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Auf der Suche nach der revolutionären Zeit

Die Lohnarbeit ist Ohnmacht, weil der Lohnarbeiter nicht über ihren Inhalt bestimmen kann. Weder was gebaut wird noch wieviel gebaut wird, noch warum es gebaut wird. Oder wieso überhaupt irgendwas betrieben wird. Der letzte Grund ist genauso jenseits der klaren Entscheidung des Lohnarbeiters wie ihre Form. Und nie ist sicher, ob das produzierte Produkt überhaupt Absatz findet. Die Spekulation und Krise wohnt jeder Sekunde Lohnarbeit inne.

Und dann gesellt sich zur Ohnmacht noch der Betrug. Der Lohnarbeiter bekommt nur einen Anteil des von ihm erwirtschafteten Gesamtprofits. Es ist Betrug, dass er nicht den gesamten Anteil bekommt. Der Betrug verdoppelt sich, da dem Lohnarbeiter die Produkte, die er herstellt, nicht gehören und er sie auf dem Markt zurück kaufen muss. Er bezahlt also vielfach drauf, mit seiner Zeit, seinem viel zu geringen Anteil am Profit eines Produkts, welches er auch noch zurück kaufen muss.

Aber das ist nicht alles. Zur Ohnmacht und dem Betrug kommt auch noch der Selbstbetrug dazu. Es geht hier nicht einfach um Arbeitsfetischismus, sondern um den Staat. Der Staat legt per Gewaltmonopol fest, dass die Lohnarbeit so ist, wie sie ist: Ohnmacht, Betrug, Spekulation und Krise. Aber der Staat hängt wie der Konzern vom Lohnarbeiter ab. Wenn der Lohnarbeiter keine Profite erarbeitet, geht der Konzern und Staat zugrunde. Insofern bezahlt der Lohnarbeit den Staat dafür, dazu gezwungen zu werden, dass er betrogen wird und ohnmächtig bleibt.

Nun ist es aber so, dass das Problem sich nicht lösen lässt, wenn man den Staat erobert, denn das würde nichts am Inhalt des Staates ändern. Und das Problem des Parlamentarismus liegt darin begründet, dass ein Stellvertreter die eigene Meinung wohl kaum so gut darstellen kann, wie der originelle Meinungsvertreter. Und der Konzern agiert so wie eine Henne, deren Kopf man gerade abgeschlagen hat. Alles was dem zugrunde liegt, der Warenfetischismus, wäre nur zu lösen, wenn das Geldrätsel gelöst ist.

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Die Situation des Revolutionärs

Wenn die Revolution nur über die Überwindung der Berufe zu ermöglichen ist, dann wird dafür schon jemand gebraucht, der bereit ist, alles zu risikieren. Mal abgesehen von dem Problem, dass so ein Mensch kaum noch existiert: Aber wofür riskiert der Revolutionär sein Leben? Woher soll er wissen, dass das Opfer, sich für eine andere Welt zu interessieren, sich lohnt? Er investiert die Zeit, Energie und sein ganzes Leben in eine andere Welt, die womöglich nie kommen mag. Im Grunde riskiert er sein Leben. Er könnte seine Zeit und Energie auch in den Beruf stecken und schauen, was er konkret für sich kriegen kann, anstatt hochspekulativen Ideen und Kritiken anzuhängen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Gosse enden. Die globale Konkurrenz ist immer besser ausgebildet, zugleich gibt es immer weniger Innovationen, die neue Märkte schaffen. Die gesättigten Märkte lassen die Profitrate fallen und damit intensiviert sich der Wettbewerb um die verbleibenden Marktanteile. Zeit ist Geld. Wer hier nicht jeden Tag in sein profitables Berufsleben investiert, verliert Geld und damit Lebensqualität. Der Kritiker verliert also automatisch Geld und Lebensqualität, wenn er inkommensurable Kritik leistet, obwohl sie die wichtigste Arbeit überhaupt ist. Aber nur über das höchste Risiko, also die Ablehnung der kapitaltypischen Berufsinhalte, wäre die Chance eines besonders kritischen Bewusstseins auszuprägen und am wahrscheinlichsten. Weil aber so gut wie niemand auf der Welt seinen Beruf aufgibt, um mittelloser Berufsrevolutionär zu sein, schon allein weil der Genuss und die Lebensqualität darunter leidet, bleibt die Rechnung wie sie bei den meisten Individuen ist: Der Beruf, der sich der Kapitalakkumulation unterordnet, erhält die höchste zeitliche Priorität und wird mit dem größten Ausmaß an Energie und Intellekt bedacht. Das Ergebnis ist, dass die Subversion gegen den Kapitalismus schwindet. Die materiellen Ängste, die durchaus real sind, prägen den Verstand und die Möglichkeiten des Verstandes.

Nicht nur, dass der Revolutionär arm sein muss und arm bleiben wird, wenn er sich nicht vom durchschnittlichen Beruf korrumpieren lassen will: Die Komplexität der gesellschaftlichen und individuellen Realität ist derart ausgeprägt und im permanenten Wechsel, dass kein einziger Mensch mehr in der Lage ist, ihr vollständig beizukommen. Das heisst zwar nicht, dass man nicht ihre grundsätzlichen Bewegungsgesetze erkennen könnte. Aber um allein diese Bewegungsgesetze korrekt zu erfassen, bedarf es eines jahrelangen intensiven Studiums, welches einem Fulltimejob gleichkommt. Zugleich bewegt man sich innerhalb dieses Fulltimejobs der Erkenntnis in nahezu vollständiger Einsamkeit. Die Situation vor dem Buch ist allein. Und auch jene des Denkens und Kritisierens ist so, weil die Distanzierung notwendiges Moment ist. Das halten immer weniger aus. Ohne eine komplette Erfassung der gesellschaftlichen und individuellen Erscheinungs- und Wesensformen, der Waren- und Denkformen, unterbleibt die Erkenntnis dessen, was ist. Weiss man nicht, was ist, weiss man auch nicht, womit man es zutun hat und wie man es nachhaltig überwinden kann, ohne es noch schlimmer zu reproduzieren. Die Gefahr in politische Strategien zu verfallen und es sich damit zu leicht zu machen, um es anderen noch schwerer zu machen, obwohl man das vorgeblich nicht intendiert hatte, ist daher für jeden Revolutionär eine andauernde Gefahr.

Da die kapitalistische Komplexität hoch ist, und schwer zu denken ist, ihre Kritik häufig unbezahlt abläuft, diese Kritik gesellschaftlich kaum anerkannt ist, mangelt es an herausragenden Persönlichkeiten, die die Unmündigkeit der Komplexität auf den Punkt bringen. Die pointierte Darstellung ist aber notwendiges Kriterium für revolutionäre Bedingungen: Wer nicht verständlich machen kann, warum Menschen falsch leben, der wird nicht gehört. Den wenigsten Kritikern ist es möglich, der gesellschaftlichen Komplexität gerecht zu werden, die Kritik auf den Punkt zu bringen und auch noch sämtliche eigenen Rechnungen bezahlen zu können. Die allermeisten scheitern schon an letzterem und müssen in letzter Konsequenz ihre Invesition in die Reflexion weg von der Kritik und hin zu den affirmativen Denkoperationen der Lohnarbeit investieren. Der Preis ist hoch, das Kapital verschlingt die Kritiker tendenziell mehr als umgekehrt. Es mangelt den Kritikern der Verhältniss zudem maßgeblich an einem kollegialen Umgang. Die Atomisierung macht auch hier nicht vor dem Kritiker halt und sie setzt sich fort: Es gibt kaum etablierte Strukturen in denen Wissen ausgetauscht und diskutiert wird. Es ist im Alltag häufig einfach so, dass jedes kluge Buch per Zufall gefunden werden muss. Jahre vergehen mit unausgegorenen Ansichten, obwohl es unlängst uralte, aber stichhaltigere Argumente gibt, die aber nicht zur Kenntnis gelangen, weil sie niemand mehr kennt oder deren Wichtigkeit in Erinnerung ruft. Zugleich erreicht die Kritik häufig das immergleiche Publikum, welches schon im Vorfeld angeödet abwinkt, weil es jedes Argument bereits auswendig kennt. Zumal die wachsenden Optionen zur Zerstreuung über Unterhaltungsmedien dadurch noch attraktiver werden. All das verschlimmert sich sogar noch, wenn eine internationale Perspektive eingenommen wird.

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Die Gründe für das Ausbleiben von revolutionären Bedingungen

Alles Denken und Empfinden wird bestimmt von der Warenform, die in der Kapitalakkumulation steckt. Sämtliche Berufsgruppen sind vom Kapitalverhältnis eingesogen, aber auch sämtliche Denkformen. Vollzogen wird das über die Berufsausbildung und -tätigkeit, die eine permanente Internalisierung der zum jeweiligen Stand der Produktivität erforderlichen Denkoperationen erzwingt. Die zeitliche, geistige und körperliche Investition nimmt die Mehrheit des Alltags ein und erhält das höchste Gewicht im Leben aller Menschen. Die Lohnarbeit ist der Mensch und umgekehrt. Die Lohnarbeit ist Vehikel der Mehrwertproduktion und wird als solche über die Verausgabung von Hirn, Kraft oder schlichter Lebenszeit und Lebensenergie betrieben und permanent intensiviert. Lebenslanges Lernen ist hier eine Drohung und Forderung sich gefälligst dem eigentlichen Subjekt der Gesellschaft anzupassen, was eben nicht der Mensch, sondern die höchste Zahl ist. Dieser Umstand ist auch libidinös besetzt, der Mensch geniesst geschunden zu werden, sich selbst oder andere zu schinden. Der Mensch fühlt sich in den Warenköper anstelle seines eigenen Körpers ein.

Das Leiden der Welt entspringt aus dem automatischen Subjekt, welches alle Kategorien und Dimensionen des Lebens formalisiert, instrumentalisiert, rationalisiert und ausbeutet. Die Strukturen der Warengesellschaft wiegen durch die Konstitution der gesellschaftlichen Reproduktionsweise schwerer als jedes Individuum. Das Denken hinkt der Realität immer hinterher, aber im Kapitalismus hängt das Denken auch noch etwas an, was es selbst erzeugt, aber nicht begriffen hat: Der Warenform. Die Leute lieben die Lohnarbeit, den Staat, das Geld und dem opfern sie sich selbst, die Natur, die Tiere, einfach alles. Jede Wahl, jede Kaufentscheidung, jeder Arbeitstag zeigt das. Je mehr Lohnarbeit betrieben wird desto dümmer und empathieloser der Mensch. Die lebendigen Anteile des Menschen werden zugunsten der abstrakten, gesellschaftlichen Arbeit geopfert, die wiederum nur dem Profit dient. Die ganze Welt dient einer Wahnvorstellung, die gesellschaftlich als vernünftig anerkannt ist und sogar als Wissenschaft an den Universitäten gelehrt oder als politische Agenda in den Parlamenten in Gesetze gegossen oder als betriebswirtschaftliche Vernunft in allen Konzernen umgesetzt wird. Die Wertverwertung hat das Denken maßgeblich verwildert, die instrumentelle Vernunft hat auf erhöhter Stufenleiter triumphiert: Die Prekarisierung ganzer Berufszweige, die Perspektivlosigkeit des Intellektuellen an der Akademie, des Lohnarbeiters in allen Branchen, der Antiintellektualismus in Forschung und Lehre, überhaupt in der ganzen Welt, der totale Mangel an Intellektuellen in Politik oder Ökonomie oder Akademie, dann der Klimawandel, die Altersarmut, Armut von Kindern sowie Familien, der Pflegenotstand, das Aussterben von Tierarten und Insekten, die wachsenden (radioaktiven) Müllberge, psychischen Erkrankungen, das alles und noch viel mehr zeugt vom Zerfall der Menschheit, der sich in einem blinden Gesellschaftsprinzip verliert.

Warum sollte ein Lohnarbeiter auf die Idee kommen, dass sein Leid nicht sein muss? Gerade dadurch, dass das Elend der Lohnarbeit so allgemein ist, erscheint es natürlich und notwendig. Millionen leiden unter den Verhältnissen, sie alle sind überzeugt, dass sie durchhalten und kämpfen, weil es nicht anders geht. Es wird sie alle kränken, wenn behauptet wird, dass ihr Leiden vollkommen sinnlos war. Sie haben nur gelitten, weil sie einem unverstandenen Prinzip anhingen, welches sie selbst geschaffen haben. Ihnen nun zu erzählen, dass sie gelitten haben, weil sie sich über ihre eigene gesellschaftliche und inviduelle Tätigkeit selbst verletzt haben, wird immer Ablehnung hervorbringen. Plötzlich ist nicht der Bankier, der Manager, der Ausländer oder Jude an allem schuld, sondern die eigene Bürgerlichkeit. Das ganze Leben ist falsch gelebt worden. Es kostet viel Courage, Empathie und Scharfsinn, angesichts dieser Erkenntnis, das Leben komplett umzustellen. Zumal Umstellung bedeutet, nicht nur die Lohnarbeit aufzugeben und den darin enthaltenen Arbeitsfetischismus, sondern auch diverse andere Kategorien, die die Warenform von Staat bis Geld ausprägt. Zumal zugleich kaum bekannt ist, wofür das gesamte Leben auf den Kopf gestellt wird. Warum sollte man ein Leben wegwerfen, das zwar Schmerzen bereitet, aber doch zumindest ein Mindestmaß an vermeintlichen Komfort bietet? Die Egalität ist soweit vorangeschritten, dass das eigene Elend genausowenig klar ist, wie das der anderen.

Die Verantwortung für die Überwindung der falschen Verhältnisse teilt sich unter der globalen Weltbevölkerung auf. Niemand fühlt sich daher verantwortlich für das Schicksal der Menschheit, auch wenn das eigene individuelle Schicksal streng damit verbunden ist. Die Atomisierung der Konkurrenzsubjekte führte zu einem unternehmerischen Selbst, zum homo oeconomicus, das die Optimierung der eigenen Belange hinsichtlich des Fortkommens im Unternehmen oder generell in der kapitalistischen Gesellschaft als höchste Priorität im Alltag für unausweichlich und absolut notwendig hält. Es handelt sich hier um ein Verhalten, was einerseits menschlich, andererseits erlernter Irrationalismus ist. Wer hiergegen argumentiert, argumentiert häufig gegen Jahrzehnte von Lebenserfahrung und erlernten, praktizierten Wissen, welches in die Identität und Triebökonomie des Individuums eingegangen ist. Da müsste ein Argument, ein einziger Satz so einleuchtend und so plausibel dargelegt werden, dass es das Leben des Individuums vollständig auf den Kopf stellt. Dieses Kunststück ist noch keinem gelungen und auch daran krankt die Revolution.

Wie kann man so ein Bewusstsein, welches sich offenbar nahezu völlig jeglicher wahrheitsgetreuen Erkenntnis verschlossen hat, weil es so sehr dem Kapitalverhältnis angedient wurde, überhaupt noch mit Kritik in die Krise stürzen? Man muss fragen, wieso es die Leute nicht zur Kritik treibt, wenn Hunger kein Anlaß zur Produktion ist, wie es in unserer Gesellschaftsform nunmal ist. Wann und wie soll man denn jemals zu einer Kritik der Verhältnisse kommen, wenn man sich andauernd nur diesen Verhältnissen andient und unterordnet? Wie lauten die Bedingungen der Revolution im Jahr 2017? Und woher will der Revolutionär wissen, dass er revolutionär ist? All diese Fragen streifen die Möglichkeiten oder Unmöglichkeit der Bedingungen von transzendentaler Kritik. Die einzige Differenz zwischen Waren- und Denkform scheint in der Trägheit, im Leiden und in dem Unvermögen des Menschen selbst zu liegen.

Unvermögen ist Hoffnung: Der Mensch ist keine Maschine und so kann er nicht den Arbeitstag endlos erweitern und intensivieren. Auch die 24 Stunden eines Tages setzen der Wertverwertung Grenzen. Da der Mensch sowieso nicht kann, wie das Wertverwertungsprinzip will, wird sie niemals endgültig siegen. Sie kann nicht den gesamten Menschen aufsaugen, selbst wenn er wie heute ihr nahezu total anhängig ist. Die Fehlerhaftigkeit des Menschen ist Trumpf und Freude. Im Unvermögen Kapitalist zu sein, steckt die Fähigkeit zum Kommunismus.

Leiden ist Index des Negativen: Das Leiden, eine Maschine sein zu müssen, die am Arbeitsplatz wie eine Reiz-Reaktionsapparatur Leistung konkurrenzfähig abruft, erscheint als stärkstes Mittel gegen diese Produktionsweise, weil sie schon über die Potenz des gegenwärtigen Produktivitätsstandes den Hinweis liefert, dass diese Intensität des Arbeitslebens nicht sein muss. Niemand will leiden. Schon gar nicht an Bedingungen, die er selbst ändern könnte, die er überhaupt nur hat, weil er sie nicht selbst bewusst bestimmt. Die Bedingung transzendentaler Kritik ist also die normative Wertung, dass irrationales Leiden abzuschaffen ist. Und irrational ist hier etwas, was vom Menschen unbewusst betrieben wird, demnach also der Kapitalismus. Eine aufgeklärte Zivilisation, kann nicht die unsichtbare Hand des Marktes als Hauptkategorie aller gesellschaftlichen Reproduktion gestatten, denn das wäre gelebte Mythologie, Rationalisierung von Irrrationalismus und ein empörender Persilschein zur Menschenvernichtung. Die Kränkung, dass der Mensch nicht sein Leben bestimmt, muss zur Emanzipation von eben diesem Zustand führen. Insoweit zeigt das Elend aus seinem Wesen heraus die Möglichkeit seiner Abschaffung auf und bietet somit den Maßstab aller Kritik sowie des Kommunismus.

Trägheit ist Glück: Die Trägheit speist sich aus dem Zeitfaktor, dem Puls der Warenproduktion, der sowohl von der Produktionszeit, aber auch dem Tauschprozess oder der Reproduktion der Arbeitskraft abhängt. Nichts im Kapitalismus kann unendlich schnell gleichzeitig geschehen. Es dauert Menschen auszubeuten, es dauert bis sie sich erholen, ihr Bier getrunken, neue Arbeitskräfte gezeugt, die Waren produziert, auf den Markte getragen, verkauft und gekauft haben. An all diesen und vielen weiteren Punkten gibt es notwendigen Widerstand in der Kapitalverwertung, denn die Welt ist keine Maschine. Trägheit heisst auch Müßiggang. Heisst Sandkorn im Getrieb sein. Heisst Schwermut, Schwerkraft und Schwervermittelbarkeit. Wendet man letzteres als soziale Unverträglichkeit, ist Arbeitsverweigerung ein wichtiges Mittel, das arbeitsfetischistische Bewusstsein sämtlicher Leute in der Umgebung in die Krise zu stürzen. Dem Arbeitgeber auf die Hand spucken anstatt sie zu schütteln, bedeutet auch Trägheit im besten Sinne und zugleich harte Arbeitslosigkeit, aber auch glückliche Distanz von Lohnarbeit, Schinderei und Dummheit. Revolutionär ist, was träge ist, was sich nicht dem Prinzip der Wertverwertung andient. Außerhalb des kapitalistischen Höllenfeuers atmet der Mensch.

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Don’t be afraid. We are all gonna die anyway.

Keine Sekunde darf ein Gedanken darüber verschwendet werden, was andere Menschen über einen denken könnten, wenn man bestimmte Dinge tut oder sagt. Grundsätzlich ist es daher gefragt, möglichst radikal den eigenen Impulsen nachzugehen und ihnen bestmöglichen Ausdruck zu verleihen. Die Angst vor Ablehnung oder Respektlosigkeit ist wie jede Angst letztlich irrational, auch wenn in Gefangenschaft dieser Angst, das nicht direkt auffällig wird. Wir leben in einer Abfolge von Generationen, die den Zerfall und Verfall erleben, leben und reproduzieren. Davon ist niemand frei.

Es ist entscheidend, die Kritik hieran zu maximieren, um sich nicht mit diesem Falschen gemein zu machen. Der Preis ist mit aller Wahrscheinlichkeit, dass das blanke Unverständnis von tausenden Leuten einem entgegenschlägt, schliesslich ist es normal den Alltag hinzunehmen, die Lohnarbeit zu absolvieren, sich einzurichten in den Katastrophen. Freilich gibt es gar keine andere Möglichkeit als sich zu arrangieren, um nicht direkt den Suizid zu vollziehen. Als Konkurrenz- und Rechtssubjekte sind wir ohnehin funktionalisierte, funktionalisierende Objekte, die eingerichtet sind in die Kapitalverwertung und richten diese zugleich aus. Daraus entflieht keiner, egal ob jemand nun in Bangladesh Fußbälle für ein paar Cent zusammen näht, Milliarden auf den Bahamas-Inseln zählt oder in einem besetzten Haus kiffend Fußball guckt. So divers wie die Erscheinungsformen des Lebens sind, so monoton ist ihr Wesen. Das scheinbar Intakte ist nur Ausdruck einer Trägheit von Krise, die sich noch nicht an diesen konkreten Punkt innerhalb einer Beziehung oder Identität durchgeschlagen hat. Allerdings ist nicht, wie es im Titel dieses Textes scheinbar anklingt, von Fatalismus auszugehen, wenn man die Gewissheit hat, dass alles tödlich enden wird, sondern vielmehr für die Zeit und Momente zu streiten, die bis zum Tode möglich sind. Insbesondere geht es um die Potenz nachfolgender Generationen, die sich mit den katastrophalen Folgen der jetzigen Katastrophen herumschlagen werden müssen. Insofern ist die Verantwortung für die Radikalität der Kritik stark intersubjektiv und abstrakt. Konkret dankt einem keiner, wenn man Kategorien und Sozialverhältnisse wie Wert, Gender, Staat, Kapital, Nation, Religion, Lohnarbeit als irrsinnigen Unsinn kritisiert und zurückweist. Es ist allerdings historische Pflicht auf deren Überwindung zu zielen und hinzuarbeiten.

Der Preis für diese Haltung darf nicht unterschätzt werden. Die Folgen können jahrzehntelange Einsamkeit, Armut und kräftezehrende Kämpfe ohne Aussicht auf Erfolg sein. Es gehört zur Historie der Linken grundsätzlich zu Scheitern. Die Auseinandersetzung mit komplexer Theorie verschlingt Jahre bis irgendeine halbwegs gesicherte Erkenntnis möglich ist und selbst dann ist sie womöglich schon wieder veraltet. Auch hier liegt erneut ein Grund vor möglichst radikal vorzugehen und schon beim Einteilen des Alltags keine Kompromisse mehr zu machen. Wer die Theoriearbeit vernachlässigt, vernachlässigt die Menschwerdung der Zivilisation. Die Menschheit befindet sich in der Pubertät und dementsprechend sind die Vorwürfe ihrer einzelnen Exemplare in den meisten Fällen nicht dringlich wahrzunehmen. Die ganze psychische, kognitive bzw. intellektuelle Konstitution des Subjekts wohnt im Zerfall und Verfall, denn die Fähigkeit eines vernünftigen Realitätssinn kann nicht auf der Grundlage von permanenter Mobilmachung für die Kapitalakkumulation gedeihen, auch wenn der produzierte Überfluss eine Dynamik der Möglichkeit zur radikalen Veränderung dieser unmündigen Verhältnisse enthält.

Fehler werden andauernd gemacht. Keiner ist frei von Mängeln. Perfektion wäre Ausdruck von Unmenschlichkeit. Daher darf man sich die eigene Mangelexistenz zugestehen, aber sollte sie zugleich nicht idealisieren. Also keine Angst vor Fehlern, sie sind vielmehr Wegweiser zur wünschenswerten Realität. Die Menschen vergessen einen ohnehin laufend. Sie nehmen häufig nicht einmal Notiz von sich selbst. Alle sind sich fremdgeworden und bluten aus sich heraus. Die Unzuverlässigkeit und Oberflächlichkeit menschlicher Beziehungen resultiert vornehmlich daraus, dass sie dem Kapitalprozess anhängen. Der Zerfall von Empathie und Intellekt kommt daher, weil dieses Vermögen ausschliesslich auf einen monotonen Zweck zugerichtet wird. Generation für Generation war das Wirtschaftswachstum der größte und einzige Imperativ. Alles andere zog sich dem nach. Häufig werden technologische Faktoren wie Smartphones für die Unfähigkeit zur Zwischenmenschlichkeit angeführt, aber das verkennt den inneren Gehalt unserer Gesellschaft. Die sich permanent überschlagende und umwälzende Politökonomie geht von den Individuen aus, die sich damit zugleich ebenso permanent zerstören und für neue Anforderungen der Wertverwertung modernisieren. Dass der Mensch sich permanent selbst verdinglicht und damit die ganze Identität auf eine Maschine reduziert, erzeugt u.a. permanent psychische Gebrechen. Depressionen und Burn-Out gelten als Massenphänomen, aber es gibt auch mildere Subformen davon, die man logischerweise als noch weiter verbreitet vermutet werden können. Auch hier ist wieder ein Argument zu finden, warum man sich nicht von anderen Menschen nicht abhängig machen kann. Ihre Urteile und Verurteilungen beruhen nicht nur auf Antiintellektualismus und Zivilisationsfeindschaft, sondern auch auf Verzweiflung und Regression. Wer diesen Irrationalismus Ernst nimmt, ist selbst Teil davon und wird entsprechend nie wieder glücklich im Leben, obschon Glück ohnehin eine generelle Marginalität ist.

Ohne Distanzierung von der allgemeinen gesellschaftlichen Realität zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, wird auch keine radikale Kritik an ihr möglich sein, weil die Lohnarbeit den Intellekt genauso korrumpiert wie das emotionale Gefüge. Lohnarbeit macht dumm und krank, raubt wertvolle Lebenszeit, wenn nicht gerade das seltene Glück getroffen wurde, von der Kritik monetär leben zu können. Und selbst dann besteht die Gefahr, dass aus Existenzängsten oder ökonomischen-politischen Krisen heraus eine Kündigung droht und daher eine Anpassung also Beschneidung der radikalen Kritik erfolgen muss. Niemand kann einem irgendetwas garantieren. Jeder ist austauschbar. Alle sind abhängig von der Kapitalakkumulation. Es gibt keine Autonomie davon. Permanent ist mit einer enormen Unreife des Geistes und der Tat zu rechnen, die von einem selbst aber auch anderen performativ mehr oder weniger streng und heftig realisiert wird. Selbsterkenntnis bedeutet auch Selbstzerstörung im Sinne von Vernichtung der persönlichen Illusionen, was harte, undankbare Arbeit bedeutet. Wer sich selbst der Illusionen beraubt, der steht ungefiltert einer grauenhaften Realität gegenüber, die allgemein stets verklärt wird. Die lohnende Qualität hierin liegt ausschliesslich darin, dass bei Fortsetzung dieser Tätigkeit eine aufklärende Erklärung ausgebreitet werden kann, die auch andere Menschen inspiriert, diesen Prozess bei sich anzugehen, was letztlich soziale Realität wandeln wird. Allerdings ist das eine sehr romantische Vorstellung, die selbst eingestehen muss, dass das Jahrzehnte andauert, keine Garantien enthält und zugleich permanent bedroht ist von der krisenhaften Alltäglichkeit von Identität bis Kapitalverwertungsprozess.

Der allgemeinen Unkenntnis, dem permanenten Vergessen wohnt auch das Glück inne, sich davon loszulösen und innerhalb von deren blinden Flecken eine Existenz zu fristen, die sich bei entsprechender Hingabe nahezu komplett davon distanziert. Es wird zwar immer ein Restbestand von ekelhafter Instrumentalität und Formalisierung in der eigenen Identität und Realität existieren, aber man kann diesen über Kritik unschädlicher machen, als wenn man sich ohnmächtig ergibt, wie es die breite Masse der Individuen in der Wirtschaft, Politik, Kultur, Kunst, Sport und diversen anderen Segmenten der Gesellschaft unternehmen. Der Konformität aller wohnt auch ein Zauber zur Revolution inne, den es zu erlernen und vollführen gilt.

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We are Trump

Um eine Verbesserung der gesellschaftlichen Bedingungen herzustellen ist die Reflexion der eigenen Sozialisation, Familie, des persönlichen Umfelds, der Werte, Normen, Persönlichkeit notwendig. Dies alleine ist eine eklatante Selbstreflexion bzw. Reflexionsleistung, die von unserer Gesellschaft grundsätzlich nicht gefordert wird. Sie fordert lediglich Akzeptanz, Gehorsam und Übernahme all dessen, was ein Individuum seit Geburt vorfindet. Und weil die Gesellschaft unangepasstes Verhalten bestraft, ist das wichtigste, nämlich die Erkenntnis, nebenbei zu machen, wenn nicht gerade das Glück existiert, dass Freunde oder Familie einen unterstützen. Zu einem gewissen Grade ist es in jeder Gesellschaftsform üblich, dass nachkommenden Generationen etwas aufoktroyiert wird. Allerdings schiebt sich in unserer spezifischen Gesellschaftsform noch eine Dimension hinein, nämlich der irrationale Charakter der jetzigen Epoche. Dieser drückt sich im Zwang aus Profite zu maximieren. Dieser Zwang ist total geworden und damit als zweite Natur unwidersprochen anerkannt worden, sodass er permanent unhinterfragt reproduziert wird. Zugleich wurde nach zwei Weltkriegen die tatsächliche Konstitution der Gesellschaft verleugnet, die u.a. die Shoa überhaupt erst ermöglichte. Die Verhältnisse wurden nie insoweit verändert, dass die Shoa unmöglich wieder stattfinden kann. Mehr noch: Man hat den Faschismus demokratisiert. Ausdruck dessen lässt sich u.a. in allen Rechtsbewegungen weltweit in jüngerer Zeit erkennen.

Somit kämpft das Individuum also nicht nur gegen die eigene Regressionen, Verhärtungen und ringt um Selbstreflexion, sondern es kämpft auch gegen die nähere sowie fernere Regressionsleistung der sozialen Umwelt, die zugleich Erwartungen stellt, die über Lebensqualität und Reflexionsfähigkeit entscheiden. Wer arbeitet wird in diesem Zusammenhang dümmer, weil er einem Prinzip nachgeht, welches Reflexion nur im Sinne der Kapitalakkumulation benötigt und demnach jegliche Gedankenprozesse bestraft, die davon ablenken oder sogar auf eine Abschaffung zielen. Zugleich lässt sich die Erkenntnis über die Unwahrheit unserer Gesellschaft nur auf der individuellen Ebene leisten, da die Totalität sich tief in die Menschen eingegraben hat. Die Gesellschaft droht permanent in Banden zu zerfallen bzw. organisiert sich über Banden, d.h. auch Wissen wird nur innerhalb von Banden geteilt oder verhandelt. Ohne eine Bezugsgruppe, die spezifische Reflexionsgrade erreicht haben, um die Gesellschaft auf eine sinnvolle Weise zu hinterfragen, wird die Reflexionsleistung des Individuums ohne geniale Disziplin oder Kreativität schwach bleiben. Zugleich lässt die Auffindbarkeit von reflektierten Gruppen oder Individuen mit dem fortschreiten der instrumentellen Vernunft systematisch nach, weil traditionell, wie gesagt, nur systemimmanentes Wissen belohnt wird.

Die Fähigkeiten des gesamten Bewusstsein oder der gesamten menschlichen Intelligenz sind fest an den Produktionsverhältnissen verankert. Sie tradieren, manipulieren, segregieren, vernichten, wühlen im Menschen und durch den Menschen, reproduzieren die Herrschaft des Menschen über den Menschen. Die Menschen verhalten sich zu Menschen wie Dinge zu Dingen und der Mensch behandelt sich  selbst wie ein Ding, welches zu bearbeiten ist wie ein Bergwerk. Je länger er in sich wühlt und optimiert, desto leerer ist er im Verlauf des Lebens. Die permanente Mobilmachung im Sinne der kapitalverwertenden Nützlichkeit hält die Individuen derart in Atem, dass nur leere Wissensformen, die im Sinne eines Reiz-Reaktions-Schemas abgespuhlt werden, angewendet werden. Diese Logik arbeitet ins uns allen und der Kampf dagegen ist das Interesse der Menschheit. Trump ist eine Persönlichkeit, die für eine postnazistische Ideologie steht, die sich gerade durch eine opportunistische Anpassungsleistung an diese zerstörerischen und irrationalen Verhältnisse auszeichnet. Wahllos prügelte er auf Minderheiten ein, schliesslich gelten sie auch in der Kapitalakkumulation als wenig profitabel. Zugleich wohnt in seinem Größenwahn auch der Wahn, der stumme Schrei der narzistischen Kränkung, die der Kapitalismus jedem Individuum in jeder Kindheit mehr oder minder stark antut. Die Popularität des neuen US-Präsidenten zeigt den weiten Verbreitungsgrad der autoritären Persönlichkeit, die jegliche Reflexion über sich und die anderen ausschliesslich im Sinne des Profits unternimmt.

Das Wissen, welches zur Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Sinne einer Abschaffung von Hunger, Krieg, Antisemitismus, Antifeminismus, Rassismus, Antiziganismus, Homophobie uvm. nötig wäre, setzt sich nicht durch, weil es keine Profite abwirft, weil es der systemimannenten Logik widerspricht, weil keine kapitalkräftigen Banden für sie kämpfen. Die Atomisierung, Entpolitisierung und Entleerung der Individuen lässt sich akut in allen sozialen Beziehungen deutlich erkennen. Die Profitmaximierung hat die Individuen so stark erschüttert, so häufig ins Gesicht geschlagen, dass sie immer stärker in ihrer Regression, Verantwortungslosigkeit aufgehen und ein postfaktisches Zeitalter mit faschistoiden, islamistischen, nationalboschewistischen bis technokratischen Führerfiguren wie Trump, Petry, Hofer, Putin, Erdogan, Gabriel, Wagenknecht und Co. begründen. All hope is gone, denn es gibt keinen Ort außer der immer schwächer werdenden Reflexionsleistung des Individuums, welches sich auf unzähligen Fronten und Ebenen zu behaupten hat, während es zugleich das so wichtige revolutionäre Potential erfassen, denken und ergreifen muss. Panik, Angst, Wut und Trauer sind keine guten Ratgeber, aber sie sind alles was neben all den Erschütterungen, Katastrophen und Umwälzungen in den letzten Jahrzehnten übrig geblieben ist.

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Vergeblichkeit & Einförmigkeit in der Weltlosigkeit

Unsichtbar und nonverbal setzt sich die Katastrophe über die monokausale Kapitalvewertung durch. Mangel ist für den modernen Menschentyp charakteristisch. Meine Eltern und ich waren stets atomisiert. Wir flohen vor den Mauern und Selbstschussanlagen der DDR in eine vermeintlich bessere Welt. Aber diese neue Welt brachte ständige Wechsel der Arbeits- und Wohnorte mit sich. Die Hinwendung zur Kapitalakkumulation hat unsere junge Familie anonymisiert und die Zerrissenheit über ganze Generationen hinweg geprägt. Die Entfremdung gegenüber Opa, Oma, Onkeln, Tanten, Cousinen und Cousins, von Nachbarn, Bekannten, alten Weggefährten, wurde in Kauf genommen für ein vermeintlich besseres Leben. Doch alles war schon während dieser hoffnungsvollen Entscheidung verdorben. Balzac sagte einmal, dass das Leben ohne großes Vergessen nicht funktionieren würde, aber der Kapitalismus besteht heutzutage aus einer enormen Selbstvergessenheit der Individuen. Kein Wort bedeutet heute noch etwas. Die Priorität des Alltagslebens wird stets pragmatisch auf das gesetzt, was sich augenscheinlich am wichtigsten aufdrängt und selbstsetzt: Die Kapitalakkumulation. Aber dieses Prinzip ist, folgt man Marx, falsch und zerstörerisch für alles. Diese Reproduktionsform brachte höhere Produktivkräfte, aber es hat die Menschen, die kaum welche waren, entleert. Beobachte ich meine Familie, so sehe ich eine zerstörte Bande, die verstummt, enttäuscht, verletzt und gedemütigt wurde und nun freudlos, perspektivlos, nackt, blutend auf den Trümmern ihres Lebens im Ozean abtreibt. Aber über mehr als kurzatmige Aufreger ist man in der Familie angesichts dieses Zustandes nicht hinausgelangt.

Und doch, obwohl die Schinderei dem Alltag glich, weil man die Anpassungsleistung gegenüber dem falschen Prinzip der Kapitalakkumulation unbedingt vollziehen wollte, kam es nie zum Bruch mit der Gesellschaft, sondern man brach sich willentlich selbst. Die Verletzungen, die die Gesellschaft an ihnen und uns anrichtet führt zu selbstverletzenden Verhalten, krankhafter Innerlichkeit und beschleunigt die Monotonisierung des Lebens. Vielen Menschen scheint das geringe Selbstwertgefühl zueigen zu sein, was eine Art Rechtfertigungsdruck für die eigenen Taten und Gedanken erforderlich macht. Und das obwohl das System, welches sie zugrunde richtet, sich nicht rechtfertigt, sondern über die blinde Tätigkeit der fassungslosen Individuen immer wieder erneut vor sie setzt und endlose Aufopferung verlangt. Die Welt ist nach dem heutigen Stande eine Endstation für Übriggebliebende. Sie hält eine permanente Vernichtungsdrohung gegenüber den Überlebenden aufrecht, vollzieht diese Drohung aber zugleich z.B. an zehntausenden Hungertoten jeden Tag. Wenn wir alle diese Vernichtungsindustrie aufrechterhalten, denn es gibt niemand sonst der das tut, macht uns das zu Mittätern an unserem Elend, aber auch am Elend anderer, denn wir leben in der globalisierten Welt der Kapitalakkumulation. Alle Hände sind blutig. Angesichts dieser alltäglichen Ungeheuerlichkeit, ist es kein Wunder, dass es auch ein Interesse in den Menschen geben muss, wegzusehen, sich der Routine hinzugeben, der Verantwortung zu entziehen und es sich scheinbar möglichst leicht zu machen. Aber Anpassung bedeutet lebenslange Schinderei in der Lohnarbeit mit dem Staat und dem Kapital. Ein Krankheitstag und es kann vorbei sein.

Die Atemlosigkeit, das Verstummen, die Entleerung, die Anonymisierung, die Leere, das sind nur Teilaspekte eines totalen Verlusts von Lebensqualität, der sich klangheimlich, aber zugleich offen darstellt. Der Raubbau am eigenen Leben vollzieht sich mit jedem Arbeitstag, so still und hintergründig, dass die okkulten Banden unserer Gesellschaft keine Mühe haben, ihren Wahnsinn zu rationalisieren und Neuankömmlingen aufzuherrschen. Und wenn das nicht hilft, wird die Alternativlosigkeit der Wirtschaftsordnung betont oder schlicht das Leben oder die Rationalität des Zweifelnden in Frage gestellt. Dem okkulten Schein unserer Gesellschaft zu unterliegen, hat aber nicht nur etwas mit Betrug oder Gewalt zutun, sondern auch mit Macht. Die Mächtigkeit ergibt sich aus der Allgegenwärtigkeit der kapitalverwertenden Logik. Ohne personale Autorität ist die Unterwerfung also ohne Weiteres genauso üblich. Es braucht keinen Aggressor, der diktiert, man habe zu konkurrieren und unendlich Leistung zu bringen, das sagt man zu sich, wenn man sich in der Schule oder am Arbeitsplatz umblickt. Der Wärter und Gefangene wohnt in einem selbst. Die Sozialisation hat die Internalisierung der okkulten Werte dieser Geselschaft erfolgreich erledigt. Nur da, wo die Sozialisation von Zweifel bestimmt war, durch Krisen innerhalb der Familie oder dergleichen, konnte die Anpassung an die Gesellschaft und ihre wahnsinnigen Praktiken nicht ganz dicht vollzogen werden. Ausbruchmöglichkeiten sind in der Tat lange undenkbar. Noch ehe man einen Gedanken vollzog, ist es zu spät und man muss Rechnungen bezahlen.

So gleicht alles Tun im Sinne von Aufbauen nutzloser Mühe. Jahrzehnte haben meine Eltern ihre Zeit, ihre Kraft, Intelligenz und Emotion vornehmlich der Lohnarbeit und der Steigerung einer Zahl geopfert, sind dauernd umhergezogen, wie Vieh wurden sie vom Kapital getrieben, nur um unter dem Konkurrenz- und Leistungsdruck zusammenzubrechen, zu erkranken, zu verzweifeln. Sie sind gescheitert, das wissen sie auch. Ihr Überleben ist kein Leben. Ihre Gestaltungsmöglichkeiten haben sich auf den Klodeckel oder den 3 wöchigen Jahresurlaub reduziert. Nach ihrer Scheidung konnten sie die Einsamkeit in ihrem Leben regelrecht greifen. Die Einsamkeit war unüberwindbar und unerträglich. Die jahrzehntelange Zweisamkeit schien darüber hinwegzutrösten, dass es sonst niemanden außer ihnen gab, der mit ihnen tiefere Bindungen einging. Die Anderen waren häufiger eher Bedrohung als Verheißung. Jetzt, wo in der ältesten, wichtigsten Bindung die Seuche alles erstickte, erschien alle Tätigkeit, erschienen alle Mühen dauerhaft im Licht der Bedeutungslosigkeit. Nichts gilt mehr, weil nie irgendetwas anderes gegolten hat, als die Kapitalverwertung. Alles was erbaut wurde, wird in Sekunden durch die blinde Tätigkeit anderer vernichtet. So funktioniert unsere Gesellschaft, im kleinen wie im großen. Die Umweltzerstörung zeigt das augenscheinlich: Der Effekt all unserer Tätigkeiten im Alltag mündet über die Vermittlungen der Gesellschaft in Chaos, Vernichtung, Mord und Wahnsinn. Keiner geht der Blutspur nach und wenn doch, wird er häufig selbst wahnsinnig.

Die wirklichen Menschen gleichen Gespenstern oder Schatten. Ein Blick in die U-Bahn, in die Konzerne, Parlamente und man sieht ihre Erstarrung, die verschreckten Hühnern gleicht. Kein Wunder, dass die Menschen rassistisch, sexistisch, antisemitisch, antifeministisch ihre starren Denkformen artikulieren, um ihr krisenhaftes Katastrophen-Ich provisorisch, kurzfristig mit der Niedermachung scheinbar Schwächerer zu stabilisieren. Die Geschichte lehrt ihnen gar nichts, nur die Anpassung an das gesellschaftlich gerade akzeptierte Vokabular, um die erinnerungslose Hoffnungslosigkeit zu bestärken. Das Leben ist so schemenhaft geworden, dass kaum einer noch bestehen kann, ob er sich nun anpasst oder nicht. Die Auflösung unter dem Getöse des Kapitals hat nach all den Jahrzehnten nichts mehr übrig gelassen. Wir sind die zufällig überlebenden, herumirrenden Abfallprodukte einer untergehenden Zivilisation.

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Mit allem verlassen sein

Der Verlust ist eine tragische Alltagserfahrung. Wenn es normal ist, dass es keinen Menschen gibt, der das eigene Leben vervollständigt oder der sich seiner annimmt, dann ist die eigene Zerstörung vorgezeichnet. Die Hoffnungslosigkeit und Apathie strömt in die leere Identität und von dort vollzieht die Gewissheit ihr giftiges Werk. Sie konstatiert, dass man immer allein sein wird, weil es gar nicht anders sein kann, da die Welt generell unter Liebesmangel leidet. Es ist eine tödliche Klarheit. Das Ersticken an sich selbst und durch das Nichts, was in den anderen wohnt, als Keimform des Alltags. Und das Überleben konzentriert sich auf eine permanente Reduzierung und Rücknahme von allem, was man vielleicht hätte wollen können. Die Vorsicht als Triumph über alle Spontanität. Der nächste Moment könnte die letzte Enttäuschung bereiten, weil es danach nichts mehr zu erfahren gibt. Diese krankhafte Innerlichkeit und versumpfende Wehleidigkeit ist mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Aber die Zerstörung entspringt nicht nur der eigenen Identität, sondern auch aus dem Umfeld, woraus letztlich die Identität überhaupt geraten konnte. Es zermalmt einen den Magen nicht zu wissen, ob man morgen noch genug monetäre Mittel haben wird. Die Gewissheit, dass die Gesellschaft einen jederzeit vernichten kann und es niemanden negativ auffällt, weil die alltäglichen Katastrophen in millionenfacher Form üblich sind, erstickt alles. Man verliert nicht nur Lebenszeit oder Kraft, was noch natürlich wäre, sondern auch Wohlstand, sobald man nicht in den Kapitalismus investiert, der systematisch alles zerstört. Man investiert Zeit, Kraft, Nerven in diese Wirtschaftsform, obwohl sie auch einen selbst vernichtet. Es gibt nur eine Angst, die innerhalb des Jobs antreibt: Man hofft, dass es für einen noch reichen wird. Man schliesst sich einer Bande an, die in Konzernkreisen als Team tituliert wird und alles geht ganz professionell, routiniert zu. Der hohe Druck gehört genauso wie die interne und externe Konkurrenz zum Alltag. Und schon ist man ausweglos in einem brennenden Labyrinth gefangen, welches zunehmend verrauchte Gänge und Sackgassen enthält. Jede Hand, die sich dir reicht, will Dir nicht helfen, sie will Dich schlagen und berauben. Die Kosten erhöhen sich Monat für Monat, die Löhne stagnieren und sinken, die Arbeitszeit und Aufwand erhöhen sich. Das Alter schärft die eigene Mangelhaftigkeit. Wer nicht früh vorgesorgt hat, mit einem Netzwerk aus Unterstützern oder Erbschaften oder sonstigen unfairen Vorteilen, der ist geliefert und muss den Misserfolg als Alltag ertragen. Die ganze Reflexion besteht allerdings so oder so aus der Frage, ob man Geld haben wird oder nicht. Die Angst prägt zusätzlich die geistige Wüste.

Es stellt sich jeden Tag erneut die Frage, wie man angesichts solcher Zustände überhaupt leben soll. Die Lust am Leben ist ohnehin bereits vergangen, wenn die Katastrophen, die anderen unschuldigen Seelen angetan wird, in das Bewusstsein genommen werden. Wer sich nicht an das Falsche anpasst, fliegt innerhalb weniger Wochen auf die Straße. Der herrschende Gewaltapparat zwingt, nötigt einen mit allen bürokratischen Mitteln zurück in das ökonomische Getriebe, weil das alles ist, was der Mensch heute sein darf. Wer zu arrogant, unbekümmert, übermütig, illoyal ist, der stirbt den leisen Tod, der geht den sozialen Abstieg. Mord ist in dieser Gesellschaft ein allgemein akzeptiertes Mittel, um sich der überflüssigen Menschen zu entledigen. Das beweist die Asylgesetzgebung jeden Tag an den Grenzen und im Mittelmeer, wo Tausende bereits durch unterlassene Hilfeleistung ermordet wurden. Man braucht nicht zu glauben, dass irgendwer einem zu Hilfe eilt, wenn man selbst zu Ertrinken droht, denn Blut ist genau das, was essentiell diese Gesellschaft vorantreibt. Das ist ihre instrumentelle Vernunft nach der sich alles organisiert.

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Wie könnte eine bessere Welt aussehen?

Es gibt nicht zu Unrecht eine Art Bilderverbot bzgl. des Kommunismus, weil eine Ausmalung einer Utopie bloss dazu führt, dass man sich nicht mit der Kritik der Verhältnisse abgibt und dabei davon absieht, warum bestimmte Bedürfnis- und Gesellschaftsstrukturen zu der desolaten Gesamtsituation beitragen, sie ermöglichen und fortsetzen.

Aber wie könnte Utopie aussehen, wenn man das mal ignoriert? Was wäre, wenn die halbe Welt im Generalstreik stünde und kurz davor steht, die kapitalistische Produktionsweise zu stoppen?  Die Streikenden müssten ziemlich schnell eine Produktionsweise etablieren, die auf Bedürfnissen und Gebrauchswerten beruht. In der alle Bedürfnisse, die niemanden (ungewollt) verletzen. Wenn man Lust auf einen Schokoriegel hat, dann  müsste in der kommenden Gesellschaft nicht Geld, Kapital, Staat, Wert, Tauschwert, verschiedene Fetschismen wie Arbeitsfetischismus daran maßgeblich beteiligt sein, wie dieser zustande kommt und zur Befriedigung des Konsumenten führt. Die Zeit, Arbeitsteilung und Qualifikation müsste genauso eine bedeutende Rolle spielen, wie die neue Operationalisierung der Verteilung und Produktion von Waren. Die Menschheit müsste zum ersten Mal bewusst ihre Gesellschaft gestalten: Dies setzt voraus, dass jeden Tag geprüft wird, ob man die Bedürfnisse genug befriedigt und die Gebrauchswerte genug Qualität und Quantität besitzen. Das wäre also so eine Art alternativer Prüfung der eigenen betrieblichen Tauglichkeit: Schmecken die Schokoriegel und bilden sie die gesamte Palette von Geschmäckern ab, die niemanden in einer Art und Weise schädigen, wie es gut für ihn oder sie ist.

