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Saufen, saufen, saufen, – warum feiert ihr?

Die Jugendlichen wissen nicht was auf sie zukommt. Sie jubeln mit ihren Freunden in den Clubs, S-Bahnen, Bahnhöfen und Seitengassen darüber, die letzte Woche überlebt zu haben. Ausgelassen und voller Energie toben sie sich mit Alkohol und verbalen wie physischen Tätigkeiten aus. Wir alle waren einmal so. Wir schritten über Grenzen um uns zu testen, um andere zu testen, um zu beeindrucken, um zu schockieren und um ein Zeichen zu setzen. Voller Erwartungen waren wir, wie die Jugendlichen heute, optimistisch das Leben voll auskosten zu können. Ja, man kann von einer Gier nach Leben sprechen, die blind für die Gefahren macht, was für unerfahrene Jugendliche besonders fatal enden kann. Manche von uns sind immer noch so, denn dieses Partyvolk wird nicht nur von Jugendlichen bevölkert, nein, auch von jung gebliebenen Erwachsenen, die immer noch ihren Spaß haben wollen. Es gibt regelrechte Industriegebiete die sich nur zu diesem Zweck gebildet haben. Es ist gilt als cool in Fabriken zu feiern, in Fabriken in denen früher die Arbeitskraft ausgebeutet wurde. Es gilt als cool zu feiern, obwohl tagtäglich tausende Menschen verhungern, tausende keinen Zugang zu Medikamenten oder sauberen Wasser haben, tausende schlicht in Armut verrecken. Und obwohl dieses mörderische Prinzip des Kapitalismus auch für uns gilt, also auch für die feiernden Jugendlichen, wird so getan als hätten wir keine Probleme und somit nichts anderes zu tun, als uns mit Drogen und musikalischen Lärm zu betäuben.

Tausende Menschen verhungern & wir feiern ausgelassen den Feierabend

Nun stellt sich die Frage warum Millionen von Menschen ihre Freizeit damit verbringen, in ihrem Erbrochenen zu liegen, Gehirnzellen mit mit dem Nervengift Alkohol abzutöten, durch stumpfes, dämliches Gelaber und Gegröhle aufzufallen und sich in überfüllten Räumen, zu grellem, flachen Elektroschmodder zu bewegen. Eine Sehnsucht von Freiheit mag sie in das Getümmel treiben, die Lust nach der Grenzenlosigkeit, das Eintauchen in eine Welt, die scheinbar jenseits des Leistungs- und Konkurrenzgedankens funktioniert. Im Rausch muss man keinen Befehlen gehorchen, man folgt dem eigenen Empfinden, ist endlich wieder ein bisschen spontan, atmet frei und kann sich loslösen vom engen, grauen und rauen Alltag. Aber selbst wenn dieser Idealfall eintritt und das tut er mit der Zeit immer weniger, prügeln die Montage die bittere Erkenntnisse in die Köpfe der Partyhungrigen hinein: „Ihr seid nicht frei, ihr dürft nicht spontan sein und ihr dürft schon gar nicht Befehlsverweigerung üben!“ Befehlsverweigerung meint Generaltstreik, meint Überwindung des Kapitalismus zugunsten der eigenen Bedürfnisse.

Die Clubs als Konsumtempel der Zerstörung

Die Clubs funktionieren wie jeder kapitalistische Betrieb, sie wollen dazu animieren möglichst viel Geld auszugeben. Man lockt die Mädels mit freiem Eintritt, sodass sie gleich noch ihre Freundinnen bzw. Freunde mitbringen. Jede Frau bringt ungefähr 5 Kerle, sagen sich die Clubbetreiber. Die Verführung der Jugendlichen bzw. der Menschen generell ist alltägliche Praxis. Die Anklage mancher Parteien oder Journalisten hilft da wenig, auch wenn jede Woche Betrunkene andere mit dem Auto überfahren, oder überfahren werden, wenn es zu Alkoholvergiftungen kommt und so weiter. Alkohol ist ein Rohstoff der viel Geld einbringt und ist obendrein gesellschaftlich anerkannt, was wiederum für Gras, Koks und Heroin nicht gilt. Es konnte sich in der Geschichte nie eine Industrie etablieren die vom Staat akzeptiert wurde. Nikotin ist ähnlich wie Alkohol eine enorme wirtschaftliche Kraft, legal und gesellschaftlich anerkannt. Nikotin und Alkohol beruhigen die Massen. Ähnlich wie man mit einer morgendlichen Tasse Kaffee den Tag startet und so besser ertragen und überwinden kann, so existieren Zigarette und Bier als wichtige Motivationshilfen und Ruhigsteller.

