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Pflegedilemma: Team Ahnungslos undercover

Urin, Schläge, Schimmel und Viren in den besten deutschen Pflegeheimen: Seit Jahrzehnten vergammelt der deutsche Volkskörper dank der miesen Zustände in der Pflegebranche, aber jetzt kommt „Team Wallraff„, legitimer Nachfolger des „Team America: World Police“, und naht mit „Enthüllungen“ zur Rettung!

Ganze 9 Monate hat es gebraucht, damit der Wallraff-Zögling und Sidekick des Verbrechensbekämpfers Robin alias Osterhaus als Praktikantin folgendes heraus findet: Eine 92 jährige liegt 3 Stunden in ihren eigenen Exkrementen.  Lebensgefährliche Noroviren werden vertuscht, Pflegeberichte und Atteste werden gefälscht. Emotionalisierende Beats von Massive Attack versüßen Pöbeleien gegenüber den älteren Menschen, den Gestank und die Fäkalien im Zimmer. Es herrscht Ahnungslosigkeit beim Verabreichen von Medikamenten, Mangel an Geld, Zeit und Pflege. Genauer: 5-7 Minuten pro Patient, 3 Pfleger für 37 Patienten. Zeit-, Akkord- und Schichtarbeit 40 Stunden Woche, 900 EUR im Monat netto. „Ich möchte sterben,“ meint eine Patientin. Unterbrechung: RTL-Werbung. Weiter: „Ja, sind wir denn hier im Zoo?“, fragt eine Pflegerin als eine alte Frau vermutlich schon die halbe Nacht verdreht am Boden liegt. Noch eine Frage obendrauf: „Geht es ihnen gut?“. Gelächter. Sehr richtig bemerkt schliesslich eine alte Frau im Rollstuhl: „Hier ist es nicht lebendig“.

„In diesem System sind alle Opfer. Pfleger müssen vor Überforderung geschützt werden und Pflegebedürftige vor überfordertem Personal,“ meint Osterhaus mit bedeutungsschwangerer Stimme aus dem Off. Wer soll denn schützen? Das kann nur eines heissen: Vater Staat rette uns! Aber Moment mal! Was sagte der „Experte“ Fussek? „Pflegeheime sind rechtsfreie Räume.“ Wie soll das denn gehen? Das Pflegeheim in München wird vom Staat betrieben und agiert nach gesetzlich vorgeschriebenen Marktgesetzen der Kosten- und Nutzenoptimierung. Hier ist das Recht offensichtlich nicht abwesend, sondern omnipräsent. Es ist ein Recht, das Pflegeheime dazu zwingt um Centbeträge zu kämpfen. Nicht ohne Grund hielt CDU-Politiker Mißfelder „nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“ Und der CDU liegt wie jeder großen „Volkspartei“ das Bruttoinlandsprodukt des deutschen Vaterlandes sehr am Herzen, mehrnoch als die Herzen und Körper der alten, unproduktiven, arbeitslosen und damit minderwertigen Deutschen, die nur Kosten anstelle von Profiten verursachen. Diese Rationalität spüren Hartz 4 Empfänger jeden Tag. Gleiches Recht für alle!

Entweder bist Du Leistungsträger oder Du bist überflüssig! Intern heisst es in den Pflegeheimen deshalb: „Wir wollen Vollbelegung“, denn das ist produktiv im Sinne der Kapitalakkumulation. Wenn sich das Pflegeheim nicht danach richtet, ist es morgen pleite! Da kannst du protestieren und dokumentieren wie Du willst: Das ist und bleibt so, wenn man keinen Schimmer von den Bewegungsgesetzen des Kapitalismus hat. Mehr Personal kostet zuviel Geld. Mehr Gehalt kostet zuviel Geld. Bessere Ausbildung kostet zuviel Geld. Wettbewerbsfähigkeit ist in unserer Ökonomie überlebensnotwendig! Konzerne und Staaten stehen in diesem Wettbewerb. Warum wohl wollen alle Parteien Wachstum? Weil das der inneren Logik des ökonomischen Systems entspricht. Die Finanzierung des Gesundheitssystem wurde systematisch im Sinne des Sozialabbaus heruntergefahren. So wurden wir Exportweltmeister! Ein Pfleger meint instinktiv richtig: „Es wird stark rationalisiert in der Altenpflege.“ Man benutzt also absichtlich wenig Personal, um möglichst viel Leistung aus ihnen abzupressen, um möglichst geringe Kosten und hohe Profite zu haben, – wie in jeder anderen Branche weltweit auch!

Experte Prof. Sell lässt dann die Bombe platzen: „Menschenunwürdige Pflege lohnt sich betriebswirtschaftlich.“ Potzblitz! Und jetzt? „In diesem Krankensystem muss sich etwas ändern!“ (Che Osterhaus) Das heisst der Kommunismus ist eine Notwendigkeit, wir müssen unseren Arsch bewegen, auf die Barrikaden und die Lohnarbeit hinwerfen, Marx und Adorno lesen bis uns was besseres einfällt?! Aber, aber! Viel besser: Man trifft sich mit einem Politiker (Laumann) einer staatlichen (!) Behörde und erwartet von ihm ganz naiv Antworten wie alles besser werden soll, der aber total überraschend genauso ahnungslos von „Kriminalität“ spricht wie das ganze „Team Wallraff“, weil er eine Marktlogik nicht verwerfen kann, die er mit seiner Partei proklamiert und für erstklassig befindet. Und schliesslich liefert das „Team Wallraff“ neue „Enthüllungen“, um „Diskussionen anzustoßen“! Diskussionen die sich im Kreis drehen! Es gibt schliesslich ein paar tausend Berufsgruppen auf der Welt! Und es gibt auch noch eine Menge Publikum zu verwirren, damit bloss keiner einen klaren Gedanken bekommt.