Man müsste ebenso schauen wieviel Arbeitszeit braucht man in der neuen Gesellschaft und den neuen Bedingungen von Produktivität, die sich nicht mehr dem Konkurrenzkampf, Leistungsdruck unterwerfen, wie es unter dem Kapitalprinzip wäre, sondern unter dem Diktat der Bedürfnisse. Zugleich beruht die Befriedigung der Bedürfnisse und die Ausbildung der Gebrauchswerte nicht mehr auf Gewalt, sondern auf Vertrauen und Solidarität. Wir waren schon immer aufeinander angewiesen, haben das aber in den aller seltensten Fällen gelebt. In dieser neuen Epoche wäre genau das nun aber bewusst zu leben. Wir alle wollen ein Höchstmaß an Befriedigung erfahren, dazu brauchen wir Gebrauchswerte und dazu ist die schnellsmögliche Abwicklung der notwendigen Arbeitszeit zur Reproduktion der Reichtümer offensichtlich. Unser neuer und zentraler Ansporn die Arbeit zu erledigen ist demnach nicht Zwang, sondern Genuss. Produktivität geschieht nur noch unter dem Maßstab des Lustgewinns. Wir verzichten also nur noch dann auf Lust, Freizeit usw., um mehr Lust und Freizeit zu produzieren, z.B. wenn wir Schokoriegel zu produzieren, die wir hinterher genüsslich verzehren oder Maschinen produzieren, die wir hinterher zur Reduktion der generellen Arbeitszeit einsetzen können.  Damit also das Leben generell immer besser werden kann, müssen wir aktiv daraufhin arbeiten und die gesamte Ordnung der Gesellschaft darauf ausrichten. Oberste Priorität für die Gesellschaft hat der Schutz von Kindern, Frauen, Älteren und Erkrankten. Ressentiments müssen sensibel beachtet und sinnvoll mit psychotherapeutischen Mitteln geheilt werden. Die Entfernung der Notwendigkeit von Profitabilität öffnet den Raum für bislang ungeahnte Zuwendungen gegenüber allen benachteiligten Gruppen, weil die Reichtümer und Produktivkräfte auch dorthin fliessen, wohin sie Aufgrund der Profitgrenze nicht gelangen durften.

Der Kapitalismus bietet einige Erfahrungswerte, die uns in der neuen Zeit nützlich sein werden. Empirische Methoden bieten die Möglichkeit neue Vertriebsmöglichkeiten zu entwickeln. Ein zentraler Punkt ist nämlich die Frage, wie wir Milliarden Güter mit Milliarden Konsumenten möglichst schnell, hochwertig und nachhaltig zusammenbringen können. Denkbar wäre soetwas wie eine globale Webseite mit gewaltigen Datenbanken, die die Bedürfnisse der Leute aufnimmt und an die Produzenten weiterleitet, sodass am Ende eine schnelle Lieferung erfolgt. Heute kennen wir das als Amazon.com nur eben mit den falschen Produktionsverhältnissen mit Gewalt, Zwang und Ausbeutung. Die Verbindungslinien der Datenbank könnten also global und lokal gleichermaßen dicht gesponnen sein, sodass nie eine Versorgungslücke entsteht, Planbarkeit für Produzenten und Konsumenten zu jeder Zeit existiert. Die neuen Geldscheine müssten Zahlen enthalten, die z.B. für den Zeitaufwand oder eine gewisse Kategorie von Zeitaufwänden sprechen. Jeder Mensch ist Anteilseigner an den Reichtümern der Welt. D.h. Ein Mensch erhält mit wachsendem Alter per se immer mehr Anteile am gesellschaftlichen Reichtum, weil wir generell davon ausgehen, dass er eine Bereicherung darstellt, sodass immer ein Minimum an Anteil vom Reichtum der Gesellschaft vorhanden ist, egal ob er nun arbeitet oder nicht.  Hungertod, Tod durch verdursten oder fehlender Medikamente ist damit abgeschafft. Für bestimmte notwendige Arbeiten, die z.B. keinen hohen Qualfifizierungsgrad erforden, wäre es denkbar, eine Art Lotterie einzuführen, sodass diese nach dem Zufallsprinzip bei täglichen oder wöchentlichen Wechsel vollzogen wird. Unangenehme Arbeiten könnten davon betroffen sein, die noch nicht von Maschinen geleistet werden können.

Das Prinzip der neuen Zeit sollte für jedes Kind verständlich sein. Wenn jemand etwas will, dann kriegt er es. Und er kriegt es deshalb, weil wir generell alles produzieren, was gewollt wird, solange es Umwelt, Tiere oder Menschen nicht schädigt. Assoziativ, netzwerkartig organisiert sich angesichts der angemeldeten Bedürfnisse eine neue Gesellschaft und Rationalität aus. Sowohl Grundbedürfnisse als auch Spezialbedürfnisse werden sowohl aufgrund ihrer Notwendigkeit als auch aufgrund ihres Lustgewinns Geltung erhalten. Dies ist das Geschenk der Produktivitätskraft, die Millionen von Menschen über Generationen hinweg hervorgebracht haben. Ihnen verdanken wir die Gelegenheit zur Realisierung des Pardieses. Ohne gelebte Empathie wird dieses System nicht möglich sein und es stellt sich die Frage, wie mit Mängeln, Gewalt und dergleichen umgegangen werden kann. Die Räte, die sowohl in Produktionsstätten, Gemeinden usw. existieren, müssten einerseits jederzeit abwählbar sein und andererseits eine Kontrollfunktion darstellen. Sie müssen sicherstellen, dass die Macht auf alle Individuen geteilt wird, sodass alle Individuen die Verantwortung übernehmen können, die ihnen von Geburt an zuteil wurde. Jeder Mensch hat sein Leben ganz zu leben. Kein Mensch darf über den anderen stehen. Es kann nur eine kurzfristige Autorität geben, die z.B. aufgrund von Qualifikation über dem anderen steht und in bestimmter Funktion eine Weisungsbefugnis hat. Ein Kind kann in der Regel nicht darüber befinden wie der Bau eines Wasserkraftwerkes modernisiert werden kann. Die Räte müssten sich also permanent selbst reflektieren, so wie die Menschen auch, sie müssten permanent überprüfen, ob der Aufbau und die Realität dem Wunsch entspricht, dass alle frei sind.  Die Menschen, die arbeiten, müssen die Gewissheit haben, die auch der Realität entspricht, dass sie andere Menschen mit ihrer Arbeit befriedigen und das diese Menschen ihrerseits wiederum daran arbeiten, sie zu befriedigen. Das klingt nach einer Orgie und so soll es auch sein. Natürlich hat jeder die Gelegenheit frei zu wählen, wo, wann, wie, was geschieht.

Es kommt darauf an den Gebrauchswerten und Bedürfnissen gerecht zu werden. Der Zeitaufwand zur Herstellung bestimmter Produkte dürfte eines der wichtigsten Kriterien werden, um die Gesellschaft sinnvoll zu strukturieren. Die Wachsamkeit der konkreten Produzenten wird dafür sorgen, dass die notwendige Arbeit verrichtet wird, damit die Gesellschaft sich derart reproduzieren kann, dass ihr Reichtum an Bedürfnisbefriedigung nicht geringer wird. Das Diktat der notwendigen Arbeit ist der wirkliche Ernst des Lebens vor dem wir uns alle beugen müssen. Das wäre sozusagen etwas für die neuen Schulen, sie sollen lehren, was logisch ist: Wir müssen bestimmte Strukturen aufbauen und pflegen, damit wir geniessen können. Die gute Nachricht ist, dass der Ernst des Lebens sehr viel geringer gehalten werden kann, wie gegenwärtig, denn die Produktion orientiert sich an uns und nicht an einem unersättlichen blinden Prinzip, an dem nur eine Minderheit profitiert. Die Bindungskraft an der neuen Produktionsweise wird von Generation zu Generation stärker sein und das noch Frische, Unvertraute zur Normalität machen. D.h. für uns wird es am schwierigsten die neue Zeit zu etablieren, weil wir die Verwerfungen der alten in uns tragen, und so stellen wir entsprechende Ruinen der Vergangenheit dar, die bald von den neuen Generationen mit saftigen Grün überwuchert werden. Möge unser grässliches Zeitalter in diesem neuen Licht in Vergessenheit geraten und sich nie wieder wiederholen.

Ergänzung – 10.07.16: Die Verdinglichung muss für die Menschen arbeiten. Es müssen Verwertungsschlüssel gefunden werden, die Zweckrationalität und materialistische Rationalität als Nervenpunkte inne haben. Dem gegenwärtigen kaufmännischen Minimal-Maximal-Prinzip müsste anstelle der reinen Zweckrationalität nach Profitmaximierung eine Neudefinition erfolgen, und zwar, dass das Handeln und Streben ausschliesslich zur Bedürfnisproduktion eingesetzt wird. D.h. Es wird nach dem minimalsten Aufwand in der Produktionssphäre gesucht, um maximal den eigenen Bedürfnissen bzw. der Befriedigung der Bedürfnisse nachgehen zu können. Um die Bedürfnisse also stärker befriedigen zu können, muss die Gesellschaft von einer Rationalität durchzogen werden, die diesen Zweck assoziativ unterstützt, fordert und belohnt. Die Menschen müssten über die operative Reproduktionsarbeit zwischen erster und zweiter Natur darauf hinarbeiten, dass sie immer weniger arbeiten müssen, um mehr Reichtum zu geniessen. Entscheidend ist der Verteilungsschlüssel. Er muss den Anteil eines Individuums an der Produktion enthalten, die aktuelle Produktivkraft der Gattung und die gegenwärtigen Bedürfnisse der Individuen transparent kommunizieren und operationalisieren.

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Sprengt die Lohnarbeit!

Arbeiten bedeutet Gewalt erfahren. Die Zurichtung der eigenen Persönlichkeit geschieht über den Inhalt der Tätigkeit. Der Diebstahl von Lebenszeit, die Entfernung jeglicher Kontrolle über das eigene Leben, die Verewigung der Abhängigkeit von einem Prinzip, dass man automatisch und blind bestätigt, wohnt jeder Arbeitsstelle inne. Was getan werden soll bestimmt der Chef und was der denkt bestimmt der Markt und was der denkt ist die Kapitalverwertung und die hat nur sich selbst im Sinn, aber nicht die Menschen samt ihrer Bedürfnisse. Das Skandalöse an unserer Wirtschaftsform besteht also in der Abgabe von Leben für ein selbstreferentielles, anonymes und abstraktes Herrschaftsystem, welches niemand steuert. Lediglich die wenigen Eigentümer von hohen Mengen von Kapital oder Firmen können in die Nähe von Nutznießern dieser prekären Lage gerückt werden, aber auch sie müssen sich permanent der Profitabilität gewahr sein, sofern sie mit ihren Vermögen nicht in Frührente gegangen sind.

Die Lohnarbeit übt eine strukturelle Gewalt auf jeden Menschen aus. Sie zerstört die Fantasie, sie macht krank, sie raubt einem die Zeit, die Nerven, die Gesundheit und sie hört niemals auf. Sie ragt in alle Lebensphären hinein und katalogisiert, kategorisiert, verwertet alles. Die Schönheitsideale rühren daher genauso wie die vollen Fitnesscenter oder Universitäten. Die arbeitsgeile Welt vergisst sich selbst im Schweisse ihres Angesichts. Dass die Menschen sich mit ihrer täglichen Lohnarbeit ins eigene Fleisch schneiden, verdrängen sie mit größter Hingabe. Das Hangeln von einer zur anderen Freizeitbeschäftigung, soll die Reproduktion der eigenen Arbeitskraft sichern, sodass es für ein weiteres Quartal reichen möge. Die apathischer Warterei auf den großen Knall, dass man sich vor der Massenvernichtung vielleicht noch hinwegducken kann, macht die totale Teilnahmslosigkeit gegenüber das eigene Leben, aber auch das der anderen aus. Der Lebensinhalt wird bestimmt von der Verwertbarkeit der eigenen Tätigkeiten und Gedanken. Die Menschen sind nicht geboren. Sie sind nur Zuchtmeister, Arbeitskraftbehälter, zerrissene, zerschlissene, erstarrte Drohnen deren Programmierung das Kapital vorgenommen hat.

Die gesamte Gesellschaft ist trotz ihres betriebsamen Lärms von einer Friedhofstille eingenommen, die nach Tod riecht. Unsere Weltordnung beruht auf Leichenschmaus und Kannibalismus, der Konkurrenzkampf und Leistungsdruck ist der direkte Ausdruck davon. Wer nicht arbeitet stirbt. Wer arbeitet stirbt, – aber etwas später. Und die Angst, dass es sie früher erwischen wird, wenn sie Widerstand leisten, lässt die Menschen mitmachen. Das ist kein Ausdruck einer lebendigen Welt, die sich ihren Ängsten, Verdrängungen und Verwerfungen stellt. Es ist eine verlogene Welt, die dringend zugrunde gehen will bevor irgendjemand ihr den Spiegel vorhält. Und jener, der versucht diesen Spiegel zu halten wird eilig bestürmt und zunichte gemacht. Die Feldherren des Kapitals werfen schnell ihr Napalm auf Dich, damit ihre Autorität nicht untergraben wird. Die Maschinen müssen laufen, die Menschen müssen darin zugrunde gehen, etwas anderes hat diese Gesellschaft nicht als Substanz.

Und doch bringt sie das Potential mit, was ihre Produktivität angeht, dass sie die Grundlage für eine bessere Gesellschaft bietet, in der der Mensch angstfrei verschieden sein kann und dem Müßiggang nach gehen kann. Dieses gilt es zu betonen, auch wenn das bedeutet, dass die Lohnarbeit zu meiden ist, um die eigene Fantasie und Intellektualität zu bewahren, Armut und sozialen Abstieg, Peinigung, Ausgrenzung, Einsamkeit et cetera zur größeren Alltagserfahrung werden als ohnehin schon. Die Unerträglichkeit der Welt muss zu einer unerträglichen Kritik führen, die diejenigen, die diese Welt unerträglich machen, ihrer eigenen Unerträglichkeit überdrüssig werden lässt. Die Selbstreflexion muss gegenüber der Resignation angespornt werden. Die Menschen müssen verstehen, dass sie die Welt bereits aktiv gestalten nur eben nicht so wie sie sie gerne hätten. Die Bewusstlosigkeit gegenüber den konstitutiven Momenten der Gesellschaft, muss der bewussten Gestaltung der Gesellschaft weichen. Ein erster Schritt wäre die Einsicht, dass die Lohnarbeit eine Katastrophe gegen die Menschheit ist, die sie sich selbst angetan hat.

Es wird unerbittliche Kämpfe gegen die Interessenten an diesen Zuständen geben müssen. Das Interesse der Lohnarbeiter liegt unbestritten in der Abschaffung der Lohnarbeit, weil sie ihrer Entfaltung im Wege steht. Die Kapitalverwertung zerstört uns alle. Sie zerstört die Umwelt und die Tierwelt. Sie fördert nur Kapitalverwertung und sonst nichts. Aber wir müssen uns selbst fördern, wir müssen uns entfalten können und uns selbst genügen. Wenn jeder gegen den anderen konkurriert, wird jeder blockiert und das Recht des Stärken und der Gewalt herrscht. Daher ist dieser Zwangszusammenhang zu durchbrechen zugunsten einer möglichst geteilten Machtstruktur, die die Verantwortung allen Menschen in individueller Form zukommen lässt. Die einzige Perspektive liegt in einer selbstorganisierten polit-ökonomischen Bedürfnisstruktur, die sich auf Gebrauchswerte und die Menschen konzentriert. Das oberste Diktat ist also die Befriedigung von Bedürfnissen und nichts anderes. Das Ziel muss die Reduktion von notwendiger Arbeit sein, damit maximal gelebt werden kann.

Hierzu müssen wir radikale Räte bilden, die die Lohnarbeiter entsprechend auf die Umstände ihrer Unfreiheit solange hinweisen bis sie die Lage verstehen. Der Generalstreik vollzieht dann das endgültige Ende der bisherigen Eigentumsverhältnisse. Der Staat wird etwas dagegen haben, aber auch der kann schnell aufgelöst werden, wenn jeder einsieht, dass dieser nur eine Clique aus Schlägertrupps enthält, die das Falsche stützt. Eine besondere Frage wird sein, wie die Gewaltenteilung fortgesetzt werden kann, wie gegenwärtige sinnvolle Rechte bewahrt und durchgesetzt werden können, obwohl die Angst vor der staatlichen Autorität fehlt. Bevor also praktisch etwas bewältigt wird, muss die Gewaltfrage simultan zur Eigentumsfrage gestellt werden. Außerdem: Wie können die Güter fair, effizient ohne den Zwang der Kapitalverwertung an jene gelangen, die ihrer am dringensten bedürfen?

Ungeachtet dieser schwierigen Fragen, die unbedingt vorher genau diskutiert werden müssen, ist es unabdingbar, dass die Menschen sich ihren Ängsten stellen. Nur wenn sie die Ursachen der Angst kennen, können sie die Angst loswerden und endlich das Leben angehen, ohne stets eingeschränkgt, gehemmt, geängstigt, niedergehalten, zerstört zu werden. Wer die Lohnarbeit nicht bekämpft verewigt sein Elend, versteinert überhaupt jeden Wahnsinn, der momentan für absolute Normalität und Notwendigkeit gehalten wird, obwohl sich dieser nur durchhält, weil die Menschen sich aus Angst und Identifikation mit dem Aggressor, dem Falschen nicht um die Ursachen ihres Leidens kümmern.

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Es gibt keine richtige Europameisterschaft im Falschen

Der Ekelcharakter unserer Gesellschaft spiegelt sich in der nationalfahnengeschwängerten Verwechslungsgefahr zwischen EM-Fans und Pegida-Nazis. Die libidinöse Besetzung einer künstlichen und irrationalen Zwangsgemeinschaft, wie sie Deutschland nunmal darstellt, ist schon seit langem zu einem allgemeinen Faktor gewachsen. Konzerne ummanteln sich mit den Symbolen der Nation, vergewissern sich und anderen, dass sie zur Volksgemeinschaft gehören und auf der „richtigen“ Seite stehen, wenn wieder nach Frankreich gestürmt wird. Es erlaubt den gekränkten Konsumenten dann auch eine kurzfristige zusätzliche Befriedigung nicht nur irgendwas sich einzuverleiben, sondern gleich noch die Nation ansich. So gibt von Sexspielzeugen bis Süßigkeiten alles, was man sich in den Leib stecken kann, wo keine Sonne scheint und entsprechend die eigene dunkle Geistlosigkeit füttert. Zeitgleich werden Konzerne wie der FC Bayern und deren Angestellte wie Schweinsteiger ebenso libidinös besetzt, schliesslich gibt es ja auch VW-Fanclubs oder Apple-Jünger.

Das Abfeiern eines Herrschafts- und Gewaltzusammenhangs, dass Menschen an den Grenzen der eigenen Machtzentren systematisch durch unterlassene Hilfeleistung ermordet oder ersaufen lässt, Millionen in Armut und krankmachender Lohnarbeit hält, Ungleichheitsverhältnisse in den Vermögen- und Eigentumsverhältnisse als Definitionskern aufrechterhält und immer weiter potenziert, drückt deutlich den autoritären Charakter unserer direkten Nachbarn und von uns selbst aus. Die Europameisterschaft ist eine affektiv besetzte Nabelschau der Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft, die die Balltreterei mit Massendynamik, Massenmedien, Kapital, Personenkult und Alkohol positiv auflädt, um sich selbst zu erhöhen und für den eigenen persönlichen Kampf allein gegen alle am Arbeitsmarkt neue Motivation zu schöpfen. Wenn der alte Schweinsteiger noch den Ball einnetzen kann, Millionen dafür abgreift, obwohl er nur Lohnarbeiter ist, dann sollte es doch für einen auch noch gut werden? Nein, das wird es nicht, wenn man konform geht mit der nationalistischen und profitfixierten Zerstörungswut. Fußball ist nicht die heile Welt, sondern Ausdruck des Unheils.

Das lärmende Spektakel, um ein paar Unbekannte, trommelt für den nächsten Angriff, – da sollte man sich nicht vom Kitsch täuschen lassen. Das Lächeln der Zombies ist keine Grundlage für ein Picknick in der Hölle. Der popelnde Löw, die prügelnden Hooligans deuten die Dummheit, Trivialität, Ignoranz und Brutalität einer Totalität an, deren Vermittlungen schon lange nicht mehr in Wissenschaft, Ökonomie oder Politik reflektiert werden. Es deutet die Leere in den Köpfen an, die sich für wertlose Titel blutig schlägt. Deutschland, das ist eine blutende Leere, die immer neue und weitere Opfer verlangt, weil es nur so bestehen kann. Irgendwo darunter unter all den verdorbenen Kadavern, die diese Nation unter dem Jubel ihrer Einwohner erstochen hat, liegt die Lust und Freude am Spiel und Spaß, welche sich selbst genügt. Fußball ist eine ritualisierte Form der Gewalt, die Nationalhymnen zeigen woher sie kommt: Aus dem nationalen Gewaltmonpol des Staates. Die Aggressionen, die die falsche Produktionsweise immer wieder neu erzeugt, muss kanalisiert werden und das läuft über die Fouls auf dem Spielfeld oder das Geschrei neben dem Spielfeld. Zugleich wird von Friedlichkeit und dem Kampf gegen Rassismus gesprochen, so als sei diese nationalistische Vergleichung nicht selbst maßgeblich für Krieg und Rassismus mitverantwortlich.

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Lebendige Peinlichkeiten

Das was der moderne Mensch gerne mit sich anzufangen wüsste, ist heute nur noch der Betrug seiner Selbst. Aber unter der Maßgabe dessen, was aus ihm hätte werden können, kann er sich stets nur verströsten. Ein ganzer Mensch wird er erst, wenn er keine Vermittlerfunktion zwischen Staat und Kapital mehr einnimmt. In umtriebiger Selbsttäuschung wurde hastig ein Ungetüm nach dem anderen belebt, um den Zweifel zu zerstreuen und sich selbst zu zerstören. Seht her, wir haben uns hohe Parlamente, Universitäten, Gerichte und Institute erbaut, sie sind so wahrhaftig, wirklich und bedeutend, sie können niemals falsch sein! Und den nachfolgenden Generationen stirbt die Kenntnis und Erinnerung immer genauer ab, dass diese Felsen nichts weiter als Totem für die Reflektion darstellen. Sie nehme hin. Sie haben sich seit Geburt an diesen Grobheiten aufgerissen und sind nun stumpf.

Jedes Jahr werden im deutschsprachigen Raum zehntausende Sozial- und Politikwissenschaftler ausgebildet und  zugleich sterben jeden Tag zehntausende Menschen an Hunger, während genauso täglich hunderttausende Tonnen frischer Lebensmittel in den Müll geworfen werden. Dass nun diese Wissenschaft nicht erkennt wie sie mit ihrer eigenen Lehre die Leere produziert, die dieses tägliche Morden zu einer Selbstverständlichkeit macht, die keinen mehr berührt, darin liegt ihre ganze Bedeutung für die Gesellschaft. Sie ist nichts weiter als eine Lüge, die den Wahnsinn ausbrühtet und uns alle der Vernichtung ausliefert. Nur die Apathie führt zur permanenten Entschuldigung, man könne ja nicht alles hinterfragen, da wäre doch soviel zu ändern und schliesslich sei zumindest das Risiko zu groß. Nichts befreit den Henker vor seiner Verantwortung, auch nicht die Sozialforschung, die aufgrund ihrer eigenen gedankenfaulen Aktivität mit dem Blut der Hungertoten täglich bespritzt wird.

Der Schrecken ein Mensch im Kapitalismus zu sein, der muss bekämpft werden, weil er keine Rationalität hat, so wie die ganze Produktionsweise. All das trägt sich nur fort, weil die Verblendung überall ist. Die Verzweiflung und Erschöpfung erschlägt noch jeden Gedanken an eine bessere Welt. Da alles versteinert, blind und leer geworden ist, sind jene mit der ultimativen Last belagert die Zukunft zu retten, die noch eine Regung spüren, einen Funken sehen und aus sich schöpfen können. Und wenn sie die Einsamkeit nicht hinterrücks ersticht, dann können sie es wagen und dieser Gesellschaft ins Gesicht schlagen. Das Scheitern ist aber angesichts dieser Totalität sicher, weil die Wahnvorstellungen die Bedeutung von unumstößlichen Wahrheiten erhalten haben.

Solange aber ein Hungernder sich dafür entschuldigen muss, Hunger zu haben, ein Obdachloser sich dafür entschuldigen muss kein Dach über den Kopf zu haben, ein Arbeitsloser sich dafür entschuldigen muss, keinen Job zu haben,  ein Arbeiter sich dafür entschuldigen muss, eine Verkürzung seiner Arbeitszeit zu erstreben, solange es also eine Peinlichkeit ist, Bedürfnisse zu haben, ein unendlicher Wert an sich zu sein, der Liebe empfängt und gibt, solange ist mit größter Aggressivität Widerstand gegen Staat, Nation und Kapital angesagt. Wer diesen Widerstand nicht vollzieht, der hat sich ergeben und hat aufgegeben sein Leben ganz zu leben. Das Glück aller, die Entfaltung aller, steht auf dem Spiel und sie wird jeden Tag durchgestrichen von einem blinden Prinzip, das wir alle jeden Tag vorantreiben und somit uns alle zugrunde richten.

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Die Mächte des kollektiven Wahnsinns

Unsere Gesellschaft ist systematische Akkumulation von physischem Leid und todbringender Gewalt. Die permanente Mobilmachung im Sinn der blinden, irrationalen Verwertung des Werts, der sich in den Tauschakten und in der abstakten Arbeit versteckt, treibt in immer ungeheureren Maß zur Entsexualisierung der Sexualität, zur Entleerung der Sprache, der Verstummung von Kunst, Kultur und Philosophie. Der Mensch entmündigt sich selbst und gerät im Prozess dieser Dynamik immer tiefer in die Abgründe eines wildgewordenen Kanninchenbaus. Ausdruck dieser Fatalität ist die Körperlosigkeit, Beziehungslosigkeit und Erinnerungslosigkeit, die anfällig für autoritären Masochismus und Sadismus macht. Die Menschen stürzen sich in die Lohnarbeit, in den Konsum, in die Ressentiments um die Realität abzuwehren, entziehen sich vor der eigenen Verantwortung das Leben selbst und vernünftig zu gestalten.

In Deutschland ist die Aggressivität, Apathie, Unzufriedenheit und Asozialität durch Angst, Schwäche, Frust und Konkurrenzneid gehärtet. Die Freudlosigkeit und Unfähigkeit zu Lieben entstammt dem eigenen verantwortungslosen Handeln, Straf- und Verfolgungswünschen und einer puren Lust- und Zivilisationsfeindschaft. Deutschland ist eine Vergesellschaftung der Paranoia, die permanent den eigenen Identitätsverlust imaginiert, sich dadurch wahnsinnig macht und daher auf alles einschlägt, was in diesem Zusammenhang auch nur irgendwie bedrohlich erscheinen könnte. Subjektlose Wendehälse im Korsett einer durch die eigene Aktivität verewigte Weltverkehrung, die das hunderttausendfache Sterben und Morden rationalisiert, normalisiert und veredelt: Das ist die Substanz unserer Realität.

Das Leben ist sinnlos. Es lässt sich nur erträglich machen über die persönlichen Beziehungen zu anderen Lebewesen, die in diese Tragik hineingeworfen wurden. Das höchste für den Menschen ist demnach der Mensch. Alles hat sich danach zu richten, was ihm Lust und Glück verschafft: Die Sozialisation, worin eine möglichst angstfreie Erziehung steckt, die Ökonomie, worin eine Produktion für den Gebrauchswert und nicht den Tauschwert existiert, die Politik, die ausschliesslich verwaltet und jederzeit wechselbar ist, die Ökologie, die nicht zerstört oder als reines Mittel gesehen, sondern bewahrt und als Selbstzweck behandelt wird, usw. usf. Das Glücksversprechen welches heutzutage im Konsum angedeutet ist, muss zu seiner vollen Entfaltung gelangen.

Wenn sozusagen klar ist, dass die Welt verrückt geworden ist, dann kann das sich selbst bewusstgewordene Individuum nur den Kampf dagegen antreten und zwar mit aller rückhaltlosen Schärfe der Kritik. Der Widerstand gegen die blinde Geschäftigkeit, die den Wahnsinn immerzu neu herauswachsen lässt, muss genauso gesteigert werden, wie gegen sämtliche Fetischformen, die die Warenform gebiert. Die Angst hierin zu scheitern ist irrelevant, weil es keine Alternative außer der Barbarei gibt. Entweder man streitet für eine andere Welt und scheitert oder man vergibt kategorisch die Chance sie jemals auch nur denkbar zu machen, was einer völligen Verweigerung zum Leben und der damit verbundenen Verantwortung gleichkommt. Wenn der Zufall einen vor dem Hungertod gerettet hat, so ist es absolut notwendig, für jene zu streiten, die ihn in grotesker Irrationalität sterben mussten und müssen. Der Preis wird mit dem Verlust einer üblichen Karriere im beruflichen Stahlgehäuse hoch sein, aber nicht hoch genug.

 

 

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Nieder mit der Lohnarbeit

Wenn es einen Anfang für die Zerstörung der Menschheit gibt, mit der sie aktuell hadert, dann ist es jener in der Produktionssphäre, wenn die Individualität, die in die Arbeitsprodukte mit einzigartigen Fertigkeiten einfliesst, gesteckt wird. Das Katastrophale wohnt in der abstrakten Arbeit. Jeder gegenwärtige Lohnarbeiter wird gebrochen, entleert, implementiert zugunsten eines irrationalen Zwecks, den er selbst blind und affektiv vorantreibt. Da abstrakte Arbeit ein gesellschaftliches Verhältnis darstellt, welches den Charakter der einzelnen Lohnarbeit über die Produktivität also den zeitlichen Aufwand pro Produkt setzt, wird Arbeitszeit gegen Arbeitszeit der einzelnen Lohnarbeiter gesetzt und damit nicht nur von deren individueller Einzigartigkeit abgesehen, sondern auch ihre ganze Wertigkeit über die Intensivierung oder Rationalisierung der Lebenszeit definiert. Setzt sich dieser Prozess fort, der sozusagen ein fortlaufender Anfang ist, der von den Menschen selbst gesetzt wird, verunmöglicht sich damit die Ausbildung von Individualität, denn das Abhängigkeitsverhältnis, die Verdinglichung, die Ohnmacht und Totalität wächst und ist bereits ungeheuerlich gewachsen. Die Undurchschaubarkeit der gesellschaftlichen Prozesse hat sich in einem abstrakten Verblendungszusammenhang dynamisiert und dynamisiert sich dank der verdinglichten Arbeitsformen weiter, was die Möglichkeit zur Befreiung von diesem Zustand weiter untergräbt, da alle Gedanken und Aktivitäten auf der zweckrationalen Selbsterhaltung innerhalb dieses Prinzips verfolgt werden und werden müssen, da sonst kein Überleben gesichert werden kann oder wahrscheinlich scheint. Freilich ist dieser Prozess unmöglich ohne Staat, Nation, Kapital, Recht und Gesetz möglich.

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Ekelwochen mit Sido

Schwarz-Rot-Gold total: Paul Hartmut Würdig, reich geworden durch sexistische Songs wie »Arschficksong«, hat mit »wehenden Fahnen« eine alternative Nationalhymne für patriotische Erweckungsmomente seiner Deutschen geschrieben und leistet mit seiner Beschwörung der Volksseele einen Beitrag zur »Wiedergutwerdung der Deutschen.« Unterstützt wird er dabei von »neun jungen Hörfunkprogrammen der ARD«, da der Song im Rahmen der massenmedialen Ekelwoche »Heimat« produziert wurde (»Geographisch, emotional oder politisch: Heimat geht jeden an.«).

Sido, der 1,44 Millionen Likes auf Facebook hat, ist »einfach begeistert« von seiner »kleinen Heimat«, denn sie reicht »vom Minister bis zum Kaiser.« Zwischen Minister und Kaiser fand der systematische Massenmord der deutschen Massen an Millionen Juden statt und bereits das Kaiserreich träumte vom »Platz an der Sonne« und brach den ersten Weltkrieg vom Zaun. Was solls: »Du bist nie so ganz gerecht, trotzdem liebe ich dich echt.«

Rassistische Progrome, Straftaten  und Morde während der deutsche Staat wegsieht und dadurch mithilft. Jährlich tausende Tote aufgrund einer von Deutschland geprägten EU-Außenpolitik. Aber »egal, daran gewöhnste dich«, denn »niemand ist perfekt!« Sido winkt alle Katastrophen durch, die durch diese Zwangsgemeinschaft diktiert, praktiziert und reproduziert werden und die man aufgrund ihrer Unmenge kaum vollständig bilanzieren kann: Ob es nun um die Geschäfte mit dem antisemitischen iranischen Regime durch Vize-Kanzler Gabriel (SPD) geht, ob es um den Konkurrenzkampf, Leistungsdruck, die Arbeitswut der permanenten Mobilisierung sämtlicher menschlichen Kräfte für die Verwertungs des Werts zugunsten des nationalen Bruttoinlandsprodukts und zuungunsten der Lebensqualität aller geht, Sido meint dazu nur: »Du bist der Grund, dass ich gut schlafen kann.«

Deutschland kann anrichten was es will, Sido ist zufrieden: »Du bist perfekt auf deine Art, fast genau wie ichs mag.« Durch seinen Song liefert er einen kleinen Beitrag zur Idealisierung und Naturalisierung der Volksgemeinschaft, die unendliche Opfer, Disziplin, Berechenbarkeit und Lustfeindlichkeit von ihren Insassen erzwingt. Dabei wäre es nötig Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung, als funktionaler Bestandteil des kapitalistischen Produktionssystems und einer pathologischen psychischen Verfassung zu kritisieren und zurückzuweisen. »Wir können wieder unverkrampft „Wir“ sagen«, auch Dank Sido.

»Du kleines Land, wenn mir mal Wieder nicht gefällt, was ich hier sehe, ruf ich Poldi an und er zeigt mir die Weltmeister-Trophäe.« Die »Weltmeisterschaft des Nationalismus« soll in der Tat diesen Effekt beim Konkurrenzsubjekt haben: Wenn Du nur genug Opfer bringst triumphierst Du über alle anderen Wettbewerber am Markt. Triumph ist nur über die Niederlage anderer erhältlich, womit systemisch bereits die Vernichtung der Konkurrenz eingeschrieben ist. Sidos Song ist ein Beispiel für den »ungeglaubten Glauben« des Konkurrenzsubjektes im Kapitalismus.

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Du musst um dein Überleben kämpfen

Hunderte sind tot. Erneut. Weil wir eine zynische und menschenverachtende polit-ökonomische Ordnung unterstützen, die dies möglich macht. Man zeigt auf die Schlepperbanden, auf die Parteien, auf Frontex, auf Einsparungen der Flüchtlingsrettung und die millionenteure Abschottung, aber wäre es nicht angebracht auch auf uns zu zeigen? Wir wählen diese rassistische Politik und diese tödliche Ökonomie jeden Tag. Indem wir zur Arbeit und Wählen gehen anstatt solidarisch mit diesen Flüchtlingen zu streiken bis das Morden aufhört. Und ja, es ist Mord. Seit Jahrzehnten wird zugeschaut. Noch häufiger wird weggeschaut. Man hat sich an diese Katastrophen gewöhnt. Hat gelernt davon zu sprechen, dass unser Land keine weiteren Flüchtlinge verträgt, auch wenn es die, Zitat „Vorstufe zum Paradies“, in sich trägt.

Fakt ist: Unsere rassistische Asylpolitik hat mehr Menschen ermordet als der nationalsozialistische Untergrund. Es sind 23258 Menschen. Deutschland hat die europäische Aussenpolitik geprägt, die nun als die unterlassene Hilfeleistung ganze, katastrophale Abschreckungsarbeit leistet. Man bedenke angesichts von mittlerweile über zwanzigtausend verstorbenen Flüchtlingen die 138 Mauertoten der deutschen demokratischen Republik. Das Kapital soll mobil sein. Menschen nicht. Eine erstaunliche Definition von Freiheit.

Fakt ist: Man lässt Menschen lieber sterben als ihnen zu helfen, weil sie zu teuer sind. Obwohl man 338 Millionen Euro in die Abschottung der europäischen Grenze investierte, lässt man die Menschen lieber ertrinken, als ihnen zu helfen, weil man sie für eine zu große Belastung der Sozialsysteme hält. Selbst jene Menschen die dem Tod entronnen sind und nach Europa gelangen landen in Haft,  werden zu Illegalen und lebenden Toten erklärt. Ihr Leben wird auf Eis gelegt, weil sie die falsche, arme und unprofitable Nationalität an sich haben. Sie gelten als  überflüssiger, lästiger Problemfall. Sie erhalten kein Bargeld und keine Ausbildung. Und selbst obwohl schon das Bundesverfassungsgericht die „menschenunwürdige“ Behandlung von  Flüchtlingen in Deutschland monierte, befürchtet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dass es „Anreize für Wanderungsbewegungen“ schaffen könnte.  Und ein  Seehofer will bis zur „letzten Patrone“ dagegen kämpfen, dass Deutschland zum Sozialamt der Welt wird.

Fakt ist: Es hat Tradition Menschen, die vor Hunger, Armut und Krieg flüchten, wie eine tödliche Krankheit zu behandeln.

Fakt ist: Die Untätigkeit sorgt für das Blut an unseren Händen. Aber auch unsere Tätigkeit sorgt für Blut an unseren Händen: Unsere Arbeit erhält einerseits Staaten am Leben, die diese mörderische Asylpolitik durchsetzen und andererseits treibt unsere Arbeit über unsere Produktivität ärmere Nationen in Armut und Krisen, was letztlch die sogenannten Fluchtursachen erzeugt.

Wo ist unsere Menschlichkeit und unsere Rationalität? Wo ist  unser Mut etwas gegen Unrecht zu unternehmen? Woher kommt diese Gleichgültigkeit und Apathie? Wenn man die täglichen Toten im Mittelmeer, die täglich zehntausenden Hungertoten endgültig verhindern will, muss man Schluss mit dem Kapitalismus machen. Weniger geht nicht. Wenn das Morden stoppen will muss man Staaten, Nationen und die irrationale Verwertung des Werts über die Ausbeutung der Arbeitskraft der Menschen abschaffen! Notwendig ist die Produktivität im Sinne der Bedürfnisse aller Menschen einzusetzen.

Kein Mensch muss ertrinken. Kein Mensch muss verhungern. Reichtum ist für alle möglich. Die 40-stündige Arbeitswoche kann ohne Verlust des Wohlstands um 30 Stunden für alle reduziert werden. Kriege können genauso gestoppt werden, wie die Vernichtung der Umwelt oder der Tierarten. Aber das müssen wir mit Radikalität denken und anstreben. Jeden Tag. Es gibt niemand sonst der das für uns tun wird. Innerhalb des Systems hilft ansonsten nur das Betonieren des Mittelmeers.

„Du musst um dein Überleben kämpfen,“ sagte Wally gegenüber dem Weltspiegel.

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Emotionen statt Reflektionen – „Hunger!“ mit Claus Kleber

Das Fernsehen ist etwas fürs Volk, sagte einmal Felix Bartels. Und Claus Kleber spricht als Nachrichtenvorleser der Nation für das Volk. „Claus Kleber und Co-Autorin Angela Andersen interessieren sich bei ihrer Bestandsaufnahme vor Ort weniger für die Mächtigen und Regierenden, mit denen Kleber sonst als News-Anchorman des ZDF zu tun hat. Hier geht er vor allem zu den Menschen, die von Hunger und Durst betroffen sind und tapfer für eine bessere Zukunft kämpfen.

Das Internet funktioniert ähnlich wie das Fernsehen – nämlich über Emotionen. (Claus Kleber). Der ZDF-Anchorman geiselt das raffende Kapital, schreibt mit „Not“ und „Verzweiflung“ gegenüber dem „Unfassbarem“ eine flammende Hommage zugunsten des schaffenden Kapitals. „Hunger, lerne ich, hat viele Gesichter. Hier sind es die Fratzen von Profitgier und Inkompetenz.“ Er glaubt, dass wir zu viel Fleisch konsumieren („Chinas Rinderwahnsinn„) und daher Menschen verhungern. „Wenn sich jemand bescheiden muss, dann alle. Auch Egoismus ist ein Gesicht des Hungers.“ Antworten „sucht die zweiteilige Dokumentation weniger in Zahlen und wissenschaftlichen Analysen als in einer sehr persönlichen Betrachtung mit einer optimistischen Vision.“ Eine Vision, die dümmer kaum sein könnte: „Urban Gardening„, ein „Löffel Zuckerwasser„, „riesige Kugeln im Ozean“ und „faire Investitionen“ sollen als kleine „Puzzelstücke“ die Rettung sein. Kein schlechtes Ergebnis für eine Weltreise und ein Jahr „Planung, Überlegung und Fokussierung“ oder? Und überhaupt: „Um es gleich zu sagen: Das wird kein restlos objektiver Bericht.“ Na dann kann die geistlose, ressentimentbeladene Hetze ja losgehen!

Eigentlich ist alles super in der Marktwirtschaft. Maitland in Australien: „Das wir eigentlich genug für alle ernten, verdanken wir auch Kerlen,“ und „Kerlen“ wird hier mit einer extra Portion Pathos ausgesprochen; „Kerlen wie Ben. Er macht aus einem großen Stück Halbwüste in Südaustralien Brot für die Welt.“ Quasi wie Jesus, schöpft er aus der Todeszone Wüste („an den Grenzen des möglichen„) Leben. Ben: „Wir verwandeln Regen in Getreide.“ Transsubstantiation im ZDF! Ich habe es kapiert Kleber, der Arbeiter ist ein Heiliger! Aber dann das: „Silotürme und Verladeanlage haben Farmer gebaut. Jetzt kauft ein Großkonzern das Ganze auf.“ Der heilige Arbeiter wird vom internationalen Kapital überfallen. Schrecklich! Unerhört! Völker dieser Welt stürmt zu den Waffen!

Tapfer wirft sich der Volkstribun Kleber uneigennützig in den Dreck der Welt, um uns die ganze grauenvolle Wahrheit zu präsentieren: Tüchtige Produzenten, die im Schweiße ihres Angesichts schaffendes Kapital hervorbringen, aber „Rädchen im Getriebe der Großkonzerne“ sind, stehen seiner Ansicht nach im Kampf gegen eine „Weltmacht“ voller „Megakonzerne“, die „ihre Risiken streuen“, „Investmentfonds“, die „mit Milliarden pokern“ und „Geldstörmen“, die „30 mal so mächtig wie der Wert aller Ernten zusammen“ sind. Dies wäre nicht nur in Australien so, sondern auch in Afrika: „Der Großinvestor hat keine Hoffnung gebracht, er hat sie genommen.“ Gleiches gilt für Indien: „Einflussreiche Fabrikanten sichern sich dort ein Stück vom Profit hier. Auf der Strecke bleiben die, um die es eigentlich gehen soll.

Fragen über Fragen:

Generell stellt Kleber Fragen ohne sie je zu beantworten: „Was haben wir falsch gemacht?“ Oder: „Warum kommen so viele Lebensmittel nie bei den Hungernden an?“ Oder: „Wie kann es immer noch sein, das Menschen an Hunger sterben?“ Oder: „Wir produzieren mehr als genug Nahrung für alle. Warum leiden dann immer noch hunderte Millionen an Hunger?“ Oder kombiniert mit eigenen Ressentiments: „Wie können wir dem Land und den Ozeanen noch mehr abgewinnen, ohne die Böden auszulaugen und Fischbestände zu zerstören? Dürfen Nahrung und Trinkwasser weiterhin als Spekulationsobjekte an Börsen missbraucht oder als Machtinstrumente eingesetzt werden?“ Und: „Wie können trotz der weltweiten Bevölkerungsexplosion alle Menschen satt werden?

Guter Weizen verrottet. Liegen geblieben in Spekulationsgeschäften bei denen die Rechnung nicht aufging.“ Kleber fragt in eine Runde indischer Bauern: „Also nochmal die Frage, die mich hergeführt hat: Da ist soviel Reis hier, warum gibt es in Indien immer noch Hunger?“ Ein indischer Bauer antwortet: „Schlechtes Management der Regierung.“ Kleber: „Die Regierung ist schuld, huh!?“ Ein zweiter indischer Bauer schaltet sich ein: „Ja, Korruption. Die haben unser ganzes Geld auf schweizer Bankkonten versteckt.“ Kleber fragt den ersten indischen Bauer wieder: „Stimmt das was er sagt?“ Dieser reagiert zustimmend: „Er hat völlig Recht! Das sind alles Schurken. Krokodile, die das Land ausbeuten und das Volk bluten lassen.“ Unter emotionalisierenden Beats wird das unkommentiert einfach so stehen gelassen, als ob es sich dabei um eine treffende Analyse gehandelt hätte.

Über Respekt

Von seiner Anmutung her ist es ein großer, wenn Sie so wollen, opulenter Film. Mit Respekt vor den Menschen, denen wir begegnen“ (Claus Kleber im Interview). Die jungen Männer in dem afrikanischen Dorf fragen Claus Kleber, ob sie nicht nach Deutschland kommen dürfen und er „schafft es nicht„, lässig an einem Baum gelehnt, „ihnen ehrlich zu sagen„, „dass aus ihrem Traum nichts wird„. Macht nix Claus, Frontex wird es ihnen schon in Deinem Sinne zeitnah begreiflich machen.

Salamatus Land ist Beute geworden, eines globalen Trends. Reiche Staaten und Firmen pachten bestes Land der Dritten Welt. Kolonialismus 2.0. Nicht mit Soldaten. Mit großen Geld.“ Salamatu erzählt dann ganz im Widerspruch dazu, dass sie eben doch unter Waffengewalt von Soldaten, Polizisten und schliesslich ihrem Häuptling, der die Regierung hinter sich hatte, ihr Land völlig unter Wert verkauft hat.

Sie [die Bevölkerung in dem afrikanischen Dorf] glauben wohl, dass dieser Film den Konzern zu einem besseren Deal zwingen wird.“ Was für ein Irrtum, es geht hier in der „persönlichen Betrachtung“ nur darum Vorurteile zu bestätigen und eben nicht darum die Lebensverhältnisse der Armen nachhaltig und qualitativ zu verbessern. Warum sonst hat man sich gleich von Beginn an von der Wissenschaft verabschiedet? Kleber weiter im Text: „Aber ich sage es nicht, damit Salamatus weiter mit mir spricht.“ Klar, verarschen wir sie ruhig noch weiter, soviel zum Thema „wenn wir die Afrikaner betrügen.“ (Claus Kleber im Interview) – „Ich fühle mich schäbig dabei, aber ich brauche ihre Geschichte.“ Wofür? Für die Quote? Um bei Markus Lanz mehr erzählen zu können und Schulterklopfer zu ernten? Um im Namen der Armen besser in den Krieg gegen die Spekulanten ziehen zu können?

Fressen und gefressen werden:

Plötzlich spielen die Preise „verrückt“. „Kein Wunder, wenn die Weltbevölkerung dreimal schneller wächst als die Produktion, brauchen wir immer mehr. Koste es was es wolle.“ Moment mal! Hat Claus Kleber nicht eben Jean Ziegler zitiert, der sagte, dass jedes verhungernde Kind ermordet wird, weil bereits jetzt für 12 Milliarden Menschen Nahrung produziert wird? Wen interessiert es, die Chinesen fressen „mit der Tendenz grenzenlos„, so als ob sie schwarze Löcher in ihren Mägen hätten. Also gehen wir dort mal hin und suggerieren, dass der Welthunger mit Veganertum zu erledigen ist. „Es ist Wahnsinn. Menschen verhungern und wir mästen weltweit 1,5 Milliarden Kühe für unsere Lust auf Fleisch und Milch.“ Dabei war der Konsum noch nie Antriebsfeder für den Kapitalismus, sonst würde niemand hungern und würden nicht Millionen Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen. Daher weiß Kleber auch nicht was er den Chinesen vorwerfen soll: „Sie arbeiten sauber und gewissenhaft.“ Wie echtes schaffendes Kapital eben! Sie tun was alle tun, sie arbeiten so, dass es profitabel ist. „Sie richten sich nach den Regeln industrieller Nutztierhaltung und sie glauben, dass das Fortschritt sei. Das habe ich ja auch geglaubt, bis jetzt.“ Nein, letzteres war ein Scherz, das glaubt er immer noch, deswegen plädiert er ja für „faire Investitionen„, um sowohl Hunger als auch alles andere lösen. „Wenn demnächst alle soviel Fleisch essen, wie wir heute, fahren wir die Sache gemeinsam vor die Wand.“ Nein, selbst wenn wir alle nur noch Steine lecken, wird das wohl kaum die Dynamiken und Krisen innerhalb des Kapitalismus verändern oder lösen, schließlich tangiert unser Konsumverhalten nicht das Prinzip der kapitalistischen Produktionsweise. Autarkie und Verzicht in Zeiten von Überfluss ist obendrein schlichte Dummheit.

