Phoenix und Co. wenn ihr schon nicht völlig auf die Berieselung verzichten wollt. Es wäre zumindest ein Anfang. Macht kleine Schritte, nähert Euch vorsichtig Pionieren des antikapitalistischen und antiautoritären Denkens. Habt keine Vorurteile, keine Tabus, vertraut keinem Experten, keiner Ideologie, keinem Konzept das für alle funktionieren soll. Keiner hat das Rezept das uns alle heilen und retten wird! Der Weg unserer Zivilisation muss ein offener und experimenteller sein. Wir müssen jedem Menschen die Möglichkeit geben sich in dieser Gesellschaft frei und unkompliziert zu verwirklichen. Bislang stehen wir selbst uns im Weg weil wir einen Staat organisieren, legtimieren und dem Kapital folgen. Unsere Ohnmacht ist die Macht des Kapitals und des Staates. Wir sollten nicht akzeptieren das täglich tausende Menschen verhungern, Milliarden Menschen sich nicht verwirklichen können und der Planet immer mehr unbewohnbar wird. Es ist unsere Aufgabe den nächsten Bewusstseinssprung zu realisieren. Wir müssen dafür sorgen das nicht das Kapital sondern unsere Bedürfnisse die Gesellschaft regieren und gestalten. Wir müssen unsere Vorstellungen bewusst ergreifen und tatkräftig umsetzen und verteidigen. Niemand kann uns das abnehmen. Es ist daher erforderlich sich nicht in diesen Katastrophen einzurichten. Wer glaubt er könne glücklich sein zwischen Hungertoten, Müllbergen und verstrahlten Todeszonen der muss ein kranker, blinder Mensch sein, welcher dringend eine Psychotherapie benötigt. Wir sollten uns nicht mit den Rollen begnügen die aus reiner Tradition aufrechterhalten werden. Wir sind nicht einfach nur Angestellte, Schüler, Arbeitslose, Politiker, Manager, sondern grundsätzlich und zu allererst Menschen. Und als solche haben wir unseren Bedürfnissen zu dienen. Aber wie unsere eigentlichen Bedürfnisse aussehen muss erst noch auserkoren werden. Jeder von uns muss sich die Frage stellen was er zum Leben braucht. Ist es nötig 3 Fernseher, 2 Spielkonsolen, 10 Zigarettenschachteln, 2 Autos zu haben? Macht es glücklich im Büro sich von Kunden anschreien zu lassen? Ist es sinnvoll Arbeit nach den Profiten auszurichten? Ist es erforderlich den Politikern zu glauben, sie zu wählen obwohl man noch nie mit ihnen persönlich gesprochen hat? Es gibt etliche Möglichkeiten seine Bedürfnisse herauszufinden. Ich kann hier unmöglich eine Beschreibung darüber abliefern, es ist Euer Job oder vielmehr Dein Job, als Leser, als Mitmensch, als Zeitgenosse zu gucken was Dich reizt und belebt. Und ich bin sicher es ist nicht das unaufhörliche ausbeuten der Arbeitskraft für einen lumpigen Lohn, die Verschwendung der Lebenszeit mit unnützen Prüfungen in der Schule die nichts mit den Herausforderungen des Lebens gemein haben usw. Natürlich muss es eine Organisation geben in der wir uns auch herausfordern können, aber es sollte erlaubt sein das Leben mit faulenzen zu verbringen wenn es einen glücklich macht.

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Ein Leben in der Hölle

Angesichts der Menschenmassen zwischen Rolltreppen, Beton und Metall kann man schon in Verzweiflung verfallen. Hübsche, hässliche, dumme, schlaue Menschen ziehen eilig aneinander vorbei, haben Termine und Ziele, telefonieren, spielen mit dem Handy, reden über Partys oder Geschäftliches. Soviel Getue als ob alles seine Ordnung hätte. Egal wie sie sind, sie sind vorallem Konkurrenten. Sie konkurrieren um einen Platz an der Sonne. Irgendwie glauben sie fest daran auf dem besten Weg zu sein. Gut, manchen ist klar sie sind nicht auf der idealen Linie und sind dementsprechend drauf. Andere, Bettler und Obdachlose die auch zum alltäglichen Bild gehören, haben längst aufgegeben und sich mit dem Abstieg angefreundet. Doch die anderen kämpfen noch und versuchen die Armut in ihrem Alltag zu verdrängen. Schicke Klamotten, dicker Schmuck, aufwändiges Makeup, können nicht über diese innere Leere hinweg täuschen. Was macht deren Leben schon aus? Das sind lediglich Konsumzombies, Verbraucher, Konsumenten, Arbeitnehmer, Funktionsidioten die am liebsten Maschinen wären. Ständig wird an irgendetwas gearbeitet, an der Karriere, am Outfit, am Körper, an der Beziehung oder an der Wohnung. Zutun gibt es immer irgendetwas. Es gibt immer die Möglichkeit sich auszublenden. Für viele ist das eine derart normale Gewohnheit, für sie ist das Leben. Für mich ist es ein Alptraum. Wie kann man Staus, überfüllte U-Bahnen, Fast-Food-Restaurants, Discounter und Bürogebäude ertragen? Wieso akzeptieren wir die permanentene Normierung und damit Zerstückelung unseres Lebens? Der ganze Alltag besteht darin vor Automaten, Maschinen zu warten, sie zu bedienen und am liebsten würden wir das auch mit allen Menschen so machen. Wohin soll uns das Ganze führen? Stellt sich überhaupt jemand diese Frage? Großstädte sehen für mich so aus als könnten sie jeden Moment explodieren oder implodieren. Da werden Katastrophen verwaltet und verdrängt. Menschen wühlen im Müll und einen halben Meter weiter küsst sich ein junges verliebtes Paar, streichelt eine Mutter ihr Kind, nuckelt ein Penner an seinem Bier, fährt der Lamborghini eine Taube platt. Diese Zustände die unerträglich sind werden von anderen gar nicht gesehen weil sie nur Augen für ihr Leben und ihr Nest haben. Sie klammern sich regelrecht an die minimale Portion Glück und Hoffnung die ihnen noch geblieben ist, sei es der Partner oder das Kind oder ein bestimmtes Hobby oder ein bestimmter Job in dem sie noch irgendwie erfolgreich sind oder Freude haben. Aber ringsherum sind offensichtliche Beschädigungen des sozialen Gefüges am ausbrechen. Die Seuche der Ignoranz und Gier greift um sich während die Leute immer noch glauben all das wird sich noch zum Guten wenden. Aber nichts wird dahingehend passieren. Wir sind verloren weil wir uns selbst verloren haben. Wo ist denn noch der Bezug zur Natur in einem U-Bahn-Schacht? Wo ist denn noch die Liebe zu den Elementen in abgeschotteten Bürogebäuden? Es ist gräßlich und traumatisierend. Wer dies akzeptiert und darin funktioniert ist die Krebszelle die diesen Organismus namens Erde vergiftet und zerstört. Man muss rebellieren. Man muss sich weigern zu funktionieren. Es ist erforderlich auf die Entfremdung und Ignoranz hinzuweisen. Manche Menschen besaufen sich in aller Öffentlichkeit um völlig kaputt in irgendeiner Ecke zu verrotten, es sind Obdachlose, es sind Punks, es sind auch ganz einfache Leute die in ihrer Freizeit zuviel Party gemacht haben, – sie alle setzen ein Statement: Sie können das alles nicht mehr ertragen ohne eine ordentliche Portion Selbstzerstörung. Alkohol ist Nervengift. Nikotin hat eine ähnliche betäubende und zerstörende Funktion. Und der ganze Zucker und das Fett in den Lebensmitteln haben auch eine äußerst beruhigende Funktion. Ich denke das macht den Erfolg von Junk und Fast Food genauso aus wie von Zigaretten, Alkohol und sonstigen Geschichten mit ähnlicher Wirkung. Ablenkung, die Suche nach dem Ruhepol, der Quelle an der man wieder Kraft auftanken kann und zu alter Stärke finden kann, all das verbindet viele Menschen. Es ist kaum zu glauben wie ähnlich wir uns alle sind. Wir versuchen uns zu unterscheiden mit Klamotten, Autos, Erfolgen, aber das ist alles nur oberflächlich, denn in Wahrheit sind wir alle gleich was grundlegende Bedürfnisse angeht. Wir brauchen Anerkennung, Nähe, Vertrauen und Stabilität. Aber wir entziehen mit unserem bewusstlosen Dasein die Grundlage die für die Befriedigung dieser Bedürfnisse erforderlich ist. Wer kapitalistisch lebt, also nur für die Profite arbeitet und dieses Muster der Leistungsintensivierung und -maximierung verfolgt, zerstört nicht nur sein eigenes Leben, er zerstört überhaupt das Leben an sich. Er ignoriert nicht nur die Vielfalt, er zerstört die Bedingungen für die Entfaltung von Vielfalt. Wer sich den Rationalisierungen unseres wirtschaftlichen und politischen Systems unterordnet darf nicht damit rechnen das er in Zukunft glücklicher wird.

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Industriegebiete sind Kriegsgebiete

Aus allen Ecken strömen die Fahrzeuge, die Menschen mit ihren Partnern, Familien zu den Discountern. Sie schieben sich mit Einkaufswägen und Nachwuchs durch die Regale, greifen nach Angeboten und Fertigprodukten. Eingeschweißte Tierkadaver werden als herzhafte Schinkenstückchen angepriesen. Die Mütter streiten mit quengelnden Kindern, die Väter jammern alles tragen zu müssen, die alleinlebenden Rentner eiern still mit dicker Brille und zotteligen Haaren durch die Gänge. Ich weiß wie immer nicht was ich nehmen kann. Die bunten Bilder, die frechen Sprüche, die winzigen Inhaltsangaben befremden mich. Was soll ich damit anfangen? Ständig lautert mir einer auf, gehetzte Leute drängeln sich links und rechts an mir vorbei. Kein schöner Ort. Von den Kassierinnen wirken manche kampferprobt, andere abgekämpft. Sie wechseln sich gegenseitig mit den Raucherpausen ab. Sie stehen dann neben dem Haupteingang und ziehen nervös am Stengel, während neben ihnen die Einkaufswägen krachen, die Autos vorbeiknattern und das ganze Grau sich über den ganzen Tag ausbreitet. Desillusioniert gehe ich zu einem anderen Discounter. Dasselbe Bild drängt sich mir auf. Beim Lieferanteneingang zieht eine junge Angestellte mit zugekniffenen Augen an der Kippe während sie von einem Bein aufs andere hüpft. Ständig kommen mir Fahrzeuge aus allen Richtungen entgegen. Passanten, Fahrradfahrer, Mütter mit ihren Kinderwägen mitten im Industriegebiet, mitten im Nirgendwo. Betonlandschaften, Blechlawinen, nasser Schauer und rauer Wind, Millionen Kieselsteine auf Asphaltwüsten. Grell  grüßt das Logo des Discounters untermalt von dudelndem Chartbrei aus mickrigen Lautsprechern am Eingang. Es gibt eine Bäckerei und eine Poststelle die im Discounter integriert ist. Die Mitarbeiter arbeiten flink und angestrengt daran die Menschentrauben vor den Kassen zu bewältigen. Ich irre durch die Warenvielfalt und verzweifle. Nichts scheint offensichtlich gesund und lecker zu sein. Überfordert versuche ich zu fliehen. Die Kassen sind verstopft. Eine weitere wird eröffnet. Eilig rammeln die Leute zur freien Kasse. Plötzlich sehe ich zum ersten Mal etwas was mir gefällt. Etwas das Hoffnung auf das Paradies erlaubt. Ein junges blondes Mädchen reibt sich doch tatsächlich in diesem tristen Abfertigungszyklus auf. Sie achtet darauf niemanden zu tief in die Augen zu sehen und sagt zu jedem Kunden exakt dasselbe. Schönen Guten Tag…, das macht dann…., sammeln Sie die Herzchen?, Schönes Wochenende…., Schönen Guten Tag…., das macht dann…, sammeln Sie die Herzchen?, Schönes Wochenende. Und immer scheint sie das als Theaterrolle zu verstehen, denn sie sagt es nicht, sie spielt es, sie singt es mit einer merkwürdig schiefen Melodie. Ob das bereits Anzeichen auf ein gequältes Inneres sind? Ich werde es nie erfahren, längst wurde ich eilig beiseite geschoben. Mir war die ganze Situation peinlich. Wie kann man als wundervoller Mensch, als einzigartige Persönlichkeit, sich den ganzen Tag für Geld einer so dummen Situation aussetzen? Das blonde Mädchen, ich muss nicht betonen wie hübsch sie war, verliert ihr Potential mit jeder Minute in diesem Drecksschuppen der nur auf Profit aus ist. Ich trauere um sie und ihre Möglichkeiten. Mehr noch als bei vielen anderen, bei denen es mir eigenartigerweise leichter fällt jegliche Hoffnung aufzugeben. Die zerbrochenen, gestressten Menschen die blind gegenüber den Verhältnissen aus blosser Gewohnheit irgendwelchen Schund kaufen der ihnen später im Weg steht oder die Gedärme zerfrisst. Die gesamte Palette der Schmierblätter in sämtlichen Discountern sind nahezu komplett voller Artikel die keinerlei Verbesserung für irgendwen bedeuten, hauptsache es wird irgendwas geschrieben das sich verkauft. Alles nur Ablenkung von den wirklichen Problemen der Leute. Warum nehmen das soviele hin, warum wird nicht gnadenlos auf diese Zerstörung der Menschen, der Tiere und Umwelt verwiesen? Nein, stattdessen wird über sich über Skandälchen und Symptome einer kranken Gesellschaft aufgeregt. Diese hässlichen Industriegebiete die die Menschen vergiften, gleichgültig ob Angestellte oder Kunden, breiten sich immer weiter aus während die Erholungsgebiete quasi verschwinden oder eingegrenzt werden zwischen Autobahnen, Hauptstrassen, Flughäfen, S-Bahnen, Güterzügen und so weiter. Was für eine grauenvolle Welt erschaffen wir hier tagtäglich? Was erhalten wir mit unseren Entscheidungen tagtäglich?