Apropos andere Berufsgruppe: Burger King! Nach gesundheitsgefährdenden Darmbaktieren in der Burgerküche, uralten Lebensmitteln im Verkauf als „frisch“, Leistungsdruck, unbezahlten Überstunden, verweigerungen die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall zu machen usw. bemerkt Wallraff wie auch bei der Pflegekatastrophe mit finsteren Blick: „Das sind keine Ausnahmen, keine Missstände, sondern Zustände.“ Aha! Erstaunlich was die alles rausfinden! Was die alles wissen! Am Ende bekommt Wallraff mit seiner Liga der außergewöhnlichen Gentleman noch heraus, dass das alles mit dem Kapitalismus zutun haben könnte! Oder doch nicht? Bei Burger King ist der Bösewicht schnell gefunden, denn Superman-Wallraff braucht einen Gegenspieler: Ergün Yildiz. Klar! Ein blutrünstiger Migrant, der den deutschen Volkskörper mit seinem Gift verdirbt! Der muss es sein. Prompt ist er entlassen. Mission accomplished. Wallraff reitet in den Sonnenuntergang. Jetzt wird alles anders! Der deutsche Volkskörper ist gerettet! Platz an der Sonne! Burger King Filialien sind endlich (wieder) das Paradies, ein El Dorado der Glückseligkeit und Tierkadaver werden wieder mit einem ehrlichen Lächeln präsentiert. Bestimmt gibt es so eine profitgierige Krake („Hauptinvestor“ Zitat Wallraff) auch in den Pflegeheimen, die man nur finden und ausrotten muss, damit alles gut wird. Oder doch nicht?

Weitere Enthüllungen kommen, wenn die Quote für RTL stimmt. Vielleicht sollte Wallraff einen verkleideten Praktikanten in die RTL-Zentrale schicken? Möglicherweise produziert das Privatfernsehen soviel Dünnschiss, weil es am kostengünstigsten Profite bringt? Vielleicht findet Wallraff heraus, dass Menschen auf diesem Planeten verhungern, weil sie ihre Bedürfnisse nicht mit Geld legitimieren können, während gleichzeitig tausende Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen werden? Vielleicht wird er auch im Undercover-Bikini im Schwimmbad oder gar splitternackt am FKK-Strand investigativ herausfinden, dass Wasser nass ist! Wer weiss, aber eines ist eindeutig: Für Wallraff ist seit den 1960ern im ganzen Jahr Fasching und darauf kommt es doch an, denn eine Revolution gegen diese Zustände ist was für Idioten!

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Hungern für den Platz an der Sonne

92 000 Leute machen bei einer Petition gegen Hartz-4-Sanktionen mit, was kommt raus? Warme Luft.

In Deutschland hungern also Menschen, rechnen in „Broteinheiten“ damit Deutschland produktiv bleibt. Ein neunzigjähriger Mann möchte lieber sterben, als für 5 EUR Brutto zu arbeiten. Andere sind „hilflos“, „machen Platte“, verfallen in eine „Starre“, „Isolation“ oder in „Depressionen“. „Skandal“, „erschreckend“, „traurig“, „sowas kann es in einem Sozialstaat doch nicht geben“, „das Fordern“ im staatlichen Konzept von Fördern und Fordern „hat Überhand genommen“, „über 1 Millionen Sanktionen“, die Sanktionspraxis kostet „10 Millionen“ und bindet zuviel staatliches Personal. Es gibt sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen, die als „Qualifikationsmaßnahmen“ verkauft werden, es gibt den bösen „prekären Arbeitsmarkt“, den „Drehtüreffekt“ bei den Zeitarbeitsfirmen, „sehr enge Grenzen Menschen wieder in Arbeit zu bringen“, die Forderung „Ersteinladungen“ der Behörden an Hartz-4-Empfänger „menschlicher“ zu gestalten und ingesamt „mehr Zeit für die Erwerbslosen“ einzusetzen.

All dieses moralisierende Gejammer lässt einen als halbwegs kundigen Marx-Leser nur müde lächeln, muss doch gerade in einer Gesellschaft mit Staaten die Bevölkerung solange sanktioniert und gemaßregelt werden, wie es nur irgendwie geht, um die Produktivität und Konkurrenzfähigkeit, der, in diesem Falle, deutschen Nationalökonomie zu erhöhen. Zeit ist Geld! Der Mensch ist Ware in der Warengesellschaft. Das ist wörtlich zu nehmen. Wer sich nicht um die Gründe bemüht, der muss eben Jammern.

