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Sprengt die Lohnarbeit!

Arbeiten bedeutet Gewalt erfahren. Die Zurichtung der eigenen Persönlichkeit geschieht über den Inhalt der Tätigkeit. Der Diebstahl von Lebenszeit, die Entfernung jeglicher Kontrolle über das eigene Leben, die Verewigung der Abhängigkeit von einem Prinzip, dass man automatisch und blind bestätigt, wohnt jeder Arbeitsstelle inne. Was getan werden soll bestimmt der Chef und was der denkt bestimmt der Markt und was der denkt ist die Kapitalverwertung und die hat nur sich selbst im Sinn, aber nicht die Menschen samt ihrer Bedürfnisse. Das Skandalöse an unserer Wirtschaftsform besteht also in der Abgabe von Leben für ein selbstreferentielles, anonymes und abstraktes Herrschaftsystem, welches niemand steuert. Lediglich die wenigen Eigentümer von hohen Mengen von Kapital oder Firmen können in die Nähe von Nutznießern dieser prekären Lage gerückt werden, aber auch sie müssen sich permanent der Profitabilität gewahr sein, sofern sie mit ihren Vermögen nicht in Frührente gegangen sind.

Die Lohnarbeit übt eine strukturelle Gewalt auf jeden Menschen aus. Sie zerstört die Fantasie, sie macht krank, sie raubt einem die Zeit, die Nerven, die Gesundheit und sie hört niemals auf. Sie ragt in alle Lebensphären hinein und katalogisiert, kategorisiert, verwertet alles. Die Schönheitsideale rühren daher genauso wie die vollen Fitnesscenter oder Universitäten. Die arbeitsgeile Welt vergisst sich selbst im Schweisse ihres Angesichts. Dass die Menschen sich mit ihrer täglichen Lohnarbeit ins eigene Fleisch schneiden, verdrängen sie mit größter Hingabe. Das Hangeln von einer zur anderen Freizeitbeschäftigung, soll die Reproduktion der eigenen Arbeitskraft sichern, sodass es für ein weiteres Quartal reichen möge. Die apathischer Warterei auf den großen Knall, dass man sich vor der Massenvernichtung vielleicht noch hinwegducken kann, macht die totale Teilnahmslosigkeit gegenüber das eigene Leben, aber auch das der anderen aus. Der Lebensinhalt wird bestimmt von der Verwertbarkeit der eigenen Tätigkeiten und Gedanken. Die Menschen sind nicht geboren. Sie sind nur Zuchtmeister, Arbeitskraftbehälter, zerrissene, zerschlissene, erstarrte Drohnen deren Programmierung das Kapital vorgenommen hat.

Die gesamte Gesellschaft ist trotz ihres betriebsamen Lärms von einer Friedhofstille eingenommen, die nach Tod riecht. Unsere Weltordnung beruht auf Leichenschmaus und Kannibalismus, der Konkurrenzkampf und Leistungsdruck ist der direkte Ausdruck davon. Wer nicht arbeitet stirbt. Wer arbeitet stirbt, – aber etwas später. Und die Angst, dass es sie früher erwischen wird, wenn sie Widerstand leisten, lässt die Menschen mitmachen. Das ist kein Ausdruck einer lebendigen Welt, die sich ihren Ängsten, Verdrängungen und Verwerfungen stellt. Es ist eine verlogene Welt, die dringend zugrunde gehen will bevor irgendjemand ihr den Spiegel vorhält. Und jener, der versucht diesen Spiegel zu halten wird eilig bestürmt und zunichte gemacht. Die Feldherren des Kapitals werfen schnell ihr Napalm auf Dich, damit ihre Autorität nicht untergraben wird. Die Maschinen müssen laufen, die Menschen müssen darin zugrunde gehen, etwas anderes hat diese Gesellschaft nicht als Substanz.