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Kleine Ursache – Große Wirkung

Ich habe erlebt wie sich Obdachlose wegen einer leeren Pfandflasche angeschrien haben und ich dachte mir wie schlecht es diesen Menschen gehen muss, sich wegen so einer Kleinigkeit derart das Leben schwer zu machen. Andererseits bedeutet diese Pfandflasche für diese Obdachlosen ein wenig mehr Ruhe, denn damit lässt sich ein Bier oder eine Mahlzeit erkaufen, was die Existenz am Rande der Gesellschaft ein wenig mehr erträglicher macht. Diese Ruhe bedeutet viel, gerade wenn man das Gefühl hat, alles um einen herum würde immer schneller, greller und lauter. Wie kann man völlige Ohnmacht am besten bekämpfen? Etwa nüchtern? Die Obdachlosen kämpften mit dieser Pfandflasche um ihren Seelenfrieden und damit um ihr Überleben.

Jetzt erlebte ich neulich eine Szene in einer völlig anderen gesellschaftlichen Schicht. Zwei Arbeitnehmer schreien sich an, Argumente gibt es nicht, nur wilde Verzweiflung und Erschöpfung in den Sätzen. Die Szene war explosionsartig, schnell und intensiv. Nur worum ging es? Ein Telefonat wurde falsch verbunden. Deshalb dieses wilde Geschrei, die Unterstellungen und Beleidigungen. Unausgeglichene Menschen die darüber streiten wie man am besten die Effizienz im Unternehmen steigern könnte. Forderungen werden aufgestellt, Drohungen ausgesprochen und am Ende stapft der Initiator der Schreierei entnervt aus dem Raum. Ich fragte mich wieder, wie kann man sich nur das Leben so schwer machen? Sollte ich lachen oder schimpfen?

Und diese Woche trifft es mich. Mir wird, während meiner Abwesenheit und aufgrund einer spontanen Entscheidung aus der Führung, betriebsintern der Platz meiner Tätigkeit genommen, indem ein anderer Kollege diesen erhält. Informiert werde ich indem ich vor vollendete Tatsachen gestellt werde, als ich meine Tätigkeit ausüben möchte. Meine erste Reaktion war natürlich Verwunderung und schließlich wurde ich sauer, als ich keinen alternativen funktionierenden Platz für meine Aufgaben vorfinden konnte. Ein erster Anruf beim ausübenden IT-Mann erhellt die Situation auch nicht, denn dieser gibt fluchend bekannt, er könne jetzt keinen neuen Arbeitsplatz herbei „hexen“. So musste ich mir auch noch einen funktionierenden Platz suchen, an dem ich meine ohnehin schon öden Abläufe erledigen konnte. Ich war angespannt, aber war die respektlose Art ja bereits seit Monaten gewohnt.

Weiter ging es am nächsten Tag: Der neue Platz auf dem man mich abschieben will, besitzt keinen Zugang zu Email oder dem betriebsinternen System, verfügt über eine alte verschmutzte Tastatur und liegt obendrein geografisch ungünstig in Bezug zu meinen Aufgaben. Also setze ich mich erneut woanders hin und informiere den IT-Experten der nicht hexen kann. Er richtet mir die notwendigen Dinge ein, sperrt zugleich meinen Zugang zu anderen PCs, damit ich auch bloß nur auf diesem geografisch noch immer ungünstigen Arbeitsplatz sitze. Ich schreibe eine Email und sage die Tastatur ist völlig verdreckt (der Staub hatte sich schon in die Tasten gefressen und das helle Weiß zu dunklen Grau verkrustet), also unbrauchbar für jemanden der den ganzen Tag darauf tippen soll, beschreibe das ich aufgrund dieses Arbeitsplatzes für meine Aufgaben mehr Umstände in Kauf nehmen muss und wie respektlos ich es empfinde keinerlei Vorabinformationen zu diesem erzwungenen Wechsel erhalten zu haben.

Reaktion? Er antwortet erbost ich habe jeden Arbeitsplatz zu akzeptieren und es wäre nicht seine Aufgabe Leute über Veränderungen zu informieren. Obendrein stellt er kommentarlos, während meiner Abwesenheit, eine Schüssel, Toilettenpapier und einen Reinigungslappen auf den neuen Platz, – schließlich hätte die Firma keine anderen Tastaturen im Haus. Später gibt er dann zu Protokoll, es wäre meine Aufgabe für einen funktionierenden Arbeitsplatz zu sorgen, – wobei sich mir sofort die Frage stellte, wofür er dann überhaupt noch da ist? Jedenfalls sieht er kein Problem mit dem Platz, betrachtet mein Anliegen herablassend und lässt dem Chef auch noch eine Kopie des Gesprächverlaufs zu kommen, was wohl zeigen sollte wie dumm ich mich anstelle. Provokant fragt er, wenn ich ein Problem hätte, könnten wir das „gerne“ mit der Führung besprechen.

Ich war nun wirklich mehr als angepisst. Meine Reaktion kam prompt, ich konkretisierte meine Kritik und sprach direkt von Respektlosigkeit und Ineffizienz die sich in dieser Entscheidung und diesem „kollegialen“ Umgang darstellt. Freilich wird sich die Führung demnächst dazu äußern und ich bot in meiner Antwort an die grundlegende Struktur des Großraumbüros zusammen mit allen Kollegen zu gestalten. Nun bringe ich morgen selbst eine neue Tastatur mit und schenke sie dem Unternehmen. Vielleicht ist dieser Streit damit beigelegt, aber er hat unheimlich viel Kraft gekostet. Es ist schwierig bei solch albernen Schwierigkeiten ruhig und sachlich zu bleiben, – vor allem dann wenn der Kollege überhaupt kein Verständnis oder Respekt für eine Notwendigkeit hält und die eigenen Probleme belächelt, Argumente mit Gehässigkeit untergräbt usw.

Letztlich kann man solche Schwierigkeiten innerhalb unserer jetzigen Ökonomie überhaupt nur mit einem Argument bekämpfen: Effizienz. Wer hat die besseren Argumente die zu mehr Effizienz führen? Emotionen zählen genauso wenig wie Respekt. Was durchschlägt ist die Effizienzsteigerung, die Profitsteigerung. Meine Bedürfnisse und Argumente werden nur dann gehört, wenn sie Geld abwerfen. Dieser heiße Tanz ist noch nicht ausgetanzt, ich weiß nicht wohin mich diese Aktion führt. Ich hätte auch still sein können und brav einfach die neuen Verhältnisse akzeptieren können. Aber ich wollte nicht ohnmächtig hinnehmen was andere mir einfach hinwerfen. Es ist mir wichtig in die Konfrontation zu gehen, bevor es zu spät ist, bevor man sich nur noch anschreit.

Aber ich glaube noch zu unerfahren mit solchen Situationen zu sein, schließlich geht es mir nicht wirklich darum das Unternehmen profitabler zu machen, weil ich die hierfür zugrunde liegende Ideologie der Profitmaximierung als menschen-verachtend betrachte, verabscheue und verwerfe. Also werde ich wohl als „Verlierer“ aus diesem Konflikt gehen und in Zukunft aufgrund von Lästerei immer belächelt werden, bis ich mir erneut mit Mehraufwand und Mehrarbeit Respekt erarbeitet habe. Alles in Allem sind diese Kämpfe idiotisch, sie sind derart primitiv wie ihr Streitgegenstand. Ich weiß nicht wie ich so einen Müll aus dem Kopf bekommen soll, – also schreibe ich darüber in der Hoffnung davon frei zu werden. Diese Konflikte belasten die menschlichen Beziehungen unheimlich. Man wird mich sicher nun für einen Typen halten der aus jeder Mücke einen Elefanten macht. Vielleicht bin ich auch einfach nur ein armes Weichei für den IT-Mann und seine Kumpels.

Ich weiß es nicht, aber ich glaube schon richtig zu liegen, wenn ich mehr Kommunikation, Rücksprache und damit auch Respekt fordere. Wie soll ein Unternehmen in Zukunft bestehen, wenn es nicht einmal seine eigenen Mitarbeiter respektvoll behandeln kann? Wie soll dieses Unternehmen gegenüber der Konkurrenz bestehen und sich vor allem durchsetzen wenn die Kollegen sich kaum vernünftig unterhalten können? Es fehlt schlicht die Zeit und die Kraft all diese Schwierigkeiten in Ruhe zu besprechen und zu lösen. Deshalb wird auch mein Problem schlicht weg geschoben und jegliche Lösungsansätze werden abgewürgt. Am Ende wird es laufen wie bisher, der Betrieb läuft aufgrund von Notlösungen und auf Kosten der Mitarbeiter, weshalb viele kündigen und nur jene dort arbeiten, die kaum Fachkenntnisse haben und jeden Euro brauchen, – also jeden Mist mitmachen. So läuft es bestimmt nicht nur indem Betrieb indem ich jetzt arbeite, weshalb ich mir keine Hoffnungen machen darf mal bessere Verhältnisse vorzufinden.

