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Der Mond ist die Wunde der Nacht

Im Bureau
 
Der Mond blickt zu uns hinein,
er sieht mich als armen Kommis
schmachten unter dem strengen Blick
meines Prinzipals.
Ich kratze verlegen am Hals,
Dauerenden Lebenssonnenschein
kannte ich noch nie.
Mangel ist mein Geschick;
kratzen zu müssen am Hals
unter dem Blick des Prinzipals.
Der Mond ist die Wunde der Nacht,
Blutstropfen sind alle Sterne.
Ob ich dem blühenden Glück auch ferne,
ich bin dafür bescheiden gemacht.
Der Mond ist die Wunde der Nacht.
 
Robert Walser 

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Ich verrecke aus Verzweiflung

Ich verrecke aus Verzweiflung.
Nichts als elendige Ungewissheit plagt meinen milden Verstand.

In einem dunklen Wald mit kalten Seen

Ein Platz, den die Feuer des Meisters
der Welten nicht erreichen

Im Dunkelsten des Grossartigen, von
der Nacht der Zeiten.

Und sie versammelten sich
und wurden zum Haus des Todes
Kinder der Kräfte der Zeit
Kinder der Soehne der Maechtigen

Alle versammelt in einem schwarzen
Kreis

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Atomare Flaschenpost

Jeden Tag verzocke ich mein Leben. Jeden Tag entscheide ich mich für den falschen Weg.
Ob ich zur Arbeit gehe und dort 8, 9 oder 10 Stunden absitze oder daheim bin; um dort Stunden ziehen zu lassen.
Stets wähle ich falsch.
Ich weiß nicht warum ich das immer wieder mache.
Ich glaube ich bin erschlagen vom Luxus.
Resigniert und getroffen liege ich mit dem Gesicht im Dreck.
An mir zieht das Leben vorbei, – kann selten etwas davon begreifen.
Ich höre Schritte, höre Stimmen, spüre wie die Insekten und Parasiten an meiner Kleidung, meinem Körper hinauf-hinunter wimmeln und treiben.
Aber rühren kann ich mich nicht. Ich bin taub, ohne Gefühl ohne Lust, ohne Hass, totale Aphatieen durchziehen meinen Leib.
Sogern würd ich schreien vor Wahnsinn, dem kochenden Blut Zündung geben für Explosionen ins Nichts.
Aber ich bin kalt. Das Leben ist vorbei obwohl ich lebe.

Ich verschenke mich Tag für Tag, Nacht für Nacht.
Ich treibe meinen Puls Stunde um Stunde, Minute um Minute.
Sehnend nach einem Ziel, einer Bestimmung, einer Zuflucht.
Aber ich bin krank vor Menschlichkeit,
aber ich bin süchtig nach Liebe,
aber ich kann nicht leben.

Mein trunkenes Schiff im kreiselnden Irrsinn pflastert eine Lawine der Gedärme.
Worin bin ich mir vollkommen?
Warmes Schleifen-Ich,
Du dreckiges Dutzend hast mir die Seele gestohlen.

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