Und doch bringt sie das Potential mit, was ihre Produktivität angeht, dass sie die Grundlage für eine bessere Gesellschaft bietet, in der der Mensch angstfrei verschieden sein kann und dem Müßiggang nach gehen kann. Dieses gilt es zu betonen, auch wenn das bedeutet, dass die Lohnarbeit zu meiden ist, um die eigene Fantasie und Intellektualität zu bewahren, Armut und sozialen Abstieg, Peinigung, Ausgrenzung, Einsamkeit et cetera zur größeren Alltagserfahrung werden als ohnehin schon. Die Unerträglichkeit der Welt muss zu einer unerträglichen Kritik führen, die diejenigen, die diese Welt unerträglich machen, ihrer eigenen Unerträglichkeit überdrüssig werden lässt. Die Selbstreflexion muss gegenüber der Resignation angespornt werden. Die Menschen müssen verstehen, dass sie die Welt bereits aktiv gestalten nur eben nicht so wie sie sie gerne hätten. Die Bewusstlosigkeit gegenüber den konstitutiven Momenten der Gesellschaft, muss der bewussten Gestaltung der Gesellschaft weichen. Ein erster Schritt wäre die Einsicht, dass die Lohnarbeit eine Katastrophe gegen die Menschheit ist, die sie sich selbst angetan hat.

Es wird unerbittliche Kämpfe gegen die Interessenten an diesen Zuständen geben müssen. Das Interesse der Lohnarbeiter liegt unbestritten in der Abschaffung der Lohnarbeit, weil sie ihrer Entfaltung im Wege steht. Die Kapitalverwertung zerstört uns alle. Sie zerstört die Umwelt und die Tierwelt. Sie fördert nur Kapitalverwertung und sonst nichts. Aber wir müssen uns selbst fördern, wir müssen uns entfalten können und uns selbst genügen. Wenn jeder gegen den anderen konkurriert, wird jeder blockiert und das Recht des Stärken und der Gewalt herrscht. Daher ist dieser Zwangszusammenhang zu durchbrechen zugunsten einer möglichst geteilten Machtstruktur, die die Verantwortung allen Menschen in individueller Form zukommen lässt. Die einzige Perspektive liegt in einer selbstorganisierten polit-ökonomischen Bedürfnisstruktur, die sich auf Gebrauchswerte und die Menschen konzentriert. Das oberste Diktat ist also die Befriedigung von Bedürfnissen und nichts anderes. Das Ziel muss die Reduktion von notwendiger Arbeit sein, damit maximal gelebt werden kann.

Hierzu müssen wir radikale Räte bilden, die die Lohnarbeiter entsprechend auf die Umstände ihrer Unfreiheit solange hinweisen bis sie die Lage verstehen. Der Generalstreik vollzieht dann das endgültige Ende der bisherigen Eigentumsverhältnisse. Der Staat wird etwas dagegen haben, aber auch der kann schnell aufgelöst werden, wenn jeder einsieht, dass dieser nur eine Clique aus Schlägertrupps enthält, die das Falsche stützt. Eine besondere Frage wird sein, wie die Gewaltenteilung fortgesetzt werden kann, wie gegenwärtige sinnvolle Rechte bewahrt und durchgesetzt werden können, obwohl die Angst vor der staatlichen Autorität fehlt. Bevor also praktisch etwas bewältigt wird, muss die Gewaltfrage simultan zur Eigentumsfrage gestellt werden. Außerdem: Wie können die Güter fair, effizient ohne den Zwang der Kapitalverwertung an jene gelangen, die ihrer am dringensten bedürfen?

Ungeachtet dieser schwierigen Fragen, die unbedingt vorher genau diskutiert werden müssen, ist es unabdingbar, dass die Menschen sich ihren Ängsten stellen. Nur wenn sie die Ursachen der Angst kennen, können sie die Angst loswerden und endlich das Leben angehen, ohne stets eingeschränkgt, gehemmt, geängstigt, niedergehalten, zerstört zu werden. Wer die Lohnarbeit nicht bekämpft verewigt sein Elend, versteinert überhaupt jeden Wahnsinn, der momentan für absolute Normalität und Notwendigkeit gehalten wird, obwohl sich dieser nur durchhält, weil die Menschen sich aus Angst und Identifikation mit dem Aggressor, dem Falschen nicht um die Ursachen ihres Leidens kümmern.