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Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Ein ungerechtes Gesetz ist überhaupt kein Gesetz

Es gibt in mehreren Bereichen unserer Gesellschaft allgemeinbekanntes Unrecht welches stillschweigend akzeptiert wird. In der Schule, an der Universität, in der Arbeit sind wir vor dem Hintergrund der Profitmaximierung dazu gezwungen, gegeneinander zu konkurrieren und die meiste Zeit und Kraft unseres Lebens in Tätigkeiten zu investieren die sich nur in ökonomischen Kategorien bewerten lassen. Dieses Verhaltensideal erzeugte schon als wir Kinder waren Schmerz, Wut und Verzweiflung. Sei es weil die Noten nicht so waren wie sie sollten oder weil die Eltern aufgrund ihrer Arbeit selten daheim waren. Wir haben gelernt uns mit dieser Situation zu arrangieren, denn schliesslich war das die einzig vernünftige Option in der besten aller Welten und so verstanden wir unser Gewissen zu ignorieren, jedes rebellische Verhalten als jugendlichen Leichtsinn abzutun und alle alternativen Ansätze als ketzerische Utopien abzulehnen.

Wir haben innerhalb der kapitalistischen Verwertungsmaschinerie gelernt wie Zahnräder aus Fleisch zu funktionieren und wollen den Glauben an die Richtigkeit dieser Lebensweise nicht mehr ablegen, weil dies das einzige ist was uns noch geblieben ist. Wir haben unsere Kindheit, unsere Familie, unsere Heimat, unsere Ruhe, unsere Lebensfreude und unsere Entfaltungsmöglichkeiten verloren, also klammern wir uns an dem Grund dieses Verlusts, an dem modernen Schrott den wir für die Profite produziert haben. Unsere innere Leere, Zerissenheit und Unruhe versuchen wir mit allen erdenklichen und erfühlbaren Mitteln zu stopfen und zu ersticken. Aber egal ob wir zuviel oder zu wenig essen, zuviel oder zuwenig Drogen nehmen, egal ob wir Fußballern oder Filmstars zujubeln, unsere Hoffnungen in eine Partei oder die Nichtwahl setzen, nichts wird uns das verlorene wiedergeben können, solange wir die Quelle dieses Elends nicht erkennen.

Stirbt ein Mensch, so stirbt die gesamte Menschheit. Täglich verhungern tausende Menschen während hierzulande tausende Menschen unter Fettleibigkeit leiden und tausende Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen werden. Innerhalb unserer parlamentarischen Demokratie sorgen wir mit der alljährlichen Abgabe unserer Stimme für gelebte Machtlosigkeit, erleben ohnmächtig die einschneidenden Entscheidungen fremder Politiker und jaulen nur selten schamhaft auf. In den Büros herrscht täglich Weltkrieg um die besten Zahlen. Depressionen und Suizide steigen wie der Blutdruck und die Herzanfälle. Die Politik verwaltet das Chaos und das Elend, hilft nur jenen mit dem größten Einfluss. In unserer Gesellschaft sind nicht die Krankenschwestern und Lehrer die reichsten Menschen, sondern Bankiers und Ölmultis. Ab und zu schrecken wir auf, wenn die Massenmedien hysterisch kreischend von Lebensmittelskandalen in der Fleischindustrie, Spendenskandalen in den Volksparteien, Ölkatastrophen im Meer, den Verlust von Milliarden Geldern und tausenden Arbeitsplätzen in sämtlichen Bereichen berichten. Aber seltsam schnell schlafen wir wieder ein und bringen uns wieder in Position um als Zahnrad aus Fleisch weiter zu funktionieren, statt uns zu organisieren und zu protestieren zerstören wir lieber uns, unsere Kinder, die Tier- und Umwelt.

Statt herauszufinden wie unsere Bedürfnisse tatsächlich lauten und diese durchzusetzen, lassen wir sie uns ständig als utopisch herausreden. Wer bestimmt denn wie unser Leben sein soll, außer uns? Keine Regierung, keine Ideologie, kein Unrecht dieser Welt kann uns davon abhalten das Leben zu genießen und so zu entfalten wie wir uns das vorstellen. Alles hängt davon ab inwieweit wir uns erheben! Wollen wir die Zerstörung unserer Umwelt? Wollen wir kooperieren statt zu konkurrieren? Wollen wir Liebe statt Leistung? Die Entscheidung liegt in unserem Gewissen. Es geht nicht darum zu gewinnen, nicht für eine bestimmte Seite zu sein, es geht darum das Leben als solches zu verteidigen und das Paradies auf Erden für alle Lebewesen zu ermöglichen. Lasst uns mutig, sachlich und respektvoll darüber streiten welche Wege für die Realisierung dieser neuen Verhältnisse möglich sind! Entgegen allen Regeln und Gesetzen die uns dieses Hundeleben auf Kosten unserer Brüder und Schwestern bescherrt haben!

Oder wie Augustinius bereits sagte: Ein unrechtes Gesetz ist überhaupt kein Gesetz! Wir rufen Euch als Eure Mitmenschen dazu auf, endlich zivilen Ungehorsam auszuüben, egal ob offen oder subversiv! Es ist Zeit den Hunger in der Welt genauso zu stoppen wie die sinnlose Quälerei an den Schulen, Universitäten und Arbeitsplätzen! Weg mit den Chefs, weg mit den Regierungen, weg mit den Ideologien! Wir brauchen Demokratie von unten, demokratisch von den Arbeitern organisierte und geführte Unternehmen die als allererstes die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt als erstes und wichtigstes Ziel haben! Informiert Euch! Organisiert Euch! Und lasst Euch nicht länger verarschen!

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Tretmühlen der Gesellschaft zertreten Lebensfreude

Es ist so eklig und anstrengend. Da schuftet man Tag für Tag über Monate, Jahre und Jahrzehnte, aber man kann sich letztlich niemals aus der Schufterei befreien. Man bleibt auf dem immerselben Aufwandsniveau, nur ganz wenige Menschen können sich frei kaufen. In dieser Gesellschaft kann man sich nicht anders als durch Betrug, Skrupellosigkeit, angeborenes Talent, Glück oder Erbschaft frei in dieser Gesellschaft bewegen bzw. befreien. Dieser Zustand existiert seit enorm langer Zeit, ihr könnt selbst überlegen wie lange es schon Reich und Arm gibt, wie lange es schon Ungerechtigkeit bei der Verteilung der Lasten und Früchte der Menschheit gibt. Vermutlich gabe es nie eine Zeit, in der es gerecht zu ging. Erschreckend dabei ist vorallem die Perspektive vieler Menschen, sie sehen, offenbar aufgrund der langen Tradition dieser Zustände, keinen Anlass etwas dagegen zu unternehmen. Zumindest sehe ich nirgends eine kritische Masse, vielleicht aber unterstelle ich den Menschen aber auch nur blinde Herdentiere zu sein, vielleicht gibt es verdammt viele Menschen die immer mehr die Schnauze voll haben. Ich weiß nicht.

Ich hab den Kontakt völlig verloren zu meinen Mitmenschen. Ich kann nicht behaupten sonderlich viele Menschen zu kennen. Aufgrund der Arbeiterei wollte ich mich in meiner Freizeit eigentlich nur ausruhen und wenn ich das nicht getan habe, dann habe ich mich gefragt warum mein Leben so geworden ist und warum es wie vorgezeichnet, egal in welche Bereiche der Gesellschaft ich gehe, so weiter verläuft. Immer gibt es dieselben hirnrissigen Probleme, es gibt zu wenig gut-bezahlte Arbeit, immer gibt es Überstunden, die Arbeit selbst ist oft nach kurzer Zeit öde und gleichzeitig anstrengend. Mittlerweile konnte ich erkennen, dass diese Schwierigkeiten in meinem Leben, die Entwurzelung die ich in mir empfinde, ein gesellschaftliches Problem ist, denn ich bin nicht allein mit diesem Leiden, mit diesem Gefühl von Isolation, Zwang und Machtlosigkeit. Ich frage mich wo hier die Ursachen liegen. Mehrmals habe ich versucht auszubrechen, ich zog kreuz und quer durchs Land, habe beim Staat gearbeitet, ganz normal in der Wirtschaft, in verschiedenen Branchen, Abteilungen gearbeitet. Nichts hat mir irgendwie ein deutlich glücklicheres Leben beschert. Den einzigen Lichtblick fand ich ausgerechnet bei Hausbesetzern in Berlin, die ohne Arbeitszwang ihr Leben gestalteten. Dort fehlte es aber an Bewusstsein, Respekt, Liebe und natürlich einer klaren Zielsetzung gegenüber der Maschinerie der sie zu entfliehen suchten.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Die Manipulation einflussreicher Menschen in der Politik, Wirtschaft und den Medien ist absoluter Fakt. Es wird gespalten, abgelenkt, missbraucht, manipuliert um Macht zu erhalten, fortzusetzen. Ich glaube nicht mehr an unsere Demokratie, ich glaube auch nicht das unsere Wirtschaft alle Menschen glücklich machen kann, genauso wenig vertraue ich meiner Bank bzw. irgendeiner Bank. Ich habe unheimlich dazu gelernt, aber andererseits hat mich das noch viel stärker Misstrauen gegenüber meinen Mitmenschen gelehrt. Wem kann man denn noch trauen? Wer kann noch von lebenslanger Freundschaft berichten? Wen erfüllt noch die Arbeit für die er täglich bezahlt wird? Wo liegt denn das Glück dieser achso freien Gesellschaft? Die Welt ist nur für ganz wenige Menschen voller Freiheiten und Möglichkeiten, weil wir alle an ein Geldsystem glauben, welches aus dem Nichts Geld erschaffen kann, mit einer Mindessicherung von gerade einmal 2 Prozent, weil wir alle an ein wirtschaftliches System glauben, welches nur die belohnt die am meisten an sich selbst denken, weil wir alle krampfhaft versuchen das Glück durch oberflächliche Güter zu erarbeiten.

Das Paradies für alle Menschen wird solange verschlossen bleiben, ehe wir nicht an uns selbst arbeiten und das fängt damit an genau zu beobachten was eigentlich los ist in der Welt bzw. unserem näheren Umfeld. Das hohe Desinteresse an Politik, Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt ist gefährlich. Die hohe Beschäftigung der Massen mithilfe von schlecht bezahlter stumpfer Arbeit, ebenso. Die Verführung der Massen zu Völlerei, Saufen und gedankenlosen Konsum allgemein, genauso. 24 Stunden, jeden Tag, reproduzieren sich ganz gefährliche Vorstellungen. Leistung, Wettbewerb, Kampf, Macht, all das sind nur Spiegel fürs Ego, all das brauchen wir nicht um glücklich zu sein. Wir müssen die Herausforderung annehmen und jenseits der gedanklichen Grenzen leben. Es ist nicht hinnehmbar, einfach nur das zutun was man immer getan hat, oder erschöpft einfach nur zu befolgen, was andere befehlen oder entscheiden. Wir sind verantwortlich, jeder einzelne Mensch von uns, egal ob Manager, Putze oder Hartz 4 Empfänger. Diese Kategorien sind wertlos, wir sind in erster Linie Menschen und sollten uns zu allererst an der durchsetzung der Grund- und Menschenrechte weltweit orientieren.

Weder unsere Politik noch unsere wirtschaftlichen Systeme waren bisher dazu in der Lage. In den letzten Jahrzehnten haben sie sogar enorm viele Rückschritte gemacht, aus machtpolitischen Gründen bzw. allgemein aus egoistischen Gründen. Mich schmerzt es zutiefst, das ich nicht mehr dagegen tun kann, weil ich mich selbst noch nicht dem vollständigen aussteigen, aus allen Tretmühlen der Maschinerie gewachsen sehe. Ich habe, wie auch ihr, nur meine gedanklichen Ketten zu verlieren, die mich seit meiner Geburt daran hindern frei zu sein.

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Wieviel ist unser Leben wert?