Reflektionen statt Emotionen:

Im Kapitalismus verhungern Menschen, obwohl Lebensmittel in überreichlichem Ausmaß produziert werden. Im Kapitalismus werden Kriege geführt, obwohl genug Güter für alle vorhanden sind – niemand um sein Überleben kämpfen müßte. Im Kapitalismus müssen Menschen körperlich schwer schuften, obwohl es ausreichend und zunehmend perfektere Maschinen gibt, die ihnen die Mühe abnehmen oder zumindest unendlich erleichtern könnten. Im Kapitalismus müßte immer weniger gearbeitet werden, dennoch verlängert sich der Arbeitstag auf bis zu 16 und mehr Stunden, werden selbst Kinder zur Arbeit herangezogen. Marxens Vermutung: Nicht obwohl soviel Reichtum im Kapitalismus geschaffen wird, verelenden Menschen, sondern gerade weil. Genauer: Die Form, in der der Reichtum geschaffen wird, die Warenform, ist dafür verantwortlich, daß Menschen massiv verelenden.“ („Die halbe Wahrheit ist die ganze Unwahrheit“ – Conne Island)

Mich überfordert das Labyrinth,“ kein Problem Claus! Schauen wir uns die Realität an. Aber wo fangen wir da am besten an? Vielleicht dort wo die Dokumentation beginnt. „So hatte ich mir den Tag nicht vorgestellt: Ich suche Einblick in eine Krise und stattdessen führen sie mir ihren Stolz vor„: Säcke voller Lebensmittel werden vor die Füße des entgeisterten Nachrichtensprechers und Armutstouristen ausgeschüttet.

Dabei ist das gar nicht verwunderlich: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.“ (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 49). Es gibt genug Gebrauchswerte in der Welt, die von den Menschen konsumiert werden könnten, ein Blick in irgendein Kaufhaus oder die Produktionszahlen von Lebensmitteln oder anderen Gütern zeigt das. Die Gebrauchswerte können aber nicht konsumiert werden, wenn das menschliche Bedürfnis sich nicht über finanzielle Mittel legitimiert. Wer kein Geld hat, wird auch nicht essen. Deshalb verhungern Menschen neben Bergen von frischen Lebensmitteln. Gebrauchswerte werden nur dann verkauft, wenn die in der Ware enthaltene Kalkulation aufgeht, also genug Tauschwerte für die Mehrwertproduktion veräußert werden können. Es ist also nicht so wie die Ausgangsfrage der Dokumentation suggeriert: „Auf unserem Planeten müsste kein Kind verhungern oder verdursten, wenn wir alles richtig machen würden.“ Es verhungern und verdursten Menschen, eben gerade weil wir alles „richtig“ also im Sinne der kapitalistischen Produktionsweise machen.

Neben diesen Grundwiderspruch im Kapitalismus gibt es noch einen weiteren: Einerseits muss immer mehr lebendige Arbeit (variables Kapital) eingespart, deren Tätigkeit durch Maschinen (tote Arbeit, konstantes Kapital) ersetzt werden, andererseits ist diese lebendige Lohnarbeit der einzige wertschaffende Faktor. Norbert Trenkle spricht hier vom „Selbstwiderspruch des Kapitals zwischen Produktivkraftentwicklung und Verwertungsimperativ.“ Der Zwang, Mehrwert zu produzieren, hat zudem zur Folge, die Mehrwertmasse zu senken. Jede Innovation in der Produktion, die u.a. der Konkurrenzkampf aufnötigt, sorgt für Einsparung menschlicher Arbeitskraft und für eine Reduktion der Wertproduktion, weil mehr und besser in kürzerer Zeit produziert werden kann. Es müssen mehr Waren als zuvor abgesetzt werden, damit Profit gemacht werden kann. Resultat ist anders gesagt die gesamtkapitalistische Senkung der Wert- und Profitmasse.

Die Verwertung des Werts gerät also immer weiter ins Stocken, seit 1945 wurden Staaten mehrere hundert Mal zahlungsunfähig, da die die Märkte gesättigt sind, dort keine Profite mehr im großen Maß abzusetzen sind, die Produktivkraft größer denn je ist, keine gigantischen Produktinnovationen, wie die der Mikroelektronik, mehr stattfinden. Damit Wertschöpfung überhaupt noch ausreichend stattfinden kann, wird Spekulation mit Finanzprodukten notwendig. Fiktives Kapital in Form von Aktienkapital greift auf zukünftige reale Wertschöpfung (Lohnarbeit) zu. Ergeben sich nicht die prognostizierten Verwertungen, platzt die Spekulationsblase und es gibt eine Krise.

Ernst Lohoff: „Es wird so getan, als wäre der spekulative Kasino-Kapitalismus der Grund für mangelnde Realinvestitionen und Massenarbeitslosigkeit. In Wirklichkeit ist das Verhältnis genau umgekehrt: Weil die Produktivitätssteigerung der dritten industriellen Revolution seit den achtziger Jahren die Expansion der Märkte überholt und arbeitsplatzträchtige Realinvestitionen unrentabel gemacht hat, strömt das Geldkapital in die Finanzmärkte und treibt immer größere spekulative Blasen.“ („Entfesselter Spekulant“ – Jungle World)

Die Lohnarbeit existiert für die Produktion von Mehrwert, das Finanzkapital bzw. die Spekulation existiert für die Produktion von Mehrwert. Sie sind die Kehrseiten derselben Medaille, bedingen und beziehen sich aufeinander. Wer also vom Mehrwertterror in der Fabrik nicht reden will, sollte von den finsteren Spekulanten schweigen. Alle Individuen in dieser Gesellschaft werden geknechtet ovn einem und demselben Zwangsverhältnis, dem neuen kategorischen Imperativ: Handle so, dass am Ende mehr rauskommt!

Der Film mit Claus Kleber ist also eben nicht wie die SZ-Online schreibteine sehr systematische Analyse der Gründe“ für Hunger. Das Credo der Kritik von Claus Kleber lautet: Lohnarbeit und Mittelstand gegen Finanzkapital für eine krisenfreie Marktwirtschaft, in der „die tüchtigen Produzenten belohnt und nicht die unproduktiven Geldverleiher, Grundeigentümer und andere Parasiten bereichert“ werden (Neo-Gesellianer Klaus Schmitt, zitiert nach Robert Kurz 1995). Man spricht den multinationalen Konzernen gesamtwirtschaftliche Verantwortungslosigkeit zu, weil sie sich aus den angeblich produktiven Sektor zurückzögen, stattdessen Wertpapiergeschäfte tätigten, dem Mittelstand damit den Boden unter den Füßen wegzögen. Die bombig laufende Marktwirtschaft wird angeblich von geldgeilen, kosmopolitisch ausgerichteten Dunkelmännern attackiert, die die Politik und überhaupt alles in der Tasche haben, wenn man sie nicht dingfest macht. Kleber stülpt der subjektlosen Herrschaft des Wertprinzips seine üble Ausbeutersubjektivität über. Es hat im Kapitalismus eine lange, gefährliche Tradition, die Zirkulationssphäre des Kapitalismus, gegen die Produktionssphäre auszuspielen, weswegen diese Kritik überhaupt keine ist, sondern reines Ressentiment.

Für Chaya

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Weltmeister – Na und?

Sexy Spielerfrauen umarmen ihre potenten Einkommensmillionäre. Sie haben immer an sie geglaubt. Merkel und Gauck fallen ihren Kriegern um den Hals, die das Ausland teilweise bis aufs Blut fair niedergerungen und somit einen seltenen deutschen Ausnahmezustand der Einigkeit erstritten haben. Die Leistungsgesellschaft feiert sich selbst. Hunderttausende bejubeln Nation und Konkurrenzkampf. Für einen winzigen Moment sind die Hungertoten, die Umweltzerstörungen, die Kriege, die Verrohungen der sozialen Beziehungen und all die anderen unbezahlbaren Opfer dieses Prinzips von Wettbewerb und unendlicher Kapitalverwertung über die nationalen Arbeitsplätze vergessen.

Endlich hat es sich mal gelohnt der deutschen Schicksalsgemeinschaft anzugehören. All die beschwerlichen Alltagskämpfe um Noten oder Quartalszahlen sind für einen winzigen Moment vergessen. Die Schere zwischen arm und reich, die fehlenden Partizipationsmöglichkeiten in der Politik oder im Betrieb, der leere Geldbeutel und die Angst vor der Zukunft. Dieser Sieg sorgt für die notwendige Motivation, die deutsche Kapitalverwertung im Wettbewerb weiter voranzutreiben, denn er schürt die Hoffnung darauf, dass man selbst mal attraktive Personen für sich gewinnt, die scheinbar bedingungslos an einen glauben, dass man selbst mal Einkommensmillionär ist und Ausgelassenheit zulassen kann, anstatt permanent Verzicht zu üben und Kampf, Hinhaltetaktiken oder Vertröstungen als Lebensinhalt zu haben. Wartet nur, irgendwann seid ihr dran. In 24 Jahren oder nie!

Die hysterischen Jubelschreie in den Kneipen und an den Fanmeilen sind befüllt von der Hoffnung endlich mal etwas zu bedeuten. Im Alltag sind die Menschen Kostenpunkte, hinter denen permanent ein Fragezeichen steht, so wie bei Löw und all seinen „Spezialkräften“ in der Nationalmannschaft. Wer hat die Potenz das Bruttoinlandsprodukt zu erhöhen und wer nicht? Auch die Aussortierten sollen ihre Schicksalsgemeinschaft von Erfolg zu Erfolg pushen, egal ob Hartz IV Empfänger oder Ersatztorhüter.

Wir als deutsch-geborene Konkurrenzsubjekte sollen nicht nur im Sport Weltmeister sein, sondern überhaupt überall und für immer, daher wird alles durchrationalisiert und bejubelt was damit zutun hat. Opferbereitschaft, Aderlass um das deutsche Wesen bzw. Bruttoinlandsprodukt zu mehren. Jeder rennt willentlich oder nicht insgeheim einem Weltpokal nach, den er nie erreichen wird, weil die Anforderungen u.a. über die abstrakte Arbeit unendlich ansteigen. Die Gesellschaft hat sich monoton auf ein Ziel eingeschworen: Profit. Merkel und Gauck wünschen sich, wie die meisten Deutschen, im Schweiße ihres Angesichts endlich Weltmeister in der Politik und Ökonomie zu sein. Allmachtsfantasien krakeeln immerdann aus dem deutschen Michel, wenn er ausgelassen sich selbst feiert. Nichts gelernt, alles verdrängt, endlich wieder deutsch sein und Spaß dabei.

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Napalm Gauck

Gauck weiß jetzt „was geht„. Gauck „mahnt, drängt und fordert“ „zu den Waffen zu greifen“ (!), um „unsere Werte zu verteidigen„, denn „Krieg existiert„. Letzteres ist halt so, wen interessieren schon die Hintergründe. Gauck wolle nicht mehr wegsehen, wenn Menschen wie 1994 in Ruanda abgeschlachtet werden, dabei ist die afrikanische Instabilität, deren historisches, ökonomisches Verliererdasein dem marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampf geschuldet, bei dem Gauck das freiheitliche Wasser im Mund zusammenläuft. Afrika kann gegen Europa und Deutschland nicht gewinnen, weil horrende, riskante Investitionen nötig wären, die das scheue Reh der Kapitalverwertung schon im Ansatz verschrecken. Man setzt als Kapitalist lieber auf Gewinner, denn jedes Quartal braucht steigende Renditen. Insofern ist das Potential für ein neues Ruanda weiterhin groß, wie die alltäglichen bürgerkriegsähnlichen Zustände seit Genrationen belegen und das liegt an der Art wie Politik und Ökonomie in Europa, Amerika, China usw. betrieben wird.

Wie kann Frieden in einer Welt existieren, in der Nationen gegen andere Nationen mit allen Mitteln unendlich um Märkte konkurrieren? Gauck schaut jeden Tag weg, wenn tausende Menschen verhungern oder lebensrettende Medikamente nicht erhalten, denn das ist ja alles im Sinne der Menschenrechte, die den Markt regeln. Die Menschenrechte sagen: Nur wer Geld hat, darf mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse rechnen, alle anderen verrecken elendig oder führen ein Schattendasein. Und damit das so bleibt, will Gauck Krieg führen, denn er sieht das Problem nur bei denen, die dieser Ordnung mit eigenen Brutalitäten im Weg stehen. Gauck repräsentiert deutsches Kapital und dieses soll mithilfe des Militärs gemehrt werden. Morde für die kapitalistische Ordnung bringen Respekt bei anderen Konkurrenten ein und das eröffnet Türen für tiefere Partnerschaften, mehr Raum auf dem geopolitischen Parkett und damit Märkte sowie Kapital. Bedingungslose deutsche Expansion schimmert also in all seinen Sätzen durch. Das ist es, was nun „geht„. Deutschland expandiert  nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Vergangenheit. Stephan Grigat brachte es auf den Punkt:An der Aussöhnung der Deutschen mit ihren Verbrechen soll die Welt genesen.

Weitere Details fallen auf:  Wieviel von der „sozialen Marktwirtschaft“ zu halten ist, für die Gauck plädiert, zeigen die zehntausenden Klagen vor den Sozialgerichten zur Agenda 2010 bzw. Hartz 4, denen hinterher überwiegend Rechtmäßigkeit bescheinigt wird.

Gauck beklagt zudem die Ungleichheit von armen und reichen Menschen in Russland, um die Illegitimität Putins darzustellen, – will die Vermögensungleichheit in Deutschland allerdings nicht erkennen. Dabei hat das DIW 2012 erwiesen, dass Deutschland die größte Ungleichverteilung von Vermögen innerhalb der Eurozone aufgewiesen hat.

Widersprechen muss man dem Märchenonkel auch beim Thema Refugees: Europa kann problemlos sämtliche Flüchtlinge aufnehmen. Die weltweiten Flüchtlingsströme belaufen sich auf weniger als 40 Millionen Menschen. Europa bietet derzeit Raum für über 700 Millionen Menschen. Wenn es darum geht, die Opfer der Mauer in der DDR zu beklagen, ist Gauck ganz groß, obwohl es sich hierbei im Vergleich zu den jährlich ca. 1500 sterbenden Flüchtlingen vor Europas Grenzen um geringere Zahlen von ca. 136 Maueropfern handelt.

Weitere Beiträge zu Gauck:

Mann Gottes, Präsident des Krieges“ – Von Georg Seesslen

Wollt ihr den totalen Gauck?“ – Von Hermann L. Gremliza

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Pflegedilemma: Team Ahnungslos undercover

Urin, Schläge, Schimmel und Viren in den besten deutschen Pflegeheimen: Seit Jahrzehnten vergammelt der deutsche Volkskörper dank der miesen Zustände in der Pflegebranche, aber jetzt kommt „Team Wallraff„, legitimer Nachfolger des „Team America: World Police“, und naht mit „Enthüllungen“ zur Rettung!

Ganze 9 Monate hat es gebraucht, damit der Wallraff-Zögling und Sidekick des Verbrechensbekämpfers Robin alias Osterhaus als Praktikantin folgendes heraus findet: Eine 92 jährige liegt 3 Stunden in ihren eigenen Exkrementen.  Lebensgefährliche Noroviren werden vertuscht, Pflegeberichte und Atteste werden gefälscht. Emotionalisierende Beats von Massive Attack versüßen Pöbeleien gegenüber den älteren Menschen, den Gestank und die Fäkalien im Zimmer. Es herrscht Ahnungslosigkeit beim Verabreichen von Medikamenten, Mangel an Geld, Zeit und Pflege. Genauer: 5-7 Minuten pro Patient, 3 Pfleger für 37 Patienten. Zeit-, Akkord- und Schichtarbeit 40 Stunden Woche, 900 EUR im Monat netto. „Ich möchte sterben,“ meint eine Patientin. Unterbrechung: RTL-Werbung. Weiter: „Ja, sind wir denn hier im Zoo?“, fragt eine Pflegerin als eine alte Frau vermutlich schon die halbe Nacht verdreht am Boden liegt. Noch eine Frage obendrauf: „Geht es ihnen gut?“. Gelächter. Sehr richtig bemerkt schliesslich eine alte Frau im Rollstuhl: „Hier ist es nicht lebendig“.

„In diesem System sind alle Opfer. Pfleger müssen vor Überforderung geschützt werden und Pflegebedürftige vor überfordertem Personal,“ meint Osterhaus mit bedeutungsschwangerer Stimme aus dem Off. Wer soll denn schützen? Das kann nur eines heissen: Vater Staat rette uns! Aber Moment mal! Was sagte der „Experte“ Fussek? „Pflegeheime sind rechtsfreie Räume.“ Wie soll das denn gehen? Das Pflegeheim in München wird vom Staat betrieben und agiert nach gesetzlich vorgeschriebenen Marktgesetzen der Kosten- und Nutzenoptimierung. Hier ist das Recht offensichtlich nicht abwesend, sondern omnipräsent. Es ist ein Recht, das Pflegeheime dazu zwingt um Centbeträge zu kämpfen. Nicht ohne Grund hielt CDU-Politiker Mißfelder „nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“ Und der CDU liegt wie jeder großen „Volkspartei“ das Bruttoinlandsprodukt des deutschen Vaterlandes sehr am Herzen, mehrnoch als die Herzen und Körper der alten, unproduktiven, arbeitslosen und damit minderwertigen Deutschen, die nur Kosten anstelle von Profiten verursachen. Diese Rationalität spüren Hartz 4 Empfänger jeden Tag. Gleiches Recht für alle!

Entweder bist Du Leistungsträger oder Du bist überflüssig! Intern heisst es in den Pflegeheimen deshalb: „Wir wollen Vollbelegung“, denn das ist produktiv im Sinne der Kapitalakkumulation. Wenn sich das Pflegeheim nicht danach richtet, ist es morgen pleite! Da kannst du protestieren und dokumentieren wie Du willst: Das ist und bleibt so, wenn man keinen Schimmer von den Bewegungsgesetzen des Kapitalismus hat. Mehr Personal kostet zuviel Geld. Mehr Gehalt kostet zuviel Geld. Bessere Ausbildung kostet zuviel Geld. Wettbewerbsfähigkeit ist in unserer Ökonomie überlebensnotwendig! Konzerne und Staaten stehen in diesem Wettbewerb. Warum wohl wollen alle Parteien Wachstum? Weil das der inneren Logik des ökonomischen Systems entspricht. Die Finanzierung des Gesundheitssystem wurde systematisch im Sinne des Sozialabbaus heruntergefahren. So wurden wir Exportweltmeister! Ein Pfleger meint instinktiv richtig: „Es wird stark rationalisiert in der Altenpflege.“ Man benutzt also absichtlich wenig Personal, um möglichst viel Leistung aus ihnen abzupressen, um möglichst geringe Kosten und hohe Profite zu haben, – wie in jeder anderen Branche weltweit auch!

Experte Prof. Sell lässt dann die Bombe platzen: „Menschenunwürdige Pflege lohnt sich betriebswirtschaftlich.“ Potzblitz! Und jetzt? „In diesem Krankensystem muss sich etwas ändern!“ (Che Osterhaus) Das heisst der Kommunismus ist eine Notwendigkeit, wir müssen unseren Arsch bewegen, auf die Barrikaden und die Lohnarbeit hinwerfen, Marx und Adorno lesen bis uns was besseres einfällt?! Aber, aber! Viel besser: Man trifft sich mit einem Politiker (Laumann) einer staatlichen (!) Behörde und erwartet von ihm ganz naiv Antworten wie alles besser werden soll, der aber total überraschend genauso ahnungslos von „Kriminalität“ spricht wie das ganze „Team Wallraff“, weil er eine Marktlogik nicht verwerfen kann, die er mit seiner Partei proklamiert und für erstklassig befindet. Und schliesslich liefert das „Team Wallraff“ neue „Enthüllungen“, um „Diskussionen anzustoßen“! Diskussionen die sich im Kreis drehen! Es gibt schliesslich ein paar tausend Berufsgruppen auf der Welt! Und es gibt auch noch eine Menge Publikum zu verwirren, damit bloss keiner einen klaren Gedanken bekommt.

Apropos andere Berufsgruppe: Burger King! Nach gesundheitsgefährdenden Darmbaktieren in der Burgerküche, uralten Lebensmitteln im Verkauf als „frisch“, Leistungsdruck, unbezahlten Überstunden, verweigerungen die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall zu machen usw. bemerkt Wallraff wie auch bei der Pflegekatastrophe mit finsteren Blick: „Das sind keine Ausnahmen, keine Missstände, sondern Zustände.“ Aha! Erstaunlich was die alles rausfinden! Was die alles wissen! Am Ende bekommt Wallraff mit seiner Liga der außergewöhnlichen Gentleman noch heraus, dass das alles mit dem Kapitalismus zutun haben könnte! Oder doch nicht? Bei Burger King ist der Bösewicht schnell gefunden, denn Superman-Wallraff braucht einen Gegenspieler: Ergün Yildiz. Klar! Ein blutrünstiger Migrant, der den deutschen Volkskörper mit seinem Gift verdirbt! Der muss es sein. Prompt ist er entlassen. Mission accomplished. Wallraff reitet in den Sonnenuntergang. Jetzt wird alles anders! Der deutsche Volkskörper ist gerettet! Platz an der Sonne! Burger King Filialien sind endlich (wieder) das Paradies, ein El Dorado der Glückseligkeit und Tierkadaver werden wieder mit einem ehrlichen Lächeln präsentiert. Bestimmt gibt es so eine profitgierige Krake („Hauptinvestor“ Zitat Wallraff) auch in den Pflegeheimen, die man nur finden und ausrotten muss, damit alles gut wird. Oder doch nicht?

Weitere Enthüllungen kommen, wenn die Quote für RTL stimmt. Vielleicht sollte Wallraff einen verkleideten Praktikanten in die RTL-Zentrale schicken? Möglicherweise produziert das Privatfernsehen soviel Dünnschiss, weil es am kostengünstigsten Profite bringt? Vielleicht findet Wallraff heraus, dass Menschen auf diesem Planeten verhungern, weil sie ihre Bedürfnisse nicht mit Geld legitimieren können, während gleichzeitig tausende Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen werden? Vielleicht wird er auch im Undercover-Bikini im Schwimmbad oder gar splitternackt am FKK-Strand investigativ herausfinden, dass Wasser nass ist! Wer weiss, aber eines ist eindeutig: Für Wallraff ist seit den 1960ern im ganzen Jahr Fasching und darauf kommt es doch an, denn eine Revolution gegen diese Zustände ist was für Idioten!

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Hungern für den Platz an der Sonne

92 000 Leute machen bei einer Petition gegen Hartz-4-Sanktionen mit, was kommt raus? Warme Luft.

In Deutschland hungern also Menschen, rechnen in „Broteinheiten“ damit Deutschland produktiv bleibt. Ein neunzigjähriger Mann möchte lieber sterben, als für 5 EUR Brutto zu arbeiten. Andere sind „hilflos“, „machen Platte“, verfallen in eine „Starre“, „Isolation“ oder in „Depressionen“. „Skandal“, „erschreckend“, „traurig“, „sowas kann es in einem Sozialstaat doch nicht geben“, „das Fordern“ im staatlichen Konzept von Fördern und Fordern „hat Überhand genommen“, „über 1 Millionen Sanktionen“, die Sanktionspraxis kostet „10 Millionen“ und bindet zuviel staatliches Personal. Es gibt sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen, die als „Qualifikationsmaßnahmen“ verkauft werden, es gibt den bösen „prekären Arbeitsmarkt“, den „Drehtüreffekt“ bei den Zeitarbeitsfirmen, „sehr enge Grenzen Menschen wieder in Arbeit zu bringen“, die Forderung „Ersteinladungen“ der Behörden an Hartz-4-Empfänger „menschlicher“ zu gestalten und ingesamt „mehr Zeit für die Erwerbslosen“ einzusetzen.

All dieses moralisierende Gejammer lässt einen als halbwegs kundigen Marx-Leser nur müde lächeln, muss doch gerade in einer Gesellschaft mit Staaten die Bevölkerung solange sanktioniert und gemaßregelt werden, wie es nur irgendwie geht, um die Produktivität und Konkurrenzfähigkeit, der, in diesem Falle, deutschen Nationalökonomie zu erhöhen. Zeit ist Geld! Der Mensch ist Ware in der Warengesellschaft. Das ist wörtlich zu nehmen. Wer sich nicht um die Gründe bemüht, der muss eben Jammern.

Dementsprechend wurde die Petiton gegen die Hartz-IV Sanktionen trocken abgeschmettert: Die geforderten bedarfsunabhängigen, voraussetzungsfreien Sozialleistungen darf es laut Sozialrecht gar nicht geben. Und dieses Recht setzt das Interesse des Staates durch, sich zu rekapitalisieren und die Menschen als Mittel für diesen Zweck zu instrumentalisieren. So proklamiert die Sprecherin der Bundesregierung: „Wir erwarten Mitwirkung“. Passiert die nicht vorbildlich, dann sieht es der Staat als gerechtfertigt an, auch das unantastbare „Existenzminimum“ auf 0 Prozent zusammenzustreichen, um die Motivation des unproduktiven Schmarotzers zu steigern, bei dem bislang die „Mitwirkung gescheitert“ ist, was „Qualifizierung, Weiterbildung“ oder „Beschäftigung“ angeht.

Wer „Anspruch hat“ muss „mitwirken“, schließlich ist jeder seines Glückes Schmied. Natürlich ist letzteres eine Drohung: Arsch bewegen bis ins Grab ist angesagt. Wer das nicht will, muss eben hungern. „Menschenwürde, Recht auf Unversehrtheit, Berufsfreiheit, auch der Gleichheitsgrundsatz“ werden allesamt laut dem Verfassungsgericht durch diese Sanktionen gewahrt. Was sagt uns das? Es ist per Gesetz so gewollt, dass die Menschen sich gleichberechtigt ganz im Einklang mit den Menschenrechten für diese Gesellschaftsordnung kaputt machen. Eindeutiger kann die Antwort eigentlich nicht ausfallen. Aber trotzdem streitet man sich in dieser fachkundigen Runde lieber über Armutsdefinitionen und ab wann ein Mensch eben ein Mensch ist: Vielleicht wenn er genug zu essen hat!? Wenn er auch noch Kultur genießen kann!? Wenn seine „Menschenwürde“ gewahrt wird, von der noch niemand sagen konnte wie die eigentlich definiert werden soll!? So werden auch noch die Nachgeborenen für Deutschland in Broteinheiten rechnen oder Pfandflaschen sammeln gehen, während andere sich im Bundestag mit Ahnungslosigkeit bewerfen. Da könnte man schon aggressiv werden.

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Deutschlands Wutbürger

Hunderte Berliner applaudierten am 1. April 2014 mit Begeisterung einem antisemitischen Demagogen, der nun auch im Internet mit zehntausenden Klicks innerhalb weniger Tage großen Erfolg hat.

Ken Jebsen ist als deutscher Wutbürger, und Wut ist hier in all seinen Auftritten wörtlich zu nehmen, vorallem in Folge seiner Querfrontstrategie zu einigen Kunststücken fähig: Er argumentiert einerseits eindeutig antisemitisch, wenn er behauptet, der „Zinseszins“ und die „Wirtschaftseliten“ würden die Welt regieren und stellt sich andererseits gleichzeitig auf die Seite von Dutschke (APO, SDS, marxistischer Soziologe) und die Geschwister Scholl.

Desweiteren ist er konsequent uneindeutig wenn er diverse Themen anspricht: Er sei für „Veränderungen“ und „Aktivist“, weil er „aktiv ist“ (wer hätte das gedacht) und „unabhängiger Reporter“ (was auch immer das heißen soll), der nicht zum Kanzler gemacht werden will (sondern Reichskanzler?), der „die da oben“ wegfegen will (Marsch nach Berlin?), der für Konsumverzicht, Dezentralisierung, Schwarmintelligenz (Blut- und Schicksalsgemeinschaft?), den Aufbau eigener Medien (Völkischer Beobachter?) plädiert: „Wir brauchen unser eigenes Twitter, Google, Facebook“ (Antiamerikanismus darf nicht fehlen). Er hetzt gegen Banken, Merkel, die FDP, Wahlen, breitet 9/11 Verschwörungstheorien aus, hat etwas gegen „totale Überwachung“, „gegen Regierungen“ und „gekaufte“ Politiker, misstraut den Amerikanern mehr als den Russen, befürchtet den „dritten Weltkrieg“ in Europa usw. Seine Thesen richten sich dabei strikt an die Vorurteile und Emotionen seiner Zuhörer, die alle Steilvorlagen dankbar und jubelnd aufgreifen.

Warum Zinseszinskritik im besonderen antisemitischer Struktur ist? Wenn man die Produktionssphäre von der Zirkulationssphäre unterscheiden bzw. trennen will und das tut Jebsen, wenn er den Zinseszins einsam herausstellt, dann steht das in einer Linie mit historischen, antisemitischen Vorläufern wie Proudhon, Lassalle, Gesell, Gottfried Feders. Man argumentiert damit automatisch gegen das schlechte, unproduktive, raffende Kapital (z.B. Zins, Finanzkapital) und für das gute, produktive und schaffende Kapital (Lohnarbeit), – denn man bedenkt die Werttheorie, das Geld, das Kapital, den Profit, den Staat, die Nation, den Fetisch, die anonyme Herrschaft, die Konkurrenz, den Doppelcharakter der Ware und der Arbeit usw. nicht. Wohin das führen kann, haben die Konzentrationslager des Nationalsozialismus bewiesen, der den Kapitalismus wie Jebsen personalisiert hat (Eliten, die angeblich alles an sich reissen, wie eine jüdische Krake, wie zuletzt bei der SZ, die antisemitisch Facebook kritisierte: http://cdn1.spiegel.de/…/image-663644-panoV9free-yzlf.jpg) und Juden mit dem Kapital gleichsetzte, eben anstelle des Kapitals die Juden ausrottete, um damit den Versuch zu unternehmen, das deutsche Volk zu retten. Nicht umsonst wurde zwischen schaffenden und raffenden Kapital unterschieden.

Ein neuer Volkstribun (so nannte Goebbels einst Hitler) ist geboren, der die deutsche Seele liebkost. Der Vergleich hinkt? Hat Hitler nicht auch eine Querfrontstrategie verfolgt („Nationaler Sozialismus“)? Hat er nicht antisemitisch argumentiert? Hat er nicht gegen die demokratischen Politiker gehetzt? Katastrophen beschworen? An Emotionen und Vorurteile appelliert? Die Deutschen als passive Opfer hingestellt, die sich endlich erheben mögen? Der moderne Antisemit hat aus Auschwitz gelernt, spricht nicht mehr offen von der Ausrottung, versteckt seinen Antisemitismus hinter indirekten Schachtelsätzen, scheinbar gutem Willen wie Jebsen hinter „Frieden“ und „Veränderung“ (Siehe: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert – Von Prof. Schwarz-Friedel).

 So zieht der brave, augenscheinlich geläuterte Deutsche und moderne Antisemit gerade wegen Ausschwitz in den Krieg, wie damals Joschka Fischer 1999 bezüglich dem Kosovo argumentierte  und heute Joachim Gauck, der die historische, deutsche Schuld nicht als „Recht auf Wegsehen“ betrachten sondern vielmehr im Gegenteil verstärkt mit Deutschland militärisch eingreifen will. Jebsen muss noch wütender werden, denn er hat Konkurrenz mit all den Sarrazins („Deutschland schafft sich ab“) und Elsässers („Feindbild Familie“) dieser Nation, die auch schon sehr erfolgreich den deutschen Volkstod befürchten. Wobei die sich alle schon auf diversen Podien die Hand gereicht haben. Immer mehr Menschen „wachen auf“. Endlich heisst es wieder: „Deutschland erwache.“ Würde es doch lieber für immer schlafen.

P.S. Hier noch eine Jebsen-Kritik

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Die Verlogenheit im Hoeneß-Prozess

Laut dem Finanzministerium in Nordrhein-Westfalen wurden allein in diesem Bundesland 2013  mehr als 670 Millionen EUR durch die sogenannten Steuer-CDs eingenommen. Im selben Bundesland wurden im Februar 2014 ca. 1000 Selbstanzeigen getätigt. Laut Verdi könnten „jährlich bis zu 50 Milliarden EUR mehr“ an Steuern eingenommen werden, wenn die Finanzämter ordentlich besetzt wären. Hoeneß ist also mitnichten  „Sinnbild von Maßlosigkeit und Unanständigkeit„, sondern ein vorbildliches Konkurrenzsubjekt, welches alle persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten ausschöpft, um maximalen ökonomischen Erfolg zu haben und Ausdruck einer marktwirtschaftlichen Gesellschaft, die dieses „Streben nach Glück“ als Kernelement per Gesetz erzwingt und fördert. Es liegt kein individuelles Fehlverhalten vor, ganz im Gegenteil. Wir leben in einer Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft, die uns bereits in der Schule zeigt, dass Eigennutz das wichtigste ist, die jeden Tag tausende Menschen über unterlassene Hilfeleistung verhungern lässt, jährlich tausende im Mittelmeer ersaufen lässt, Kriege führt und weitere vor hat, demokratische Entscheidungsprozesse verweigert (interessant wird es besonders ab Minute 6) um für den Profit leistungs- und konkurrenzfähig zu bleiben. Wer treibt vor diesem Hintergrund also wirklich die „Verwilderung der Sitten in Deutschland“ voran? Hoeneß oder die kapitalistische Gesellschaft?

Sicher, Hoeneß hat sich nicht an die Wettbewerbsregeln gehalten, sie vielmehr für den Profit gebeugt. Wenn das alle machen würden, wäre die Kapitalakkumulation gefährdet, dafür wird er bestraft werden. Der brave Bürger empört sich bereits über die geringe Strafe, die für Hoeneß im Raum steht, insbesondere weil andere Mitbürger für viel weniger hart bestraft wurden oder sanktioniert werden. Aber Hoeneß ist in Freiheit für den deutschen Staat wertvoller, weil er mit dem FC Bayern München einen einträglichen Steuerzahler geschaffen hat, eine eigene Firma besitzt und reich ist. Ohne Hoeneß wäre der FC Bayern nicht derart erfolgreich und die internationale Expansionskonzepte des Clubs würden diesen Verlust nur schwer verkraften, denn dafür braucht es Experten in Schlüsselfunktionen. Gleichzeitig würde eine harte Bestrafung von Hoeneß sich auch auf die namhaften Sponsoren des FC Bayern auswirken, die eigentlich vom guten Namen, der jetzt schlechter wird, profitieren wollten. Es geht also vor Gericht nicht darum Schaden von den Menschen sondern vom Staat und der kapitalistischen Gesellschaft abzuwenden. Das Urteil wird im Sinne der Profitmaximierung gefällt, also nach genau der gleichen Priorität, wie Hoeneß seine Spekulationsgeschäfte zu tätigen versuchte. Warum sonst wurde kaum einer für die Finanzkrise verurteilt, obwohl sie allein Deutschland über 187 Milliarden EUR gekostet hat? Krisen, Betrug, „Verwilderung“ sind typisch in einer barbarischen Gesellschaft. Sie kann sich nicht für Dinge verurteilen, die ihre Identität ausmacht.

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All Hail the King: Breaking Bad

Breaking Bad bricht alle Rekorde, aber warum? Breaking Bad ist eine Geschichte über den Niedergang des modernen Menschen, den wir alle mehr oder weniger in unserem Alltag spüren.

Walter White ist ein netter, fleissiger und genialer Chemiker bzw. Chemielehrer, aber er ist trotz zweier Jobs und Überqualifizierung unterbezahlt, überschuldet, erhält wenig Achtung z.B. von seinen gelangweilten Schülern und wurde von seinen besten Freunden um viel Geld betrogen, die von seinem Wissen enorm profitiert haben. Sein Leben ist eine schmachvolle Sackgasse und dann bekommt er auch noch Krebs. Natürlich zahlt die Krankenkasse seine teure Behandlung nicht, Obamacare existiert noch nicht und Walt entscheidet sich zu sterben, weil dies das letzte und einzige ist worüber er überhaupt noch im Sinne seiner Familie bestimmen kann. Aber seine Familie überredet ihn weiter zu kämpfen und aus dieser allgemeinen sowie finanziellen Ohnmacht heraus entsteht eine unfassbare Wut, wodurch eine Rücksichtslosigkeit in Gang gerät, nun doch innerhalb kürzester Zeit das Leben zu erkämpfen, um welches man ihn bisher betrogen hatte. Er bringt seine einzigartigen Fähigkeiten in einen hochriskanten aber enorm profitablen Markt ein, wird statt Lehrer Dealer und Mörder, rutscht von der unteren Mittelschicht zum White Trash ab, verbreitet Angst, Terror und Schrecken um seine und nur seine Familie zu schützen und zu versorgen. Alles mit dem Argument keine Wahl zu haben, auch wenn ein reicher Freund, der ihn einst betrogen hatte, alles erdenkliche bezahlt hätte, – was Walter aber aus falschem Stolz ablehnte.

Die besondere Poesie hierin liegt aber zwischen den Zeilen: Es gibt die Anklage, dass die Gesellschaft sich nicht genug um ihre Kranken, Fleissigen und Cleveren kümmert, dass sie sie vielmehr betrügt, ausbeutet und ihnen keine andere Wahl als Entfremdung, Qual und Tyrannei bietet. Es gibt die Behauptung, dass man sofort Abenteuer erlebt und wirklich „reich“ wird, wenn man die festgefahrenen beruflichen Pfade verlässt, wenn man sich an diesen Zuständen rächt indem man die Regeln der Gesellschaft missachtet und sich strikt gegen sie wendet. Im Grunde genommen plädiert diese Serie für die Revolution, die Umwälzung sämtlicher Verhältnisse, die den Menschen zu einem geknechteten, unmündigen Wesen machen und zeigt, dass die Verzweiflungstat von Walter White in die Drogenszene zu gehen dagegen letztlich unbefriedigend ist. Ironischerweise ist unser Krebspatient übrigens ausgerechnet in der direkten Konfrontation mit dem Tod zum ersten Mal seit langer Zeit wieder lebendig. Was sagt das über die Lebendigkeit seiner vorherigen Jahre? Das ist eine Inspiration für uns Zuschauer, weil unser Leben jetzt ähnlich beschissen ist, wie das von Walter White kurz vor seiner Krebserkrankung, denn egal wie sehr wir uns anstrengen und einbringen, egal wieviel wir verdienen, es reicht nicht um das Leben wirklich endgültig genießen zu können und es scheint eher immer schwieriger als besser zu werden, weil soviele Menschen um den Platz an der Sonne konkurrieren. Wie oft hört man von Amokläufen, Geisel-, Familien- und Beziehungsdramen, Todesfahrten, toten Babys in Plastiktüten, Suiziden, Depressionen und Erschöpfungssyndromen etc.? wie oft bemerkt man an sich Stress, Ruhelosigkeit, Schlaflosigkeit oder Zukunftsangst?

Diese grotesken Situationen die „Heisenberg“ und Pinkman erleben, legen also Zeugnis über eine verrückte Welt ab. Es ist ein Leben am Limit und darüber hinaus. Höchste Aufopferung, Opferbereitschaft, Flexibilität, Arbeitsintensivierung, Produktivität, Austauschbarkeit: Der Mensch als Material und Zahl, seine Bedürfnisse und Gefühle haben eine geringe Priorität und er ist ein scheinbar machtloses Anhängsel der Verhältnisse, die er einst selbst geschaffen hat. Man kann nie überleben ohne in noch größere Schwierigkeiten zu geraten. Das Leben existiert als Fass ohne Boden, als eine Leere, die durch kein Geld der Welt gestopft werden kann, als ein einziger Unsicherheitsfaktor und Angstzustand, der einen unvorbereitet trifft und irrational handeln lässt. Es gibt nur noch den Überlebenskampf, aber kein Leben mehr. Das zertrümmert die menschliche Seele, Kreativität, Spontanität und Freiheit. So beginnt in der Serie eine Schwangere das Rauchen von Zigaretten, Teenager das Rauchen von Crack, Unternehmer fälschen Bilanzen, Anwälte beugen das Gesetz, Droganbarone sprengen DEA-Agenten in die Luft, trockene Süchtige werden wieder süchtig, Polizisten reißen solange Witze über Leichen bis sie arbeitsunfähig werden und Kids werden von Crackheads großgezogen: „Viel Glück für Dein weiteres Leben,“ wünscht Pinkman in einer Szene eines dieser verlorenen Kreaturen. Die drogenabhängigen, zerfallenen Prostituierten, die paranoiden Drogenbosse, die Kinder als Drogendealer nutzen, sind Gefallene. Fallen Angels gewissermaßen. Ihr Lebensmittelpunkt ist der Methpalast voller gebrauchter, infizierter Spritzen und Kondome. Warum zerfaulen diese Menschenleben wie die Zähne eines Methjunkies?

Die äußerlichen Verwüstungen sind bloß der Endpunkt einer langen Leidensgeschichte in der wir alle drin stecken. Die Verrohung erfolgt schleichend, die man im jungen, leistungsfähigen Alter kaum spürt. Mr. White spult das im Highspeedtempo ab, versteinert schließlich immer mehr und kann zwar endlich einen gewissen Stolz für seine Arbeit entwickeln, weil er das beste Meth in ganz Amerika und damit ein Produkt mit Alleinstellungsmerkmal hervorbringt, er dafür berüchtigt ist und geachtet wird, aber es verdirbt ihn. Er wird arrogant, überheblich, paranoid, unberechenbar, skrupellos und gnadenlos. Irgendwann ist er kein Lehrer, kein Amateur, kein Mittelsmann, kein Profi mehr, sondern eine gefürchtete Legende, die nur noch ihren Ruf, ihre Formel und ihr Geld hat. Er ist der herausragende Leistungsträger der alle Konkurrenten besiegt. Der ohne geschnappt zu werden sich von einem Fass zu einem Güterzug hochgearbeiten konnte, weil er all seine persönlichen Beziehungen für diesen Erfolg gnadenlos ausgebeutet hat. Je erfolgreicher er sich durch die Drogenszene mordet, durch die Gesellschaft lügt und betrügt, desto mehr verliert er den Bezug zur Realität und zu seiner Familie. Er entwickelt eine ernsthafte Unfähigkeit zur Aufrechterhaltung von vertrauensvollen Beziehungen. Selbst der Erfolg ist also ein mindestens ebenso großes Problem wie Misserfolg in der Marktwirtschaft. Menschen verkommen für White zu reinen Schachfiguren. Aber eigentlich sind wir das alle im Berufsleben: Wir sind alle austauschbar, wenn wir nicht mehr wie vorgesehen funktionieren und das macht uns tendentiell ängstlich, konformistisch, dumm, unmenschlich und beziehungsunfähig. Wie soll man auch in so einer toxischen Umgebung langfristig überleben? Walter war schon tot bevor Breaking Bad anfing. Der wahre Krebs ist die Gesellschaftsform.

Die Serie feuert also nicht nur in der Vielschichtigkeit der Figuren von Walter über Jessie, Sol, Mike bishin zu Hank, der Geschichte mit enormen Spannungsbögen und der kinoartigen Inszenierung sowie Darstellung der Darsteller bishin zu den Kameraeinstellungen ein Feuerwerk nach dem anderen ab, sie ist auch äußerst reflektiert, scharfsinnig, gnadenlos und unverstellt gegenüber der Realität. Diese authentische Radikalität macht den besonderen Erfolg dieser Serie aus. Sie ist nie plump und verlangt mit viel Charme eine Menge vom Zuschauer ab. Während andere Serien wie Lost oder Akte X nicht wissen wann oder wie sie aufhören sollen, ist bei Breaking Bad alles klar. Während die Dexter-Macher vor der Konsequenz ihrer Geschichte zurückschrecken, gibt Breaking Bad unerschrocken Vollgas. Breaking Bad macht daher süchtig wie Meth. Ich musste vor der finalen Staffel zum ersten Mal alle Staffeln davor nochmal ansehen, um alles auszukosten und im Blick zu haben. Für mich ist das ganz großes Fernsehen! Ein sich ständig steigernder Kinofilm im Serienformat, aus einen Cocktail voller Kriminalität, Gewalt, Mord, Verrat, Drogen, Sex, Sucht, Suchtbekämpfung, Witz, Armut, Reichtum, Wettkampf, Bandenkrieg, Drogenkrieg, Sozialkritik und und und…!

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Jeder ist seines Unglückes Schmied

Wir leben in einer knallharten Leistungsgesellschaft. Wer den Anforderungen nicht genügt verliert, kann seine Träume begraben. Jeder ist seines Glückes Schmied allerdings ist das weniger eine Verheißung als eine Drohung. Wer nicht funktioniert stirbt. Beruflich, sozial, kulturell und überhaupt. Arme sterben schneller. Und keiner der anderen Konkurrenzsubjekte wird auch nur einen Funken zuviel Empathievermögen für die Loser zeigen, sofern es Kraft für ihren eigenen Wettkampf kostet. Ein paar hohle Phrasen und Beileidsbekundungen hat man für die Versager immer übrig. Wenn irgendjemand nicht erfolgreich ist in der Schule oder im Job, dann hat er eben etwas nicht richtig gemacht. Und wenn der Misserfolg anhält, wenn er jammert, wie schlecht es ihm geht, dann bestätigt das nur noch mehr sein Fehlverhalten und gibt damit ein deutliches Signal an alle Kollegen, Mitschüler, Mitmenschen und Leidensgenossen ab: Haltet Euch fern von mir, ich ziehe Euch mit in den Abgrund, mit meiner Unfähigkeit Leistung nach beliebiger Vielfalt und unendlich Intensität oder Dauer abzurufen. Wer nicht den unbedingten Leistungswillen mitbringt, wird sie niemals von Misserfolg erholen können. Es wird für ihn immer schlechter laufen als gewünscht. Und da außer ihm kein personifizierter Grund für das Losertum ausfindig zu machen ist, ist er eben selbst schuld. Und damit treibt er noch weiter ab von der Leistungsgesellschaft, die erfolgreich nach unten tritt und nach oben buckelt.

Die ganze Gnadenlosigkeit und Brutalität manifestiert sich im Bild des traurigen Straßenzeitungsverkäufer, dem heruntergekommenen Obdachlosen, den verhungernden Kinder in Afrika. Egal ob relative oder absolute Armut, diese Menschen sind die abgehängten, aussortierten und überflüssigen Anhängsel einer asozialen Gesellschaft, die jeden wie Dreck behandelt, der nicht der Norm entsprechen kann oder will. Diese „soziale Ordnung“ wird von Angst bestimmt. Jeder ist austauschbar, wenn er nicht mehr funktioniert, egal wieviel er zuvor geleistet hat. Die einzige Chance besteht darin über Kumpanei, Anhäufung von Reichtümern und fachspezifischen Interna sich möglichst indisponibel zu machen. Der aufkeimende Rassismus in ganz Europa speist sich aus dieser Gewissheit heraus. Einzig die Nationalität erscheint den Rassisten als beständiger Wert ihrer Identität. Sie hätten doch als Deutsche ein Vorrecht gegenüber Ausländern ihren Arbeitsplatz zu behalten oder vom deutschen Sozialsystem zu profitieren. Aber dieser Kadavergehorsam gegenüber einer Nationalität, die sich nur über ein staatliches Verhältnis bildet und fortsetzt, basiert auf Kapitalakkumulation und damit auf der Ursache ihrer Verwahrlosigung, ihrer Austauschbarkeit, ihrem Mangel, der künstlich über die kapitalistische Gesellschaft erzeugt wird.

Und weil alle damit beschäftigt sind zu arbeiten, zu lernen, sich ganz der Verausgabung ihrer Fähigkeiten und Lebenszeit unter dem Diktat des Kapitals zu widmen, das über die gesellschaftlichen Institutionen durchgereicht wird, egal ob bei Universität, Schule oder in sämtlichen Konzernen aller Branchen, begreifen sie niemals genug, dass sie es mit ihrem Leistungsdrang nur noch verschlimmern. Wir können niemals ein reichhaltiges Leben führen, ohne Obdachlose, ohne Hungertote, ohne unsere Opfergaben am Arbeitsplatz, ohne unsere permanenten Selbstoptimierung, die von Makeup, Fitnesscenter über Teambuilding beim Oktoberfest bishin zu exzessiven Kokainkonsum reicht. Die Raserei führt zu psychischen und physischen Erkrankungen. Aber es ist auch eine unglaubliche Anstrengung sich von der gesellschaftlichen Ohnmacht nicht dumm und wahnsinnig machen zu lassen.

