Schlagwort-Archive: Hunger

Mit allem verlassen sein

Der Verlust ist eine tragische Alltagserfahrung. Wenn es normal ist, dass es keinen Menschen gibt, der das eigene Leben vervollständigt oder der sich seiner annimmt, dann ist die eigene Zerstörung vorgezeichnet. Die Hoffnungslosigkeit und Apathie strömt in die leere Identität und von dort vollzieht die Gewissheit ihr giftiges Werk. Sie konstatiert, dass man immer allein sein wird, weil es gar nicht anders sein kann, da die Welt generell unter Liebesmangel leidet. Es ist eine tödliche Klarheit. Das Ersticken an sich selbst und durch das Nichts, was in den anderen wohnt, als Keimform des Alltags. Und das Überleben konzentriert sich auf eine permanente Reduzierung und Rücknahme von allem, was man vielleicht hätte wollen können. Die Vorsicht als Triumph über alle Spontanität. Der nächste Moment könnte die letzte Enttäuschung bereiten, weil es danach nichts mehr zu erfahren gibt. Diese krankhafte Innerlichkeit und versumpfende Wehleidigkeit ist mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Aber die Zerstörung entspringt nicht nur der eigenen Identität, sondern auch aus dem Umfeld, woraus letztlich die Identität überhaupt geraten konnte. Es zermalmt einen den Magen nicht zu wissen, ob man morgen noch genug monetäre Mittel haben wird. Die Gewissheit, dass die Gesellschaft einen jederzeit vernichten kann und es niemanden negativ auffällt, weil die alltäglichen Katastrophen in millionenfacher Form üblich sind, erstickt alles. Man verliert nicht nur Lebenszeit oder Kraft, was noch natürlich wäre, sondern auch Wohlstand, sobald man nicht in den Kapitalismus investiert, der systematisch alles zerstört. Man investiert Zeit, Kraft, Nerven in diese Wirtschaftsform, obwohl sie auch einen selbst vernichtet. Es gibt nur eine Angst, die innerhalb des Jobs antreibt: Man hofft, dass es für einen noch reichen wird. Man schliesst sich einer Bande an, die in Konzernkreisen als Team tituliert wird und alles geht ganz professionell, routiniert zu. Der hohe Druck gehört genauso wie die interne und externe Konkurrenz zum Alltag. Und schon ist man ausweglos in einem brennenden Labyrinth gefangen, welches zunehmend verrauchte Gänge und Sackgassen enthält. Jede Hand, die sich dir reicht, will Dir nicht helfen, sie will Dich schlagen und berauben. Die Kosten erhöhen sich Monat für Monat, die Löhne stagnieren und sinken, die Arbeitszeit und Aufwand erhöhen sich. Das Alter schärft die eigene Mangelhaftigkeit. Wer nicht früh vorgesorgt hat, mit einem Netzwerk aus Unterstützern oder Erbschaften oder sonstigen unfairen Vorteilen, der ist geliefert und muss den Misserfolg als Alltag ertragen. Die ganze Reflexion besteht allerdings so oder so aus der Frage, ob man Geld haben wird oder nicht. Die Angst prägt zusätzlich die geistige Wüste.

Es stellt sich jeden Tag erneut die Frage, wie man angesichts solcher Zustände überhaupt leben soll. Die Lust am Leben ist ohnehin bereits vergangen, wenn die Katastrophen, die anderen unschuldigen Seelen angetan wird, in das Bewusstsein genommen werden. Wer sich nicht an das Falsche anpasst, fliegt innerhalb weniger Wochen auf die Straße. Der herrschende Gewaltapparat zwingt, nötigt einen mit allen bürokratischen Mitteln zurück in das ökonomische Getriebe, weil das alles ist, was der Mensch heute sein darf. Wer zu arrogant, unbekümmert, übermütig, illoyal ist, der stirbt den leisen Tod, der geht den sozialen Abstieg. Mord ist in dieser Gesellschaft ein allgemein akzeptiertes Mittel, um sich der überflüssigen Menschen zu entledigen. Das beweist die Asylgesetzgebung jeden Tag an den Grenzen und im Mittelmeer, wo Tausende bereits durch unterlassene Hilfeleistung ermordet wurden. Man braucht nicht zu glauben, dass irgendwer einem zu Hilfe eilt, wenn man selbst zu Ertrinken droht, denn Blut ist genau das, was essentiell diese Gesellschaft vorantreibt. Das ist ihre instrumentelle Vernunft nach der sich alles organisiert.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Emotionales

Die Mächte des kollektiven Wahnsinns

Unsere Gesellschaft ist systematische Akkumulation von physischem Leid und todbringender Gewalt. Die permanente Mobilmachung im Sinn der blinden, irrationalen Verwertung des Werts, der sich in den Tauschakten und in der abstakten Arbeit versteckt, treibt in immer ungeheureren Maß zur Entsexualisierung der Sexualität, zur Entleerung der Sprache, der Verstummung von Kunst, Kultur und Philosophie. Der Mensch entmündigt sich selbst und gerät im Prozess dieser Dynamik immer tiefer in die Abgründe eines wildgewordenen Kanninchenbaus. Ausdruck dieser Fatalität ist die Körperlosigkeit, Beziehungslosigkeit und Erinnerungslosigkeit, die anfällig für autoritären Masochismus und Sadismus macht. Die Menschen stürzen sich in die Lohnarbeit, in den Konsum, in die Ressentiments um die Realität abzuwehren, entziehen sich vor der eigenen Verantwortung das Leben selbst und vernünftig zu gestalten.

In Deutschland ist die Aggressivität, Apathie, Unzufriedenheit und Asozialität durch Angst, Schwäche, Frust und Konkurrenzneid gehärtet. Die Freudlosigkeit und Unfähigkeit zu Lieben entstammt dem eigenen verantwortungslosen Handeln, Straf- und Verfolgungswünschen und einer puren Lust- und Zivilisationsfeindschaft. Deutschland ist eine Vergesellschaftung der Paranoia, die permanent den eigenen Identitätsverlust imaginiert, sich dadurch wahnsinnig macht und daher auf alles einschlägt, was in diesem Zusammenhang auch nur irgendwie bedrohlich erscheinen könnte. Subjektlose Wendehälse im Korsett einer durch die eigene Aktivität verewigte Weltverkehrung, die das hunderttausendfache Sterben und Morden rationalisiert, normalisiert und veredelt: Das ist die Substanz unserer Realität.

Das Leben ist sinnlos. Es lässt sich nur erträglich machen über die persönlichen Beziehungen zu anderen Lebewesen, die in diese Tragik hineingeworfen wurden. Das höchste für den Menschen ist demnach der Mensch. Alles hat sich danach zu richten, was ihm Lust und Glück verschafft: Die Sozialisation, worin eine möglichst angstfreie Erziehung steckt, die Ökonomie, worin eine Produktion für den Gebrauchswert und nicht den Tauschwert existiert, die Politik, die ausschliesslich verwaltet und jederzeit wechselbar ist, die Ökologie, die nicht zerstört oder als reines Mittel gesehen, sondern bewahrt und als Selbstzweck behandelt wird, usw. usf. Das Glücksversprechen welches heutzutage im Konsum angedeutet ist, muss zu seiner vollen Entfaltung gelangen.

Wenn sozusagen klar ist, dass die Welt verrückt geworden ist, dann kann das sich selbst bewusstgewordene Individuum nur den Kampf dagegen antreten und zwar mit aller rückhaltlosen Schärfe der Kritik. Der Widerstand gegen die blinde Geschäftigkeit, die den Wahnsinn immerzu neu herauswachsen lässt, muss genauso gesteigert werden, wie gegen sämtliche Fetischformen, die die Warenform gebiert. Die Angst hierin zu scheitern ist irrelevant, weil es keine Alternative außer der Barbarei gibt. Entweder man streitet für eine andere Welt und scheitert oder man vergibt kategorisch die Chance sie jemals auch nur denkbar zu machen, was einer völligen Verweigerung zum Leben und der damit verbundenen Verantwortung gleichkommt. Wenn der Zufall einen vor dem Hungertod gerettet hat, so ist es absolut notwendig, für jene zu streiten, die ihn in grotesker Irrationalität sterben mussten und müssen. Der Preis wird mit dem Verlust einer üblichen Karriere im beruflichen Stahlgehäuse hoch sein, aber nicht hoch genug.

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft

Emotionen statt Reflektionen – „Hunger!“ mit Claus Kleber

Das Fernsehen ist etwas fürs Volk, sagte einmal Felix Bartels. Und Claus Kleber spricht als Nachrichtenvorleser der Nation für das Volk. „Claus Kleber und Co-Autorin Angela Andersen interessieren sich bei ihrer Bestandsaufnahme vor Ort weniger für die Mächtigen und Regierenden, mit denen Kleber sonst als News-Anchorman des ZDF zu tun hat. Hier geht er vor allem zu den Menschen, die von Hunger und Durst betroffen sind und tapfer für eine bessere Zukunft kämpfen.

