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The Rapening

Jüngst und in der Vergangenheit gingen Meldungen durch die Medien, in denen davon berichtet wurde, dass Nacktfotografien von bekannteren Frauen ungewollt an die Öffentlichkeit gelangten. Es ist Partei zu ergreifen für die Privatssphäre, für gleichberechtigte Teilnahme an der Sexualität, für eine verantwortungsvolle Berichterstattung und für die Opfer, die sich für keine einzige Tat zu entschuldigen oder zu rechtfertigen haben!

Anstatt die Rolle, Ideologie und Taten der Täter zu verurteilen, wird das Opfer plötzlich unter Beschuß genommen, wie könne es doch nur dieses oder jenes „unverantwortlich“ tun? Solche Fragen können nur in einer sexistischen Welt ernsthaft verhandelt werden. Wenn Privatfotos von intimen Momenten voller Verletzlichkeit Menschen in den Selbstmord treiben können, sollte die Frage gestellt sein, welche Verantwortung die jeweiligen Diebe in diesem Zusammenhang besitzen, wenn sie für immer sozusagen die weltweite Verbreitung von solchen privaten Medien vorantreiben. Es sind nicht nur Diebe der jeweiligen Dateien im Spiel, sondern auch Diebe der Identität des Opfers und der Interpretationshoheit des Vorfalls, die man in die Kritik nehmen muss.

Zunächst zu den Dieben der privaten Medien: Vernichtet der Voyeur nicht auch die Fantasie, wenn er sich geleakte Dateien stiehlt und betrachtet? In gewisser Weise liegt in der unbedingten Besitzergreifung auch ein faschistoides Moment, wenn jeder Millimeter einer fremden Individualität beherrscht, inspiziert, gierig verschlungen sein muss, ohne vorher eine entsprechende Erlaubnis dafür erlangt zu haben. Es ist freilich auch ein sexistisches Moment darin, permanent für Norm zu halten, dass alles immer und überall verfügbar sein muss, gleichgültig wie erfolgreich, talentiert, intelligent, lieb und mutig das jeweilige Opfer dieses Übergriffs ist. Es ist eine unermessliche Respektlosigkeit gegenüber der Einzigkartigkeit des jeweiligen Individuums und dessen Willens. Und weil es an Empathie, Fantasie und Rücksicht fehlt, weil die eigenen Interessen über allem stehen sollen, wenn auf diese Leaks zugegriffen wird, zerstört man den letzten Rest an Menschlichkeit in sich selbst, schliesslich ist die Privatssphäre elementar für vertrauensvollen Umgang.

Die Auf- und abspaltung des Menschen von seiner Identität, seinen Rechten, von seinem Körper, der in dem unerlaubten, voyeuristischen Übergriff während der Betrachtung des geleakten Materials liegt, bedeutet auch Teilnahms- und Bezuglosigkeit gegenüber sich und den anderen Menschen, schliesslich ist so eine Tat, und ein Interesse an so einer Tat, keine Basis für eine vertrauensvolle Beziehung. Sie ist sogar im Vorfeld ausgeräumt. Es ist der Beleg, dass die eigene Sexualität und Identität unausgeglichen und unerfüllt sein muss. Der Ursprung der Lustunfähigkeit ist die Unfähigkeit, Lust im anderen zu erzeugen. Letzteres ist nur möglich, wenn man den anderen voll und ganz anerkennt und respektiert. Diese Übergriffe sind Ausdruck einer männlichen Krisenhaftigkeit, welche sich mit Gewalt nimmt, was sie für sich ohnmächtig diktatorisch für sich beansprucht, ohne irgendwelche Absprachen zu unternehmen. In jedem dieser virtuellen und reellen Übergriffe liegt auch die Wut sich und anderen auf konstruktive Weise Lust und Befriedigung zu verschaffen.

Jetzt zu den Dieben der Identität des Opfers und der Interpretationshoheit des Vorfalls: Dass die Massenmedien ein Geschäft aus der Zerstörung von Intimität und insbesondere von weiblicher Intimität vornehmen, scheint für die geifernden Voyeure zusätzlich ihr Verhalten zu rechtfertigen und zu normalisieren und dem jeweiligen Opfer zusätzlich die Luft zum Atmen zu nehmen. Zumal die Medien den Schaden quantitativ, qualitativ unendlich auf Generationen vergrößern, die Nachfrage nach diesen Bildern global erhöhen und sich damit den Übergriffen der Leaker und Voyeure anschliessen. Mit jeder Schlagzeile darüber, wird das Opfer zerstört, während der Profit für die jeweiligen Medien wächst, denn wenn keine Partei für das Opfer übernommen wird, indem deren Interessen wahrgenommen werden, will man ähnlich wie die Diebe der Medien den vollen Zugriff auf dessen Leben, Identität sowie Körper und für sich nutzbar machen. Die einen ziehen Lustgewinn daraus andere zu erniedrigen, die anderen ziehen einen ökonomischen Gewinn daraus darüber affirmativ oder suggestiv zu schreiben. Das Opfer erhält nichts als Vernichtung. Diese grenzenlose Gewalt in der niemand Partei für die Zärtlichkeit, Individualität und die Rechte des Opfers übernimmt, ist auch eine barbarische, endlose Wüste, die alles erstickt, was hätte gut sein können.

Es wurde nichts aus dem Faschismus gelernt. Anstatt die Frauen zu stärken indem man ihre reichhaltige Individualität sichert, stärkt, schützt, erweitert und anreichert, wird ständig so getan, als müsse man längst nichts mehr in dieser Hinsicht unternehmen, obwohl die Missstände von einem unermesslichen ekelhaften alltäglichen Ausmaß sind. Der Feminismus wird nicht ernstgenommen und so wird wieder ein Mensch für den schnellen männlichen Gewinn vernichtet.  Wenngleich noch die Strategie für das Opfer übrig bleibt, die Nacktheit und Lust nun als Trumpf zu wenden, nämlich als Normalität und Zugkraft für das Paradies, denn jeder ist unter seinen Klamotten absurd, nackt und geil, erzwingen die barbarisierten Verhältnisse gerade von Frauen unmenschlichen Mut und Kreativität mit dem Ungleichgewicht von Macht innerhalb der Gesellschaft umzugehen. Diese Größe muss man erstmal haben, wenn alle Elend und Mängelwesen im Abgründigen sind. Wenn der eigene Körper von Millionen betrachtet wird, so ist er hoffentlich nicht nur Ziel von ökonomischer sowie sexueller Ausbeutung, Häme, Hetze, Terror und Schmerz, er ist vielleicht auch der Ausgangspunkt und Quelle zur Überwindung dieser Ohnmachtsstellung. Zugleich muss dafür gekämpft werden, dass soetwas nicht mehr stattfinden kann. Es geht um uns alle, denn jeder kann derart seines Lebens beraubt werden! Unser aller Sexualität, Lust und Privatssphäre steht auf dem Spiel!