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Jana & Philip

Eine sechszehnjährige Tabletten- und Heroinabhängige schreibt in ihr Tagebuch: „Warum sollte ich mir das freiwillig antun? Das Leben ist eine stetig wachsende Hürde. Ich verpiss mich lieber von hier. Leben? Was hat man davon? Unsere Welt ist so hässlich, egoistisch, unfair, hart. Alle Gründe und Motivationen zu Leben zählen nicht. Und für uns bleibt Nichts. Am Ende gehen wir so oder so leer aus. Wofür strengt man sich dann an? Wir sind Mittel zum Zweck unsere Erde in Stand zu halten und dem endgültigen Ende näher zu kommen. Arbeiter fürs Schicksal. Unser Lohn ist der Tod.

Es ist wahr: Das Leben ist eine wachsende Hürde. Sie wächst simultan zum Sättigungsgrad der ohnehin schon gesättigten globalen Märkte, zur fallenden Profitrate und der daraus resultierenden Verschärfung der Arbeitsintensität, des Konkurrenzkampfes und Leistungsdrucks zuvörderst in den Betrieben und indirekt über die von der Politik erlassenen Lehrpläne in den Schulen. Mehr Lehrstoff in kürzerer Zeit, damit schneller, jüngere und leistungsfähigere Lohnarbeiter für den internationalen Wettbewerb zwischen den deutschen und internationalen Konzernen  zur Verfügung stehen. Und die Grabenkämpfe finden kein Ende, weil der Profitzwang kein Ende kennt. Arbeiten Amerikaner härter, schneller für weniger Geld, müssen wir noch härter, schneller und für noch weniger Geld arbeiten, was die Amerikaner wiederum unter Zugzwang setzt, denn ohne Verkauf kostengünstiger Produkte gibt es keinen Lohn, keine Steuern für Rente, Sozialsysteme usw. Und anstatt hiergegen Einspruch zu erheben, zu streiken, Alternativen zu erdenken, heißt es aller Orten nur: Wie können wir uns optimieren um mithalten zu können? Das sind einige gute Gründe sich zu berauschen, sich aus zu klammern, fern zu halten von einer Welt die im objektiven Sinne verrückt geworden ist.

Demnach hat sie in ihrem Vollrausch erkannt, dass die Welt so hässlich, egoistisch, unfair und hart ist, weil die Ökonomie das erfordert und von der Politik durchgesetzt wird. Und weil sie gemerkt hat, dass sie als Mensch gar nicht zählt, sondern nur ihre Leistungsfähigkeit, ihre Arbeitskraft, die Mittel zum Profit ist, und ihre ganze Persönlichkeit bloss ein Anhängsel und meistens ein Hindernis ist, will sie sich lieber verpissen und sterben. Ja, so ein Leben ist sinnlos, nicht lebenswert, es ist ein ekelerregendes und unbefriedigendes Schattendasein voller Tränen und Schmerz, Enttäuschungen und Vernachlässigungen. Mehr noch: Wir zerstören mit der Lohnarbeiterei unser Leben, das Leben der Anderen, das Leben der Tiere, der Umwelt, das Leben an sich, weil wir alles dem unendlichen Wachstum untergeordnet haben und das bedeutet: Unser Lohn ist der Tod. Das Nichts. Fatalismus und Gleichgültigkeit. Irrsinn und Barbarei. Wir gehen leer aus. Die einen sterben den Hungertod, weil sie ihren Bedürfnissen per (Un-)Zahlungsfähigkeit keine Legitimiation nachweisen können, die anderen sind zwar lebendig, aber innerlich tot, weil sie ihr Leben der wirtschaftlichen Produktivität geopfert haben. Es ist ein einziges Buckeln nach oben und Treten nach unten.

Was diese Ökonomie bräuchte, um das Leben zu erleichtern wäre ein Weltkrieg oder die Revolution. Ersteres sorgt zwischen Leichenbergen wieder für Märkte, Profit und Wirtschaftswunder. Letzteres würde Mädchen wie sie vor einem sinnlosen Herointod retten. Philip Seymour Hoffman ist an Heroin gestorben. Und er hatte alles: Ruhm, Geld, berufliche Perspektive, Talent und Charakter. Er gab nach 23 Jahren Nüchternheit der Leere in sich oder der Leere überall nach und es reichte nicht mehr um zurück zu kommen. Was ist es das die Menschen in die Sucht, in den Rausch treibt? Ein fehlfunktionierendes Umfeld, welches lieber mit dem Profit beschäftigt ist? Ein Leben, das mal so überhaupt gar nicht einem Rausch entspricht? Großartige Menschen lösen sich auf wegen einem gesellschaftlichen Verhältnis, welches eigentlich an ihrer Stelle aufgelöst gehört. Diese Schicksäler mahnen zu Demut, aber auch zu Entschiedenheit im Kampf gegen den Kapitalismus. Wieder und wieder verlieren wir Menschen und Lebensqualität. Wann haben wir es satt?

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Stadtmomente

Den ganzen Tag sitzt eine junge Frau in der Fußgängerzone und singt wunderschöne traditionelle Volksgesänge. Zwischen Auto- und Baulärm auf kaltem, dreckigem Asphalt singt sie und singt sie. Die Passanten ziehen vorbei. Sie hält einen kargen Becher vor sich. Laufend gehen Leute an ihr vorbei. Keiner sieht sie genau an, gibt ihr etwas oder unterhält sich mit ihr. Sie hält durch, weil sie muss, weil sie nicht anders kann.  An einem historischen Gebäude bei einem prächtigen Brunnen schläft ein anderer mit seinem Schlafsack keine 5 Meter vom Hauptverkehr im Zentrum der Stadt und den reichen Vierteln. Gutgekleidete, schwer beschäftigte Passanten laufen an ihm vorbei, während er ganz abgeklärt zu pennen scheint. Sein Hab und Gut steckt in ein paar alten, ausgefärbten Einkaufstaschen. Ein paar Meter weiter steht ein älterer Mann mit dreckigen und zerlotterten Klamotten vor dem Rewe City Discounter. Er zittert. Ich weiß nicht ob vor Kälte oder Krankheit. Er hat kaum Zähne im Mund und starrt ins Nichts. Er ist völlig verstummt. In der Nähe stehen ein paar Obdachlose trinken sich die Birne weg, um etwas auszuhalten, was man nicht aushalten kann. Es riecht nach Urin und Alkohol. Sie stehen direkt neben noch mehr Baucontainern.

Die Stadt macht sich fit für den globalen Konkurrenzkampf und erneuert sich selbst für zahlungskräftige Unternehmen, Touristen und andere Menschen. Diejenigen, die  Straßenzeitschriften verkaufen um nicht in ihrem Elend zu ersticken,  sind dagegen überflüssig. Sie stehen im Weg, sind unangenehm und werden ignoriert. Die Konkurrenzgesellschaft ist eine Gesellschaft des Wegsehens. Das Schwierigste ist, dass diesen Menschen nicht mit ein bisschen Kleingeld geholfen ist. Gibt man allen Kleingeld, hat man am Ende selbst Schulden, fliegt aus der Wohnung und muss betteln. Wir alle leiden unter dem künstlich erzeugten Mangel. Weil aus Geld mehr Geld erzeugt werden muss, wird relative und absolute Armut genauso Teil der Welt bleiben wie ein Alltagsleben voller Arbeitsintensivität, Stress, Zeitmangel usw. Die Nöte und Zerstörungen aufgrund dieser Profitorientierung sind in allen menschlichen Beziehungen spürbar. Wer hat das letzte Mal wirklich in den Tag hinein gelebt, ohne sich Sorgen zu müssen wie die Zukunft aussieht? Wer kann starke Freundschaften schmieden, sie jederzeit und ausgiebig pflegen? Wann hat man das letzte Mal wirklich zugehört und geredet? Wann hat man zuletzt wirklich ernsthaft darüber nachgedacht Armut, Umweltzerstörung, Krieg, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus zu bewältigen? Wann wird der Alltag jemals frei von Angst, Druck, Kampf und Unterwerfung sein?

Das ganze Leben ist eine einzige Improvisation. Freundschaften finden nur in der Freizeit für ein paar wenige Stunden statt und das ist schon der Idealfall. Viele Menschen haben völlig den Kontakt zu den Mitmenschen und sich selbst verloren. Sie reden zwar mit irgendwem, aber eben das typische Geschwätz aus den Massenmedien. Austauschbarer halbgarer Unsinn um Peinlichkeiten zu überstehen. Überhaupt ist alles Menschliche in die Ruinen der Freizeit gestopft. Sexualität, Kreativität, Schlaf, Innigkeit, Zusammenhalt, Verständnis, Freude, Müßiggang und Reflexion. Der Trubel des beruflichen Alltags lärmt nicht nur auf den Straßen, in den Büros, den Baustellen, Einkaufshäusern, Kriegsschauplätzen, sondern zuerst und am längsten in den Köpfen. Der Zerfall dessen was man als Kind gewesen ist, begründet die Karriere als funktionierende Arbeitsdrohne, die nur nur noch äußerlich einem menschlichen Wesen gleicht. Die Unmenschlichkeit ist schlimmer als jeder menschenfressende Zombie, sie ist nicht nur unersättlich, unlogisch, grausam, endlos wie eine Apokalypse, sondern eben auch verleugnet und allumfassend. Es gibt keine Fluchtmöglichkeiten vor der Heuchelei der Ideologen und ihrer Speichellecker, die nichts von ihrer eigenen Dummheit und Brutalität wissen wollen. Man ist gefangen in einer sozialen Hölle, die als Himmel verkauft wird.

Es hat sich eine Sprachlosigkeit in mein Leben gedrängt, je stärker ich dieser Gesellschaft gestattet habe wegzusehen, je stärker ich versucht habe in ihr zu funktionieren. Aber es war schon immer schlimm, denn wir alle haben von Kindheit an Prügel bezogen, wenn wir nicht funktionierten und so ein Wertechargon einverleibt bekommen, dass uns nun funktionieren lässt. Nur die faulen, unbelehrbaren Schwachköpfe zweifeln und bringen nichts zustande, weder Konformismus noch Revolution. So einer bin ich stets gewesen. Dieses Hadern, wie mit einer grauenvollen Welt umzugehen ist, während man sich selbst als Teilnehmer erfährt ist zu einem Lebensgefühl gereift, obwohl es doch eigentlich so einfach ist: Mitmachen durch Lohnarbeit, durch das Studium, durch die Schule usw. kann nicht zur Lösung beitragen, weil die Prioritäten dieser Tätigkeiten auf den Mehrwert und nicht auf dem Wohl der Menschheit beruhen. Je mehr man arbeitet desto schärfer wird der Konkurrenzkampf. Je bessere Noten man schreibt desto schärfer wird der Konkurrenzkampf.

Der größte Akt der Rebellion gegen die Leistungsgsellschaft kann nur die unproduktive Tätigkeit sein, weil sie dem Prinzip aus Geld mehr Geld zu machen völlig widerspricht. Es muss darum gehen für die Menschen zu arbeiten und nicht für ein Prinzip, dass sie aufarbeitet und zerstört. Wenn es keine radikale Opposition gegen dieses Prinzip bei den Gewerkschaften, Parteien, Arbeitern, Arbeitslosen und Armen gibt, dann weil alle einem falschen Glauben erliegen anstatt ihn endlich zu verwerfen und auf ihr Gefühl und ihren Zweifel zu vertrauen. Das naive und einfachste erscheint hier als das beste, nur so kann das andere entwickelt werden. Im freien Spiel, im Genuss, in der Freizeit, in der Muse, Ruhe und im gegenseitigen Helfen und Verstehen liegen die Keimformen einer anderen Welt. Der Staat, die Nation, das Kapital, der Wert, die daran anhängenden Insititutionen von Schule, Universität, Konzernen usw. sind nur über Unproduktivtät friedlich zu überwinden. Nicht die Arbeitslosen liegen der Gesellschaft auf der Tasche, das Geld liegt der Gesellschaft auf der Tasche und daher ist es nur legitim es nicht mit eigener Aktivität zu stärken und über das eigene Leben bestimmen zu lassen.

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Permanent Vacation

Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit und Teilnahmslosigkeit stellt sich automatisch ein, wenn man sein halbes Leben damit zugebracht hat einem fremden, anonymen Willen zu entsprechen, den wir alle über Lohnarbeit, Kapital, Nation und Staat aufrecht erhalten. Diese Gleichgültigkeit gegenüber sich selbst und allem anderen wirkt wie ein seelischer Brandsatz, der die innere Leere exponentiell wachsen lässt. Wenn die Verdrängungsprozesse der gesunden, normalen Menschen versagen, dann laufen sie Amok, verfallen in den Alkoholismus und vielen mehr, werden depressiv und irgendwann suizidal. Den Verlust von Leben ertragen sie nicht.

Die Machtlosigkeit der Menschen und Verkommenheit der gesellschaftlichen Verhältnisse überträgt sich wie ein Virus von Generation zu Generation über die Sozialisation. Mittlerweile sind unsere Probleme und Neurosen nahezu gleich, so wie unsere Leben generell. Die Schule, die Arbeit, die Rente und zwischendrin gehen wir lächelnd oder weinend zugrunde. Der fette Batzen Seelenfleisch, der uns fehlt und uns ewig unvollständig fühlen lässt, wird uns schon mit der Geburt entrissen. Keine Ahnung ob sich dieser Mangel durch verkürzte Arbeitszeiten von Eltern, damit sie so häufig wie möglich bei ihrem Kind sind, bewältigen lässt, um die letzten humanen Reste der Menschheit zu retten. Selbst dieses Detail liese sich nur mit gewaltigen Schlachten für eine geringe Periode erstreiten, bis die entfremdeten Scharen verzweifelter Elendskreaturen auch diese Errungenschaft einreissen, wie die 35 Stundenwoche.

Die Zerstreuungen des Alltags sind Krücken, um das isolierte, reduzierte Leben für Verdrängungskünstler erträglich zu halten. Kinofilme, Serien, Games, Party, Drogenkonsum sind die kulturellen Ausdrucksformen einer Gesellschaft, die das eigene Spiegelbild nicht ertragen kann. Der Rausch in Substanzen, Klängen und Bildern funktioniert eine zeitlang, bis man alles wesentliche geschmeckt, gehört und gesehen hat, die Muster vorhersehbar sind und die Sinne sich daran gewöhnt haben. Wenn das passiert ist man völlig der Leere ausgeliefert. Vielleicht hilft noch ein wenig selbstverletztendes Verhalten mit Rasierklingen oder besagten Überkonsum von Alkohol oder anderen Substanzen, einem Suchtverhalten, dass sich immer mehr zur Selbszerstörung steigert, aber am Ende ist da nur noch der Tod als einzig möglicher Rettungspunkt für die Menschlichkeit.

Wenn ein Selbstmorder sich nur tötet um den letzten Rest von Menschlichkeit in sich zu bewahren, und wir haben verdammt viele Suizide jedes Jahr, weiß man um den Zustand des alltäglichen Lebens hier auf diesem Raumschiff. Wenn ich raus gehe und mich umsehe, dann sehe ich lachende Kinder in ihren Sommeroutifts auf ihren Fahrrädern sitzen, die gerade zum See fahren, während stinkende, lärmende Maschinen an ihnen vorbeirauschen, in denen Fahrer sitzen, die sich gerade verdingen und versuchen genau das zu verdrängen. Ich frage mich wann diese Kinder anfangen zu verdrängen, wann sie verdinglicht werden, wann sie vom Monstrum gefressen und ausgekotzt werden, davon völlig schockiert, paralyisiert und verdorben werden. Wenn sie es nicht bereits tun, dann spätestens mit dem ersten Ausbildungsberuf, der sie diesem fremden Willen noch stärker als in der Schule aussetzt, den niemand kennen und abschaffen will. Sie werden tot und lebendig zugleich sein, spüren wie ihnen die Luft zum atmen bleibt, stets nach Vervollständigung suchen und scheitern. Vielleicht verlieren sie sich in Vulgarität, wie es fast alle Jugendlichen tun, mit all den wütenden Ausbrüchen und Beschimpfungen, die von deren Plastikeltern als Pubertät belächelt wird.

Wir sind offensichtlich nur Touristen auf diesem Planeten, die sich eine Weile bestimmte Dinge ansehen und dann teilnahmslos weiterziehen, zur nächsten willkürlich gewählten Attraktion. Niemals ist da ein echter Wille wirklich zu leben, es wird nur für einen Moment gekostet, es reicht schon die Ahnung davon, dieses winzige Gefühl von Hoffnung, welches uns genug Lebendigkeit für ein gesellschaftliches Funktionieren verleiht. Und die Sozilisation sagt uns, es reicht schon gesehen zu haben, wie Leben aussehen könnte. Das ist es was man ehesten und besten Fall in der Kindheit erlebt, wenn man noch nicht von den gesellschaftlichen Zwängen und Pflichten zertreten wurde, die Eltern und die Gesellschaft einem stattdessen gewisse Narrenfreiheit erlauben. Nach der Kindheit geht es nur noch abwärts. Es scheint immer häufiger so als ob wir nichtmal mehr als Touristen Zerstreuung und Ablenkung suchen können, weil die Arbeitszeiten immer weiter intensiviert werden. Dies wird zum Versagen der Verdrängungsprozesse führen und den Wahnsinn noch alltäglicher und umfassender machen, was die Häufigkeit der Amokläufe in den letzten Jahren bestätigen könnte.

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Warum die Revolution nicht ausbricht

Gleichgültig wo auf der Welt rebelliert wurde, es blieb bei einem kurzfristigen Aufschrei, der schnell in Reformismus oder Apathie unterging. Neben den üblichen inhaltlichen Verkürzungen, ist dafür auch die narzistische Kränkung in der Kindheit und im gesamten Leben verantwortlich. Niemals fühlen wir uns vollständig, aufrichtig geliebt und wertgeschätzt. Selbst wenn diese Wertschätzung kurz der Fall ist, besteht immer die Angst, es könnte bald damit vorbei sein. Stetig währt der Eindruck des Kontrollverlustes über das eigene Leben, der immer wieder aufkeimt und verdrängt wird. Dieses bedrückende Gefühl der Leere, Unsicherheit und Bedrohung scheint allgegenwärtig und unendlich.

Der Alltag ist also nicht nur von einer kalten Rationalität der Ökonomie durchzogen und definiert, sondern auch von einer Suche nach Selbstbestätigung, die jeder zwingend mehr oder weniger dringend verfolgt, weil die Kindheit niemals perfekt verläuft, weil es immer irgendwann zu einer Abgrenzung vom Selbst und Nicht-Selbst kommt, wie Freud es benannte. Irgendwann merken wir, wir sind nicht mehr im warmen, geschützten Mutterleib und dann stellt sich immer die Frage, wie man diesen Verlust von Schutz und Vertrauen wiederherstellen kann? Schliesslich lässt es sich mit diesem Verlust nicht leben. Die Kompensationen sind so vielfältig wie das Leben, Süchte nach Alkohol, Gras, Lebensmittel, Partys, Sport, PC-Games, usw. werden herausgebildet oder aber materielle Dinge, wie Geld oder Häuser angestrebt. Die gesellschaftlich am größten anerkannte Kompensationsinstitution ist einerseits im Bildungswesen und andererseits im Arbeitsmarkt verortet. Hier kann der gekränkte Mensch seine Selbstbestätigung im permanenten Konkurrenzkampf um Noten, Geld und Karriere versuchen. Die positive Identifikation mit der Arbeit, dem Wettbewerb, fördert damit die Unterstützung eines politischen, wirtschaftlichen Systems, welches irrational entgegen menschlicher Bedürfnisse u.a. vom Wertgesetz bestimmt wird.

Wenn also Brasilianer, Spanier, Deutsche, Engländer oder Chinesen protestieren, dann protestieren sie um gehört zu werden anstatt die Welt selbst zu machen, die ihren Bedürfnissen eher entspricht. Sie verorten die Fähigkeit, die Dinge zu verbessern im Staat oder in der Politik, die stets vorallem damit beschäftigt sind, den Reichtum der Nation zu mehren, also eine der Ursachen für ihr Elend darstellen (Kapitalakkumulation anstatt Bedürfnisbefriedigung). Einerseits fühlen sich die Individuen nicht mächtig genug, andererseits identifizieren sie sich mit Verhältnissen, die sie aussaugen, krank machen, benachteiligen und von den Reichtümern ausschliessen, die sie selbst hervorgebracht haben. Wenn fundierte Kritik gegenüber unserer Ökonomie stattfindet, dann hört dies das gekränkte Individuum nicht gerne, denn die fundierte (namentlich Marx, Adorno) Kritik besteht darin, Dinge wie Staat, Kapital, menschenfressenden Wettbewerb, Geld und andere Fetische abzuschaffen, – Dinge, die das gekränkte Individuum dummerweise als Selbstbestätigung braucht, um die Leere usw. zu ertragen. Die meisten Sozialprotestler wollen bloss vom Staat in die Arme geschlossen werden, um sich wieder wie ein Baby im Mutterleib fühlen zu können.

Vor ein paar Wochen habe ich darüber geschrieben, dass die US-Serie Walking Dead mit all ihren Zombies unserer eigentlichen Realität gar nicht so fern ist. Denn einerseits praktizierten wir eine Ökonomie, die uns zwingt, die globalen menschlichen Bedürfnisse gegeneinander auszuspielen, was in Afrika Hungertod und in Europa Arbeitsplätze bedeutet, und andererseits lieben wir es diese Zerstörung der Menschen und der Umwelt zu vollziehen, denn wir gehen im Konsum, in Arbeit, Staat und Kapital auf, wodurch wir es gewissermaßen geschafft haben, die eigene Leere erträglich zu halten, auch wenn die Zahl der psychischen Erkrankungen weiterhin wächst. Daher bricht die Revolution nur aus, wenn bei Sozialprotesten mit diesen Fetischen Schluss gemacht wird. Zunächst müssen Lohnarbeiter aufhören ihre wirklichen Gefühle zu verdrängen, bevor sie erkennen können, welche Katastrophen sie durch diese Verdrängung alltäglich anrichten. Blanke sachliche Argumentation, die sich gegen die Irrationalität der Ökonomie richtet, wird diese gekränkten Individuen nicht überzeugen, schliesslich hängt ihre Identität daran.

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Das Wahlprogramm der Antipartei 2013

Die nachfolgenden Reformen sollen Armut, Hunger und irrationale kollektive wie individuelle Belastungen für immer abschaffen. Anstelle von Verzicht und Ausschluss rückt die Steigerung der Lebensqualität und Mitbestimmung aller. Die Bevölkerung muss sich endlich von dem Gerümpel befreien, an dem sie sich aus purer Ängstlichkeit, Dummheit oder Ignoranz klammert, damit sie endlich ihre Bedürfnisse befriedigen kann.

1. Die Antipartei hat langfristig das Ziel sich selbst abzuschaffen, weil Politik ein Übel ist und für die Verkehrtheit der Welt steht. Im Parlament verhandeln die Parteien lediglich Kapitalinteressen und eigene Machtkalküle. Die Parteien kommen ihrem eigentlichen Zweck nicht nach und wollen ihm auch nicht nach kommen, deswegen sind sie wie das Parlament zugunsten der direkten Demokratie abzuschaffen. Gemäß dem Rätemodell wird auf Kommunenebene digital und/oder persönlich wöchentlich über alles durch die Bevölkerung abgestimmt. Es gibt keine Führer oder Vertreter mehr, sondern jeder Mensch hat sich seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu stellen. Das Rätemodell steuert den Staat, bis geklärt ist wie mit ihm weiter zu verfahren ist. Damit die Bevölkerung nicht überfordert ist, wird in der Schule dementsprechend auch fachlich darauf eingegangen. Rechtsradikalismus, Nationalismus, Antisemitismus, Homophobie, Verschwörungstheoretisches, Trollgehabe, Führerkult, etc. muss in dieser Diskussionskultur abgelehnt bzw. überwunden sein.

2. Übertragung der Eigentumsverhältnisse von Arbeitsplätzen an die arbeitende Bevölkerung. Jeder Lohnarbeiter muss mit dem Arbeitsvertrag Unternehmensanteile bekommen. Größe des Anteils ergibt sich aus der geleisteten bzw. zu leistenden Arbeit. D.h. wenn 999 Mitarbeiter existieren und ein weiterer hinzukommt, erhält jeder 1 von 1000 Unternehmensanteilen, wobei dessen Größe und Bedeutung sich aufgrund der Leistung des Eigentümers und Arbeiters von Abrechnungszyklus zu Abrechnungszyklus verkleinern oder vergrößern kann. Ziel dieser Maßnahme ist die Abschaffung der auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich. Die Anteile geben allen Arbeitern die Möglichkeit Entscheidungen über ihre Firma und ihren Arbeitsplatz zu treffen. Mit einem Schlag würden die Vermögen z.B. der Quandts auf sämtliche Mitarbeiter von BMW umverteilt und endlich eine leistungsgerechte Entlohnung stattfinden. Die Arbeiter erhalten die Kontrolle über ihr Leben zurück. Momentan werden sie rausgeworfen, wie es die Marktsituation für die Profitmaximierung erfordert.  Die Vermögen aus Unternehmensbeteiligungen fliessen also zur Bevölkerung zurück und werden entsprechend für Soziales investiert.

3. Abschaffung der Profitmaximierung als Handlungsmaxime in der kapitalistischen Produktion zugunsten der Bedürfnisbefriedigung:  Die Produktion findet nur noch zur Befriedigung der Bevölkerung statt, d.h. es wird das produziert wofür tatsächlich auch eine Nachfrage besteht. Um die Reproduktion der Bevölkerung und den Austausch der Güter effizient zu gestalten, muss ein Markt etabliert werden, auf dem sich Produzenten und Konsumenten treffen. Wenn jemand etwas haben will, muss er das z.B. über eine virtuelle Plattform anmelden, damit die Produzenten dies zu einer bestimmten Frist  produzieren und liefern können. Hierdurch entfällt die Überproduktion, es wird nur das produziert was benötigt wird und frische Lebensmittel werden nicht mehr weggeworfen, Elektroartikel erhalten keine Sollbruchstellen mehr, da nicht ständig der Absatz künstlich für Profite erhöht werden muss usw. Die unternehmerische Freiheit bleibt erhalten, jeder kann Innovationen entwickeln, die das Leben erleichtern, verschönern oder anders verbessern allerdings muss es dafür auch Abnehmer finden.  Die Steuereinnahmen werden steigen, da durch die Abschaffung der Profitmaximierung keine Milliarden mehr an den Fiskus vorbeigeschleust werden müssen.

4. Abschaffung der 40 Stunden Arbeitswoche zugunsten der 4 Stunden Woche: Die Produktivität ist von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer weiter gestiegen. Die Entwicklung des Niedriglohnsektors ist nicht nur ein günstiges Ausbeutungsverhältnis für das Kapital, sondern ein Hinweis auf die Produktivitätssteigerungen, die endlose Arbeitstage überflüssig gemacht haben. Es gibt mehr als 4 Millionen Arbeitslose in Deutschland, würde sich die Produktion anhand der Bedürfnisse ausrichten, könnten Arbeitslose zu diesem Zweck eingestellt werden, wodurch enorme Arbeitszeitverkürzungen möglich werden. Somit hätte Arbeit keinen endlosen, krankhaften Charakter, sondern bloss die Notwendigkeit, die der Austausch von Waren durch Mensch und Natur erfordert. Wer mehr arbeiten will, darf das und wird mit größeren Anteilen am Betrieb beteiligt, wobei aber niemals mehr als 49% erreicht werden kann, sonst käme es zu einer Monopolisierung von Unternehmensanteilen, und damit einer Konzentration von Reichtümern bzw. Macht, die sich negativ auf die anderen Arbeiter auswirken muss. Gibt es weiterhin arbeitslose Menschen, sollte man mit ihnen darüber nachdenken, ob sie arme Länder bzw. Kontinente wie Afrika aufbauen wollen, damit auch dort Wohlstand stattfinden kann.

5. Abschaffung des Notensystems in der Schule: Anstatt von reiner Leistungsmaximierung wird in der Schule der vorwiegend Erkenntnisgewinn und die Charakterbildung stattfinden. Schüler sollten wählen dürfen worauf sie die Lernschwerpunkte setzen. Natürlich müssen sprachliche, mathematische, gesellschaftliche Grundlagen verstanden werden, aber das Leben soll nicht mehr von einer schlechten Note in einem Fach abhängen, welches einem nicht liegt. Menschen sind unterschiedlich, haben unterschiedliche Bedigungen bei denen sie aufwachsen, es ist absurd alle in ein Schema pressen zu wollen. Das Lehrpersonal, die Unterrichtsmaterialien müssen systematisch erweitert werden. Studiengebühren werden abgeschafft, stattdessen erhalten Studenten Gehalt, weil Wissen und Reflektion die Zukunft aller Gesellschaften ist. Finanzierung ergibt sich u.a. aus Punkt 2, 3 und 6.

6. Abschaffung der Bundeswehr und des Geheimdienstes:  Derzeit ist der Etat der Bundeswehr größer als der Etat für Soziales. Der Zweck der Einrichtung ist Mord und Totschlag. Im Zuge des NSU hat der Geheimdienst seine Überflüssigkeit bewiesen. Insofern ist eine Abschaffung dringend notwendig. Andere Nationen sollten diesem Beispiel folgen und ihre Waffen ebenfalls entsorgen, um unser aller Wohl. Die Gelder werden anstatt in Drohnen usw. in Schulen, Krankenhäuser, Altersheime, Kindergärten usw. investiert und das Personal entsprechend für den allgemeinen Markt freigegeben, wodurch sich erneut Arbeitszeitverkürzungen für alle ergeben werden.

7. Was kostenlos werden soll: Kostenlose Armen-, Kranken-, Behinderten- und Rentnerversorgung mit reichlich Fachpersonal. Wohnen und öffentliche Verkehrsmittel sind ab sofort ebenfalls kostenlos. Verwaltung der Armen- Kranken-, Behinderten- und Altershäuser, Mietwohnungen, Immobilien übernehmen die verschiedenen Räte in den Kommunen. Nahrung, Gesundheit, Ruhestand, Wohnen und Mobilität sind zutiefst menschliche Bedürfnisse und müssen dementsprechend besonders geschützt werden. Asylbewerber sind per se aufzunehmen und wie alle anderen mit Wohlstand zu überschütten. Finanzierung ergibt sich u.a. aus Punkt 2, 3 und 6.

8. Abschaffung der Atomkraftwerke zugunsten regenerativer Energien. Der Atommüll ist eine Bedrohung für alle kommenden Generationen und sämtliche Rohstoffe sind begrenzt, deswegen muss auf regenerative Energie gesetzt werden.

Umsetzung wäre noch dieses Jahr möglich, wenn die Antipartei existieren und über 50 Prozent der Stimmen erhalten würde.

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The Walking Dead

Ich wünsche mir eine Zombieapokalypse, weil es das Leben aufrichtiger und übersichtlicher machen würde. Die Jagd nach Geld, Jobs und einem besseren sozialen Status auf Kosten anderer Menschen wäre beendet. Die lärmende, stinkende, giftige Industrie des menschlichen Krebsgeschwürs auf Kosten der Natur und aller Lebewesen würde den stöhnenden, trotteligen und langsamen Zombies weichen, die leicht mit einigen Kopftreffern auszuschalten wären. Das Endzeitszenario mit einer Gruppe von Überlebenden, die gegen Massen von Untoten vorgeht, ist längst das Alltagsempfinden von Millionen Menschen im gegenwärtigen wirschatlichen System. Jetzt hat man auch nur seine Familie und eine handvoll vertrauenswürdiger Freunde mit denen man allein, jeder gegen jeden, im permanenten Konkurrenzkampf um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse kämpft, und gibt gleichermaßen vor, es sei Ausdruck von Fortschritt, Wohlstand und Zivlisation. Das Recht des Stärkeren und die Verlogenheit unserer Gesellschaft lässt sich leicht an den täglichen Bergen von Hungertoten ablesen, die neben den Bergen von verschwendeten Lebensmitteln entstehen. Längst zerfleischen wir uns als Menschheit gegenseitig bei vollem Bewusstsein, während wir in modischen Klamotten in hippen Clubs tanzen, mit unseren polierten Fahrzeugen durch die Betonwüsten fahren und auf Flirtportalen nach dem nächsten Geschlechtspartner suchen, welcher genauso beliebig gewählt wie ausgetauscht wird. Ich tausche gerne meine 40-50 Stunden Arbeitswoche gegen ein paar Stunden Zombies zertreten und Vorrätebeschaffung, denn ich gewinne dadurch meine Mündigkeit und Autonomie zurück. Es würde auch mehr Gerechtigkeit herrschen, denn niemand stirbt mehr weil es ein gesellschaftliches Prinzip so will, welches sich verselbstständigt hat und nur noch durch religiösen Fanatismus überlebt, sondern aufgrund einer natürlichen Katastrophe: Der Zombies. Lieber lasse ich mich innerhalb weniger Minuten zerfetzen, alsdass ich die Bitterkeit eines anonymen, machtlosen Arbeitslebens in mir trage, die in jedem von uns Einzug hält, wie ein Tier, das einst in die Gedärme kroch um dort zu sterben. Dieser verderbliche Geruch hat alle Hoffnungen und jeden Mut für Veränderungen erstickt. Von der Pest betrunkene, verzerrte Körper und Gesichter schleppen sich in U-bahnen, Autos, Bussen und auf Rolltreppen zu Arbeitsplätzen, um mit dem Schritt über die Schwelle des Unternehmergeländes eine Lohnsklavenmaske aufzusetzen, die die Apologeten, Priester und Missionare unseres kapitalistischen Systems, aber auch die Werbebranche, die Schule, die Eltern und ihr Umfeld ihnen angedichtet hat. Tagtäglich werden lustige Dinge für Wesen hergestellt, die unglücklich sind. Das Blut ist aus unseren tapferen Lohnarbeitern geronnen, längst ist von ihrer Menschlichkeit nur noch ein kümmerliches Häuflein übrig, den Zombies gleich, – deren einziger Antrieb anstelle von Menschenfleisch Geld ist. Die Überlebenden der Zombieapokalypse müssen sich nicht mehr für einen irrationalen Selbstzweck aufreiben, sondern nur noch für das persönliche, reale Überleben von ihnen und ihrer Gruppe, während unsereins sich bei niemanden seiner Solidarität sicher sein kann, weil in unserer Gesellschaft Geld mehr zählt als eine tiefe menschliche Bindung und dieser Umstand jegliche Empathie erstickt hat, wie sonst wäre die Schoa möglich gewesen? Es gäbe keine Illusionen mehr, man wüsste, jeder Fremde muss erst beweisen, dass er ein Freund ist indem er sein Leben für den Anderen riskiert. Der Tod der anderen wäre permanent präsent und nicht verschüttet unter dem Lärm von Partys, Autos, Industrie, Medien, politischen Reden, der strebsamen Arbeiterhände und Meetings in Konzernzentralen. Wir würden alle als Wunden offen liegen, die Welt mit unserem Blut überschütten und nicht mehr nur einige von uns.

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Charakterlose Arbeitsdrohnen

In letzter Zeit kommen mir destöfteren die funktionstüchtigen Arbeitsdrohnen unter, die sich durch eine hohe Zuversicht innerhalb der Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismen unseres Bildungs- oder Ökonomiesystems auszeichnen. Sie ordnen dem Ziel der Bestnote (bzw. Bestquote in Sachen Leistungseffizienz) das gesamte Privat- und Arbeitsleben unter. Ihre überdurchschnittlichen Resultate werden wahlweise mit Respekt, Erstaunen, Neid oder Spott von anderen Konkurrenzsubjekten aus dem direkten Umfeld quittiert. Dieses hohe Maß an Selbstdisziplinierung und -aufopferung für derartige Spitzenleistungen äußert sich auch in der Ästhetik, wo jedes Detail außerordentlich kritisch betrachtet wird. So kommt es, dass dürre Einser-Schreiberlinge jedes Gramm Fett als 10kg Fett diffamieren und wahrnehmen. Perfektionismus durchzieht also durch und durch diese Leiber, der im Stil mal verbissen, mal zuversichtlich oder beschwingt vollzogen wird.

Mit einer unheimlichen Selbstverständlichkeit werden die Vorgaben angenommen und solange wiederholt bis sie hochprozentig sitzen. Die Einserschüler und Sechserschüler teilen sich dabei aber vorallem die kritiklose Annahme unseres Bildungssystems, wodurch schon eine passende Grundlage für die Annahme der späteren Anforderungen im Berufsleben angelegt wird. Die Institutionen unserer Gesellschaft erscheinen als Naturgewalten, die gleichsam akzeptiert und bewältigt werden müssen, obwohl Schule und Beruf vom Menschen geschaffene gesellschaftliche Verhältnisse sind und dementsprechend umwälzbar wären. Dieses Diktum wird von Politik, Ökonomie, den Eltern, den breiteren und engeren sozialen Umfeldern immerzu von der ersten Klasse bis ins Grab wiederholt, bis es sich in der Seele des Menschen verpflanzt, und an künftige Generationen als ewiger Kreislauf weitergegeben werden kann.

Die Noten, die Zeugnisse, die Qualifikationen für den Arbeitsmarkt oder am Arbeitsmarkt, also die geistigen und körperlichen Attribute und Leistungsnachweise, beweisen die Fähigkeit und Willigkeit, die Konformität in allerhöchster Qualität und Quantität zu leben. Die Persönlichkeit findet sich in den Noten wieder, findet darin das eigene Selbstwertgefühl, weshalb man sagen könnte, dass die eigene Wertigkeit sich vollständig aus der Leistungsfähigkeit ergibt, und nicht mehr aus einer Geisteshaltung, Lebenseinstellung oder eines bestimmten Charakters. Der Mensch wird im Bildungs- und Ökonomiesystem zu einem charakterlosen Konkurrenzsubjekt degradiert, obwohl die bürgerliche Setzung Emanzipation und Mündigkeit über Humboldt, Kant und anderen als Ideal vorgibt. Dieser Grundwiderspruch zeigt sich dann auch im Leistungsgefälle: Sechserschüler verlieren an Lebensqualität, verlieren sich in Apathie, Lethargie, Verzweiflung, während Einserschüler die bereits genannte Verbissenheit, Beschwingtheit oder Zuversicht praktizieren. Beide Extreme sind allerdings sozial voneinander isoliert.

Während jene die als Verlierer des Konkurrenzkampfes in der Schule oder im Beruf Hilfe bräuchten, weil sie durch geringere Einkommen auch weniger an der Gesellschaft teilnehmen können, und sich ihr Selbstwertgefühl genauso aus der Leistungsfähigkeit und Würdigung ergibt, erhalten sie diese nicht, weil diejenigen, die als Gewinner des Konkurrenzkampfes Hilfe geben könnten, damit beschäftigt sind, ihr Selbstwertgefühl über weitere Erfolge zu erhöhen. Die Sechserschüler isolieren sich, die Einserschüler isolieren sich, die Lebensqualität ist so unterschiedlich wie Tag und Nacht, beide Gruppen treffen nie bewusst aufeinander. Und wenn doch, dann kommt es eben zu Äußerungen von Bewunderung oder Neid. Demnach sorgen die gesellschaftlichen Institutionen für eine Eigendynamik, die die ohnehin schon unterschiedlichen Menschen zusätzlich über ihre Leistungsfähigkeit und -bereichtschaft bewertet, definiert und trennt. Kommunikation findet darüber letztlich nicht statt, vielmehr kommt es zu einer Verklärung der Leistungsträger innerhalb der Gesellschaft, die dann auch entsprechende Gehälter beziehen, die wiederum nicht zu den Benachteiligten oder Herausgefallenen zurückfliessen, schliesslich herrscht in der Marktwirtschaft auch ein gewisses Maß an Selbstverantwortlichkeit, wie es Romney im US-Wahlkampf stets äußerte.

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Stiller Abstieg

Ein alter Arbeitskollege schreibt mir eine E-Mail. Er ist mittlerweile 30 Jahre alt, hat eine Frau und ein zweijähriges Kind. Damals war er mein Vorgesetzter und hatte genug Geld für Auto, Computer und Partys. Das letzte was ich von ihm hörte war, dass er seinen alten Job geschmissen hat und etwas neues machen wollte. Nun schreibt er aber: „Es tut mir leid dich bitten zu müssen, ob Du mir irgendwie helfen kannst. Mir geht es finanziell sehr schlecht, habe meinen Job verloren. Hast Du vielleicht die Möglichkeit mich bei (beliebige Firma einsetzen) zu empfehlen? Wenn mir nicht bald etwas einfällt müssen wir aus der Wohnung raus, weil wir die Miete nicht mehr bezahlen können.“ Man kann jetzt sagen es war naiv von ihm ein Kind zu zeugen und dann nicht ordentlich gearbeitet zu haben, aber diese Schicksäler sind im Kapitalismus vorprogrammiert. Wer nicht ständig hochflexibel schuftet und funktioniert, der darf auch nicht konsumieren oder auf ein halbwegs erträgliches Leben hoffen, denn dann ist er nur noch ein ungerechtfertigter Kostenfaktor, der keinen Profit abwirft, und damit völlig überflüssig. Dementsprechend fühlt sich das betroffene Subjekt. Zukunftsängste und Schuldgefühle treiben nun meinen Kollegen in den Wahnsinn. Er weiß nicht wie er seinem Kind etwas bieten soll, wie er und seine kleine Familie zurecht kommen sollen, was nur noch durch die Schuldzuweisungen an die eigene Person übertroffen wird. Da mir natürlich auch nicht das Glück zuteil wurde ein Millionenvermögen geerbt oder „verdient“ zu haben, und kein Ausbeuterbetrieb bzw. Konzern auf meine Meinung hört (wäre ja noch schöner), bleiben mir nur die üblichen Informationen, wie man hierzulande an Geld kommt: Teilzeit- und Zeitarbeitsjobs, die am ehesten noch Menschen wie ihn nehmen, die einen ordentlichen Bruch im Lebenslauf haben. Seine Naivität hat auch eine ideologische Grundlage, schliesslich hatte er bislang auf der Sonnenseite gelebt, musste zumindest nicht auf jeden Euro achten, und konnte den Sprüchen der Politik von der sozialen Marktwirtschaft glauben, weil er nach der Schule direkt einen Ausbildungsbetrieb fand, der ihn hinterher auch für einige Jahre übernahm. Sein Leben funktionierte trotz aller kapitalistischen Zwänge. Jetzt lernt er auf die harte Tour wie unsere Ökonomie für die Verlierer des Marktes funktioniert. Inwieweit das zur Reflektion oder Rebellion führt ist natürlich schwer zu sagen, vorallem wenn er horrende Verantwortung für sein Kind hat. Ein Kind soll um die 250 000 EUR bis zum 18. Lebensjahr kosten, dieses Geld will erstmal erworben sein. So ein sozialer Abstieg verläuft still und heimlich neben den saufenden, jubelnden und paarungswilligen Partygängern, den gesunkenen Arbeitslosenzahlen und den horrenden Reichtümern auf der Welt. Man sieht an solchen Schicksälern genauso vorbei, wie an den Obdachlosen auf der Straße oder den Hungernden in Afrika. All das gilt als Normalität, als Verschulden des Einzelnen, die Realität wird umgebogen damit man selbst weiterhin funktionieren kann, wie man es gewohnt ist.

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Trivialisierung des Lebens

Man ist auf ständiger Suche nach einem qualitativeren Ventil, welches einen aus dieser grausamen Welt entlässt, die ja vorallem Verletzungen, Enttäuschungen, Zurückweisungen, Hürden, Fallen und Schmerzen aufbietet, insbesondere wenn man sich zurecht finden will, wenn man normal und angepasst sein will. Wer funktionieren will in einer Welt des ständigen Konkurrenzkampfes, der permanente Vergleiche und Selbstdisziplinierung sowie -konditionierung aufzwingt, der also dem unerreichbaren Idealismus unserer modernen Gesellschaft entsprechen will, wo Leistung, Stärke und Jugendlichkeit mehr zählt als alles andere, der kann selbst bei großer Gesundheit nur irgendwann mit psychischen und physischen Schwierigkeiten und Erkrankungen rechnen. Die Vernichtung der Welt durch unser ökonomisches und politisches System fängt bei uns als bewusstlose Täter an, die als Arbeitnehmer glauben, einen sinnvollen Dienst innerhalb der Menschheit zu verrichten, auch oder gerade weil es ihnen soviel Kraft abverlangt und Schmerzen bereitet. Allerdings ist das ein Trugschluss, der keine Hinterfragung erfährt, weil man die Profitmaximierung der Ökonomie und Politik zu seiner persönlichen Sache macht, schliesslich fand bereits in frühester Jugend eine kontinuierliche Identifikation mit dementsprechenden Werten statt.  Diese Diskrepanzen zwischen eigener Empfindung und gesellschaftlichen Ansprüchen, die am ehesten noch in der Pubertät für die meisten Menschen gewahr werden, können dann nur noch als lästig empfunden werden. Denn man will sich gut fühlen und nicht den Eindruck haben, man sei nicht funktionstüchtig und damit nicht wertvoll oder liebenswürdig. Wer erinnert sich nicht an das Erlebnis schlechter Noten, Zeugnisse, Bewerbungsgespräche usw.? Wer weiß nicht wieviele Härten man im beruflichen Alltag überstehen muss damit man am Ende des Monats eine überlebensnotwendige Kapitalspritze erhält? Da schwindet das Herzblut bis zum Infarkt.

Damit das Erlebte ertragen werden kann, schafft man sich Ereignisse in denen man diese Konflikte, Entbehrungen und Schmerzen nicht mehr spürt. Wo einem nicht ständig angetragen wird unendlich mehr zu leisten, ständig verfügbar und flexibel zu sein und die eigenen Gefühle sowie charakterlichen Eigenheiten auszublenden. Am wolligsten fühlt es sich dann im Bereich des Entertaiments an, wo Filme, Fernsehen, Musik, Spiele und Partys  mit all ihren Genres und Facetten einem gewissen Unterhaltungsfaktor entsprechen. Filme bieten eine ideale Reflektionsfläche für die Träume und Sehnsüchte, die man im realen Leben nicht erfüllt sieht. Natürlich gibt es auch Dokumentationen oder Filme die mit einem gesellschaftskritischen Kontext aufwarten, aber sie gehen in ihrer Kritik oft nicht weitgenug und gefallen sich bloss in ihrer Position. Ähnlich im Fernsehen, welches aber gleichzeitig als Vergleichsvehikel dafür dient, was normal ist, was gesellschaftlich geachtet oder geächtet ist. Die systematische Sezierung  von adipösen Menschen bei Scripted Reality Shows, das aufgeblähte zelebrieren von Konkurrenzsituationen bei Casting- und Talentshows, die pseudointellektuellen Idealisierungen gesellschaftlicher Zustände in Talkshows, die entweder einen politischen oder boulevardesken Tonfall haben, bieten neben den ganzen Comedyformaten, die auch bloss mit billigen Klamauk die Isolation in der  Konkurrenzsituation und die daraus resultierende Seelenpein für ein paar Sekunden verdrängen sollen, also ein umfassendes Programm, um Ablenkung und Zerstreuung von einer Ordnung zu bieten, die die Menschen längst nicht mehr verstehen oder gar unter Kontrolle haben.

Die junge Generation führt es beim Zocken oder mit ihren trivialen Youtubevideos vor. Da wird zwar genau das reproduziert was ohnehin gesellschaftlich üblich ist, nämlich wer ist der beste Zocker, wer hat am meisten Erfolg in einem Game, allerdings wird der soziale Raum als wesentlich unproblematischer verstanden als es in der Realität wahrgenommen wird. Man konkurriert nämlich unter Freunden und es geht nicht um das Leben sowie dessen Qualität, wie im Berufsleben, sondern nur um den Spaß am gegenseitigen messen und ausprobieren. Dabei ist es auch egal ob etwas erschossen, zermetzelt oder konstruiert wird. Hauptsache man kann sich vom alltäglichen Leben distanzieren, welches einem eh immer nur über anonyme, abstrakte Herrschafts- und Machtverhältnisse dieselben absurden Anforderungen aufzwingt. Leute die süchtig nach Zockereien sind, wollen genau diesen Umstand permanent aufrechterhalten, weil sie eine massive Überforderung oder Ablehnung gegenüber der Schule, dem Beruf oder dem Privatleben empfinden, was ja auch seine Legitimität hat. Gesellschaftlich anerkannt und wesentlich gesünder wird dann das „Lets playen“ auf Youtube praktiziert, wo irgendein stumpfsinniger Müll über das eigene Gezocke als Tonspur drüber gelegt wird, und sich so mancher dieser daddelnden Erzähler einer hunderttausendfachen Zuschauerschaft erfreuen darf.  In Youtubevideos werden dann die Formate aus dem Fernsehen übernommen, trivialer Comedydurchfall wechselt sich mit Analysen über Schminke, Musik und Musik an sich ab. An Popularität erfreuen sich gerade jene, die besonders viel von diesem Müll fabrizieren. Alles was Abwechslung bietet, was technisch hochwertig ist, was sympathisch wirkt, wird also seine Fangemeinde finden, egal ob auf neuen oder alten Medien.  Die Partys sind Ausdruck der Vorstellung, man müsse sein Leben geniessen und als Selbstzweck feiern. Wer soviel jeden Tag arbeitet, der müsse sich auch etwas gönnen und etwas für sich tun. Dementsprechend tingeln vermutlich Millionen jedes Wochenende in die Hallen von Discotheken, Clubs, Bars, was auch immer, wo die Kehlen befeuchtet werden, nicht unbedingt um im Koma zu landen, aber um eine gewisse Druckerleichterung zu verspüren, wo man ebenfalls wie beim Zocken, beim Youtubevideos gucken, einen Abstand zum harten Alltag gewinnt, der dadurch natürlich keine nähere Betrachtung erfährt.