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Zum Tode von Sascha Lewandowski

Heute geht die Meldung herum, dass ein äußerst talentierter und leidenschaftlicher Mensch vermutlich im Zusammenhang mit einer Burn-Out-Erkrankung verstorben ist. An dieser Stelle mein aufrichtiges Beileid an die Verbliebenen. Ich will dieses dramatische Ende eines Menschenlebens nutzen, um erneut auf die enormen Probleme unserer Gesellschaft hinzuweisen: Jeden Tag sterben viel zu viele Menschen an diesem verdammten Burnout-Syndrom, welches nicht selten mit depressiven Schüben einher geht. Immer noch wäre es dringend erforderlich mehr Therapie- und Auffangsangebote ggf. in anonymisierter Form anzubieten. Man wartet Monate auf einen vernünftigen Therapieplatz und wird oft mit einigen Tabletten ruhig gestellt, was natürlich überhaupt keine tiefgreifende Hilfe sein kann. Zugleich gibt es viel zu wenig Förderungen eine psychoanalytische Ausbildung zu absolvieren, die oft sehr lange dauert und kostenintensiv ist.

Da das kapitalistische Produktionsverhältnis die Individuen permanent überfordert sind psychische und physische Erkrankungen vorprogrammiert. Seit über 15 Jahren stehe ich im Berufsleben und ich kann sagen, dass ich nicht einen einzigen Arbeitstag genossen habe und das obwohl ich mich reichlich bemüht habe, was diverse Branchenwechsel und Weiterbildungsmaßnahmen bezeugen. Lohnarbeit ist aus meiner Sicht strukturell falsch: Einerseits wird immer mehr Leistung verlangt, andererseits immer schlechter bezahlt und zugleich profitieren lediglich die Eigentümer von Arbeitsplätzen, weil sie den höheren Profit einstreichen und uns Angestellte mit einem geringen Anteil abspeisen, von dem wir auch noch die Produkte kaufen müssen, die wir selbst produziert haben. Und solange man an dieses Problem nicht rangeht werden wir alle wohl noch länger leiden müssen, was Erkrankungen permanent provoziert.

Wenn man in der permanenten Ausweglosigkeit steckt seinen Lebensunterhalt verdienen zu müssen, dann fällt unter diesem Zwang alles andere. Alles wird unter der Maßgabe der Einträglichkeit bewertet und entscheidet sich daran. Die Reduktion des gesamten Lebens auf diesen Aspekt ist entscheidend in unserer Zeit. Dieser Umstand wird großzügig verharmlost, vergessen, relativiert, ignoriert oder sogar bejubelt. Dabei schränkt es die eigenen Lebensmöglichkeiten ein. Dinge können nicht mehr für sich selbst existieren, sie müssen nützlich und verwertbar sein. Sie müssen klar und deutlich kategorisierbar und vergleichbar sein. Permanent hängt eine Art oberster Gerichtshof über allem was getan und gedacht wird. Sich dem zu entziehen ist unmöglich geworden, wenn man nicht gerade eine enorme Erbschaft erhalten hat. Dass das Leben einen Selbstwert darstellt, obwohl es uns oft nicht so erscheint und wahrscheinlich völlig sinnlos ist, macht den Widerstand gegen eine Totalität notwendig, die stets betont, das Leben werde erst durch Leistung- und Konkurrenzkampf veredelt oder lebenswert. Und hier liegt direkt die Problematik der Machbarkeit oder Denkbarkeit dieses Widerstandes, wenn die ganze Sozialisation im Falschen stattgefunden hat. Das treibt einem die Verzweiflung ganz automatisch in den Alltag. Es ist kein außerhalb oder anderes denkbar und zugleich sollen Rechnungen bezahlt werden. Die scheiternde Überforderung wird zur eigenen Identität, was zumindest den Vorteil hat nicht arrogant zu werden, aber den gewaltigen Nachteil quasi eine Personifizierung des Falschen zu sein, was uns alles kaputt macht.

Aus meiner Sicht müssten wir alle streiken nicht nur aus Solidarität mit Sascha Lewandowski, der nun offenbar an einem Burn-Out-Syndrom verstorben ist, sondern auch um unserer Selbst willen. Es kann nicht sein, dass die Priorität in dieser Ökonomie, zu der der Profifußball mit seinen Millionengehältern und -forderungen nunmal zählt, der Mensch nicht im Vordergrund steht, sondern bloss Leistung und Profitabilität. Ich hoffe Manuel Neuer und Co. würden sich diesem Streik anschliessen, mit ihren Vermögen die Streikkasse erweitern, auch wenn in Deutschland alle arbeitsgeil sind und die Gewerkschaften sich völlig einer idiotischen Produktionsweise ergeben haben. Nur möglichst großangelegte Streiks können den verdeckten Konflikt der Struktur von Lohnarbeitn nach außen kehren, Öffentlichkeit schaffen, Debatten anregen und hoffentlich dann auch zu einem Wandel führen. Ohne eine offene Problematisierung der Thematik werden weitere Generationen für ein Prinzip verheizt, welches Menschen vernichtet.