Die meisten Menschen leben in einer Zelle, in einer Arbeitszelle dieser Gesellschaft. Fast jeder Tag wird der Arbeit geopfert, es wird dem Eigentümer gedient, der der eigentliche Herrscher des Arbeiters ist. Die Wirtschaft ist völlig undemokratisch und fern jeglicher Rechtssprechung. Aus Profitgründen wird die Arbeit unter immer weniger Menschen aufgeteilt, ganz besonders in den regelmäßig bzw. zyklisch auftretenden Krisen, wie aktuell. Immer mehr Menschen suchen also Jobs, damit sie ihre Rechnungen bezahlen können, aber die Jobs bekommen nur jene mit dem besten Lebenslauf, der besten Qualifikation, Flexibilität, dem besten Alter und so weiter. Gleichheit, ein Recht auf ein schönes Leben, für jeden Menschen, gibt es nicht.

Es gibt kaum noch Menschen die sich zwischen vielen Jobs entscheiden können, die ihnen gefallen, in denen sie sich entwickeln können, gleichzeitig gibt es immer mehr Jobs die schlecht bezahlt sind, ohne Leistungen für die Rente oder Versicherung. Unser Bildungssystem, welches in 3 Schichten eingeteilt ist, verschärft diese Zustände, auch wenn von unterschiedlichen Graden von „Begabungen“ gesprochen wird. Es ist allgemein bekannt: Schüler aus der Hauptschule werden sich immer im Dienst des Kapitals befinden, also ihr leben lang ihre Arbeitskraft für billige bzw. primitive Prozesse verkaufen müssen. Es gibt keinen Weg aus dieser Sklaverei für sie, denn sie werden niemals genug Kapital anhäufen können um aus diesem Kreislauf zu entkommen.

Es ist politisch so gewollt, dass eine gewisse Bevölkerungsgruppe generell arm & uninformiert bleibt, denn nur so bleiben sie kontrollierbar, so kann man sie für monotone, schlecht bezahlte Arbeit verheizen. Außerdem sind sie die idealen Konsumenten, da sie tendenziell am liebsten aus ihrem Leben fliehen möchten, sich von ihrer schlechten Lebensqualität ablenken wollen. Das funktioniert nicht immer, es kommt zu Drogenkonsum, Gewalt, psychischen, physischen Erkrankungen, Massenhysterie bzgl. Fußball, Sport allgemein. Die Ursachen dieser Probleme werden generell immer dort gesucht, wo sie definitiv nicht liegen. Siehe sämtliche Amokläufer der vergangenen Jahre, siehe die 1 Millionen Suizide jedes Jahr.

Politik wird als zu komplex befunden, nachdem die Massenmedien Jahrzehnte lang genau das, mit ihrer Verblendungstaktik, Desinformationsstragie, impliziert haben. Keiner kann die Politik verstehen, nicht einmal die Kanzlerin, so will man uns erzählen, während im Hintergrund die Fäden gezogen werden, für die nächsten Jahrzehnte der Verblendung, Unterdrückung und Ausbeutung. Die Wahlen sollen dem Großteil der Bevölkerung vormachen; ihr habt die Kontrolle! Doch in Wahrheit haben jene die Kontrolle, die am meisten Kapital und Einfluss in der Wirtschaft haben. Die Parteien dienen alle dem Kapital, das lässt sich auch an der Schuldenuhr ablesen, die Summe ist nur weitaus größer und wir, die Bevölkerung, schuldet diese Summe privaten Bankiers. Trotz wachsender Verzinsung, Zerstörung von Arbeitsleistung, fragt keiner ob das so sein muss.

Seit Jahrzehnten trifft die Politik Entscheidungen zugunsten der Wirtschaft, Überwachung, Rüstung, sie spricht von Terrorismus, notwendiger Verschärfung der Kontrolle bei Sozialempfängern, auf der anderen Seite haben wir tausende wohlhabende Steuersünder, immer mehr tote Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, immer mehr Arbeitslose, staatlich finanzierte Arbeitsplätze. Grundrechte werden aufgeweicht, weil die Zeiten ja so unfassbar hart sind, als ob früher alles besser war. Die Maschinerie der Desinformation ist gigantisch, mindestens so gigantisch wie die Maschinerie der Arbeit worin wir alle verheizt werden.

Was ist unsere tägliche Arbeit noch wert? Sie wird doch permanent unter wert verkauft und als Dankbarkeit hierfür ist man jederzeit ersetzbar, jederzeit kann man in den sozialen Abgrund gestoßen werden, an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, wenn man nicht den Vorstellungen des Marktes oder der leitenden Angestellten, bzw. der Kapitaleigner entspricht. Wo ist hier die Demokratie? Wo ist hier die Brüderlichkeit? Es gibt immer mehr Menschen die auf die Tafeln angewiesen sind, es gibt immer noch Tausende die verhungern und vermutlich Milliarden die sich mit der Situation einfach abgefunden haben, sich zufrieden geben mit ihrer minimalen Packung Freiheit bzw. sich desillusioniert mit Konsum und anderen oberflächlichen Kram von ihrem Leben ablenken.

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Was ist Anarchie? – Erich Mühsam

Anarchie bedeutet Herrschaftslosigkeit. Wer den Begriff mit keinem Gedanken verbinden kann, ehe er ihn nicht zur Zügellosigkeit umgedeutet hat, beweist damit, daß er mit den Empfindungsnerven eines Pferdes ausgerüstet ist.

Anarchie ist Freiheit von Zwang, Gewalt, Knechtung, Gesetz, Zentralisation, Staat. Die anarchische Gesellschaft setzt an deren Stelle: Freiwilligkeit, Verständigung, Vertrag, Konvention, Bündnis, Volk.

Aber die Menschen verlangen nach Herrschaft, weil sie in sich selbst keine Beherrschtheit haben. Sie küssen die Talare der Priester und die Stiefel der Fürsten, weil sie keine Selbstachtung haben und ihren Verehrungssinn nach außen produzieren müssen. Sie schreien nach Polizei, weil sie allein sich nicht schützen können gegen die Bestialität ihrer Instinkte. Wo ihr Zusammenleben gemeinsame Entschlüsse verlangt, da lassen sie sich vertreten (die deutsche Sprache ist sehr feinfühlig), weil sie den eigenen Entschlüssen zu trauen nicht den Mut haben. Das politische Leben der zivilisierten Völker erschöpft sich – um den Pferdevergleich wieder aufzunehmen – im Ersinnen immer vollkommener Zügel, Sättel, Deichsel, Kandaren und Peitschen. Nur darin unterscheidet sich der arbeitende Mensch vom arbeitenden Pferd, daß er selbst hilft, verbesserte Systeme seiner Fesselung zu erfinden und sich anzulegen. Doch gleichen sich beide im Zutrauen zu ihrem starken Eisenbeschlag und in der Verhinderung seiner Anwendung durch Scheuklappen.

Wissenschaftliche Läuterung hat die arbeitenden Menschen darüber aufgeklärt, daß die kapitalistische Verfassung sie des Ertrages ihrer Arbeit beraubt. Sie werden ausgebeutet und wissen das. Sie kennen auch den Weg, der zum Sozialismus leitet: die Überführung des Landes mithin aller Arbeitsmittel aus den Händen Privilegierter in den Besitz des Volkes. Sie kennen den Weg seit einem halben Jahrhundert, aber sie haben ihn bis heute mit keinem Fuße betreten. Das Mittel zur Abänderung als schlecht erkannter Zustände heißt immer Aktion. Aber die Menschen unserer Zeit sind aktionsfaul. Um nichts tun zu müssen, haben sie die Theorie aufgestellt, daß sich die Geschichte nach materialistischen Notwendigkeiten entwickelt. Die Zeit funktioniert automatisch; die arbeitenden Menschen aber warten ab, bis es der Zeit gefällig sein wird. Inzwischen flicken und putzen sie ihr Geschirr, schimpfen und wählen. Diese Interimsbeschäftigung ist ihnen zur Gewohnheit geworden, zum Bedürfnis, zum Lebenszweck. Daß sie auf etwas warten, haben sie darüber vergessen. Weh dem, der sie erinnert!…

Anarchie ist die Gesellschaft brüderlicher Menschen, deren Wirtschaftsbund Sozialismus heißt. Brüderliche Menschen gibt es. Wo sie beieinander sind, lebt Anarchie; denn einer Herrschaft bedürfen sie nicht. Was ihnen zu schaffen bleibt, ist Sozialismus. Die Aktion, die zum Sozialismus führt, heißt Arbeit. Wer nicht mitschaffen will, in brüderlicher Gemeinschaft sozialistische Arbeit zu verrichten, wer abwarten will, wie sich die Verhältnisse ohne sein Zutun entwickeln, der flicke und putze immerhin sein Geschirr, der schimpfe und wähle. Aber er nenne sich nicht Sozialist. Vor allem urteile er nicht über Anarchie. Denn die ist eine Angelegenheit der Herzen, und davon versteht er nichts.

(Aus „Kain-Kalender für das Jahr 1912“, S. 21)

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Berlin – Du bist so wunderbar

Vor ein paar Monaten sass ich noch leicht bis völlig verzweifelt in irgendeinem verschlafenem Kaff, voller Menschen die nichts anderes taten und tun als arbeiten, arbeiten, arbeiten.  Ich hatte die letzten Monate, ja – sogar Jahre, vorallem damit zugebracht diese Gesellschaft und ihre Probleme, Konflikte und Sorgen zu sichten, zu begreifen und träumte teilweise kurzweilig  auch davon Lösungen diesbezüglich zu finden. Mein Engagement, welches ich nachwievor auch als Arbeit betrachte, war und ist gesellschaftlich nicht anerkannt. Ich bekam  für meinen Aktivismus, meine Gedankengänge und Recherchen keinen Lohn, keinen Job, keine Perspektive innerhalb des Systems. Meine Zweifel, meine Fragen waren für die meisten Arbeitgeber und Arbeitskollegen, für die Ämter, sogar für meine Familie, Freunde und Bekannte lediglich lästig, naiv und unproduktiv. Und darüber war ich lange Zeit mehr als ratlos und fragte mich langsam ob ich selbst das Problem sei. Dann endlich, nach langem zögern entschied ich mich eines Tages völlig aus dem Moment heraus spontan nach Berlin zu ziehen. Ich kaufte ein Ticket und flog mit kaum Gepäck am selben Tag weg.

Seit Anfang August 2009 bin ich nun hier in Berlin, in einer riesigen Stadt, mit einer riesigen Geschichte und beeindruckender sozialer, kultureller und künstlericher Vielfalt, welche auch unzählige hässliche wie schöne Gegensätze beherbergt. Viele Menschen in München hatten mich vor Berlin gewarnt, der soziale Abstieg wäre dort ganz besonders schnell und brutal. Die Arbeitslosigkeit in Berlin ist hoch, keine Frage, die Frustration, Wut, Perspektivlosigkeit ist daher natürlich viel stärker konzentriert als im verwöhnten überschaubaren München. Mich packte Berlin aber vom ersten Moment an, auch wenn sehr viele Menschen in der U-Bahn, auf der Strasse betteln, singen, Texte aufsagen, Flaschen sammeln um sich etwas zu „verdienen“. Mich packte Berlin besonders schnell weil die Probleme nicht mehr versteckt werden können und sich daher immer wieder eine gewisse kritische Masse an Menschen bilden und reproduzieren konnte. Die Touristen können genausowenig wegsehen wie die eigentliche Bevölkerung oder die Politik und Wirtschaft, daher bietet Berlin den idealen Nährboden für Bewegungen und wesentliche Veränderungen.

Obwohl die Zustände den meisten Menschen bekannt sind, sind diese Zustände kaum verändert worden, was mich besonders am Beispiel des Kinderstrichs bzw. Babystrichs schockiert. Vielleicht berührt mich dieses Thema deshalb so besonders, weil ich doch eine sehr idealisierte, romantische Ansicht zu Frauen, Sexualität und Beziehungen habe. Dennoch kann keiner ignorieren das Menschen unter 18 ihren Körper nicht verkaufen sollten und das Prostitution im allgemeinen genausowenig wie Drogen länger kriminalisiert werden sollte. Aus meiner Sicht ist die Prostitution nicht nur das „älteste Gewerbe der Welt“ sondern auch das ehrlichste, weil hier offensichtlich ist was getan wird und warum es getan wird. Es geht um gut bezahlte oberflächliche Befriedigung von Geilheit und in einigen Fällen bestimmt auch um Phantasien die von „gewöhnlichen“ Partnern nicht befriedigt werden können.