Was lässt sich also zu diesen ganzen Beschäftigungen letztlich zusammenfassend sagen? Die Freizeit wird mit besagten Zeitfressern befüllt, weil diese Aktivitäten sich nicht um den Großteil des eigentlichen Lebens kümmern und auch nicht um die alltäglichen Katastrophen, die darin und im beruflichen, schulischen Alltag angerichtet werden. Man lebt ein konformes Funktionieren im Getriebe der kapitalistischen Gesamtmaschinerie, erfreut sich sozusagen an den eigenen Fähigkeiten, die man durch die Entfremdung erarbeitet hat, trotz aller Verluste und Ängste, weil man nachwievor existiert, weil man mit Zweckoptimismus agiert, weil alle genauso funktionieren, und der Konsum von allerlei Produkten jeglichen Kot versüsst. Jeden Tag gibt es neue Songs, neue Filme, neue Clips, neue Clubs, neue Technik, neue Produkte, die einem die Mittel fürs Einrichten in ein unmenschliches Gefüge bieten sollen. Der Mensch verfügt nicht über sein Leben, er sitzt darin wie in einem Auto, welches aber der Kapitalmarkt und nicht er selbst lenkt, und empfindet den Blick aus dem Fenster als Freiheit, das betätigen der Hupe als Akt der Rebellion und die Wahl der Sitzfarbe als Individualität usw.  Der Antrieb dieses imaginären Mobils ist das Kapital, welches sich als Hauptantriebsfeder immer wieder den Planeten und den Menschen einverleibt, verdaut und auskotet, über seine Freude an der Konformität, seiner Identifikation mit seiner Sozialisation und Tradition, die ihm kein anderes Leben mehr vorstellbar macht, als das Leben im Kapitalverhältnis, obwohl er hier nur als Sklave und Diener fungiert, was er nur aushält, wenn er sich selbst verdrängt und gesellschaftlich erwünschte Rollen einstudiert und praktiziert. Die Reduktion des Lebens auf Leistung und Konkurrenz findet gerade im Freizeitverhalten seine wildesten Blüten. Blüten, die allerdings eher selten zu einer tatsächlichen Rebellionen gegenüber bestehenden Zuständen führt. Pubertäre Kämpfe führen kaum zu einer Selbstreflektion und Reflektion gesellschaftlicher Zustände. Vielmehr wird in der Mehrheit der eigene Zweifel, werden die ganzen alltäglichen Konflikte als Mangel der eigenen Persönlichkeit wahrgenommen, die unbedingt abgestellt gehören. Die Gläubigkeit in die Richtigkeit unserer Gesellschaft, trotz zehntausender Hungertoten täglich, trotz zigtausender Quadratkilometer Rodungen, trotz zig hunderter Arten die täglich ausgerottet werden usw, ist ein Zeichen für den Mangel an Aufklärung.

Auch die Kommunikation hat sich unlängst verändert. Da findet die Kritik an solchen Lebensinhalten keine größere Beachtung, einerseits weil die Präsentation nicht stimmt, andererseits weil es zu anstrengend geworden ist ein paar Absätze zu lesen, die einem nicht gleich Glücksmomente wie aus dem üblichen Konsum liefern. Die permanenten Herausforderungen in der Schule und in der Arbeit sorgen also für eine Ablehnung von Anstrengung im privaten Leben, weil die Belastungen gestiegen sind und die Reproduktion der eigenen Kräfte nur noch über möglichst große Abstandgewinnung in der Freizeit möglich ist. Der Erfolg des Fernsehens, von Hollywood, von der Gamingindustrie, der Musik, den Partys usw. erklärt sich aus dem Elend im beruflichen Leben bzw. in der Ökonomie. Man hat keine Zeit mehr, man muss ständig Weterbildung betreiben, und Sicherheiten nehmen eher ab als zu, da die Konkurrenz stetig wächst, weil sämtliche Nationen weltweit Anschluss am Weltmarkt finden. Demzufolge sind Exzesse wie das Komasaufen nur ein verzweifelter Versuch, Abstand gegenüber einer ökonomischen Realität zu bekommen, die einem immer weniger charakterliche Eigenheiten durchgehen lässt. Das Maß an Konformität, welches verlangt wird um höchste Profite erlangen zu können, nimmt also mit der wachsenden Konkurrenz zu, weil es eben immer schwieriger wird Produkte abzusetzen, ganz besonders dann, wenn Mitarbeiter nicht zielgerichtet arbeiten können. Der Mensch wirft sich in eine Ordnung hinein, die ihn und seine Umwelt widerum ins Chaos stürzt, weil sie ihn nur als Mittel für Profite benutzt. Ursprünglich dachte der Mensch einmal, er sei es, der von Profiten profitiert, das hat sich gewandelt.

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Hamster mit Burnoutproblem

Frontal 21 hat bahnbrechendes herausgefunden: Die „meisten“ Unternehmen betrachten die „meisten“ ihrer Arbeitskräfte als Ressorce und nicht als Menschen! Ja wie ist denn das bloss möglich? Was für eine Fehlentwicklung oder? Es folgt Gerede vom „leeren Akku“ und vom „Hamsterrad“ aus dem man „nicht rauskommt“, wo man trotz „Spaß“ an der Arbeit irgendwann Suizid begeht, weil es „zuviel“ geworden ist. Und wer ist schuld? Microsoft! Denn die haben letzteren Hamster, der sich sogar noch für seine Unfähigkeit „entschuldigt“, einfach mal nicht zugehört und ganz böse unter Druck gesetzt. „Bissi schwach“, findet der Bruder. Für Microsoft ist dagegen alles in Butter, der Typ war halt depressiv, da kann die liebe Arbeit beim Konzern doch nix dafür, schliesslich gibt es „viele Faktoren die uns Menschen glücklich oder unglücklich machen können“! Blöd nur wenn der Kerl offenkundig gar kein Privatleben mehr hatte, sondern pausenlos von den „1440 Minuten“ am Ackern war.

Das Bewertungssystem wird später als Grund für den großen „Konkurrenzdruck“ angegeben bzw. kritisiert, welches Mitarbeiter von Microsoft offenkundig regelmäßig zum „weinen“ bringt. 5 % Prozent aller Arbeiter im Land leiden an Erschöpfung, der Arbeitsmarkt besticht durch „Bewährung und Bewertung“, überhaupt sind Arbeitsplätze unsicher, „Arbeitsverträge immer öfter befristet“ und was fällt der Frontal 21 Redaktion dazu ein? Rationalisierung und Arbeitsverdichtung sind schuld! Ja, toll und die fällt wohl vom Himmel oder was?! Und ein Arbeitssoziologe haut nochmal drauf und sagt: Wer sich „betriebswirtschaftlich nicht rechnet“ geht! Ja, und warum, aus Spaß an der Freude oder aus purem Sadismus der Manager?! Tja und der Pressesprecher von Microsoft hat keine Ahnung von über 9000 Erschöpften Leuten in seinem Lieblingsbetrieb, na klar! Also dieser ganze Beitrag bringt das Kunststück fertig jede Menge Katastrophen des Kapitalismus zu benennen, aber ihn selbst niemals auch nur mit einem Wort zu problematisieren! Da heult man wegen kaputten Menschen, schafft es aber nicht die Lage vollständig zu analysieren. Muss wohl das „notwendig falsche Bewusstsein“ sein, was die zu funktionalisierten Charaktermasken zerfallenen atomisierten Subjekte im Kapitalismus in sich tragen.

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Fragmente aus einem falschen Leben

Die Menschheit existiert in Lohnarbeit und produziert jeden Tag Zustände in denen es normal ist die Menschen, Tiere und die Umwelt systematisch zu zerstören. Milliarden Menschen können sich nichts schöneres vorstellen als an dieser Zerstörung teilzuhaben. Ihnen erscheint diese Welt als die beste aller Welten. In der Tat sind die Konsummöglichkeiten und Produktivitätssteigerungen gigantisch. Die wenigen Menschen die begriffen haben, dass es nicht mehr so weiter gehen kann, ergiessen sich in Fatalismus, Hedonismus, blinden Aktionismus und verlieren sich im Treibsand einer verlorenen Gesellschaft, die es aus ideologischer Verblendung für notwendig hält, Irrsinn als Vernunft umzudeuten. Dabei müssten die Lohnabhängigen bloss ihren alltäglichen Überlebenskampf zum Anlass nehmen, um über ihr Leben zu reflektieren.

Jeder Mensch in diesem System ist Junkie, Hure, Zombie und Sklave in einer Person.

Wir sind Junkies, weil wir regelmäßig unsere Finanzspritze bzw. Lohn brauchen, mit dem wir unsere stets steigenden Lebenshaltungskosten finanzieren.

Wir sind Huren, weil wir täglich auf dem Straßenstrich genannt Arbeitsmarkt anschaffen gehen. Und jedem zahlungskräftigen Arbeitgeber unsere Fähigkeiten, unseren Körper und unsere Seele anbieten. Wir verkaufen unser unendliches Potential, unsere Lebenszeit und Lebenskraft für ein paar Euros, ohne Aussicht darauf, dass es jemals aufhören wird. Erniedrigungen, Demütigungen und Missbrauch sind unser täglich Brot, welches wir demütig annehmen um Überleben zu können.

Wir sind Zombies, weil wir glauben in der besten aller Welten zu leben und dem Gehirntod gleich den üblichen Sprüchen von Medien, Politikern, Kollegen, Verwandten und Freunden glauben. Wir übernehmen Vorurteile, Traditionen und Ideologien, verteidigen sie im Laufe unseres Lebens mit allen Mitteln, statt sie in einem langen Reflexions- und Selbstreflexionsprozess zu hinterfragen. Wir fallen auf den Märkten übereinander her, zerfleischen unsere Bedürfnisse und Hoffnungen, deren Befriedigung nur die Stärksten erfahren, während die Schwächsten sofort oder über einen langen Zeitraum sterben. Hierbei geht auch die Umwelt zugrunde.

Wir sind Sklaven, weil wir unsere Lebenszeit als Arbeitszeit verstehen. Es herrscht Arbeitszwang, wer nicht arbeitet verliert an Lebensqualität, wird von der Gesellschaft ausgegrenzt und als wertlos betrachtet. Den Großteil unseres Lebens verbringen wir am Arbeitsplatz und haben dort gelernt Charaktermasken aufzulegen und in einer bestimmten Rolle wie ein Zahnrad zu funktionieren. Wir sind als Lohnabhängige so austauschbar wie Zahnräder. Wir sind Sklaven, weil wir eine Sklavenmentalität haben, die Faulheit als Qual erscheinen lässt, die Sozialhilfeempfänger als Schamrotzer definiert, die fundierte und grundlegende Kritik als utopisch oder naiv brandmarktet, die Anarchismus als Chaos definiert. Und das obwohl unsere gegenwärtige Gesellschaft das größte Chaos hervorgebracht hat, das permanent und systematisch von allen Lohnabhängigen qua ihrer Arbeitskraft erarbeitet und aufrechterhalten wird.

Das Chaos beginnt im Bildungssystem

In der Schule werden wir bereits als Kinder mithilfe der Noten auf Leistungs- und Wettbewerbsprinzpien konditioniert und gezüchtigt. Man spaltet die jungen Menschen in verschiedene Leistungskategorien und definiert damit wieviel wert sie sind. Eltern möchten das ihre Kinder gute bis sehr gute Noten erbringen, erbringen sie diese nicht, versteht das Kind schnell, das die Eltern enttäuscht sind. Anerkennung und Liebe erhält man als Kind oft nur dann besonders intensiv, wenn die Leistungen in der Schule stimmen. Das ist nur ein Grund von vielen, der dazu führt, dass wir unsere Identität in den meisten Fällen über unsere Leistungen und Leistungsfähigkeit definieren. Weiteres findet sich in Büchern von Autoren wie Arno Gruen. Wir fühlen uns erst dann als vollständiger, wertvoller und liebenswerter Mensch, wenn unsere Leistungen überdurchschnittlich sind. Daher auch der unglaubliche Drang im Berufsleben voranzukommen, zu funktionieren oder Schönheitsidealen zu entsprechen. Allgemein wird das gern Egoismus genannt und als charakterliche Schwäche bezeichnet, die allgemein der gesamten Menschheit zugeschrieben wird. Mittlerweile gilt es als populär die Menschheit als Krankheit zu bezeichnen. Jedoch wird dabei völlig vergessen, dass Egoismus mit dem Wettbewerbs- und Leistungsorientierten Schulunterricht anerzogen wird und auf ökonomischer Ebene sogar überlebensnotwendig ist.

Inhalt & Ziel der Ökonomie

Das zentrale Moment der Ökonomie besteht darin für den Tauschwert Milliarden Menschen, Tiere und zehntausende Quadratkilometer Natur aufzufressen und entfremdet auszukotzen. Industriegebiete sind Kriegsgebiete. Es sind Gebiete, die in Beton und Stahl gegossen wurden um konzentriert Profite zu scheffeln. Zwischen Autobahnen, Hauptstrassen, Flughäfen, S-Bahnen, Zügen, Discounterhallen, Logistikzentren, anderen diversen Konzernen und tobenden, lärmenden Kraftfahrzeugen lagern neben Müll und Schrott, die erbärmlichen menschlichen Existenzen. Ehrgeizig arbeiten die Menschen tagtäglich an der Realisierung der Apokalypse, der Hölle auf Erden, ohne je ihre Beteiligung daran zu erkennen. Die globale Identifikation mit dem Arbeits-, Leistungs- und Wettbewerbswahn, ist Ausdruck einer tiefen Entfremdung des Menschen von sich selbst und dessen Umwelt. Der Kapitalismus pervertiert das Leben zu reinen Kosten-Nutzen Aspekten und Menschen die sich damit identifizieren, betrachten z.B. den materiellen Überfluss als Ausdruck von desssen Güte und Erfolgs. Es wird gemeinhin als Freiheit verstanden sich als Hure auf dem Arbeitsstrich zu verkaufen, egal wie die Arbeitsbedingungen sind, egal welche gesundheitlichen Folgen sich daraus ergeben.

Tauschwert herrscht über Gebrauchswert, über Leben, Menschen, Tiere und alles Existierende und Nichtexistierende, also auch Fantasien und Gefühle. Grundlage der Ökonomie ist  die Maximierung des Profites, mithilfe der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft, deren Träger der moderne Mensch ist. Die Globalisierung erbrachte wachsende Teilnehmerzahlen am permanenten Wirtschaftskrieg. Die Grabenkämpfe in Büros, Verkaufszentren und Produktionshallen werden erbarmungsloser, je mehr Lohnabhängige, Huren, Sklaven, Zombies, Junkies ein Stück ab haben wollen vom allgemeinen Profit. Jeder weiß erst mit dem Verkauf der Ware, welchen Wert seine Schufterei hatte. Alle kämpfen darum zu gewinnen, aber wie üblich gibt es immer andere die noch mehr für ihren Sieg getan haben. Und man muss sich mit weniger zufrieden geben. Die Bedürfnisse der Menschen blockieren sich also gegenseitig. Jene mit der besseren Infrastruktur, Fachausbildung, Umsetzung der Tugenden wie Fleiß, Flexibilität, Belastbarkeit usw, Technologie und dem höchsten Eigenkapital, haben also die besten Chancen später auch über ihre Kaufkraft und dem Konsum von Produkten ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Erstrangig in unserer Ökonomie ist also die Maximierung der Profite, danach kommen die Bedürfnisse der Menschen.

Das Ziel jedes Konzerns basiert auf Profitmaximierung, auf maximale Auspressung der Ware Arbeitskraft. Je mehr ausgepresst wird, je besser die Konkurrenz, desto intensiver und länger wird die Arbeitszeit, desto höher steigt die Anzahl von gesundheitlichen Erkrankungen bspw. Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen wie Perfektionismus, Rigidität und Pedanterie. Obendrein erhalten die Lohnabhängigen nur geringe Löhne, sodass sie weiterhin nur ihre Arbeitskraft für ihren Überlebenskampf haben. Kein Lohn ist gerecht, weil man nie genug verdienen kann, um endlich nicht mehr als Hure am Markt erniedrigt zu werden. Die Vermögensentwicklung ist daher global sehr einseitig: Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besaß 40 Prozent des Weltvermögens. Die reichsten zehn Prozent besaßen im Jahr 2000 zusammen 85 Prozent des Weltvermögens. Im Gegensatz dazu besaßen die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen nur ein Prozent des weltweiten Vermögens. Verantwortlich für diese Entwicklung ist aber nicht der Reiche, der Politiker oder irgendein anderer Sündenbock, sondern die gesamte Bevölkerung die sich dem Prinzip der Profitmaximierung unterordnet. Herrschaft besteht heutzutage nicht mehr über Menschen, sondern über ein dialektisches Verhältnis, das im Kapital ihre Definition findet. Ob du Zeit für Deinen Partner hast, ob Du Geld für Medikamente hast, ob Du über ein Studium realisieren kannst, alles hängt von Deinen monetären Mitteln ab, da sich darüber Deine materiellen, zeitlichen Möglichkeiten und Resourcen definieren.

Die Rolle der Politik

Definiert, legitimiert und verteidigt wird diese Ökonomie von den Gesetzen, dem Gewaltmonopol und den Parteien. Keine der größeren Parteien möchte den Kapitalismus abschaffen. Ziel der Politik ist vorrangig die Haushaltskonsolidierung, wenn danach etwas Geld übrig bleibt, sieht man sich an, was man von seinem Parteiprogramm noch realisieren könnte. Stets werden Wahlversprechen gebrochen. Stets fühlen sich die Bürger nicht von ihren Politikern vertreten oder ernst genommen. Regelmäßig wird gegen einzelne Probleme protestiert, anstatt das große Ganze im Blick zu haben. Immer wieder wird der Staat als neutrale Instanz betrachtet, obwohl dieser mit seinen Gesetzen, mit seinem Gewaltmonopol für den Konkurrenzkampf und die Profitmaximierung ist. Kein Konkurrent am Markt kann das garantieren was der Staat garantieren kann. Der Staat bestraft jene die nicht arbeiten wollen sowie er jene bestraft die es mit der Ausbeutung etwas übertrieben haben. Denn wir wollen sozial ausbeuten und vernichten, soviel haben wir aus der Geschichte gelernt. Der Staat dient also genauso der Profitmaximierung wie jeder Konzern weltweit. Jede Partei die den Staat übernehmen statt abschaffen will, geht konform mit dieser zerstörerischen Wirtschaftsform. Die einzelnen Politiker der jeweiligen Parteien stellen lediglich die Details der Form wie in den nächsten 3-4 Jahren ausgebuetet werden soll ein. Sie ändern nichts fundamentales an der praktizierten wirtschaftlichen Ordnung. Alles andere würde schliesslich auch ihre eigenen Interessen verletzten. Parteien sind auf Machterhalt aus und betreiben daher nicht einfach nur im Wahlkampf Populismus, sondern begnügen sich ähnlich bescheiden, im alltäglichen Geschäft mit er Erhaltung und Wahrung der Ausbeutung der Lohnarbeiter, die stets als Freiheit umgedeutet wird.

Reichtum & Armut

Das reichste Prozent der weltweiten Bevölkerung besitzt 40 Prozent des gesamten Weltvermögens. Die reichsten zehn Prozent zusammen etwa 85 Prozent des Weltvermögens. Im Gegensatz dazu besaßen die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen nur ein Prozent des weltweiten Vermögens. 946 Milliardäre der Welt besitzen 3,5 Billionen Dollar.  Die Uno schätzt, dass es 300 Milliarden Dollar kosten würde, das Einkommen der ärmsten Milliarde Menschen über die Schwelle der extremen Armut anzuheben. Das wäre weniger als ein Sechzigstel des Einkommens der reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung. Die reichsten acht Männer der Welt könnten diese Summe alleine bezahlen. (Quelle der Daten ohne Verlinkung: „Uns gehört die Welt“ von  Klaus Werner Lobo)

Laut der Welthungerhilfe hungern weltweit 925 Millionen Menschen. Laut dem Welthunger Index 2010 befinden sich 29 Länder in einer sehr ernsten Hungersituation, davon sind besonders Bangladesh, China, Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan betroffen. Laut Unicef sterben pro Jahr 2,2 Millionen Kinder an den Folgen von Mangel- und Unterernährung, das sind über 6000 Kinder täglich. Täglich sollen laut BMZ zwischen 25 000 und 30 000 Menschen an den Folgen von Unterernährung sterben.  195 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind zu klein für ihr Alter und damit unterentwickelt. 129 Millionen Kinder sind untergewichtig, 880 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung (laut Oxfam), 17 Millionen Menschen, davon 21.000 Kinder täglich, sterben an heilbaren Krankheiten wie Durchfall, Malaria und Tuberkulose, 5 Millionen davon aufgrund des mangelnden Zugangs zu sauberem Trinkwasser. Rund 2,5 Milliarden – mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung – leben ohne sanitäre Basisversorgung.

Hunger gibt es weil das Bedürfnis der Hungernden nach Nahrung, nicht mit Kaufkraft befriedigt werden kann. Das kapitalistische System betrachtet die Bedürfnisse der Hungernden als nicht legitim, da keine monetären Mittel zur Verfügung stehen. Also ist es gemäß der zynischen Logik der „sozialen Marktwirtschaft“ nur gerecht, wenn sie verhungern. Die Menschen die in derart verarmten Regionen ihr Dasein realisieren müssen, nehmen alles in Kauf um zu überleben. In Manila auf den Philippinen leben ca. 15 000 sogenannter Müllmenschen. Der Smokey Mountain ist voller Müllberge die bis zu 40 Meter hoch sind und gilt als Wahrzeichen der Hafenstadt. Hunderte starben bereits unter Mülllawinen, um ein paar Cents fürs Überleben zu ergattern. Andere flüchten vor dem Hunger, den Müll, den Kriegen, dem Chaos das die Globalisierung angerichtet hat und wollen ihr Glück in Europa versuchen. Wenn sie nicht gerade wie ca. 2000 Menschen im Jahre 2011 vor Europas Küsten ersaufen und tatsächlich ins gelobte Land gelangen, werden sie hierzulande mit Fremdenfeindlichkeit, Isolation und Ablehnung begrüßt. „Diese Schweine wollen uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen“ Sind dann die typischen Bemerkungen aus dem konservativen Bürgertum. Klar, das Überleben hängt auch in Europa von den Vergütungen am Arbeitsstrich ab.

Während also hunderte Millionen Menschen hungern, werden laut Recherchen des Filmemachers Valentin Thurn allein in Deutschland  jedes Jahr bis zu 15 Millionen Tonnen frischer Lebensmittel im Wert von 20 Milliarden EUR weggeworfen. Das wird allgemein als „Wegwerfmentalität“ empört beklagt. Dabei handelt es sich sowohl bei den Hungertoten als auch bei der Überproduktion von Lebensmitteln um im Kapitalismus fest eingeplante Zustände. Das Wegwerfen von Produkten ist fest im Kaufpreis einkalkuliert. Man investiert kein Geld in Hungernde, wenn diese nicht voller Dankbarkeit in naher Zukunft horrende Profite abwerfen. Obendrein lassen sich Hungernde leichter dazu überreden ihre Umwelt, ihre Gesundheit für Geld aufs Spiel zu setzen. In den Produktionshallen in China vergiften sich regelmäßig Mitarbeiter, Afrika ist längst zur Müllhalde Europas verkommen und wird gleichzeitig als reines Rohstofflager missbraucht. Genauer ist Armut notwendiger Ausdruck der Logik des Marktes. Es gibt Verlierer und Gewinner in der täglichen Maschinerie der Profitmaximierung. So wie es in Europa Millionen Menschen in Arbeitslosigkeit gibt, weil es einerseits nicht genug Arbeit gibt, die halbwegs ordentlich bezahlt wird, so gibt es in ärmeren Regionen ohne Industriegebiete, ohne Kaufkraft, ohne Infrastruktur usw. Millionen Menschen, die als Hungernde und Verhungernde zu den Verlierern am Markt gehören. Keiner will nachhaltig in Afrika die notwendigen Milliarden investieren, da keine Garantie für horrende Renditen vorliegen. Kapital fliesst immer dorthin, wo die Profitmaximierung am förderlichsten erscheint. Hungernde, Arbeitslose gelten als die überflüssigen Humanressourcen im Kapitalismus. Sie können absterben, da ihre Arbeitskraft nicht gebraucht wird. Ohne Arbeitskraft die sich am Arbeitsplatz, am Markt realisiert, keine legitimen Bedürfnisse die via Kaufkraft befriedigt werden können bzw. sollen. Wer nicht arbeitet der soll auch nicht essen, egal ob er nun daran schuld ist oder nicht.

Es ist also so, dass auf dieser Welt Armut und Reichtum nebeneinander existieren.  Es stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen extremer Armut und extremen Reichtum gibt. Wer ist verantwortlich für diese Entwicklung? Sind die Reichen gierig und die Armen nicht leistungswillig? Warum wird die Produktion von Luxusgütern vollzogen, aber die Versorgung der Hungernden unterlassen?

Die Gegensätze in der Gesellschaft, sind Ergebnis der Zielsetzung der Ökonomie und Politik. Während täglich tausende Menschen verhungern, arbeiten andere als Sklaven des Kapitals und verkonsumieren sofort wieder ihre Einkommen. Diese Lebensweise zerstört nicht nur Menschenleben, sondern auch die Umwelt. Es ist teuer die Umwelt zu schützen und extrem profitabel sie ohne Rücksicht auf Verluste auszubeuten. Jährlich werden 130 000 km² Waldflächen gerodet. Täglich sollen mehr als 120 Arten aussterben. Arten sterben während der Verkehr lebt. 2008 wurden mehr als 3,7 Milliarden Tonnen Güter durch die Welt kutschiert. Tagtäglich fahren allein in Deutschland mehr als 44 Millionen Kraftfahrzeuge durch Betonlandschaften. Weltweit sollen 1 Milliarde Fahrzeuge unterwegs sein. Keine Sekunde ist ohne giftige Abgase. Die Industrie pumpt ihr Gift in enormen Ausmaßen auch in die Weltmeere. Es sollen sich mehrere Millionen Tonnen Kunststoffmüll und damit bis zu 18 000 Kunststoffteile auf jedem Quadratkilometer Meeresfläche in allen Weltmeeren befinden. Frankreich schüttet darüberhinaus jedes Jahr und ganz legal 33 Millionen 100-Liter-Fässer radioaktives Abwasser ins Meer. Jedes Jahr werden 12 000 Tonnen weiterer radioaktiver Müll produziert, obwohl weltweit kein sicheres Endlager existiert. Diese systematische Zerstörung der überlebensnotwendigen Umwelt hat ihre Ursache im Streben nach Profit. Seit Jahrzehnten bekommt man das Problem nicht in den Griff, weil Umweltschutz sehr teuer ist. Statt die kapitalistische Produktionsweise zu hinterfragen, verschliessen die Menschen die Augen vor der Zerstörung, die sie mit ihr anrichten und verteidigen sie auch noch als besonders wirtschaftlich und effizient.

Ein gutes Beispiel ist neben Dserschinsk, Bajos de Haina, Kabwe usw. die chinesische Großstadt Linfen. Dort verdrecken zahlreiche Schmutzstoffe die Provinz Shanxi, u.a. mit Giften wie Arsen, Blei, Kohlenmonoxid, Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen. In der kleinen Stadt La Oroya in Peru, werden tagtäglich 800 Tonnen giftiger Gase abgelassen und Abwässer ungefiltert in den Fluss geleitet. 100 000 Tonnen ausgemusterter Elektrogeräte werden jährlich allein von Deutschland nach Afrika gebracht. Nur ein Bruchteil ist überhaupt funktionstüchtig.  Öko-Aktivist Mike Anane in Ghana meint dazu: „Eure alten Computer vergiften hier unsere Kinder“.  Im Delta des Niger verseucht das Öl seit 50 Jahren Natur und Menschen. Jedes Jahr fließen dort 180 000 Tonnen Rohöl in  die Mangrovenwälder des Delta. Nach Informationen des United Nations Environment Programme (UNEP) von 2005 schwimmen durchschnittlich bis zu 13.000 Plastikteilchen auf jedem Quadratkilometer Ozean. Der Dokumentarfilm Plastic Planet behauptet sogar, dass jeder von uns Bestandteile von Plastik im Blut hat. Chemikalien, Schwermetalle, Öl, Dünger, Nitrat, Phosphat, Pestizide, Herbizide, Fungizide, Kohlendioxid, Stickoxide, Ammoniak, Schwefeldioxid, Radioaktive Stoffe sind bloss einige der widerlichsten Ausgeburten die für unsere Zivilisation nutzbar machen. Die verschmutzung von Gewässern, Luft, Boden und so weiter ist allgegenwärtig und breitet sich mit dem sogenannten Fortschritt der Ökonomie weiter aus. Das Artensterben, die Rodung der Wälder, der Verlust unendlich wertvoller Gebiete, gehört zum Normalbetrieb des Kapitalismus und an dem wirken wir alle als Lohnabhängige mit. Wir glauben an die Richtigkeit, der Vernichtung von Resourcen im Dienste des Kapitalismus. Unsere bisherigen Zweifel haben bloss zu Green Washing, also Marketingkampagnen statt wirklichem Umschwenken geführt.

Die Liste der Formen wie Umwelt zerstört wird, liese sich endlos und ähnlich willkürlich fortführen. Die Überproduktion an Waren führt zu einer inflationären Ausbeutung der Resourcen dieses Planeten. Der Wahn nach Profit findet seine logische Konsequenz in der wahnhaften Zerstörung allen Lebens und aller Lebensgrundlagen. Der Planet ist begrenzt, nicht aber der systembedingte Zwang zum Wachstum. Der ist unendlich.

Warum machen die Menschen soetwas mit?

Bewusstlosigkeit! Die Arbeit hält die Menschen gefangen. Charakterbildung, Sozialisation im Kapitalismus, in der Schule (Noten- und Konkurrenzsystem) führen zur Identifikation mit Leistung, Wettkampf und Egoismus. Misserfolg wird als eigener Fehler oder charakterlicher Mangel verstanden und nicht zum Anlass genommen das System zu hinterfragen. Als Kind vertraut man seinen Eltern, Lehrern usw. hält eigene Zweifel, Bedürfnisse zurück, erachtet die Noten gleichsam wie der Vormund zur höchsten Instanz über den eigenen Wert als Mensch. Nach etlichen Jahren der Vorkämpfe im Bildungssystem geht es weiter im Berufsleben, bei der die eigene Abhängigkeit vom Leistungsvermögen und dessen Bewertung über Lebensqualität bzw. Sozialen Auf- und Abstieg entscheidet. Wird der eigene Lebensweg, bürgerliche Charakter und dessen Leistungsfähigkeit als profitabel genug bewertet, führt das zum erfolgreichen Abschluss eines Arbeitsvertrages, der solange aufrecht erhalten wird, wie die Leistung stimmt. Dem Ideal höchster Leistungsfähigkeit rennt daher fast jeder Mensch im Kapitalismus nach, weil er sich davon höchste Lebensqualität verspricht. Da dies aber jeder Marktteilnehmer global tut, gibt es aufgrund der verschiedenen Lebensbedingungen, Erfahrungen und Fähigkeiten zwingend zu Verlierern und Gewinnern. Im Kapitalismus können nicht alle Menschen gewinnen, weil Profite stets auf Kosten anderer zu machen sind. Alle Einkommen folgen aus den Profiten, die die Arbeitnehmer am Markt gegen andere Arbeitnehmer erstritten haben, weil sie profitabler gearbeitet haben. Profitabler ist man dann, wenn man mit wenig Lohnkosten teure Produkte erarbeitet und verkauft hat. Der höchste Abstand zwischen Kosten und Gewinn ist also Hauptkriterium für die Bewertung von Rentabilität. Obendrein werden nur die Bedürfnisse befriedigt, die mit Geld legtimiert werden können. Der Zweck der kapitalistischen Produktionsweise liegt in der Profitmaximierung, weshalb Hungernden trotz horrender Lebensmittelberge die Befriedigung ihrer Bedürfnisse verweigert wird. Womit wir wieder bei der Ausgangslage wären. Die Menschen verhungern weil die Welt im Kapitalismus nicht für ihre Bedürfnisse eingerichtet ist, sondern für die Bedürfnisse des Kapitals, der Profitmaximierung und des Wachstums. Das erkennt man auch an der Zerstörung der Umwelt, der Armut in aller Welt, Die sozialen Schwierigkeiten zwischen den Menschen (Familiendramen, Amoklauf etc) folgen aus der Vernachlässigung der Beziehungen zwischen den Menschen, da immer mehr Zeit und Kraft für die Maximierung der Profite aufgewendet wird. Je mehr die Menschen in dieses System investieren, desto mehr verlieren sie. Die Welt ist schlecht, der Mensch ist schlecht, der Grund liegt in diesem Umstand. Der Mensch entmachtet sich selbst. Er verhindert seine Emanzipation, die Durchsetzung seiner eigentlichen Bedürfnisse.

Die Parteien und die Konzerne wollen Profite machen und setzen alles daran möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen, denn Profite lassen sich nur über möglichst viele produktive Arbeiter erzielen. Arbeit gilt nur aufgrund dieser Realität im Kapitalismus als das höchste Gut. Erst kommt der Profit und dann kommen die Bedürfnisse der Menschen, denn ohne Profit gibt es keine Produktion oder Einkommen. Die Arbeit hält die Menschen zeitlich, körperlich und geistig gefangen. Es fehlt die Zeit und die Kraft sich die Hintergründe der Welt anzusehen oder eigenes Handeln und Denken zu hinterfragen. Das gesamte Leben wird von Generation zu Generation immer besser den Bedürfnissen des Kapitals angepasst, wodurch die Arbeitsintensität im Beruf steigt. Zivilisationskrankheiten und Entfremdung sind die Folge. Diese Bewusstlosigkeit hängt auch mit der Sozialisation im Kapitalismus zusammen, die den Charakter der Menschen auf Wettkampf, Leistung und Egoismus abrichtet. Das fängt bereits in der Schule mit dem Notensystem an. Misserfolg wird als eigener Fehler oder charakterlicher Mangel verstanden. Als Kind vertraut man seinen Eltern und Lehrern, identifiziert sich also mit deren Kritik und Bewertung. Diesen Prozess die Eltern und Lehrer in ihrer eigenen Kindheit durchgemacht. Durch die Identifikation mit Leistung und Wettkampf kommt es zur Akzeptanz der kapitalistischen Gesellschaft. Die Natur des Menschen wird als egoistisch betrachtet.

Emanzipation der Menschheit von der politischen Ökonomie

Die Bewusstlosigkeit jedes einzelnen Menschen muss also durchbrochen werden. Das geht nur wenn jeder einzelne Mensch sich ständig selbst hinterfragt, mit all seinen Gedanken und Handeln. Jeder muss sich selbst mit den Problemen der Welt konsequent auseinandersetzen, kritische Theorie durcharbeiten, diskutieren und sich im Kampf gegen Unmündigkeit und das Kapital basis-demokratisch organisieren. Die Menschen sollten sich endlich wieder für das verantwortlich fühlen was in der Welt geschieht und sich nicht mehr ohnmächtig zurückziehen und alles der Politik beziehungsweise den anderen überlassen. Es hängt von der eigenen Aktivität und Wahrnehmung ab, ob Menschen verhungern müssen, wofür, wielang gearbeitet wird und worin der Zweck und Inhalt sämtlichen Lebens auf diesem Planeten besteht.

Es geht um nichts weniger als die Emanzipation der Menschheit von dem heutigen ökonomischen, politischen Prinzip, das derart wertvolle Opfer verlangt, dass wir uns selbst verlieren würden, wenn wir dem weiter mit dieser eisernen Disziplin und Selbstausbeutung nachkommen. Wenn wir die Arbeitszeit für Millionen von Menschen nicht deutlich verkürzen, die sogenannten Arbeitslosen zu einem wertvollen Teil der Gesellschaft machen, alle verfügbaren gesellschaftlichen Mittel einsetzen um nicht nur die Armen und Hungernden zu nähren, sondern auch eine Perspektive für Jedermann zu bieten, wird man nur noch als Zyniker oder verbissener Menschenfeind überleben können indem man auf möglichst tägliche Amokläufe und einen baldigen alles zerstörenden Atomkrieg hofft. Die Menschheit ist in der Lage sich von irrsinnigen Theorien oder Vorstellungen zu emanzipieren. Sie hat Götter geköpft. Sie hat Könige geköpft. Sie hat Folter, Ungerechtigkeiten und Privilegien für Minderheiten geköpft. Doch konnte bislang keine Revolution derart weitreichend sein, als dass ihre Ausführung das Ende der Geschichte, die Befriedigung aller Wünsche und Bedürfnisse von allen Menschen bedeutet hat. Solange dies nicht der Fall ist, dürfen wir nicht erschöpft in den Sessel sinken und aufgeben!

Was wir brauchen ist eine neue Epoche der Aufklärung in der neue radikale Formen der Demokratie realisiert werden müssen, die die Menschen tagtäglich an allen Entscheidungen beteiligt. Demonstrationen sind extrem wichtige Keimformen der jederzeit möglichen Emanzipation der Menschheit! Der Rechtsstaat mag ein Fortschritt zum Absolutismus gewesen sein, aber er verteidigt nicht die Natur noch die Lohnabhängigen vor dem Kapital und dessen Verwertungszwang. Jeder Staat kämpft gegen andere Staaten um Kapital, genauso wie ein Individuum auf dem Markt gegen andere Individuen konkurriert! Das ist nichts weiter als Krieg. Völker kämpfen gegeneinander um irgendwelche Reichtümer und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, obwohl sie es viel leichter hätten, würden sie ihre Ansprüche schlicht respektieren und die vorhandenen Quellen fair untereinander aufteilen. Der Mensch von heute sollte diesen Krieg beenden und sich nicht mehr vom Staat, den Parteien vertreten lassen oder sich durch den Arbeitsplatz ausreichend und fair am Reichtum der Welt beteiligt sehen. Er muss seine Bedürfnisse selbst erkennen, hinterfragen, diskutieren, vertreten und durchsetzen mit direkter Demokratie, mit einer Ökonomie die neben dieser direkten Demokratie auf Solidarität und menschlichen Bedürfnissen beruht! Die technischen Möglichkeiten sind längst gegeben

Das Internet bietet die Möglichkeit ständig mit der gesamten Welt in Kontakt zu stehen. Organisation und Kommunikation ist leichter als jemals zuvor. Informationen sind enorm schnell abrufbar. Die weltweite Vernetzung und die zunehmende Völkerverständigung sind ideale Bedingungen um internationale Solidarität zu praktizieren und die Macht des Kapitals zu brechen.

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Nationen voller Sklaven

Die „Gleichheit“ und „Gerechtigkeit“ in unserer Gesellschaft besteht darin, dass jeder Mensch das Recht hat von Kindesbeinen an als Schüler im kapitalistischen Bildungssystem zu einem „mündigen Bürger“ erzogen zu werden, der die „Freiheit“ geniesst, sich in voller Abhängigkeit zum Kapital als Ware Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt in sämtlichen Branchen und Berufen zu verkaufen. Die Unmündigkeit darin wird deutlich, wenn man sich die Wertung der Menschen über die Folgen dieses Verhaltens ansieht. Das Kapital reisst den Planeten ständig nach verwertbarem Material auf, vergiftet, vermüllt und zerstört Wasser, Tierwelt, Land, Luft und Leute, was nur durch die Beteiligung aller Individuen an der kapitalistischen Produktionsweise über ihre Arbeitskraft möglich ist. Gewertet werden diese unübersehbaren Katastrophen als Ungerechtigkeit, Unvernunft, Unmoralisch, Unsinnig, Unerwünscht, was nur mit weiteren Regeln in der Wirtschaft zu lösen sei. Ein Zusammenhang zwischen globalen Wachstumszwang von Staatshaushalten, Konzernen und der globalen Zerstörung von Umwelt oder der Verrohung menschlicher Beziehungen wird nicht gesehen.

Diese verzerrte Wahrnehmung auf die Realität sorgt z.B. für die Fortsetzung des Hungers in aller Welt, während ein paar Kilometer weiter frische Lebensmittel weggeworfen werden, weil sie keinen Käufer gefunden haben. Woher kommt dieser Blickwinkel? Die Identifikation des modernen Menschen mit Leistungs- und Konkurrenzprinzipien beginnt in der „fortschrittlichen Zivilisation“ mit dem Notensystem, dem vergleichen der Schüler untereinander, der Drohung für immer ein Versager zu bleiben, wenn die Noten sich nicht verbessern, durch die Kritik und Anleitung der Lehrer, dem Liebesentzug der Eltern, wenn die Leistungen nicht stimmen usw. Eltern, Verwandte, Lehrer usf. besitzen eine außerordentliche autoritäre Machtposition über den jungen Menschen, der ihnen vertraut, von ihnen abhängig ist, wodurch sich automatisch eine Gläubigkeit in Autoritäten bei den Schülern bzw. Kindern einstellt.

Die gesamte Identität wird mit den Jahren nach und nach darüber aufgebaut inwieweit man sich den Ansprüchen der Autoritäten bzw. der äußeren Welt angleichen kann, die man für absolut logisch und gerecht hält, weil man nichts anderes zu Gesicht bekommt und keine aktiven Rebellionen dagegen kennt. Das Kind unterdrückt im Zuge dessen eigene Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen, zerbricht chancenlos unter dem Gewicht der Ansprüche der kapitalistisch-geprägten Umgebung. Es übernimmt fortan das Lebensmotto, welches allgemeinhin für die meisten Menschen die Handlungsmaxime ist: Nur wer Leistung bringt kann Liebe und/oder Anerkennung erwarten. Anerkennung und Liebe sind in so einem gesellschaftlichen Zusammenhang immer Mangelware, also wird alles für sie getan.

Ist diese Haltung übernommen wird sie gleichermaßen als Anspruch und Lebenseinstellung gegenüber allen anderen Menschen und der Gesellschaft in allmöglichen Lebenssituationen formuliert: Was nützt mir der Kerl? Was bringt mir der Job? Wieviel bekomme ich für mein Geld im Kaufhaus? Stimmen meine Leistungen im Beruf? Ist mein Arbeitskollege nützlich für das Unternehmen? Werde ich ordentlich regiert? Werde ich gerecht bezahlt? Das Leben wird als Chance begriffen „soviel wie möglich“ herauszuholen und „das Beste daraus zu machen“. Die gesamte Welt erscheint nur dafür existent maximal ausgebeutet zu werden. Das ist nichts weiter als blanker Egoismus, der als notwendige Folge der kapitalistischen Produktionsweise entstehen muss, weil es kein anderes Ansinnen als Leistungs- und Wettbewerbsmaximen gibt, unter denen das Invidiuum sein Leben bestreiten kann. Das bürgerliche Subjekt, welches hier beschrieben wurde, ist das nützlichste Vehikel für das Kapital, weil es die notwendige Sklavenmentalität mit sich bringt.

Eine Hinterfragung der Welt findet aus einer derartigen Sklavenmentalität nicht statt. Die Spielregeln des Kapitalismus werden akzeptiert. Es dominieren z.B. in den Massenmedien immer wieder Fragen wie: Werden die Spielregeln gerecht umgesetzt? Warum greift die Politik nicht ein, wenn dieses oder jenes betrieben wird? Wenn man als Verlierer dieser Spielregeln verhungert, dann ist es aus dieser Mentalität heraus bloss gerecht, denn „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Sozialhilfe oder Solidarität gibt es nur, wenn der Betroffene zu Protokoll gibt, möglichst schnell wieder um Anerkennung und für Profite kämpfen zu wollen und entsprechende Bewerbungen verschickt, was unter dem Banner „Fordern und Fördern“ bei der Arbeitsagentur steht. Solange die Mehrheit der Menschen ihre Liebe und Anerkennung über die Leistung im Wettkampf um Profite erstreiten will, wird sie einerseits unter deren Mangel leiden und andererseits als unmündige Diender des Kapitals die Welt ungeniessbar machen.

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Ignoranz

Kochshows: Pornografie für den verwöhnte Gaumen. Unzählige TV-Kochs brutzeln allerlei Meisterhaftes während Millionen ihnen dabei sabbernd zuschauen und Zehntausende ein paar Kilometer weiter tagtäglich verhungern.

Fußball: 22 Mann laufen einem Ball hinterher, Millionen gaffen zu. Selbst Bundespräsidenten und Kanzler(in) biedern sich beim Volk durchs Fußball gaffen an. 25 Fahrer fahren im Kreis, verschwenden Benzin, verpesten wie 42 Mio. Fahrzeugnutzer in DE die Luft und Millionen gaffen zu. Besonders gerne tut man das in Ländern bei denen die Menschenrechtssituation prekär ist. Dies liese sich für zig andere Sportarten in denen Wahnhaft der Wettbewerbsgedanke praktiziert wird fortführen.

Boulevard: Kaum ein Sender kommt ohne Gerede über Oberflächlichkeiten, Stars und Beautytipps aus. Seit Jahrzehnten halten sich Formate, die nichts anderes auf der Welt als Problem betrachten, wie Frau oder Mann am besten auszusehen hätte. Sie mäkeln an Stars herum, kommentieren deren Garderobe, masturbieren zu den neusten Skandalen und verschenken technischen Müll, der in ein paar Wochen durch neuen ersetzt wird.

Talkshows: Täglich palavern Experten, Politiker, Lobbyisten, die immerselben Gesichter auf irgendwelchen Sofas über die aktuelle Sau, die gerade durchs Dorf getrieben wird. Die Themen sind so willkürlich wie die Opfer, die Debatten sind emotional, oberflächlich, chaotisch und ohne jeglichen Mehrwert für die Zuschauer. Man geht aus solchen Talkshows genauso dumm hervor, wie man zuvor schon war. Talkshows dienen dazu das eigene Buch, die eigene politische Agenda oder Partei zu bewerben und nicht um sich eine sachlich fundierte Meinung zu erarbeiten. Selbstdarstellung und heiloses Geschwätz wird als demokratischer Grundwert verkauft.

Youtube: JuliensBlog steht für die junge Generation, die primitive Provokationen, Ignoranz und Halbwissen für Unterhaltung sowie klugen Egoismus hält. Sowas kommt heraus wenn man in der Entertaimentwelt aufwächst. Mit pubertären Dünnschiss erreicht allein Julien Millionen und lehnt jegliche Verantwortung  wie selbstverständlich ab, schliesslich sei alles nur Satire wenn er Rollstuhlfahrer oder hungernde Kinder beschimpft. Wer das nicht versteht, hat eben keinen Humor und wohl auch keinen Fatalismus der die Welt nur brennend ertragen kann. (Mehr zum Thema gibt es hier)

Musik: Kollegah ist einer der Stars von Julien und vielen anderen seiner Altersgenossen. Dieser Typ scherrt sich ähnlich gering um irgendwelche Zustände in der Welt. Alles was ihn kümmert sind seine sexistischen, homophoben Songs, wie sie branchenüblich sind, die er möglichst technisch und „qualitativ hochwertig“ für Kohlemacherei verbreitet, um dann in irgendwelchen überteuerten Blechkisten für seine bedauernswerten Fans zu posieren und sich für den Größten zu halten. Bedauerlicherweise funktioniert dieses Konzept, weil verkrüpelte Identitäten nach respektablen Führungsfiguren lechzen. Erbärmlicherweise sucht man sich solche Blender als beruhigende Droge gegen den grauen, rauen Alltag im Kapitalismus.

Und schliesslich: Die Oberschicht die gar nicht weiß wohin mit ihrem Geld, die ebenfalls immer wieder im Fernsehen als die Sorte Mensch bestaunt wird, die es irgendwie geschafft hat. Diese Entwicklung wird nicht hinterfragt sondern mit sehnsüchtigen Sprüchen, dass man es doch auch gerne mal so schön haben wolle, untermalt. Die Botschaft für den Zuschauer: Streng Dich an, so wie dieser Millionär es gerade sagt und Du schaffst es bestimmt auch mal soweit. Dabei ist das völlig illusorisch. Milliarden Menschen denken und arbeiten so.