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A simple mind

Die Möglichkeiten eines Menschen sind ähnlich eingeschränkt wie dessen Autonomie. Die Gewöhnlichkeit und Durchschnittlichkeit kann ich bei mir andauernd feststellen. Es gab Entscheidungen, die förderlich waren, keinen Erfolg zu haben. Die eigene Dummheit hat  eine missliche Lage dramatisiert. Das Hadern mit diesem Unvermögen wird ein lebenslanger, schmerzhafter Zustand bleiben. Schutzlos und verletzbar ist man nicht nur außerhalb der Welt, sondern auch in sich, innerhalb der eigenen vier Wände. Erwartungen, Hoffnungen, Gedanken und Ideen stellen sich erst nach Monaten und Jahren als völlig wahnwitzig und grauenvoller Zusammenhang von Verlust sowie Missverständnissen heraus. Wieder wurde Geld, Zeit und Kraft für Luftschlösser verbraten. Ein Schlag ins Wasser. Immer wieder. Einer nach dem anderen. Ein erwachsenes Kind, dass sich ständig beim Spielen blutig schlägt, und nicht merkt, dass der Ernst des Lebens ihm den Boden für diese Experimente enzieht.

Die Enge wächst mit den Lebensjahren. Die Komplexität von Erinnerungen und Erfahrungen bleibt weitgehend unartikuliert. Niemand interessiert sich für irgendetwas aufrichtig und vollständig. Es gilt gerade zu als Stigma, sich in etwas hineinzustürzen, ohne darin einen Profit erhoffen zu können. Zugleich bedrohen diese Träumereien die Reproduktion. Man wächst in die Welt hinein, damit wächst auch der Abgrund in einen selbst hinein. So zugestellt die Welt für Klarheit, Empathie oder Humanität ist, so gilt das auch für die eigene Identität. Dass nichts aus einem werden wird, wird mit den Jahren deutlicher. Alles bleibt undefinierbar. Das schwammige Nichts als Nebelwüste einer grauen Monotonie ohne Raum und Zeit oder Halt. Die uferlose Untröstlichkeit schwankt zwischen wütender Raserei und zynischer Apathie. Ich will mir nicht fatalistisch die Welt über und in den Kopf wachsen lassen, weil ich mich immer noch an die Hoffnung erinnere, sie bewusst zu beleben, aber doch wächst sie überall hin und zementiert, limitiert mich. Vielleicht ist diese Erinnerung auch stets nur eine Wahnvorstellung gewesen. Wer ihr nachgeht, zertrümmert die letzten mageren Ankerpunkte.

Die blinde Sprachlosigkeit mündet immer in Stottern, Phrasen oder unzulänglichen, peinlichen Situationen. Es sind klägliche Versuche verfolgt von Depression und Angst. Die Perspektivlosigkeit wuchert in allen Sekunden. Unterwerfung und Selbstunterwerfung werden zur produktiven, konstruktiven Macht, die alles permanent unterminiert, umdeutet, verschachtelt, bis zur Unerkennbarkeit abstrakt werden lässt. Menschen und ich, das sind stumpfe Rümpfe, kaputtgewordene Herausgefallene, entgrenzte Eingegrenzte, verzweifelte Monolithen, die nur noch mit einem Zittern, einem Bündel aus erstickten Funken, durch die Trümmerwelten ihrer Schattenexistenz irren. Das jämmerliche, verwirrende Gewirr im Getöse der Maschinerie, verkleidet die routinisierte Dauermobilisierung im Dienste der Gesamtvernichtung von allem und aller durch allem und aller. Virtuelle Simulationen dynamisieren unerkannte Abstraktionen, prügeln auf die Restbestände der Subjekte ein und gewinnen Kraft aus den geringen Aktionen und Reaktionen eben dieser. Mythen mystifizieren die schmerzhafte Realität und wer versucht daran zu rütteln, verbrennt, verrennt und verliert sich.

In Zeiten der Not wiegt nicht nur Armut, Hunger, Angst und Wut sehr schwer, sondern auch die fehlende Fähigkeit, jene Kreativität zu entwickeln, sich aus dieser Mangellage herauszuarbeiten. Alle Handgriffe nach Rettung kosten Kraft, die man eigentlich benötigt, um die Schieflage nicht noch schlimmer auszuprägen. Aber greifen muss man doch? Sich nur anzusehen wie Wahnsinn, Tyrannei und Vernichtung sich gesetzmäßig produziert, verteilt, zirkuliert und wirkt, käme einer ewigen höllenhaften Folter gleich. Diese permanente Nicht-Existenz auszuhalten, obwohl es keine revolutionäre Subjektivität zu geben scheint, und die sich laufend steigernde Wirkungskraft der brutalen Apparaturen an sich und anderen arbeiten zu sehen, ist eindeutig unerträglich. Aber es folgt dennoch Tag auf Tag, es geht weiter, die Geschichte zieht einen durch, wie der eigene Körper es laufend tut. Die Wartestellung auf das Ende enthält außerdem noch pestschwarze Langeweile. Darauf zu warten, dass der Himmel Risse bekommt und durch diesen Riss eine riesige Hand nach einem greift, ist dann wohl der Gipfel aller Wahnideen. Allerdings sind die Wahnideen das einzige worauf sich bauen lässt, wenn sonst nichts anderes als abstrakte Herrschaft möglich ist. So, ist die Verbreitung von Religionen schon im eigenen Unvermögen angelegt und daher nachvollziehbar. Das eigene Scheitern ist Teil eines Scheitern der Menschheit zu Bewusstsein zu gelangen und das Leben vernünftig zu leben.

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We are Trump

Um eine Verbesserung der gesellschaftlichen Bedingungen herzustellen ist die Reflexion der eigenen Sozialisation, Familie, des persönlichen Umfelds, der Werte, Normen, Persönlichkeit notwendig. Dies alleine ist eine eklatante Selbstreflexion bzw. Reflexionsleistung, die von unserer Gesellschaft grundsätzlich nicht gefordert wird. Sie fordert lediglich Akzeptanz, Gehorsam und Übernahme all dessen, was ein Individuum seit Geburt vorfindet. Und weil die Gesellschaft unangepasstes Verhalten bestraft, ist das wichtigste, nämlich die Erkenntnis, nebenbei zu machen, wenn nicht gerade das Glück existiert, dass Freunde oder Familie einen unterstützen. Zu einem gewissen Grade ist es in jeder Gesellschaftsform üblich, dass nachkommenden Generationen etwas aufoktroyiert wird. Allerdings schiebt sich in unserer spezifischen Gesellschaftsform noch eine Dimension hinein, nämlich der irrationale Charakter der jetzigen Epoche. Dieser drückt sich im Zwang aus Profite zu maximieren. Dieser Zwang ist total geworden und damit als zweite Natur unwidersprochen anerkannt worden, sodass er permanent unhinterfragt reproduziert wird. Zugleich wurde nach zwei Weltkriegen die tatsächliche Konstitution der Gesellschaft verleugnet, die u.a. die Shoa überhaupt erst ermöglichte. Die Verhältnisse wurden nie insoweit verändert, dass die Shoa unmöglich wieder stattfinden kann. Mehr noch: Man hat den Faschismus demokratisiert. Ausdruck dessen lässt sich u.a. in allen Rechtsbewegungen weltweit in jüngerer Zeit erkennen.