Dementsprechend wurde die Petiton gegen die Hartz-IV Sanktionen trocken abgeschmettert: Die geforderten bedarfsunabhängigen, voraussetzungsfreien Sozialleistungen darf es laut Sozialrecht gar nicht geben. Und dieses Recht setzt das Interesse des Staates durch, sich zu rekapitalisieren und die Menschen als Mittel für diesen Zweck zu instrumentalisieren. So proklamiert die Sprecherin der Bundesregierung: „Wir erwarten Mitwirkung“. Passiert die nicht vorbildlich, dann sieht es der Staat als gerechtfertigt an, auch das unantastbare „Existenzminimum“ auf 0 Prozent zusammenzustreichen, um die Motivation des unproduktiven Schmarotzers zu steigern, bei dem bislang die „Mitwirkung gescheitert“ ist, was „Qualifizierung, Weiterbildung“ oder „Beschäftigung“ angeht.

Wer „Anspruch hat“ muss „mitwirken“, schließlich ist jeder seines Glückes Schmied. Natürlich ist letzteres eine Drohung: Arsch bewegen bis ins Grab ist angesagt. Wer das nicht will, muss eben hungern. „Menschenwürde, Recht auf Unversehrtheit, Berufsfreiheit, auch der Gleichheitsgrundsatz“ werden allesamt laut dem Verfassungsgericht durch diese Sanktionen gewahrt. Was sagt uns das? Es ist per Gesetz so gewollt, dass die Menschen sich gleichberechtigt ganz im Einklang mit den Menschenrechten für diese Gesellschaftsordnung kaputt machen. Eindeutiger kann die Antwort eigentlich nicht ausfallen. Aber trotzdem streitet man sich in dieser fachkundigen Runde lieber über Armutsdefinitionen und ab wann ein Mensch eben ein Mensch ist: Vielleicht wenn er genug zu essen hat!? Wenn er auch noch Kultur genießen kann!? Wenn seine „Menschenwürde“ gewahrt wird, von der noch niemand sagen konnte wie die eigentlich definiert werden soll!? So werden auch noch die Nachgeborenen für Deutschland in Broteinheiten rechnen oder Pfandflaschen sammeln gehen, während andere sich im Bundestag mit Ahnungslosigkeit bewerfen. Da könnte man schon aggressiv werden.

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Jeder ist seines Unglückes Schmied

Wir leben in einer knallharten Leistungsgesellschaft. Wer den Anforderungen nicht genügt verliert, kann seine Träume begraben. Jeder ist seines Glückes Schmied allerdings ist das weniger eine Verheißung als eine Drohung. Wer nicht funktioniert stirbt. Beruflich, sozial, kulturell und überhaupt. Arme sterben schneller. Und keiner der anderen Konkurrenzsubjekte wird auch nur einen Funken zuviel Empathievermögen für die Loser zeigen, sofern es Kraft für ihren eigenen Wettkampf kostet. Ein paar hohle Phrasen und Beileidsbekundungen hat man für die Versager immer übrig. Wenn irgendjemand nicht erfolgreich ist in der Schule oder im Job, dann hat er eben etwas nicht richtig gemacht. Und wenn der Misserfolg anhält, wenn er jammert, wie schlecht es ihm geht, dann bestätigt das nur noch mehr sein Fehlverhalten und gibt damit ein deutliches Signal an alle Kollegen, Mitschüler, Mitmenschen und Leidensgenossen ab: Haltet Euch fern von mir, ich ziehe Euch mit in den Abgrund, mit meiner Unfähigkeit Leistung nach beliebiger Vielfalt und unendlich Intensität oder Dauer abzurufen. Wer nicht den unbedingten Leistungswillen mitbringt, wird sie niemals von Misserfolg erholen können. Es wird für ihn immer schlechter laufen als gewünscht. Und da außer ihm kein personifizierter Grund für das Losertum ausfindig zu machen ist, ist er eben selbst schuld. Und damit treibt er noch weiter ab von der Leistungsgesellschaft, die erfolgreich nach unten tritt und nach oben buckelt.

Die ganze Gnadenlosigkeit und Brutalität manifestiert sich im Bild des traurigen Straßenzeitungsverkäufer, dem heruntergekommenen Obdachlosen, den verhungernden Kinder in Afrika. Egal ob relative oder absolute Armut, diese Menschen sind die abgehängten, aussortierten und überflüssigen Anhängsel einer asozialen Gesellschaft, die jeden wie Dreck behandelt, der nicht der Norm entsprechen kann oder will. Diese „soziale Ordnung“ wird von Angst bestimmt. Jeder ist austauschbar, wenn er nicht mehr funktioniert, egal wieviel er zuvor geleistet hat. Die einzige Chance besteht darin über Kumpanei, Anhäufung von Reichtümern und fachspezifischen Interna sich möglichst indisponibel zu machen. Der aufkeimende Rassismus in ganz Europa speist sich aus dieser Gewissheit heraus. Einzig die Nationalität erscheint den Rassisten als beständiger Wert ihrer Identität. Sie hätten doch als Deutsche ein Vorrecht gegenüber Ausländern ihren Arbeitsplatz zu behalten oder vom deutschen Sozialsystem zu profitieren. Aber dieser Kadavergehorsam gegenüber einer Nationalität, die sich nur über ein staatliches Verhältnis bildet und fortsetzt, basiert auf Kapitalakkumulation und damit auf der Ursache ihrer Verwahrlosigung, ihrer Austauschbarkeit, ihrem Mangel, der künstlich über die kapitalistische Gesellschaft erzeugt wird.