Fazit: Gemeinsam ist all diesen Fetzen aus dem Entertaimentbereich die Ignoranz gegenüber den tagtäglich vorherrschenden Zuständen in der Welt. Sie helfen niemanden bei der Lösung des Hungers, der Armut oder der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich, im Gegenteil, durch Konsum von Entertaimentformaten egal ob von Amateuren oder Profis, entsteht die Illusion alles sei schon irgendwie in Ordnung. Kein Wochenende vergeht ohne Fußball, ohne Kochshows, ohne Youtubevideos mit Schminktipps od. pseudokomischen Klamauk, ohne Musikveröffentlichungen die einfach nur Lärm sind, usw. Was hier Millionen von Menschen betrachten, erhalten sie mit ihrer eigenen Aktivität aufrecht und machen es damit wertvoll. Und so wird es immer wieder produziert, weil es sich verkauft. Als ob es tatsächlich irgendwem eine wertvolle Erkenntnis bringt.

Statt zu sehen wie hoch man fliegen kann, schaut man lieber wie tief man im eigenen Dreck versinken kann. Und erheitert sich auch noch daran. Der Hunger in der Welt muss nicht sein, da bereits heute Lebensmittel für ca. 12 Milliarden Menschen produziert werden. In Europa werden tausende Tonnen frischer Lebensmittel jeden Tag weggeworfen. Wie kann es sein, dass Überfluss und Mangel gleichzeitig nebeneinander existieren können? Wie kann es sein, dass diese Zustände den Menschen hierzulande kein Umdenken oder Reflektieren näher bringen? Die Identität vieler Menschen ist offenkundig auf Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien geprägt. Einer derartigen Vorstellung erscheint es nur logisch, dass derjenige verhungert, der nicht arbeitet egal ob nun eine Infrastruktur oder Wettbewerb vorhanden ist oder nicht. Dann ist es auch logisch vor den Augen der Hungernden, der vor Europas Küsten ersaufenden Armuts-Flüchtlingen, einen Braten gold-braun zu braten und dabei vermeintlich lustige Bemerkungen abzugeben, als sei das Paradies auf Erden weltweit gegeben.

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JuliensBlog – Scheißegal

1. Du gibst also offen zu, dass Dir die Kinder in Afrika scheißegal sind und darauf bist Du auch noch stolz denn Du glaubst damit kein Heuchler zu sein. Ganz im Gegensatz zu anderen Leuten, denn denen sind laut Deiner Aussage zwar diese Kinder ähnlich scheißegal, aber wollen dies nur nicht zugeben.

Deine eigene Haltung ist eindeutig menschenverachtend und es wird nicht besser indem man derartiges zugibt. Man ist nur dann besser als jene die man kritisiert, wenn man Ignoranz, Intoleranz, Lethargie, Ahnunglosigkeit, Vorurteile und Naivität aktiv bekämpft. Du vertrittst in diesem Video, wie auch schon bei anderen Videos, gefährliches Halbwissen, was im folgenden auch nachgewiesen werden wird. Vorausschickend: Du erreichst mit Deinem YT-Channel hunderttausende von Menschen und trägst damit auch eine wesentlich größere Verantwortung als gewöhnliche Menschen, die nur ein paar hundert Menschen mit ihren Äußerungen und Verhalten beeinflussen. Man hält Dich für intelligent und eloquent, erwartet daher auch Substanz in Deinen Thesen und übernimmt sie schliesslich auch auf Schulhöfen, im Beruf oder bei Freunden, Bekannten, gerade wenn man noch ziemlich jung und unerfahren ist. Du verbreitest mit Deinen Videos also Deine eigenen Vorurteile, die mitunter rassistisch sind („Aidsverreckende Schokobabys“ ist keine Satire), ohne Dir über die Konsequenzen im Klaren zu sein.

2. Es folgt Deine Kritik der Funktion von Spenden hierzulande, die das Gewissen kurzfristig erleichtern würden, weil wir uns damit einreden würden, etwas gegen die Armut usw. zutun, was Deiner Ansicht nach gar nicht stimmen soll.

2-3 Cent („Ficks“) wären uns egal und selbst wenn wir die ganze Tasche voller „Ficks“ hätten, würde es uns dennoch nicht wirklich interessieren was die Hungernden angeht. Das erklärst Du mit Egoismus. Es ist allgemeinbekannt das Spenden tatsächlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, aber dennoch helfen sie tausenden von Menschen unverzüglich und das ist mehr wert, als wenn man gar nichts macht oder einfach nur Videos dreht in denen man völlig unqualifiziert Spenden kritisiert. Jede Spende ist wichtig, weil dadurch Menschen vor Krieg, Hunger, Krankheit oder Analphabetismus gerettet werden können. Wer Spenden generell für wirkungslos hält und ihre einzige Funktion in der Gewissenserleichterung von westlichen Bürgern sieht, der verkennt völlig wieviele Menschen durch sie gerettet werden konnten.

3. Du beklagst anschliessend die Betroffenheitsorgien, die durch Trailer von Hilfsorganisationen ausgelöst werden und die Macht der Kulturindustrie mit ihren Movie-Blockbustern, die die Menschen wieder vergessen lässt, was in anderen Teilen der Welt abgeht. Es folgen Sprüche wie „Wir sind Arschlöcher die Glück haben in der ersten Welt zu leben“. Unsere Sorgen seien nur Handyrechnungen, „was abends in der Glotze läuft“, fehlendes Klopapier. „Wir hatten Glück und die Anderen halt nicht.“

Hier wird klar wie oberflächlich Du vorgehst. Es ist unzureichend zu glauben das die Medien oder die Lust auf Medien einzig und allein verantwortlich für den fehlenden Aktionismus gegen den Hunger in der Welt ist. Vielmehr liegt es an der Sozialisation, Tradition, der Politik und Ökonomie warum Menschen nicht unverzüglich den Kampf gegen Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit aufnehmen. Wir sind von Geburt an danach erzogen Leistung im Konkurrenzkampf zu erbringen und ziehen daraus unser Selbstwertgefühl, unsere Identität! Darauf basiert auch unsere Ökonomie und unser Nationalstaat. Individuen in Haushalten, Konzernen und Nationen konkurrieren gegeneinander um Profite, Macht und damit um indirekte Befriedigung real unstillbarer egoistischer Bedürfnisse, die sich aus der bereits angesprochenen Sozialisation speisen. Der von Dir beklagte Egoismus ist eine fundamentale Säule des Kapitalismus. Wären wir nicht egoistisch erzogen, könnten wir nicht in der Schule oder im Beruf funktionieren. Wäre diese Funktionsweise nicht vorhanden, wie es bei einigen Individuen oder Staaten der Fall ist, droht der soziale Abstieg, Arbeitslosigkeit, Defizite im Staatshaushalt. Mangelnde egoistische Konkurrenzfähigkeit geht also mit dem Verlust von Lebensqualität einher, wodurch sich die Menschen im Laufe der Zeit immer stärker auf Monetäres bzw. Materielles fixieren, weil diese ökonomischen Erfolg symbolisieren und mitunter sogar garantieren. Dieser Konkurrenzkampf ist es übrigen auch, der die Armut in Afrika überhaupt erst möglich macht und Millionen Menschen von den Gütern ausschliesst, die sie für ihr Überleben benötigen. Menschen verhungern nur, weil sie ihre Nachfrage nicht finanzieren können, und weil sie nicht zahlen können, werfen wir die frischen Lebensmittel lieber weg, als sie zu verschenken.

Die Menschen kennen also weltweit keine andere Welt als die egoistische, kapitalistische Welt. Daher ist das beklagen oder eingestehen von Egoismus und der sich daraus ergebenden Lebenshaltung albern, sofern daraus keine tieferen Erkenntnisse und Aktionen folgen, wie es bei Dir der Fall ist. Menschen haben in ihrer Reduziertheit als konkurrierendes, atomisiertes Individuum bloss ihre egoistische Eindimensionalität. Aus diesem charakterlichen Mangel folgt seelische Leere. Menschen bringen sich um, laufen Amok, saufen sich tot, töten sich mit anderen Drogen, Medikamenten, erkranken also an Depressionen, Borderline, Burnout, Schizophrenie, andere Persönlichkeitsstörungen usw. Kurzum: Millionen Menschen sind traumatisiert und wissen keine Lösung aus der anerzogenen Eindimensionalität. Sie wissen nicht wie sie ohne Egoismus leben, denken oder fühlen sollen. Das ist ein Phänomen der kapitalistischen Gesellschaft, einzelne Individuen flüchten sich angesichts dieser Realität nunmal gerne in Musik, Film und Fernsehen, weil das wesentlich einfacher ist als in die Untiefen der Psyche vorzudringen. Sie wissen keinen Ausweg, weil ihnen einerseits die Nerven, die Zeit und andererseits die Fantasie bzw. das Interesse an Theorie fehlt.

Wenn Du also von Arschlöchern sprichst, dann meinst Du damit wohl eher traumatisierte, missbrauchte, missverstandende, vernachlässigte Individuen, die nach Jahrzehnten im Kapitalismus von dessen Anforderungen völlig aufgerieben und zerrissen worden sind. Du beschimpfst also Opfer, anstatt auf sie einzugehen. Diese Opfer empfinden das von Dir bezeichnete westliche „Glück“ als auswegslose Hölle, die z.B. aus einem endlosen Berufsleben im Hamsterrad, voller Kontrollverlust und Unsicherheit besteht. Die allerwenigsten Menschen können sich den Luxus leisten, irgendwelche Videos zu drehen oder sorgenvoll ans Klopapier zu denken. Offenbar sind Dir aufgrund Deiner jungen Jahre die Härten dieser Realität völlig unbekannt. Millionen verharren in Perspektivlosigkeit, Stress, (Zukunfts-)Angst, Unzufriedenheit, materiellen Mängeln, anderen seelischen Qualen und finden keinen Halt oder eine Perspektive die echte Lebensqualität beinhalten würde. Hier nun anzukommen und zu sagen, helft doch mal denen in Afrika, ist absurd. Zerstörte Menschen sollen hungernden Menschen helfen, das funktioniert bestimmt. Der westliche Mensch ist ein von der Politik und Ökonomie zerstörter Mensch, der wie ein Junkie als Lösung seiner Probleme immerzu Heroin wählt, dabei aber alles nur noch verschlimmert. So läuft es auch in Deiner Geisteshaltung. Du findest keine Lösung, also spuckst Du anderen in die Suppe, giesst Öl ins Feuer und erwartest freudig die sich darausergebende Katastrophe. Da könnte man sicherlich den Vergleich zu deinem geliebten Joker in Batman ziehen, auch wenn Du mir noch eher als der Oliver Pocher von Youtube vorkommst.

4. Weitere Sprüche von Dir folgen: „Was soll dieses Rumgelaber?“. „Es kümmert uns nicht, weil es uns nicht betrifft“ behauptest Du.

Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, das die Armut in Afrika nichts mit unserem Leben in Europa zutun hat. Wir leben in einer globalen kapitalistischen Ökonomie mit Handelsbeziehungen ohne Grenzen. Rohstoffe werden von Afrika nach Europa, Elektroschrott, Atommüll von Europa nach Afrika transportiert. Wir Europäer profitieren von der Armut in Afrika, da sich dadurch einerseits die Preise für Rohstoffe kontrollieren lassen und andererseits keine „wehrhafte Demokratie“ wie in Deutschland zu erwarten ist, die mehr verlangt, als das Ersatzteillager und Müllhalde der westlichen Welt zu sein. Die Destabilität Afrikas ist die Mine des Reichtums für Europa. Je größer man also Afrika für die geopolitischen Interessen der eigenen Nation ausnutzen kann, desto höher auch die Lebensqualität der eigenen Bürger. Es gehört mittlerweile auch zur Normalität, dass wir die Küsten vor Afrika leer fischen und dann billigeres Fleisch als auf deren lokalen Märkten verkaufen, wodurch wir gleich doppelt deren Infrastruktur und Lebensqualität vernichten. Es herrscht ein permanenter Wirtschaftskrieg zwischen Europa und Afrika. Man darf auch nicht vergessen, das Europa eine Festung für Hungerflüchtlinge aus Afrika ist. Diese lässt man regelmäßig einfach absaufen, diese von Dir vorgeführte „Scheiß egal“ Mentalität ist also bereits politische Praxis.

Es gibt demnach knallharte ökonomische Gründe warum es uns betrifft. Diese Fakten werden verdrängt, aus bereits in Punkt 3 genannten Gründen. Es fehlt Zeit, Nerven, Geld, Gesundheit, Identität, Mut und Wissen diesen Zusammenhang zu sehen und entsprechende Alternativen zu erarbeiten und zu erkämpfen.

5.Würde eines der Afrika-Kinder hierzulande geboren sein, würde es sich genauso wenig darum kümmern was in Afrika passiert, wenn wir die Hungernden dort wären.

Natürlich hängt es immer auch von der Sozialisation ab, wie man mit anderen Menschen umgeht. Näher wurde das ebenfalls in Punkt 3 erläutert.

6. 2-3 Cent Spenden würden uns nicht weniger zu Arschlöchern machen, die nur an sich denken.

Der Akt des Spendens signalisiert ein Mindestmaß an Mitgefühl und macht uns in der Tat ein wenig mehr zu Menschen als zu „Arschlöchern“.

7. Du bezeichnest es als utopisch wenn es „jedem auf der Welt gut“ ginge. Es sei obendrein „nicht unser scheiß Problem“ wie es anderen geht.

Angesichts der unglaublichen Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte könnte man jeden Menschen ein würdevolles Leben ermöglichen. Es scheitert bislang bloss an der gesellschaftlichen Organisation sämtlicher individuellen Interessen und Bedürfnisse. Ideen liegen z.B. im Anarchismus vor und wurden auch bereits praktisch erfolgreich ausprobiert (Spanien, Ukraine usw). Wir produzieren für ca. 12 Milliarden Menschen Lebensmittel, ein Großteil davon wird aber weggeschmissen oder an Tiere verfüttert, die wir später essen. Die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein Resultat der Bewusstlosigkeit der konkurrierenden Subjekte im Kapitalismus. Denn wie immer gibt es Mangel an Zeit, Geld, Nerven, Gesundheit, Identität, Stabilität im sozialen Gefüge usw usf, die einen Prozess der Bewusstwerdung über Mängel im eigenen oder gesellschaftlichen Verhalten ermöglichen würden. Würde man bspw. den Fleischkonsum, die Nutzung von Kraftfahrzeugen einschränken, liesse sich genug Energie und Rohstoffe sparen um schneller sämtlichen Menschen die Lebensqualität zu bieten, die wir in Europa seit Jahrzehnten kennen. Dies alles mag utopisch erscheinen, doch war selbst unsere heutige Demokratie lange Zeit völlig utopisch, was man z.B. in Zeiten des Absolutismus sieht.

Wer sagt, es sei „nicht unser scheiß Problem“ wie es anderen Menschen auf der Welt geht, propagiert menschenverachtende Ansichten und bekundet damit seine Unkenntnis über gesellschaftliche Zusammenhänge und Möglichkeiten.

8.“Wenn ich Politiker wäre, wäre mein Slogan wählt Julien für ein egoistisches Deutschland.“

Hitler wollte genau das. „Deutschland über alles“. Aber natürlich bist Du kein Nazi, das war reine „Satire“, wie schon bei den „an aidsverreckenden Schokobabys“.

9. „Wir geben den Griechenland keine Milliarden, wenn wir selbst 2 Billionen EUR Schulden haben.“

Die Milliarden an Griechenland sind keine Geschenke, sie fliessen mit Gewinn an Deutsche Banken zurück. Vielleichte sollte man nicht darauf bestehen das Griechenland deutsche Rüstungsgüter in Milliardenhöhe erwirbt? Nein, besser nicht, das steht doch dem „egoistischen Deutschland“ im Weg. Der Übergang zwischen Faschismus und Nationalismus ist übrigens fliessend, wie wir im zuvorigen Punkt bereits erkannt haben.

10. „Wir kümmern uns nur um uns selbst, weil wir im besten Land der Welt wohnen. Alle anderen sind uns scheißegal“

Und wieder eine These in bester „Deutschland über alles“-Manier. Deutschland ist nur deshalb so erfolgreich weil es einerseits Millionenfach die Löhne drückt, damit billige hochwertige Produkte erzeugt und schliesslich gewinnbringend im Ausland absetzt. Der Erfolg und Reichtum Deutschland basiert also auf der Nachfrage und dem Konsum in den Nachbarländern (u.a. auch Griechenland, wie bereits angesprochen). Dir sollten „alle anderen“ besser nicht „scheißegal“ sein. Wieder wird deutlich das Du keinen Schimmer von Politik oder Ökonomie hast.

11.“Deutschland gemessen an anderen Ländern natürlich ziemlich gut, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten geht es uns beschissen. Weil wir andauernd an irgendwelche anderen Spacken denken und Almomsen verteilen, die sowieso nichts bewirken!“

Im Rahmen unserer Möglichkeiten? Träumst Du von der Weltherrschaft Deutschlands? Wer ist eigentlich dieses „uns“? Vorhin war es per se negativ gesprochen, nun wird behauptet eine deutsche Gemeinschaft hätte irgendwelche Nachteile aufgrund „irgendwelcher Spacken“ obwohl es genau umgekehrt ist, wie ich in Punkt 10 nachgewiesen habe. Man kann sich nur fassungslos angesichts dieser absurden Thesen zeigen, die eindeutigen Realitätsverlust belegen.

12. „Aus der Dritten Welt wird nie die Erste Welt. Warum sollte man das Geld für sowas verbrennen?“

Warum nicht? Man hat Billionen verbrannt um eine Ökonomie aufrechtzuerhalten, die den Hunger bzw. das Elend in der gesamten Welt ermöglicht. Warum sollte man das Geld nicht einmal für etwas vernünftiges, nämlich für den Kampf gegen Hunger, Krieg usw. einsetzen? Weil es sich nicht rechnet oder was?! Woher kommt die Gewissheit, dass es niemals zu einer grundlegenden Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse kommen wird? Das ist reine Spekulation, die aufgrund halbgarer Sprüche geführt wird.

13. „Die Leute da unten haben nie etwas anderes gekannt. Und dann kommen da irgendwelche heiligen Samariterwichser an und geben ihnen Hoffnung. Mich kotzt diese Scheinheiligkeit an.“

Nun ist es bei Dir also verboten hoffnung zu geben. Wer sind denn die „heiligen Samariterwichser“? Ist das eine Kritik an NGOs? Sollen die ihre Arbeit einstellen und stattdessen lieber Deine Videos angucken? Alles scheißegal, lass die Leute ruhig verrecken und anstatt zu spenden, geht lieber Kippen und Alkohol kaufen. Was ist denn das Resultat Deiner ganzen Thesen? Was ist das Ziel dieses Videos? Man erkennt hier deutlich wieviele falschen Thesen zu einem verachtenswerten Weltbild führen. Schlimmer macht es nur noch die hohe Verbreitung dieses geistigen Abfalls.

14. „Wenn es Euch nicht scheißegal ist, dann fliegt doch darunter in den Dreck, nehmt ein Kind mit und ermöglicht ihm ein schöneres Leben hier in Deutschland oder was weiß ich. Kein einziger von Euch würde das machen. Und das ist auch in Ordnung. Gebt einfach zu, dass es Euch scheißegal ist. Oder lebt weiter in eurer Seifenblase weiter und tut so als würdet ihr euch für irgendwen anders interessen als euch selbst. Es ist mir scheißegal und ich steh dazu. Was ist mit Euch?“

Wieder wird das menschenverachtende Weltbild als vernünftig dargestellt. Als ob man einem Nazi auf die Schulter kloppft wenn er sagt „Ich hasse Ausländer und ich steh dazu“. Es ist absurd. Jeder Mensch muss sich hierzuland um sein ökonomisches Überleben kümmern. Die Lebenshaltungskosten sind genauso immens wie der globale Konkurrenzkampf. Wer hier verliert, verliert schnell Familie, Wohnung, Auto, Perspektive, Lebensqualität und Lebenslust. Das ist das von Dir reichlich naiv umjubelte Glück der ersten Welt. Man kann schon rein aus den gesellschaftlichen Verhältnissen heraus nicht einfach nach Afrika fliegen und zehntausende Menschen retten, denn dazu müsste man reich sein und wer ist schon reich? Eine Minderheit und die ist nur so reich, weil sie alles für sich behält. Wenn man das mal durchdenkt was Du hier sagst, kommt man erneut zu dem Schluss, dass es hier keine großartige Auseinandersetzung mit der Thematik gegeben haben muss.

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Verelendung der Massen

All die Streitereien zwischen Angestellten und leitenden Angestellten sogenannten Chefs sind offenkundige Kleinigkeiten, die aber das Zünglein an der Waage sind, wenn es um die Zukunft des Angestellten oder des leitenden Angestellten oder der jeweiligen Niederlassung oder gleich der gesamten Firma geht. Zukunft insofern als das bei allen natürlichen wie juristischen Personen das ökonomische Überleben davon abhängt, ob sie weiterhin mit allen Mitteln so profitabel wirtschaften können, wie es das Dogma der Betriebswirtschaftslehre vorschreibt. Und wirtschaftliches Überleben heisst bei Menschen immer auch das Überleben selbst. In dieser Realität steckt eine Logik die eine große Entwürdigung für sämtliche Menschen bedeutet. Zu spät kommen, zu wenig Leistungsbereitschaft, zu wenig Überstunden, Unflexibilität, fehlende Stressresistenz, mangelnde Teamfähigkeit, sind die üblichen charakterlichen Attribute die also schnell in Ungnade fallen und zu Abmahnungen und Kündigungen führen können. Insbesondere unterschiedliche Auffassungen wie ein Betrieb, ein Team zu führen oder ein Problem gelöst werden soll, können zu ähnlichen Konsequenzen führen. Zuviel Denken und zuviel Eigenständigkeit ist nicht erwünscht, sofern es sich nicht in Zahlen positiv messen lässt.

Nun sind das Dinge die man unter privaten Verhältnissen durchaus in einem klärenden Gespräch lösen könnte. Man kann die gegenseitigen Vorurteile, Missverständnisse durchaus ausräumen, sofern genug Zeit, Nerven, Sachlichkeit und ein entsprechender Wunsch zur gemeinsamen Fortführung der (in dem Fall beruflichen) Beziehung besteht. Wir wären im alltäglichen Konkurrenzkampf innerhalb des Kapitalismus eigentlich sogar dazu gezwungen uns miteinander zu solidarisieren, da er uns irrationalen, allgemeinen wie individuellen Entbehrungen und Zerstörungen aussetzt, aber aufgrund der Sozilisation die während dieses permanenten Kampfes stattgefunden hat und weiter stattfindet, herrscht mal offen mal unterschwellig oder versteckt: Egoismus, Missgunst, Misstrauen, Neid, Ignoranz und Intoleranz. Es gibt im alltäglichen kapitalistischen Vewertungslauf und des permanenten Überlebenkampfes sämtlicher Menschen auf allen Märkten zum Beispiel keine oder nur eine sehr geringe Toleranz von Fehlern oder Individualität, weil ökonomische Vorstellungen von Wachstum, Leistung und Wettbewerb in der Mehrheit der Köpfe verankert sind, die im Widerspruch dazu und auch zu Solidarität, Brüderlichkeit oder Gegenseitiger Hilfe stehen. Solidarität zahlt sich im Konkurrenzkampf des atomisierten Individuums nicht sofort messbar aus, also zieht es demgegenüber Vorstellungen und Handlungen vor, die mit Sicherheit zumindest einen Lohn zur Folge haben, wie also eine disziplinierte, fleissige, flexible, stressresistente berufliche Tätigkeit am Arbeitsplatz. Es kommt aus diesem Grund zu einer ständigen Verschlimmerung der üblichen menschlichen Probleme.

Kleine Fehler die Menschen nunmal stetig machen, weil niemand alles überblicken kann, entscheiden besonders im Beruf unter gnadenlosen „Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten“ über die Lebensqualität des einzelnen Menschen insgesamt. Es gibt genug andere Marktteilnehmer die man verheizen kann, wenn der aktuelle Angestellte nicht sofort gemäß der Firmeneigenen bzw. nationalen, wirtschaftlichen Pseudophilosophie entspricht, auch wenn diese nur geringe oder nur kurzfristige Verbesserungen leisten können, schliesslich ist keiner vor den Belastungen und Entbehrungen des Berufslebens im Kapitalismus sicher. Kosten und Nutzen gelten als faire und gerechte Gesichtspunkte, obwohl das menschliche Gegen-, Zwischen- und Miteinander ausgeblendet wird beziehungsweise grundsätzlich diesem Prinzip untergeordnet und davon bestimmt wird. Es ist zwar mittlerweile modern zu sagen, wie kann ich als Chef meine Mitarbeiter motivieren, wie fördere ich die Identifikation des Mitarbeiters zu „seinem“ Unternehmen, wie kann ich Krankheitsfälle vermeiden, usw. Aber diese Menschen werden trotzdem sofort ins Nichts und den sozialen Abstieg geworfen, wenn sie nicht so funktionieren wie es aufgrund eines theoretischen Ideals verlangt ist, welches obendrein nur gilt weil sich kaum einer traut es zu hinterfragen. Es wird niemals die Frage gestellt woraus eigentlich die ständigen Konflikte im alltäglichen Wirtschaften entstehen folgen können. Warum die Millionen Arbeitslosen? Warum leisten die Besitzer eines Arbeitsplatzes Überstunden, warum riskieren sie ihre Gesundheit, entfremden sich von sich selbst, ihrer Familie, der Gesellschaft und der Umwelt, wenn Millionen Arbeitslose die gesellschaftlich notwendige Arbeit unterstützen könnten? Offenkundig möchte man sich das aufgrund der dadurch einbrechenden Profite nicht leisten, mal abgesehen davon, dass es dem Konzept unserer Ökonomie grundsätzlich widerspricht Arbeit zu minimieren, was man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss!

All das wird gemeinhin als normal und als Errungenschaft der Zivilisation abgetan, obwohl es sich hier um den ultimativen Wahnsinn handelt. Man setzt auf Kündigungen statt auf Dialog, schliesslich sind die auch wesentlich günstiger. Gespräche binden Arbeitskraft und Arbeitszeit, wer kann sowas gebrauchen, zumal es keine Sicherheiten für qualitative Verbesserungen in der Leistung des vermeintlichen Störenfriedes geben kann. Ignoranz und Intoleranz gehören dazu wenn man Profite erwirtschaften will. Man muss aggressiv sein, sich durchsetzen und ohne Rücksicht auf Verluste agieren. Was zählt ist das Wohl der Profite der juristischen Person, das Wohl einer Sache oder vielmehr eines Prinzips, welches in der gesamten Gesellschaft rauf und runter idealisiert wird. Menschen werden entlassen egal ob das für sie einen Verlust ihrer Lebensqualität bedeutet. Es ist gleichgültig ob sie sich selbst oder ihre Familien nicht mehr ernähren können, ob sie sich nichteinmal den mickrigen Jahresurlaub an der Ostsee leisten können oder ob sie für das Alter etwas zu Seite legen können. Menschen werden in Berufsverhältnisse eingestellt von denen sie nicht einmal leben können und selbst wenn sie davon bloss überleben können, so doch nicht davon leben, schliesslich bedeutet ein Arbeitsplatz heute nicht Friede, Freude, Eierkochen, sondern unter anstrengenden, krankmachenden Zuständen Malochen bis zum Schlaganfall.

Das wird in den Medien zwar durchaus genauso beklagt, wie mehr oder weniger öffentlich in den Betrieben. Aber es erfolgt kaum eine genauere Analyse über die Ursachen. Dieses kurze Aufbäumen verliert sich schnell wieder indem einfach so weiter gemacht wie bisher. Diese Ideenlosigkeit, diese unglaublich fantasielose, systemhörige Herdenmentalität ist es, die den Hunger in der Welt genauso ermöglicht, wie die Millionen Heere an Arbeitslosen und Billigjobs, die sklavenhafte Unterordnung und religiöse Bejahung des gesamten gesellschaftlichen Lebens unter einem wahnhaften Dogma der Profitmaximierung. Darüberhinaus herrscht der totale Irrglaube Arbeitsplätze würden Zukunft bedeuten. Dabei sind sie Ausdruck einer unreifen, gedanklichen Totgeburt. Wir werden immer produktiver, wir machen uns quasi als Arbeiter selbst überflüssig und reagieren damit nur mit noch größerer Produktivität von dessen Früchten wir nicht naschen können, weil die Profite an die Anteilseigner unserer Arbeitsplätze fliesst. Anschliessend wird mit großem Erstaunen der Niedriglohnsektor oder die Entwicklung der Abstaltung von Vermögen und Länder in reich und arm wahrgenommen.

Man wird als Mensch heutzutage wie eine Ware behandelt, benutzt, gebraucht und nachdem man ausgebrannt ist, wird man ausgekotzt und kann sehen wo man bleibt, scheißegal was man geleistet hat. Als Angestellter bzw. Lohnabhängiger der um seines Überleben willen sich wie eine Hure verkaufen und derart erniedrigen lassen muss, darf sich dann einen neuen Freier suchen der ihn solange missbraucht, bis ihm dessen Qualitäten nicht mehr ausreichen. Es gibt keine Solidarität, Anstand, Vernunft, Gerechtigkeit oder gar eine erstrebenswerte Zukunft in so einem Verhältnis. Millionen menschliche Beziehungen sehen so aus, was nicht nur Rastlosigkeit aufgrund der Intensität und ständigen Flexibilisierung und Rationalisierung der Arbeit bedeutet, sondern auch Stress, Anfälligkeit für Krankheiten, mangelnde Lebensqualität weil man seine Lebenszeit hauptsächlich mit derart widerlichen Situationen verschwenden muss. Davon sind bloss einige glückliche Millionäre insoweit ausgeschlossen, alsdass sie sich eben nicht auf dem Arbeitsmarktstrich verkaufen müssen. Genauer muss man aber sagen das wirklich jeder Mensch auf der Welt im Kapitalismus eingebunden ist. Meine Kritik ist also an nahezu alle Menschen gerichtet, auch jene die in ihre Freier verliebt sind oder dem Arbeitswahn für den einzig wahren Lebensinhalt erachten.

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Gott ist geköpft, der König ist geköpft, köpft das Kapital!

Warum lässt die gesamte Menschheit zu, dass Menschen tagtäglich verhungern, sie sich mit ihrer Industrie, ihren regelrecht wahnhaften Glauben an Markt, Leistung, Kapital und Staat ihrer eigenen Lebensgrundlagen beraubt? Jeder weiß: Wachstum ist auf einem begrenzten Planeten unmöglich und doch schreit ein Jeder vom Kind bis zum Greis, vom Pöbel bis zum Präsidenten nach Wachstum! Wachstum bringt Arbeitsplätze! Bringt Reichtümer! Aber doch sind permanent Millionen von diesen Reichtümern ausgeschlossen, egal wie hoch die Wachstumszahlen auch sein mögen. Es ist nämlich das Millionenheer von Menschen die diese Reichtümer mit ihren Knochen und ihrem Hirn erarbeiten müssen, weil sie andernfalls ihr Leben nicht bestreiten können. Viel zu viele von ihnen identifizieren sich positiv mit ihrem Arbeitsplatz der sie knechtet und foltert! Der internationale wie nationale Konkurrenzkampf ist ein Hindernis für die Emanzipation der gesamten Menschheit. Hat uns dieser Kampf mit hohen Opfern zwar die unglaublichen Produktivitätssteigerungen gebracht, so scheinen heute kaum noch größere Steigerungen möglich. Tausende Firmen liefern dieselbe Dienstleistung, dieselben Produkte nur mit minimalen Unterschieden und konkurrieren auf Kosten ihrer Mitarbeiter bis zum totalen Untergang! Dieser ist garantiert, die Flut an Waren vermüllt den Planeten zusehens! Kein Produkt ist günstig genug, kein Lohn zu niedrig, kein Profit zu hoch, die Grenzenlosigkeit dieser Idiotie konnte bisher noch nicht dazu führen, dass die Menschen ebenso grenzenlos wütend wurden und sich in Massen- und Generalstreiks solidarisierten! Und das obwohl psychische, physische Erkrankungen genauso exponentiell zunehmen wie die Zerstörung der Umwelt und der Artenvielfalt! Es ist so als ob die Menschen die neue Gesellschaft, die ihnen manches Mal auf der Zunge liegt (Occupy/Gorleben/S21) lieber erschrocken ausspucken, um den alten Gewohnheiten mit bekannten Schmerzen zu frönen! Sie halten fest an einer Ordnung die in Wahrheit Chaos für das Leben auf dieser Welt bedeutet. Die Krisen wechseln sich in immer kürzeren Abständen und in immer größerer Intensität ab, sodass kaum einer mehr ohne Schwindelgefühl zu erkennen vermag worin ihre Ursachen zu liegen scheinen. Woher soll der Mensch auch noch die Zeit nehmen sich auf den steinigen Weg der Erkenntnis zu begeben, wo er doch Tag ein Tag aus, jahrelang von der Lohnarbeit geknechtet wird und wurde? Jeder von uns sinkt nach diesen alltäglichen ekelhaften Stunden am Arbeitsplatz völlig erschöpft in den Sessel, da öffnet man die Flasche Freizeit doch nur um sie in höchster Süße zu verköstigen, als sie mit erneuter Arbeit, nämlich dem Kampf und Widerstand gegen diese Zustände zu verbittern!

Aber genau hierfür plädiere ich. Es geht um nichts weniger als die Emanzipation der Menschheit von einem ökonomischen, politischen Prinzip, das in der heutigen Zeit derart wertvolle Opfer verlangt, dass wir uns selbst verlieren würden, wenn wir dem weiter mit dieser eisernen Disziplin und Selbstausbeutung nachkommen. Wenn wir die Arbeitszeit für Millionen von Menschen nicht auf 3 oder noch mehr verkürzen, die sogenannten Arbeitslosen zu einem wertvollen Teil der Gesellschaft machen, alle verfügbaren gesellschaftlichen Mittel einsetzen um nicht nur die Armen und Hungernden zu nähren, sondern auch eine Perspektive für Jedermann zu bieten, wird man nur noch als Zyniker, verbissener Menschenfeind überleben können indem man auf möglichst tägliche Amokläufe und einen baldigen alles zerstörenden Atomkrieg hofft. Die Menschheit ist in der Lage sich von irrsinnigen Thesen, Theorien und Vorstellungen zu emanzipieren. Sie hat Götter geköpft. Sie hat Könige geköpft. Sie hat Folter, Ungerechtigkeiten und Privilegien für Minderheiten geköpft. Doch konnte keine Revolution derart weitreichend sein, als dass ihre Ausführung das Ende der Geschichte, die Befriedigung aller Wünsche und Bedürfnisse von allen Menschen bedeutet hat. Solange dies nicht der Fall ist, dürfen wir nicht erschöpft in den Sessel sinken! Die Antwort auf eine Revolution wie in Nordafrika kann nur eine Revolution sein die sie ergänzt und erweitert, denn Leben heißt die permanente Revolution anzutreiben um künftigen Generationen Qualen zu ersparen! Was wir brauchen ist eine neue Epoche der Aufklärung in der neue radikale Formen der Demokratie realisiert werden müssen. Die heutige Staatengemeinschaft dient dem Kapital, den reichsten Familien dieser Welt, dient Interessen die die Emanzipation der lohnabhängigen Massen blockieren und verhindern will und muss qua ihrer innewohnenden Funktionen! Kein Arbeitgeber mag Gewerkschaften! Kein Staat mag Demonstranten gegen Atomendlager oder Bahnhöfe! Und doch sind diese Demonstrationen, diese Organisationen extrem wichtige Keimformen der jederzeit möglichen Emanzipation der Menschheit von diesen ihnen feindlich gesinnten Strukturen und Konstrukten! Der Rechtsstaat mag ein Fortschritt zum Absolutismus gewesen sein, aber er verteidigt weder die Natur noch die Lohnabhängigen Menschen insoweit, als dass sie geschützt wären vor dem Verwertungszwang des Kapitals, als dass die Menschen die Möglichkeit hätten sich aus ihrer Perspektivlosigkeit und Entfremdung selbst zu befreien, die sich eben aus der Situation der Lohnarbeit und des Gesetzgebers ergeben hat! Jeder Staat kämpft gegen andere Staaten wie ein Individuum auf dem Markt gegen andere Individuum konkurriert! Das ist nichts weiter als Krieg. Völker kämpfen gegeneinander um irgendwelcher Reichtümer und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, obwohl sie es viel leichter hätten, würden sie ihre Ansprüche schlicht respektieren und die vorhandenen Quellen fair untereinander aufteilen. Der Mensch von heute sollte diese Selbstgeiselung beenden und sich nicht mehr vom Staat, den Parteien vertreten, durch den Arbeitsplatz ausreichend und fair am Reichtum der Welt beteiligt sehen. Er muss seine Bedürfnisse selbst erkennen, vertreten, diskutieren, hinterfragen und durchsetzen mit direkter Demokratie, mit einer Ökonomie die neben dieser direkter Demokratie auf Solidarität und Bedürfnisproduktion beruht! Die technischen Möglichkeiten (Liquid Democracy) sind längst gegeben!

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Kälte und Zerstörung

Im Berufsleben gibt es keine Gnade. Menschliche Emotionen, Zweifel und Eigenheiten sind nur dann am Arbeitsplatz, für den Chef, für den Kunden, für die Firma relevant, wenn sie die Profite erhöhen. Milliarden gehen täglich zur Arbeit. Es ist der ganz normale Wahnsinn. Wie selbstverständlich prostituieren sich die Massen am Strassenstrich, genannt Markt, um einen Hungerlohn oder fette Boni einzusacken. Gleichgültig in welcher Branche, gleichgültig welcher Konzern, ob Millionen Angestellte oder in Selbstständigkeit, alle Menschen konkurrieren gegeneinander auf dem Strassenstrich, um Freier, um Kunden, um Konsumenten, Absätze, Zukunft und Lebensqualität. Wenn sich indische Bauern umbringen, weil sie ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Wenn sich klassische Prostituierte von Zuhältern prügeln lassen und pro Nacht 5 Freiern den Arsch hinhalten. Wenn für Coltan, Eisen, Öl und Gold tausende Kubikmeter Erde entweder mit blossen Händen oder gigantischen Baggern umgegraben werden. Wenn Händler an der Börse mit Lebensmitteln spekulieren. Wenn man sich als Bürohengst mit einem PC-System, schreienden Kunden und fordernden Chefs herumschlagen muss. So haben wir überall denselben Hintergrund. Sie alle brauchen Profite um in diesem System überleben zu können. Sie brauchen jemand, der bereit ist, für ihre Dienstleistung zu bezahlen. Die Unterschiede mögen gewaltig sein, aber da jeder Mensch auf dem Strich steht, gibt es automatisch Gewinner und Verlierer, schliesslich kann nicht jeder jeden Tag 10 Freier abkriegen.

Angebot und Nachfrage stehen für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit in der Ökonomie. Es steht jedem frei unter einer Brücke zu schlafen, dem Armen und dem Reichen. Wenn die Nachfrage nach der eigenen Dienstleistung nicht da ist, dann ist man selber schuld, dann hat man offensichtlich nicht genug getan, um von Freiern als wertvoll genug erachtet zu werden. Wer nicht den Vorurteilen einzelner Entscheidungsträger in Schlüsselpositionen entspricht, der kann unter Umständen schnell den sozialen Abstieg vollziehen, ohne jemals nachhaltige Hilfe von irgendjemanden erwarten zu können. Im Gegenteil, der deutsche Staat streicht Förderungen und Unterstützung, zwingt die Arbeitslosen indirekt dazu jeden Job anzunehmen. Einzig die Familie kann ein wenig helfen, aber wenn die nicht über genug finanzielle Mittel oder Kontakte verfügt, ist auch sie völlig machtlos gegenüber der Logik des Marktes. Wer ein paar Mal zu spät kommt, wer nicht freundlich Kunden bedient oder Vorgänge, Aufträge, Befehle, Anweisungen und so weiter angemessen erfüllt, der wird keine Woche überleben. Es gilt als normal sich dem allgemeinen geschäftlichen Treiben zu ergeben, denn Individualität, Zweifel oder gar Kritik haben hier keinen Platz, wenn sie nicht irgendwie Erträge liefern können. Die Brutalität die hierin steckt ist eindeutig. Wer nicht passt, muss sich passend machen, flexibel sein, Weiterbildung betreiben, trainieren, an sich arbeiten, um irgendwann einmal wieder Konkurrenten am Strich ausstechen zu können. Habe den Mut dich deines Verstandes zu bedienen, ja sicher lieber Kant, aber nicht wenn das den von Dir selbst hochgejubelten Konkurrenzkampf* behindert!

Jede Handlung seit der 3.Klasse in der Schule dient dem Konkurrenzkampf, den Leistungsprinzipien des kapitalistischen Systems. Mit jeder guten Note schlägt man einem Schüler mit schlechteren Betragen in die Fresse, denn durch diesen Beleg der eigenen Leistungsfähigkeit weist man die künftigen Bedürfnisse des Schlechteren als weniger legitim zurück. Aber das passiert nicht weil man es persönlich so gewollt hat. Es passiert weil das System Menschen so bewertet und behandelt. Schlechte Noten, schlechter Abschluss, schlechte Berufsausbildung oder sogar gar keine Berufsausbildung, bedeutet eine schlechte berufliche Karriere, mit geringen Einkommen und damit letztlich schlechter Lebensbedingungen, die kaum lebenswert erschienen und einen noch stärker für jeden verdammten Dreck in der Welt anfällig machen. Menschen die ihre Leistung nicht bringen, haben es in diesem System also „verdient“ schlechter zu leben als andere. Dagegen können andere Menschen in Afrika, Indien, Indonesien, China, Brasilien, Peru und hunderten anderen Regionen und Orten der Welt schuften wie sie wollen, sie erhalten trotz harter Knochenarbeit einen nur Hungerlohn. Ihr Spielraum für Protest, Widerstand oder gar kritischer Reflexion ist quasi nicht vorhanden. Denn ihre Nation, ihr Wirtschaftsstandort ist schlicht nicht konkurrenzfähig im internationalen Wettbewerb, der sozusagen auf einem internationalen Strassenstrich stattfindet, auf dem sich Nationen nochmal extra mit ihren Exporten und Importen prostituieren.

Die haben eben Pech gehabt. Genauso die Hungernden in dieser Welt. Jeden Tag verhungern Tausende und es gellt kein Aufschrei durch die Massenmedien oder die Bevölkerung. Zuletzt nur mal kurz wegen Somalia, aber dann war auch wieder Ruhe, die nächste Katastrophe war wichtiger. Wir alle sind damit beschäftigt uns im System nach oben zu treten. Wenn hunderte Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa ersaufen oder aufgrund der Überproduktion die Umwelt zerstört und vergiftet wird, dann ist das kaum mehr als eine bedauerliche Bemerkung wert. Es veranlasst niemanden dazu über diese Gesellschaft und die notwendigen Hintergründe zu reflektieren, die solche menschenverachtenden Zustände möglich machen. Trotz der Proteste die immer wieder in den letzten Jahrhunderten aufgeflammt sind und auch in der jetzigen Dekade erneut aufflammen, ging es immer weiter mit diesen Prinzipien und der sozialen Kälte in den menschlichen Beziehungen. Auch wenn man sich engagiert, solange man am Berufsleben festhält, überwiegt eben die Unterstützung der Zerstörung der Welt und menschlicher Werte und Beziehungen!

Jeder hat seine eigene Wohnung, seine eigene Küche, seinen eigenen Fernseher, seinen eigenen Wagen, lebt vereinzelt, vereinsamt neben anderen Menschen her. Nur noch wenige Menschen haben tatsächlich einen großen Freundeskreis, weil ihnen schlicht die Zeit für so etwas fehlt. Und weil ihnen die Zeit fehlt, verlernen sie völlig den Wert solcher Beziehungen. Die Beziehungen werden oberflächlich und orientieren sich immer stärker daran, ob man davon etwas hat. Das geht bis in die größte Intimität die ein Mensch eingehen kann. Viele kennen gar nicht den genauen Charakter und Empfindungen ihres Sexualpartner, sie interessieren sich in erster Linie für dessen äußerliche Hülle, seine berufliche und gesellschaftliche Stellung. Das wird als Selbstverständlichkeit behandelt, schliesslich vögelt man ja nicht dessen Charakter, heißt es. Und aus solchen Konstellationen entstehen Schwangerschaften mit Kindern, die teilweise völlig unter dieser Oberflächlichkeit zu leiden haben. Aber auch sie werden lernen die Fresse zu halten, sich auf dem Strich zu prostituieren, sich dem allgemeinen Wahn, dem Stress, dem Profit, dem Staat hinzugeben. Denn das Kind wird sich von seinem eigenen Gemüt abspalten, weil nur die Befehle und Ansprüche der Eltern und der Äußeren Umwelt zählen. Es wird der Ideologie des Marktes, des Kapitals und des Staates so gut entsprechen wie es nur kann und die Hoffnung vieler Milliarden Konkurrenten teilen, es einmal besser zu haben als die Eltern. Verrat an den eigenen Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen ist ganz gewöhnlicher Alltag in dieser Gesellschaft. Man verliert sich jeden Arbeitstag ein Stückchen weiter und ist am Ende völlig verzweifelt und verstört. Das nennt man dann „Midlife Crisis“, Burnout oder Depressionen, wobei es freilich noch mehr Krankheiten und Symptome gibt. Es ist eine Selbstverständlichkeit keine grundsätzliche Kritik oder Widerstand zu leisten, denn die Massen funktionieren und machen mit, weil sie nicht zu sich selbst stehen wollen oder können. Wer es dennoch tut, geht in der Regel den sozialen Abstieg und wird auch noch Hohn und Spott als Quittung erhalten.

* = Kant schrieb folgendes 1784 in der ‚Berlinischen Monatsschrift‚: „Ohne jene, an sich zwar eben nicht liebenswürdige, Eigenschaft der Ungeselligkeit, woraus der Widerstand entspringt, den jeder bei seinen selbstsüchtigen Anmaßungen notwendig antreffen muß, würden in einem arkadischen Schäferleben, bei vollkommener Eintracht, Genügsamkeit und Wechselliebe, alle Talente auf ewig in ihren Keimen verborgen bleiben: Die Menschen, gutartig wie die Schafe die sie weiden, würden ihrem Dasein kaum einen größeren Wert verschaffen, als dieses ihr Hausvieh hat; sie würden das Leere der Schöpfung in Ansehung ihres Zwecks, als vernünftige Natur, nicht ausfüllen. Dank sei also der Natur für die Unvertragsamkeit, für die mißgünstig wetteifernde Eitelkeit, für die nicht zu befriedigende Begierde zum Haben, oder auch zum Herrschen! Ohne sie würden alle vortreffliche Naturanlagen in der Menschheit ewig unentwickelt schlummern. Der Mensch will Eintracht; aber die Natur weiß besser, was für seine Gattung gut ist: sie will Zwietracht. Er will gemächlich und vergnügt leben; die Natur will aber, er soll aus der Lässigkeit und untätigen Genügsamkeit hinaus, sich in Arbeit und Mühseligkeiten stürzen, um dagegen auch Mittel auszufinden, sich klüglich wiederum aus den letztern heraus zu ziehen.

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Brandanschläge in Berlin & deutsche Bomben in Afghanistan

Die Anschläge auf die Infrastruktur Berlins wurden von linken antiautoritären Vorstellungen inspiriert. Die Anschläge der Bundeswehr auf die Bevölkerung Afghanistans wurden von den westlichen Wertvorstellungen autoritärer Staaten inspiriert. Die Anschläge der Taliban wurden von religiösen autoritären Vorstellungen inspiriert. Nachdem also, um ganz vereinfacht zu beginnen, autoritäre Staaten mithilfe ihrer terroristischen Staatsdiener Menschen zerfetzt haben, rächten sich religiöse Terroristen ähnlich willkürlich, worauf der deutsche Staat, um seine innere Sicherheit im Sinne der freien Verwertung des Kapitals zu schützen, mit pflichtbewussten, bewaffneten Staatsdienern und Bomben geantwortet hat. Weil letzteres nun sein 10. Jubiläum feierte, dachten sich einige Individuen, inspiriert von linken Thesen, es sei nun an der Zeit innezuhalten, die Bevölkerung zu „entschleunigen“ und mithilfe diverse Brandsätze, medientaugliche Rache an dem militärischen Komplex unserer Gesellschaft durchzuführen. Was haben all diese Zerstörungen gemeinsam?