Das Internet funktioniert ähnlich wie das Fernsehen – nämlich über Emotionen. (Claus Kleber). Der ZDF-Anchorman geiselt das raffende Kapital, schreibt mit „Not“ und „Verzweiflung“ gegenüber dem „Unfassbarem“ eine flammende Hommage zugunsten des schaffenden Kapitals. „Hunger, lerne ich, hat viele Gesichter. Hier sind es die Fratzen von Profitgier und Inkompetenz.“ Er glaubt, dass wir zu viel Fleisch konsumieren („Chinas Rinderwahnsinn„) und daher Menschen verhungern. „Wenn sich jemand bescheiden muss, dann alle. Auch Egoismus ist ein Gesicht des Hungers.“ Antworten „sucht die zweiteilige Dokumentation weniger in Zahlen und wissenschaftlichen Analysen als in einer sehr persönlichen Betrachtung mit einer optimistischen Vision.“ Eine Vision, die dümmer kaum sein könnte: „Urban Gardening„, ein „Löffel Zuckerwasser„, „riesige Kugeln im Ozean“ und „faire Investitionen“ sollen als kleine „Puzzelstücke“ die Rettung sein. Kein schlechtes Ergebnis für eine Weltreise und ein Jahr „Planung, Überlegung und Fokussierung“ oder? Und überhaupt: „Um es gleich zu sagen: Das wird kein restlos objektiver Bericht.“ Na dann kann die geistlose, ressentimentbeladene Hetze ja losgehen!

Eigentlich ist alles super in der Marktwirtschaft. Maitland in Australien: „Das wir eigentlich genug für alle ernten, verdanken wir auch Kerlen,“ und „Kerlen“ wird hier mit einer extra Portion Pathos ausgesprochen; „Kerlen wie Ben. Er macht aus einem großen Stück Halbwüste in Südaustralien Brot für die Welt.“ Quasi wie Jesus, schöpft er aus der Todeszone Wüste („an den Grenzen des möglichen„) Leben. Ben: „Wir verwandeln Regen in Getreide.“ Transsubstantiation im ZDF! Ich habe es kapiert Kleber, der Arbeiter ist ein Heiliger! Aber dann das: „Silotürme und Verladeanlage haben Farmer gebaut. Jetzt kauft ein Großkonzern das Ganze auf.“ Der heilige Arbeiter wird vom internationalen Kapital überfallen. Schrecklich! Unerhört! Völker dieser Welt stürmt zu den Waffen!

Tapfer wirft sich der Volkstribun Kleber uneigennützig in den Dreck der Welt, um uns die ganze grauenvolle Wahrheit zu präsentieren: Tüchtige Produzenten, die im Schweiße ihres Angesichts schaffendes Kapital hervorbringen, aber „Rädchen im Getriebe der Großkonzerne“ sind, stehen seiner Ansicht nach im Kampf gegen eine „Weltmacht“ voller „Megakonzerne“, die „ihre Risiken streuen“, „Investmentfonds“, die „mit Milliarden pokern“ und „Geldstörmen“, die „30 mal so mächtig wie der Wert aller Ernten zusammen“ sind. Dies wäre nicht nur in Australien so, sondern auch in Afrika: „Der Großinvestor hat keine Hoffnung gebracht, er hat sie genommen.“ Gleiches gilt für Indien: „Einflussreiche Fabrikanten sichern sich dort ein Stück vom Profit hier. Auf der Strecke bleiben die, um die es eigentlich gehen soll.

Fragen über Fragen:

Generell stellt Kleber Fragen ohne sie je zu beantworten: „Was haben wir falsch gemacht?“ Oder: „Warum kommen so viele Lebensmittel nie bei den Hungernden an?“ Oder: „Wie kann es immer noch sein, das Menschen an Hunger sterben?“ Oder: „Wir produzieren mehr als genug Nahrung für alle. Warum leiden dann immer noch hunderte Millionen an Hunger?“ Oder kombiniert mit eigenen Ressentiments: „Wie können wir dem Land und den Ozeanen noch mehr abgewinnen, ohne die Böden auszulaugen und Fischbestände zu zerstören? Dürfen Nahrung und Trinkwasser weiterhin als Spekulationsobjekte an Börsen missbraucht oder als Machtinstrumente eingesetzt werden?“ Und: „Wie können trotz der weltweiten Bevölkerungsexplosion alle Menschen satt werden?

Guter Weizen verrottet. Liegen geblieben in Spekulationsgeschäften bei denen die Rechnung nicht aufging.“ Kleber fragt in eine Runde indischer Bauern: „Also nochmal die Frage, die mich hergeführt hat: Da ist soviel Reis hier, warum gibt es in Indien immer noch Hunger?“ Ein indischer Bauer antwortet: „Schlechtes Management der Regierung.“ Kleber: „Die Regierung ist schuld, huh!?“ Ein zweiter indischer Bauer schaltet sich ein: „Ja, Korruption. Die haben unser ganzes Geld auf schweizer Bankkonten versteckt.“ Kleber fragt den ersten indischen Bauer wieder: „Stimmt das was er sagt?“ Dieser reagiert zustimmend: „Er hat völlig Recht! Das sind alles Schurken. Krokodile, die das Land ausbeuten und das Volk bluten lassen.“ Unter emotionalisierenden Beats wird das unkommentiert einfach so stehen gelassen, als ob es sich dabei um eine treffende Analyse gehandelt hätte.

Über Respekt

Von seiner Anmutung her ist es ein großer, wenn Sie so wollen, opulenter Film. Mit Respekt vor den Menschen, denen wir begegnen“ (Claus Kleber im Interview). Die jungen Männer in dem afrikanischen Dorf fragen Claus Kleber, ob sie nicht nach Deutschland kommen dürfen und er „schafft es nicht„, lässig an einem Baum gelehnt, „ihnen ehrlich zu sagen„, „dass aus ihrem Traum nichts wird„. Macht nix Claus, Frontex wird es ihnen schon in Deinem Sinne zeitnah begreiflich machen.

Salamatus Land ist Beute geworden, eines globalen Trends. Reiche Staaten und Firmen pachten bestes Land der Dritten Welt. Kolonialismus 2.0. Nicht mit Soldaten. Mit großen Geld.“ Salamatu erzählt dann ganz im Widerspruch dazu, dass sie eben doch unter Waffengewalt von Soldaten, Polizisten und schliesslich ihrem Häuptling, der die Regierung hinter sich hatte, ihr Land völlig unter Wert verkauft hat.

Sie [die Bevölkerung in dem afrikanischen Dorf] glauben wohl, dass dieser Film den Konzern zu einem besseren Deal zwingen wird.“ Was für ein Irrtum, es geht hier in der „persönlichen Betrachtung“ nur darum Vorurteile zu bestätigen und eben nicht darum die Lebensverhältnisse der Armen nachhaltig und qualitativ zu verbessern. Warum sonst hat man sich gleich von Beginn an von der Wissenschaft verabschiedet? Kleber weiter im Text: „Aber ich sage es nicht, damit Salamatus weiter mit mir spricht.“ Klar, verarschen wir sie ruhig noch weiter, soviel zum Thema „wenn wir die Afrikaner betrügen.“ (Claus Kleber im Interview) – „Ich fühle mich schäbig dabei, aber ich brauche ihre Geschichte.“ Wofür? Für die Quote? Um bei Markus Lanz mehr erzählen zu können und Schulterklopfer zu ernten? Um im Namen der Armen besser in den Krieg gegen die Spekulanten ziehen zu können?

Fressen und gefressen werden:

Plötzlich spielen die Preise „verrückt“. „Kein Wunder, wenn die Weltbevölkerung dreimal schneller wächst als die Produktion, brauchen wir immer mehr. Koste es was es wolle.“ Moment mal! Hat Claus Kleber nicht eben Jean Ziegler zitiert, der sagte, dass jedes verhungernde Kind ermordet wird, weil bereits jetzt für 12 Milliarden Menschen Nahrung produziert wird? Wen interessiert es, die Chinesen fressen „mit der Tendenz grenzenlos„, so als ob sie schwarze Löcher in ihren Mägen hätten. Also gehen wir dort mal hin und suggerieren, dass der Welthunger mit Veganertum zu erledigen ist. „Es ist Wahnsinn. Menschen verhungern und wir mästen weltweit 1,5 Milliarden Kühe für unsere Lust auf Fleisch und Milch.“ Dabei war der Konsum noch nie Antriebsfeder für den Kapitalismus, sonst würde niemand hungern und würden nicht Millionen Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen. Daher weiß Kleber auch nicht was er den Chinesen vorwerfen soll: „Sie arbeiten sauber und gewissenhaft.“ Wie echtes schaffendes Kapital eben! Sie tun was alle tun, sie arbeiten so, dass es profitabel ist. „Sie richten sich nach den Regeln industrieller Nutztierhaltung und sie glauben, dass das Fortschritt sei. Das habe ich ja auch geglaubt, bis jetzt.“ Nein, letzteres war ein Scherz, das glaubt er immer noch, deswegen plädiert er ja für „faire Investitionen„, um sowohl Hunger als auch alles andere lösen. „Wenn demnächst alle soviel Fleisch essen, wie wir heute, fahren wir die Sache gemeinsam vor die Wand.“ Nein, selbst wenn wir alle nur noch Steine lecken, wird das wohl kaum die Dynamiken und Krisen innerhalb des Kapitalismus verändern oder lösen, schließlich tangiert unser Konsumverhalten nicht das Prinzip der kapitalistischen Produktionsweise. Autarkie und Verzicht in Zeiten von Überfluss ist obendrein schlichte Dummheit.

