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Ein Leben in der Hölle

Angesichts der Menschenmassen zwischen Rolltreppen, Beton und Metall kann man schon in Verzweiflung verfallen. Hübsche, hässliche, dumme, schlaue Menschen ziehen eilig aneinander vorbei, haben Termine und Ziele, telefonieren, spielen mit dem Handy, reden über Partys oder Geschäftliches. Soviel Getue als ob alles seine Ordnung hätte. Egal wie sie sind, sie sind vorallem Konkurrenten. Sie konkurrieren um einen Platz an der Sonne. Irgendwie glauben sie fest daran auf dem besten Weg zu sein. Gut, manchen ist klar sie sind nicht auf der idealen Linie und sind dementsprechend drauf. Andere, Bettler und Obdachlose die auch zum alltäglichen Bild gehören, haben längst aufgegeben und sich mit dem Abstieg angefreundet. Doch die anderen kämpfen noch und versuchen die Armut in ihrem Alltag zu verdrängen. Schicke Klamotten, dicker Schmuck, aufwändiges Makeup, können nicht über diese innere Leere hinweg täuschen. Was macht deren Leben schon aus? Das sind lediglich Konsumzombies, Verbraucher, Konsumenten, Arbeitnehmer, Funktionsidioten die am liebsten Maschinen wären. Ständig wird an irgendetwas gearbeitet, an der Karriere, am Outfit, am Körper, an der Beziehung oder an der Wohnung. Zutun gibt es immer irgendetwas. Es gibt immer die Möglichkeit sich auszublenden. Für viele ist das eine derart normale Gewohnheit, für sie ist das Leben. Für mich ist es ein Alptraum. Wie kann man Staus, überfüllte U-Bahnen, Fast-Food-Restaurants, Discounter und Bürogebäude ertragen? Wieso akzeptieren wir die permanentene Normierung und damit Zerstückelung unseres Lebens? Der ganze Alltag besteht darin vor Automaten, Maschinen zu warten, sie zu bedienen und am liebsten würden wir das auch mit allen Menschen so machen. Wohin soll uns das Ganze führen? Stellt sich überhaupt jemand diese Frage? Großstädte sehen für mich so aus als könnten sie jeden Moment explodieren oder implodieren. Da werden Katastrophen verwaltet und verdrängt. Menschen wühlen im Müll und einen halben Meter weiter küsst sich ein junges verliebtes Paar, streichelt eine Mutter ihr Kind, nuckelt ein Penner an seinem Bier, fährt der Lamborghini eine Taube platt. Diese Zustände die unerträglich sind werden von anderen gar nicht gesehen weil sie nur Augen für ihr Leben und ihr Nest haben. Sie klammern sich regelrecht an die minimale Portion Glück und Hoffnung die ihnen noch geblieben ist, sei es der Partner oder das Kind oder ein bestimmtes Hobby oder ein bestimmter Job in dem sie noch irgendwie erfolgreich sind oder Freude haben. Aber ringsherum sind offensichtliche Beschädigungen des sozialen Gefüges am ausbrechen. Die Seuche der Ignoranz und Gier greift um sich während die Leute immer noch glauben all das wird sich noch zum Guten wenden. Aber nichts wird dahingehend passieren. Wir sind verloren weil wir uns selbst verloren haben. Wo ist denn noch der Bezug zur Natur in einem U-Bahn-Schacht? Wo ist denn noch die Liebe zu den Elementen in abgeschotteten Bürogebäuden? Es ist gräßlich und traumatisierend. Wer dies akzeptiert und darin funktioniert ist die Krebszelle die diesen Organismus namens Erde vergiftet und zerstört. Man muss rebellieren. Man muss sich weigern zu funktionieren. Es ist erforderlich auf die Entfremdung und Ignoranz hinzuweisen. Manche Menschen besaufen sich in aller Öffentlichkeit um völlig kaputt in irgendeiner Ecke zu verrotten, es sind Obdachlose, es sind Punks, es sind auch ganz einfache Leute die in ihrer Freizeit zuviel Party gemacht haben, – sie alle setzen ein Statement: Sie können das alles nicht mehr ertragen ohne eine ordentliche Portion Selbstzerstörung. Alkohol ist Nervengift. Nikotin hat eine ähnliche betäubende und zerstörende Funktion. Und der ganze Zucker und das Fett in den Lebensmitteln haben auch eine äußerst beruhigende Funktion. Ich denke das macht den Erfolg von Junk und Fast Food genauso aus wie von Zigaretten, Alkohol und sonstigen Geschichten mit ähnlicher Wirkung. Ablenkung, die Suche nach dem Ruhepol, der Quelle an der man wieder Kraft auftanken kann und zu alter Stärke finden kann, all das verbindet viele Menschen. Es ist kaum zu glauben wie ähnlich wir uns alle sind. Wir versuchen uns zu unterscheiden mit Klamotten, Autos, Erfolgen, aber das ist alles nur oberflächlich, denn in Wahrheit sind wir alle gleich was grundlegende Bedürfnisse angeht. Wir brauchen Anerkennung, Nähe, Vertrauen und Stabilität. Aber wir entziehen mit unserem bewusstlosen Dasein die Grundlage die für die Befriedigung dieser Bedürfnisse erforderlich ist. Wer kapitalistisch lebt, also nur für die Profite arbeitet und dieses Muster der Leistungsintensivierung und -maximierung verfolgt, zerstört nicht nur sein eigenes Leben, er zerstört überhaupt das Leben an sich. Er ignoriert nicht nur die Vielfalt, er zerstört die Bedingungen für die Entfaltung von Vielfalt. Wer sich den Rationalisierungen unseres wirtschaftlichen und politischen Systems unterordnet darf nicht damit rechnen das er in Zukunft glücklicher wird.

