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The Walking Dead

Ich wünsche mir eine Zombieapokalypse, weil es das Leben aufrichtiger und übersichtlicher machen würde. Die Jagd nach Geld, Jobs und einem besseren sozialen Status auf Kosten anderer Menschen wäre beendet. Die lärmende, stinkende, giftige Industrie des menschlichen Krebsgeschwürs auf Kosten der Natur und aller Lebewesen würde den stöhnenden, trotteligen und langsamen Zombies weichen, die leicht mit einigen Kopftreffern auszuschalten wären. Das Endzeitszenario mit einer Gruppe von Überlebenden, die gegen Massen von Untoten vorgeht, ist längst das Alltagsempfinden von Millionen Menschen im gegenwärtigen wirschatlichen System. Jetzt hat man auch nur seine Familie und eine handvoll vertrauenswürdiger Freunde mit denen man allein, jeder gegen jeden, im permanenten Konkurrenzkampf um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse kämpft, und gibt gleichermaßen vor, es sei Ausdruck von Fortschritt, Wohlstand und Zivlisation. Das Recht des Stärkeren und die Verlogenheit unserer Gesellschaft lässt sich leicht an den täglichen Bergen von Hungertoten ablesen, die neben den Bergen von verschwendeten Lebensmitteln entstehen. Längst zerfleischen wir uns als Menschheit gegenseitig bei vollem Bewusstsein, während wir in modischen Klamotten in hippen Clubs tanzen, mit unseren polierten Fahrzeugen durch die Betonwüsten fahren und auf Flirtportalen nach dem nächsten Geschlechtspartner suchen, welcher genauso beliebig gewählt wie ausgetauscht wird. Ich tausche gerne meine 40-50 Stunden Arbeitswoche gegen ein paar Stunden Zombies zertreten und Vorrätebeschaffung, denn ich gewinne dadurch meine Mündigkeit und Autonomie zurück. Es würde auch mehr Gerechtigkeit herrschen, denn niemand stirbt mehr weil es ein gesellschaftliches Prinzip so will, welches sich verselbstständigt hat und nur noch durch religiösen Fanatismus überlebt, sondern aufgrund einer natürlichen Katastrophe: Der Zombies. Lieber lasse ich mich innerhalb weniger Minuten zerfetzen, alsdass ich die Bitterkeit eines anonymen, machtlosen Arbeitslebens in mir trage, die in jedem von uns Einzug hält, wie ein Tier, das einst in die Gedärme kroch um dort zu sterben. Dieser verderbliche Geruch hat alle Hoffnungen und jeden Mut für Veränderungen erstickt. Von der Pest betrunkene, verzerrte Körper und Gesichter schleppen sich in U-bahnen, Autos, Bussen und auf Rolltreppen zu Arbeitsplätzen, um mit dem Schritt über die Schwelle des Unternehmergeländes eine Lohnsklavenmaske aufzusetzen, die die Apologeten, Priester und Missionare unseres kapitalistischen Systems, aber auch die Werbebranche, die Schule, die Eltern und ihr Umfeld ihnen angedichtet hat. Tagtäglich werden lustige Dinge für Wesen hergestellt, die unglücklich sind. Das Blut ist aus unseren tapferen Lohnarbeitern geronnen, längst ist von ihrer Menschlichkeit nur noch ein kümmerliches Häuflein übrig, den Zombies gleich, – deren einziger Antrieb anstelle von Menschenfleisch Geld ist. Die Überlebenden der Zombieapokalypse müssen sich nicht mehr für einen irrationalen Selbstzweck aufreiben, sondern nur noch für das persönliche, reale Überleben von ihnen und ihrer Gruppe, während unsereins sich bei niemanden seiner Solidarität sicher sein kann, weil in unserer Gesellschaft Geld mehr zählt als eine tiefe menschliche Bindung und dieser Umstand jegliche Empathie erstickt hat, wie sonst wäre die Schoa möglich gewesen? Es gäbe keine Illusionen mehr, man wüsste, jeder Fremde muss erst beweisen, dass er ein Freund ist indem er sein Leben für den Anderen riskiert. Der Tod der anderen wäre permanent präsent und nicht verschüttet unter dem Lärm von Partys, Autos, Industrie, Medien, politischen Reden, der strebsamen Arbeiterhände und Meetings in Konzernzentralen. Wir würden alle als Wunden offen liegen, die Welt mit unserem Blut überschütten und nicht mehr nur einige von uns.