Reflektionen statt Emotionen:

Im Kapitalismus verhungern Menschen, obwohl Lebensmittel in überreichlichem Ausmaß produziert werden. Im Kapitalismus werden Kriege geführt, obwohl genug Güter für alle vorhanden sind – niemand um sein Überleben kämpfen müßte. Im Kapitalismus müssen Menschen körperlich schwer schuften, obwohl es ausreichend und zunehmend perfektere Maschinen gibt, die ihnen die Mühe abnehmen oder zumindest unendlich erleichtern könnten. Im Kapitalismus müßte immer weniger gearbeitet werden, dennoch verlängert sich der Arbeitstag auf bis zu 16 und mehr Stunden, werden selbst Kinder zur Arbeit herangezogen. Marxens Vermutung: Nicht obwohl soviel Reichtum im Kapitalismus geschaffen wird, verelenden Menschen, sondern gerade weil. Genauer: Die Form, in der der Reichtum geschaffen wird, die Warenform, ist dafür verantwortlich, daß Menschen massiv verelenden.“ („Die halbe Wahrheit ist die ganze Unwahrheit“ – Conne Island)

Mich überfordert das Labyrinth,“ kein Problem Claus! Schauen wir uns die Realität an. Aber wo fangen wir da am besten an? Vielleicht dort wo die Dokumentation beginnt. „So hatte ich mir den Tag nicht vorgestellt: Ich suche Einblick in eine Krise und stattdessen führen sie mir ihren Stolz vor„: Säcke voller Lebensmittel werden vor die Füße des entgeisterten Nachrichtensprechers und Armutstouristen ausgeschüttet.

Dabei ist das gar nicht verwunderlich: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.“ (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 49). Es gibt genug Gebrauchswerte in der Welt, die von den Menschen konsumiert werden könnten, ein Blick in irgendein Kaufhaus oder die Produktionszahlen von Lebensmitteln oder anderen Gütern zeigt das. Die Gebrauchswerte können aber nicht konsumiert werden, wenn das menschliche Bedürfnis sich nicht über finanzielle Mittel legitimiert. Wer kein Geld hat, wird auch nicht essen. Deshalb verhungern Menschen neben Bergen von frischen Lebensmitteln. Gebrauchswerte werden nur dann verkauft, wenn die in der Ware enthaltene Kalkulation aufgeht, also genug Tauschwerte für die Mehrwertproduktion veräußert werden können. Es ist also nicht so wie die Ausgangsfrage der Dokumentation suggeriert: „Auf unserem Planeten müsste kein Kind verhungern oder verdursten, wenn wir alles richtig machen würden.“ Es verhungern und verdursten Menschen, eben gerade weil wir alles „richtig“ also im Sinne der kapitalistischen Produktionsweise machen.

Neben diesen Grundwiderspruch im Kapitalismus gibt es noch einen weiteren: Einerseits muss immer mehr lebendige Arbeit (variables Kapital) eingespart, deren Tätigkeit durch Maschinen (tote Arbeit, konstantes Kapital) ersetzt werden, andererseits ist diese lebendige Lohnarbeit der einzige wertschaffende Faktor. Norbert Trenkle spricht hier vom „Selbstwiderspruch des Kapitals zwischen Produktivkraftentwicklung und Verwertungsimperativ.“ Der Zwang, Mehrwert zu produzieren, hat zudem zur Folge, die Mehrwertmasse zu senken. Jede Innovation in der Produktion, die u.a. der Konkurrenzkampf aufnötigt, sorgt für Einsparung menschlicher Arbeitskraft und für eine Reduktion der Wertproduktion, weil mehr und besser in kürzerer Zeit produziert werden kann. Es müssen mehr Waren als zuvor abgesetzt werden, damit Profit gemacht werden kann. Resultat ist anders gesagt die gesamtkapitalistische Senkung der Wert- und Profitmasse.

Die Verwertung des Werts gerät also immer weiter ins Stocken, seit 1945 wurden Staaten mehrere hundert Mal zahlungsunfähig, da die die Märkte gesättigt sind, dort keine Profite mehr im großen Maß abzusetzen sind, die Produktivkraft größer denn je ist, keine gigantischen Produktinnovationen, wie die der Mikroelektronik, mehr stattfinden. Damit Wertschöpfung überhaupt noch ausreichend stattfinden kann, wird Spekulation mit Finanzprodukten notwendig. Fiktives Kapital in Form von Aktienkapital greift auf zukünftige reale Wertschöpfung (Lohnarbeit) zu. Ergeben sich nicht die prognostizierten Verwertungen, platzt die Spekulationsblase und es gibt eine Krise.

Ernst Lohoff: „Es wird so getan, als wäre der spekulative Kasino-Kapitalismus der Grund für mangelnde Realinvestitionen und Massenarbeitslosigkeit. In Wirklichkeit ist das Verhältnis genau umgekehrt: Weil die Produktivitätssteigerung der dritten industriellen Revolution seit den achtziger Jahren die Expansion der Märkte überholt und arbeitsplatzträchtige Realinvestitionen unrentabel gemacht hat, strömt das Geldkapital in die Finanzmärkte und treibt immer größere spekulative Blasen.“ („Entfesselter Spekulant“ – Jungle World)

Die Lohnarbeit existiert für die Produktion von Mehrwert, das Finanzkapital bzw. die Spekulation existiert für die Produktion von Mehrwert. Sie sind die Kehrseiten derselben Medaille, bedingen und beziehen sich aufeinander. Wer also vom Mehrwertterror in der Fabrik nicht reden will, sollte von den finsteren Spekulanten schweigen. Alle Individuen in dieser Gesellschaft werden geknechtet ovn einem und demselben Zwangsverhältnis, dem neuen kategorischen Imperativ: Handle so, dass am Ende mehr rauskommt!

Der Film mit Claus Kleber ist also eben nicht wie die SZ-Online schreibteine sehr systematische Analyse der Gründe“ für Hunger. Das Credo der Kritik von Claus Kleber lautet: Lohnarbeit und Mittelstand gegen Finanzkapital für eine krisenfreie Marktwirtschaft, in der „die tüchtigen Produzenten belohnt und nicht die unproduktiven Geldverleiher, Grundeigentümer und andere Parasiten bereichert“ werden (Neo-Gesellianer Klaus Schmitt, zitiert nach Robert Kurz 1995). Man spricht den multinationalen Konzernen gesamtwirtschaftliche Verantwortungslosigkeit zu, weil sie sich aus den angeblich produktiven Sektor zurückzögen, stattdessen Wertpapiergeschäfte tätigten, dem Mittelstand damit den Boden unter den Füßen wegzögen. Die bombig laufende Marktwirtschaft wird angeblich von geldgeilen, kosmopolitisch ausgerichteten Dunkelmännern attackiert, die die Politik und überhaupt alles in der Tasche haben, wenn man sie nicht dingfest macht. Kleber stülpt der subjektlosen Herrschaft des Wertprinzips seine üble Ausbeutersubjektivität über. Es hat im Kapitalismus eine lange, gefährliche Tradition, die Zirkulationssphäre des Kapitalismus, gegen die Produktionssphäre auszuspielen, weswegen diese Kritik überhaupt keine ist, sondern reines Ressentiment.

Für Chaya

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft

Hungern für den Platz an der Sonne

92 000 Leute machen bei einer Petition gegen Hartz-4-Sanktionen mit, was kommt raus? Warme Luft.

In Deutschland hungern also Menschen, rechnen in „Broteinheiten“ damit Deutschland produktiv bleibt. Ein neunzigjähriger Mann möchte lieber sterben, als für 5 EUR Brutto zu arbeiten. Andere sind „hilflos“, „machen Platte“, verfallen in eine „Starre“, „Isolation“ oder in „Depressionen“. „Skandal“, „erschreckend“, „traurig“, „sowas kann es in einem Sozialstaat doch nicht geben“, „das Fordern“ im staatlichen Konzept von Fördern und Fordern „hat Überhand genommen“, „über 1 Millionen Sanktionen“, die Sanktionspraxis kostet „10 Millionen“ und bindet zuviel staatliches Personal. Es gibt sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen, die als „Qualifikationsmaßnahmen“ verkauft werden, es gibt den bösen „prekären Arbeitsmarkt“, den „Drehtüreffekt“ bei den Zeitarbeitsfirmen, „sehr enge Grenzen Menschen wieder in Arbeit zu bringen“, die Forderung „Ersteinladungen“ der Behörden an Hartz-4-Empfänger „menschlicher“ zu gestalten und ingesamt „mehr Zeit für die Erwerbslosen“ einzusetzen.