Update 11.06.16: Offenbar ist der Hintergrund nicht ausschliesslich eine Burn-Out-Erkrankung.

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Was tun gegen Unterdrückung, Ausbeutung und Zerstörung?

Wie kann man die Welt von Armut, Hunger, Umweltzerstörung, Knechtschaft, Ausbeutung und Unterdrückung befreien? Praktisch kann jeder sofort damit anfangen diesen Planeten zu einem besseren Ort für alle Lebewesen zu machen. Man braucht nicht auf den großen Knall, den großen Führer, die große Bewegung warten oder laufend herumjammern wie schlimm doch alles ist. Es ist auch nicht sonderlich kompliziert sofort aktiv zu werden. Alles was man braucht ist einen entsprechenden Willen dazu. Das Internet bietet uneingeschränkte Informations- und Kommunikationsfreiheit, man kann sich alles aneigenen was man meint zu brauchen, um die Probleme dieser Welt zu erkennen und Lösungsansätze zu finden, genauso wie man mit Milliarden von Menschen darüber kommunizieren kann. Bislang wird das Internet viel zu wenig in dieser Hinsicht genutzt!

Wenn erst einmal klar ist, inwieweit die Parteien sich gegenseitig blockieren und grundsätzlich nur den Staat bzw. den Kapitalismus erhalten können, und damit auch die Ausbeutung und Unterdrückung von Millionen legitimieren und aufrechterhalten, darf man sich nicht mehr für ihren Erfolg einsetzen. Parteien gehören zum Staat, gehören zum Kapitalismus, keine Partei die tatsächlich fähig wäre sie zu stürzen oder aufzulösen wäre genehmigt. Die letzte Partei der man unterstellte, sie könnte etwas ändern, wurde in den 1950ern verboten! Die derzeitigen Wahlen dienen bloss dazu den Leuten vorzumachen, sie hätten irgendetwas relevantes zu entscheiden. Man kann wählen zwischen Pest und Cholera und bis zur nächsten Wahl hat man die Klappe zu halten oder man kann sich bei Protesten von Polizisten die Augen wegspritzen lassen. Aber das Gewaltmonopol, den Staat oder den Kapitalismus kann man nicht abwählen. Deshalb hilft es nichts seine Appelle an die Regierung, an Parteien oder an Konzerne zu richten, sie alle haben Interessen, die mit denen der Bevölkerung absolut unvereinbar sind. Sie werden sich nicht durch nette Worte und den Druck der Straße davon abbringen lassen, es braucht mehr Bewusstsein, Struktur und zielgerichtetere Aktivitäten seitens der Benachteiligten dieser Welt.

Wie wir alle Wissen müssen alle Konzerne weltweit ihre Profite maximieren, um am Markt überleben zu können. Es ist auch gemeinhin bekannt, wer am meisten von diesen Erträgen profitiert. Die breite Bevölkerung schuftet ihr ganzes Leben, endet in Altersarmut, psychischen und physischen Krankheiten, hatte obendrein nie die Möglichkeit in irgendeiner Form relevante Dinge zu entscheiden. Man kann jammern, kündigen und bei anderen Ausbeutern anheuern, vereinzelt vor Gericht klagen, aber die eigentliche Grundlage der Ausbeutung bleibt unberührt. Damit die Macht der Parteien, der Regierungen, Staaten, Konzerne und Reichen dieser Welt über die Lohnabhängigen gebrochen werden kann, sollte man aufhören zur Wahl zu gehen, sollte man aufhören zur Arbeit zu gehen und sollte man aufhören Steuern zu zahlen. Die Wahlen legitimieren die Parteien neue erpresserische und verlogene Gesetze zu verabschieden, die ein „Weiter so!“ für die Konzerne und Behörden bedeuten. Die Arbeitskraft der Massen mehrt die Reichtümer von Minderheiten, die Überproduktion von unnützen Produkten und die Zerstörung der Umwelt und Lebewesen weltweit. Die Steuerabgaben finanzieren Behörden die Menschen autoritär, repressiv behandeln, finanzieren Polizei, Militär, Kriege und machen damit Missbrauch, Gewalt, Mord und Massenmord möglich.