In Wahrheit verkaufen wir uns alle im kapitalistischen System wie die Prostituierten auf der Strasse, nur heißt unser Strich Arbeitsamt oder Arbeitsmarkt, Stellenanzeiger usw. und das Anquatschen von Freiern ist bei uns die Bewerbung bzw. das Bewerbungsgespräch. Die Menschen die sich auf dem Strich verkaufen sind also Unternehmer mit Gewinnen und Verlusten, mit der ständigen Bestrebung möglichst hohe Profite zu erzielen. Die Prostituierten sind lupenreine Kapitalisten und sie sind sowohl Sklaven wie auch Sklavenwärter, die Arbeit fungiert hier als Polizei wie auch bei all den anderen Berufen, Branchen innerhalb dieses Systems. Und das interessante an Berlin ist, viele Menschen wissen von diesem Zustand. Sie begreifen bspw. den vom System organisierten Arbeitszwang und kämpfen mit ihren Mitteln mehr oder weniger intensiv dagegen an. Einige sind als Hausbesetzer aktiv, andere gehen auf Demos, wieder andere machen Kunst, malen, zeichnen, schreiben, es gibt Musiker unzähliger Richtungen und überhaupt endlos viele Menschen deren Protest sich unheimlich individuell äußert.

Und diese Leute spüre ich in dieser Stadt obwohl ich sie noch nicht alle kennengelernt habe. Vielleicht spüre ich auch die berühmte Mauer die mal in der Stadt stand. Ich bilde mir ein diese Mauer hat sichtbar gemacht wie es in den Köpfen der Menschen in den letzten Jahrhunderten aussah. Auch die chinesische Mauer ist dafür ein gutes Beispiel, aber diese Berliner Mauer ist natürlich unser ganz persönliches deutsches Ding.  Das Zitat: Die Mauer verläuft nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen Dir und mir. Beschreibt ganz gut was ich meine. Wir haben einen permanenten Kampf und Wettbewerb um Ansichten, Ideologien, Positionen egal um welchen Aspekt der Realität es geht. Wir versuchen mithilfe der Sprache und der Kommunikation und jede Menge Engagement für eine bestimmte Partei, Ansicht usw. irgendwie einen „Sieger“ zu ermitteln, um uns endgültig darauf bzw. danach ausrichten zu können. Dieser individuelle wie kollektiv gelebte Versuch ist eine Illusion und er muss kontinuierlich scheitern. Jeder Mensch und alles was er tut oder denkt ist einzigartig, daher ist es unmöglich einen bestimmten Gedanken oder ein bestimmtes Gefühl einem anderen Menschen aufzwingen zu wollen. Sobald versucht wird per Zwang etwas bestimmtes anderen Menschen aufdrücken zu wollen, entsteht automatisch Widerstand und damit ist auch der erste Schritt hin zum Konflikt und Scheitern getan.

Das Leben ändert sich ständig. Alle unsere Urteile hängen naturgemäß der Realität immer hinterher und obwohl wir das täglich individuell wie auch kollektiv spüren entspannen wir uns nicht, sondern steigern sogar unsere Anstrengungen unsere Ideologien, Gedanken, Urteile an die Realität anzupassen. Lernen wir nicht uns zu entspannen und geben wir diesen Wettbewerb bzw. Wettlauf nicht auf, werden wir immer und immer wieder Konflikte jedweder Art produzieren. Wir müssen erkennen das jeder Mensch seine einzigartige Sichtweise auf das Leben und alle darin befindlichen Aspekte hat. Jeder hat seine einzigartigen Erfahrungen gemacht, verbindet seine einzigartigen Gefühle damit und wird sich auch entsprechend einzigartig dazu verhalten. Es macht daher keinen Sinn pauschal irgendetwas in irgendwelche Schubladen zu sortieren, es sei denn man tut dies um sich zu orientieren was es so gibt. Es ist notwendig daraus keine Gesetzmäßigkeiten, Zwänge usw. zu entwickeln in dieser Welt ist überhaupt nichts sicher, nichts hat Bestand alles unterliegt der ständigen Veränderung. Nichts ist beständiger als die Veränderung!

In Berlin hat man meiner Ansicht nach diesen extrem wichtigen Aspekt auf sehr unterschiedliche Art und Weise verstanden oder verinnerlicht. Viele Leute haben es mal freiwillig mal gezwungen aufgegeben, dem permanenten Wettlauf um Resourcen, Arbeitsplätze, Anerkennung usw. flexibel und unermüdlich zu folgen. Sie haben verstanden das es eine Ideologie ist unter dem scheinbar edlen Dogma des „lebenslangen Lernens“ die „Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt“ aufrecht zu erhalten. Diese Ideologie ist wie jede andere zum scheitern verurteilt, nicht nur weil sie begrenzt ist, sondern auch weil sie sehr vielen Menschen auferzwungen wird, sobald diese auf die Erde geboren werden. Die wenigsten Menschen entscheiden sich tatsächlich freiwillig dafür in jedem Menschen einen potentiellen Konkurrenten zu sehen, vorallem in Deutschland, einem Land welches voller Überflüss existiert. Dennoch haben wir erstaunlicherweise mehr als 30 Millionen Menschen die tagtäglich  zur Arbeit fahren und stundenlang ihren Körper hinhalten. Sie arbeiten zuviel, bekommen zu wenig und lernen daraus überhaupt nichts. Sie verkaufen zum Vorteil einer Minderheit ihre Eigenschaften und ihre Lebenszeit und sehen darin überhaupt kein Problem solange sie „genug“ bezahlt bekommen. Sie sind Opfer einer Ideologie die behauptet Arbeit sei ein Naturgesetz welches dem Menschen von Geburt an mitgegeben wird. Und diese Ideologie stammt, wen wunderts, von der Minderheit für die permanent geschuftet wird.

In Berlin gibt es Menschen die sich einen Kopf um dieses System machen, vorallem weil sie u.a. aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit Zeit haben sich intensiver mit den Problemen des menschlichen Zusammenlebens auseinanderzusetzen. Sie streben danach etwas Neues auszuprobieren was natürlich nicht immer wie gewünscht oder sonderlich erfolgreich verläuft. Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus, sind wunderbare Ansätze wie sich die Menschen einmal organisieren könnten, aber sie werden wie schon erwähnt alle komplett individuell eingeschätzt, beurteilt und behandelt. Dies trifft natürlich auch auf den Kapitalismus, die Soziale Marktwirtschaft, den Neoliberalismus und so weiter zu. Es ist nur natürlich das jeder Mensch seine eigene Sicht auf irgendeinen Aspekt des Lebens hat. Wir haben genau genommen mehr als 6 Milliarden verschiedene Ansichten auf der Welt. Wie sollen wir damit umgehen? Ich spüre das in Berlin diese Frage insgeheim immer und immer wieder aufkommt, nur scheint sie keiner wirklich auszusprechen. Eher verfallen die Menschen immer und immer wieder in einzelne Aspekte gewisser Umstände des Lebens, ertrinken gewissermaßen darin, bekämpfen eventuelle Feinde, greifen nach eventuellen Rettern oder Ästen und kommen nie wieder an die Oberfläche, verlieren die Übersicht und das wars dann. Es ist dramatisch was hier passiert, aber zugleich auch umfassend spannend. Sind wir Menschen als reflektierende Masse irgendwann oder vielleicht sogar möglichst bald in der Lage das Paradies auf Erden zu organisieren?

Ich glaube Berlin ist eher bereit sich diesen teilweise sehr harten Ansichten, Widersprüchen und so weiter zu stellen. Die Berliner Bevölkerung hat in der Vergangenheit sehr viel mehr erlebt und durchmachen müssen als andere Menschen in Deutschland. Es war und ist eine besondere Verkettung von Traumatas die permanent auf die Menschen einzuwirken scheint und sich immer weiter entfaltet. Ich bin absolut sicher, wir werden immer stärker dazu in der Lage sein unsere eigenen Dummheiten erkennen. Es gibt keine andere Alternative als das Paradies! Und deshalb bin ich glücklich hier in Berlin zu leben, denn hier wird es definitiv aufkeimen.

 Ich werde ab sofort in dieser Rubrik mehr oder weniger oft berichten was ich erlebe, vielleicht auch Teile einzelner Diskussionen mit den vielen Aktivisten die ich so treffe verbreiten. Ich bin wirklich froh darüber was für Menschen ich bereits getroffen habe. Egal ob es sich um die Leute der Offenen Universität Berlin (OUBS), um die Leute hinter der Überpartei Deutschland (ÜPD) oder um nicht-organisierte Individuen handelt! Es gibt Menschen die sich die Lebenslust und vorallem Lebensfreude trotz der autoritären, brutalen Menschheitsgeschichte nicht nehmen lassen! Es gibt ohne Zweifel viel zu verstehen, vieles zu diskutieren und es wird viele erschütternde Rückschläge geben, aber was haben wir anderes zu verlieren außer unsere Ketten und Illusionen? 🙂

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Leistung, Kampf, Revolution! Aber wofür?

In der Politik geht es um Mehrheiten.
In der Wirtschaft geht es um Profit.
In der Bildung geht es um Leistung.

Unsere gesamte Gesellschaft inbesondere die westliche Hemisphäre basiert auf Wettbewerb und darin spalten und reiben sich die Menschen von Geburt bis zum Tode auf. Was in der Familie zuerst durch die Eltern vorgelebt wird, wird in der Schule gelehrt, gefordert, geprüft, mit dem Abschluss und der weiteren Ausbildung im Beruf od. Universität permanent reproduziert und perfektioniert.

Der Wettbewerb ist etwas was uns Menschen nur allzu bekannt ist. Unsere Vorfahren mussten sich immer wieder über die Jahrhunderte und Jahrtausende gegenüber anderen Menschen, Lebewesen, natürlichen Verhältnissen (Wind und Wetter) durchsetzen. Im Zuge dessen entwickelte sich eine Mentalität die ich als ängstlich begreife. Diese Angst, Jemand oder irgendetwas will mir etwas wegnehmen, mich zerstören, will mich herabsetzen oder der Eindruck man sei nicht gut genug für irgendetwas usw., ist aus meiner Erfahrung immer noch überall stark bis extrem heftig in den Menschen vorhanden. Und obwohl diese Ängste so präsent sind, werden sie erstaunlicherweise kaum oder nur isoliert angesprochen.

Stattdessen steigern die Menschen ihre Anstrengungen um Ihre Illusionen, von denen sie sich Entspannung, Anerkennung, Frieden, Glück usw. erhoffen, irgendwie zu realisieren. Die Menschen versuchen also mithilfe von Selbstbetrug sich Selbst zu finden. Dabei betrügen sie nicht nur sich selbst, sondern natürlich auch alle anderen Menschen, besonders jene die sie lieben. Manchmal ist ihnen das bewusst und sie versuchen aus diesem Sumpf zu entkommen, da aber diese Angst-Mentalität derart weit und unerkannt bzw. kaum erkannt verbreitet ist, müssen sich die „Erwachenden“ alleine aus dem Sumpf ziehen, was natürlich extrem schwierig ist.