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Die Bestie Mensch & die Wirklichkeit

Heute und in den vergangenen Tagen habe ich immer wieder erlebt zu welch unfassbar schrecklichen Handlungen der Mensch fähig ist. Es gibt beispielsweise jemanden der mit dem Ziel der sexuellen Ausbeutung mithilfe von Drogen junge Frauen von sich abhängig und gefügig macht. Dabei ist dieser Jemand mindestens so verwirrt, traumatisiert und einsam wie die Person, die er für seine Zwecke benutzt. Die ständige Wiederholung dieser Taten zeugen von einer tiefen illusorischen Lebenseinstellung voller Leere und Kälte, – sie muss Chaos und Leid produzieren.

Ich begegne ständig zerstörten Menschen mit verlorenen Träumen und einer Unmenge an Ängsten. Ihre Unfähigkeit sich selbst zu heilen und die alltägliche Erfahrung keinerlei aufrichtige Unterstützung zu erfahren, steigert ihre Hilflosigkeit und die Sehnsucht nach vollständiger Vernichtung ins unermessliche. Andere Menschen hingegen erleben sich fast völlig verbittert und verspotten jegliche Ergebnisse menschlicher Aktionen, stossen sogar andere Menschen noch weiter in ihr Elend. Es gibt unfassbar viele Formen von Unfähigkeit, Ignoranz, Dekadenz oder einfach nur Zerstörung. Und die vernichtende Steigerung von all diesen Erfahrungen die ich gemacht habe, ist die Erkenntnis, dass all das systematisch organisiert und damit gewollt ist.

Wenn ich diesen Menschen begegne, dann erkenne ich sie als die logische Folge verlogener Vorstellungen die seit Jahrhunderten propagiert und gelebt werden. Damit sind vorallem die wirtschaftlichen und politischen Vorstellungen gemeint, denn diese hatten in der Vergangenheit vorallem das Ziel die Menschen in Bewusstlosigkeit und damit in Sklaverei und unter Kontrolle zu halten. Jene Menschen also die heutzutage einsam durch die Strassen taumeln, um zu Clubs zu kommen um sich zu besaufen, um zur Arbeit zu kommen um die Profite zu steigern oder permanent Beziehungskrisen nicht nur in der „Liebe“, sondern in Beziehungen zu allen Menschen Konflikte austragen, sind Teil der systematisch produzierten Bewusstlosigkeit der Eliten der vergangenen Jahrhunderte.

Und überdies haben sie diese Sklavenmentalität, diese Selbstzerstörung, Dank ihrer weiten Verbreitung in fast allen Ländern der Erde, fast vollständig verinnerlicht und begreifen diese als ihre Identiät und damit als Normalität. So wird es tatsächlich zu einem existenziellen fundamentalen Megaproblem die Idiotie zu stoppen. Es ist nahezu unmöglich die Menschen daran zu hindern dumme Scheiße zu machen, weil sie diese dumme Scheiße als Teil ihrer Identität begreifen. Sie können sich gar nicht vorstellen ohne Drogen Einklang und Wärme zu erfahren, sie können sich gar nicht vorstellen ohne Chef, ohne Hierarchie, ohne McDonalds oder Krieg zu leben. Dies ist das wahre Drama der Menschen. Dies ist die Abwärtsspirale in die sich die Menschen verliebt haben und es kostet sie alles was sie im Leben lieben und schätzen gelernt haben.

