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Gegen das Hundeleben

Man kann nicht sagen die Parteien und Konzerne seien allein verantwortlich, für die Katastrophen in Form von Hunger, Lohnabhängigkeit, Umweltzerstörung, Artensterben und so weiter. Wir alle als Individuen sind verantwortlich. Wir legitimieren Parteien mit unserer Wählerstimme, wir unterstützen Konzerne mit unserer Arbeitskraft und unserer Lebenszeit. Seit Jahrzehnten wird akzeptiert das die Zerstörung weitergeht. Auch jene die sich engagieren, ob in Parteien oder NGOs, haben die Rolle dieser Organisationen im System nicht begriffen. Keine Partei oder NGO kann den Kapitalismus stürzen, genausowenig wie die Steinewerfer und Bombenzünder. Wie kann man das auch glauben? Den Großteil des Tages verbringt man damit als Lohnabhängiger zu funktionieren, treibt also den Hungernden und sich selbst Messer in den Körper und ein paar Stunden in der Woche versucht man daraufhin mit Medikamenten diese Taten ungeschehen zu machen. So ist das Gewissen beruhigt, aber das sind letztlich nur Tropfen auf dem heißen Stein, ähnlich wie Spenden, die gewöhnlicherweise besonders zu Weihnachten populär sind, als ob es den Rest des Jahres kein Elend gäbe. Es ist nicht mehr als Soforthilfe, die die Ursachen der Probleme nicht beheben wird, ergo Sisyphusarbeit.

Es reicht nicht, sich lediglich beiläufig zu engagieren, man kann nicht beiläufig die Probleme der Menschheit anpacken oder begreifen. Es ist wie in jeder Sache, will man etwas lernen, muss man sich voll konzentrieren, will man etwas bewegen, muss man sich voll reinhängen. Ich kann auf keiner Ebene und in keiner Facette der Gesellschaft, so eine Haltung erkennen. Man verliert sich in Grabenkämpfe, spottet, höhnt und zelebriert sich als Aktivist, wie ein Fan eines Fußballclubs seine Gruppe oder seine Gedankenwelt und das obwohl von vorneherein klar ist, wie wenig daraus konstruktiv entstehen wird. Ja, es ist anstrengend seine ohnehin schon geringe Freizeit für die Lektüre von Theorie oder gewerkschaftliche Seminare einzusetzen. Es gibt aber keine Alternative. Wer tatsächlich leben will, wer wirklich das Leben feiern will, der muss nunmal erst die Arbeit erledigen, die hierfür die Grundlagen liefert. Wie kann man denn feiern gehen, während ringsherum Menschen verhungern, im Müll nach Essbaren suchen, auf der Straße leben und hinnehmen, das weder Parteien noch Konzerne seit Jahrzehnten keine Lösungen für diese Probleme finden? Wie kann man als Individuum so etwas zulassen?

Es darf sich nicht darauf verlassen werden, das die innere Ablehnung oder die geringen Stunden für andere Menschen ausreichen. Warum wohl sind Jugendliche heutzutage nicht erst seit Nirvana als Generation X bekannt, die keinerlei Begriff mehr davon hat, was sie empfindet, die auch keinerlei Träume oder Visionen verfolgen. Alles wartet darauf unerfüllt und unverstanden zu sterben. Seither hat sich nichts verändert, die Situation hat sich weiterhin zementiert und verschlimmert. Es mag Menschen geben die davon nie gehört haben, denen es nach eigenen Bekunden gut geht, die in einem wohlbehüteten Viertel mit entsprechend einfühlsamen, herzlichen und materiell unabhängigen Menschen groß geworden sind. Aber ich denke das ist eine absolute Minderheit, sowie der westliche „Reichtum“ eine Minderheit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung bildet. Wir mit unseren Autos, mit unserer Großindustrie, mit unserer überflüssigen Verschwendung, die die Orientierungs- und Bewusstlosigkeit, die innere Leere und Verzweiflung beruhigen und verdecken soll, stecken tief drin im Mantra der falschen Versprechen von illusorischen Ideologien. Keiner glaubt das die Wahlen etwas positives bewirken, keiner glaubt die Konzerne bewirken etwas positives, und trotzdem ist immer noch genug Irrglaube da, um Jahr für Jahr, Tag für Tag exakt diesen Luftschlössern nachzujagen.