Natürlich kann keiner von uns derart radikal sein und aufhören zu arbeiten und Steuern zu zahlen. Ersteres mag kein Problem darstellen, die Wahlbeteiligung sinkt bereits seit Jahren, aber nicht mehr zur Arbeit gehen? Der soziale Abstieg wäre sicher und er wäre umso rapider, je weniger Steuern gezahlt werden. Das ist jedoch der radikalste Ansatz und der sollte gesagt werden. Er muss nicht vollzogen werden, weil er die höchsten Opfer verlangt. Aber wer dazu in der Lage ist, sollte nicht zögern, schliesslich wird dadurch auch eine Menge Zeit für Aktivitäten gegen die Unterdrückung und Ausbeutung frei. Es gibt in allen großen Städten Deutschlands Strukturen die ein solches Leben erlauben. Eine etwas weichere Form des aktiven Verwandelns der Gesellschaft zu einer tatsächlich freien Gesellschaft durch individuelle Aktivitäten, ist der alltägliche permanente Aktivismus neben dem Beruf, der Schule, dem Studium, der Familie usw. Statt sich den Frust über den monotonen Arbeitsalltag, die Ausweglosigkeit der eigenen Situation und Verlogenheit der Politik usw. aus der Seele zu feiern, zu saufen, zu kotzen, sollten Bücher gewälzt, sollten Gruppen gebildet werden, beispielsweise aus Freundeskreisen oder aus der Familie, die die Basis für die künftigen Rätedemokratie und Gewerkschaften in der freien Welt darstellen sollen. Heutige Gewerkschaften haben sich längst dadurch ausgezeichnet, nicht mehr für die Arbeiter und deren Bedürfnisse und Ziele zu kämpfen, sondern für ihre Organisation und ihren Machterhalt. Das kann nur gestoppt werden, wenn eigene Gewerkschaften gebildet werden, die solch einen Verrat niemals begehen würden.

Räte sind seit den Thesen Lenins und der ersten bis vierten Internationale sicherlich auch keine überraschende Neuheit. Sie lassen sich überall bereits jetzt aufbauen. Egal ob in der Politik, in Konzernen oder bei Behörden. Es spielt keine Rolle. Überall kann man sich zusammenschliessen, dokumentieren was passiert, darüber diskutieren was man selbst entscheiden würde und für die Zukunft Thesen und Strategien im Umgang mit diesen Problemen entwickeln. Es wird keinen friedlichen Umsturz des Staates oder des Kapitalismus geben, wenn so eine aufreibende, komplizierte und ausdauernde revolutionäre Aktivität nicht ständig aufrechterhalten und praktiziert wird. Denn ohne ein entsprechendes antikapitalistisches, antiautoritäres Bewusstsein, kann es keine bessere Welt geben. Die bisherigen Errungenschaften sollten nicht durch Gewalt, Wut und destruktiven, übereilten Forderungen und Handlungen verspielt und zunichte gemacht werden. Das Ziel muss die reale Umsetzung der Menschenrechte weltweit sein. Für dieses Ziel braucht es ein offenes wirtschaftliches und politisches System, welches alle Meinungen und Ideen einschliesst, welches die gesamte Intelligenz der Menschheit einbezieht. Die Menschen sollten nicht mehr gegeneinander konkurrieren, sie sollten kooperieren um das beste für alle hervorzubringen.

Arbeitsgruppen können gegründet werden, die sich mit einzelnen Themen in der Gesellschaft auseinandersetzen und später dann in Räten eine Fortsetzung finden. Bereits jetzt gibt es unzählige Initiativen und Organisationen die sich mit Menschenrechten, Tierrechten, Umwelt, Wirtschaft und Politik beschäftigen. Amnesty International, Human Rights Watch, Greenpeace sind vielleicht nicht in jeder Hinsicht positive Organisationen, aber sie machen vor was möglich ist. Man sollte nicht über die fehlende Gerechtigkeit jammern, sondern sich für sie einsetzen und aktuelle Verstöße aufzeigen, anklagen und bekämpfen. Selbstverständlich fehlt Amnesty, Greenpeace, WWF usw. der revolutionäre Ansatz. Sie haben nicht das Ziel die Staaten oder den Kapitalismus abzuschaffen, ihnen scheint es auszureichen sich um die Symptome zu kümmern und richten unermüdlich Appelle an die Regierungen. Ich finde ihre Aktivitäten bewundernswert, aber eben leider unzureichend. Daher sollte es in Zukunft eine zunehmende Radikalisierung, d.h. eine stetigere Tendenz hin zu den Wurzeln der Probleme in allen Bereichen der bisherigen Aktivisten geben. Anders werden humanitäre Katastrophen und Umweltkatastrophen nicht aufzuhalten sein. Es muss sich etwas konkret im alltäglichen Handeln der Menschen ändern.