Somit kämpft das Individuum also nicht nur gegen die eigene Regressionen, Verhärtungen und ringt um Selbstreflexion, sondern es kämpft auch gegen die nähere sowie fernere Regressionsleistung der sozialen Umwelt, die zugleich Erwartungen stellt, die über Lebensqualität und Reflexionsfähigkeit entscheiden. Wer arbeitet wird in diesem Zusammenhang dümmer, weil er einem Prinzip nachgeht, welches Reflexion nur im Sinne der Kapitalakkumulation benötigt und demnach jegliche Gedankenprozesse bestraft, die davon ablenken oder sogar auf eine Abschaffung zielen. Zugleich lässt sich die Erkenntnis über die Unwahrheit unserer Gesellschaft nur auf der individuellen Ebene leisten, da die Totalität sich tief in die Menschen eingegraben hat. Die Gesellschaft droht permanent in Banden zu zerfallen bzw. organisiert sich über Banden, d.h. auch Wissen wird nur innerhalb von Banden geteilt oder verhandelt. Ohne eine Bezugsgruppe, die spezifische Reflexionsgrade erreicht haben, um die Gesellschaft auf eine sinnvolle Weise zu hinterfragen, wird die Reflexionsleistung des Individuums ohne geniale Disziplin oder Kreativität schwach bleiben. Zugleich lässt die Auffindbarkeit von reflektierten Gruppen oder Individuen mit dem fortschreiten der instrumentellen Vernunft systematisch nach, weil traditionell, wie gesagt, nur systemimmanentes Wissen belohnt wird.

Die Fähigkeiten des gesamten Bewusstsein oder der gesamten menschlichen Intelligenz sind fest an den Produktionsverhältnissen verankert. Sie tradieren, manipulieren, segregieren, vernichten, wühlen im Menschen und durch den Menschen, reproduzieren die Herrschaft des Menschen über den Menschen. Die Menschen verhalten sich zu Menschen wie Dinge zu Dingen und der Mensch behandelt sich  selbst wie ein Ding, welches zu bearbeiten ist wie ein Bergwerk. Je länger er in sich wühlt und optimiert, desto leerer ist er im Verlauf des Lebens. Die permanente Mobilmachung im Sinne der kapitalverwertenden Nützlichkeit hält die Individuen derart in Atem, dass nur leere Wissensformen, die im Sinne eines Reiz-Reaktions-Schemas abgespuhlt werden, angewendet werden. Diese Logik arbeitet ins uns allen und der Kampf dagegen ist das Interesse der Menschheit. Trump ist eine Persönlichkeit, die für eine postnazistische Ideologie steht, die sich gerade durch eine opportunistische Anpassungsleistung an diese zerstörerischen und irrationalen Verhältnisse auszeichnet. Wahllos prügelte er auf Minderheiten ein, schliesslich gelten sie auch in der Kapitalakkumulation als wenig profitabel. Zugleich wohnt in seinem Größenwahn auch der Wahn, der stumme Schrei der narzistischen Kränkung, die der Kapitalismus jedem Individuum in jeder Kindheit mehr oder minder stark antut. Die Popularität des neuen US-Präsidenten zeigt den weiten Verbreitungsgrad der autoritären Persönlichkeit, die jegliche Reflexion über sich und die anderen ausschliesslich im Sinne des Profits unternimmt.

Das Wissen, welches zur Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Sinne einer Abschaffung von Hunger, Krieg, Antisemitismus, Antifeminismus, Rassismus, Antiziganismus, Homophobie uvm. nötig wäre, setzt sich nicht durch, weil es keine Profite abwirft, weil es der systemimannenten Logik widerspricht, weil keine kapitalkräftigen Banden für sie kämpfen. Die Atomisierung, Entpolitisierung und Entleerung der Individuen lässt sich akut in allen sozialen Beziehungen deutlich erkennen. Die Profitmaximierung hat die Individuen so stark erschüttert, so häufig ins Gesicht geschlagen, dass sie immer stärker in ihrer Regression, Verantwortungslosigkeit aufgehen und ein postfaktisches Zeitalter mit faschistoiden, islamistischen, nationalboschewistischen bis technokratischen Führerfiguren wie Trump, Petry, Hofer, Putin, Erdogan, Gabriel, Wagenknecht und Co. begründen. All hope is gone, denn es gibt keinen Ort außer der immer schwächer werdenden Reflexionsleistung des Individuums, welches sich auf unzähligen Fronten und Ebenen zu behaupten hat, während es zugleich das so wichtige revolutionäre Potential erfassen, denken und ergreifen muss. Panik, Angst, Wut und Trauer sind keine guten Ratgeber, aber sie sind alles was neben all den Erschütterungen, Katastrophen und Umwälzungen in den letzten Jahrzehnten übrig geblieben ist.