Der Krieg im Irak, in Afghanistan, ob ausgehend von Amerika oder Deutschland ist zweifelsohne Destruktivität. Der Terror der von Al Kaida ausgeht ist ebenfalls eindeutig destruktiv. Und nun antworten linksinspirierte Individuen auf all diese Zustände mit Destruktivität! All diese verschiedenen Formen von Destruktivität scheinen also von verschiedenen Ideologien inspiriert zu sein. Der Staatsdiener in Form eines Bürgers in Uniform, identifiziert sich mit dem autoritären Zwangskollektiv genannt Staat und Nation. Akzeptiert daher seine Werte, die sich daraus speisenden Vorstellungen von Recht und Unrecht. Diese stehen im völligen Widerspruch zu dem religiösen Zwangskollektiv genannt Islam, welches eigene Werte, Vorstellungen von Recht und Unrecht mit sich bringt. Natürlich ist das Christentum genauso ein Zwangskollektiv wie der Islam. Obendrein kommen die rachsüchtigen Taten linksinspirierter Täter hinzu, mit ihrem eigenen Bild von Recht und Unrecht, die wohl eher antiautoritären Vorstellungen nachgehen. Bricht man das also derart herunter, stehen sich verschiedene Weltbilder gegenüber, die sich gegenseitig mithilfe ihrer Träger, den individuellen Menschen gegenseitig bekämpfen. Es scheint also ein Krieg der Vorstellungen und Traditionen zu sein, der letztlich den Planeten verwüstet, Menschen tötet und gefährdet.

Während die Thesen des Bekennerschreibens regelrecht tragisch an den Kern der gesellschaftlichen Probleme vorbeischiesst und daher mit Destruktivität antwortet, ist den Taliban und den Soldaten, Politikern nicht einmal im Ansatz klar, warum sie sich mit der Religion oder dem Staat identifizieren und ihm Gehorsam und Pflichtbewusstsein bis in den Tod entgegenbringen. Fehlende Empathie mit den eigenen persönlichen Bedürfnissen, Wünschen und Sehnsüchten und aller anderen Lebewesen auf der Welt, ist eine der grundlegenden Gemeinsamkeiten von Terroristen des Staates, der Religion und dieser linksinspirierten Aktivisten. Wieso sind soviele Menschen fähig anderen Menschen Schaden hinzuzufügen oder wie es im Fall der linksinspirierten Aktivisten ist, zumindest dieses Risiko einzugehen, dass Menschen verletzt werden? Es ist fehlende Empathie. Grundsätzliches Unvermögen sich in die Lage anderer Menschen hinein zu versetzen und deren Schwierigkeiten zu erkennen, sich selbst in diesen anderen Menschen zu erkennen. Die Taliban, die Soldaten, Politiker, die Aktivisten sind getrieben von Selbsthass und Antworten, das hat die Geschichte bewiesen, mit Hass, mit Destruktivität, mit Gewalt und Zerstörungswut. Daraus folgt weiteres Unverständnis, weitere Anfeindungen und eine Hineinsteigerung in Ideologien, die die Individuen letztlich noch weiter abstumpfen, vereinzeln und voneinander abspalten.

Wie aber ist diese fehlende Empathie und dieser Selbsthass möglich? Woher kommt dieser Hass? Warum antworten Millionen Menschen auf Destruktivität mit weiterer Destruktivität? Wie haben die Menschen gelernt ihre individuellen Empfindungen zu verdrängen, sich in den Staat, die Religion, den Militarismus, also den Ideologien einzureihen und unterzuordnen? Offensichtlich muss hier bereits in der Kindheit eine Abspaltung stattgefunden haben, in der man schon als Kind lernte, die eigenen Vorstellungen, Empfindungen und Sehnsüchte zurück zu stellen, weil es die Eltern, die Schule, der Staat, der Kapitalismus verlangten. Entweder man entspricht als Kind fremden, autoritären Vorgaben oder erfährt Zurückweisung, Ablehnung und Liebesentzug, wenn man eigene Autonomie praktizieren will, also ein „schwieriges“ und „anstrengendes“ Kind ist. In beiden Fällen sondert man bereits als Kind das eigene innere Gemüt ab, um von der äußeren Umwelt anerkannt, geschätzt und geliebt zu werden. Selbst wenn man rebelliert, entspricht man den Negativvorstellungen der Eltern bzw. der Gesellschaft und wird abgelehnt. Es sind also vor allem die Eltern, die gesellschaftlichen Umstände selbst, mit ihren Vorurteilen, Konditionierungen, die aus einem autoritären Weltbild stammen, die das Kind, die uns alle als Kind maßgeblich dazu zwang, sich selbst für seinen eigenen Drang zur Autonomie von Gefühlen, Vorstellungen und Handlungen zu hassen. Denn die eigenen Eigenschaften schienen ja dafür verantwortlich zu sein, dass die Eltern einen ausschimpften oder bestraften.

So übernimmt man nach einiger Zeit die Position der Eltern, verdrängt die eigene Individualität, hasst sie mitunter das ganze Leben, woraus sich Selbsthass und Hass auf andere Menschen entwickelt, der wiederum Abspaltung und Ausgrenzung von anderen Individuen impliziert. Die Staatsdiener grenzen also andere Menschen aus, indem sie ihrem Zwangskollektiv dienen, indem sie sich mit ihm identifizieren und ihn für einen Teil ihrer eigenen Individualität und Freiheit halten. Die Übernahme von Ideologien ist seit dem elterlichen und schulischen Machtkampf zum Überlebensmotto geworden. Wer sich nicht anpasst verliert. Aber wer sich anpasst, verliert seine Individualität. Dieser Widerspruch ist unerträglich für Menschen die sich mit Ideologien ein funktionierendes Leben aufgebaut haben, daraus ihr Empfinden von Recht, Ordnung, Verantwortung, Freiheit und Liebe definiert haben. Für sie ist es lebensbedrohend wenn ihre Ideologie, ihre Identifikation mit dem Zwangskollektiv Staat oder Religion hinterfragt, kritisiert und angegriffen wird. Darauf reagieren sie mit äußerster Brutalität, so zum Beispiel mit Terrorakten. Mal werden Bomben in U-Bahnen gezündet, um die Ungläubigen zu belehren, zu vernichten, zu überzeugen, um sie dazu zu bringen, die Größe der eigenen Ideologie  anzuerkennen und damit auch die eigene völlig durch die Abspaltung von Empathie und der eigenen Individualität verdrehte, krank- und wahnhafte Persönlichkeit zu respektieren. Dann werden Familien mit deutschen Bomben in Afghanistan zerfetzt, um die Freiheit und Sicherheit des eigenen Zwangskollektivs zu sichern und ebenfalls das Signal zu senden, respektiert unsere Macht und alle dahinterstehenden Individuen, die sich damit identifizieren. Beide Ideologien, ob religiös oder staatlich, fußen also in entfremdeten Menschen, die jederzeit manipulierbar und zu neuen Schandtaten verführbar sind.

Und die besagten linksinspirierten Aktivisten haben anscheinend auch keine andere Idee, als darauf ebenfalls mit Bomben zu antworten, diesmal aber als Rache, als Kritik an das Bombenwerfen in aller Welt mithilfe der deutschen Waffenindustrie. Darin ist eindrucksvoll ihr empathieloses, entfremdetes Unverständnis gegenüber der Destruktivität anderer Menschen in Staaten und Religionen dokumentiert, obwohl ihre schemenhafte Analyse im Bekennerschreiben einige korrekte Ansätze aufgewiesen hat. Die Antwort von linken Aktivisten sollte eben nicht die Gewalt, welche neue Feinde, Unverständnis und Destruktivität hervorrufen wird, der Selbsthass, welcher immer neuen Hass produziert und in die Welt setzt, sein. Denn Gewalt und Hass melden beide eigene Machtansprüche an. Es sollte stattdessen mit Liebe, Mitgefühl, Solidarität, Kommunikation und Organisation reagiert werden. Dabei ist auf dezentrale, antiautoritäre und undogmatische Durchführung zu achten. Das freie Individuum in seiner Ganzheit und Individualität soll anerkannt sein und so als Maßstab für eine bessere Welt dienen.  Die Antwort auf all die Zerstörung der Welt, ausgehend von erwachsenen Kindern, die sich noch immer ungeliebt und unakzeptiert fühlen, die sich in Ideologien und deren Zwangskollektiven geflüchtet haben, sich aktuell im Kapitalismus in Leistungswahn und Konkurenzkampf erschöpfen, dabei den Planeten zerstören, sind also nicht Brandsätze und daraus erhoffte kurzfristige „Entschleunigung“. Daraus erfolgt keine Inspiration der entmündigten, geschundenen, ausgebeuteten Individuen, die sich durch den Alltag schleppen und sich dafür hassen, sich selbst nicht entfalten zu können, geschweige denn zu erkennen, worin ihre eigentlichen, ursprünglichen Sehnsüchte und Bedürfnisse stecken! Das müssen die Revolutionäre dieser Welt zu allererst lernen. Wer den Hass, die Ausbeutung und Zerstörung, die Herrschaft des Menschen über den Menschen in aller Welt beenden will, muss zunächst einmal das Trauma seiner eigenen Kindheit erkannt, verarbeitet und überwunden haben!

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Wer braucht das Oktoberfest?

Die Wiesn ist ein Megaevent in Bayern und das bereits seit vielen Jahrzehnten. Die Besucherzahlen der letzten Jahre belaufen sich regelmäßig im Millionenbereich. Dementsprechend profitieren finanziell einige zehntausend Menschen von den überteuerten Preisen in den Zelten und Fahrgeschäften, im Personenverkehr, in Hotels, bei Stadtrundfahrten usw.  Die Beachtung dieses traditionellen Sauffestes ist weltweit gigantisch. Nun stellt sich schon die Frage warum diese Wiesn derart groß geworden ist und wieso es derart viele Menschen gerade in der örtlichen Umgebung dort hin zieht. Die grosse Menschenmasse, die ein gemütliches Schlendern erschweren, die bereits angesprochenen saftigen Preise, können ja wohl kaum die Attraktivität der Wiesn ausmachen. Viele Menschen werfen sich extra für diese Veranstaltung in hunderte Euro teure Trachten um darin ordentlich einen über den Durst zu saufen. Warum?

Das regelmäßige kollektive Besaufen steht für ein grundsätzliches Symptom von Entfremdung in der kapitalistischen Gesellschaft. Es ist ja nicht nur die Wiesn, die dazu einlädt zu feiern. Fußballspiele, Weihnachten, Ostern, Silvester, Vatertag, Geburtstage, die Heirat von selbsternannten Mächtigen und tausende Clubs, Bars, Pubs, bieten quasi permanent landauf landab die Möglichkeit sich mit dem Nervengift Alkohol und diversen anderen legalen wie illegalen Substanzen abzuschießen. Und diese Möglichkeit wird gerne wahrgenommen. Die Alkoholleichen gehören zum ganz gewöhnlichen Bild auf der Wiesn und überall in Europa und in der Welt. Offensichtlich scheinen nicht nur ein paar Millionen auf der Wiesn etwas miteinander zu teilen. Offenbar teilt die gesamte Weltbevölkerung den Hang sich auszutoben, sich gehen zu lassen, sich von etwas zurückzuziehen und das gemeinsam mit Freunden und Fremden zu praktizieren. Viele Menschen sterben aufgrund des übermäßigen Konsums dieser Drogen. Aber es soll hier nicht der Zeigefinger erhoben werden, es geht darum die Hintergründe des Partyhungers der Bevölkerung näher zu beleuchten.

Manipulation und Konditionierung in der Schule und im Beruf, im Sinne der inneren Logik des Systems

Die Art wie wir leben hängt eindeutig mit der Art zusammen wie wir arbeiten. Den Großteil unseres Lebens verbringen wir auf der Arbeit. Zuvor haben wir einen Großteil unseres Lebens damit verbracht, in der Schule die besten Noten zu erhalten. Der Leistungsdruck und die Prinzipien des Wettbewerbes konnten wir so verinnerlichen. Ein Großteil der Menschheit identifiziert sich also mit dem Konkurrenzkampf in der Welt. Die Schwierigkeiten die daraus hervorgehen sind im Grunde genommen offensichtlich, wenn man einfach mal hinsieht. So sieht man bereits in der Schule und sicherlich auch aus eigener Erfahrung von damals, was schlechte Noten mit einem Menschen anrichten können. Fehlendes Selbstbewusstsein als Folge des Liebesentzuges durch die Eltern, weil die das Kind nur dann hochjubeln und offen als wertvoll erkennen, wenn es zum oberen Notenfeld der Klasse gehört. Natürlich mag es auch tolerante Eltern geben, die ihr Kind nicht maßregeln, ausschimpfen wenn es den Vorgaben in der Schule nicht entspricht. Aber wir wissen wie es in der Regel läuft. Es geht schliesslich „um dein Leben“, „Du lernst für dich, nicht für mich“, „Wenn Du dich nicht anstrengst, wirst Du dein ganzes Leben unglücklich sein“. Jeder hat da seine Individuellen Erfahrungen gemacht, wie mit schlechten Leistungen im elterlichen Haus umgegangen wurde. Die Folgen sind ähnlich individuell.

Manche Menschen kriegen am Ende noch die Kurve, schreiben einen Abschluss der sich halbwegs sehen lassen kann. Andere hingegen werden im Laufe der Zeit zu regelrechten Musterschülern. Der ganze Rest hat verloren. Die Schule ist eine Institution, die die Schüler unter Druck setzt. Der Lehrstoff wird innerhalb kürzester Zeit durchgezogen. Der Lehrplan orientiert sich nicht an der Individualität der Kinder, sondern an den Vorgaben des Staates, der die Anforderungen des Marktes im Blick hat. Die Schule trennt die Menschen also von einander, indem sie via Schulnoten sortiert wer einmal eine wertvolle Arbeitskraft sein wird und wer weniger wertvoll, also leicht austauschbar sein wird. Die große Masse wird später eine Ausbildung in den verschiedenen Betrieben machen und die ganze Brutalität der Lohnarbeit als Selbstverständlichkeit annehmen. Einige machen eine akademische Ausbildung und weisen schliesslich jene an, die eine berufliche bzw. minderwertigere Ausbildung gemacht haben. Der Rest bleibt in Arbeitslosigkeit oder hangelt sich im Niedriglohnsektor von einem miesen Job zum nächsten. Nachdem man also als Kind gelernt hat seine Spontanität und Individualität zurückzustellen, um später einen Job zu erhalten, von dem sie mehr oder weniger gut leben können, steigert sich mit der Zeit der Druck, den man aus der Schule kennt. Ganz still und leise wird man als Auszubildender mit immer mehr und schwierigeren Aufgaben betraut. Man lernt Verantwortung für das Unternehmen zu tragen, wie es so schön heisst.

Nach Übernahme in ein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis steht man also Tag für Tag seinen Mann oder seine Frau am Arbeitsplatz. Die immer selben Probleme treten auf. Kunden beschweren sich, Abläufe funktionieren nicht, müssen optimiert werden, der Chef will Rationalisierungen durchsetzen, Überstunden fallen an und auch das Privatleben gerät immer mehr unter Druck, weil die Eltern ihre Unterstützung Stück für Stück zurückziehen, nachdem sie ihr eigenes Kind fast 2 Jahrzehnte unterstützt haben. Man wird also als ganz gewöhnlicher Lohnabhängiger mit der Routine konfrontiert, die der Kapitalismus schon seit Jahrzehnten praktiziert. Millionen von Menschen kämpfen in den Büros, Baustellen, Lagerhallen dieser Welt um ihren Platz in der Gesellschaft. Es geht ständig darum die eigene Position im Unternehmen und damit auch am Markt zu sichern und erfolgreich auszubauen. Das bedeutet man muss sich als Angestellter gegenüber anderen Angestellten durchsetzen. Damit sind nicht nur die Kollegen in der eigenen Firma gemeint, sondern auch die Kollegen in anderen Firmen. Wenn der Chef Rationalisierungen durchsetzen will, dann um die Konkurrenz für einige Wochen abzuhängen oder zumindest zu ihr aufzuschließen. Überstunden sind wie ein Schlag ins Gesicht für die Konkurrenz, denn die muss da mindestens gleichsetzen, um ihre Anteile am Markt nicht zu verlieren. Natürlich gibt es effizientere Konzerne, bei denen das nicht zutrifft, die also ihre Angestellten nicht zu Überstunden zwingen müssen, damit sie als Konzern am Markt profitabel sind. Aber es geht hier lediglich um eine vereinfachte pointierte Darstellung der ökonomischen Normalitäten.

Wenn man also Überstunden schiebt, dann müssen andere Menschen nachziehen. Wenn ihr Unternehmen die geleistete Arbeit dann nicht in Profit umsetzen kann, war die Mehrarbeit für den Arsch und man gehört für diesen Tag oder u.U. für dieses Quartal zu den Verlierern. Generell wird erst nachdem produziert worden ist, am Markt, beim Verkaufen und Kaufen von Waren festgestellt, inwieweit die eigene Arbeitskraft etwas wert ist. Nicht selten kommt es zu Überraschungen. So können ineffiziente Ausbeuter der Lohnarbeit leicht pleite gehen. Andersherum können Lohnabhängige die keine Überstunden leisten wollen, die sich nicht genug für das Unternehmen einsetzen, die nicht flexibel genug sind, aus dem Unternehmen geworfen werden und durch ein willigeres Humankapital ausgetauscht werden. Wir haben Millionen Arbeitslose, daher ist das überhaupt kein Problem und jeder kennt diese Angst jederzeit rauszufliegen, nicht gut genug zu sein. Man findet diese Ängste bereits in der Schule. Als Kind glaubt man zu wenig wert zu sein und das setzt sich schliesslich im Job fort. Man wünscht sich Anerkennung und die erhält man nur durch Leistung, bzw. Leistung die gesellschaftlich anerkannt wird. Und diese anerkannte Leistung kann man vorwiegend nur am Arbeitsplatz erwirtschaften. Arbeitslose sind nichts wert in dieser kapitalistischen Gesellschaft, sie kosten der Gesellschaft sogar etwas und dementsprechend minderwertig fühlen sich Menschen, die von Sozialleistungen abhängig sind. Das ist alles Teil einer sektenartigen Gesellschaft. So gut wie alle Menschen glauben an die Arbeit, an die Firma, an den Staat, der all diese Zustände gesetzlich legitimiert und jeden einzelnen von uns in den Schulen indoktriniert hat, genau so zu denken, zu fühlen und zu handeln.

Was hat das mit der Wiesn zutun?

Wenn man also aus dem Großteil seines Lebens die Erfahrung gemacht hat, dass man nur dann etwas wert ist wenn man Leistung am Arbeitsplatz bringt und das die Anerkennung oftmals viel zu gering ausfällt, beziehungsweise oft nur ihren Ausdruck in der monatlichen Überweisung findet. Dann fühlt man sich schlecht. Dann fühlt man sich minderwertig. Dann glaubt man immer zu wenig zu liefern, zu wenig zu sein. Daraus bilden sich bei tausenden Menschen psychische Störungen. Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass Millionen von Menschen unter Depressionen und Burnout leiden. Sie fühlen sich chronisch minderwertig und haben chronisch zuviel gearbeitet. Ich unterstelle das sie aufgrund dieser Minderwertigkeitsgefühle und dem Konkurrenzkampfwahn an den nationalen und internationalen Märkten so empfinden und gehandelt haben. Sie sind aufgrund des Kapitalismus und diesem Staat und nahezu allen anderen Staaten weltweit dazu getrieben worden, sich und andere Menschen zu zerstören. Nachdem sie zehntausende Stunden im Job den Anforderungen und Vorgaben entsprochen haben und sie oft übererfüllt haben, fühlen sie sich immer noch nicht glücklich. Auch finden die Anforderungen und Vorgaben vom Markt in Form des Arbeitgebers kein Ende. Wer will, der kann 200 Jahre arbeiten und wird selbst danach immer noch jede Menge aufgebürdet bekommen. Denn das Kapital hat immer eine Aufgabe für seine überlebenswichtige, wertschöpfende Kreatur, namens Lohnabhängiger.

Man stellt sich also zurück wenn man im Job tätig ist. Nur ganz wenige Menschen gehen in ihrem Beruf auf, lieben den Stress, die Routine, die Beschimpfungen der Kunden, die Schwierigkeiten in den Abläufen und die stetig steigenden Anforderungen und Vorgaben am Arbeitsplatz. Viele nehmen diese ganzen Zustände als Normalität hin. Sobald psychische oder physische Schwierigkeiten aufkommen, sehen sie das Problem bei sich selbst und nicht der Art und Weise wie Arbeit in dieser Gesellschaft organisiert wird. Um diese Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen oder ihnen vorzubeugen, wird in der sogenannten Freizeit der Ausgleich gesucht. In der Freizeit wollen die Menschen so sein wie sie wirklich sind. Nur hier dürfen sie auch so sein wie sie sein wollen. Sie müssen hier nicht profitabel tätig sein, auch wenn viele Freizeitaktivitäten mittlerweile exakt diesen Charakter angenommen haben. Sport ist da ein sehr gutes Beispiel. Der Konkurrenzcharakter ist dort extrem im Vordergrund. Jeder will der Beste sein und sich profilieren, Anerkennung ergattern. Anerkennung die man im Beruf oder in der Schule nur ungenügend gefunden hat. Und genau diese Mentalität, die dem Konkurrenzdenken in der Firma bzw. am Arbeitsplatz entspringt, findet sich selbst im Konsum wider. Wer kann sich welche Produkte leisten? Wer kann am meisten Alkohol trinken?

Die Wiesn ist also einerseits eine Möglichkeit sich zu profilieren. Man kann sich die teure Maß leisten und man kann auch etliche davon trinken, ohne gleich kotzen zu müssen. Das soll das andere Geschlecht bzw. generell alle Menschen beeindrucken. Dabei ist es nur Ausdruck von Entfremdung. Entfremdung ist ein Begriff den Karl Marx und Erich Fromm gebraucht haben. Es geht mir in diesem Zusammenhang darum zu zeigen, warum die Wiesn für viele Menschen so wichtig ist. Denn andererseits erhält man nämlich als entfremdeter Lohnabhängiger bei solchen Events, wie der Wiesn, die Möglichkeit sich den Verwertungslogiken, die mittlerweile in fast allen Lebensbereichen wirken, für wenige Stunden zu entziehen. Es gibt nämlich neben der Möglichkeit sich beim Saufen zu profilieren, auch die Möglichkeit sich abzuschießen und damit nicht mehr so zu funktionieren, wie es die Gesellschaft seit der Kindheit an von den Individuen traditionell verlangt. Ich habe also Verständnis für die Alkoholleichen, für die Suchtprobleme in dieser Gesellschaft. Sie sind ein klares Symptom und Indiz für eine Gesellschaft voller Individuen die „im Falschen“ (Adorno) lebt. Dennoch lösen die Individuen ihre Schwierigkeiten nicht, wenn sie jede Möglichkeit wahrnehmen, sich abzuschießen oder sich beim Konsum von Waren zu profilieren.

Die Atomisierung der Individuen findet durch den vom Staat und dem Kapital organisierten Konkurrenzkampf an den Arbeitsplätzen, in den diversen Konzernen und Branchen weltweit statt. Nahezu alle Menschen konkurrieren gegeneinander um einen Bruchteil der Profite, um damit ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen. Die Bedürfnisse der Menschen blockieren sich also gegenseitig, weil nur so die Profitmaximierung stattfinden kann. Nur gewerkschaftliche Organisierung, Generalstreiks, die darauffolgende Steigerung der Kenntnisse bezüglich der ökonomischen Widersprüche, Zerstörungen und der damit einhergehenden Ausbeutung, Entfremdung und Unterdrückung, die Abschaffung des Kapitalismus und des Staates, kann diese Zustände, die den eigentlichen Bedürfnissen der arbeitenden Masse entgegenstehen, nachhaltig abschaffen. Die tatsächlichen Bedürfnisse des Menschen sind mit dem Kauf von Waren nicht vollständig zu befriedigen. Zwar erhalten die Massen eine gewisse Sättigung, denn die Qualität der Produkte im Einzelhandel oder der Unterhaltungsindustrie konnten in den letzten Jahrzehnten, auch durch die Steigerung der Produktivität, ständig verbessert werden. Doch fühlen sich viele Menschen einsam, wie eine Maus im Laufrad, also ständigem Druck, Zwängen und Vereinnahmungen ausgesetzt. Zivilisationskrankheiten machen seit Jahrzehnten die Runde. Millionen sind nachwievor von den Reichtümern der Gesellschaft ausgeschlossen. Darunter auch die Menschen in Afrika, ganz akut in Somalia, die zu tausenden tagtäglich ihr Leben lassen müssen, nur weil sie für die grundlegendsten Bedürfnisse, die hierfür nötigen finanziellen Mittel nicht aufbringen können.

Die Revolutionen und Revolten in Nordafrika sollten uns in Deutschland, Europa und generell in den gesamten Industrienationen dazu aufrütteln, eine Weiterentwicklung der politischen und wirtschaftlichen Organisierung voranzutreiben. Denn der Parlamentarismus, die Vertreterschaft in der Politik, die Ausbeutung der Ware Arbeitskraft bzw. Ware Mensch, ist nicht im Interesse unserer eigentlichen Bedürfnisse und Individualität. Wir treten tagtäglich mit dem Antritt in Schule und Beruf, unsere eigene Identität mit Füßen, wir blockieren die Entfaltung unserer Persönlichkeit, wie die Persönlichkeit aller Individuen weltweit. Was uns seelischen Qualen aussetzt und letztlich an den Bodengrund einer Alkoholflasche führt. Wir sollten saufen wenn wir wirklich etwas zu feiern haben. Wenn tausende tagtäglich verhungern, Millionen Arbeitslos sind, Milliarden in Lohnarbeit versklavt sind und nur eine Minderheit von all diesen Zuständen parasitär profitiert, dann haben wir nicht zu saufen und zu feiern, sondern dagegen zu kämpfen! Wir müssen uns solidarisieren, organisieren und darüber reflektieren wie wir als Gemeinschaft leben wollen!

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Der wachsende Verkehrstumor

Wie lange leben wir schon zwischen, mit den und in den Maschinen, die unaufhörlich Abgase in die Atemwege aller Lebewesen pusten? 40 Millionen Kraftfahrzeuge alleine in Deutschland. Man könnte ganz Deutschland in diese Fahrzeuge setzen und es wären noch Plätze frei für Waren aus Baumarkt- und Lebensmitteldiscountern, Fastfoodrestaurants, die der Landschaft besonders in den Städten und Vororten jegliche Individualität und Geschichte verdrängen. Abgepackte, normierte, massenhaft produzierte und via Massenmedien vermarktete Ware, die den Verbraucher verführen soll zu kaufen und immer mehr zu kaufen. Oft kaufen wir Dinge die wir nicht brauchen. Die Hälfte aller Lebensmittel werden weggeworfen. Viele funktionierende Elektrogeräte erfahren ein ähnliches Schicksal. Verschwendung, Zerstörung, Ignoranz, Arroganz, Desinteresse, Lethargie, Hektik, Stress prägen unsere Gesellschaft. Es erscheint völlig alternativlos die Massenproduktion von Waren umzugestalten, ähnlich wie es unmöglich erscheint, die Nutzung von Autos zu vermindern. All das macht uns krank und nur wenige Menschen schaffen es daraufhin wieder gesund zu werden und ihr Leben nach dieser bitteren Erfahrung umzugestalten.

Früher hat man Autos für die Ewigkeit gebaut, heute wechselt man das Auto alle paar Jahre. Meine Arbeitskollegen haben immer dieselben Themen. Autos, Fußball, Feiern, der Stress im Job. Nie ging es darüber hinaus und ich wette so sieht es auch in 80 Prozent aller Gespräche an Deutschlands Arbeitsplätzen aus. So sieht heute Individualität aus. Überall Autobahnen, Hauptstrassen, Nebenstrassen, Nebengassen, man kann nirgends mehr herumlaufen, nirgends mehr mit dem Fahrrad spazieren fahren, ohne von Blechsardinen gefüllt mit gestressten, hektischen und leicht reizbaren Menschen zu begegnen. Hupen, aufheulen des Motors, laufende Motoren, Schaltung, Wolken von Abgasen, Fahrzeuge quietschen, piepen, knarren, scheppern, poltern, rattern, röhren, dröhnen, zischen, klappern zu Tages- und Nachtzeit, ob LKW, Smart, Mini, Van, Sportwagen, Motorrad, Limousine, ärmlich oder dekadent, jeder verdammte Arsch vergiftet, zerhämmert mir meine und die Lebensqualität vieler anderer Menschen und all das wird von den Verkäufern dieser Waren als Freiheit, Individualität und Selbstbestimmung verkauft. Dabei fahren die meisten Leute mit diesen Karren zur Arbeit, kommen von der Arbeit oder fahren Einkaufen, Saufen, in den Urlaub nach 11 Monaten Arbeit oder fahren einfach nur spazieren um gesehen zu werden oder die in Beton und Müll ersaufende Natur wenigstens im vorbeifahren noch zu erwischen. Wo steckt denn hier bitte die Individualität? Da kann man auch gleich Fahrgemeinschaften gründen! Fette Geländewägen von luxoriösen Marken parken mittlerweile auch vor Discountern. Man fragt sich wofür es so ein Gefährt braucht, wenn man sowieso höchstens im Urlaub unberührte Natur zu Gesicht bekommt. Tagtäglich fahren Menschen andere Menschen mit Autos tot. Die Verkehrstoten weltweit belaufen sich auf 1,2 Millionen jährlich. Das sind eben Unfälle, warum sollte man daher dieses Transportmittel hinterfragen?

Es stecken hunderte Rohstoffe in einem Auto, tausende Leute haben daran gearbeitet eines zu gestalten, zu produzieren, zu transportieren und kein einziger kommt auf den Gedanken ob es überhaupt Sinn macht noch mehr Autos auf den Markt zu werfen. Stattdessen wird über die Problematik gejammert, das der deutsche Markt mittlerweile nicht mehr die höchsten Absätze einfährt. Dafür wollen nun auch die Chinesen alle Auto fahren, sie halten das für dasselbe Statussymbol wie die Mehrheit der westlichen Bevölkerung, obwohl es aus meiner Sicht einfach nur Ausdruck von größter Verblendung und Blindheit ist. Kein feinfühliger empfindsamer Mensch kann diesem Wahnsinn zustimmen. Aber es reicht wenn es die Regierung, die Industrie, die Arbeiter tun, die immer bloss die Profite, Macht, Einfluss, ökonomische Perspektiven, Sicherheit usw. sehen. Das sie hierbei die Lebensgrundlagen aller Lebewesen gefährden wissen sie zwar auch irgendwo, aber dafür gibt es die Marketingabteilung und die betreibt dann hübsch Green Washing, macht allen ein super gutes Gefühl beim kaufen und fahren. Natürlich werden hier und da Filtersysteme eingebaut, die Abgase reduziert, aber unterm Strich ändert das nichts an der Vergiftung und Zerstörung. Das Elektroauto ist eine Katastrophe, es ist allen bekannt wie umweltschädlich, giftig, ineffizient und schwer Batterien sind und wie wenig sich dadurch die eigentliche Problematik mit der Massenproduktion von diversen anderen Autoteilen verändert. Und wen kümmert es? Ja, jeder weiß Bescheid aber was wird unternommen? Gar nichts. Zwar steigt die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, aber die Leute sind den Großteil des Tages damit beschäftigt der Regierung und dem Kapitalismus zu entsprechen, der in den einzelnen Firmen weltweit praktiziert wird. Nur wenige Individuen hinterfragen allgemein das horrende und meist sinnlose Verkehrsaufkommen, erörtern Alternativen. Man glaubt man hat alles im Griff, mit dem Lenkrad, mit dem Job, aber in Wahrheit vergiftet man in beiden Fällen die Lebensqualität aller, weil man die Umwelt verpestet wenn man Autos produziert oder fährt, gleichzeitig muss man am Arbeitsplatz immer nur gegen sich selbst arbeiten, weil man immer nur einen Bruchteil der erwirtschafteten Profite erhält und die Nutzniesser andere Menschen sind, glaubt aber das die eigene Karriere Ausdruck von Willenskraft und Selbstbestimmung ist.

Neben den Autos gibt es noch die Züge, die Flugzeuge, die Schiffe, die alle die Umwelt verpesten und das vor allem deshalb in diesen Ausmaßen tun, weil auf den globalen Märkten massive Unterschiede in den Einkommensverhältnissen, den Arbeitsbedingungen, den Entwicklungsgraden der kapitalistischen Produktionsweise, Herrschaftsformen und gesetzlichen Vorgaben herrschen. Es ist oft viel billiger Obst durch die halbe Welt fliegen zu lassen, alleine weil die Arbeitskraft derart billig ist. Die Not in etlichen Teilen der Welt, ist um ein vielfaches größer als in Europa. Welche Waren kommen denn nur noch aus der Region? Es dürfte bloss ein äußerst geringer Bruchteil sein. Was für ein ökonomischer und ökologischer Wahnsinn das ist, spielt dabei keine Rolle, eher noch wird all das als Fortschritt bezeichnet, den es zu befördern gilt. Auch hier zählen nur die Profite. Permanent werden Betonlandschaften ausgebaut, der weltweite Verkehr wird ständig gesteigert und es bleibt immer weniger Platz fürs eigentliche Leben, für Spontanität, für die Natur, für frei und wild lebende Tiere. Tiere werden sowieso generell plattgefahren, angefahren und liegen gelassen. Sie werden brutal aus dem Leben gerammt, weil Mensch nichts mehr mit seiner Umwelt zutun hat und zutun haben will oder zutun haben kann. Müll liegt überall neben den Straßen verteilt, die Kommunen kommen kaum hinterher was die Aufräumarbeiten angeht. Jeden Tag und vor allem an den Wochenenden strömen zig Millionen Menschen in die Einkaufshallen dieser Welt, um noch mehr Produkte zu kaufen, noch mehr LKWS, Flugzeuge, Schiffe, Züge auf die Reise mit Produkten und Produktionsteilen zu schicken, noch mehr Müll zu produzieren, um weiterhin verdrängen zu können, nicht verstehen zu können, welche Lebensweise sie hier praktizieren, was sie hier zerstören!

Ich empfehle jedem einfach mal sich in eine Innenstadt zu setzen, mit Blick auf Eingänge von großen Konsumtempeln und mal zu zählen wieviele Leute da rein und rausrennen. Es sind irre Massen und man fragt sich wirklich ob die den ganzen Krempel wirklich unbedingt brauchen, ob da wirklich gerade ein lebenswichtiges Bedürfnis befriedigt wird. Längst wird einfach alles abgegriffen was man abgreifen kann, was einem gerade trendy erscheint, was eben nicht Ausdruck der eigenen Vorstellungen vom Leben ist, sondern bloss die Umsetzung eines Kaufbefehls aus den propagandistisch perfekten Spots der Aufmerksamkeitsökonomie, diverser Werbefritzen, die einfach nur ihren Job machen. Und jedes Jahr werden neue Leute auf den Markt geworfen die weitere Produkte erfinden sollen, die die Menschen massenhaft wie die Irren kaufen sollen. Es werden permanent Bedürfnisse geschaffen die nicht befriedigt werden können. Kein Mensch ist trendy genug, hat nie genug Produkte gekauft. Wer etwas auf sich hält kauft diese Marke, fährt diese Sorte, zerstört mit dieser Ware sich und andere, kommt sich dabei besonders modern und vernünftig vor. Setzt Euch auch mal auf eine Autobahnbrücke und zählt die Fahrzeuge, schnuppert den Dreck den sie ausstoßen, lauscht dem lärmenden Treiben. Oder wie wäre es mit einer Visite eines Flughafens? Ständig landen und starten Jets und pusten tonnenweise Treibstoff in die Umwelt. Das ist sicherlich alles unglaublich gesund und entspannend. Alles wird ausgebaut. Jede Stadt will ihren wirtschaftlichen Standort für Investoren, Konzerne, Politik und Bewohner attraktiv machen. Alles bedingt sich gegenseitig, die gesellschaftlichen Strukturen erwirken wechselseitige Steigerung von Entscheidungen, die letztlich eine Ausweitung von Zerstörung, Vergiftung und Vermüllung bedeuten. Prioritäten werden entgegen von Mensch, Tier und Umwelt gesetzt. Die Verantwortung wird immer abgeschoben an die politischen Vertreter diverser überforderter Parteien. Dabei wird all das nur durch die bedingungslose Teilnahme von Millionen Menschen möglich.

In der Tat, es ist schlimm was mit der tagtäglichen Abholzung, der Zerstörung von Tierarten, der militärischen Nutzung, der Vermüllung, Überfischung von Weltmeeren und ganzen Landstrichen, dem fahren von Kraftfahrzeugen, dem fliegen, und der generellen Massenproduktion und Konsumtion von Waren vollzogen wird, aber persönlich will man sich darin nicht verwickelt sehen. Dabei finanziert, legitimiert, erweitert jeder Kauf eines Produktes diesen Wahnsinn. Jeder ist mitverantwortlich. Wir sind alle Täter und Opfer. Denn kaum ein Konzern hat tatsächlich Nachhaltigkeit als obersten Grundsatz, was natürlich völlig ungewöhnlich wäre, denn Konzerne überleben nur dann wenn sie Profite abwerfen, alles andere ist erst einmal irrelevant für die Produktion. Die gesamte Wirtschaft ist in der nachhaltigen Hinsicht völlig jungfräulich. Man betreibt lieber Augenwischerei, anstatt Kapital zu investieren. Man wartet auf die Konkurrenz. Das konnte man jahrelang an der Automobilindustrie beobachten. Zögerlich arbeitet man nun am Elektroauto, welches wie gesagt eine totale Farce ist. Aber es gibt genug andere Branchen die ähnlich agieren. Wieviele Lebensmittelskandale gab es in der Vergangenheit? Rinderwahnsinn, Vogelgrippe, Schweinegrippe, Gammelfleisch, Kot im Fleisch, Keime die resistent sind gegen Antibiotika, sind nicht die einzigen Indizien für den Wahnsinn, der in der Massentierhaltung und dem irren Konsum von Fleisch steckt. Mittlerweile werden die Fakten der Fleischproduktion mit Stacheldraht, Kameras und Sicherheitsdiensten gesichert, damit die heile Welt des Werbeimages dieser Industrie gegenüber den Verbrauchern aufrecht erhalten werden kann.

Nun gibt es wieder den Wahn der Wiesn, ein Massenevent, in der sich tausende Feierhungrige überteuerte Waren geben und teilweise letztlich betrunken in der S-Bahn landen. Was geben sie den nüchternen Fahrgästen zu Protokoll? „Ich will endlich einen fetten Burger mit allen Zutaten!“ Ein Betrunkener ist quasi die personifizierte Konsumentenseele, die im Eindruck von Alkohol, die überwältigende Lust auf deftiges Fleisch verspürt. Viele werden das aus eigener Erfahrung kennen. Rationalität ist auch beim Nüchternen seltenst vorhanden. Man reflektiert nicht darüber was man anrichtet, wenn man kauft. So als ob die eigene Existenz im luftleeren Raum stattfindet, schreit man wie ein Kleinkind nach der stillenden Flasche mit dem begehrten Gut! Der Erwachsene begreift sich also heutzutage vielmehr als einzige relevante Instanz, deren Bedürfnisse überhaupt noch zu gelten haben. Blöd nur wenn die eigenen Bedürfnisse sich bloss auf das Primitivste reduziert haben und kein Stück an die Folgen und Zusammenhänge gedacht wird. Die Folgerungen die aus der persönlichen Verantwortung der Konsumenten und Produzenten dieser Produkte enstehen müssen, liegen auf der Hand. Mit einem kapitalistischen Staat und einer kapitalistischen Produktionsweise, lässt sich die Umwelt nicht nachhaltig schützen, weil unendliches Wachstum logischerweise mit einer endlichen Welt im Konflikt steht. Die Lohnabhängigen haben nicht die Kontrolle über den Staat, der Bundestag mit all seinen Parteien ist voller schöner Reden, aber die Gesetze formulieren eben nicht 82 Millionen, sondern ein paar Hundert, die von Lobbyistensprüchen betrunken sind. Man kann bloss lernen Selbstverwaltung und Selbstverantwortung zu übernehmen, jenseits von Kapital und Staat. So etwas kann freilich nicht innerhalb von einigen Monaten geschehen, sondern ist vielmehr ein langer komplizierter Prozess der einige Jahrzehnte benötigt, um ausreichend wirksam zu werden. Inwieweit die fahrende, saufende, arbeitende Masse, die sich selbst und ihrer Umwelt in zerstörerischer und selbstzerstörerischer Weise fremd geworden ist, diesen Lernprozess willentlich erkennen und angehen kann, bleibt jedoch völlig offen.

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Die Beschissenheit der Dinge

Paradoxerweise hungern 1 Milliarde Menschen, weil 50 Milliarden Tiere jährlich geschlachtet werden. Die Tiere der ersten Welt, essen den Menschen der Dritten Welt die Nahrung weg. Die westliche Welt wirft die Hälfte ihrer Lebensmittel weg, die in der Regel noch sehr gut schmecken würden. Jährlich werden 130.000 km² Waldflächen gerodet. Täglich sollen mehr als 120 Arten aussterben. 2008 wurden mehr als 3,7 Milliarden Tonnen Güter durch die Welt kutschiert. Tagtäglich fahren allein in Deutschland mehr als 44 Millionen Kraftfahrzeuge durch Betonlandschaften. Weltweit sollen 1 Milliarde davon unterwegs sein. Keine Sekunde ist ohne den Ausstoß von giftigen Abgasen. Die Industrie bläst und pumpt ihr Gift in irren Ausmaßen in die Weltmeere. Es sollen sich mehrere Millionen Tonnen Kunststoffmüll und damit bis zu 18.000 Kunststoffteile auf jedem Quadratkilometer Meeresfläche in allen Weltmeeren befinden. Frankreich schüttet darüberhinaus jedes Jahr 33 Millionen 100-Liter-Fässer radioaktives Abwasser ins Meer. Es sollen sich bereits mindestens 100.000 Tonnen radioaktiver Müll in den Weltmeeren befinden. Und hierzulande regen sich Menschen über Hundekot oder zu hohe Benzinpreise auf. Jedes Jahr werden 12 000 Tonnen weiterer radioaktiver Müll produziert, obwohl weltweit kein sicheres Endlager existiert.

Mehr als 1 Millionen Menschen bringen sich jedes Jahr freiwillig um. 2,9 Millionen Menschen sterben jährlich an AIDS. 1,6 Millionen jährlich an Tuberkolose. Zehntausende verhungern tagtäglich. Tausende sterben an diversen heilbaren Krankheiten oder verunreinigtem Wasser. Alleine die Durchfallerkrankungen Cholera, Typhus und Ruhr raffen jedes Jahr 2,1 Millionen Menschen dahin, wobei hauptsächlich Kinder betroffen sind. 2,5 Millionen Menschen sterben jährlich durch Alkohol. Etwa sechs Millionen Menschen sterben an den Folgen des Tabakkonsums. Weltweit sterben jährlich etwa 740.000 Menschen an den direkten und indirekten Folgen von Waffengewalt. Allein Hecklar & Koch hat seit 1949 mehr als 11 Millionen Kleinwaffen hergestellt. In Deutschland haben sich die Genehmigungen für Ausfuhren von Rüstungsgütern im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 1 Milliarde EUR auf 8,7 Milliarden EUR erhöht. Rund 650 Millionen kleiner Waffen gibt es gegenwärtig weltweit, davon alleine 30 Millionen in der Krisenregion Sub-Sahara Afrika. Laut Unicef sind „Kleinwaffen die wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit“. Weltweit soll es mehr als 300 000 Kindersoldaten geben. Laut dem Proliferation-Report von 2007 der Stiftung Carnegie Endowment for International Peace gibt es mehr als 28 000 Atombomben auf der Welt. Davon sollen mindestens 30 US-Atombomben in Deutschland lagern.

Mit dem eigenen Arbeitsplatz ist die Zerstörung der Umwelt, der Tierwelt und der Menschheit gesichert. Egal ob Kaffee, Schokolade, Bananen, Autos, Motorräder, Haushaltsgeräte, Computer, Handys, die Konsumenten und Produzenten von Gütern dieser Welt, befeuern die Umweltzerstörung, die Armut, den Hunger und die Entfremdung auf allen Kontinenten. Wir alle sind für diese Zustände verantwortlich, denn wir erhalten mit unserer Arbeitskraft schließlich ständig dieses Schweinesystem! Wir passen uns an, bringen Leistung um jeden Preis und wofür? Um damit Geld zu verdienen, um letztlich unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Sämtliche Lohnabhängigen dieser Welt führen kein selbstbestimmtes Leben. Sie arbeiten für fremde Vermögen, für ein abstraktes Prinzip, welches nichts mit Rationalität oder Vernunft zutun hat! Die Intelligenz der Menschheit wird dem Prinzip des Konkurrenzkampfes und Profitmaximierung untergeordnet und geopfert! Die kapitalistische Produktionsweise mit ihren Wachstumszwang zwingt Milliarden Menschen zur exzessiven Produktion von Gütern, die letztlich den gesamten Planten vermüllen, Menschen und Tiere ausbeuten, vergiften und zerstören. Wir konkurrieren tagtäglich gegeneinander um uns gegenseitig Marktanteile abzutrotzen, wovon wir wiederum als Lohnabhängige nur einen geringen Bruchteil erhalten. Zwei Prozent der Weltbevölkerung besitzen mehr als 50 Prozent des weltweiten Vermögens, was mehr als 47.000 Milliarden Euro entspricht. Doch sind nicht einfach nur die Reichen und Eigentümer von Arbeitsplätzen für all diese Entwicklungen verantwortlich, wir entscheiden uns tagtäglich mitzumachen. Anstatt uns mit diesen Themen zu befassen schieben wir die Verantwortung an Regierungen ab, dabei konnten sie niemals all diese Schwierigkeiten bewältigen, geschweige denn den Bedürfnissen und Vorstellungen aller Menschen entsprechen. Der Parlamentarismus ist unfähig die gewaltigen Schwierigkeiten der Menschheit zu bewältigen, eigene Initiative und Selbstverwaltung muss daher dringend erfolgen!

Anstatt die Regierungen und damit die Staaten dieser Welt abzuschaffen, sie durch basisdemokratischen Rätesysteme zu ersetzen, in denen nur noch das zählt was die Bevölkerung will, wird den alljährlichen leeren Versprechen bei Wahlen geglaubt. Kein Parteiprogramm dieser Welt kann Millionen Individuen berücksichtigen und genau deshalb sind alle Wahlen weltweit reine PR Veranstaltungen für Parteien, sind die Nutznießer von Wahlen eine absolute Minderheit, die gegenüber der Masse horrende Vorteile wahrnehmen können! Wenn man als Mensch der Zerstörung der Menschen, der Tiere und des Planeten entgegentreten will, muss man also für eine radikale Abschaffung des Kapitalismus und sämtlicher Nationalstaaten eintreten, da von ihnen die theoretische und praktische Grundlage, Legitimierung und Absicherung dieser Lebens- und Produktionsform ausgeht. Die Interessen des Staates und des Kapitals, sind nicht die Interessen der Bevölkerung! Die Menschen verhungern weil sie kein Geld haben, weil sie sich nicht am globalen Markt ausbeuten lassen können. Sie sind ausgeschlossen von den Reichtümern dieser Welt, weil die eigenen Bedürfnisse nur dann etwas wert sind, wenn man auch bezahlen kann. In diesem System werden Lebensmittel lieber verbrannt, anstatt den Hungernden übergeben. Man muss hier von einem tagtäglichen Massenmord sprechen! Diese Sauerei muss aufhören! Milliarden Menschen schuften 10 und mehr Stunden täglich, sehen ihre Familie nicht, können sich nicht über ihre Bedürfnisse und Probleme klar werden, obwohl es in den letzten Jahrzehnten gigantische Produktivitätssteigerungen gegeben hat. Das Kapital zwingt die Menschen nicht ihren eigenen Interessen und Bedürfnissen zu entsprechen. Millionen Menschen leiden mittlerweile an Depressionen, Burnout, diversen anderen psychischen Erkrankungen, weil sie permanent den Anforderungen am Arbeitsplatz bzw. den Anforderungen des Marktes und damit des Kapitals entsprechen müssen.

Sämtliche Menschen sind also dazu aufgerufen ihre Charaktermasken zu erkennen und zu vergessen, durch das zu ersetzen was sie sein wollen! Wir müssen uns engagieren, vernetzen und solidarisieren! Alle Ideen der Menschheitsgeschichte müssen hierzu eingebracht werden. Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus bieten ideale Ansätze für die theoretische Auseinandersetzung und praktische Erprobung. Man muss nur zugreifen und darüber debattieren! Es kann sofort damit begonnen werden die Bedürfnisse der Menschen über die Produktion von Gütern zu stellen. Generalstreiks erzwingen die Gründung von basisdemokratischen Entscheidungsgremien, welche die profitortientierte Logik der Produktion ersetzen. Aufgrund technologischer Fortschritte wie dem Internet könnte mittlerweile jedes einzelne Bedürfnis effizient berücksichtigt werden. Niemand muss verhungern, niemand muss an heilbaren Krankheiten sterben, geschweige denn tausende von Stunden jährlich am Arbeitsplatz die Zerstörung der Menschheit und der Welt vorantreiben! Atomkraftwerke gehören abgeschafft, sämtliche Waffen und Waffenfabriken dieser Welt zerstört. Generell muss die Zerstörung der Umwelt verboten werden, was sich leicht durchsetzen wird, wenn die Menschen nicht mehr finanziell von der Rodung ihres Urwalds oder der Überfischung der Weltmeere oder der Produktion von Kraftfahrzeugen abhängig sind! Staaten sind vorallem dann nutzlos wenn die Menschen aufhören gegeneinander zu konkurrieren. Damit sind auch sämtliche Armeen dieser Welt überflüssig, wodurch Millionen Menschen sinnvollere Dinge tun können.