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Scheiß auf diese Gesellschaft

Wieso beschäftigt sich die Gesellschaft, also die Menschen auf den Strassen, in den Clubs, Schulen, Unternehmen wo auch immer lieber mit den paar Opfern von irgendwelchen spektakulären „Terroranschlägen“ statt mit den tausenden Menschen die sich täglich umbringen oder die täglich vom System durch Hunger und fehlender Medizin usw. umgebracht werden?!

Wir sind die Gesellschaft, wir sind die Vertreter der westlichen Hemisphäre, wir sind Teil des Problems und solange wir nicht gegen diese Idiotie mit unserem Leben einstehen sind wir auch weiterhin Ursache für das weitere bestehen dieses alltäglichen Massenmords! Rafft es endlich! Lasst den fucking Fußball liegen, scheißt auf die One-Night-Stands mit irgendwelchen Ollen oder Kerlen aus billigen Saufclubs, kotzt auf Eure Arbeit, verbrennt Euer Geld lieber als diesen Wahnsinn länger mit Eurer Lethargie zu unterstützen!

Was geht in Euch bloss vor? Ich raffe es nicht. Während im Irak und hunderten anderen armen Ländern tausende Menschen für Rohstoffe, Machtcliquen und für uns ausgebeutet und ermordet werden feiern wir reichen Arschlöcher in Europa, Amerika usf. das Leben und uns selbst. Als ob wir irgendetwas besser machen würden als die Afrikaner, als ob wir irgendwie besser wären als die Leute in Indien oder Brasilien. Ja gut, wir können besser ausbeuten wunderbar! Wir sind die Wichser die jahrhundertelang Schwächere ausgebeutet haben, nicht nur über irgendwelche Kolonien oder über Kriege und Gesetze bezgl. Handelsrichtlinien sondern vorallem mit unseren Vorstellungen vom Leben und den anderen Menschen, mithilfe unseres kranken dekadenten Lebensstils.

Fragt Euch mal warum sich täglich tausende von Leute freiwillig zerstören! Fragt Euch mal warum täglich Millionen Menschen wie Soldaten zur Arbeit marschieren und auf ihre Zweifel, Gefühle, Sehnsüchte und Träume scheißen! Fragt Euch mal warum Millionen von Menschen in der Lage sind sich selbst zu verarschen und zu verleugnen! Hinterfragt die Werbung, hinterfragt die Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion, die Verhältnisse in all ihren Aspekten oder ihr werdet genauso wie diese Menschen enden oder ihr seid es unlängst.

Wieviel Aussagekraft hat die Gothic, Metal, Punk, Techno, Emo, HipHop-Szene wenn sie diese Aspekte nicht extrem hart und präzise an sich heranlässt und hinterfragt? Sie sind blosse Mode geworden, allesamt und viele wissen das auch, jammern über die Zerstörung der „Szene“ und verlassen enttäuscht das Feld. Stattdessen müssten sie umso stärker dagegen ankämpfen und selbstverständlich mit allen Mitteln dagegen protestieren! Aber sie haben selbst keine Ahnung was in der Welt vorgeht, genauso wenig wie die sogenannten „Normalen“ die „Bürgerlichen“ sie sind absurderweise genauso verlogen, verwirrt, orientierungslos und fertig und das macht ihnen höllische Angst, welche sie natürlich ständig versuchen zu verdrängen. Als ob man das Meer daran hindern könnte den Strand zu erreichen!