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Mit allem verlassen sein

Der Verlust ist eine tragische Alltagserfahrung. Wenn es normal ist, dass es keinen Menschen gibt, der das eigene Leben vervollständigt oder der sich seiner annimmt, dann ist die eigene Zerstörung vorgezeichnet. Die Hoffnungslosigkeit und Apathie strömt in die leere Identität und von dort vollzieht die Gewissheit ihr giftiges Werk. Sie konstatiert, dass man immer allein sein wird, weil es gar nicht anders sein kann, da die Welt generell unter Liebesmangel leidet. Es ist eine tödliche Klarheit. Das Ersticken an sich selbst und durch das Nichts, was in den anderen wohnt, als Keimform des Alltags. Und das Überleben konzentriert sich auf eine permanente Reduzierung und Rücknahme von allem, was man vielleicht hätte wollen können. Die Vorsicht als Triumph über alle Spontanität. Der nächste Moment könnte die letzte Enttäuschung bereiten, weil es danach nichts mehr zu erfahren gibt. Diese krankhafte Innerlichkeit und versumpfende Wehleidigkeit ist mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Aber die Zerstörung entspringt nicht nur der eigenen Identität, sondern auch aus dem Umfeld, woraus letztlich die Identität überhaupt geraten konnte. Es zermalmt einen den Magen nicht zu wissen, ob man morgen noch genug monetäre Mittel haben wird. Die Gewissheit, dass die Gesellschaft einen jederzeit vernichten kann und es niemanden negativ auffällt, weil die alltäglichen Katastrophen in millionenfacher Form üblich sind, erstickt alles. Man verliert nicht nur Lebenszeit oder Kraft, was noch natürlich wäre, sondern auch Wohlstand, sobald man nicht in den Kapitalismus investiert, der systematisch alles zerstört. Man investiert Zeit, Kraft, Nerven in diese Wirtschaftsform, obwohl sie auch einen selbst vernichtet. Es gibt nur eine Angst, die innerhalb des Jobs antreibt: Man hofft, dass es für einen noch reichen wird. Man schliesst sich einer Bande an, die in Konzernkreisen als Team tituliert wird und alles geht ganz professionell, routiniert zu. Der hohe Druck gehört genauso wie die interne und externe Konkurrenz zum Alltag. Und schon ist man ausweglos in einem brennenden Labyrinth gefangen, welches zunehmend verrauchte Gänge und Sackgassen enthält. Jede Hand, die sich dir reicht, will Dir nicht helfen, sie will Dich schlagen und berauben. Die Kosten erhöhen sich Monat für Monat, die Löhne stagnieren und sinken, die Arbeitszeit und Aufwand erhöhen sich. Das Alter schärft die eigene Mangelhaftigkeit. Wer nicht früh vorgesorgt hat, mit einem Netzwerk aus Unterstützern oder Erbschaften oder sonstigen unfairen Vorteilen, der ist geliefert und muss den Misserfolg als Alltag ertragen. Die ganze Reflexion besteht allerdings so oder so aus der Frage, ob man Geld haben wird oder nicht. Die Angst prägt zusätzlich die geistige Wüste.

Es stellt sich jeden Tag erneut die Frage, wie man angesichts solcher Zustände überhaupt leben soll. Die Lust am Leben ist ohnehin bereits vergangen, wenn die Katastrophen, die anderen unschuldigen Seelen angetan wird, in das Bewusstsein genommen werden. Wer sich nicht an das Falsche anpasst, fliegt innerhalb weniger Wochen auf die Straße. Der herrschende Gewaltapparat zwingt, nötigt einen mit allen bürokratischen Mitteln zurück in das ökonomische Getriebe, weil das alles ist, was der Mensch heute sein darf. Wer zu arrogant, unbekümmert, übermütig, illoyal ist, der stirbt den leisen Tod, der geht den sozialen Abstieg. Mord ist in dieser Gesellschaft ein allgemein akzeptiertes Mittel, um sich der überflüssigen Menschen zu entledigen. Das beweist die Asylgesetzgebung jeden Tag an den Grenzen und im Mittelmeer, wo Tausende bereits durch unterlassene Hilfeleistung ermordet wurden. Man braucht nicht zu glauben, dass irgendwer einem zu Hilfe eilt, wenn man selbst zu Ertrinken droht, denn Blut ist genau das, was essentiell diese Gesellschaft vorantreibt. Das ist ihre instrumentelle Vernunft nach der sich alles organisiert.

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„My plan was to cut his balls off“

In gewisser Weise wird in „Marvel’s Jessica Jones“ das reale Geschlechterverhältnis dargelegt. Die starke, autonome Frau muss den herrschenden Mann, der ständig besitzen, kontrollieren und bestimmen will, entmachten, weil sonst die ganze Frau, Beziehungsfähigkeit, Empathie und Zivilisation über die Zirkulation der männlichen Gewalt zugrunde geht. Hierfür bringt die Frau die allergrößten Opfer, geht die höchsten Risiken ein, nutzt verborgene Kräfte, übernimmt die meiste Arbeit, ohne, dass sie jemals die notwendige Achtung findet. Die völlige Selbstlosigkeit wird also offenbart, während zugleich Angst oder soziales Elend permanent droht bzw. existiert. All das ist ein Kampf für die Lebensqualität aller Idenitäten und Geschlechter.

Geradezu köstlich ist anzusehen, wenn Männer in bestimmten Szenen etwas bestimmen wollen, einfach weil sie es gewohnt sind den Ton anzugeben, dann aber von den prügelnden, whiskeysaufenden und bettzerfickenden Frauen unterbrochen und übergangen werden. Sowas gibt es so gut wie nie in der Kulturindustrie und das ist wahnsinnig schade. Es zeigt eben auch die globale Kultur des Antifeminismus, die nach wie vor von der absoluten Mehrheit reproduziert, verdrängt und ignoriert wird.

Es ist daher wohl kein Zufall, dass die Frauen ausgerechnet mit jenen Intimität erfahren, die sie zuvor umbringen wollten. Sexualität mit Männern ist für Frauen immer auch mit Gewalt und Macht verbunden, schliesslich ist unsere Zivilisation nachwievor eine patriarchale. Alles was wir in den letzten Generationen errungen haben ist maximal ein Vulgärfeminismus, der so tut als ob Gleichberechtigung herrscht. Ein bisschen Wahlrecht, Kindergeld und Berufsfreiheit, das soll schon alles für alle Zeiten sein was Feminismus bedeutet?

Es kann immer noch unmöglich bestimmt werden, was Weiblichkeit eigentlich jenseits von Schminke, Brüsten und Schwangerschaft ist. Das liegt daran, dass das Frauenbild vornehmlich durch Männer bzw. den männlichen Blick bestimmt ist und damit völlig zugestellt. Jeglicher weibliche Emanzipationsversuch wird immer wieder durch das männliche, manipulative Dominanzgebaren verunmöglicht. Solange das Selbstbewusstsein der Frau vom Mann abhängt, sie keine eigenen Nachforschungen und Reflektionen unternimmt, wird es nie eine wahrhaftige und vollständige Emanzipation geben, die absolute Unabhängigkeit autonom definiert und durchsetzt.

Also eigentlich kann man aus meiner Sicht gar nicht anders, als „Jessica Jones“ vor dem Hintergrund des Geschlechterkampfs und den Feminismus zu lesen. Der Anfang der Unterdrückung liegt zugleich vorwiegend in der Erziehung durch die Eltern, was dann eben auch in der Serie verhandelt wird. Man muss also sagen es handelt sich hier um ein erstklassig erzähltes Stück Filmgeschichte im Genderuniversum, mit einer eher versteckten, revolutionären Botschaft. Die Darsteller trumpfen ordentlich auf allen voran natürlich die Hauptdarstellerin Krysten Alice Ritter, die bereits in „Breaking Bad“ mit ihrem großarigen Spiel erschien. Die Inszenierung konzentriert sich zudem fast vollständig auf Dialog und Charakterentwicklung, was absolut die richtige Entscheidung war.