Allein in Deutschland sind mehr als 7 Millionen Menschen von der Sozialhilfe abhängig und können nur schwer ihre Bedürfnisse wahrnehmen und befriedigen, weil sie zu den Verlierern der kapitalistischen Gesellschaft gehören. Ohne den Kapitalismus und ohne den repressiven Staat, ist eine Freisetzung diese Menschen und damit Unmengen von Zeit möglich. Diese Zeit kann in die menschlichen Beziehungen fliesen, psychische und physische Erkrankungen lindern oder sogar völlig abschaffen! Wenn jeder Mensch nur noch 3-4 Stunden am Tag für die Befriedigung der gesamtgesellschaftlichen Bedürfnisse investieren muss, bietet das Raum für grundsätzliche Veränderungen und qualitative Steigerungen der Lebensqualität aller Menschen. Durch die Maximierung der Freizeit können sich mehr Menschen mit der Lösung von Problemen kümmern, d.h. es werden nicht mehr bloß ein paar tausend Politiker sich um die Belange der Menschheit kümmern, sondern alle Menschen! Dies setzt alle Potentiale der Menschheit frei und wird selbstverständlich Kriminalität, Rassismus, Terrorismus, sämtliche Konflikte und Missverständnisse mildern, wenn nicht sogar beseitigen! Der Aufbau Afrikas und sämtlicher Völker mit großer Armut wird nicht mehr nur NGOS und ein paar Spenden überlassen, es können sich hunderttausende Menschen aktiv mit ihrer Arbeitskraft einsetzen. Anstatt sich also mit den leeren Versprechen abzugeben, sollten wir alles daran setzen diese Utopie zu erkämpfen, zu erdenken und zu entwickeln. All das sind bloße Ansätze die reichtlich unzureichend und quasi aus der Hüfte heraus formuliert wurden. Das ist ein Appell sich stärker mit Theorie und Praxis des Widerstands gegen das kapitalistische System zu engagieren. Es gibt eine Welt zu gewinnen!

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Nicht nur gegen S21, Kernenergie sondern gegen das System

Der Mensch ist unglücklich weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. In unserer heutigen zivilisierten Welt, besteht das Unglück des Menschen in seiner Unkenntnis, in welchen Zuständen und Strukturen er sich befindet. Millionen Arbeitnehmer schuften allein in Deutschland an ihren Arbeitsplätzen, für ihr eigenes Glück, so glauben sie es zumindest. Aber sie dienen nur zuletzt sich selbst. Zu allererst dienen sie dem Unternehmen und dessen Profitstreben. Sie dienen dem Staat, in dem sie seine Autorität und Obrigkeit, mit Steuern und Einhaltung der Regeln stützen und schätzen. Der Großteil eines Menschenlebens wird damit verbracht, einer Ordnung zu dienen, eine Struktur auszubauen, die nicht den Bedürfnissen der Mehrheit innerhalb der Weltbevölkerung entspricht. Milliarden Menschen arbeiten, ein paar Millionen Menschen profitieren davon. Während der Arbeiter sich weiterhin mit seinem mickrigen Lohn abgibt, brav Überstunden schiebt, seinen Körper und Geist permanent im Dienste des Kapitals verausgabt, zählen die Eigentümer von Arbeitsplätzen eifrig Unsummen von Profiten. Die Arbeiter sind gesetzlich dazu verpflichtet so zu funktionieren, genauso sind die Eigentümer verpflichtet sie nicht zu sehr auszuquetschen. Aber das läuft nicht immer ganz sauber. Es gibt Discounter wie Netto oder FastFood Ketten wie Subway, die dann öffentlich angeklagt werden, für ihre „unmenschliche“ Handhabung der Ausbeutung von Arbeitskraft. Das dahinterstehende Prinzip selbst wird nie beklagt oder gar hinterfragt. Es gilt immer die Vorstellung, es ginge nicht anders und damit basta.

Wüssten also die Arbeitnehmer, die Lohnabhängigen weltweit, inwieweit sie tagtäglich von Staaten und Konzernen ausgebeutet werden und gegeneinander am Markt aufeinander losgelassen werden, würden sie vielleicht auch etwas daran ändern wollen. Und sie würden sich nicht damit zufrieden geben, dass bisherige Versuche es anders zu machen, brutal scheiterten, schliesslich war auch die französische Revolution der Aufklärung eine blutige, schliesslich ist die sogenannte soziale Marktwirtschaft, der Kapitalismus eine gesellschaftliche Grundordnung die tagtäglich tausende Menschen systematisch ermordet, indem sie sie verhungern lässt und indem sie sie anhand von heilbaren Krankheiten verenden lässt. Das heutige System wurde und wird mit Bomben, Waffen, Schlagstöcken und Pfefferspray verteidigt. Vietnam, Kuba, Venezuela, Irak, Afghanistan, die Liste der militärischen Auseinandersetzungen, im geheimen wie im offiziellen, ist lang, nur noch übertroffen durch die Liste der unschuldigen Opfer dieser Kriege und militärischen Konflikte für die freie Welt der Ausbeutung. Diese Ordnung ist keine Ordnung, sie ist entfesseltes Chaos. Sie mordet, sie unterlässt Hilfeleistung, sie erstickt Leben, Vision und Hoffnung. Überall gibt es Millionen Arbeitslose, deren Leben sich nicht entfalten kann. Es gibt hunderte Millionen die in Armut leben und ihr Leben nicht entfalten können. Es gibt Milliarden Menschen die ihr Dasein in Fabriken, Büros und auf Plantagen verbringen. All das ist nicht nötig. Keiner muss hungern, keiner muss leiden, keiner muss ausgebeutet werden oder für irgendeine Wirtschaftsordnung oder Ideologie oder Führerfigur sterben.

Würde man die Staaten, Militärs, Geheimdienste, den Kapitalismus, das Konkurrenzprinzip abschaffen, wären mit einem Schlag Unsummen von Arbeitskraft frei. Man könnte sich um die Hungernden kümmern, man könnte zerbombte Städte und Länder in Afrika und anderen Entwicklungsländern aufbauen. Die Hilfe wäre nicht mehr nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, wie die Spendenindustrie heutzutage. Wir würden Afrika nicht einen Tropfen Wasser geben und einen Bissen Brot, und gleichzeitig ihr Land mit unserer Industrie vergiften und zerstören. Wenn also erstmal die persönlichen Bedürfnisse der einzelnen Menschen auf dem Planeten wichtiger sind als das Kapital oder die staatliche Gewalt, die sogenannten Vertreter des Volkes. Dann kann sich auch unverzüglich und real um die Probleme dieser Welt gekümmert werden, ohne dass das Ergebnis ständig vernichtet wird. In Indonesien, Brasilien, China und Russland werden tausende Fußballfelder täglich abgeholzt, weil es profitabel ist. Es ist profitabel obwohl es unschätzbare Werte zerstört, nämlich die Artenvielfalt, uralte Stämme die in diesen Wäldern lebten und so weiter. Wer glaubt denn ernsthaft, das die NGOs die Staaten und Konzerne zur Vernunft bringen können? Dollar zählen mehr als vernünftige Appelle. Deshalb muss mit dem Prinzip Profitmaximierung und der staatlichen Autorität gebrochen werden, weil sonst niemals diese Erde und diese Menschheit zu retten ist.

Wenn sich die Menschen also sofort organisieren würden, wie in Spanien, Griechenland, Irland, Nordafrika und wie in vielen anderen Ländern in der Geschichte. Könnten sie, während sie streiken und protestieren, darüber verhandeln wie eine andere Gesellschaft zu machen ist. Wie eine Welt aussehen müsste, in der die Bedürfnisse der gesamten Menschheit anerkannt und befriedigt werden können. Es ist möglich ohne Kernkraft zu leben, es ist möglich alle Hungernden zu ernähren, alle heilbaren Krankheiten zu heilen, allen Menschen Wissen zu schenken, ihnen ein selbstbestimmtes Leben ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Betrug zu ermöglichen. Dazu braucht es Strukturen mit möglichst flachen Hierarchien, mit viel Transparenz und basis-demokratische Mechanismen. Jeder Mensch sollte in seiner Kommune bestimmen dürfen, wofür gearbeitet wird, warum bestimmte Projekte initiiert werden sollten und so weiter. Das gegenwärtige System verprügelt alle Menschen die über Projekte mitbestimmen wollen. Man sieht das die heutigen Strukturen weder transparent, noch demokratisch genug sind. Sie sind von der Wirtschaft bestimmt, es geht z.B. bei Stuttgart 21 nur darum, den Wirtschaftsstandort Deutschland und Stuttgart für die Zukunft global attraktiv für Investoren zu machen. Wem die Umwelt und das alte Umfeld lieb ist, der hat eben Pech gehabt. So kann es nicht weitergehen. Es kann auch nicht sein, das trotz der Katastrophe in Fukushima, unsere Atomkraftwerke jahrelang weiterlaufen. Sie müssen sofort gestoppt werden, weil sie sonst noch mehr radioaktiven Müll produzieren.

Es muss zu einem Umsturz der Verhältnisse kommen. Die Rohstoffe, die für diese verschwenderische Ordnung überlebensnotwendig sind, gehen mehr und mehr zuneige. Es wird zu weiteren schweren militärischen Auseinandersetzungen kommen, wenn wir uns als Bevölkerung nicht organisieren und darüber reflektieren was real und täglich dagegen zu unternehmen ist. Es wird bald nicht mehr nur um Öl oder Metalle gekämpft, auch Wasser wird bald ein Kriegsgrund sein. Wenn wir die heutige parlamentarische Demokratie nicht in eine höher entwickelte Demokratie, freiere, transparentere und selbstbestimmtere Demokratie verändern können, wird das für viele Menschen, Tiere und Quadratkilometer Umwelt das sichere Ende mit den besagten Methoden und Umständen bedeuten. Die bekannten politischen Parteien im Parlamentarismus sind überfordert oder korrupt, sie können die Gefahren und Konflikte der Welt nicht umfassend erkennen und bewältigen. Auch die NGOs sind zu wenig gegen das Prinzip Profitmaximierung und Konkurrenzkampf. Es gilt Aufklärung zu betreiben, es muss gnadenlos der Zustand der Welt benannt und angeklagt werden. Es muss eine Offensive aller Menschen geben, die sich der katastrophalen Zustände bewusst sind. Sie müssen aktiv werden um mehr Menschen auf die Probleme aufmerksam zu machen. Es braucht mehr Menschen die sich ihrer unglücklichen Situation bewusst werden, damit sie selbst bestimmt ein Leben jenseits von Ausbeutung, Unterdrückung und Chaos führen können. Mit dem Kapital und dem Staat ist das nicht zu machen. Leere Versprechen sollten nicht länger ausreichen, um ein gedemütigtes und geschundenes Dasein zu fristen.

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Was tun gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Zerstörung?

Wie kann man die Welt von Armut, Hunger, Umweltzerstörung, Knechtschaft, Ausbeutung und Unterdrückung befreien? Praktisch kann jeder sofort damit anfangen diesen Planeten zu einem besseren Ort für alle Lebewesen zu machen. Man braucht nicht auf den großen Knall, den großen Führer, die große Bewegung warten oder laufend herumjammern wie schlimm doch alles ist. Es ist auch nicht sonderlich kompliziert sofort aktiv zu werden. Alles was man braucht ist einen entsprechenden Willen dazu. Das Internet bietet uneingeschränkte Informations- und Kommunikationsfreiheit, man kann sich alles aneigenen was man meint zu brauchen, um die Probleme dieser Welt zu erkennen und Lösungsansätze zu finden, genauso wie man mit Milliarden von Menschen darüber kommunizieren kann. Bislang wird das Internet viel zu wenig in dieser Hinsicht genutzt!

Wenn erst einmal klar ist, inwieweit die Parteien sich gegenseitig blockieren und grundsätzlich nur den Staat bzw. den Kapitalismus erhalten können, und damit auch die Ausbeutung und Unterdrückung von Millionen legitimieren und aufrechterhalten, darf man sich nicht mehr für ihren Erfolg einsetzen. Parteien gehören zum Staat, gehören zum Kapitalismus, keine Partei die tatsächlich fähig wäre sie zu stürzen oder aufzulösen wäre genehmigt. Die letzte Partei der man unterstellte, sie könnte etwas ändern, wurde in den 1950ern verboten! Die derzeitigen Wahlen dienen bloss dazu den Leuten vorzumachen, sie hätten irgendetwas relevantes zu entscheiden. Man kann wählen zwischen Pest und Cholera und bis zur nächsten Wahl hat man die Klappe zu halten oder man kann sich bei Protesten von Polizisten die Augen wegspritzen lassen. Aber das Gewaltmonopol, den Staat oder den Kapitalismus kann man nicht abwählen. Deshalb hilft es nichts seine Appelle an die Regierung, an Parteien oder an Konzerne zu richten, sie alle haben Interessen, die mit denen der Bevölkerung absolut unvereinbar sind. Sie werden sich nicht durch nette Worte und den Druck der Straße davon abbringen lassen, es braucht mehr Bewusstsein, Struktur und zielgerichtetere Aktivitäten seitens der Benachteiligten dieser Welt.

Wie wir alle Wissen müssen alle Konzerne weltweit ihre Profite maximieren, um am Markt überleben zu können. Es ist auch gemeinhin bekannt, wer am meisten von diesen Erträgen profitiert. Die breite Bevölkerung schuftet ihr ganzes Leben, endet in Altersarmut, psychischen und physischen Krankheiten, hatte obendrein nie die Möglichkeit in irgendeiner Form relevante Dinge zu entscheiden. Man kann jammern, kündigen und bei anderen Ausbeutern anheuern, vereinzelt vor Gericht klagen, aber die eigentliche Grundlage der Ausbeutung bleibt unberührt. Damit die Macht der Parteien, der Regierungen, Staaten, Konzerne und Reichen dieser Welt über die Lohnabhängigen gebrochen werden kann, sollte man aufhören zur Wahl zu gehen, sollte man aufhören zur Arbeit zu gehen und sollte man aufhören Steuern zu zahlen. Die Wahlen legitimieren die Parteien neue erpresserische und verlogene Gesetze zu verabschieden, die ein „Weiter so!“ für die Konzerne und Behörden bedeuten. Die Arbeitskraft der Massen mehrt die Reichtümer von Minderheiten, die Überproduktion von unnützen Produkten und die Zerstörung der Umwelt und Lebewesen weltweit. Die Steuerabgaben finanzieren Behörden die Menschen autoritär, repressiv behandeln, finanzieren Polizei, Militär, Kriege und machen damit Missbrauch, Gewalt, Mord und Massenmord möglich.

Natürlich kann keiner von uns derart radikal sein und aufhören zu arbeiten und Steuern zu zahlen. Ersteres mag kein Problem darstellen, die Wahlbeteiligung sinkt bereits seit Jahren, aber nicht mehr zur Arbeit gehen? Der soziale Abstieg wäre sicher und er wäre umso rapider, je weniger Steuern gezahlt werden. Das ist jedoch der radikalste Ansatz und der sollte gesagt werden. Er muss nicht vollzogen werden, weil er die höchsten Opfer verlangt. Aber wer dazu in der Lage ist, sollte nicht zögern, schliesslich wird dadurch auch eine Menge Zeit für Aktivitäten gegen die Unterdrückung und Ausbeutung frei. Es gibt in allen großen Städten Deutschlands Strukturen die ein solches Leben erlauben. Eine etwas weichere Form des aktiven Verwandelns der Gesellschaft zu einer tatsächlich freien Gesellschaft durch individuelle Aktivitäten, ist der alltägliche permanente Aktivismus neben dem Beruf, der Schule, dem Studium, der Familie usw. Statt sich den Frust über den monotonen Arbeitsalltag, die Ausweglosigkeit der eigenen Situation und Verlogenheit der Politik usw. aus der Seele zu feiern, zu saufen, zu kotzen, sollten Bücher gewälzt, sollten Gruppen gebildet werden, beispielsweise aus Freundeskreisen oder aus der Familie, die die Basis für die künftigen Rätedemokratie und Gewerkschaften in der freien Welt darstellen sollen. Heutige Gewerkschaften haben sich längst dadurch ausgezeichnet, nicht mehr für die Arbeiter und deren Bedürfnisse und Ziele zu kämpfen, sondern für ihre Organisation und ihren Machterhalt. Das kann nur gestoppt werden, wenn eigene Gewerkschaften gebildet werden, die solch einen Verrat niemals begehen würden.

Räte sind seit den Thesen Lenins und der ersten bis vierten Internationale sicherlich auch keine überraschende Neuheit. Sie lassen sich überall bereits jetzt aufbauen. Egal ob in der Politik, in Konzernen oder bei Behörden. Es spielt keine Rolle. Überall kann man sich zusammenschliessen, dokumentieren was passiert, darüber diskutieren was man selbst entscheiden würde und für die Zukunft Thesen und Strategien im Umgang mit diesen Problemen entwickeln. Es wird keinen friedlichen Umsturz des Staates oder des Kapitalismus geben, wenn so eine aufreibende, komplizierte und ausdauernde revolutionäre Aktivität nicht ständig aufrechterhalten und praktiziert wird. Denn ohne ein entsprechendes antikapitalistisches, antiautoritäres Bewusstsein, kann es keine bessere Welt geben. Die bisherigen Errungenschaften sollten nicht durch Gewalt, Wut und destruktiven, übereilten Forderungen und Handlungen verspielt und zunichte gemacht werden. Das Ziel muss die reale Umsetzung der Menschenrechte weltweit sein. Für dieses Ziel braucht es ein offenes wirtschaftliches und politisches System, welches alle Meinungen und Ideen einschliesst, welches die gesamte Intelligenz der Menschheit einbezieht. Die Menschen sollten nicht mehr gegeneinander konkurrieren, sie sollten kooperieren um das beste für alle hervorzubringen.

Arbeitsgruppen können gegründet werden, die sich mit einzelnen Themen in der Gesellschaft auseinandersetzen und später dann in Räten eine Fortsetzung finden. Bereits jetzt gibt es unzählige Initiativen und Organisationen die sich mit Menschenrechten, Tierrechten, Umwelt, Wirtschaft und Politik beschäftigen. Amnesty International, Human Rights Watch, Greenpeace sind vielleicht nicht in jeder Hinsicht positive Organisationen, aber sie machen vor was möglich ist. Man sollte nicht über die fehlende Gerechtigkeit jammern, sondern sich für sie einsetzen und aktuelle Verstöße aufzeigen, anklagen und bekämpfen. Selbstverständlich fehlt Amnesty, Greenpeace, WWF usw. der revolutionäre Ansatz. Sie haben nicht das Ziel die Staaten oder den Kapitalismus abzuschaffen, ihnen scheint es auszureichen sich um die Symptome zu kümmern und richten unermüdlich Appelle an die Regierungen. Ich finde ihre Aktivitäten bewundernswert, aber eben leider unzureichend. Daher sollte es in Zukunft eine zunehmende Radikalisierung, d.h. eine stetigere Tendenz hin zu den Wurzeln der Probleme in allen Bereichen der bisherigen Aktivisten geben. Anders werden humanitäre Katastrophen und Umweltkatastrophen nicht aufzuhalten sein. Es muss sich etwas konkret im alltäglichen Handeln der Menschen ändern.

Nicht die Staaten und Konzerne sollten die alleinige Macht haben, den Planeten zu beherrschen. Grundsätzlich muss Herrschaft als solche aufgehoben werden. Die Ohnmacht der Menschen existiert nur, aufgrund der horrenden Macht der Konzerne und Staaten. Die Menschen haben lange Zeit den leeren Versprechen geglaubt, sich verführen lassen und mit den eigens produzierten Waren betäubt. Die Bewusstlosigkeit und Entfremdung der Massen speist sich aus dieser Ohnmacht. Der Planet ist unsere einzige Heimat. Niemand hat das Recht die Umwelt, Tierwelt oder Menschen zu verletzen, sie zu unterdrücken, auszubeuten oder zu zerstören. Dennoch wird es jeden Tag gemacht, aufgrund bestimmter Machtverhältnisse, Kapitalinteressen in Politik und Wirtschaft. Wenn die Macht der Staaten und anderer verschiedener Konzerne gebrochen und den Individuen zurückgegeben wird, durch die Weiterentwicklung des Bewusstseins der Massen, werden die Kapitalinteressen nicht mehr existieren, weil Profitmaximierung und kein Konkurrenzkampf als dummes Zeug verworfen werden. Dadurch können alle Lebewesen und der Planet aufatmen, sich regenerieren und endlich frei entfalten. Keiner muss dem Kapital, einer Partei, einer Organisation oder einem abstrakten Zweck dienen. Alle Menschen sind frei geboren, sind einzigartig und besitzen unveräußerbare Rechte. Darauf muss die künftige globale Rätenetzwerk aufbauen.

In den Betrieben wird basis-demokratisch in Verbindung mit den Bedürfnissen der Bevölkerung entschieden was, wieviel und in welcher Form produziert wird. Es wird grundsätzlich nur noch nach den individuellen Bedürfnissen produziert. Die Bedürfnisproduktion wird weltweit den Hunger abschaffen, bereits jetzt können wir ca. 12 Milliarden Menschen ernähren, bislang erhalten die Hungernden dieser Welt keinen Zugang zu diesen Lebensmitteln, die wir momentan tonnenweise tagtäglich wegwerfen, weil sie kein Geld besitzen. Gleiches gilt für fehlende Medikamente, fehlende Bildung, all das kann innerhalb weniger Wochen völlig verändert werden, wenn erst einmal die Macht der Konzerne und Staaten, durch die Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerungsmassen ersetzt wurde. Alles was hierfür nötig ist, ist die ständige Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen. Es muss uns interessieren was in der Politik und in der Wirtschaft schief läuft. Keiner von uns hat die Lösung parat, wie es laufen muss. Aber es gibt auch keine Strukturen in der Gesellschaft die breite gesellschaftliche Debatten, frei von Macht- und Kapitalinteressen ermöglichen. Der permanente Konkurrenzkampf hat uns geprägt. Wir können uns eine andere Welt kaum noch vorstellen, in der man den anderen nicht misstrauisch, neidisch, zornig gegenübersteht.

Diesen erbärmlichen und für alle erniedrigenden Zustand muss endlich Einhalt geboten werden, indem wir uns von allen Ideologien und Glaubensbekenntnissen der Parteien, der Staaten, der Konzerne, des Kapitals, der Religionen freisprechen. Weil keiner von uns jemals eine Lösung wissen kann, die auf alle Probleme der Menschheit einwirken kann, braucht es eine Gesellschaft die sich dessen bewusst ist. Die Politiker, Wissenschaftler, Kapitalisten sind so ahnungslos wie alle Menschen. Daher soll auch kein Mensch über den anderen Menschen herrschen oder entscheiden. Es gibt keine Legitimation für Herrschaft. Selbiges gilt auch für den Parlamentarismus. Künftige Rätesysteme müssen also frei und jederzeit wählen und abwählen können, was sie wollen oder nicht wollen. Im Grunde liegt also die derzeitige Gesellschaft gar nicht so weit Weg von der Möglichkeit eine freiere Gesellschaft zu schaffen. Es hängt vom Engagement der einzelnen Menschen an, wie lange noch Menschen verhungern müssen, für Staaten, Rohstoffe und Vormachtstellungen sterben müssen, für das Kapital ihre Leben verwerfen, vergiften und vernichten müssen. Wir alle sind gefordert die Zustände nicht länger hinzunehmen und permanent dagegen anzukämpfen. Wichtig ist dabei immer wieder der hohe Anspruch: Niemals etwas tun was die Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung unterstützt. Ständige Selbstreflektion, Selbsthinterfragung, Respekt und Solidarität gegenüber allen Menschen sind notwendige Grundelemente hierfür.

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Willkommen im Kapitalismus: Wie ein Discounter seine Mitarbeiter ausbeutet

Der besagte Discounter ist nur die Spitze des Eisberges, die anderen Konkurrenten am Markt agieren nicht anders, genauso wie generell sämtliche Konzerne nach demselben Prinzip agieren und funktionieren. Es geht grundsätzlich nur um den Profit, danach wird sich vielleicht auch um alles andere wie Menschenrechte, Umwelt, Nachhaltigkeit und Sinn der Produktion gekümmert. Da der Druck am Markt aber immer heftiger wird, je näher man der Grenze, der möglichen Ausbeutung von Arbeitskraft und der möglichen Senkung von Kosten, angelangt ist, wachsen auch die Risiken und die Zerstörungen in jeder Hinsicht. Als Konzern geht man noch rigoroser gegen Mitarbeiter vor, die nicht alles geben, man fordert generell mehr von allen Mitarbeitern und gleichzeitig erwartet man das Lohnsenkungen ins Bodenlose akzeptiert werden. Bei Lidl wurden die Mitarbeiter jahrelang ausspioniert, Betriebsräte wurden verfolgt und rausgeworfen, Netto agiert hier kaum anders, will laut Frontal 21 sogar wissen was bei Ver.di so besprochen wird. Die Mitarbeiter arbeiten selbst bei Krankheit, bürden sich unheimliche Lasten auf, weil sie es als Mensch nie anders gelernt haben. Wer zuetwas kommen will, der muss auch ranklotzen, der muss auch zeigen das er will und kann, der muss das Jammern sein lassen und entsprechend wie gefordert funktionieren. Das ist aber grundsätzlich falsch! Die Mitarbeiter sollten nicht funktionieren, sie sollten streiken und protestieren. Dazu fehlt ihnen aber leider das entsprechende Bewusstsein, schliesslich haben sie ihr ganzes Leben nur gearbeitet und selbst in der Schule haben sie nur systemkonformes Zeug gehört und auswendig gelernt. Also wird alles nur noch schlimmer, auch weil die Manager es nicht anders kennen, die im Beitrag als die bösen Buben dargestellt werden. Diese versuchen doch bloss den eigenen Konzern an die Spitze zu bringen. Gesetze stören bei der Profitmaximierung natürlich nur, daher schreit dieser Frontal 21 Beitrag genauso wie die Mitarbeiter nach dem Staat: Er soll doch bitte diesen Konzern zähmen und zwingen die Regeln einzuhalten. Aber das löst nicht die Quelle der Probleme. Die Ahnungslosigkeit über die eigene Befindlichkeit, die eigene Rolle im globalen System könnte nicht größer sein.

Von systematischer Ausnutzung durch ihren Arbeitgeber berichten Mitarbeiter und Führungskräfte bei Netto Marken-Discount. Nach ihren Worten herrscht dort ein brutales Klima der Angst und Unterdrückung. Netto Marken-Discount – nicht zu verwechseln mit der dänisch-deutschen Firma NETTO – ist ein Tochterunternehmen der Edeka-Gruppe, der Marktführerin im deutschen Lebensmittelhandel. Die Expansion werde auf dem Rücken der Beschäftigten betrieben, so der Vorwurf der Gewerkschaft Verdi. (Text & Quelle: ZDF)

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Wir brauchen mehr Arbeitslose!

Die Finanzkrise hat bewiesen worauf es in dieser Gesellschaft wirklich ankommt und wofür sich die Menschen entscheiden wenn sie am Abgrund stehen. Man hat innerhalb kürzester Zeit, egal ob in Amerika oder in Europa, gigantische Summen in die Fortsetzung eines System gesteckt, welches weltweit Milliarden Menschen knechtet, entmündigt und verhungern lässt. Die Menschen haben Angst vor dem eigenen Abstieg, Angst vor der Zukunft, vor Veränderungen und vor Ablehnung, also gehen sie, und zu allererst die Politiker, diesen Weg der Zerstörung. Die Mehrheit weiß um den katastrophalen Zustand unseres Planeten und unserer Gesellschaft, aber was tut sie dagegen? Was tut sie gegen Hunger? Was tut sie gegen Krieg? Was tut sie gegen Aids, Krebs oder Depression? Sie bleibt hinter den Erwartungen und den eigenen Ansprüchen zurück. Aber wenn das System gefährdet ist, woraus Hunger, Krieg und Krankheiten entspringen, wird innerhalb kürzester Zeit alles getan um es aufrechtzuerhalten. Man spendet 2-3 Milliarden für die Armen, aber für die Ursache dieser Armut gibt man hunderte Milliarden und jammert obendrein wie schlecht die Welt doch ist, so als ob es nicht in unserer Macht läge daran etwas zu ändern. Tagtäglich gilt es als das Normalste der Welt, im permanenten Konkurrenzkampf gegen andere Mitmenschen, seine unendlich wertvolle Lebenszeit für die kapitalistische Produktionsweise zu verkaufen. Jeder Arbeitsplatz ist ein Schauplatz für Überlebenskämpfe. Ein Arbeitsplatz gilt als Lottogewinn unter den Lohnabhängigen, obwohl sie in diesem Spiel, mit oder ohne Arbeit, nicht gewinnen können. Jeder ist ersetzbar, jede Nachlässigkeit kann zur Kündigung führen und die Gehälter bleiben stets zu gering. Es scheint uns wichtiger unserer Arbeit nachzugehen, als nach den Quellen dieser Zerstörungen, der Krisen und den Toten zu fragen. Die steigenden Anforderungen, der Leistungs- und Zeitdruck lässt die Menschen einen Lebensstil entwickeln, welcher es für besser hält zu funktionieren anstatt zu reflektieren und zu rebellieren. Der Alltag ist schon genug mit Melancholie, Depression, mit Tragödien und anderen hässlichen und ekelhaften Situationen, Dingen und Personen befüllt, da will man als gequälter Mensch nicht auch noch die geringe Freizeit für tiefere Gedankengänge durch diese widerlichen Realitäten vollziehen. Es käme einer Wiederholung der Qualen gleich, einer Wiederholung, die man auch noch selbst veranstaltet hat. Eine Wiederholung, welche man hätte vermeiden können. Wegsehen, weghören, ausblenden, nicht aussprechen was einen bedrückt und peinigt, dies ist Ausdruck des Gefängniswärters in uns. Das ist die Selbstzensur, dies sind die Wände, Gitter und Stahltüren unseres selbstgeschaffenen Gefängnisses, dessen Schlüssel wir ständig in der Hand halten. Wir haben gelernt uns von der Kindheit an anzupassen, so zu funktionieren wie es unsere Mitmenschen erwarten, wir wurden bestraft wenn wir es nicht genug taten und daraus speist sich auch die Art und Weise wie wir heute denken, handeln, wirtschaften, wählen, lieben und es auch in Zukunft tun werden. Seit unserer Kindheit wird die Unvollkommenheit unseres Lebens angeklagt und beklagt. Immer muss mehr getan werden, muss mit größter Anstrengung die Liebe der Eltern und die Anerkennung der Mitmenschen erkämpft werden. In den Schulen gibt es Lernbedingungen, die die Schüler systematisch scheitern lässt. Es gibt weder genug Zeit für den Lehrstoff, noch gibt es für die Schüler die Möglichkeit selbst zu bestimmen womit sie sich beschäftigen wollen. Ihnen wird jegliche eigene Meinung im vorhinein abgesprochen, ihnen wird vorgekaut was sie zu denken, zu glauben und was sie zu lieben und zu verabscheuen haben. Erste Reflexe und Konditionierungen werden installiert. Autoritäten sind zu beachten, nicht zu hinterfragen oder abzulehnen. Still sein, fleißig mitarbeiten, besser sein als andere, so wird eine erste Version von einer Charaktermaske gebildet, die später in höherem Detail benötigt wird. Noten trennen die Schüler in gut und schlecht, spucken auf ihr Selbstbild und vergewaltigen ihre Seele. All das nur um sie auf ihr Leben als Leistungsträger vorzubereiten, um sie zu einem funktionierenden Fachidiotien mutieren zu lassen, um sie als Konkurrent auf den Markt zu jagen, um den Planeten im Dienste des Kapitals zu verwüsten und auszuschlachten. Die Schüler lernen unter Anweisung der Lehrer und des Lehrplans etwas von gerechten Kriegen, lernen den Kommunismus mit Gulags gleichzusetzen und huldigen die per se gute eigene Nation, Lebensweise, Ernährungsweise, die freiheitlichen Demokratie, die heilige sozialen Marktwirtschaft. Die Schüler werden mit ihrem erfolgreichen oder nicht so erfolgreichen Abschluss, schlicht mit Propaganda im Schädel auf die Realität losgelassen. Wir alle sind seit unserer frühesten Kindheit gequält worden um als Lohnabhängige auf den Arbeitsmärkten, in den Branchen dieser Welt ausgebeutet zu werden. Wir haben gelernt so zu funktionieren wie es dem Kapital gut tut. Egal ob als Staatsdiener, in der Verwaltung, als Soldat, Polizist, oder als Journalist in den Medien oder in der Lebensmittelindustrie oder als Selbstständiger, was zählt sind die Profite, nicht die Werte die von tausenden Generationen mühsam erdacht, erarbeitet und letztlich Stück für Stück mit Blut und Schweiß durchgesetzt wurden. Es erscheint uns normal und richtig, selbst wenn wir dadurch krank werden, massenhaft Betonlandschaften, Blechlawinen, Lebensmittelskandale, Plastik-, Elektronik- und Müllberge produzieren, tonnenweise frischer Lebensmittel wegwerfen, während tausende Menschen tagtäglich verhungern, Lebensmittel immer billiger werden müssen, Millionen Tiere fürs exzessive Fleisch fressen leiden und sterben müssen, Kriege für unsere Sicherheit und Handelswege geführt, tausende Menschen ermordet werden und so weiter. Dies ist der ganz normale Wahnsinn. Es war schon immer so. Also was tun? Die Verantwortung schieben viele Menschen an die Politik ab und daher richten sie auch an jede Anklage und jeden Protest an sie, dabei ist die Bundesregierung, sämtliche Parteien und der Staat eine der Hauptverantwortlichen für diese Katastrophen. Die Parteien, die Regierung und die Staaten tun nur das wozu sie sich wirklich gezwungen sehen und das sind in erster Linie Sachzwänge, die sich permanent aus dem Kapitalismus speisen. Die Politiker haben keinen Überblick darüber wozu der Kapitalismus die Menschen verführt und manipuliert, denn sie werden selbst verführt und manipuliert, sie sind selbst Marionetten des Kapitals, Marionetten einer Ideologie, die sie genauso wie alle anderen seit ihrer Kindheit als die Realität anerkannt haben. Es muss schon ein Glücksfall wie in Fukushima passieren, damit die Regierung das tut worauf Proteste schon seit Jahrzehnten pochen. Es mussten tausende Menschen sterben, damit ein paar billige Lippenbekenntnisse gemacht werden, um bei den Wahlen nicht völlig nackt dazustehen. Die ganze Erbärmlichkeit und der ganze Zynismus unseres politischen und wirtschaftlichen Systems, lässt sich anhand der letzten Jahre wunderbar ablesen. Die erste revolutionäre Tat ist es, die Realität klar und deutlich zu benennen. Es darf kein wegsehen, weghören, ausblenden und bedingungsloses funktionieren als Lohnabhängiger mehr geben, weil sonst alles gefährdet ist, was das Leben überhaupt lebenswert macht. Es wird niemanden geben der uns hierin etwas abnehmen wird. Weder der Staat, die Parteien, die Regierung, die Gewerkschaften und die NGOs können oder wollen die Realität tatsächlich benennen und tiefgreifend verändern. Alle diese Organisationen mögen ursprünglich irgendwelche Rechtfertigungen für ihr Bestehen haben, aber gelöst haben sie weder den Hunger, noch die Lohnabhängigkeit, noch die ganzen anderen Ungerechtigkeiten dieser Welt, weil sie offenkundig die Quelle nicht benennen und wirksam bekämpfen. Der Kapitalismus muss weltweit weg und damit auch die Staaten, denn nur so sind die Probleme der Menschheit tatsächlich zu lösen. Nur wenn nicht mehr gegeneinander sondern miteinander gearbeitet wird. Wenn Kooperationen statt Konkurrenzkampf die Regel sind, können sich andere Strukturen in der Welt entwickeln, die nicht von Angst, Depression, Minderwertigkeitskomplexen dominiert sind. Nur wenn wir uns die Hand reichen, nur gemeinsam können wir diese Herausforderungen angehen. Es kann nicht sein das jeder Mensch darauf hin arbeitet sein eigenes Haus, sein eigenes Auto zu haben, das ist ökologischer Wahnsinn, mal abgesehen davon wieviele tausend Stunden man sich dafür opfern muss. Wohngemeinschaften, Fahrgemeinschaften sind die Zukunft, denn sie machen das Leben leichter, verbrauchen und zerstören weniger. Selbiges gilt für Staaten, wenn sie erst einmal aufgelöst sind, braucht es auch keine Billionen Euro teuren Armeen, Rüstungskonzerne mehr die sich gegenseitig für nichts und wieder nichts bekämpfen. Die Beteiligten können sich sinnvolleren Dingen, wie der Bildung und der Bekämpfung von Armut, der Unterstützung von anderen Menschen zuwenden, anstatt sie mit Waffen und Bomben zu ängstigen, zu quälen und zu töten. Seien wir mutig und nehmen auch in der Politik statt Vormundschaft, Autorität und Vertreterschaft die Dinge selbst in die Hand. Räte bzw. Kommunen können statt der Parteien, Regierungen, die alltäglichen Probleme übernehmen. Wir brauchen keinen bürokratischen Überbau, keine Behörden die uns missachten und mit Vorschriften quälen und bei Missachtung verklagen, obwohl sie eigentlich für uns da sind. Weg mit der Agentur für Arbeit, weg mit den ineffizienten Steuerverfolgungsbehören, die gute Beamten sogar bestrafen anstatt zu belohnen, weg mit den Vermögenden, den Armen, wir wollen die Menschen nur noch nach ihrem Charakter und ihrem Tun für andere Menschen bewerten! Es soll keine Nation, kein großes Ganzes mehr geben welchem gedient werden soll. Wen interessiert Deutschland, wen interessieren Landesgrenzen, wen interessieren wachsende Zahlenkolonnen, wenn man das Leben ohne sie viel besser genießen kann? Was wir brauchen sind mehr Arbeitslose statt weniger Arbeitslose! Wir brauchen die reale Anerkennung aller Menschen als würdevolle, liebenswürdige Kreaturen und nicht leere Versprechen in Gesetzen und Regierungserklärungen! Wir brauchen effizientere Maßnahmen gegen Korruption, Machtmissbrauch, Ausbeutung und Unterdrückung. All das geht nur mit Strukturen die nicht autoritär und hierarchisch funktionieren, die jenseits von Profitmaximierung und Konkurrenzkampf stehen. Die Obrigkeitsgläubigkeit, die duckmäuserische Art vor der Politik, den Konzernen, der Justiz muss aufhören. Denn sie helfen uns nicht ein würdevolles Leben zu führen welches tatsächlich alle Bedingungen und Möglichkeiten hat um sich frei zu entfalten. Und diese Entfaltung soll nicht nur für Amerikaner, Europäer gelten, denn manche werden einwenden, sie könnten doch bereits alles tun was sie wollten, diese Entfaltung soll für alle Menschen gelten! Also auch für jene die tagtäglich Hungern müssen, die auf Müllbergen ihr Dasein fristen müssen und so weiter. Unser scheinbarer Reichtum speist sich aus deren Not und aus der Not der Arbeitslosen, der Niedriglohnjobber, der Verschuldung von Millionen Menschen. Es kann nicht in unserem Interesse sein, ein Haus und ein Auto auf Leichenbergen von Hungertoten und anderen Verlierern dieser Gesellschaft zu haben. Wir sind nicht frei wenn wir für Geld arbeiten, denn wir arbeiten für eine Systematik die uns die Lebensgrundlagen entzieht!

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Prügelnde Polizisten für eine bessere Welt

Martialisch gekleidete Polizisten prügeln friedlichen Demonstranten ihre Forderungen nach einem besseren Leben aus dem Leib. Das Gewaltmonopol des spanischen Staates zeigt was deren Wünsche und Nöte tatsächlich wert sind. Ihre Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit wird mit Schlägen, Tritten und Drohungen beantwortet. Das wahre Gesicht der Demokratie äußert sich in dieser rohen Gewalt. Kommunikation, Dialog, Transparenz, Solidarität, Gerechtigkeit, Perspektive, Sicherheit all das fehlt nicht nur in Spanien. Auch in Griechenland gehen seit Monaten tausende Menschen auf die Straße. In Nordafrika brodelt es nachwievor. Während die spanischen Demonstranten auf ihren Plätzen bemerkenswerte Visionen für eine andere Gesellschaft entwickeln, wie beispielsweise die basis-demokratischen Abstimmungen zu allen Themen der Gesellschaft, und ihre Konsensbereitschaft einfach praktizieren, wirkt der Staat wie ein ängstliches Monster, welches wild und wahllos auf alles einschlägt, was auch nur im Entferntesten gefährlich oder bedrohlich sein könnte.

In solchen Momenten weiß man als Kritiker der bestehenden Verhältnisse, des Staates und des Kapitalismus, man hat mit seinen Zweifeln und Befürchtungen von Anfang an Recht gehabt. Man weiß wie wichtig es ist die Durchsetzung von Menschenrechten zu fordern und dabei nicht auf eine Regierung, Parteien, Gewerkschaften oder Konzerne zu warten. Die Spanier ergreifen ihre Chance, eine Chance die für alle Völker der Welt seit Jahrzehnten und in jedem Moment greifbar ist: Die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, ohne Profitmaximierung und Konkurrenzkampf. Wobei man auch ganz klar sagen muss, ganz so radikal sind sie nicht, die Spanier. Sie protestieren weil sie keine Jobs haben, sie protestieren weil zu wenig bezahlt wird. Sobald ihren Forderungen in dieser Richtung entsprochen wird, was nicht leicht sein wird, werden sie brav zurück an ihre Arbeitsplätze gehen, Profite auf ihre Kosten maximieren und sich politisch so gering engagieren, wie sie es die letzten Jahrzehnte, seit Franco getan haben. Man mag es nicht glauben, es gab in Spanien jahrelang landesweit gelebten Anarchismus! Wären sie nicht von autoritären Kommunisten und Faschisten eingekesselt worden, hätte dieser Anarchismus noch heute bestand, davon bin ich überzeugt. Der Anarchismus enthält alles was die Spanier auch heute fordern!

Man mag also hoffen, es würde alles anders. Man mag hoffen, es würde sich diesmal anders entwickeln, angesichts der erschreckenden Brutalität des Staates gegenüber „seiner“ Bevölkerung. Eine Sicherheit auf grundlegende Veränderungen gibt es nicht. Die Bevölkerung hat sich spontan zu diesen Protesten entschieden. Ob diese Spontanität reicht um eine bessere spanische Welt aufzubauen? Solidarität darf nicht an den Landesgrenzen aufhören. Deutsche Arbeiter, Arbeitslose, Schüler, Rentner usw. sollten sich solidarisch erklären und ebenfalls am Alexanderplatz, Marienplatz, an den großen Plätzen in den größten Städten campieren und zwar solange, bis auch hier klar ist, wir wollen dieses System nicht mehr, weil es uns erstickt und daran hindert das Leben zu entfalten. Aber darauf kann man in Deutschland lange warten. Wir würden keine Revolution machen, dazu müssten wir den Rasen betreten. Solange wir mit den über 50 Mio. Fahrzeugen in Deutschland herumkurven, den Versprechen und Verführungen der Lebensmittelindustrie, der Modeindustrie, Unterhaltungsindustrie usw. mehr glauben schenken als unserem Gewissen, solange lassen wir Menschen in Afghanistan im Auftrag unserer profitorientierten Regierung töten, leisten wir unterlassene Hilfe bei den tausenden Hungertoten täglich, lassen Energiekonzerne den Planeten verstrahlen und vergeuden unser Leben am Arbeitsplatz.

Wir arbeitsgeilen, autoritätsgläubigen Kapitalsoldaten, uns ist es wirklich scheißegal was die Spanier, Griechen und Afrikaner wollen. Wir hoffen weiterhin das Flüchtlinge nicht nach Europa kommen, hübsch vorher absaufen und brav mit ihren Familien verhungern, genauso wie wir hoffen das die Spanier, Griechen, Portugiesen und Iren nicht auf den Gedanken kommen wer eigentlich von ihrer Perspektivlosigkeit und Armut profitiert. Es sind nämlich vornehmlich deutsche Menschen, mit ihren deutschen Banken, mit ihren deutschen Anlegern und so weiter. Und was tun wir, als kritische Zeitgenossen und Deutsche dagegen? Wir gucken zu und hoffen niemals betroffen zu sein oder besser noch von dem Leid zu profitieren. Ist das nicht pervers? Wir haben überhaupt nichts gelernt. Gelernt haben wir bloss zu funktionieren. Wie Soldaten. Der Wahnsinn ist jedoch sicher nicht nur deutsch. Es geht mir ja um den Kapitalismus, welcher international, unabhängig von der Nationalität funktioniert. Aber sollten wir angesichts unserer Geschichte nicht irgendwas gelernt haben? Warum prügelt die Kanzlerin auf die angeblich so faulen Griechen ein, anstatt ihnen die Zinsen günstiger zu gestalten, damit sie auch eine Chance haben? Wohin führt bloss diese egalitäre, kalte Sicht der Dinge und woher kommt sie? Die Profitmaximierung und der Konkurrenzkampf werden uns alle ohne Zweifel, früher oder später alles kosten was wir uns aufgebaut haben. Dieser permanente Weltkrieg saugt die Menschen aus. Alle versuchen zu nehmen was sie kriegen können. Seelenlose Arbeitsdrohnen und Konsumzombies scheinen diese westliche Welt zu bevölkern.

Die Sonne scheint, es gibt nichts zu sehen, also weitermachen! Diese Spanier sind doch bloss irre Träumer! Wir haben unsere stolze Ignoranz, soll uns doch einer beweisen wie falsch wir liegen, solange machen wir weiter! Immer weiter! Produzieren wie die Wahnsinnigen Waffen, Autos, Handys, Kühlschränke, Computer, Lebensmittelskandale, verstrahlte Gewässer und Gebiete. Keine Katastrophe erscheint katastrophal genug um endlich konsequent dagegen zu Handeln. Die eigenen Interessen, die anerzogene Profitorientierung verdirbt jede Hoffnung. Wir haben die Rolle des Staates verinnerlicht, wir prügeln verbal und physisch auf Andersdenkende, Protestierende und Verlorene genauso ein, wie die spanische Polizei. Arm ist nicht nur das spanische Gewaltmonopol, jede Nation ist arm dran, egal wie hoch das Vermögen oder Bruttosozialprodukt auch sein mag. Alle funktionieren nach kapitalistischen Prinzipien. Kein Land dieser Erde ist frei vom Gegeneinander, vom Gift des egoistischen Strebens nach mehr und immer mehr. Die Menschheit ist krank. Und kaum einer strebt danach dies zu erkennen oder zu genesen. Die Lüge, der Selbstbetrug, lebt sich inmitten des Massenmordes trotzdem ganz gut. Denn alle lügen, alle betrügen sich selbst. Massenmord ist normal. Egal ob Hunger oder Krieg, es ist wie einkaufen oder Party machen, es gehört zum freiheitlich-demokratsichen Leben dazu. Manche verlieren, andere gewinnen, shit happens! So ist es nunmal, warum darüber nachdenken, es ist eh nicht zu ändern.

Obama inszeniert sich als friedlichen Menschen, während er  Menschen im Irak oder Afghanistan ermorden lässt, während er Osama anklagt und entgegen der Werte seiner Nation hinrichten lässt. Gibt es darüber großartige Verwunderung? Er ist wirklich ein idealer Stellvertreter einer Welt, die voller verlogener Menschen ist, die alle grinsend, freundlich, korrekt, ihr Recht durchdrücken, ihre Familien auf den Leichen von Verhungerten großziehen. Natürlich sind nicht alle Menschen dumm oder schlecht, aber die Mehrheit scheint es doch zu sein, denn sie wählt Parteien die ihnen nichts nützen, Bremen wählt z.B. seit Jahrzehnten SPD. Die Mehrheit scheint dumm oder schlecht, schliesslich arbeitet sie  für Konzerne, die ihr nichts bringen, außer überflüssige Güter, zerstörte Beziehungen, vermüllte Landschaften und geistigen sowieso kulturellen Nonsens. Jede Stadt gleicht immer mehr einem Kaufhaus und nur eine Minderheit scheint sich daran zu stören. Uns geht es einfach zu gut.

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