So sind all die Revolutionen oder die Versuche auf revolutionäre Veränderung der Verhältnisse, der zivile Ungehorsam, die Proteste, Streiks jeglicher Art nur oberflächliche Hilfeschreie und Forderungen die überhaupt gar nichts grundlegendes verändern. Vorallem auch weil die „Erwachenden“ oder „Erwachten“ damit nur ihresgleichen erreichen, jene aber die noch mitten im Sumpf umher tauchen, hören und sehen in ihrer dunklen Existenz kaum bis gar nichts davon, können selbst wenn sie etwas mitbekommen nicht nachempfinden warum überhaupt protestiert wird, weil ihre Perspektive und Erfahrung völlig anders ist. Desweiteren sind die plakativen Schreie nach Veränderung und die dahinterstehenden Hierachien der Ideologien, NGOs, Verbände usw. etwas, womit sich nur ein paar Leute identifizieren können, denn jeder Mensch hat seine Vorstellungen, seinen Geschmack usw. Es muss also immer zu Spaltungen, Konflikten, Missverständnissen kommen, weil wir alle einzigartig sind und ein Stückweit unterschiedlich traumatisiert sind von einer Mentalität die schlicht primitiv ist und längst therapiert, verarbeitet und abgelegt gehört. Abgesehen davon reproduzieren die „revolutionären Kräfte“ mit ihren Hierachien/plakativen Labels usw. alte Dummheiten bzw. Ungerechtigkeiten die sie eigentlich abschaffen wollen.

Die Menschen die ein paar Sachen erkannt haben müssen auch auf die Psychologie der Menschen eingehen, wenn sie langfristig und konstruktiv eine wirksame Veränderung in irgendeinem Bereich der gesellschaftlichen Welt erreichen wollen. Es gibt schlicht keinen Grund sich und andere schlecht zu machen. Es gib keinen Grund zu konkurrieren, es sei denn aus Spaß oder um Menschen zu retten, wobei ich letzteres ersteinmal wirklich nur auf die Medizin beziehe.

Alle Parteien in diesem Land glauben immer noch sie hätten zum Ziel den Menschen zu helfen bzw. sie zu retten, dabei machen sie nichts anderes als zur allgemeinen Verwirrung und zur Vertiefung der Konflikte und Traumatas beizutragen. Denn sie alle übersehen die vorherrschende Angst-Mentalität! Diese haben wir ersteinmal zu überwinden, dann müssen wir neue Organisationsformen für Milliarden von Menschen finden. So wie bisher, im Streit der Ansichten Klarheit zu schaffen, wird das nicht funktionieren, weil der menschliche Verstand kein letzte Wahrheit oder Klarheit finden wird, sich selbst nicht hinterfragen wird, genausowenig wie sich der Egoist seine egoistischen Verhaltensweisen vorwerfen wird. Die Organisation, Kommunikation, Interpretation und Psyche sind die einzigen wirklich relevanten Themen mit denen wir uns viel viel intensiver auseinandersetzen sollten.

Es gibt keinen Grund auf Wettbewerb, Leistung, Macht usw. zu setzen. Denn wir brauchen keine Angst zu haben. Es gibt genug zu Essen, genug Lebensraum, Klamotten, Bildung, Drogen, Sex, Schlaf, Ruhe und schlicht LEBEN FÜR ALLE!

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Wie verdient man 700 Millionen Dollar in einem Jahr?

Stephen Schwarzman hat innerhalb der letzten 12 Monate über 700 000 000 Dollar verdient, so meldet es eine Nachrichtenagentur. Sein gesamtes Vermögen beläuft sich laut Forbes auf 3,5 Milliarden Dollar und gehört damit zu den 100 reichsten Amerikanern. Er ist damit nicht allein. Etliche andere Leute wie Lawrence Ellison haben über 500 Millionen oder Ray Irani mit über 200 Millionen Dollar eingestrichen. Die Liste liesse sich beliebig ausweiten, aber womit haben diese Menschen das verdient?

Schwarzman besitzt eine 31 Millionen Dollar teure Wohnung und diese hat er sich auch bitter verdient nach dem er so lange in Yale/Harvard studiert und in der Branche Türklinken geputzt hat.  Klar spendet er hier und da mal auch ein paar Millionen, er ist kein Egoist, ein bisschen etwas für das Kennedy Center oder die Republikaner insbesondere George W. Bush muss schon sein als Ausdruck der sozialen Ader.  Die Millionen Menschen in Armut wären auch keine profitablen Investitionen.

Die 700 Millionen Dollar hat Schwarzman wohl durch die Aktienbeteiligungen am Konzern Blackstone erworben und ist laut weiteren Medienberichten auch der Gründer des Konzerns. Nun möchte ich ihn nicht als einen schlechten Menschen darstellen, ich verstehe nur einfach nicht wie ein einzelner Mensch derart hohe Summen aus seiner „eigenen Leistung“ verdient haben könnte. Vielleicht ist das einfach die normale Logik dieses korrupten Systems. Die Leistung bzw. die Möglichkeit dieses Erfolges des Unternehmens war bestimmt nicht völlig allein durch die Leistungen des Herrn Schwarzman möglich. Was ist mit seinen Mitarbeitern? Was ist mit der Lage und Entwicklung des Marktes? Oder überhaupt mit den Vorstellungen aller Menschen? Das alles hat doch nicht er begründetet oder geleistet. Also welcher Mensch hat solche Berge von Geld verdient?

Ich würde mit einer normalen Anstellung selbst wenn ich 2000 EUR Netto im Monat verdienen würde, im ganzen Leben nicht über 2 000 000 EUR kommen. Habe ich nicht mehr verdient? Ist meine Arbeit oder mein Leben nicht gut genug? Wahrscheinlich ist es so, ich bin nicht außergewöhnlich genug, meine Arbeit wird nicht außergewöhnlich geschätzt, genausowenig wie meine Person oder Qualifikation. Ich habe nie in Havard studiert, war nie Sohn einer einflussreichen Familie. Andere Menschen wie beispielsweise Carlos Slim Helu besitzen 60 000 000 000 Dollar, Bill Gates und Warren Buffet 50 000 000 000 Dollar bestimmt haben sie einen Bruchteil davon wirklich verdient, aber die gesamte Summe die sie tatsächlich besitzen?!  Diese Leute wissen nicht einmal wohin mit all dem Geld, investieren es meistens wieder in irgendwelche Konzerne damit es weiter wachsen kann und so weiter.

Ich weiß nicht wie man das verdient, ich kann nur ahnen wie wenig es die Leute die bereits derart viel Geld besitzen verdient haben. Wären diese Menschen ehrenhaft und würden sich wirklich für die Belange aller Menschen interessieren würden sie 99% des Kapitals welches sie besitzen in Dinge stecken die nichts mit Profitsucht zutun haben. Was ist mit den Leuten in Sozialberufen, diese Menschen sollten am meisten verdienen denn diese handeln aufopferungsvoll oder liebevoll tagtäglich in ihrem Beruf für andere Menschen damit es ihnen besser geht. Die Erzieher, Lehrer, Krankenschwestern, Altenpfleger und so weiter sollten am meisten verdienen weil sie der Gesellschaft am meisten geben.

Was gibt ein Unternehmer wie Schwarzman schon der Gesellschaft? Er peitscht doch nur die Industrialisierung dieser Gesellschaft voran und diese Industrialisierung wird spätestens dann zusammenbrechen wenn sämtliche Rohstoffvorkommen versiegen. Solche Leute sind nur deshalb erfolgreich weil sie am stärksten die Oberflächlichkeit des Profit- und Geschäftsstreben verinnerlicht haben und oben drein natürlich entsprechende familiäre und finanzielle Hintergründe haben. Das bedeutet nicht das diese Menschen sehr vielen anderen Menschen besonders gut tun, geschweige denn der Umwelt usw. Warum verdienen sie trotzdem soviel Geld? Weil die gesamte Gesellschaft oberflächlichen und illusorischen Vorstellungen nachrennt, das ist alles!

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Moderne Sklaverei

Ein Mann fliegt nach mehr als 10 Jahren aus einem Unternehmen heraus welches er mit permanenter überdurchschnittlicher Leistung gestützt und gefördert hat. Er hat wirklich jahrelang überragende Leistungen gebracht hat Arbeit für 5 Leute gemacht, er hat erst vor einigen Monaten wochenlang 20 Stunden am Tag gearbeitet und alles nur weil er Angst um die Zukunft seiner Familie hat. Er sagt er bekommt keinen Job wenn er aus dieser Firma gekündigt wird, er hält sich für zu alt und so weiter. Ich will gar nicht weiter auf die Details eingehen, aber ist es nicht ein erbärmliches System wenn jemand der gigantische Leistungen über Jahre bringt, sich nebenberuflich weitergebildet hat, immer für seine Kollegen und Kunden da war, egal ob national oder international, nicht mehr gebraucht wird nur weil er zu alt ist bzw. die Firma sagt er ist zu teuer!? Ich habe mir für dieselbe Firma volle 3 Jahre den Arsch aufgerissen und sehe nun wie sie diese Investition meiner Lebenszeit, Leistung und so weiter einfach wegschmeisst. Das sind 3 verlorene Jahre, bei meinem Vater noch mehr Jahre, außer dem Geld natürlich was wir erhalten haben. Aber soll das alles sein?

Es ist wie bei den ganzen anderen Konzernen in den Medien wo unsere Politiker um deren Existenz „kämpfen“. Das ist ein oberflächlicher Kampf und wir wissen das wir eigentlich das gesamte System hinterfragen müssen weil es asoziale Früchte trägt, sich wie ein Monster verhält, sich gegen die Menschen richtet und sie vernichtet. Aber soweit kommt es nicht und ich finde das merkwürdig. Mein Vater hat soviel getan, hat eigentlich immer zweimal oder sogar dreimal soviel gemacht wie von ihm verlangt wurde, weil er gehofft hatte das man ihm das später mal danken wird. Stattdessen fliegt er auf die Strasse und darf mit seiner Familie sehen wo er bleibt. Die Kosten laufen weiter da hilft keiner, außer mit ein paar Euros der Staat. Aber dort kommt man sich wie ein Bettler vor und will eigentlich gar nicht dorthin. Aber es geht nicht anders, das ist die einzige Hilfe die man erhält. Ein tolles System.

Wieso sind Menschen die viel geleistet haben, Erfahrung, Motivation und so weiter haben nicht hochgeachtet in dieser Gesellschaft? Warum muss man selbst wenn man einen Job hat um seinen Arbeitsplatz fürchten? Wieso diese Zukunftsängste, warum sind die meisten Leute in ihrem Beruf abgehetzt, fertig und traurig? Ich glaube jeder kennt diese Spannungen und Konflikte zwischen Kunden, Kollegen, den Leitern, Chefs und so weiter. Die meisten haben ihre Ursache nur in diesem harten Wettbewerb und weil es darum geht möglichst viel Profit zu scheffeln. Das wird nur leider immer schwieriger, weil immer mehr Menschen auf diesem Planeten leben und andere Länder natürlich auch daran arbeiten ihre Verhältnisse zu verbessern. Jeder Mensch möchte eben sein Leben „nutzen“ und arbeitet. Begrenzte Märkte, begrenzte Resourcen, begrenzte Eigenschaften überall. Alle Menschen können hier niemals gewinnen, es muss Verlierer und Gewinner geben. Ist das mit dem Grundgesetz vereinbar? Wenn Menschen permanent Angst um ihre Existenz haben müssen? Wenn sie sich trotz Job permanent fürchten müssen nicht gut genug zu sein für diese Gesellschaft, für diesen Wettbewerb?

Letztlich muss man aber auch sagen das der Wettbewerb an dem wir tagtäglich teilnehmen niemals fair war. Noam Chomsky beschreibt das in seinem Buch „Profit over People“ mit sehr vielen Details, darin heißt es unter anderem, die USA hätten mit Einfuhrverboten genauso wie England ihre eigene Industrie gegenüber anderen Nationen gestärkt. So hat man beispielsweise die Einfuhr von Baumwolle aus Indien in den USA verboten bzw. zeitweise gestoppt damit die Baumwolle welche von Sklaven, i.d.R. gewaltsam verschleppte Afroamerikaner, produziert wurde im eigenen Markt gewinnbringend abgesetzt werden konnten. Durch diesen Gewinn konnten die Besitzer bzw. Unternehmer natürlich ihre Position auf dem nationalen und internationalen Markt ausbauen.