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Was tun gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Zerstörung?

Wie kann man die Welt von Armut, Hunger, Umweltzerstörung, Knechtschaft, Ausbeutung und Unterdrückung befreien? Praktisch kann jeder sofort damit anfangen diesen Planeten zu einem besseren Ort für alle Lebewesen zu machen. Man braucht nicht auf den großen Knall, den großen Führer, die große Bewegung warten oder laufend herumjammern wie schlimm doch alles ist. Es ist auch nicht sonderlich kompliziert sofort aktiv zu werden. Alles was man braucht ist einen entsprechenden Willen dazu. Das Internet bietet uneingeschränkte Informations- und Kommunikationsfreiheit, man kann sich alles aneigenen was man meint zu brauchen, um die Probleme dieser Welt zu erkennen und Lösungsansätze zu finden, genauso wie man mit Milliarden von Menschen darüber kommunizieren kann. Bislang wird das Internet viel zu wenig in dieser Hinsicht genutzt!

Wenn erst einmal klar ist, inwieweit die Parteien sich gegenseitig blockieren und grundsätzlich nur den Staat bzw. den Kapitalismus erhalten können, und damit auch die Ausbeutung und Unterdrückung von Millionen legitimieren und aufrechterhalten, darf man sich nicht mehr für ihren Erfolg einsetzen. Parteien gehören zum Staat, gehören zum Kapitalismus, keine Partei die tatsächlich fähig wäre sie zu stürzen oder aufzulösen wäre genehmigt. Die letzte Partei der man unterstellte, sie könnte etwas ändern, wurde in den 1950ern verboten! Die derzeitigen Wahlen dienen bloss dazu den Leuten vorzumachen, sie hätten irgendetwas relevantes zu entscheiden. Man kann wählen zwischen Pest und Cholera und bis zur nächsten Wahl hat man die Klappe zu halten oder man kann sich bei Protesten von Polizisten die Augen wegspritzen lassen. Aber das Gewaltmonopol, den Staat oder den Kapitalismus kann man nicht abwählen. Deshalb hilft es nichts seine Appelle an die Regierung, an Parteien oder an Konzerne zu richten, sie alle haben Interessen, die mit denen der Bevölkerung absolut unvereinbar sind. Sie werden sich nicht durch nette Worte und den Druck der Straße davon abbringen lassen, es braucht mehr Bewusstsein, Struktur und zielgerichtetere Aktivitäten seitens der Benachteiligten dieser Welt.

Wie wir alle Wissen müssen alle Konzerne weltweit ihre Profite maximieren, um am Markt überleben zu können. Es ist auch gemeinhin bekannt, wer am meisten von diesen Erträgen profitiert. Die breite Bevölkerung schuftet ihr ganzes Leben, endet in Altersarmut, psychischen und physischen Krankheiten, hatte obendrein nie die Möglichkeit in irgendeiner Form relevante Dinge zu entscheiden. Man kann jammern, kündigen und bei anderen Ausbeutern anheuern, vereinzelt vor Gericht klagen, aber die eigentliche Grundlage der Ausbeutung bleibt unberührt. Damit die Macht der Parteien, der Regierungen, Staaten, Konzerne und Reichen dieser Welt über die Lohnabhängigen gebrochen werden kann, sollte man aufhören zur Wahl zu gehen, sollte man aufhören zur Arbeit zu gehen und sollte man aufhören Steuern zu zahlen. Die Wahlen legitimieren die Parteien neue erpresserische und verlogene Gesetze zu verabschieden, die ein „Weiter so!“ für die Konzerne und Behörden bedeuten. Die Arbeitskraft der Massen mehrt die Reichtümer von Minderheiten, die Überproduktion von unnützen Produkten und die Zerstörung der Umwelt und Lebewesen weltweit. Die Steuerabgaben finanzieren Behörden die Menschen autoritär, repressiv behandeln, finanzieren Polizei, Militär, Kriege und machen damit Missbrauch, Gewalt, Mord und Massenmord möglich.

Natürlich kann keiner von uns derart radikal sein und aufhören zu arbeiten und Steuern zu zahlen. Ersteres mag kein Problem darstellen, die Wahlbeteiligung sinkt bereits seit Jahren, aber nicht mehr zur Arbeit gehen? Der soziale Abstieg wäre sicher und er wäre umso rapider, je weniger Steuern gezahlt werden. Das ist jedoch der radikalste Ansatz und der sollte gesagt werden. Er muss nicht vollzogen werden, weil er die höchsten Opfer verlangt. Aber wer dazu in der Lage ist, sollte nicht zögern, schliesslich wird dadurch auch eine Menge Zeit für Aktivitäten gegen die Unterdrückung und Ausbeutung frei. Es gibt in allen großen Städten Deutschlands Strukturen die ein solches Leben erlauben. Eine etwas weichere Form des aktiven Verwandelns der Gesellschaft zu einer tatsächlich freien Gesellschaft durch individuelle Aktivitäten, ist der alltägliche permanente Aktivismus neben dem Beruf, der Schule, dem Studium, der Familie usw. Statt sich den Frust über den monotonen Arbeitsalltag, die Ausweglosigkeit der eigenen Situation und Verlogenheit der Politik usw. aus der Seele zu feiern, zu saufen, zu kotzen, sollten Bücher gewälzt, sollten Gruppen gebildet werden, beispielsweise aus Freundeskreisen oder aus der Familie, die die Basis für die künftigen Rätedemokratie und Gewerkschaften in der freien Welt darstellen sollen. Heutige Gewerkschaften haben sich längst dadurch ausgezeichnet, nicht mehr für die Arbeiter und deren Bedürfnisse und Ziele zu kämpfen, sondern für ihre Organisation und ihren Machterhalt. Das kann nur gestoppt werden, wenn eigene Gewerkschaften gebildet werden, die solch einen Verrat niemals begehen würden.

Räte sind seit den Thesen Lenins und der ersten bis vierten Internationale sicherlich auch keine überraschende Neuheit. Sie lassen sich überall bereits jetzt aufbauen. Egal ob in der Politik, in Konzernen oder bei Behörden. Es spielt keine Rolle. Überall kann man sich zusammenschliessen, dokumentieren was passiert, darüber diskutieren was man selbst entscheiden würde und für die Zukunft Thesen und Strategien im Umgang mit diesen Problemen entwickeln. Es wird keinen friedlichen Umsturz des Staates oder des Kapitalismus geben, wenn so eine aufreibende, komplizierte und ausdauernde revolutionäre Aktivität nicht ständig aufrechterhalten und praktiziert wird. Denn ohne ein entsprechendes antikapitalistisches, antiautoritäres Bewusstsein, kann es keine bessere Welt geben. Die bisherigen Errungenschaften sollten nicht durch Gewalt, Wut und destruktiven, übereilten Forderungen und Handlungen verspielt und zunichte gemacht werden. Das Ziel muss die reale Umsetzung der Menschenrechte weltweit sein. Für dieses Ziel braucht es ein offenes wirtschaftliches und politisches System, welches alle Meinungen und Ideen einschliesst, welches die gesamte Intelligenz der Menschheit einbezieht. Die Menschen sollten nicht mehr gegeneinander konkurrieren, sie sollten kooperieren um das beste für alle hervorzubringen.