Offensichtlich muss die entfremdete Menge von Menschen in der Mehrheit sein, sonst hätte sie längst ihre Ketten gesprengt die sie davon abhalten ihr Leben tatsächlich zu entfalten. Kein Arbeitstag wäre länger als 4 Stunden und kein Mensch müsste mehr Hungern oder durch die Gewalt der Staaten und Konzerne sterben. Aber es ist uns zu anstrengend, zumindest der Mehrheit. Es lebt sich leichter, gewisse Illusionen aufrecht zu erhalten, gewisse Lügen ewig zu glauben, damit das Gewissen und die Sehnsucht nicht so sehr schmerzt. Man müsste ja wirklich etwas riskieren, man müsste tatsächlich seinen Job, seine Wohnung, seine Familie und Freunde aufs Spiel setzen, wollte man nicht mehr bequem funktionieren und in Sicherheit als Herdentier mitlaufen. Es kann keiner mehr hören, diese schmerzlichen Fakten. Tausende Hungertote täglich, tausende Tiere werden geschlachtet, tausende Quadratkilometer verseucht, vermüllt und vernichtet, Millionen haben kein sauberes Trinkwasser, Zugang zu Medikamenten oder Bildung. Man rattert das herunter und sagt: Es war schon immer so, warum sollte es sich ändern? Wir können nichts tun, wir sind nur einzelne arme Menschen, wir sind der kleine Mann, der nicht gegen die großen Konzerne und Staaten ankommt. Man kennt diese Phrasen die sich über Jahre als gewöhnliche Ablehnung sich selbst zu engagieren installiert haben.

Dabei haben wir bereits Grundlagen die wir nutzen können um uns zu befreien. Bürgerentscheide müssen ausgebaut werden, es braucht mehr Direkte Demokratie. Es braucht mehr Konzerne die ohne Chef und Profitmaximierung funktionieren, wie sie es in Frankreich bereits gibt. Es braucht mehr Menschen die klipp und klar sagen was in ihnen vorgeht. Es gibt viel zu entdecken und zu schaffen, sofern man den Mut hat die Freiheit, die uns allen gegeben ist, wahrzunehmen und einzusetzen. Wir sollten uns ein Beispiel an Nordafrika nehmen und unsere Demokratie und unser wirtschaftliches System verbessern. Parteien und Konzerne wandeln sich oder zerfallen je nach unserer persönlichen Einstellung und Vorstellung. Es muss nicht alles eine Ware sein, weder der Mensch, noch das Tier, noch die Umwelt. Wir müssen uns klar machen das es so nicht mehr weitergeht und entsprechend streiken, Alternativen erdenken die man daraufhin ausprobieren kann. Es ist legitim Häuser zu besetzen, wenn die Mieten und die Anzahl der leerstehenden Gebäude steigt. Arbeitslose sollten sich organisieren und mehr Arbeitslose fordern. Das Ziel einer Gesellschaft sollte nicht mehr Arbeit sondern mehr Freizeit sein. Es braucht mehr freie Zeit für die Dinge im Leben, die jenseits der Produktion irgendwelcher Güter funktioniert. Würde der Kapitalismus gestürzt, würden auch genug Hände für Nützlicheres frei. Ich kann für genaueres Horst Stowasser empfehlen. Wir sollten alle mehr Zeit für Kunst, Kultur, Liebe, unseren Nächsten und Hobbys haben. Es ist ein Hundeleben dem Profit hinterher zu rennen und gegen Menschen zu konkurrieren, mit denen man eigentlich ordentlich einen saufen gehen sollte.

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Wir hatten unsere Zeit

Anstatt sich zu fragen warum täglich tausende Menschen verhungern, stellen wir uns lieber die Frage warum Einwanderer hin und wieder Einheimische zusammenschlagen. Schockiert fragen Journalisten und Politiker: Wohin soll das nur führen? Was machen wir nur mit den Ausländern? Während unzählige Konzerne den Planeten vergiften und Menschen für Profite vergewaltigen, stellen wir uns die Frage: Ob Kate ihren William wirklich liebt und ob sie der großen Verantwortung gerecht werden kann. Ihr Kleid kostet soviel, es könnte hunderte Menschen in Afrika wochenlang ernähren. Aber es interessiert uns nicht. Uns interessiert wie der FC Bayern spielt, ob der Sarrazin aus der SPD fliegt, mit wem Popsternchen XY vögelt, welcher Modetrend gerade in ist, usw. usf. Wir funktionieren so gut als Zombies einer ignoranten, zynischen, kapitalistischen Realität, wir wissen gar nicht das wir als Lohnabhängige ausgebeutet werden, und wenn wir es wissen scheuen wir uns davor die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Wir müssten sofort unsere Konzerne, Staaten und Parlamente zum Teufel jagen und individuell, direkt Verantwortung für unsere Handlungen und Vorstellungen übernehmen. Stattdessen holen wir uns einen darauf herunter, das die Nordafrikaner die „Freiheit“ entdeckt hätten und sich nicht länger unterdrücken lassen würden, als ob die parlamentarische Demokratie und der Kapitalismus genau das bedeuten würden. Dabei sind sie nur von einem Käfig in den nächsten gewandert und wir applaudieren in unseren Käfigen.

Mal abgesehen davon, das man sich tagtäglich von den Medien einreden lässt, was man zu denken hat, worüber man sich aufzuregen hat, lässt man sich von der Politik und den Konzernen tagtäglich einreden sie wären nur für die Wähler und die Lohnabhängigen da, dabei ist es genau umgekehrt. Wir werden manipuliert und ausgeraubt von der Politik und den Konzernen. Man jammert über den Niedriglohnsektor und sagt, das ist Ausbeutung, das ist gegen die Menschenwürde, dabei wird in diesem Bereich bloß die kapitalistische Grundordnung konsequent ausgelebt. Wenn in Bangladesh Näherinnen für ein paar Dollar am Tag oder in der Woche für C&A, H&M, Kik und auch Edeldesigner ackern, damit wir was schickes für unsere oberflächliche Individualität zum austragen haben, dann ist das nichts anderes als konsequent gelebte Betriebswirtschaft. Je stärker, heftiger und gnadenloser man die Lohnabhängigen ausbeutet bzw. ausquetscht desto besser ist das für den Staat und die Konzerne. Natürlich muss man darauf achten die Leute nicht tot zu quetschen, hierfür ist der Staat da. Und worüber redet man in den Medien, in der Politik und in den Konzernen? Über faule Arbeitslose, mangelnde Fachkräfte, schlägernde Jugendliche und Deutsche in der Minderheit, alles Themen die auch wichtig sind, aber die die eigentlichen Probleme dieser Gesellschaft ausblenden und verschleiern. Nicht selten sind diese Themen nur Symptome für die eigentlichen Probleme.

Unser größtes Problem ist der Kapitalismus und der Parlamentarismus, weil die Menschen unmöglich darin tun können was sie eigentlich wollen und weil sie dazu gezwungen werden einer primitiven Logik zu folgen, die in letzter Konsequenz den Planeten zu einem menschenfeindlichen Ort machen wird und bloß einer Minderheit erlaubt so zu leben, wie sie es für richtig hält. Der Kapitalismus zwingt uns alle, egal ob Arbeitsloser, Ausländer, Zeitarbeiter, unbefristeter Angestellter beim Staat oder in der Wirtschaft, Rentner, Kinder, Polizisten, unsere überlebensnotwendigen Bedürfnisse gegeneinander auszuspielen. Wir müssen egoistische Arschlöcher sein, um etwas für uns und unsere Liebsten zu fressen zu haben. Wir müssen dafür sorgen das jemand anderes an unserer Stelle verliert. Im Kapitalismus muss immer irgendjemand verlieren, damit ein anderer gewinnen kann. Und je höher man steigen will, desto mehr Menschen müssen verlieren. Wenn man sich anschaut wie riesig die Vermögen der Reichen sind, und die Armut der Massen entgegenhält, wird es einem schlagartig klar. Man kann unmöglich durch eigene geistige oder körperliche Arbeit Milliarden verdienen, das wird nur durch massenhaften Betrug und Ausbeutung möglich. Das was für Privatpersonen gilt, gilt für Konzerne ebenso. Die Konzernvermögen wachsen und die Löhne stagnieren. 90 Prozent von uns haben keine Chance jemals der Lohnabhängigkeit zu entrinnen. Wir werden immer der Willkür der Konzerne und Staaten ausgesetzt sein. Wir werden immer in Angst, Unsicherheit und Entfremdung verharren müssen bis uns der Tod endlich von dieser Entmündigung erlöst. Vorausgesetzt natürlich, wir wehren uns nicht.

Arbeit ist scheiße und daran wird sich niemals etwas ändern, weil so wie die Arbeit organisiert ist, kann sie niemals unseren Bedürfnissen und Interessen dienen. Wir dienen als Lohnabhängige zuerst dem Kapital und den Interessen der Kapitaleigentümer. Das sind alles keine großartigen Neuigkeiten, aber trotz all der tagtäglichen Katastrophen, scheint es kaum einen von uns wirklich dazu zu veranlassen handfest dagegen vorzugehen. Stattdessen wird weitergemacht wie bisher, man folgt dem Klatsch und Tratsch, geht wählen, geht arbeiten, gebährt sogar Kinder in diese Maschinerie hinein, als ob man Zeit für sie hätte, als ob man ihnen eine lebenswerte Welt bieten könnte. Es ist doch absoluter Wahnsinn angesichts der unzähligen Taten gegen die Menschenwürde untätig zu bleiben und sogar alles dafür zutun, damit es noch schlimmer wird, indem man den Gesetzen des Marktes und des Staates folgt. Es kann doch kein „Weiter so“ geben, wie die Parteien immer so phrasenhaft daher schwafeln. Und doch geht es genauso weiter. Weil letztlich immer die Isolation vorgezogen wird. Man entscheidet sich immer für das Geld, für die Karriere im Krebsgeschwür, weil es leichter ist. Denn fängt man erstmal an die Probleme tatsächlich nicht als Problem der Politiker oder der Konzerne zu sehen, sondern als persönliches Problem, als Problem der eigenen Nachkommen, muss man alles in Frage stellen und eigene Fehler eingestehen, sein Leben umkrempeln und von Zeit zu Zeit radikaler gegen die Verbrechen vorgehen. Und weil die meisten von uns genau das wissen, überlassen wir es lieber den Anderen und beschimpfen sie hinterher als unfähig, korrupt und so weiter, was ja auch zutreffen mag, aber eben durch unser Handeln und unsere Vorstellungen unterstützt und überhaupt erst möglich wird.

Anstatt sich hinzusetzen, sich zu informieren und sich zu organisieren, macht man sich lieber etwas vor und nährt damit alle nur erdenklichen Katastrophen. Tagtäglich wird millionenfache unterlassene Hilfeleistung praktiziert, weil der Irrglaube vorherrscht, man könne sich nicht ändern und man könne das System nicht ändern. Wir geben die Kontrolle über das Leben ab, indem wir als Lohnarbeiter und Wähler funktionieren, wir machen uns zu Opfern und Tätern, indem wir unsere Zeit und Kraft für die Profite opfern und unsere Stimme zur Legitimierung der Gesetze, die die Art und Weise der Ausbeutung und Unterdrückung festlegen, abgeben. Natürlich ist es nicht nur Ignoranz und Apathie. Wir sind auch gebunden an unsere Jobs, die wie Ketten an uns hängen und jeden moralischen Fortschritt in der Menschheit verhindern. Wir empfinden große Abhängigkeit gegenüber dem Zwang Geld verdienen zu müssen, denn es wurde seit Jahrhunderten kaum anders praktiziert. Alles ist die Sekte. Die Schule, die Familie, die Nachbarschaft, die Medien, Konzerne und Staaten. Alle redeten sie uns ein, es sei gut sich unterzuordnen und zu funktionieren. Alles nur um einem Zweck zu dienen: Profitmaximierung. Wir arbeiten so hart, wir dienen so hart diesem Zweck, wir haben kaum Zeit über etwas anderes nachzudenken. Die Leere und Verzweiflung wächst. Jahrzehntelang hat man sich mit Medien, Party und Hobbys ablenken können. Man hat sich bis zu einem gewissen Grad etwas vormachen können. Die Frage ist: Wie lange noch? Wann werden die üblichen Unruhen und Katastrophen außer Kontrolle geraten? Vielleicht sind Fukushima und Gaddafi Vorboten einer Menschheit die sich heftiger als jemals zuvor selbst zerfleischen wird.

Auch dieser Text wird bestenfalls zu fruchtlosen Debatten und billigen Anschuldigungen führen, denn keiner will tatsächlich etwas verändern. Wir ereifern uns lieber in Grabenkämpfen und kleinlichen Streitereien, anstatt uns auf die wesentlichen Probleme der Menschheit zu konzentrieren. Wir sind satt und müde. Wir sind froh nicht hungern zu müssen. Es genügt uns die Universität besuchen zu dürfen und als Lohnabhängiger zu funktionieren. Es ist okay betrogen, unterdrückt und ausgebeutet zu werden, wenn für uns genug dabei abspringt. Wir sind fette Sklaven, die dank der Produktivitätssteigerungen noch fetter werden. Und wir werden anderen Sklaven jedes Gramm Zucker, jeden Kinofilm und jeden sorgenlosen Nachmittag am sonnigen See verweigern, weil wir wissen, das unser Wohlstand nur ein Wohlstand auf Zeit ist. Bald haben wir uns in die Steinzeit gefressen, gearbeitet und gekämpft. Man möchte dieser uneinsichtigen, selbstsüchtigen Masse den letzten Tritt geben, welcher sie in den Abgrund fallen lässt. Wir als glattrasierte, nikotinrauchende, blechkübelfahrende Affen haben es wohl nicht anders verdient. Unser Raumschiff brennt und die Sonne explodiert. Wir hatten unsere Zeit. Was mag bloss als nächstes kommen?

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