Sie sind Opfer und Täter und sie schaffen und zerstören. Es scheint so als sei dies die wahre Natur des Menschen. Es scheint als sei er seit Jahrtausenden zu nichts anderem mehr fähig und müsse das Paradies weiter vertreiben, statt es endlich anzunehmen. Was macht man mit einer Gruppe von Menschen die jederzeit am äußersten psychischen Limit agiert? Was macht man mit den Menschen, innerhalb dieser Gruppen und Cliquen, die andere, ohnehin schon verwirrte und traumatisierte, Menschen für ihre Zwecke manipulieren? Wieweit soll das noch gehen? Wieviel Schmerz müssen wir noch erleben um endlich aufzuwachen?

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Die hässliche Fratze der Gesellschaft

Jeden Tag kotzt mir die hässliche Fratze der Gesellschaft mit ihren beschränkten selbstgefälligen verblendeten Idealen ins Gesicht. Sie schreit mich an, sie brüllt mir ins ängstliche Gesicht ich soll mich nicht so anstellen und verdammt nochmal Kohle ranschaffen. Ich bin nichts wert für diese alleszerfressende vernichtende schlachtende Maschinerie wenn ich ausschlafe, mit dem zufrieden bin was ich habe und was ich bin! Ich habe mich zu quälen und illusorischen Vorstellungen nachzurennen, ich muss mich daran aufgeilen wieviel ich im Monat verdiene, muss mich mit frustrierten Arschlöchern mit Minderwertigkeitskomplexen rumschlagen um ein „wertvoller“ Teil für diese Gesellschaft kurz vorm Abgrund zu sein!

Mein Leben ist nur dann erfüllt wenn ich mich mit monotonen Arbeitsprozessen nur für die Profite gegen die Konkurrenz und für die Ausbeutung, Verarschung von Kundschaft und Umwelt voller Selbstverleugnung die Perfektion des Asozialen vorantreibe! Ich bin nur dann etwas für diese Gesellschaft wert, wenn ich sie nicht hinterfrage, wenn ich sie annehme als wäre sie von Gott so und nicht anders vordiktiert worden, ich soll arbeiten, ich soll die Befehle annehmen und nur widersprechen wenn es die Profite, Rentabilität und die Motivation der Arbeiter und des Konzernes steigert. Meine Kreativität ist nur gefragt wenn es mich und meine Kollegen reicher macht, wenn wir uns davon völlig sinnlosen überteuerten Scheiß kaufen können. Konsumgeilheit ist wichtig wir brauchen Idioten die die Scheiße kaufen die tagtäglich in rauen Mengen produziert werden.

Meine Zweifel sind naive trottelige kindische Konstrukte die völlig haltlos sind, in Wahrheit habe ich Angst zu arbeiten, ich habe Angst das meine Leistung nicht reicht! Es ist überhaupt nichts daran das man mir seit der Kindheit eingeredet hat, ich sei wertlos und hätte mich anzustrengen um ein bisschen mehr wert zu sein als Scheiße! Es stimmt nicht das selbst Minister von Selbstzweifel zerfressen werden und glauben sie seien nicht gut genug für den Job den sie machen! Alles nur spastische Hirngespinnste, nur wer arbeitet ist frei und wer nicht arbeitet bleibt ein Nichts und wird immer ein Versager bleiben den alle treten, bespucken dürfen die Grundrechte gelten für solche Taugenichtse nicht! Dafür wurde nicht eine Industrienation aufgebaut, diese Nation soll nur für Menschen stehen die diesen Planeten mit ihrer herrlich-kranken perfekten Disharmonie verschandeln und vernichten wollen!

Ich bin der Idiot, ich habe mich nun endlich hinzusetzen, jede Woche, jeden Tag, Bewerbungen zu schreiben. Ich soll mich zu den Diktatoren hinter den Schreibtischen sitzen und darum betteln an den Schlachten in den Bürogebäuden teilzunehmen. Ich soll sagen ich will, ich kann, ich sollte, nehmen Sie mich bevor ich wertloses Stück unter der Brücke an meinem Erbrochenen ersticke! Ohne diesen Job bin ich nichts, ich brauche ihn, ich will mich daran klammern als wäre es mein Leben! So wollt ihr es doch! Ich soll dankbar sein eine miese langweilige stressige Tätigkeit in einer Firma zu bekommen, die auf Grundrechte scheißt und Profitmaximierung als einziges ernsthaftes Ziel anstrebt.

Man verlangt von mir und Millionen anderen Menschen das ich nach ihren Plänen und Maschinen wie eine Maschine funktioniere und nur dann Menschlichkeit aufkommen lasse wenn ich den Kunden damit Geld aus der Tasche leihern kann oder insgeheim eigene Vorteile unter den Kollegen rausschlagen kann! Diese Gesellschaft funktioniert nur mit Habgier, wer nicht habgierig ist geht unter und wird von den gierigen wildgewordenen Menschenaffen erniedrigt soweit es nur geht! Diese Gesellschaft soll ich mit meiner Arbeitskraft, mit meiner Lebenszeit unterstützen, ich habe zu marschieren, deren Lieder zu singen und das Nest nicht zu beschmutzen!

Ich bin das Problem wenn ich mit den Millionen Tieren mitfühle die täglich weltweit geschlachtet werden. Diese Tiere werden geschlachtet für Menschen die zu fett und dekadent sind, als dass sie sich für die Menschen interessieren die täglich zu tausenden ein paar Kilometer weiter verhungern! Ich bin das Problem wenn ich sehe wie die Menschen vor lauter Gier die größten Monster und Wracks werden nur um ein bisschen wie ein Star zu sein, nur um ein bisschen Besonders zu sein, nur um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen für ihr trauriges irres Leben! Auch wenn alles innerhalb von Tagen völlig umsonst war!

Die Zivilisation terrorisiert sich seit zahllosen Jahrhunderten und in diesem Jahrhundert ist es nicht anders. Ich bin ein Opfer und soll wie andere gleichzeitig auch ein Täter sein. Ich soll diesen Planeten, die Tiere und Mitmenschen für mein täglich Brot vergewaltigen, zusammentreten und weitgehend ignorieren, nur damit ich eine Existenzberechtigung und entsprechenden Lohn habe!

Dies ist eine kranke kalte Gesellschaft die ihre Kinder ständig dazu zwingt sich selbst und andere Menschen zu hassen, weil sich keiner für gut genug oder vollständig hält! Die Medien und Politiker schreien ständig nach Reformen, Veränderungen, prangern Probleme von einzelnen Teilaspekten an und begreifen letztlich nicht wie schlimm und tief die Probleme tatsächlich sitzen, wo die tatsächlichen Ursachen liegen. Sie wollen Killerspiele und Waffen verbieten und erwarten das dies für ihre Interessen völlig genügt, vergessen aber die Strukturen der Gesellschaft zu verändern, die die Amokläufer, die offensichtlichen Wahnsinnigen und Irren in Wahrheit kontinuierlich hervorbringt.

Wir müssten unser gesamtes Denken verändern, unser Bewusstsein weiterentwickeln um die Quelle der Probleme zu erkennen und endlich das richtige zutun. Solange aber ständig darum gekämpft wird Menschen wie mich und andere Neulinge in dieser Welt dazu zu erziehen, zu ködern, zu locken, zu zwingen einen Job zu erfüllen den sie nicht leiden können, der keinen echten sinnvollen konstruktiven Wert hat, der sehr viele Menschen sich selbst eingeschlossen glücklich macht, wird das Leben weiterhin für Millionen Menschen eine Qual sein, eine Hetzerei, ein Pfad des Schmerzes und Leidens. Nur wenige Menschen haben soviele Privilegien, haben so eine starke reiche Familie, die das niemals erleben werden, die empfinden ihr Leben als unbegrenzt schön und frei.

Die große Masse hingegen hat das so zu erleben wie ich es ertragen muss. Ist das alles was wir vom Leben erwarten? Schmerz für Geld? Ich habe es so satt. Das ist nicht das Leben was ich Jahrzehnte leben will.

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Moderne Eiszeit

Irgendwie empfinde ich das menschliche Treiben auf dieser Welt als so unglaublich nichts-sagend. Es ist so leer und kalt, als ob es überhaupt gar nichts bringt durch die Strassen nach Jobs zu hetzen und jeden Monat einmal zum Friseur zu gehen.