Das Partyleben ist Ausdruck von Ausbeutung

Es ist illusorisch zu glauben, ein bisschen Alkohol, Musik und Sex würden das Leben lebenswert machen. Jeder hat es durchgemacht, am Anfang ist es aufregend und dann verliert sich irgendwie die Magie. Warum ist das so? Es muss etwas mit der beruflichen und schulischen Tätigkeit der Individuen zu tun haben, die alles erdrückt und zerstört. Die Sogwirkung der Clubs und Drogen speist sich aus einem Alltag, der nicht befriedigend ist. Man quält sich unermüdlich für einen Platz an der Sonne im Kapitalismus. Da Milliarden Menschen sich um diesen Platz bemühen und dieser Platz sowieso begrenzt ist, verschärft sich der Konkurrenzkampf, je mehr Arbeitnehmer sich in den Markt mit Arbeitsleistung  und Zeit einbringen, je mehr sie von diesen Attributen investieren. Ergebnis dieses Kampfes ist eine ständige Arbeitsintensivierung, wir müssen mehr tun, in immer kürzeren Zeitabständen, die Arbeitskraft wird immer stärker ausgepresst, damit sich der Arbeitsplatz und die kapitalistische Produktion überhaupt noch rechnet. Diese Intensivierung äußert sich für uns in Stress und manchmal sogar in Depressionen, Herzerkrankungen und vielen anderen mittlerweile weltweit bekannten Zivilisationskrankheiten. Um einen Ausgleich zu haben, betreiben wir entweder erfüllende Hobbys oder gehen eben saufen, um wenigstens ein bisschen das Leben zu genießen. Jugendliche beschreiben es auch schlicht als „Spaß haben“. Das Leben ist kurz und alles ist scheiße, also brauchts mindestens das Wochenende um davor zu flüchten. Trotz der unendlichen Möglichkeiten der Unterhaltungsindustrie, von Kino, Musik über Clubs, reicht das einigen nicht mehr und sie empfinden großen Überdruss. Die große Sinnlosigkeit hinter all dem lauten und amüsierten Treiben der Massen wird offenbar.

Feiern, um unerträgliche Zustände zu ertragen

Man kann sich das leicht selbst veranschaulichen, in dem man das Partyvolk beobachtet und hört was sie so von sich geben. Im Prinzip ist darin eine große Leere zu erkennen. Sie feiern um zu feiern, sie lachen um zu lachen, es ist wie als würden sie einen bekannten psychologischen Kniff anwenden, den einige Soldaten ganz gut kennen. Wenn man als Soldat großer Ungerechtigkeit oder großem Leid begegnet, in Form von Kinderleichen oder dem Tod eines guten „Kameraden“, dann verarbeitet man das am besten wenn man lacht. Ich denke das Partyvolk jubelt, feiert und lacht um ihr gequältes und geschundenes Leben zu ertragen, welches sich nicht befreien und entfalten kann. Sicherlich sind die Leute auch einfach glücklich und feiern deshalb, aber auch nur weil sie keine Ahnung von den Problemen dieser Gesellschaft haben. Anders ist es nicht zu erklären. Wie kann man denn feiern, wenn tagtäglich Menschen sterben, nur weil sie kein Geld haben? Wie kann man denn feiern, wenn sich Milliarden Menschen in Lohnarbeit aufarbeiten, während sich eine elitäre Minderheit an perversem Reichtum ergötzt? Die Mechanismen hinter solchen Entwicklungen werden nicht erkannt und nicht hinterfragt.

Das Partyvolk kennt sich gar nicht, weil es  sich nicht mit ihrer Umgebung auseinandersetzt. Und im Grunde ist das Partyvolk die personifizierte Bewusstlosigkeit, die mit schallenden Gelächter auf Kinderleichen herumtrampelt. Wer gegen das Partyleben spricht ist ein Spaß- bzw. Spielverderber, ein Langweiler, einer der das Leben nicht genießen kann. Statt inne zu halten und sich zu fragen was eigentlich los ist, wird mit Lärm und Schwachsinn jegliche Möglichkeit auf neue, revolutionäre Erkenntnisse abgetötet. Dies ist ein weiteres Armutszeugnis, welches sich für jeden Menschen offenkundig, jedes Wochenende erneut aufbläht.

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Eingeordnet unter Gesellschaft

Wir sind der Weltuntergang

Während man hierzulande nicht weiß was man tanken soll verrecken auf der ganzen Welt Menschen im Elend. Sie verhungern auf Müllbergen, ersticken an giftigen Elektroschrott aus sämtlichen Industrienationen, ersaufen auf dem Weg ins gelobte Land Europa und verkaufen ihre Körper an widerliche Scheißkerle. Und all das findet nirgends die dringliche Anklage und Bekämpfung wie es notwendig wäre. Weder in den Medien wird angeklagt das noch immer kaum Bewegung gegen all diese Entwicklungen herrscht, es wird weder in der Politik, noch in weiten Teilen der Bevölkerung irgendetwas getan was von irgendeiner Bedeutung wäre. Was wird getan gegen die Plastikinseln auf den Weltmeeren, die Rodungen der Wälder, dem Artensterben und die Betonisierung der Landschaften? Alles was man von den Leuten zu hören bekommt ist wie traurig das alles doch sei und wie wenig man dagegen machen könne. Es wird alles gleichgültig hingenommen und akzeptiert. Kinderarbeiter auf Kakaoplantagen? Auf Kaffeeplantagen? In Coltanminen? Shit happens, bissl Schwund is immer, die Welt dreht sich weiter und überhaupt: Wir haben alle unsere Sorgen und Probleme, was solls! Mich widert das dermaßen an, ich kann jeden Amokläufer zutiefst nachempfinden warum er die Waffe gegen seine Nachbarn richtet. Es ist zutiefst ekelhaft wie sich millionenfach zwischen all diesen Katastrophen ein nettes Leben eingerichtet wird. Überall züchten wir Fabriken in den Tiere massenhaft hingerichtet werden, in denen Menschen systematisch zu stumpfsinnigen Fachidioten abgerichtet werden, permanent wichsen die Leute sich einen auf ihr Äußeres, auf Oberflächlichkeiten, verlieren sich in Trends und Skandale die alle nichts wert sind! Es ist widerlich diese Routine und den Alltag zu spüren, die Sonne auf seiner Haut zu spüren, zu sehen wie die Leute Eis schlecken während die Bundeswehr in Afghanistan Zivilisten bombadiert, während Politiker das Land an Kapitalisten verkaufen, während die Schifffahrt die Atmosphäre verpestet. Die Leute leben als ob wir in der besten aller Welten leben. Sie haben geschluckt was große Parteien seit Jahrzehnten erzählen, sie haben geglaubt was die Eltern, Lehrer und Bosse dieser Welt erzählt haben. Arbeite hart und es lohnt sich. Lerne hart und es lohnt sich. Ja für wen denn, für was denn? Die Profite steigen, aber wer von uns ist glücklich? Die Welt versinkt im Dreck, die Ruinen wachsen, die Reglementierungen und die Repressionen steigen, aber schön das Bruttosozialprodukt hat ein Wachstum zu verzeichnen, na dann ist ja alles in Ordnung, gehen wir Kinder zeugen in diese verkommene Zeit! Widerlich, abscheulich, unerträglich! Wie kann man nur all das nicht sehen und nicht bekämpfen. Es geht mir nicht ins Hirn. Die Informationen sind offenkundig, man braucht sich nur hinsetzen und sie wahrnehmen, das ist alles. Es gehört kein großer IQ dazu, es gehört kein großer Charakter dazu, es ist bloss Zeit die man investieren muss um zu begreifen was schief läuft und was getan werden muss. Ist das so schwer? Wenn die Probleme gelöst sind könnt ihr Euch ruhig einen drauf runterholen wie geil Lady Gaga singt und wie scheiße Guttenberg ist. Letztlich wird die Lösung der Probleme aber nie eintreffen, denn dazu müsste man erstmal innehalten können. Und wer will das schon? Wer will sehen wie abgrundtief verdorben diese Welt geworden ist, nachdem wir sie jahrzehntelang vergewaltigt und benutzt haben wie einen wehrlosen Kinderkörper. Wir behandeln die Erde schlecht, weil wir uns schlecht behandeln, weil wir nicht wissen wer wir sind. Es ist eine ganz einfache Logik, jedes Kind weiß das was nicht stimmt. Geht endlich mal Eurem Gewissen nach oder wollt ihr später wenn nachfolgende Generationen fragen wie das alles möglich war, wie die Nazis sagen ihr hättet von all dem nichts gewusst?

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Ernüchternde Realität

Es ist schon eine Quälerei in dieser Stadt. Ich sehe auf den Strassen täglich Nutten, Touristen, Polizisten, Fußballfans, Mütter, Punks und alle stolpern sie durch das Leben ohne nach Links und Rechts zu schauen.

Die Nutten können nicht locker lassen, sie stehen illegal auf den Strassen, rennen Dir auch nach dem dritten „Nein, danke“ hinterher, stellen sich Dir in den Weg, heucheln, schmeicheln, sind schlagfertig um sich gewissen Umsatz in dunklen Gassen, Parks und Zimmern zu erblasen. Mich widert das an, es ist intim und gleichzeitig oberflächlich. Alle Menschen sind käuflich, jeder hat seinen Preis, es gibt keine Liebe, diese Sachen denke ich mir wenn ich diese Frauen sehe.

Die Touristen staunen über Bauwerke, kaufen unmengen dekorativen Schrott, fressen unmengen ungesunden Schrott, torkeln betrunken durch die Strassen, lassen sich beklauen und manchmal auch von anderen durchreisenden Idioten oder Immigranten, frustrierten Deutschen durchvögeln. Sie widern mich an, weil sie die Stadt nur als Attraktion betrachten, selten als den Platz welcher er ist: Ein Platz voller gnadenloser Überlebenskämpfe. Sie gehen lachend, grinsend, mit ihren fetten Geldbeuteln durch die Strassen, stellen ihre Dekadenz, ihren maßlosen Überfluss wie die grunzenden Schweine zur Schau! Diese Gesichter müsste ich täglich tausendfach eintreten, auch wenn das gar nichts in den Köpfen ändert!

Die Polizisten sitzen in ihren Autos, kurven durch die Strassen und glotzen gelangweilt aus dem Auto. Sie bewachen jüdische und staatliche Einrichtungen neben etlichen Kameras und meterhohen Zäunen, werden dabei von Touristen belächelt und fotografiert. Sie sind für mich wohl soetwas wie die ausführende Bürokratie im Land, die selten den Menschen nützlich sein kann sondern im Gegenteil die Menschen voneinander abschirmt. Sie sind nicht da wenn Frauen mit K.O.-Tropfen in fremde Wohnungen geführt und missbraucht werden. Sie stehen auf der falschen Seite wenn es um die Durchsetzung der Grundrechte geht, Stichwort: „Freiheit statt Angst“-Demo.

Die Fußballfans wie ich sie neulich traf, sassen mit mir in einer Trambahn und unterhielten sich über die kommenden Wahlen. Sie sagten sie würden NPD wählen, denn nur diese Partei könne überhaupt noch irgendetwas bewegen in „diesem Scheiß System“. Die Piraten würden sie nicht wählen, sie wären „totaler Scheiß“. Sie gröhlen ihre Fangesänge, weil sie es schon als Kinder lieben gelernt haben. Und sie feiern auch wenn ihr Verein verliert oder die Spieler arrogant und distanziert sind. Ihre Energie geht hier drauf, das Fußballstadion ist ihre Partymeile, ihr Ventil für ihre Frustrationen.

Die Mütter die alleine in den Strassen Berlins unterwegs sind, sie tun mir teilweise leid, teilweise erschrecken sie mich wie sie mit ihren Kindern umgehen. Da wird ein Kind zum Hund, wird mit zischenden genervten Kommentaren auf den Sitz gedrückt oder in eine Ecke geschubst. Nur wenigen Müttern sehe ich ihre Liebe zu ihrem Kind an, viele sind einfach nur zerfallen, traurig und wirken zertreten wie soviele Menschen in Berlin. Sie kämpfen sich mit ihren Kindern durch das Leben und irgendwie habe ich die Befürchtung das die Kinder ebenfalls um jede Kleinigkeit werden kämpfen müssen. Was natürlich Frustration, Wut und Depression erzeugen wird.

Die Punks , wenn ich sie denn wirklich als solche so definieren kann, sind meistens relativ unpolitische (Party-)Leute. Sie haben nicht selten eine Bierflasche in der Hand, einen Hund neben sich und lachen entspannt vor sich hin. Wobei das Lachen auch durch einen merkwürdig abwesenden Gesichtsausdruck ausgetauscht werden kann. Sie schnorren oft an Touristenmekkas um sich Tabak, Alkohol oder soetwas kaufen zu können. Echte Strassenkinder könnten bei den zahlreichen Sozialprojekten in Berlin unterkommen, was aber oft unterlassen wird, aus sagen wir mal psychischen Gründen. Die Punks sind leider nicht mehr so politisch wie es vielleicht einmal war, sie sind Schatten ihrer selbst und verrotten vor sich hin. Ohne jegliche visionäre Perspektive.

Sie alle deprimieren mich zutiefst, weil sie sich von primitiven Ideologien instrumentalisieren, missbrauchen, verarschen und verblenden lassen. Ist das alles was Du zu bieten hast Berlin?

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Eingeordnet unter Berlin

Der schrille stumme Schrei der Partygesellschaft

Es ist 3 Uhr morgens als ich laute dumpfe Musik in ferner Nachbarschaft höre. Ich steige auf mein Fahrrad und fahre hin um zu sehen was dort passiert. Die Band heißt Deichkind und tritt auf einer Massenveranstaltung vor tausenden von betrunkenen kreischenden jungen Leuten auf. Als ich ankomme ist bereits alles vorbei und die Massen taumeln benebelt von den Drogen, der lauten Musik auf glitschigen Untergrund nach Hause. Die Tage davor hatte es öfter mal Regen gegeben, einige Autos steckten im Schlamm und kamen nur schwer von der Stelle. Die Veranstaltung liegt an einem See und überall sind Zelte von Fans aufgebaut. Einige hören laute Musik, schreien, grillen, hocken auf ihren Plastikstühlen, versinken darin, haben eine Freundin auf dem Schoss oder starren benebelt in die Nacht.

Die Atmosphäre ist gleichzeitig geladen und entspannt. Ich glaube die meisten sind hergekommen um ihre Probleme und Verzweiflung aus den Leib zu schreien oder sie irgendwie für ein paar Stunden zu betäuben. Es ist illusorisch, aber  viele Menschen probieren das weltweit ständig. Sicher findet irgendwo auf der Welt gerade dasselbe statt, in Italien oder Brasilien. Die Musik, die Menschen, die Drogen und das ländliche Umfeld mögen anders sein, aber im Kern geht es genau um dasselbe. Ein paar Stunden aus einem gewöhnlichen langweiligen traurigen Leben fliehen, welches mit den gesellschaftlichen Ketten der Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien festgehalten wird. Es starten immer mehr Autos, viele Besucher steigen in Sonderbusse, andere gehen zu Fuß nach Hause, sie kichern, gackern, albern herum, reden nonsens und liegen sich hier und da in den Armen während sie weiter durch die Nacht stolpern.

Das sind die kleinen glücklichen Momente dieser mir so fremden Menschen. Ich habe nichts mit ihnen zutun, glaube aber sicher zu wissen was in ihnen vorgeht und warum sie das alles machen. Eigentlich ist es ein schöner Ort besonders in der Nacht. Aber die Veranstalter haben überall sehr helle Scheinwerfer aufgestellt, es gibt Sicherheitspersonal welches streng auf die vorbeiziehenden Gestalten blickt, aus einigen Ecken dröhnt weiter Musik und es gibt noch viele andere kleinere Lampen und Lichter die auf dem gesamten Platz verteilt wurden. Viele Menschen haben sich verabredet um gemeinsam und anonym eine Band zu feiern die scheinbar keine echte Richtung vertritt. Vorhin hörte ich etwas von Yippie Yippie Yeah und Remmidemmi typisches Partygegrölle, nutzlose Phrasen die die menschliche Leere nur oberflächlich stopfen können und recht schnell mit dem Alkohol ausgekotzt oder ausgepisst werden.

Brot und Spiele: Diese Leute sind erfolgreich mit ihrer Musik, haben es sich erarbeitet und damit irgendwie verdient. Sie fahren gleich nach ihrem Auftritt in einem großen roten Bus mit schwarzgefärbten Scheiben weg. Soll man ihnen einen Vorwurf machen? Sie sind erfolgreich mit ihrer Version von Ablenkung. Sie lösen nichts, sie versuchen nur glücklich zu sein, genau wie die Leute die für ihre Auftritte bezahlen und besaufen. Manchmal glaube ich den Menschen reicht es gewisse Illusionen und Träume zu haben, damit sie ihren jämmerlichen Alltag bewältigen und ertragen können. Das Wochenende ist Opium fürs Volk. Da darf man sich wenigstens ein bisschen entfalten, lebendig sein und überhaupt so sein wie man es gerne hätte. Da die meisten kaum einen Gedanken daran verschwenden was sie denn gerne wären, kommt meistens nur Bullshit dabei heraus. Sie werfen ihr Potential weg, schieben die Ketten für ein paar Stunden Spaß zur Seite und treten spätestens am Montag gehorsam willig oder widerwillig ihren Dienst an der Gesellschaft an.

Diesen Menschen fehlt es an einer Richtung, genau wie der Gesellschaft an sich. Es geht nur darum die notwendigen Leistungen zu erbringen, darüber hinaus gibt es nach dieser Logik nicht viel mehr. Wer die Leistung nicht erbringen kann, ist eben ein Verlierer, wird weggeworfen und vergessen. Wer ein paar Monate arbeitslos war und keinen Job fand oder wollte, wird wissen wie ich es meine. Seht Euch an wie man mit den Rentnern umgeht die kaum bis gar kein Geld besitzen. Wie geht es überhaupt den Menschen hierzulande und weltweit, die kaum bis keine Besitztümer, Qualifikationen oder dergleichen haben? Unsere tolle „soziale Marktwirschaft“ hat dafür genausowenig übrig, wie die Politiker etwas für ihre Bürger. Es geht letztlich nur darum die Verhältnisse beizubehalten. Die Leute sollen arbeiten und feiern. Andere profitieren davon und wollen natürlich nicht dabei gestört werden. Um derartiges in den einzelnen Fällen konkret nachzuweisen braucht es aber Menschen die sich lange Zeit präzise damit auseinandersetzen. Diese Menschen gibt es immer seltener, denn die Zeiten sind hart, jeder Job ist unsicher und jeder Mensch ist in einer Leistungsgesellschaft ersetzbar.

Alles was produziert wird muss auch gekauft werden. Es muss irgendwelche Idioten geben die sich nutzlosen Mist kaufen, die zuviel Essen, Rauchen, Saufen, sich ablenken und ihre Kritikfähigkeit, Zivilcourage und ihr Gewissen vergessen, verdrängt oder verkauft haben. Und wenn diese Leute noch krank werden, ist das auch sehr gut, denn dann kann man ihnen Medikamente verkaufen, sie zum Psychiater schicken der ihnen Medikamente verschreibt. Klar kostet das den Krankenkassen etwas, die holen sich das Geld von anderen Leuten, indem sie alte Menschen nicht mehr für teure Krebstherapien zulassen. Es gibt für alle Probleme Lösungen um den Profit zu steigern!

Und wer nicht arbeiten will, der muss einfach nur mehr gefordert werden. Wer in der Schule nicht funktioniert wird mit schlechten Noten bestraft, wer keine Ausbildung macht oder in einem Job arbeitet wird mit weniger Geld bestraft, alles was nur irgendwie den Produktions- und Korruptionskreislauf des wirtschaftlichen und politischen Machtapparates schwächen könnte muss bestraft werden. Und jene Menschen die folgen und fleissig arbeiten werden mit Geld belohnt, damit sie sich ein Stückchen Freiheit erkaufen und auf nichtssagenden Konzerten saufen können. Die nächsten Krisen kollektiv wie individuell sind schon vorprogrammiert, könnt ihr Euch alle drauf freuen!