Ähnlich lief es mit der Stahlproduktion ab, Chomsky meint sogar das 20 der heutigen 100 größten Unternehmen Amerikas ohne staatlichen Eingriffe niemals so erfolgreich gewesen wären. Und es ist ganz sicher das dies noch heute der Fall ist, denn warum sollte man altbewährte Methoden nicht immer und immer wieder anwenden? Die Gier des Menschen nach Erfolg, Macht und so weiter ist unendlich, sie kennt keine Grenzen und das ist schädlich. Ich denke man braucht nur genau hinsehen, dann sieht man wie die Unternehmen auch in der Politik versuchen Einfluss auf ihre Position im Markt zu nehmen. Und es funktioniert, das Zauberwort heißt Lobbyismus, da gibt es Spenden, Rabatte und Einladungen an Politiker und Journalisten damit alles etwas besser funktioniert für das eigene Unternehmen. Das ist eben Marktwirtschaft, seine Chancen wahrnehmen und nutzen. Wer nicht handelt verliert. Ganz einfach. Andere Unternehmen haben nicht diese Möglichkeiten, wollen diese Möglichkeiten vielleicht auch gar nicht haben weil sie an einen fairen Wettbewerb glauben. Aber was tun wenn der Wettbewerb niemals fair war?

Boykottieren kann man schliesslich schlecht, denn sonst hat man schnell keine Grundlage worauf man überleben kann. Innerhalb weniger Monate geht das eigene Unternehmen pleite, bzw. hat man als Angesteller nicht mehr genug Geld um seine Wohnung bzw. Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Außerdem sinkt unser Marktwert wenn wir nicht arbeiten. Wir stecken also in einem Wettbewerb der nicht fair ist und in einem System das uns auf widerlichste Weise korrumpiert. Wir müssen uns verkaufen sonst können wir nicht überleben. Wir können schliesslich nicht alle von Sozialhilfe leben und das wird auch mittlerweile immer härter bestraft, in dem man in verfassungswidrige Jobs vermittelt wird, Stichwort 1-Euro-Job. Es gibt genug Fälle in denen das belegt wird und wogegen nur wenige Menschen tatsächlich lautstark protestieren. Es ist einfach so das die meisten Mensch entweder unheimliche Angst haben, zu sehr damit beschäftigt sind ihren Job zu behalten, etwas neues zu finden, ehrgeizig sind und so weiter.

Es gibt viele Faktoren warum diese ungerechten Verhältnisse die sich gegen die Menschen richten nicht aufgelöst werden. Und es gibt ganz sicher auch Unternehmen und Politiker die natürlich die Verhältnisse beibehalten wollen, weil sie profitieren und es dürfte sich um Menschen handeln die eine ganze Menge zu sagen haben in diesem System. Sonst würde das doch alles längst nicht mehr stattfinden. Und fast alle Arbeitnehmer hängen mit drin, schliesslich werden sie von diesen Menschen bezahlt, kaufen deren Produkte und fragen nicht weiter nach wenn ihnen etwas sauer aufstößt. Klar passiert das schon auch, aber aus meiner Sicht noch viel zu wenig, da ist viel mehr drin und könnte uns alle viel freier machen. Es ist eine Frage von Zivilcourage und Mut. Wie lange sollen wir noch bluten und leiden für ein dummes System für dumme Ideale? Warum sollte Deutschland nicht das erste Land sein das sich von einem barbarischen System befreit? Wir sind doch ehemals das Land der Dichter und Denker gewesen, warum nutzen wir unser Potential nicht einfach? Es gibt niemand der uns zwingen kann all das mitzumachen. Wir sollten laut über Alternativen nachdenken.

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Jeder Mensch ist eine Hure in diesem System

Es frisst sich in einen unheimlich tief hinein, es ist dieser quälende hämmernde stille Druck der einen Dummheiten machen lässt die man nie für möglich hielt. Es gibt keine Zwänge nur die Illusion von irgendwelchen Zwängen. Was ist real? Was stimmt denn noch? Worauf kann man sich verlassen? Was ist keine Lüge? Sich verkaufen wie eine Hure für Dinge die man nicht versteht oder wo man ahnt das sie nur falsch und destruktiv sein können was ist daran noch lebenswert!? Enttäuscht von den Mitmenschen, enttäuscht von sich selbst. Das Leben als Enttäuschung, als jahrelange Verzweiflung zu erfahren ist wie in einer dunklen Waschmaschine zu liegen die gerade im Schleudergang rattert und man versucht irgendwie sich zu orientieren oder festzuhalten, aber es ist absolut hoffnungslos, so auswegslos. Man kann sich nur fügen, nur treiben und antreiben lassen, anfangen sich selbst zu foltern und beginnt sich zu Dingen zu zwingen die man längst für Idiotie gehalten hat.

Es ist traurig. Ich bin reduziert auf einen mechanischen Rythmus. Arbeite, sei gehorsam, strebe nach mehr, frage nicht warum, tu es und Du wirst belohnt! Und denk nicht daran krank oder funktionsunfähig zu werden! Schmeiss Deine Qualifikation nicht weg! Tust Du es doch hast Du keinen Fetzen Freiheit verdient, dann musst Du verzichten und grausam sterben! Blödsinn. Eine hochentwickelte Gesellschaft die ihre Bewohner dazu antreibt sich selbst und andere zu erniedrigen, was ist das für eine Nation? Da drehe ich mich nur im Kreis wenn ich darüber nachdenke und wie ich da heraus kommen könnte. Wenn ich darüber spreche begreift man mich nicht, sagt ich sei eben naiv und verunsichert, das würde sich schon legen. Aber es ist keine Phase der Unsicherheit, es ist eine tiefliegende zermürbende Zerrissenheit, die enstanden ist weil die Gesellschaft sich als Ganzes von sich selbst und ihrer Natur entfernt hat und immer weiter entfernt je mehr sie sich nach den üblichen Idealen entwickelt.

Ich werde davon zerquetscht. Die gigantischen Zahnräder und Marktmechanismen zerquetschen meinen kleinen Funken Lebenslust. Und all das nur für etwas Profit, für Zahlungseingänge, für Fortschritt, Wachstum, die Stärkung der Nation, all diese Blenderideale. Wenn ich mich nicht wie ein Soldat aufführe der dem allgemeinem Tonus folgt, werde ich vernichtet, vorallem wenn ich nicht clever genug bin mir vorher ein alternatives Leben aufzubauen. Welche Chancen habe ich schon wenn ich offen und ehrlich sage wogegen ich protestiere? Die Leute erkennen mich als ihren Feind und lehnen mich und meine Argumente ab, sagen es wären faule Ausreden, blanke Verwirrung die ich da ausdrücke. Ich bin unfähig allen Vorwürfen weise genug zu antworten, ich verstehe die meisten Vorwürfe nicht einmal. Jeder Mensch hat seine individuellen Vorstellungen, Vorurteile und Ideale, und meistens sind sie eben inspiriert von vergangenen Helden oder vergangenen Ideologien, auch wenn diese total hirnrissig waren oder sind.

Es hilft nichts, für einige Zeit muss ich kämpfen wie all die anderen Menschen. So wie ich es früher aufrichtig getan habe, muss ich es nun mit meiner Zerrissenheit und Zweifel tun. Das ist doppelt so schwer. Wie kann eine Hure ihren Job geniessen wenn sie sich benutzt, beschmutzt, missbraucht und minderwertig fühlt? Das funktioniert nicht lange, irgendwann geht man daran zugrunde, verliert wichtige Dinge die man niemals wieder bekommen oder erfahren kann. Vielleicht kann man es wieder erfahren, aber dazu müsste man ja seinen Lebensstil ändern, aber das funktioniert nur wenn man ausreichend Geld hat, dann kann man sich frei kaufen. Dann besteht die Möglichkeit größere Freiheit zu leben und zu erleben. Ansonsten nicht. Du stehst ohne Geld da, also stehst Du auch ohne Rechte da. Wer seinen Pflichten nicht nach kommt hat keine Rechte. Der ist minderwertiges Fleisch ist überschüssiges Menschenmaterial welches mit Bestrafungen zu höherem Wert getrieben werden muss. Tja, wer daran zweifelt soll ruhig mal seinen Job schmeissen und einige Monate kein Geld verdienen, dann erlebt jeder wie es so ist nicht dazu zu gehören. Es ist absurd welche alten Verhaltensweisen sich immer wieder in die Gegenwart übertragen. Anscheinend hört es nie auf.

Was bleibt ist die Wut, Verzweiflung, Traurigkeit und Leere in den Köpfen und Gemütern. Manche nehmen das ehrlich wahr, andere verdrängen es, lenken sich ab, begreifen es als Krankheit und bekämpfen es oberflächlich und begreifen nicht wie stark das Ganze mit den hohen edlen Idealen von sich selbst und der Gesellschaft zutun hat. Im Zweifel handelt man eben wie die große verblödete Masse, auch wenn sie dem Abgrund zu rennt und zu arbeitet. So ist das eben, der Mensch ist auch ein Herdentier…

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Systemanalyse

Es wird ja unheimlich viel geredet, getan und gemacht überall wo man nur hinschaut und hinkommt. Überall gibt es schlaue und dumme Köpfe die ihre ganzes Leben in Qualifikationen und Karriere einsetzen. Wir arbeiten, sparen, spenden, kaufen, verkaufen, mieten, machen Schulden, schuften und ackern Tag ein Tag aus, als ob es immer unsere Natur gewesen ist.

In mir wächst dennoch ständig der Eindruck das wir trotz all dieser Engagements den Kern der Probleme, die wir alle mehr oder weniger intensiv miteinander teilen und individuell zu lösen oder zu ignorieren versuchen, nicht treffen. Dadurch wächst auch die Einsamkeit und Zerrissenheit in mir und natürlich auch in anderen Menschen, also auch in der gesamten Gesellschaft. Denn ignoriert man Probleme werden sie größer und schlimmer, das trifft beim Kern aller Probleme genauso zu und ist sogar noch intensiver schliesslich ist er die Quelle.

Wir sehen also überall die Brandherde, die Problembereiche, die Problemkinder und Symptome in unserem Leben, im Leben anderer Menschen oder überhaupt in der Gesellschaft und sagen wie Politiker im Wahlkampf: Da müssen wir was tun! Aber warum existieren diese Probleme überhaupt? Wieso haben wir über die Jahrzehnte, Jahrhunderte und Jahrtausende betrachtet sehr ähnliche Probleme und Konflikte gehabt? Was ist wenn unsere jetzige Moderne nichts weiter als ein anderes Mittelalter ist und wir wieder etlichen Illusionen erliegen die schwere Opfer verlangen?

Das jetzige System ignoriert genau wie die bisherigen Systeme die Bedürfnisse aller Menschen bzw. bevorzugt einige wenige und vernachlässigt viele andere Menschen. Dieses System ist deshalb zum Scheitern verurteilt, genau wie alle bisherigen Systeme. Wie soll das System auch funktionieren wenn es darin Gewinner und Verlierer gibt? Wenn es die Menschen voneinander trennt und zu Feinden, Konkurrenten usw. macht? Zwar haben wir gegenüber bisherigen Systemen ein paar Dinge dazugelernt, dennoch ist auch unser neues System folgenden Faktoren ausgesetzt:

Jedes erdachte System basiert auf Denken, Wissen, Erfahrungen und so weiter, aber all diese Faktoren sind begrenzt. Also ist auch das System nur begrenzt fähig die sich ständig wandelnde und verändernde Realität zu erfassen. Die agierenden Menschen im System stehen immer im Verzug zur Realität, müssen also immer etwas nachholen und verbessern. Wir versuchen beispielsweise heutzutage mit mehr Leistung, Wissen, Qualifikation der Realität nachzujagen obwohl wir sie so niemals erreichen können. Eigentlich müssten wir einfach nur stehen bleiben und das Leben geniessen, das ist uns aber „zu einfach“.