Es ist so als ob wir schon alle tot sind, obwohl wir täglich irgendwelche Aufgaben und Anforderungen erfüllen, die Karriereleiter raufklettern und uns neue Klamotten kaufen. Wir strengen uns an, lernen und strecken uns. Wir funktionieren wie Maschinen in einer automatisierten Betonlandschaft.

Auf der Strasse sehe ich hunderte Gesichter, mit gestressten Leibern. Ich kenne niemanden, empfinde keine Verbindung und doch bin ich Teil dieser Maschinen. Mir kommt es so vor, als würde längst Stillstand und Eiszeit zugleich herrschen. Und genau deshalb bin ich starr vor Trauer.

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Mit Job bist Du auch Nutzlos

Kälte steigt ihm in die Nase, in die Glieder, angestrengt widmet er sich seinem Fahrradschloss. Er zerrt daran, der Schnee hat es eiskalt gemacht und es klemmt herrlich nervig. Als es endlich geöffnet war, schwingt sich der Junge auf das Rad, er weiss was er tut, denn er hat ein Ziel. Die Kristalle unter den Rädern brechen, es ist dunkel und andere Fahrzeuge rauschen an ihm vorbei. Er achtet darauf nicht. Er versucht sicher und eindeutig zu fahren. Er fährt an zwei dunkle Gestalten vorbei, beachtet sie nicht weiter, er hat ein Ziel und erkennt nichtmal ihre Gesichter. Hin und wieder wechselt er die Strassenseite, fährt auf dem Gehweg, oder nimmt die große Strasse für die Autos und LKW’s. Der Wind pustet ihn von links und rechts voll, als ob er ihn Frische in die trägen Gedanken pusten will. Der junge Mann fährt ein paar Kurven entlang, achtet auf den Verkehr, er will nicht umgefahren werden, keine Verletzungen erleiden, er will nicht sterben, denn er hat ein Ziel.

Er will etwas einkaufen, kurzfristig hatte er Lust auf Orangensaft bekommen. Das ist sein Ziel, einkaufen worauf er Lust hat. Nun ist er mit seinem Drahtesel endlich angekommen. Schön deutlich und penetrant starren ihn die Leuchtreklamen an. Viel Licht für ein bisschen Nahrung. Er stellt sich auf seine Beine und sperrt sein Rad ab. Er schlürft zum Eingang und beachtet weiter Nichts. Obst lacht ihn an, eine alte Dame weicht ihm aus, will wohl ihre Ruhe. Ein anderer Junge, nur viel jünger, läuft quer an ihm vorbei, denn auch er hat ein Ziel. Wahllos greift unser junger Mann mit dem Fahrrad in die Regale, nimmt irgendwas, denn er weiss er kann es bezahlen. Am Ende nimmt er den Orangensaft den er eigentlich haben wollte. Er geht zur Kasse. Es ist eine junge Frau, die da sitzt in ihrer Uniform. Sie ist hübsch, glatte Haut, gepflegtes Äußeres, die dunkelbraunen Haare nach hinten gebunden. Flink guckt sie ihn an, erkennt ihn als Kunden, sagt Guten Abend und schnappt sich die Produkte die er haben will. Hält sie alle über das Lesegerät. Sie schaut ihn nicht an, sie hat Routine und freut sich bereits auf den Feierabend. Aber die Freude ist nicht groß, eher eine Art milder Anflug von Freude getrübt durch die Tatsache morgen wieder an dieser Stelle zu sein.

Der junge Mann ist erfreut sie zu sehen, lächelt geheim, sie bekommt es nicht mit oder besser tut so als sei sein Lächeln vollkommen nutzlos. Unbeeindruckt sagt sie wieviel das alles kostet, er gibt ihr einen mittel großen Schein, und kramt dann die Produkte in seinen Beutel. Sie fragt ob er nicht Kleingeld hätte, und er verneint verlegen. Sie sagt daraufhin nichts und stellt die Quittung aus, gibt das Rückgeld und wünscht einen Schönen Abend. Gleichfalls, meint der junge Mann und denkt er muss ganz schnell weg. Die Kälte kroch ihm in die Seele. Er dachte plötzlich ich bin nutzlos, ich bin nicht so fleissig wie sie. Sie wußte es, darum war sie so kühl zu mir. Oder war es einfach weil ihr Ziel wichtiger ist als meins? Ich bin verloren, genau wie sie, nur ich bin mir dessen bewußt. Niemand ist nutzlos weil er nichts tut, dachte er und verteidigte seinen Wunsch nie wieder zu arbeiten.

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