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Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Die Zeit läuft ab, auch für Dich

Die Massen strömen durch die Betonschluchten. Die Masse wird geplagt von Zeitdruck, Leistungsdruck, Schlaflosigkeit und Gedankenlosigkeit. Sie versucht das Gute darin zu sehen, – den enormen Wohlstand und den Fortschritt. Alles ist besser geworden, und denen den es schlecht geht, denen wird es auch bald sehr gut gehen und sie werden darüber lachen was war.

Das Vorbeirauschen der tonnenschweren Fahrzeuge, das Rollen der Rolltreppen, das hastige Gestolpere, das Rascheln und Klimpern des Geldes im Hosenbund, das Ticken der Uhren über den Köpfen wird gar nicht mehr hinterfragt. Es ist nunmal die Realität, die einzig wahre Realität die existieren darf. Wie einst, als die Erde nur als Scheibe existieren durfte.

Die Träume dieser Soldaten besteht aus 1,3 Kindern, 3 Wochen Südseeurlaub und sonstigen abgehakten, verfaulten, zusammengeschlagenen, isolierten Vorstellungen. Danach wird gestrebt, dafür wird gekämpft. Jeden Tag allein und eiskalt. Qualifikation, Kontakte, Einsatz, das ist wichtig! Das ist der Zeitgeist, wer nicht mitzieht hat verloren. Derjenige der nicht mithält, ist der Schwache, der Verlierer mit welchem keiner etwas zutun haben will und wird.

Der Zugang zur Freiheit muss erarbeitet werden, wer die Arbeit hinterfragt, wird sie nie erhalten. Wer protestiert, wird sie nie erhalten. Wer nur darüber spricht und Fragen stellt, wird sie nie erhalten. Das hämmern des Fortschritts, das klingeln des Geldes im Geldbeutel, die schicken Klamotten die an schlanken Körpern rascheln, – all das ist Nichts für Ungehorsame. Die Ungehorsamen sind Verlierer. Ihr Zweifel und ihr Schmerz macht sie zu etwas Nutzlosem. Sie sind so Nutzlos wie die Bäume um sie herum, das meint zumindest die Masse. Und die Masse hat nunmal Recht, es ist ihr egal ob sie falsch liegt. Es ist ihr gleichgültig ob sie zu Millionen die Klippen hinunterstürzen, indem Glauben es könne doch nur besser werden.

Der Aufprall wird uns nicht erleuchten, er wird unsere Chancen aufzeigen. Und wenn wir sie dann kennen, sind wir längst tot und fragen uns vielleicht, was wir mit dem Fortschritt wollten, wenn doch alles bereits perfekt war? Vielleicht würden wir dann als Geist schwebend über die damalige Existenz lächeln und sagen, wir wussten es nicht besser, es fing doch schon von Kinderbeinen an.

Dieser Wettkampf, dieses Leistungsdenken, das erlernen der Ellbogentaktik. Ja, würden wir sagen, wir waren unschuldig, wir konnten nicht anders. Obwohl wir hörten, wie unsere Brüder und Schwestern ein paar Kilometer weiter verdursten, verhungern und unter freiem Himmel leben, fuhren wir unsere Autos, feierten wir unsere Partys, sangen wir die Nationalhymne bei Fußballspielen und schwangen uns so jeden Tag in unserem widerlich destruktiven Glauben, alles würde besser werden.

Wir hatten keine Chance unseren Verstand zu benutzen, und den Fortschritt in den Kopf zu bringen. Wir hatten keine Chance die wesentlichen Probleme unserer Spezies zu lösen. Wir konnten auf keinen Fall aufhören uns gegenseitig zu ignorieren, anzupöbeln, zu erschiessen, zu vergewaltigen und zu hassen. Wir waren absolut ohne Chance eine Vorstufe einer besseren Welt zu schaffen. Wir waren zu jeder Zeit sowas von chancenlos, – werden wir sagen: Es konnte ja keiner wissen, dass die Zeit auf dieser Welt so schnell vorüber sein würde.

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Eingeordnet unter Gesellschaft