All dieses moralisierende Gejammer lässt einen als halbwegs kundigen Marx-Leser nur müde lächeln, muss doch gerade in einer Gesellschaft mit Staaten die Bevölkerung solange sanktioniert und gemaßregelt werden, wie es nur irgendwie geht, um die Produktivität und Konkurrenzfähigkeit, der, in diesem Falle, deutschen Nationalökonomie zu erhöhen. Zeit ist Geld! Der Mensch ist Ware in der Warengesellschaft. Das ist wörtlich zu nehmen. Wer sich nicht um die Gründe bemüht, der muss eben Jammern.

Dementsprechend wurde die Petiton gegen die Hartz-IV Sanktionen trocken abgeschmettert: Die geforderten bedarfsunabhängigen, voraussetzungsfreien Sozialleistungen darf es laut Sozialrecht gar nicht geben. Und dieses Recht setzt das Interesse des Staates durch, sich zu rekapitalisieren und die Menschen als Mittel für diesen Zweck zu instrumentalisieren. So proklamiert die Sprecherin der Bundesregierung: „Wir erwarten Mitwirkung“. Passiert die nicht vorbildlich, dann sieht es der Staat als gerechtfertigt an, auch das unantastbare „Existenzminimum“ auf 0 Prozent zusammenzustreichen, um die Motivation des unproduktiven Schmarotzers zu steigern, bei dem bislang die „Mitwirkung gescheitert“ ist, was „Qualifizierung, Weiterbildung“ oder „Beschäftigung“ angeht.

Wer „Anspruch hat“ muss „mitwirken“, schließlich ist jeder seines Glückes Schmied. Natürlich ist letzteres eine Drohung: Arsch bewegen bis ins Grab ist angesagt. Wer das nicht will, muss eben hungern. „Menschenwürde, Recht auf Unversehrtheit, Berufsfreiheit, auch der Gleichheitsgrundsatz“ werden allesamt laut dem Verfassungsgericht durch diese Sanktionen gewahrt. Was sagt uns das? Es ist per Gesetz so gewollt, dass die Menschen sich gleichberechtigt ganz im Einklang mit den Menschenrechten für diese Gesellschaftsordnung kaputt machen. Eindeutiger kann die Antwort eigentlich nicht ausfallen. Aber trotzdem streitet man sich in dieser fachkundigen Runde lieber über Armutsdefinitionen und ab wann ein Mensch eben ein Mensch ist: Vielleicht wenn er genug zu essen hat!? Wenn er auch noch Kultur genießen kann!? Wenn seine „Menschenwürde“ gewahrt wird, von der noch niemand sagen konnte wie die eigentlich definiert werden soll!? So werden auch noch die Nachgeborenen für Deutschland in Broteinheiten rechnen oder Pfandflaschen sammeln gehen, während andere sich im Bundestag mit Ahnungslosigkeit bewerfen. Da könnte man schon aggressiv werden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft

The Walking Dead

Ich wünsche mir eine Zombieapokalypse, weil es das Leben aufrichtiger und übersichtlicher machen würde. Die Jagd nach Geld, Jobs und einem besseren sozialen Status auf Kosten anderer Menschen wäre beendet. Die lärmende, stinkende, giftige Industrie des menschlichen Krebsgeschwürs auf Kosten der Natur und aller Lebewesen würde den stöhnenden, trotteligen und langsamen Zombies weichen, die leicht mit einigen Kopftreffern auszuschalten wären. Das Endzeitszenario mit einer Gruppe von Überlebenden, die gegen Massen von Untoten vorgeht, ist längst das Alltagsempfinden von Millionen Menschen im gegenwärtigen wirschatlichen System. Jetzt hat man auch nur seine Familie und eine handvoll vertrauenswürdiger Freunde mit denen man allein, jeder gegen jeden, im permanenten Konkurrenzkampf um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse kämpft, und gibt gleichermaßen vor, es sei Ausdruck von Fortschritt, Wohlstand und Zivlisation. Das Recht des Stärkeren und die Verlogenheit unserer Gesellschaft lässt sich leicht an den täglichen Bergen von Hungertoten ablesen, die neben den Bergen von verschwendeten Lebensmitteln entstehen. Längst zerfleischen wir uns als Menschheit gegenseitig bei vollem Bewusstsein, während wir in modischen Klamotten in hippen Clubs tanzen, mit unseren polierten Fahrzeugen durch die Betonwüsten fahren und auf Flirtportalen nach dem nächsten Geschlechtspartner suchen, welcher genauso beliebig gewählt wie ausgetauscht wird. Ich tausche gerne meine 40-50 Stunden Arbeitswoche gegen ein paar Stunden Zombies zertreten und Vorrätebeschaffung, denn ich gewinne dadurch meine Mündigkeit und Autonomie zurück. Es würde auch mehr Gerechtigkeit herrschen, denn niemand stirbt mehr weil es ein gesellschaftliches Prinzip so will, welches sich verselbstständigt hat und nur noch durch religiösen Fanatismus überlebt, sondern aufgrund einer natürlichen Katastrophe: Der Zombies. Lieber lasse ich mich innerhalb weniger Minuten zerfetzen, alsdass ich die Bitterkeit eines anonymen, machtlosen Arbeitslebens in mir trage, die in jedem von uns Einzug hält, wie ein Tier, das einst in die Gedärme kroch um dort zu sterben. Dieser verderbliche Geruch hat alle Hoffnungen und jeden Mut für Veränderungen erstickt. Von der Pest betrunkene, verzerrte Körper und Gesichter schleppen sich in U-bahnen, Autos, Bussen und auf Rolltreppen zu Arbeitsplätzen, um mit dem Schritt über die Schwelle des Unternehmergeländes eine Lohnsklavenmaske aufzusetzen, die die Apologeten, Priester und Missionare unseres kapitalistischen Systems, aber auch die Werbebranche, die Schule, die Eltern und ihr Umfeld ihnen angedichtet hat. Tagtäglich werden lustige Dinge für Wesen hergestellt, die unglücklich sind. Das Blut ist aus unseren tapferen Lohnarbeitern geronnen, längst ist von ihrer Menschlichkeit nur noch ein kümmerliches Häuflein übrig, den Zombies gleich, – deren einziger Antrieb anstelle von Menschenfleisch Geld ist. Die Überlebenden der Zombieapokalypse müssen sich nicht mehr für einen irrationalen Selbstzweck aufreiben, sondern nur noch für das persönliche, reale Überleben von ihnen und ihrer Gruppe, während unsereins sich bei niemanden seiner Solidarität sicher sein kann, weil in unserer Gesellschaft Geld mehr zählt als eine tiefe menschliche Bindung und dieser Umstand jegliche Empathie erstickt hat, wie sonst wäre die Schoa möglich gewesen? Es gäbe keine Illusionen mehr, man wüsste, jeder Fremde muss erst beweisen, dass er ein Freund ist indem er sein Leben für den Anderen riskiert. Der Tod der anderen wäre permanent präsent und nicht verschüttet unter dem Lärm von Partys, Autos, Industrie, Medien, politischen Reden, der strebsamen Arbeiterhände und Meetings in Konzernzentralen. Wir würden alle als Wunden offen liegen, die Welt mit unserem Blut überschütten und nicht mehr nur einige von uns.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft

Fragmente aus einem falschen Leben

Die Menschheit existiert in Lohnarbeit und produziert jeden Tag Zustände in denen es normal ist die Menschen, Tiere und die Umwelt systematisch zu zerstören. Milliarden Menschen können sich nichts schöneres vorstellen als an dieser Zerstörung teilzuhaben. Ihnen erscheint diese Welt als die beste aller Welten. In der Tat sind die Konsummöglichkeiten und Produktivitätssteigerungen gigantisch. Die wenigen Menschen die begriffen haben, dass es nicht mehr so weiter gehen kann, ergiessen sich in Fatalismus, Hedonismus, blinden Aktionismus und verlieren sich im Treibsand einer verlorenen Gesellschaft, die es aus ideologischer Verblendung für notwendig hält, Irrsinn als Vernunft umzudeuten. Dabei müssten die Lohnabhängigen bloss ihren alltäglichen Überlebenskampf zum Anlass nehmen, um über ihr Leben zu reflektieren.

Jeder Mensch in diesem System ist Junkie, Hure, Zombie und Sklave in einer Person.

Wir sind Junkies, weil wir regelmäßig unsere Finanzspritze bzw. Lohn brauchen, mit dem wir unsere stets steigenden Lebenshaltungskosten finanzieren.

Wir sind Huren, weil wir täglich auf dem Straßenstrich genannt Arbeitsmarkt anschaffen gehen. Und jedem zahlungskräftigen Arbeitgeber unsere Fähigkeiten, unseren Körper und unsere Seele anbieten. Wir verkaufen unser unendliches Potential, unsere Lebenszeit und Lebenskraft für ein paar Euros, ohne Aussicht darauf, dass es jemals aufhören wird. Erniedrigungen, Demütigungen und Missbrauch sind unser täglich Brot, welches wir demütig annehmen um Überleben zu können.