Arbeitsgruppen können gegründet werden, die sich mit einzelnen Themen in der Gesellschaft auseinandersetzen und später dann in Räten eine Fortsetzung finden. Bereits jetzt gibt es unzählige Initiativen und Organisationen die sich mit Menschenrechten, Tierrechten, Umwelt, Wirtschaft und Politik beschäftigen. Amnesty International, Human Rights Watch, Greenpeace sind vielleicht nicht in jeder Hinsicht positive Organisationen, aber sie machen vor was möglich ist. Man sollte nicht über die fehlende Gerechtigkeit jammern, sondern sich für sie einsetzen und aktuelle Verstöße aufzeigen, anklagen und bekämpfen. Selbstverständlich fehlt Amnesty, Greenpeace, WWF usw. der revolutionäre Ansatz. Sie haben nicht das Ziel die Staaten oder den Kapitalismus abzuschaffen, ihnen scheint es auszureichen sich um die Symptome zu kümmern und richten unermüdlich Appelle an die Regierungen. Ich finde ihre Aktivitäten bewundernswert, aber eben leider unzureichend. Daher sollte es in Zukunft eine zunehmende Radikalisierung, d.h. eine stetigere Tendenz hin zu den Wurzeln der Probleme in allen Bereichen der bisherigen Aktivisten geben. Anders werden humanitäre Katastrophen und Umweltkatastrophen nicht aufzuhalten sein. Es muss sich etwas konkret im alltäglichen Handeln der Menschen ändern.

Nicht die Staaten und Konzerne sollten die alleinige Macht haben, den Planeten zu beherrschen. Grundsätzlich muss Herrschaft als solche aufgehoben werden. Die Ohnmacht der Menschen existiert nur, aufgrund der horrenden Macht der Konzerne und Staaten. Die Menschen haben lange Zeit den leeren Versprechen geglaubt, sich verführen lassen und mit den eigens produzierten Waren betäubt. Die Bewusstlosigkeit und Entfremdung der Massen speist sich aus dieser Ohnmacht. Der Planet ist unsere einzige Heimat. Niemand hat das Recht die Umwelt, Tierwelt oder Menschen zu verletzen, sie zu unterdrücken, auszubeuten oder zu zerstören. Dennoch wird es jeden Tag gemacht, aufgrund bestimmter Machtverhältnisse, Kapitalinteressen in Politik und Wirtschaft. Wenn die Macht der Staaten und anderer verschiedener Konzerne gebrochen und den Individuen zurückgegeben wird, durch die Weiterentwicklung des Bewusstseins der Massen, werden die Kapitalinteressen nicht mehr existieren, weil Profitmaximierung und kein Konkurrenzkampf als dummes Zeug verworfen werden. Dadurch können alle Lebewesen und der Planet aufatmen, sich regenerieren und endlich frei entfalten. Keiner muss dem Kapital, einer Partei, einer Organisation oder einem abstrakten Zweck dienen. Alle Menschen sind frei geboren, sind einzigartig und besitzen unveräußerbare Rechte. Darauf muss die künftige globale Rätenetzwerk aufbauen.

In den Betrieben wird basis-demokratisch in Verbindung mit den Bedürfnissen der Bevölkerung entschieden was, wieviel und in welcher Form produziert wird. Es wird grundsätzlich nur noch nach den individuellen Bedürfnissen produziert. Die Bedürfnisproduktion wird weltweit den Hunger abschaffen, bereits jetzt können wir ca. 12 Milliarden Menschen ernähren, bislang erhalten die Hungernden dieser Welt keinen Zugang zu diesen Lebensmitteln, die wir momentan tonnenweise tagtäglich wegwerfen, weil sie kein Geld besitzen. Gleiches gilt für fehlende Medikamente, fehlende Bildung, all das kann innerhalb weniger Wochen völlig verändert werden, wenn erst einmal die Macht der Konzerne und Staaten, durch die Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerungsmassen ersetzt wurde. Alles was hierfür nötig ist, ist die ständige Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen. Es muss uns interessieren was in der Politik und in der Wirtschaft schief läuft. Keiner von uns hat die Lösung parat, wie es laufen muss. Aber es gibt auch keine Strukturen in der Gesellschaft die breite gesellschaftliche Debatten, frei von Macht- und Kapitalinteressen ermöglichen. Der permanente Konkurrenzkampf hat uns geprägt. Wir können uns eine andere Welt kaum noch vorstellen, in der man den anderen nicht misstrauisch, neidisch, zornig gegenübersteht.

Diesen erbärmlichen und für alle erniedrigenden Zustand muss endlich Einhalt geboten werden, indem wir uns von allen Ideologien und Glaubensbekenntnissen der Parteien, der Staaten, der Konzerne, des Kapitals, der Religionen freisprechen. Weil keiner von uns jemals eine Lösung wissen kann, die auf alle Probleme der Menschheit einwirken kann, braucht es eine Gesellschaft die sich dessen bewusst ist. Die Politiker, Wissenschaftler, Kapitalisten sind so ahnungslos wie alle Menschen. Daher soll auch kein Mensch über den anderen Menschen herrschen oder entscheiden. Es gibt keine Legitimation für Herrschaft. Selbiges gilt auch für den Parlamentarismus. Künftige Rätesysteme müssen also frei und jederzeit wählen und abwählen können, was sie wollen oder nicht wollen. Im Grunde liegt also die derzeitige Gesellschaft gar nicht so weit Weg von der Möglichkeit eine freiere Gesellschaft zu schaffen. Es hängt vom Engagement der einzelnen Menschen an, wie lange noch Menschen verhungern müssen, für Staaten, Rohstoffe und Vormachtstellungen sterben müssen, für das Kapital ihre Leben verwerfen, vergiften und vernichten müssen. Wir alle sind gefordert die Zustände nicht länger hinzunehmen und permanent dagegen anzukämpfen. Wichtig ist dabei immer wieder der hohe Anspruch: Niemals etwas tun was die Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung unterstützt. Ständige Selbstreflektion, Selbsthinterfragung, Respekt und Solidarität gegenüber allen Menschen sind notwendige Grundelemente hierfür.

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Radioaktiver Kapitalismus & menschliche Bedürfnisse

Wir sind seit unserer Geburt daran gewöhnt zu hören wie die Menschheit am Abgrund steht. Menschen verhungern, Kraftwerke und Industriegebiete vergiften und verstrahlen den Planeten, Verkehrsunfälle, Suizide, Morde, Vergewaltigungen, Korruption, Lug und Trug scheinen zu unserem Naturell zu gehören. Wir scheinen die Zerstörung zu brauchen, wir atmen die Abgase der Industrie, der Verkehrsströme ein und stossen sie mit einem Giftcocktail der Zigarette wieder aus. Wir sind umgeben von natürlichen und vom Menschen geschaffenen Gefahren. Teilweise hat uns die Entwicklung von Technologie und Wissenschaften vor so mancher Gefahr gerettet. Wir konnten die Pest, die Pocken, Aids und viele andere Krankheiten entweder fast ausrotten oder zumindest in Schach halten. Auch Krebs kann bei rechtzeitiger Entdeckung wirksam bekämpft werden. Wir können mit Fahrzeugen, Schiffen und Flugzeugen weite Strecken überwinden, können mithilfe des Internets jederzeit in Echtzeit miteinander kommunizieren, wir scheinen zusammenzurücken und uns unserer Fehler und Probleme stärker als jemals zuvor ausgesetzt zu sein. Andererseits hat uns die Entwicklung von Technologie und Wissenschaft neue gefährliche Entwicklungen gebracht.

Tausende Waffentechnologien und keine Perspektive

Wir werfen hochmoderne Bomben aufeinander und haben innerhalb von Sekunden Bilder von zerfetzten Leichen und trauernden Menschen. Wir können zum Abendessen, nach der Arbeit, sehen wie andere Menschen sich den Krieg erklären, wir können sehen wer verliert und wer gewinnt, was die Staatengemeinschaft davon hält und wie sich alles im Kreis zu drehen scheint. Wir könnten theoretisch alles auf unseren 3D Fernsehern sehen. Mittlerweile werden jedenfalls Informationen und Bilder verstärkt zur Manipulation und Kontrolle der Massen eingesetzt. Vietnam war der letzte Krieg der ungefiltert betrachtet werden konnte. Was hört man schon von Afghanistan oder dem Irak? Ab und zu werden Tote, Aufstände, Attentate gemeldet, aber die tatsächlichen Zustände bleiben seltsam unbekannt und fremd. Was bewegt denn die Einheimischen und Soldaten? Wie sind die Perspektiven? Was will man denn wirklich verändern, um das morden zu beenden und eine Zukunft für diese Menschen zu ermöglichen? Es gibt keine Antworten. Es herrscht Schweigen, welches das Morden legitimiert. Man hat sich damit abgefunden. Es wird kaum diskutiert, mit viel größerer Begeisterung werden Waffen produziert.

Soldaten sind Mörder in unserem Interesse

Die Soldaten morden im Auftrag der Regierung und die Regierung hat vorallem die Rohstoffe und die internationalen Beziehungen im Blick. Gleichzeitig wird der Bevölkerung erzählt, wie tapfer sich unsere Soldaten für unsere Interessen opfern. Man redet uns seit Jahrzehnten ein was für Interessen wir haben sollen, für ebenwelche unsere Soldaten morden. Wohlstand, Arbeitsplätze und Sicherheit kosten Menschenleben. Es wäre besser wenn wir lieber alle arm, arbeitslos und schutzlos sein wollten, als einen Krieg zu unseren Gunsten zu akzeptieren. Aber dazu fehlt uns der Mut. Es fehlt auch der Wille sich anzusehen was auf diesem Planeten abgeht. Dieses fehlen von Empathie und Engagement ist das Ergebnis jahrzehntelanger Unterdrückung und Ausbeutung. Dies ist Ausdruck von Entfremdung und Bewusstlosigkeit. Wir sind wie Kinder, die von ihren Eltern geschlagen wurden und nun selbst schlagend durch die Welt laufen. Wir sind blind für die Bedürfnisse anderer Menschen und je blinder wir sind, desto heftiger schlagen wir zu. Die Regierungen bekräftigen uns darin, denn es stärkt die eigene Nation in ihren ökonomischen und politischen Interessen, während es andere Nationen und damit Millionen andere Menschen schwächt. Diese Schuld lähmt uns und je länger wir Regierungen und Konzerne gewähren lassen, desto schlimmer wird es. Wie sehen denn unsere Interessen aus? Brauchen wir wirklich jeden Monat neue Autos, Handys, Computer, schlicht Produkte? Müssen wir denn jeden Tag das Rad neuerfinden? Es ist doch eine horrende Verschwendung von Rohstoffen, Lebenszeit und Kraft Dinge zu produzieren die unser Leben entweder kaum oder gar nicht verbessern. Wer kann bestätigen das ein paar PS mehr im Wagen tatsächlich das Lebensglück erhöhen? Vielleicht kurzfristig bis es zu einem Crash mit einem anderen Verkehrsteilnehmer kommt oder ein Rendezvous mit einem Baum passiert. Ist es nicht langsam Zeit ein wenig mehr Bescheidenheit zu leben um auch anderen Menschen ein würdevolleres Leben zu ermöglichen?

Es gibt seit tausenden von Jahren Krieg, Elend und Zerstörung, warum sollte sich das in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten ändern? Wir leben die Zerstörung und die Vergewaltigung des Planeten, mit all seinen Facetten und Lebewesen. Wir finanzieren als Steuerzahler die in aller Welt mordende Bundeswehr, so wie fast alle Menschen ihre Militärs unterstützen. Keiner kann das als eine gerechte Sache deklarieren. Mord bleibt Mord. Gewalt muss erneute Gewalt auslösen. Jeder kennt diese Weisheit, aber es führt zu keinerlei Konsequenzen. Es gibt keine konsequente Forderung danach, für Krieg keine finanziellen Mittel mehr beizusteuern. Man sieht nicht einmal mehr den ökonomischen Nutzen, der sich daraus speisen würde. Statt Geld in Waffen und Befehlsgewalt zu investieren, könnte man das Geld in Schulen oder Pflegeheime einsetzen, dort wo es tatsächlich Menschen hilft. Es liegt aber nicht in unserem Interesse, sagt die Regierung. Wer schützt uns denn dann vor anderen Nationen? Wir misstrauen unseren staatlichen Nachbarn, wie wir als Individuen gegenüber den eigenen Nachbarn, entweder Misstrauen oder Desinteresse praktizieren. Der sogenannte pädophile Maskenmörder und Vergewaltiger, der über Jahrzehnte Kinder in seiner Wohnung einlud, konnte vergewaltigen und morden, weil bspw. die Vermieterin sich damit begnügte, pünktlich ihre Miete zu erhalten. Alles andere war ihr „egal“, wie sie in zahlreichen Interviews betonte. So wie die halbe Nachbarschaft von dessen Neigungen wusste, so gleichgültig war es ihr auch, welches Leid sich daraus speisen musste. Sie hatten alle wohl besseres zu tun, zum Beispiel: Geld verdienen. Vor lauter ökonomischer Hetzjagd nach Anerkennung und Lohn im Job, verlieren die Leute die eigentlichen Werte völlig, falls sie sie jemals hatten.

Welche Werte steuern unser Leben und unsere Gesellschaft?

Dieses Desinteresse gegenüber anderen Mitmenschen, gegenüber anderen Nationen und Kulturen ist die eigentliche Gefahr. Daraus kommt das Misstrauen und z.b. die Unterstellung, der Islam sei eine gefährliche faschistische Ideologie, die jeden Ungläubigen brennen sehen will. Es gibt mittlerweile europaweit einen richtigen Trend hin zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, so etwas kommt nicht spontan oder von ungefähr. Die Angst der Leute ihre vertraute Welt könnte zusammenbrechen, nur weil andere Menschen mit anderen Vorstellungen zuwandern, ist ein deutliches Signal für deren geringes Selbstbewusstsein gegenüber ihrer eigenen Kultur, ihren Werten und ist darüberhinaus ein Attribut für die fehlende Weisheit ihrer Ansichten. Anstatt sich zu fragen, warum man gegen Moslems ist, nur weil es unter ihnen, wie in allen Denkrichtungen, Extremisten gibt, werden hunderte Millionen Menschen von vorneherein verteufelt und entmenschlicht. Sie werden wie die Juden damals auf Ratten und instinktgesteuerte Bestien reduziert. Dabei besteht in jeder Ideologie dasselbe Problem wie im Islam. Die Demokratie ist eine heilige Kuh, wer daran rüttelt ist ein Extremist. Beim Kapitalismus genauso, wer daran rüttelt ist ein Fanatiker, ein Träumer, Chaot, Kommunist, was auch immer, in jedem Fall Jemand, dem man misstrauen und bekämpfen muss, da er die vertraute Ordnung gefährdet und entsprechend einen Hinterfragungs- und Zersetzungsprozess der eigenen Ideologie und Vorstellungen antreibt. Es gibt überall diese knallharte Distanzierung von Andersdenkenden, überall bietet sich ein potentielles Konzentrationslager für Querdenker und Leute, die nicht so funktionieren wollen und können, wie es eben gerade im Zeitgeist und innerhalb der Nation/Glaubensgemeinschaft Vorschrift ist. Genau das erleben wir doch auch mitten in Deutschland, wie weltweit. Millionen Menschen sind arbeitslos, können nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, oder nur sehr eingeschränkt. Sie werden nicht gebraucht, sind quasi menschlicher Abfall, der der arbeitenden Bevölkerung lediglich als asozialer Parasit negativ auffällt. Das ein ranghoher Politker namens Westerwelle ungestraft die Verlierer und Ausgestoßenen dieser Gesellschaft als dekadent beschimpfen darf, obwohl er selbst ja die Dekadenz und der Parasit in Persona ist, und sie damit zu Freiwild erklärt, ist ein deutliches Zeichen für die dramatisch grassierende Bewusstlosigkeit und Ahnungslosigkeit der Bevölkerung.

Offensichtlich hat die westliche Welt keine ehrvollen Werte, denn seit Jahrzehnten wächst der Einfluss des Geldes, des Kapitals, der Gesetze des Marktes, die überhaupt nichts mit dem Wesen des Menschen und dessen Bedürfnisse gemein haben. Das was am ehesten noch zählt, sind die Interessen der Kapteileigentümer, was natürlich zum Nachteil der Lohnabhängigen sind, sie brauchen Geld um überleben zu können. Lohnabhängige und Kapitalisten stehen sich unversöhnlich gegenüber, solange der Kapitalismus nicht überwunden ist. Diese Wahrheit muss als Gewissheit in den Köpfen wachsen. Alles was wir mal als Anspruch hatten, wie z.b. die Nächstenliebe, trotz Kreuzzüge und Pädophilie im Christentum, schwindet aufgrund des tagtäglichen Konkurrenzdenkens und -lebens der arbeitenden, lohnabhängigen Massen. Niemand hat mehr Zeit für andere, geschweige denn für sich selbst, denn der Konkurrenzkampf wird immer heftiger, die Arbeit am Arbeitsplatz immer intensiver, jede Minute im Job muss maximal ausgeschöpft werden, sonst ist sie für den Arbeitgeber, für den Konzern, für den Kapitaleigentümer eine verlorene Minute. Und je mehr ausgebeutet wird, je intensiver rationalisiert wird, desto schlimmer wird es in der Zukunft werden. Wir versuchen uns daran genauso zu gewöhnen, wie wir uns an die Hungernden, Vergewaltigten und Unterdrückten gewöhnt haben, zu denen wir teilweise selbst gehören. Wir versuchen unser Los zu akzeptieren. Wir sind nunmal geboren um ausgebeutet zu werden und ab und zu mal zu wählen, wer uns ausbeuten darf und wer bestimmen darf, inwieweit das geschehen soll und geschehen darf. Kapitalisten und Regierungen arbeiten grundsätzlich Hand in Hand. Selbst wenn die Linke mehr gewählt werden würde, würde sich daran niemals etwas ändern. Diese Partei will wie alle Parteien an die Macht, an die staatliche Macht, an die Macht eines Staates der den Kapitalismus braucht und mit Gesetzen, Justiz und Gewaltmonopol legitimiert und durchsetzt. Der Wille zur Eroberung der politischen Macht, ist ein Glaubensbekenntnis für die Ausbeutung von Milliarden Menschen, für die Unterdrückung der Bedürfnisse und Wünsche der Weltbevölkerung. Im Grunde genommen kann man die Parteien, ähnlich wie Westerwelle und andere Politiker, als personifizierte Bewusstlosigkeit auf den Punkt bringen. Denn sie stossen der Bevölkerung, in Form von Gesetzen, die Säbel in den Leib, obwohl sie es verhindern könnten und eine Infragestellung und Umwälzung vorantreiben könnten. Entweder machen sie das bei vollem Bewusstsein, was man dann wohl nur noch als kriminell bezeichnen muss oder sie sind tatsächlich völlig ahnungslos was sie da eigentlich den ganzen Tag machen. Beides ist eine Katastrophe für die Lohnabhängigen, sie müssen sich endlich gegen diese Funktionäre des Kapitals wehren.

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