Nicht die Staaten und Konzerne sollten die alleinige Macht haben, den Planeten zu beherrschen. Grundsätzlich muss Herrschaft als solche aufgehoben werden. Die Ohnmacht der Menschen existiert nur, aufgrund der horrenden Macht der Konzerne und Staaten. Die Menschen haben lange Zeit den leeren Versprechen geglaubt, sich verführen lassen und mit den eigens produzierten Waren betäubt. Die Bewusstlosigkeit und Entfremdung der Massen speist sich aus dieser Ohnmacht. Der Planet ist unsere einzige Heimat. Niemand hat das Recht die Umwelt, Tierwelt oder Menschen zu verletzen, sie zu unterdrücken, auszubeuten oder zu zerstören. Dennoch wird es jeden Tag gemacht, aufgrund bestimmter Machtverhältnisse, Kapitalinteressen in Politik und Wirtschaft. Wenn die Macht der Staaten und anderer verschiedener Konzerne gebrochen und den Individuen zurückgegeben wird, durch die Weiterentwicklung des Bewusstseins der Massen, werden die Kapitalinteressen nicht mehr existieren, weil Profitmaximierung und kein Konkurrenzkampf als dummes Zeug verworfen werden. Dadurch können alle Lebewesen und der Planet aufatmen, sich regenerieren und endlich frei entfalten. Keiner muss dem Kapital, einer Partei, einer Organisation oder einem abstrakten Zweck dienen. Alle Menschen sind frei geboren, sind einzigartig und besitzen unveräußerbare Rechte. Darauf muss die künftige globale Rätenetzwerk aufbauen.

In den Betrieben wird basis-demokratisch in Verbindung mit den Bedürfnissen der Bevölkerung entschieden was, wieviel und in welcher Form produziert wird. Es wird grundsätzlich nur noch nach den individuellen Bedürfnissen produziert. Die Bedürfnisproduktion wird weltweit den Hunger abschaffen, bereits jetzt können wir ca. 12 Milliarden Menschen ernähren, bislang erhalten die Hungernden dieser Welt keinen Zugang zu diesen Lebensmitteln, die wir momentan tonnenweise tagtäglich wegwerfen, weil sie kein Geld besitzen. Gleiches gilt für fehlende Medikamente, fehlende Bildung, all das kann innerhalb weniger Wochen völlig verändert werden, wenn erst einmal die Macht der Konzerne und Staaten, durch die Interessen und Bedürfnisse der Bevölkerungsmassen ersetzt wurde. Alles was hierfür nötig ist, ist die ständige Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Problemen. Es muss uns interessieren was in der Politik und in der Wirtschaft schief läuft. Keiner von uns hat die Lösung parat, wie es laufen muss. Aber es gibt auch keine Strukturen in der Gesellschaft die breite gesellschaftliche Debatten, frei von Macht- und Kapitalinteressen ermöglichen. Der permanente Konkurrenzkampf hat uns geprägt. Wir können uns eine andere Welt kaum noch vorstellen, in der man den anderen nicht misstrauisch, neidisch, zornig gegenübersteht.