Wir sind Zombies, weil wir glauben in der besten aller Welten zu leben und dem Gehirntod gleich den üblichen Sprüchen von Medien, Politikern, Kollegen, Verwandten und Freunden glauben. Wir übernehmen Vorurteile, Traditionen und Ideologien, verteidigen sie im Laufe unseres Lebens mit allen Mitteln, statt sie in einem langen Reflexions- und Selbstreflexionsprozess zu hinterfragen. Wir fallen auf den Märkten übereinander her, zerfleischen unsere Bedürfnisse und Hoffnungen, deren Befriedigung nur die Stärksten erfahren, während die Schwächsten sofort oder über einen langen Zeitraum sterben. Hierbei geht auch die Umwelt zugrunde.

Wir sind Sklaven, weil wir unsere Lebenszeit als Arbeitszeit verstehen. Es herrscht Arbeitszwang, wer nicht arbeitet verliert an Lebensqualität, wird von der Gesellschaft ausgegrenzt und als wertlos betrachtet. Den Großteil unseres Lebens verbringen wir am Arbeitsplatz und haben dort gelernt Charaktermasken aufzulegen und in einer bestimmten Rolle wie ein Zahnrad zu funktionieren. Wir sind als Lohnabhängige so austauschbar wie Zahnräder. Wir sind Sklaven, weil wir eine Sklavenmentalität haben, die Faulheit als Qual erscheinen lässt, die Sozialhilfeempfänger als Schamrotzer definiert, die fundierte und grundlegende Kritik als utopisch oder naiv brandmarktet, die Anarchismus als Chaos definiert. Und das obwohl unsere gegenwärtige Gesellschaft das größte Chaos hervorgebracht hat, das permanent und systematisch von allen Lohnabhängigen qua ihrer Arbeitskraft erarbeitet und aufrechterhalten wird.

Das Chaos beginnt im Bildungssystem

In der Schule werden wir bereits als Kinder mithilfe der Noten auf Leistungs- und Wettbewerbsprinzpien konditioniert und gezüchtigt. Man spaltet die jungen Menschen in verschiedene Leistungskategorien und definiert damit wieviel wert sie sind. Eltern möchten das ihre Kinder gute bis sehr gute Noten erbringen, erbringen sie diese nicht, versteht das Kind schnell, das die Eltern enttäuscht sind. Anerkennung und Liebe erhält man als Kind oft nur dann besonders intensiv, wenn die Leistungen in der Schule stimmen. Das ist nur ein Grund von vielen, der dazu führt, dass wir unsere Identität in den meisten Fällen über unsere Leistungen und Leistungsfähigkeit definieren. Weiteres findet sich in Büchern von Autoren wie Arno Gruen. Wir fühlen uns erst dann als vollständiger, wertvoller und liebenswerter Mensch, wenn unsere Leistungen überdurchschnittlich sind. Daher auch der unglaubliche Drang im Berufsleben voranzukommen, zu funktionieren oder Schönheitsidealen zu entsprechen. Allgemein wird das gern Egoismus genannt und als charakterliche Schwäche bezeichnet, die allgemein der gesamten Menschheit zugeschrieben wird. Mittlerweile gilt es als populär die Menschheit als Krankheit zu bezeichnen. Jedoch wird dabei völlig vergessen, dass Egoismus mit dem Wettbewerbs- und Leistungsorientierten Schulunterricht anerzogen wird und auf ökonomischer Ebene sogar überlebensnotwendig ist.

Inhalt & Ziel der Ökonomie

Das zentrale Moment der Ökonomie besteht darin für den Tauschwert Milliarden Menschen, Tiere und zehntausende Quadratkilometer Natur aufzufressen und entfremdet auszukotzen. Industriegebiete sind Kriegsgebiete. Es sind Gebiete, die in Beton und Stahl gegossen wurden um konzentriert Profite zu scheffeln. Zwischen Autobahnen, Hauptstrassen, Flughäfen, S-Bahnen, Zügen, Discounterhallen, Logistikzentren, anderen diversen Konzernen und tobenden, lärmenden Kraftfahrzeugen lagern neben Müll und Schrott, die erbärmlichen menschlichen Existenzen. Ehrgeizig arbeiten die Menschen tagtäglich an der Realisierung der Apokalypse, der Hölle auf Erden, ohne je ihre Beteiligung daran zu erkennen. Die globale Identifikation mit dem Arbeits-, Leistungs- und Wettbewerbswahn, ist Ausdruck einer tiefen Entfremdung des Menschen von sich selbst und dessen Umwelt. Der Kapitalismus pervertiert das Leben zu reinen Kosten-Nutzen Aspekten und Menschen die sich damit identifizieren, betrachten z.B. den materiellen Überfluss als Ausdruck von desssen Güte und Erfolgs. Es wird gemeinhin als Freiheit verstanden sich als Hure auf dem Arbeitsstrich zu verkaufen, egal wie die Arbeitsbedingungen sind, egal welche gesundheitlichen Folgen sich daraus ergeben.

Tauschwert herrscht über Gebrauchswert, über Leben, Menschen, Tiere und alles Existierende und Nichtexistierende, also auch Fantasien und Gefühle. Grundlage der Ökonomie ist  die Maximierung des Profites, mithilfe der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft, deren Träger der moderne Mensch ist. Die Globalisierung erbrachte wachsende Teilnehmerzahlen am permanenten Wirtschaftskrieg. Die Grabenkämpfe in Büros, Verkaufszentren und Produktionshallen werden erbarmungsloser, je mehr Lohnabhängige, Huren, Sklaven, Zombies, Junkies ein Stück ab haben wollen vom allgemeinen Profit. Jeder weiß erst mit dem Verkauf der Ware, welchen Wert seine Schufterei hatte. Alle kämpfen darum zu gewinnen, aber wie üblich gibt es immer andere die noch mehr für ihren Sieg getan haben. Und man muss sich mit weniger zufrieden geben. Die Bedürfnisse der Menschen blockieren sich also gegenseitig. Jene mit der besseren Infrastruktur, Fachausbildung, Umsetzung der Tugenden wie Fleiß, Flexibilität, Belastbarkeit usw, Technologie und dem höchsten Eigenkapital, haben also die besten Chancen später auch über ihre Kaufkraft und dem Konsum von Produkten ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Erstrangig in unserer Ökonomie ist also die Maximierung der Profite, danach kommen die Bedürfnisse der Menschen.

Das Ziel jedes Konzerns basiert auf Profitmaximierung, auf maximale Auspressung der Ware Arbeitskraft. Je mehr ausgepresst wird, je besser die Konkurrenz, desto intensiver und länger wird die Arbeitszeit, desto höher steigt die Anzahl von gesundheitlichen Erkrankungen bspw. Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen wie Perfektionismus, Rigidität und Pedanterie. Obendrein erhalten die Lohnabhängigen nur geringe Löhne, sodass sie weiterhin nur ihre Arbeitskraft für ihren Überlebenskampf haben. Kein Lohn ist gerecht, weil man nie genug verdienen kann, um endlich nicht mehr als Hure am Markt erniedrigt zu werden. Die Vermögensentwicklung ist daher global sehr einseitig: Das reichste Prozent der Weltbevölkerung besaß 40 Prozent des Weltvermögens. Die reichsten zehn Prozent besaßen im Jahr 2000 zusammen 85 Prozent des Weltvermögens. Im Gegensatz dazu besaßen die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen nur ein Prozent des weltweiten Vermögens. Verantwortlich für diese Entwicklung ist aber nicht der Reiche, der Politiker oder irgendein anderer Sündenbock, sondern die gesamte Bevölkerung die sich dem Prinzip der Profitmaximierung unterordnet. Herrschaft besteht heutzutage nicht mehr über Menschen, sondern über ein dialektisches Verhältnis, das im Kapital ihre Definition findet. Ob du Zeit für Deinen Partner hast, ob Du Geld für Medikamente hast, ob Du über ein Studium realisieren kannst, alles hängt von Deinen monetären Mitteln ab, da sich darüber Deine materiellen, zeitlichen Möglichkeiten und Resourcen definieren.