Und weil alle damit beschäftigt sind zu arbeiten, zu lernen, sich ganz der Verausgabung ihrer Fähigkeiten und Lebenszeit unter dem Diktat des Kapitals zu widmen, das über die gesellschaftlichen Institutionen durchgereicht wird, egal ob bei Universität, Schule oder in sämtlichen Konzernen aller Branchen, begreifen sie niemals genug, dass sie es mit ihrem Leistungsdrang nur noch verschlimmern. Wir können niemals ein reichhaltiges Leben führen, ohne Obdachlose, ohne Hungertote, ohne unsere Opfergaben am Arbeitsplatz, ohne unsere permanenten Selbstoptimierung, die von Makeup, Fitnesscenter über Teambuilding beim Oktoberfest bishin zu exzessiven Kokainkonsum reicht. Die Raserei führt zu psychischen und physischen Erkrankungen. Aber es ist auch eine unglaubliche Anstrengung sich von der gesellschaftlichen Ohnmacht nicht dumm und wahnsinnig machen zu lassen.

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Jana & Philip

Eine sechszehnjährige Tabletten- und Heroinabhängige schreibt in ihr Tagebuch: „Warum sollte ich mir das freiwillig antun? Das Leben ist eine stetig wachsende Hürde. Ich verpiss mich lieber von hier. Leben? Was hat man davon? Unsere Welt ist so hässlich, egoistisch, unfair, hart. Alle Gründe und Motivationen zu Leben zählen nicht. Und für uns bleibt Nichts. Am Ende gehen wir so oder so leer aus. Wofür strengt man sich dann an? Wir sind Mittel zum Zweck unsere Erde in Stand zu halten und dem endgültigen Ende näher zu kommen. Arbeiter fürs Schicksal. Unser Lohn ist der Tod.

Es ist wahr: Das Leben ist eine wachsende Hürde. Sie wächst simultan zum Sättigungsgrad der ohnehin schon gesättigten globalen Märkte, zur fallenden Profitrate und der daraus resultierenden Verschärfung der Arbeitsintensität, des Konkurrenzkampfes und Leistungsdrucks zuvörderst in den Betrieben und indirekt über die von der Politik erlassenen Lehrpläne in den Schulen. Mehr Lehrstoff in kürzerer Zeit, damit schneller, jüngere und leistungsfähigere Lohnarbeiter für den internationalen Wettbewerb zwischen den deutschen und internationalen Konzernen  zur Verfügung stehen. Und die Grabenkämpfe finden kein Ende, weil der Profitzwang kein Ende kennt. Arbeiten Amerikaner härter, schneller für weniger Geld, müssen wir noch härter, schneller und für noch weniger Geld arbeiten, was die Amerikaner wiederum unter Zugzwang setzt, denn ohne Verkauf kostengünstiger Produkte gibt es keinen Lohn, keine Steuern für Rente, Sozialsysteme usw. Und anstatt hiergegen Einspruch zu erheben, zu streiken, Alternativen zu erdenken, heißt es aller Orten nur: Wie können wir uns optimieren um mithalten zu können? Das sind einige gute Gründe sich zu berauschen, sich aus zu klammern, fern zu halten von einer Welt die im objektiven Sinne verrückt geworden ist.

Demnach hat sie in ihrem Vollrausch erkannt, dass die Welt so hässlich, egoistisch, unfair und hart ist, weil die Ökonomie das erfordert und von der Politik durchgesetzt wird. Und weil sie gemerkt hat, dass sie als Mensch gar nicht zählt, sondern nur ihre Leistungsfähigkeit, ihre Arbeitskraft, die Mittel zum Profit ist, und ihre ganze Persönlichkeit bloss ein Anhängsel und meistens ein Hindernis ist, will sie sich lieber verpissen und sterben. Ja, so ein Leben ist sinnlos, nicht lebenswert, es ist ein ekelerregendes und unbefriedigendes Schattendasein voller Tränen und Schmerz, Enttäuschungen und Vernachlässigungen. Mehr noch: Wir zerstören mit der Lohnarbeiterei unser Leben, das Leben der Anderen, das Leben der Tiere, der Umwelt, das Leben an sich, weil wir alles dem unendlichen Wachstum untergeordnet haben und das bedeutet: Unser Lohn ist der Tod. Das Nichts. Fatalismus und Gleichgültigkeit. Irrsinn und Barbarei. Wir gehen leer aus. Die einen sterben den Hungertod, weil sie ihren Bedürfnissen per (Un-)Zahlungsfähigkeit keine Legitimiation nachweisen können, die anderen sind zwar lebendig, aber innerlich tot, weil sie ihr Leben der wirtschaftlichen Produktivität geopfert haben. Es ist ein einziges Buckeln nach oben und Treten nach unten.

Was diese Ökonomie bräuchte, um das Leben zu erleichtern wäre ein Weltkrieg oder die Revolution. Ersteres sorgt zwischen Leichenbergen wieder für Märkte, Profit und Wirtschaftswunder. Letzteres würde Mädchen wie sie vor einem sinnlosen Herointod retten. Philip Seymour Hoffman ist an Heroin gestorben. Und er hatte alles: Ruhm, Geld, berufliche Perspektive, Talent und Charakter. Er gab nach 23 Jahren Nüchternheit der Leere in sich oder der Leere überall nach und es reichte nicht mehr um zurück zu kommen. Was ist es das die Menschen in die Sucht, in den Rausch treibt? Ein fehlfunktionierendes Umfeld, welches lieber mit dem Profit beschäftigt ist? Ein Leben, das mal so überhaupt gar nicht einem Rausch entspricht? Großartige Menschen lösen sich auf wegen einem gesellschaftlichen Verhältnis, welches eigentlich an ihrer Stelle aufgelöst gehört. Diese Schicksäler mahnen zu Demut, aber auch zu Entschiedenheit im Kampf gegen den Kapitalismus. Wieder und wieder verlieren wir Menschen und Lebensqualität. Wann haben wir es satt?