Diesen erbärmlichen und für alle erniedrigenden Zustand muss endlich Einhalt geboten werden, indem wir uns von allen Ideologien und Glaubensbekenntnissen der Parteien, der Staaten, der Konzerne, des Kapitals, der Religionen freisprechen. Weil keiner von uns jemals eine Lösung wissen kann, die auf alle Probleme der Menschheit einwirken kann, braucht es eine Gesellschaft die sich dessen bewusst ist. Die Politiker, Wissenschaftler, Kapitalisten sind so ahnungslos wie alle Menschen. Daher soll auch kein Mensch über den anderen Menschen herrschen oder entscheiden. Es gibt keine Legitimation für Herrschaft. Selbiges gilt auch für den Parlamentarismus. Künftige Rätesysteme müssen also frei und jederzeit wählen und abwählen können, was sie wollen oder nicht wollen. Im Grunde liegt also die derzeitige Gesellschaft gar nicht so weit Weg von der Möglichkeit eine freiere Gesellschaft zu schaffen. Es hängt vom Engagement der einzelnen Menschen an, wie lange noch Menschen verhungern müssen, für Staaten, Rohstoffe und Vormachtstellungen sterben müssen, für das Kapital ihre Leben verwerfen, vergiften und vernichten müssen. Wir alle sind gefordert die Zustände nicht länger hinzunehmen und permanent dagegen anzukämpfen. Wichtig ist dabei immer wieder der hohe Anspruch: Niemals etwas tun was die Ausbeutung, Unterdrückung und Zerstörung unterstützt. Ständige Selbstreflektion, Selbsthinterfragung, Respekt und Solidarität gegenüber allen Menschen sind notwendige Grundelemente hierfür.

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Willkommen im Kapitalismus: Wie ein Discounter seine Mitarbeiter ausbeutet

Der besagte Discounter ist nur die Spitze des Eisberges, die anderen Konkurrenten am Markt agieren nicht anders, genauso wie generell sämtliche Konzerne nach demselben Prinzip agieren und funktionieren. Es geht grundsätzlich nur um den Profit, danach wird sich vielleicht auch um alles andere wie Menschenrechte, Umwelt, Nachhaltigkeit und Sinn der Produktion gekümmert. Da der Druck am Markt aber immer heftiger wird, je näher man der Grenze, der möglichen Ausbeutung von Arbeitskraft und der möglichen Senkung von Kosten, angelangt ist, wachsen auch die Risiken und die Zerstörungen in jeder Hinsicht. Als Konzern geht man noch rigoroser gegen Mitarbeiter vor, die nicht alles geben, man fordert generell mehr von allen Mitarbeitern und gleichzeitig erwartet man das Lohnsenkungen ins Bodenlose akzeptiert werden. Bei Lidl wurden die Mitarbeiter jahrelang ausspioniert, Betriebsräte wurden verfolgt und rausgeworfen, Netto agiert hier kaum anders, will laut Frontal 21 sogar wissen was bei Ver.di so besprochen wird. Die Mitarbeiter arbeiten selbst bei Krankheit, bürden sich unheimliche Lasten auf, weil sie es als Mensch nie anders gelernt haben. Wer zuetwas kommen will, der muss auch ranklotzen, der muss auch zeigen das er will und kann, der muss das Jammern sein lassen und entsprechend wie gefordert funktionieren. Das ist aber grundsätzlich falsch! Die Mitarbeiter sollten nicht funktionieren, sie sollten streiken und protestieren. Dazu fehlt ihnen aber leider das entsprechende Bewusstsein, schliesslich haben sie ihr ganzes Leben nur gearbeitet und selbst in der Schule haben sie nur systemkonformes Zeug gehört und auswendig gelernt. Also wird alles nur noch schlimmer, auch weil die Manager es nicht anders kennen, die im Beitrag als die bösen Buben dargestellt werden. Diese versuchen doch bloss den eigenen Konzern an die Spitze zu bringen. Gesetze stören bei der Profitmaximierung natürlich nur, daher schreit dieser Frontal 21 Beitrag genauso wie die Mitarbeiter nach dem Staat: Er soll doch bitte diesen Konzern zähmen und zwingen die Regeln einzuhalten. Aber das löst nicht die Quelle der Probleme. Die Ahnungslosigkeit über die eigene Befindlichkeit, die eigene Rolle im globalen System könnte nicht größer sein.

Von systematischer Ausnutzung durch ihren Arbeitgeber berichten Mitarbeiter und Führungskräfte bei Netto Marken-Discount. Nach ihren Worten herrscht dort ein brutales Klima der Angst und Unterdrückung. Netto Marken-Discount – nicht zu verwechseln mit der dänisch-deutschen Firma NETTO – ist ein Tochterunternehmen der Edeka-Gruppe, der Marktführerin im deutschen Lebensmittelhandel. Die Expansion werde auf dem Rücken der Beschäftigten betrieben, so der Vorwurf der Gewerkschaft Verdi. (Text & Quelle: ZDF)

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