Die Rolle der Politik

Definiert, legitimiert und verteidigt wird diese Ökonomie von den Gesetzen, dem Gewaltmonopol und den Parteien. Keine der größeren Parteien möchte den Kapitalismus abschaffen. Ziel der Politik ist vorrangig die Haushaltskonsolidierung, wenn danach etwas Geld übrig bleibt, sieht man sich an, was man von seinem Parteiprogramm noch realisieren könnte. Stets werden Wahlversprechen gebrochen. Stets fühlen sich die Bürger nicht von ihren Politikern vertreten oder ernst genommen. Regelmäßig wird gegen einzelne Probleme protestiert, anstatt das große Ganze im Blick zu haben. Immer wieder wird der Staat als neutrale Instanz betrachtet, obwohl dieser mit seinen Gesetzen, mit seinem Gewaltmonopol für den Konkurrenzkampf und die Profitmaximierung ist. Kein Konkurrent am Markt kann das garantieren was der Staat garantieren kann. Der Staat bestraft jene die nicht arbeiten wollen sowie er jene bestraft die es mit der Ausbeutung etwas übertrieben haben. Denn wir wollen sozial ausbeuten und vernichten, soviel haben wir aus der Geschichte gelernt. Der Staat dient also genauso der Profitmaximierung wie jeder Konzern weltweit. Jede Partei die den Staat übernehmen statt abschaffen will, geht konform mit dieser zerstörerischen Wirtschaftsform. Die einzelnen Politiker der jeweiligen Parteien stellen lediglich die Details der Form wie in den nächsten 3-4 Jahren ausgebuetet werden soll ein. Sie ändern nichts fundamentales an der praktizierten wirtschaftlichen Ordnung. Alles andere würde schliesslich auch ihre eigenen Interessen verletzten. Parteien sind auf Machterhalt aus und betreiben daher nicht einfach nur im Wahlkampf Populismus, sondern begnügen sich ähnlich bescheiden, im alltäglichen Geschäft mit er Erhaltung und Wahrung der Ausbeutung der Lohnarbeiter, die stets als Freiheit umgedeutet wird.

Reichtum & Armut

Das reichste Prozent der weltweiten Bevölkerung besitzt 40 Prozent des gesamten Weltvermögens. Die reichsten zehn Prozent zusammen etwa 85 Prozent des Weltvermögens. Im Gegensatz dazu besaßen die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung zusammen nur ein Prozent des weltweiten Vermögens. 946 Milliardäre der Welt besitzen 3,5 Billionen Dollar.  Die Uno schätzt, dass es 300 Milliarden Dollar kosten würde, das Einkommen der ärmsten Milliarde Menschen über die Schwelle der extremen Armut anzuheben. Das wäre weniger als ein Sechzigstel des Einkommens der reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung. Die reichsten acht Männer der Welt könnten diese Summe alleine bezahlen. (Quelle der Daten ohne Verlinkung: „Uns gehört die Welt“ von  Klaus Werner Lobo)

Laut der Welthungerhilfe hungern weltweit 925 Millionen Menschen. Laut dem Welthunger Index 2010 befinden sich 29 Länder in einer sehr ernsten Hungersituation, davon sind besonders Bangladesh, China, Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan betroffen. Laut Unicef sterben pro Jahr 2,2 Millionen Kinder an den Folgen von Mangel- und Unterernährung, das sind über 6000 Kinder täglich. Täglich sollen laut BMZ zwischen 25 000 und 30 000 Menschen an den Folgen von Unterernährung sterben.  195 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind zu klein für ihr Alter und damit unterentwickelt. 129 Millionen Kinder sind untergewichtig, 880 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung (laut Oxfam), 17 Millionen Menschen, davon 21.000 Kinder täglich, sterben an heilbaren Krankheiten wie Durchfall, Malaria und Tuberkulose, 5 Millionen davon aufgrund des mangelnden Zugangs zu sauberem Trinkwasser. Rund 2,5 Milliarden – mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung – leben ohne sanitäre Basisversorgung.

Hunger gibt es weil das Bedürfnis der Hungernden nach Nahrung, nicht mit Kaufkraft befriedigt werden kann. Das kapitalistische System betrachtet die Bedürfnisse der Hungernden als nicht legitim, da keine monetären Mittel zur Verfügung stehen. Also ist es gemäß der zynischen Logik der „sozialen Marktwirtschaft“ nur gerecht, wenn sie verhungern. Die Menschen die in derart verarmten Regionen ihr Dasein realisieren müssen, nehmen alles in Kauf um zu überleben. In Manila auf den Philippinen leben ca. 15 000 sogenannter Müllmenschen. Der Smokey Mountain ist voller Müllberge die bis zu 40 Meter hoch sind und gilt als Wahrzeichen der Hafenstadt. Hunderte starben bereits unter Mülllawinen, um ein paar Cents fürs Überleben zu ergattern. Andere flüchten vor dem Hunger, den Müll, den Kriegen, dem Chaos das die Globalisierung angerichtet hat und wollen ihr Glück in Europa versuchen. Wenn sie nicht gerade wie ca. 2000 Menschen im Jahre 2011 vor Europas Küsten ersaufen und tatsächlich ins gelobte Land gelangen, werden sie hierzulande mit Fremdenfeindlichkeit, Isolation und Ablehnung begrüßt. „Diese Schweine wollen uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen“ Sind dann die typischen Bemerkungen aus dem konservativen Bürgertum. Klar, das Überleben hängt auch in Europa von den Vergütungen am Arbeitsstrich ab.

Während also hunderte Millionen Menschen hungern, werden laut Recherchen des Filmemachers Valentin Thurn allein in Deutschland  jedes Jahr bis zu 15 Millionen Tonnen frischer Lebensmittel im Wert von 20 Milliarden EUR weggeworfen. Das wird allgemein als „Wegwerfmentalität“ empört beklagt. Dabei handelt es sich sowohl bei den Hungertoten als auch bei der Überproduktion von Lebensmitteln um im Kapitalismus fest eingeplante Zustände. Das Wegwerfen von Produkten ist fest im Kaufpreis einkalkuliert. Man investiert kein Geld in Hungernde, wenn diese nicht voller Dankbarkeit in naher Zukunft horrende Profite abwerfen. Obendrein lassen sich Hungernde leichter dazu überreden ihre Umwelt, ihre Gesundheit für Geld aufs Spiel zu setzen. In den Produktionshallen in China vergiften sich regelmäßig Mitarbeiter, Afrika ist längst zur Müllhalde Europas verkommen und wird gleichzeitig als reines Rohstofflager missbraucht. Genauer ist Armut notwendiger Ausdruck der Logik des Marktes. Es gibt Verlierer und Gewinner in der täglichen Maschinerie der Profitmaximierung. So wie es in Europa Millionen Menschen in Arbeitslosigkeit gibt, weil es einerseits nicht genug Arbeit gibt, die halbwegs ordentlich bezahlt wird, so gibt es in ärmeren Regionen ohne Industriegebiete, ohne Kaufkraft, ohne Infrastruktur usw. Millionen Menschen, die als Hungernde und Verhungernde zu den Verlierern am Markt gehören. Keiner will nachhaltig in Afrika die notwendigen Milliarden investieren, da keine Garantie für horrende Renditen vorliegen. Kapital fliesst immer dorthin, wo die Profitmaximierung am förderlichsten erscheint. Hungernde, Arbeitslose gelten als die überflüssigen Humanressourcen im Kapitalismus. Sie können absterben, da ihre Arbeitskraft nicht gebraucht wird. Ohne Arbeitskraft die sich am Arbeitsplatz, am Markt realisiert, keine legitimen Bedürfnisse die via Kaufkraft befriedigt werden können bzw. sollen. Wer nicht arbeitet der soll auch nicht essen, egal ob er nun daran schuld ist oder nicht.

Es ist also so, dass auf dieser Welt Armut und Reichtum nebeneinander existieren.  Es stellt sich die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen extremer Armut und extremen Reichtum gibt. Wer ist verantwortlich für diese Entwicklung? Sind die Reichen gierig und die Armen nicht leistungswillig? Warum wird die Produktion von Luxusgütern vollzogen, aber die Versorgung der Hungernden unterlassen?

Die Gegensätze in der Gesellschaft, sind Ergebnis der Zielsetzung der Ökonomie und Politik. Während täglich tausende Menschen verhungern, arbeiten andere als Sklaven des Kapitals und verkonsumieren sofort wieder ihre Einkommen. Diese Lebensweise zerstört nicht nur Menschenleben, sondern auch die Umwelt. Es ist teuer die Umwelt zu schützen und extrem profitabel sie ohne Rücksicht auf Verluste auszubeuten. Jährlich werden 130 000 km² Waldflächen gerodet. Täglich sollen mehr als 120 Arten aussterben. Arten sterben während der Verkehr lebt. 2008 wurden mehr als 3,7 Milliarden Tonnen Güter durch die Welt kutschiert. Tagtäglich fahren allein in Deutschland mehr als 44 Millionen Kraftfahrzeuge durch Betonlandschaften. Weltweit sollen 1 Milliarde Fahrzeuge unterwegs sein. Keine Sekunde ist ohne giftige Abgase. Die Industrie pumpt ihr Gift in enormen Ausmaßen auch in die Weltmeere. Es sollen sich mehrere Millionen Tonnen Kunststoffmüll und damit bis zu 18 000 Kunststoffteile auf jedem Quadratkilometer Meeresfläche in allen Weltmeeren befinden. Frankreich schüttet darüberhinaus jedes Jahr und ganz legal 33 Millionen 100-Liter-Fässer radioaktives Abwasser ins Meer. Jedes Jahr werden 12 000 Tonnen weiterer radioaktiver Müll produziert, obwohl weltweit kein sicheres Endlager existiert. Diese systematische Zerstörung der überlebensnotwendigen Umwelt hat ihre Ursache im Streben nach Profit. Seit Jahrzehnten bekommt man das Problem nicht in den Griff, weil Umweltschutz sehr teuer ist. Statt die kapitalistische Produktionsweise zu hinterfragen, verschliessen die Menschen die Augen vor der Zerstörung, die sie mit ihr anrichten und verteidigen sie auch noch als besonders wirtschaftlich und effizient.