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Stadtmomente

Den ganzen Tag sitzt eine junge Frau in der Fußgängerzone und singt wunderschöne traditionelle Volksgesänge. Zwischen Auto- und Baulärm auf kaltem, dreckigem Asphalt singt sie und singt sie. Die Passanten ziehen vorbei. Sie hält einen kargen Becher vor sich. Laufend gehen Leute an ihr vorbei. Keiner sieht sie genau an, gibt ihr etwas oder unterhält sich mit ihr. Sie hält durch, weil sie muss, weil sie nicht anders kann.  An einem historischen Gebäude bei einem prächtigen Brunnen schläft ein anderer mit seinem Schlafsack keine 5 Meter vom Hauptverkehr im Zentrum der Stadt und den reichen Vierteln. Gutgekleidete, schwer beschäftigte Passanten laufen an ihm vorbei, während er ganz abgeklärt zu pennen scheint. Sein Hab und Gut steckt in ein paar alten, ausgefärbten Einkaufstaschen. Ein paar Meter weiter steht ein älterer Mann mit dreckigen und zerlotterten Klamotten vor dem Rewe City Discounter. Er zittert. Ich weiß nicht ob vor Kälte oder Krankheit. Er hat kaum Zähne im Mund und starrt ins Nichts. Er ist völlig verstummt. In der Nähe stehen ein paar Obdachlose trinken sich die Birne weg, um etwas auszuhalten, was man nicht aushalten kann. Es riecht nach Urin und Alkohol. Sie stehen direkt neben noch mehr Baucontainern.

Die Stadt macht sich fit für den globalen Konkurrenzkampf und erneuert sich selbst für zahlungskräftige Unternehmen, Touristen und andere Menschen. Diejenigen, die  Straßenzeitschriften verkaufen um nicht in ihrem Elend zu ersticken,  sind dagegen überflüssig. Sie stehen im Weg, sind unangenehm und werden ignoriert. Die Konkurrenzgesellschaft ist eine Gesellschaft des Wegsehens. Das Schwierigste ist, dass diesen Menschen nicht mit ein bisschen Kleingeld geholfen ist. Gibt man allen Kleingeld, hat man am Ende selbst Schulden, fliegt aus der Wohnung und muss betteln. Wir alle leiden unter dem künstlich erzeugten Mangel. Weil aus Geld mehr Geld erzeugt werden muss, wird relative und absolute Armut genauso Teil der Welt bleiben wie ein Alltagsleben voller Arbeitsintensivität, Stress, Zeitmangel usw. Die Nöte und Zerstörungen aufgrund dieser Profitorientierung sind in allen menschlichen Beziehungen spürbar. Wer hat das letzte Mal wirklich in den Tag hinein gelebt, ohne sich Sorgen zu müssen wie die Zukunft aussieht? Wer kann starke Freundschaften schmieden, sie jederzeit und ausgiebig pflegen? Wann hat man das letzte Mal wirklich zugehört und geredet? Wann hat man zuletzt wirklich ernsthaft darüber nachgedacht Armut, Umweltzerstörung, Krieg, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus zu bewältigen? Wann wird der Alltag jemals frei von Angst, Druck, Kampf und Unterwerfung sein?

Das ganze Leben ist eine einzige Improvisation. Freundschaften finden nur in der Freizeit für ein paar wenige Stunden statt und das ist schon der Idealfall. Viele Menschen haben völlig den Kontakt zu den Mitmenschen und sich selbst verloren. Sie reden zwar mit irgendwem, aber eben das typische Geschwätz aus den Massenmedien. Austauschbarer halbgarer Unsinn um Peinlichkeiten zu überstehen. Überhaupt ist alles Menschliche in die Ruinen der Freizeit gestopft. Sexualität, Kreativität, Schlaf, Innigkeit, Zusammenhalt, Verständnis, Freude, Müßiggang und Reflexion. Der Trubel des beruflichen Alltags lärmt nicht nur auf den Straßen, in den Büros, den Baustellen, Einkaufshäusern, Kriegsschauplätzen, sondern zuerst und am längsten in den Köpfen. Der Zerfall dessen was man als Kind gewesen ist, begründet die Karriere als funktionierende Arbeitsdrohne, die nur nur noch äußerlich einem menschlichen Wesen gleicht. Die Unmenschlichkeit ist schlimmer als jeder menschenfressende Zombie, sie ist nicht nur unersättlich, unlogisch, grausam, endlos wie eine Apokalypse, sondern eben auch verleugnet und allumfassend. Es gibt keine Fluchtmöglichkeiten vor der Heuchelei der Ideologen und ihrer Speichellecker, die nichts von ihrer eigenen Dummheit und Brutalität wissen wollen. Man ist gefangen in einer sozialen Hölle, die als Himmel verkauft wird.