Die Lösung ist also das Problem, denn wir haben immer begrenzte Quellen woraus wir alle schöpfen. Wir sind von unseren Vorstellungen, Idealen derart eingenommen, wir nehmen ihre begrenzten Eigenschaften gar nicht wahr. Das wird immer für Spannungen und Konflikte vom kleinen Streit bis zum Weltkrieg produzieren, ganz einfach weil nicht alle Menschen berücksichtigt werden. Wie soll man auch ein System für Menschen erdenken die noch nicht existieren?

Jeder Mensch ist einzigartig, genau wie jedes Lebewesen, also gibt es immer neue und andere Lebenswege und Vorstellungen. Will man einen Rahmen vorgeben funktioniert das eine zeitlang bis sich genug Menschen zu sehr davon belastet/erniedrigt/usw. fühlen und dann stirbt der Rahmen/das System weil die Menschen sich davon befreien wollen („Die Mauer muss weg“ usw.). Ein statisches System wird also genauso wenig funktionieren wie starre Vorstellungen in Beziehungen jeder Art.

Wir müssen also stehen bleiben, das Leben erfahren, wahrnehmen wie es ist und uns beruhigen. Denn tun wir das nicht, werden wir weiterhin wie ein Hamster im Laufrad sein und uns dabei  für unheimlich engagiert und modern halten. Wir werden das immer weiter entwickeln und werden immer neue Probleme kreieren, für die es oberflächliche Lösungen gibt, aber wir werden so niemals glücklich sein. Dieses glücklich sein wird allenfalls ganz wenigen Menschen zuteil werden, die große Masse wird verzweifelt sein und sich fühlen als würde sie ersticken.

Wir sollten das Denken nicht zur Grundlage unseres Lebens machen, sondern es vielmehr als ein Werkzeug betrachten welches für einige Facetten des Lebens sinnvoll eingesetzt werden kann. Die Grundlage unseres Lebens sollte die Natur, also unsere Umgebung sein, der Boden worauf wir stehen. Keine flüchtenden Gedanken in die Vergangenheit oder Zukunft, über Profit, Karriere und so weiter, sondern das Leben hier und jetzt leben wie es ist und genießen. Zurück zu einem natürlichen Leben, welches zwar einfach aber dennoch vollkommen ist.

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Das Leben ist kein Wettlauf

Die meisten Menschen um mich herum quälen und peitschen sich durch schmale glühend heisse Pfade, die sie Karriere nennen. Ihr Alltag besteht darin Dinge zu tun die sie oftmals nicht tun wollen, die sie oftmals nicht nachvollziehen können oder als sinnvoll erachten. Sie streiten sich mit dem Chef, den Kollegen, den Kunden, lassen sich von allerlei alltäglichen Problemen frustrieren, jammern dann immer wieder etwas mit liebgewonnen Kollegen und machen dann im selben montonen Rythmus weiter wie bisher, als sei nichts gewesen und alles in Ordnung.

Mit dem „verdienten“ bzw. erwirtschafteten Geld welches sie gnädigerweise erhalten haben, kaufen sie sich Dinge die sie genau von dieser primitiven-selbstzerstörerischen Lebensweise ablenken sollen. Sie trinken Kaffee, rauchen Zigaretten, holen sich schicke Klamotten die sie dann in der Arbeit austragen um oberflächliche Aufmerksamkeit zu erbetteln, nutzen ihr mit blutigem Öl betankten Auto für den Arbeitsweg und nennen das „Ein Stückchen Freiheit“.

Unermüdlich treiben sie sich selbst durch eine ätzende Realität, die sie selbst ganz genau als solche wahrnehmen, aber sie wollen dieser nicht entfliehen weil es ihrer Meinung nach keine andere Möglichkeit zu leben gibt. Schliesslich machen es „alle“ Menschen auch so, mit Ausnahme der sogenannten Sozialschmarotzer oder irgendwelchen Irren die in die Wildnis gezogen sind und ein ehrliches selbstbestimmtes Leben vorziehen.

Natürlich sind sie nicht allein Schuld an ihrem Selbstbetrug. Wir bekommen schon mit der Erziehung und dem Bildungssystem Ehrgeiz, Gier, Neid und andere egoistischen Extreme eingeimpft. Es werden die Menschen voneinander getrennt und gespalten, so als ob sie aus völlig verschiedenen Universen stammen würden. Die Menschen strengen sich an um ihre tief-empfundene Leere durch irgendwelche Engagements zu lösen.

Sie glauben durch einen tollen Job, fettes Gehalt, einem Haus, einer schönen Frau könnten sie diese Leere füllen. Dabei ist der Grund dieser Leere genau dieses Verhalten. Keine Frau der Welt würde einen Menschen lieben der sich selbst betrügt. Es sei denn diese Frau betrügt sich ebenfalls. Was folgt ist der gegenseitige Betrug, man geht fremd, es gibt Streit, Prügel, Chaos und Schmerz. Und das wird letztlich als Beziehung oder Liebe bezeichnet. Was für eine erbärmliche Vorstellung! Das ist nichtmal ein Schatten von Liebe! Das ist Schwertkampf mit nackten Körpern. Die Menschen haben sich zu Konkurrenten gemacht, nicht nur im Beruf, in der Schule, in der Familie, im Sport, in der Kultur, sondern natürlich auch in der Liebe.

Die egoistischen Extreme werden seit vielen Jahrhunderten gelebt, Im Kern sind sie immer dieselben geblieben, nur oberflächlich haben sie sich unglaublich facettenreich verändert und entwickelt. Die Gesellschaft ignoriert ihre Natur, ihre Herkunft, zwingt sich dazu gewissen künstlich-perfekten Vorstellungen zu folgen und erkennt nicht welche Zerstörung daraus logischerweise folgen muss. Wir Menschen können nichts erbauen was von Dauer ist. Wir können nichts erarbeiten was für die Ewigkeit steht. Wir sind nur Lebewesen. Wir sind Facetten des Lebens. Jeder Mensch dient dem Leben. Kein Mensch kann sich über das Leben stellen, es kontrollieren oder es ausquetschen ohne daran zugrunde zu gehen. Es ist ein Gesetz welches sich immer bewahrheitet hat.

Wer meint er könnte dies überlisten, wird das vielleicht eine Weile glauben können, je nachdem wie gut er im Selbstbetrug ist, vielleicht wird er es nie lernen, aber letztlich wird das Gesetz immer seine Gültigkeit behalten. Wir sind nicht auf dieser Welt um aus uns alles zu machen was wir denken können. Wir sind hier um glücklich und zufrieden zu sein. Wir sind hier um zu erleben, zu essen, zu schlafen und zu lieben. Es geht nicht darum sich gegenüber anderen als etwas besseres zu fühlen oder sich über sie zu stellen. Das versuchen aber die meisten Menschen wenn sie sich einem System wie dem heutigen unter- und einordnen, welches darauf basiert sich gegenüber anderen Menschen durchzusetzen.

Die Suche nach dem Arbeitsplatz, Ausbildungsplatz, die Sicherung der eigenen Arbeitsstelle durch Mehrarbeit und aufopferungsvollen Engagement ist Tagesordnung in vielen tausend Konzernen und Unternehmen weltweit! Alles nur weil die Menschen Angst haben. Sie glauben sie hätten keine Existenzberechtigung und glauben sie könnten das nur wettmachen wenn sie ein guter Arbeiter sind, ein Arbeiter der nicht allzu viel hinterfragt und nicht soviel den Chef nervt oder die Politiker was die Verhältnisse angeht usw. Darin besteht der große Irrtum. Statt sich darauf zu konzentrieren die Menschenrechte hier und jetzt lokal wie international durchzusetzen und zu leben, werden diese möglichst weggeschoben, denn sie könnten ja den Job kosten.

Ich höre 24 Stunden um mich herum nur Industrielärm. Ich höre Maschinen die unaufhörlich arbeiten die von traurigen Menschen gesteuert werden. Es knallt und scheppert, der gräßliche Lärm der Fleissigen und Strebsamen erfüllte schon bevor ich geboren wurde diese Welt. Es wird für den Gewinn gearbeitet, es wird für das Morgen gearbeitet, gegen die Konkurrenz um sich durchzusetzen! Als ob sich jeder Mensch seinen Lebensraum erkämpfen müsste. Als ob wir alle keine lebenslangen Rechte hätten die uns zu nichts anderen zwingen als in Respekt, Aufrichtigkeit und Aufmerksamkeit miteinander zu leben.

Ich frage mich wer uns dazu zwingt so zu leben? Wir müssen es doch selbst sein oder? Uns hält niemand die Waffe an den Kopf und sagt wir sollen zur Schule gehen und möglichst nur gute Noten schreiben (von Verstehen keine Spur!). Uns peitscht niemand aus wenn wir nicht arbeiten gehen, für einen Konzern der Bullshit produziert. Aber wir machen es dennoch, weil wir glauben wir seien davon abhängig. Wir sind seit frühester Jugend mit vielen Illusionen ausgestattet worden. Wir haben eigentlich die Aufgabe diese zu erkennen und auszuräumen, und unseren Kindern dies zu lehren. Alles andere wäre nicht nur verlogen sondern grob fahrlässig, dämlich, würde unser Potential in den Müll befördern! Leider haben die vorherigen Generationen genau diesen wahnsinnigen Blödsinn gemacht!

Warum darf nicht jeder das tun was er möchte? Wieso gibt man nicht jedem die Möglichkeit dazu, ohne irgendwelche absurden Forderungen aufzustellen? Sofern jemand die Voraussetzungen erfüllt, also ein gewisses Interesse hat, soll er doch ermöglicht bekommen was er gern machen möchte. Ohne irgendeinen Zwang. Alles andere wäre krank. Warum treiben wir ein krankes System voran? Sind wir unfähig zu erkennen wohin uns das führt?

Schieben wir die Verantwortung einfach nur weiter und können daher so weiter machen? Womöglich ist es so. Wir sagen das ist zu komplex. Wir wissen nicht wer verantwortlich ist, also können wir auch nichts ändern. Es ist die Gesellschaft, das System, man bräuchte 2 Leben um irgendetwas Neues zu erreichen. Vielleicht ist es so. Aber ist das ein Grund das Unglück zu leben, sich selbst und anderen Schmerzen zu zufügen? Sollten wir nicht lieber all das aufgeben und etwas völlig Neues probieren, was die Chance hat wesentlich mehr Menschen glücklicher zu machen? Und nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere und Pflanzen. Warum wollen wir nicht Harmonie als alltäglichen Halt erleben? Sind wir zu sehr an Gewalt, Zerstörung, Wut und Hass gewohnt?

Ich denke wir Menschen sind zu sehr beschäftigt, stecken in diesen Prozessen des Lernens, Arbeitens, Strebens drin. Wir ruhen uns aus, strengen uns an, ruhen uns aus, strengen uns an. Wir denken das ist Freiheit. Wir sagen es gibt nichts Besseres und solange nicht genug Menschen widersprechen und etwas anderes vorleben erkennen wir das einfach als Wahrheit und damit als Basis für die jetzige und spätere Realität. Darin besteht der eigentliche Irrsinn. Für unsere jetzige Lebensweise, unser jetziges System gibt es keine echte Rechtfertigung. Klar, es wird davon gesprochen, es hätte den größten Wohlstand überhaupt erbracht, wunderbar, aber sind wir mit diesem Wohlstand wirklich glücklicher geworden? Oder wurde dadurch der Selbstbetrug nur noch schlimmer?

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