Ein gutes Beispiel ist neben Dserschinsk, Bajos de Haina, Kabwe usw. die chinesische Großstadt Linfen. Dort verdrecken zahlreiche Schmutzstoffe die Provinz Shanxi, u.a. mit Giften wie Arsen, Blei, Kohlenmonoxid, Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen. In der kleinen Stadt La Oroya in Peru, werden tagtäglich 800 Tonnen giftiger Gase abgelassen und Abwässer ungefiltert in den Fluss geleitet. 100 000 Tonnen ausgemusterter Elektrogeräte werden jährlich allein von Deutschland nach Afrika gebracht. Nur ein Bruchteil ist überhaupt funktionstüchtig.  Öko-Aktivist Mike Anane in Ghana meint dazu: „Eure alten Computer vergiften hier unsere Kinder“.  Im Delta des Niger verseucht das Öl seit 50 Jahren Natur und Menschen. Jedes Jahr fließen dort 180 000 Tonnen Rohöl in  die Mangrovenwälder des Delta. Nach Informationen des United Nations Environment Programme (UNEP) von 2005 schwimmen durchschnittlich bis zu 13.000 Plastikteilchen auf jedem Quadratkilometer Ozean. Der Dokumentarfilm Plastic Planet behauptet sogar, dass jeder von uns Bestandteile von Plastik im Blut hat. Chemikalien, Schwermetalle, Öl, Dünger, Nitrat, Phosphat, Pestizide, Herbizide, Fungizide, Kohlendioxid, Stickoxide, Ammoniak, Schwefeldioxid, Radioaktive Stoffe sind bloss einige der widerlichsten Ausgeburten die für unsere Zivilisation nutzbar machen. Die verschmutzung von Gewässern, Luft, Boden und so weiter ist allgegenwärtig und breitet sich mit dem sogenannten Fortschritt der Ökonomie weiter aus. Das Artensterben, die Rodung der Wälder, der Verlust unendlich wertvoller Gebiete, gehört zum Normalbetrieb des Kapitalismus und an dem wirken wir alle als Lohnabhängige mit. Wir glauben an die Richtigkeit, der Vernichtung von Resourcen im Dienste des Kapitalismus. Unsere bisherigen Zweifel haben bloss zu Green Washing, also Marketingkampagnen statt wirklichem Umschwenken geführt.

Die Liste der Formen wie Umwelt zerstört wird, liese sich endlos und ähnlich willkürlich fortführen. Die Überproduktion an Waren führt zu einer inflationären Ausbeutung der Resourcen dieses Planeten. Der Wahn nach Profit findet seine logische Konsequenz in der wahnhaften Zerstörung allen Lebens und aller Lebensgrundlagen. Der Planet ist begrenzt, nicht aber der systembedingte Zwang zum Wachstum. Der ist unendlich.

Warum machen die Menschen soetwas mit?

Bewusstlosigkeit! Die Arbeit hält die Menschen gefangen. Charakterbildung, Sozialisation im Kapitalismus, in der Schule (Noten- und Konkurrenzsystem) führen zur Identifikation mit Leistung, Wettkampf und Egoismus. Misserfolg wird als eigener Fehler oder charakterlicher Mangel verstanden und nicht zum Anlass genommen das System zu hinterfragen. Als Kind vertraut man seinen Eltern, Lehrern usw. hält eigene Zweifel, Bedürfnisse zurück, erachtet die Noten gleichsam wie der Vormund zur höchsten Instanz über den eigenen Wert als Mensch. Nach etlichen Jahren der Vorkämpfe im Bildungssystem geht es weiter im Berufsleben, bei der die eigene Abhängigkeit vom Leistungsvermögen und dessen Bewertung über Lebensqualität bzw. Sozialen Auf- und Abstieg entscheidet. Wird der eigene Lebensweg, bürgerliche Charakter und dessen Leistungsfähigkeit als profitabel genug bewertet, führt das zum erfolgreichen Abschluss eines Arbeitsvertrages, der solange aufrecht erhalten wird, wie die Leistung stimmt. Dem Ideal höchster Leistungsfähigkeit rennt daher fast jeder Mensch im Kapitalismus nach, weil er sich davon höchste Lebensqualität verspricht. Da dies aber jeder Marktteilnehmer global tut, gibt es aufgrund der verschiedenen Lebensbedingungen, Erfahrungen und Fähigkeiten zwingend zu Verlierern und Gewinnern. Im Kapitalismus können nicht alle Menschen gewinnen, weil Profite stets auf Kosten anderer zu machen sind. Alle Einkommen folgen aus den Profiten, die die Arbeitnehmer am Markt gegen andere Arbeitnehmer erstritten haben, weil sie profitabler gearbeitet haben. Profitabler ist man dann, wenn man mit wenig Lohnkosten teure Produkte erarbeitet und verkauft hat. Der höchste Abstand zwischen Kosten und Gewinn ist also Hauptkriterium für die Bewertung von Rentabilität. Obendrein werden nur die Bedürfnisse befriedigt, die mit Geld legtimiert werden können. Der Zweck der kapitalistischen Produktionsweise liegt in der Profitmaximierung, weshalb Hungernden trotz horrender Lebensmittelberge die Befriedigung ihrer Bedürfnisse verweigert wird. Womit wir wieder bei der Ausgangslage wären. Die Menschen verhungern weil die Welt im Kapitalismus nicht für ihre Bedürfnisse eingerichtet ist, sondern für die Bedürfnisse des Kapitals, der Profitmaximierung und des Wachstums. Das erkennt man auch an der Zerstörung der Umwelt, der Armut in aller Welt, Die sozialen Schwierigkeiten zwischen den Menschen (Familiendramen, Amoklauf etc) folgen aus der Vernachlässigung der Beziehungen zwischen den Menschen, da immer mehr Zeit und Kraft für die Maximierung der Profite aufgewendet wird. Je mehr die Menschen in dieses System investieren, desto mehr verlieren sie. Die Welt ist schlecht, der Mensch ist schlecht, der Grund liegt in diesem Umstand. Der Mensch entmachtet sich selbst. Er verhindert seine Emanzipation, die Durchsetzung seiner eigentlichen Bedürfnisse.

Die Parteien und die Konzerne wollen Profite machen und setzen alles daran möglichst viele Menschen in Arbeit zu bringen, denn Profite lassen sich nur über möglichst viele produktive Arbeiter erzielen. Arbeit gilt nur aufgrund dieser Realität im Kapitalismus als das höchste Gut. Erst kommt der Profit und dann kommen die Bedürfnisse der Menschen, denn ohne Profit gibt es keine Produktion oder Einkommen. Die Arbeit hält die Menschen zeitlich, körperlich und geistig gefangen. Es fehlt die Zeit und die Kraft sich die Hintergründe der Welt anzusehen oder eigenes Handeln und Denken zu hinterfragen. Das gesamte Leben wird von Generation zu Generation immer besser den Bedürfnissen des Kapitals angepasst, wodurch die Arbeitsintensität im Beruf steigt. Zivilisationskrankheiten und Entfremdung sind die Folge. Diese Bewusstlosigkeit hängt auch mit der Sozialisation im Kapitalismus zusammen, die den Charakter der Menschen auf Wettkampf, Leistung und Egoismus abrichtet. Das fängt bereits in der Schule mit dem Notensystem an. Misserfolg wird als eigener Fehler oder charakterlicher Mangel verstanden. Als Kind vertraut man seinen Eltern und Lehrern, identifiziert sich also mit deren Kritik und Bewertung. Diesen Prozess die Eltern und Lehrer in ihrer eigenen Kindheit durchgemacht. Durch die Identifikation mit Leistung und Wettkampf kommt es zur Akzeptanz der kapitalistischen Gesellschaft. Die Natur des Menschen wird als egoistisch betrachtet.

Emanzipation der Menschheit von der politischen Ökonomie

Die Bewusstlosigkeit jedes einzelnen Menschen muss also durchbrochen werden. Das geht nur wenn jeder einzelne Mensch sich ständig selbst hinterfragt, mit all seinen Gedanken und Handeln. Jeder muss sich selbst mit den Problemen der Welt konsequent auseinandersetzen, kritische Theorie durcharbeiten, diskutieren und sich im Kampf gegen Unmündigkeit und das Kapital basis-demokratisch organisieren. Die Menschen sollten sich endlich wieder für das verantwortlich fühlen was in der Welt geschieht und sich nicht mehr ohnmächtig zurückziehen und alles der Politik beziehungsweise den anderen überlassen. Es hängt von der eigenen Aktivität und Wahrnehmung ab, ob Menschen verhungern müssen, wofür, wielang gearbeitet wird und worin der Zweck und Inhalt sämtlichen Lebens auf diesem Planeten besteht.