Es hat sich eine Sprachlosigkeit in mein Leben gedrängt, je stärker ich dieser Gesellschaft gestattet habe wegzusehen, je stärker ich versucht habe in ihr zu funktionieren. Aber es war schon immer schlimm, denn wir alle haben von Kindheit an Prügel bezogen, wenn wir nicht funktionierten und so ein Wertechargon einverleibt bekommen, dass uns nun funktionieren lässt. Nur die faulen, unbelehrbaren Schwachköpfe zweifeln und bringen nichts zustande, weder Konformismus noch Revolution. So einer bin ich stets gewesen. Dieses Hadern, wie mit einer grauenvollen Welt umzugehen ist, während man sich selbst als Teilnehmer erfährt ist zu einem Lebensgefühl gereift, obwohl es doch eigentlich so einfach ist: Mitmachen durch Lohnarbeit, durch das Studium, durch die Schule usw. kann nicht zur Lösung beitragen, weil die Prioritäten dieser Tätigkeiten auf den Mehrwert und nicht auf dem Wohl der Menschheit beruhen. Je mehr man arbeitet desto schärfer wird der Konkurrenzkampf. Je bessere Noten man schreibt desto schärfer wird der Konkurrenzkampf.

Der größte Akt der Rebellion gegen die Leistungsgsellschaft kann nur die unproduktive Tätigkeit sein, weil sie dem Prinzip aus Geld mehr Geld zu machen völlig widerspricht. Es muss darum gehen für die Menschen zu arbeiten und nicht für ein Prinzip, dass sie aufarbeitet und zerstört. Wenn es keine radikale Opposition gegen dieses Prinzip bei den Gewerkschaften, Parteien, Arbeitern, Arbeitslosen und Armen gibt, dann weil alle einem falschen Glauben erliegen anstatt ihn endlich zu verwerfen und auf ihr Gefühl und ihren Zweifel zu vertrauen. Das naive und einfachste erscheint hier als das beste, nur so kann das andere entwickelt werden. Im freien Spiel, im Genuss, in der Freizeit, in der Muse, Ruhe und im gegenseitigen Helfen und Verstehen liegen die Keimformen einer anderen Welt. Der Staat, die Nation, das Kapital, der Wert, die daran anhängenden Insititutionen von Schule, Universität, Konzernen usw. sind nur über Unproduktivtät friedlich zu überwinden. Nicht die Arbeitslosen liegen der Gesellschaft auf der Tasche, das Geld liegt der Gesellschaft auf der Tasche und daher ist es nur legitim es nicht mit eigener Aktivität zu stärken und über das eigene Leben bestimmen zu lassen.

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Das Wahlprogramm der Antipartei 2013

Die nachfolgenden Reformen sollen Armut, Hunger und irrationale kollektive wie individuelle Belastungen für immer abschaffen. Anstelle von Verzicht und Ausschluss rückt die Steigerung der Lebensqualität und Mitbestimmung aller. Die Bevölkerung muss sich endlich von dem Gerümpel befreien, an dem sie sich aus purer Ängstlichkeit, Dummheit oder Ignoranz klammert, damit sie endlich ihre Bedürfnisse befriedigen kann.

1. Die Antipartei hat langfristig das Ziel sich selbst abzuschaffen, weil Politik ein Übel ist und für die Verkehrtheit der Welt steht. Im Parlament verhandeln die Parteien lediglich Kapitalinteressen und eigene Machtkalküle. Die Parteien kommen ihrem eigentlichen Zweck nicht nach und wollen ihm auch nicht nach kommen, deswegen sind sie wie das Parlament zugunsten der direkten Demokratie abzuschaffen. Gemäß dem Rätemodell wird auf Kommunenebene digital und/oder persönlich wöchentlich über alles durch die Bevölkerung abgestimmt. Es gibt keine Führer oder Vertreter mehr, sondern jeder Mensch hat sich seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu stellen. Das Rätemodell steuert den Staat, bis geklärt ist wie mit ihm weiter zu verfahren ist. Damit die Bevölkerung nicht überfordert ist, wird in der Schule dementsprechend auch fachlich darauf eingegangen. Rechtsradikalismus, Nationalismus, Antisemitismus, Homophobie, Verschwörungstheoretisches, Trollgehabe, Führerkult, etc. muss in dieser Diskussionskultur abgelehnt bzw. überwunden sein.

2. Übertragung der Eigentumsverhältnisse von Arbeitsplätzen an die arbeitende Bevölkerung. Jeder Lohnarbeiter muss mit dem Arbeitsvertrag Unternehmensanteile bekommen. Größe des Anteils ergibt sich aus der geleisteten bzw. zu leistenden Arbeit. D.h. wenn 999 Mitarbeiter existieren und ein weiterer hinzukommt, erhält jeder 1 von 1000 Unternehmensanteilen, wobei dessen Größe und Bedeutung sich aufgrund der Leistung des Eigentümers und Arbeiters von Abrechnungszyklus zu Abrechnungszyklus verkleinern oder vergrößern kann. Ziel dieser Maßnahme ist die Abschaffung der auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich. Die Anteile geben allen Arbeitern die Möglichkeit Entscheidungen über ihre Firma und ihren Arbeitsplatz zu treffen. Mit einem Schlag würden die Vermögen z.B. der Quandts auf sämtliche Mitarbeiter von BMW umverteilt und endlich eine leistungsgerechte Entlohnung stattfinden. Die Arbeiter erhalten die Kontrolle über ihr Leben zurück. Momentan werden sie rausgeworfen, wie es die Marktsituation für die Profitmaximierung erfordert.  Die Vermögen aus Unternehmensbeteiligungen fliessen also zur Bevölkerung zurück und werden entsprechend für Soziales investiert.

3. Abschaffung der Profitmaximierung als Handlungsmaxime in der kapitalistischen Produktion zugunsten der Bedürfnisbefriedigung:  Die Produktion findet nur noch zur Befriedigung der Bevölkerung statt, d.h. es wird das produziert wofür tatsächlich auch eine Nachfrage besteht. Um die Reproduktion der Bevölkerung und den Austausch der Güter effizient zu gestalten, muss ein Markt etabliert werden, auf dem sich Produzenten und Konsumenten treffen. Wenn jemand etwas haben will, muss er das z.B. über eine virtuelle Plattform anmelden, damit die Produzenten dies zu einer bestimmten Frist  produzieren und liefern können. Hierdurch entfällt die Überproduktion, es wird nur das produziert was benötigt wird und frische Lebensmittel werden nicht mehr weggeworfen, Elektroartikel erhalten keine Sollbruchstellen mehr, da nicht ständig der Absatz künstlich für Profite erhöht werden muss usw. Die unternehmerische Freiheit bleibt erhalten, jeder kann Innovationen entwickeln, die das Leben erleichtern, verschönern oder anders verbessern allerdings muss es dafür auch Abnehmer finden.  Die Steuereinnahmen werden steigen, da durch die Abschaffung der Profitmaximierung keine Milliarden mehr an den Fiskus vorbeigeschleust werden müssen.

4. Abschaffung der 40 Stunden Arbeitswoche zugunsten der 4 Stunden Woche: Die Produktivität ist von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer weiter gestiegen. Die Entwicklung des Niedriglohnsektors ist nicht nur ein günstiges Ausbeutungsverhältnis für das Kapital, sondern ein Hinweis auf die Produktivitätssteigerungen, die endlose Arbeitstage überflüssig gemacht haben. Es gibt mehr als 4 Millionen Arbeitslose in Deutschland, würde sich die Produktion anhand der Bedürfnisse ausrichten, könnten Arbeitslose zu diesem Zweck eingestellt werden, wodurch enorme Arbeitszeitverkürzungen möglich werden. Somit hätte Arbeit keinen endlosen, krankhaften Charakter, sondern bloss die Notwendigkeit, die der Austausch von Waren durch Mensch und Natur erfordert. Wer mehr arbeiten will, darf das und wird mit größeren Anteilen am Betrieb beteiligt, wobei aber niemals mehr als 49% erreicht werden kann, sonst käme es zu einer Monopolisierung von Unternehmensanteilen, und damit einer Konzentration von Reichtümern bzw. Macht, die sich negativ auf die anderen Arbeiter auswirken muss. Gibt es weiterhin arbeitslose Menschen, sollte man mit ihnen darüber nachdenken, ob sie arme Länder bzw. Kontinente wie Afrika aufbauen wollen, damit auch dort Wohlstand stattfinden kann.

5. Abschaffung des Notensystems in der Schule: Anstatt von reiner Leistungsmaximierung wird in der Schule der vorwiegend Erkenntnisgewinn und die Charakterbildung stattfinden. Schüler sollten wählen dürfen worauf sie die Lernschwerpunkte setzen. Natürlich müssen sprachliche, mathematische, gesellschaftliche Grundlagen verstanden werden, aber das Leben soll nicht mehr von einer schlechten Note in einem Fach abhängen, welches einem nicht liegt. Menschen sind unterschiedlich, haben unterschiedliche Bedigungen bei denen sie aufwachsen, es ist absurd alle in ein Schema pressen zu wollen. Das Lehrpersonal, die Unterrichtsmaterialien müssen systematisch erweitert werden. Studiengebühren werden abgeschafft, stattdessen erhalten Studenten Gehalt, weil Wissen und Reflektion die Zukunft aller Gesellschaften ist. Finanzierung ergibt sich u.a. aus Punkt 2, 3 und 6.

6. Abschaffung der Bundeswehr und des Geheimdienstes:  Derzeit ist der Etat der Bundeswehr größer als der Etat für Soziales. Der Zweck der Einrichtung ist Mord und Totschlag. Im Zuge des NSU hat der Geheimdienst seine Überflüssigkeit bewiesen. Insofern ist eine Abschaffung dringend notwendig. Andere Nationen sollten diesem Beispiel folgen und ihre Waffen ebenfalls entsorgen, um unser aller Wohl. Die Gelder werden anstatt in Drohnen usw. in Schulen, Krankenhäuser, Altersheime, Kindergärten usw. investiert und das Personal entsprechend für den allgemeinen Markt freigegeben, wodurch sich erneut Arbeitszeitverkürzungen für alle ergeben werden.

7. Was kostenlos werden soll: Kostenlose Armen-, Kranken-, Behinderten- und Rentnerversorgung mit reichlich Fachpersonal. Wohnen und öffentliche Verkehrsmittel sind ab sofort ebenfalls kostenlos. Verwaltung der Armen- Kranken-, Behinderten- und Altershäuser, Mietwohnungen, Immobilien übernehmen die verschiedenen Räte in den Kommunen. Nahrung, Gesundheit, Ruhestand, Wohnen und Mobilität sind zutiefst menschliche Bedürfnisse und müssen dementsprechend besonders geschützt werden. Asylbewerber sind per se aufzunehmen und wie alle anderen mit Wohlstand zu überschütten. Finanzierung ergibt sich u.a. aus Punkt 2, 3 und 6.

8. Abschaffung der Atomkraftwerke zugunsten regenerativer Energien. Der Atommüll ist eine Bedrohung für alle kommenden Generationen und sämtliche Rohstoffe sind begrenzt, deswegen muss auf regenerative Energie gesetzt werden.

Umsetzung wäre noch dieses Jahr möglich, wenn die Antipartei existieren und über 50 Prozent der Stimmen erhalten würde.

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The Walking Dead

Ich wünsche mir eine Zombieapokalypse, weil es das Leben aufrichtiger und übersichtlicher machen würde. Die Jagd nach Geld, Jobs und einem besseren sozialen Status auf Kosten anderer Menschen wäre beendet. Die lärmende, stinkende, giftige Industrie des menschlichen Krebsgeschwürs auf Kosten der Natur und aller Lebewesen würde den stöhnenden, trotteligen und langsamen Zombies weichen, die leicht mit einigen Kopftreffern auszuschalten wären. Das Endzeitszenario mit einer Gruppe von Überlebenden, die gegen Massen von Untoten vorgeht, ist längst das Alltagsempfinden von Millionen Menschen im gegenwärtigen wirschatlichen System. Jetzt hat man auch nur seine Familie und eine handvoll vertrauenswürdiger Freunde mit denen man allein, jeder gegen jeden, im permanenten Konkurrenzkampf um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse kämpft, und gibt gleichermaßen vor, es sei Ausdruck von Fortschritt, Wohlstand und Zivlisation. Das Recht des Stärkeren und die Verlogenheit unserer Gesellschaft lässt sich leicht an den täglichen Bergen von Hungertoten ablesen, die neben den Bergen von verschwendeten Lebensmitteln entstehen. Längst zerfleischen wir uns als Menschheit gegenseitig bei vollem Bewusstsein, während wir in modischen Klamotten in hippen Clubs tanzen, mit unseren polierten Fahrzeugen durch die Betonwüsten fahren und auf Flirtportalen nach dem nächsten Geschlechtspartner suchen, welcher genauso beliebig gewählt wie ausgetauscht wird. Ich tausche gerne meine 40-50 Stunden Arbeitswoche gegen ein paar Stunden Zombies zertreten und Vorrätebeschaffung, denn ich gewinne dadurch meine Mündigkeit und Autonomie zurück. Es würde auch mehr Gerechtigkeit herrschen, denn niemand stirbt mehr weil es ein gesellschaftliches Prinzip so will, welches sich verselbstständigt hat und nur noch durch religiösen Fanatismus überlebt, sondern aufgrund einer natürlichen Katastrophe: Der Zombies. Lieber lasse ich mich innerhalb weniger Minuten zerfetzen, alsdass ich die Bitterkeit eines anonymen, machtlosen Arbeitslebens in mir trage, die in jedem von uns Einzug hält, wie ein Tier, das einst in die Gedärme kroch um dort zu sterben. Dieser verderbliche Geruch hat alle Hoffnungen und jeden Mut für Veränderungen erstickt. Von der Pest betrunkene, verzerrte Körper und Gesichter schleppen sich in U-bahnen, Autos, Bussen und auf Rolltreppen zu Arbeitsplätzen, um mit dem Schritt über die Schwelle des Unternehmergeländes eine Lohnsklavenmaske aufzusetzen, die die Apologeten, Priester und Missionare unseres kapitalistischen Systems, aber auch die Werbebranche, die Schule, die Eltern und ihr Umfeld ihnen angedichtet hat. Tagtäglich werden lustige Dinge für Wesen hergestellt, die unglücklich sind. Das Blut ist aus unseren tapferen Lohnarbeitern geronnen, längst ist von ihrer Menschlichkeit nur noch ein kümmerliches Häuflein übrig, den Zombies gleich, – deren einziger Antrieb anstelle von Menschenfleisch Geld ist. Die Überlebenden der Zombieapokalypse müssen sich nicht mehr für einen irrationalen Selbstzweck aufreiben, sondern nur noch für das persönliche, reale Überleben von ihnen und ihrer Gruppe, während unsereins sich bei niemanden seiner Solidarität sicher sein kann, weil in unserer Gesellschaft Geld mehr zählt als eine tiefe menschliche Bindung und dieser Umstand jegliche Empathie erstickt hat, wie sonst wäre die Schoa möglich gewesen? Es gäbe keine Illusionen mehr, man wüsste, jeder Fremde muss erst beweisen, dass er ein Freund ist indem er sein Leben für den Anderen riskiert. Der Tod der anderen wäre permanent präsent und nicht verschüttet unter dem Lärm von Partys, Autos, Industrie, Medien, politischen Reden, der strebsamen Arbeiterhände und Meetings in Konzernzentralen. Wir würden alle als Wunden offen liegen, die Welt mit unserem Blut überschütten und nicht mehr nur einige von uns.

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