Jeder Mensch hat die Möglichkeiten in dieser modernen Gesellschaft alles zu hinterfragen, wir haben nahezu unendliche Quellen die mehr enthalten als in jedem anderen Zeitalter der Menschheitsgeschichte. Und was machen wir draus? Wir fressen, saufen, rauchen, schlicht konsumieren soviel, wie andere zu wenig haben und werden dabei krank, depressiv und fett. Aber statt diese Realitäten zu hinterfragen und dann anzuklagen, zu bekämpfen wird so weitergemacht als gäbe es irgendeinen Zwang, als würde man uns mit Waffen dazu zwingen Fast Food herunterzuschlingen, als wären wir gezwungen jeden Trend, jede navie Nuance der menschlichen Irrungen und Wirrungen mitzumachen. Was ist das für eine Zeit? Was ist das für eine „Gemeinschaft“? Macht sie Euch nicht auch verrückt? Wie lange könnt ihr das noch verdrängen?

Irgendwann dreht ihr genauso durch wie die Amokläufer, ich höre Euch oft genug nach solchen Taten sprechen: „Endlich macht mal einer/eine was“, oder „Ich kann ihn/sie verstehen“ fast genauso wie bezgl. der RAF. Als ob diese Gewalt irgendetwas konstruktives hätte, aber ihr seid derart verzweifelt und damit geil auf Gewalt und Zerstörung, dass dies das einzige ist was Euch noch erreichen und berühren kann. Ihr seid derart entfremdet und in den Arsch gefickt, ihr rafft nur noch irgendetwas wenn man Euch ins Gesicht schlägt.

Ihr lasst Euch spalten, ablenken, verarschen und feiert Eure Idiotie, ihr arbeitet für riesige Arschlöcher im Sinne begrenzter primitiver Vorstellungen von der Welt und anderen Menschen. Ihr zerstört mit diesem Verhalten systematisch die Grundlage für eine bessere Welt. Ihr sorgt für die Steigerung der Armut und überhaupt für die Steigerung der Unrechtsverhältnisse. Was ist die Demokratie schon wert? Seit 60 Jahren wird gewählt und was haben wir davon? Wir haben Millionen Produkte von denen die Mehrheit moderner Schrott ist. Wir haben über 1600 Milliarden Euro Schulden. Wir haben seit 60 Jahren Parteien und Politiker die die Bürger nicht vertreten sondern auf sie eintreten. Was ist mit den Grundrechten? Wieso werden die Menschen in Zwangsarbeit gedrängt? Weil sie auf Unterdrückung und Schmerzen stehen? Stehen wir alle drauf im Unrecht zu leben und einer permanenten Vergewaltigung der Menschen durch die Menschen zu ertragen?!

Wie wäre es wenn ihr die Realität einfach mal so akzeptiert wie sie ist, statt sie zu verzehren? Wie wäre es wenn wir endlich einmal fair, ehrlich und entspannt die vorhandenen Probleme mit den Fähigkeiten und Resourcen die wir haben angehen? Ist das zuviel verlangt? Müssen wir auf so Details wie Nationalität und Geschichte wert legen, welche ohnehin in der Vergangenheit größtenteils aus eher zufällig oder von riesigen Arschlöchern ohne Einverständnis der Bevölkerung gemacht wurden?! Es ist eine Frage des Bewusstseins, was passieren wird! Leute macht Euch wach, wenn ihr schon diesen Text lest, befasst Euch mehr mit den Dingen die euch am meisten stören und ihr werdet über die Monate und Jahre hinweg daraus lernen. Wir sind lernfähige Wesen, nutzen wir unsere Fähigkeiten, machen wir uns daran sogenannte Utopien zu realisieren. Alles ist besser als die bisherigen Idotien. Es gibt keine andere Alternative als das Paradies.

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Berlin – Du bist so wunderbar

Vor ein paar Monaten sass ich noch leicht bis völlig verzweifelt in irgendeinem verschlafenem Kaff, voller Menschen die nichts anderes taten und tun als arbeiten, arbeiten, arbeiten.  Ich hatte die letzten Monate, ja – sogar Jahre, vorallem damit zugebracht diese Gesellschaft und ihre Probleme, Konflikte und Sorgen zu sichten, zu begreifen und träumte teilweise kurzweilig  auch davon Lösungen diesbezüglich zu finden. Mein Engagement, welches ich nachwievor auch als Arbeit betrachte, war und ist gesellschaftlich nicht anerkannt. Ich bekam  für meinen Aktivismus, meine Gedankengänge und Recherchen keinen Lohn, keinen Job, keine Perspektive innerhalb des Systems. Meine Zweifel, meine Fragen waren für die meisten Arbeitgeber und Arbeitskollegen, für die Ämter, sogar für meine Familie, Freunde und Bekannte lediglich lästig, naiv und unproduktiv. Und darüber war ich lange Zeit mehr als ratlos und fragte mich langsam ob ich selbst das Problem sei. Dann endlich, nach langem zögern entschied ich mich eines Tages völlig aus dem Moment heraus spontan nach Berlin zu ziehen. Ich kaufte ein Ticket und flog mit kaum Gepäck am selben Tag weg.

Seit Anfang August 2009 bin ich nun hier in Berlin, in einer riesigen Stadt, mit einer riesigen Geschichte und beeindruckender sozialer, kultureller und künstlericher Vielfalt, welche auch unzählige hässliche wie schöne Gegensätze beherbergt. Viele Menschen in München hatten mich vor Berlin gewarnt, der soziale Abstieg wäre dort ganz besonders schnell und brutal. Die Arbeitslosigkeit in Berlin ist hoch, keine Frage, die Frustration, Wut, Perspektivlosigkeit ist daher natürlich viel stärker konzentriert als im verwöhnten überschaubaren München. Mich packte Berlin aber vom ersten Moment an, auch wenn sehr viele Menschen in der U-Bahn, auf der Strasse betteln, singen, Texte aufsagen, Flaschen sammeln um sich etwas zu „verdienen“. Mich packte Berlin besonders schnell weil die Probleme nicht mehr versteckt werden können und sich daher immer wieder eine gewisse kritische Masse an Menschen bilden und reproduzieren konnte. Die Touristen können genausowenig wegsehen wie die eigentliche Bevölkerung oder die Politik und Wirtschaft, daher bietet Berlin den idealen Nährboden für Bewegungen und wesentliche Veränderungen.

Obwohl die Zustände den meisten Menschen bekannt sind, sind diese Zustände kaum verändert worden, was mich besonders am Beispiel des Kinderstrichs bzw. Babystrichs schockiert. Vielleicht berührt mich dieses Thema deshalb so besonders, weil ich doch eine sehr idealisierte, romantische Ansicht zu Frauen, Sexualität und Beziehungen habe. Dennoch kann keiner ignorieren das Menschen unter 18 ihren Körper nicht verkaufen sollten und das Prostitution im allgemeinen genausowenig wie Drogen länger kriminalisiert werden sollte. Aus meiner Sicht ist die Prostitution nicht nur das „älteste Gewerbe der Welt“ sondern auch das ehrlichste, weil hier offensichtlich ist was getan wird und warum es getan wird. Es geht um gut bezahlte oberflächliche Befriedigung von Geilheit und in einigen Fällen bestimmt auch um Phantasien die von „gewöhnlichen“ Partnern nicht befriedigt werden können.

In Wahrheit verkaufen wir uns alle im kapitalistischen System wie die Prostituierten auf der Strasse, nur heißt unser Strich Arbeitsamt oder Arbeitsmarkt, Stellenanzeiger usw. und das Anquatschen von Freiern ist bei uns die Bewerbung bzw. das Bewerbungsgespräch. Die Menschen die sich auf dem Strich verkaufen sind also Unternehmer mit Gewinnen und Verlusten, mit der ständigen Bestrebung möglichst hohe Profite zu erzielen. Die Prostituierten sind lupenreine Kapitalisten und sie sind sowohl Sklaven wie auch Sklavenwärter, die Arbeit fungiert hier als Polizei wie auch bei all den anderen Berufen, Branchen innerhalb dieses Systems. Und das interessante an Berlin ist, viele Menschen wissen von diesem Zustand. Sie begreifen bspw. den vom System organisierten Arbeitszwang und kämpfen mit ihren Mitteln mehr oder weniger intensiv dagegen an. Einige sind als Hausbesetzer aktiv, andere gehen auf Demos, wieder andere machen Kunst, malen, zeichnen, schreiben, es gibt Musiker unzähliger Richtungen und überhaupt endlos viele Menschen deren Protest sich unheimlich individuell äußert.

Und diese Leute spüre ich in dieser Stadt obwohl ich sie noch nicht alle kennengelernt habe. Vielleicht spüre ich auch die berühmte Mauer die mal in der Stadt stand. Ich bilde mir ein diese Mauer hat sichtbar gemacht wie es in den Köpfen der Menschen in den letzten Jahrhunderten aussah. Auch die chinesische Mauer ist dafür ein gutes Beispiel, aber diese Berliner Mauer ist natürlich unser ganz persönliches deutsches Ding.  Das Zitat: Die Mauer verläuft nicht zwischen Arm und Reich, sondern zwischen Dir und mir. Beschreibt ganz gut was ich meine. Wir haben einen permanenten Kampf und Wettbewerb um Ansichten, Ideologien, Positionen egal um welchen Aspekt der Realität es geht. Wir versuchen mithilfe der Sprache und der Kommunikation und jede Menge Engagement für eine bestimmte Partei, Ansicht usw. irgendwie einen „Sieger“ zu ermitteln, um uns endgültig darauf bzw. danach ausrichten zu können. Dieser individuelle wie kollektiv gelebte Versuch ist eine Illusion und er muss kontinuierlich scheitern. Jeder Mensch und alles was er tut oder denkt ist einzigartig, daher ist es unmöglich einen bestimmten Gedanken oder ein bestimmtes Gefühl einem anderen Menschen aufzwingen zu wollen. Sobald versucht wird per Zwang etwas bestimmtes anderen Menschen aufdrücken zu wollen, entsteht automatisch Widerstand und damit ist auch der erste Schritt hin zum Konflikt und Scheitern getan.

Das Leben ändert sich ständig. Alle unsere Urteile hängen naturgemäß der Realität immer hinterher und obwohl wir das täglich individuell wie auch kollektiv spüren entspannen wir uns nicht, sondern steigern sogar unsere Anstrengungen unsere Ideologien, Gedanken, Urteile an die Realität anzupassen. Lernen wir nicht uns zu entspannen und geben wir diesen Wettbewerb bzw. Wettlauf nicht auf, werden wir immer und immer wieder Konflikte jedweder Art produzieren. Wir müssen erkennen das jeder Mensch seine einzigartige Sichtweise auf das Leben und alle darin befindlichen Aspekte hat. Jeder hat seine einzigartigen Erfahrungen gemacht, verbindet seine einzigartigen Gefühle damit und wird sich auch entsprechend einzigartig dazu verhalten. Es macht daher keinen Sinn pauschal irgendetwas in irgendwelche Schubladen zu sortieren, es sei denn man tut dies um sich zu orientieren was es so gibt. Es ist notwendig daraus keine Gesetzmäßigkeiten, Zwänge usw. zu entwickeln in dieser Welt ist überhaupt nichts sicher, nichts hat Bestand alles unterliegt der ständigen Veränderung. Nichts ist beständiger als die Veränderung!

In Berlin hat man meiner Ansicht nach diesen extrem wichtigen Aspekt auf sehr unterschiedliche Art und Weise verstanden oder verinnerlicht. Viele Leute haben es mal freiwillig mal gezwungen aufgegeben, dem permanenten Wettlauf um Resourcen, Arbeitsplätze, Anerkennung usw. flexibel und unermüdlich zu folgen. Sie haben verstanden das es eine Ideologie ist unter dem scheinbar edlen Dogma des „lebenslangen Lernens“ die „Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt“ aufrecht zu erhalten. Diese Ideologie ist wie jede andere zum scheitern verurteilt, nicht nur weil sie begrenzt ist, sondern auch weil sie sehr vielen Menschen auferzwungen wird, sobald diese auf die Erde geboren werden. Die wenigsten Menschen entscheiden sich tatsächlich freiwillig dafür in jedem Menschen einen potentiellen Konkurrenten zu sehen, vorallem in Deutschland, einem Land welches voller Überflüss existiert. Dennoch haben wir erstaunlicherweise mehr als 30 Millionen Menschen die tagtäglich  zur Arbeit fahren und stundenlang ihren Körper hinhalten. Sie arbeiten zuviel, bekommen zu wenig und lernen daraus überhaupt nichts. Sie verkaufen zum Vorteil einer Minderheit ihre Eigenschaften und ihre Lebenszeit und sehen darin überhaupt kein Problem solange sie „genug“ bezahlt bekommen. Sie sind Opfer einer Ideologie die behauptet Arbeit sei ein Naturgesetz welches dem Menschen von Geburt an mitgegeben wird. Und diese Ideologie stammt, wen wunderts, von der Minderheit für die permanent geschuftet wird.

In Berlin gibt es Menschen die sich einen Kopf um dieses System machen, vorallem weil sie u.a. aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit Zeit haben sich intensiver mit den Problemen des menschlichen Zusammenlebens auseinanderzusetzen. Sie streben danach etwas Neues auszuprobieren was natürlich nicht immer wie gewünscht oder sonderlich erfolgreich verläuft. Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus, sind wunderbare Ansätze wie sich die Menschen einmal organisieren könnten, aber sie werden wie schon erwähnt alle komplett individuell eingeschätzt, beurteilt und behandelt. Dies trifft natürlich auch auf den Kapitalismus, die Soziale Marktwirtschaft, den Neoliberalismus und so weiter zu. Es ist nur natürlich das jeder Mensch seine eigene Sicht auf irgendeinen Aspekt des Lebens hat. Wir haben genau genommen mehr als 6 Milliarden verschiedene Ansichten auf der Welt. Wie sollen wir damit umgehen? Ich spüre das in Berlin diese Frage insgeheim immer und immer wieder aufkommt, nur scheint sie keiner wirklich auszusprechen. Eher verfallen die Menschen immer und immer wieder in einzelne Aspekte gewisser Umstände des Lebens, ertrinken gewissermaßen darin, bekämpfen eventuelle Feinde, greifen nach eventuellen Rettern oder Ästen und kommen nie wieder an die Oberfläche, verlieren die Übersicht und das wars dann. Es ist dramatisch was hier passiert, aber zugleich auch umfassend spannend. Sind wir Menschen als reflektierende Masse irgendwann oder vielleicht sogar möglichst bald in der Lage das Paradies auf Erden zu organisieren?

Ich glaube Berlin ist eher bereit sich diesen teilweise sehr harten Ansichten, Widersprüchen und so weiter zu stellen. Die Berliner Bevölkerung hat in der Vergangenheit sehr viel mehr erlebt und durchmachen müssen als andere Menschen in Deutschland. Es war und ist eine besondere Verkettung von Traumatas die permanent auf die Menschen einzuwirken scheint und sich immer weiter entfaltet. Ich bin absolut sicher, wir werden immer stärker dazu in der Lage sein unsere eigenen Dummheiten erkennen. Es gibt keine andere Alternative als das Paradies! Und deshalb bin ich glücklich hier in Berlin zu leben, denn hier wird es definitiv aufkeimen.

 Ich werde ab sofort in dieser Rubrik mehr oder weniger oft berichten was ich erlebe, vielleicht auch Teile einzelner Diskussionen mit den vielen Aktivisten die ich so treffe verbreiten. Ich bin wirklich froh darüber was für Menschen ich bereits getroffen habe. Egal ob es sich um die Leute der Offenen Universität Berlin (OUBS), um die Leute hinter der Überpartei Deutschland (ÜPD) oder um nicht-organisierte Individuen handelt! Es gibt Menschen die sich die Lebenslust und vorallem Lebensfreude trotz der autoritären, brutalen Menschheitsgeschichte nicht nehmen lassen! Es gibt ohne Zweifel viel zu verstehen, vieles zu diskutieren und es wird viele erschütternde Rückschläge geben, aber was haben wir anderes zu verlieren außer unsere Ketten und Illusionen? 🙂

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