Es geht um nichts weniger als die Emanzipation der Menschheit von dem heutigen ökonomischen, politischen Prinzip, das derart wertvolle Opfer verlangt, dass wir uns selbst verlieren würden, wenn wir dem weiter mit dieser eisernen Disziplin und Selbstausbeutung nachkommen. Wenn wir die Arbeitszeit für Millionen von Menschen nicht deutlich verkürzen, die sogenannten Arbeitslosen zu einem wertvollen Teil der Gesellschaft machen, alle verfügbaren gesellschaftlichen Mittel einsetzen um nicht nur die Armen und Hungernden zu nähren, sondern auch eine Perspektive für Jedermann zu bieten, wird man nur noch als Zyniker oder verbissener Menschenfeind überleben können indem man auf möglichst tägliche Amokläufe und einen baldigen alles zerstörenden Atomkrieg hofft. Die Menschheit ist in der Lage sich von irrsinnigen Theorien oder Vorstellungen zu emanzipieren. Sie hat Götter geköpft. Sie hat Könige geköpft. Sie hat Folter, Ungerechtigkeiten und Privilegien für Minderheiten geköpft. Doch konnte bislang keine Revolution derart weitreichend sein, als dass ihre Ausführung das Ende der Geschichte, die Befriedigung aller Wünsche und Bedürfnisse von allen Menschen bedeutet hat. Solange dies nicht der Fall ist, dürfen wir nicht erschöpft in den Sessel sinken und aufgeben!

Was wir brauchen ist eine neue Epoche der Aufklärung in der neue radikale Formen der Demokratie realisiert werden müssen, die die Menschen tagtäglich an allen Entscheidungen beteiligt. Demonstrationen sind extrem wichtige Keimformen der jederzeit möglichen Emanzipation der Menschheit! Der Rechtsstaat mag ein Fortschritt zum Absolutismus gewesen sein, aber er verteidigt nicht die Natur noch die Lohnabhängigen vor dem Kapital und dessen Verwertungszwang. Jeder Staat kämpft gegen andere Staaten um Kapital, genauso wie ein Individuum auf dem Markt gegen andere Individuen konkurriert! Das ist nichts weiter als Krieg. Völker kämpfen gegeneinander um irgendwelche Reichtümer und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, obwohl sie es viel leichter hätten, würden sie ihre Ansprüche schlicht respektieren und die vorhandenen Quellen fair untereinander aufteilen. Der Mensch von heute sollte diesen Krieg beenden und sich nicht mehr vom Staat, den Parteien vertreten lassen oder sich durch den Arbeitsplatz ausreichend und fair am Reichtum der Welt beteiligt sehen. Er muss seine Bedürfnisse selbst erkennen, hinterfragen, diskutieren, vertreten und durchsetzen mit direkter Demokratie, mit einer Ökonomie die neben dieser direkten Demokratie auf Solidarität und menschlichen Bedürfnissen beruht! Die technischen Möglichkeiten sind längst gegeben

Das Internet bietet die Möglichkeit ständig mit der gesamten Welt in Kontakt zu stehen. Organisation und Kommunikation ist leichter als jemals zuvor. Informationen sind enorm schnell abrufbar. Die weltweite Vernetzung und die zunehmende Völkerverständigung sind ideale Bedingungen um internationale Solidarität zu praktizieren und die Macht des Kapitals zu brechen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft

Nationen voller Sklaven

Die „Gleichheit“ und „Gerechtigkeit“ in unserer Gesellschaft besteht darin, dass jeder Mensch das Recht hat von Kindesbeinen an als Schüler im kapitalistischen Bildungssystem zu einem „mündigen Bürger“ erzogen zu werden, der die „Freiheit“ geniesst, sich in voller Abhängigkeit zum Kapital als Ware Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt in sämtlichen Branchen und Berufen zu verkaufen. Die Unmündigkeit darin wird deutlich, wenn man sich die Wertung der Menschen über die Folgen dieses Verhaltens ansieht. Das Kapital reisst den Planeten ständig nach verwertbarem Material auf, vergiftet, vermüllt und zerstört Wasser, Tierwelt, Land, Luft und Leute, was nur durch die Beteiligung aller Individuen an der kapitalistischen Produktionsweise über ihre Arbeitskraft möglich ist. Gewertet werden diese unübersehbaren Katastrophen als Ungerechtigkeit, Unvernunft, Unmoralisch, Unsinnig, Unerwünscht, was nur mit weiteren Regeln in der Wirtschaft zu lösen sei. Ein Zusammenhang zwischen globalen Wachstumszwang von Staatshaushalten, Konzernen und der globalen Zerstörung von Umwelt oder der Verrohung menschlicher Beziehungen wird nicht gesehen.

Diese verzerrte Wahrnehmung auf die Realität sorgt z.B. für die Fortsetzung des Hungers in aller Welt, während ein paar Kilometer weiter frische Lebensmittel weggeworfen werden, weil sie keinen Käufer gefunden haben. Woher kommt dieser Blickwinkel? Die Identifikation des modernen Menschen mit Leistungs- und Konkurrenzprinzipien beginnt in der „fortschrittlichen Zivilisation“ mit dem Notensystem, dem vergleichen der Schüler untereinander, der Drohung für immer ein Versager zu bleiben, wenn die Noten sich nicht verbessern, durch die Kritik und Anleitung der Lehrer, dem Liebesentzug der Eltern, wenn die Leistungen nicht stimmen usw. Eltern, Verwandte, Lehrer usf. besitzen eine außerordentliche autoritäre Machtposition über den jungen Menschen, der ihnen vertraut, von ihnen abhängig ist, wodurch sich automatisch eine Gläubigkeit in Autoritäten bei den Schülern bzw. Kindern einstellt.

Die gesamte Identität wird mit den Jahren nach und nach darüber aufgebaut inwieweit man sich den Ansprüchen der Autoritäten bzw. der äußeren Welt angleichen kann, die man für absolut logisch und gerecht hält, weil man nichts anderes zu Gesicht bekommt und keine aktiven Rebellionen dagegen kennt. Das Kind unterdrückt im Zuge dessen eigene Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen, zerbricht chancenlos unter dem Gewicht der Ansprüche der kapitalistisch-geprägten Umgebung. Es übernimmt fortan das Lebensmotto, welches allgemeinhin für die meisten Menschen die Handlungsmaxime ist: Nur wer Leistung bringt kann Liebe und/oder Anerkennung erwarten. Anerkennung und Liebe sind in so einem gesellschaftlichen Zusammenhang immer Mangelware, also wird alles für sie getan.

Ist diese Haltung übernommen wird sie gleichermaßen als Anspruch und Lebenseinstellung gegenüber allen anderen Menschen und der Gesellschaft in allmöglichen Lebenssituationen formuliert: Was nützt mir der Kerl? Was bringt mir der Job? Wieviel bekomme ich für mein Geld im Kaufhaus? Stimmen meine Leistungen im Beruf? Ist mein Arbeitskollege nützlich für das Unternehmen? Werde ich ordentlich regiert? Werde ich gerecht bezahlt? Das Leben wird als Chance begriffen „soviel wie möglich“ herauszuholen und „das Beste daraus zu machen“. Die gesamte Welt erscheint nur dafür existent maximal ausgebeutet zu werden. Das ist nichts weiter als blanker Egoismus, der als notwendige Folge der kapitalistischen Produktionsweise entstehen muss, weil es kein anderes Ansinnen als Leistungs- und Wettbewerbsmaximen gibt, unter denen das Invidiuum sein Leben bestreiten kann. Das bürgerliche Subjekt, welches hier beschrieben wurde, ist das nützlichste Vehikel für das Kapital, weil es die notwendige Sklavenmentalität mit sich bringt.

Eine Hinterfragung der Welt findet aus einer derartigen Sklavenmentalität nicht statt. Die Spielregeln des Kapitalismus werden akzeptiert. Es dominieren z.B. in den Massenmedien immer wieder Fragen wie: Werden die Spielregeln gerecht umgesetzt? Warum greift die Politik nicht ein, wenn dieses oder jenes betrieben wird? Wenn man als Verlierer dieser Spielregeln verhungert, dann ist es aus dieser Mentalität heraus bloss gerecht, denn „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Sozialhilfe oder Solidarität gibt es nur, wenn der Betroffene zu Protokoll gibt, möglichst schnell wieder um Anerkennung und für Profite kämpfen zu wollen und entsprechende Bewerbungen verschickt, was unter dem Banner „Fordern und Fördern“ bei der Arbeitsagentur steht. Solange die Mehrheit der Menschen ihre Liebe und Anerkennung über die Leistung im Wettkampf um Profite erstreiten will, wird sie einerseits unter deren Mangel leiden und andererseits als unmündige Diender des Kapitals die Welt ungeniessbar machen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesellschaft