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Napalm Gauck

Gauck weiß jetzt „was geht„. Gauck „mahnt, drängt und fordert“ „zu den Waffen zu greifen“ (!), um „unsere Werte zu verteidigen„, denn „Krieg existiert„. Letzteres ist halt so, wen interessieren schon die Hintergründe. Gauck wolle nicht mehr wegsehen, wenn Menschen wie 1994 in Ruanda abgeschlachtet werden, dabei ist die afrikanische Instabilität, deren historisches, ökonomisches Verliererdasein dem marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampf geschuldet, bei dem Gauck das freiheitliche Wasser im Mund zusammenläuft. Afrika kann gegen Europa und Deutschland nicht gewinnen, weil horrende, riskante Investitionen nötig wären, die das scheue Reh der Kapitalverwertung schon im Ansatz verschrecken. Man setzt als Kapitalist lieber auf Gewinner, denn jedes Quartal braucht steigende Renditen. Insofern ist das Potential für ein neues Ruanda weiterhin groß, wie die alltäglichen bürgerkriegsähnlichen Zustände seit Genrationen belegen und das liegt an der Art wie Politik und Ökonomie in Europa, Amerika, China usw. betrieben wird.

Wie kann Frieden in einer Welt existieren, in der Nationen gegen andere Nationen mit allen Mitteln unendlich um Märkte konkurrieren? Gauck schaut jeden Tag weg, wenn tausende Menschen verhungern oder lebensrettende Medikamente nicht erhalten, denn das ist ja alles im Sinne der Menschenrechte, die den Markt regeln. Die Menschenrechte sagen: Nur wer Geld hat, darf mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse rechnen, alle anderen verrecken elendig oder führen ein Schattendasein. Und damit das so bleibt, will Gauck Krieg führen, denn er sieht das Problem nur bei denen, die dieser Ordnung mit eigenen Brutalitäten im Weg stehen. Gauck repräsentiert deutsches Kapital und dieses soll mithilfe des Militärs gemehrt werden. Morde für die kapitalistische Ordnung bringen Respekt bei anderen Konkurrenten ein und das eröffnet Türen für tiefere Partnerschaften, mehr Raum auf dem geopolitischen Parkett und damit Märkte sowie Kapital. Bedingungslose deutsche Expansion schimmert also in all seinen Sätzen durch. Das ist es, was nun „geht„. Deutschland expandiert  nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Vergangenheit. Stephan Grigat brachte es auf den Punkt:An der Aussöhnung der Deutschen mit ihren Verbrechen soll die Welt genesen.

Weitere Details fallen auf:  Wieviel von der „sozialen Marktwirtschaft“ zu halten ist, für die Gauck plädiert, zeigen die zehntausenden Klagen vor den Sozialgerichten zur Agenda 2010 bzw. Hartz 4, denen hinterher überwiegend Rechtmäßigkeit bescheinigt wird.

Gauck beklagt zudem die Ungleichheit von armen und reichen Menschen in Russland, um die Illegitimität Putins darzustellen, – will die Vermögensungleichheit in Deutschland allerdings nicht erkennen. Dabei hat das DIW 2012 erwiesen, dass Deutschland die größte Ungleichverteilung von Vermögen innerhalb der Eurozone aufgewiesen hat.

Widersprechen muss man dem Märchenonkel auch beim Thema Refugees: Europa kann problemlos sämtliche Flüchtlinge aufnehmen. Die weltweiten Flüchtlingsströme belaufen sich auf weniger als 40 Millionen Menschen. Europa bietet derzeit Raum für über 700 Millionen Menschen. Wenn es darum geht, die Opfer der Mauer in der DDR zu beklagen, ist Gauck ganz groß, obwohl es sich hierbei im Vergleich zu den jährlich ca. 1500 sterbenden Flüchtlingen vor Europas Grenzen um geringere Zahlen von ca. 136 Maueropfern handelt.

Weitere Beiträge zu Gauck:

Mann Gottes, Präsident des Krieges“ – Von Georg Seesslen

Wollt ihr den totalen Gauck?“ – Von Hermann L. Gremliza

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Die Leichen Europas

In einem wohlkalkulierten Anfall von Nachdenklichkeit bedauert „das Ekel von Bellevue„, „der Schokoladenonkel (Gremlizas Kolummne 5/2013 Konkret) Joachim Gauck, den „vorhersehbaren Tod“ von „besonders verletzlichen Menschen„, die nur unter angeblicher Missachtung „europäischer Werte“ drauf gegangen seien. „Wegzuschauen“ während Menschen ertrinken oder im Falle von Frontex vielmehr tatenlos zu zuschauen gehört allerdings zum Alltag dieser hochgelobten Werte, dessen Diener Gauck übrigens ist, schliesslich will Europa sich nicht die teure Armut der Welt aufhalsen, wo man doch gerade selbst darum ringt mehr Anteile am Weltmarkt zu erstreiten, bessere Wertungen durch die Ratingagenturen zu bekommen, Investoren aus aller Welt anzuziehen und zu binden. So hat Deutschland im Jahr 2012  über 60.000 Entscheidungen bei Asylanträge getroffen und weniger als 30 Prozent anerkannt. Gleichzeitig hat man 2011 knapp 8000 Menschen abgeschoben. Obendrein wälzt Deutschland durch die Dublin-II-Verordnung 90 Prozent aller Flüchtlinge an 10 andere EU-Länder ab.

Was Europa aus Sicht ihrer Bilanzen braucht ist mehr Profit und nicht neuerliche Fixkosten. Deshalb gibt es Rapid Border Intervention Teams und Frontex, die natürlich ausschliesslich Leben retten bzw. „abwehren“ und gleichzeitig als übernatürliche Superhelden auch Zeit für imagestärkende Fotowettbewerbe finden. Es ist für diese Leute nur ein wertloses Detail, dass Europa sich nun als Held für eine Situation ausgibt, die es selbst geschaffen hat. Das lässt man sich gern ein paar hundert Millionen kosten, anstatt sie den faulen Schmarotzern aus den Verlierernationen als Begrüßungsgeld zu überreichen. Jene Wächter des Wohlstands verzeichnen es als Erfolg, wenn die Einwanderungsrate unter die Sterberate fällt, da schauen sie wie Gauck mit ihren Ferngläsern, Drohnen und Satelitten genau hin, wie die Leute ein paar Meter vor der rettenden Küste ersaufen. Pecht gehabt. Jeder ist seines Glückes Schmied. Da ist der Tod tatsächlich „vorhersehbar„.  In diesen sauren Apfel beissen die Grenzpatrouilleure der EU gerne, denn sterben die Flüchtlinge vor der europäischen Grenze, ist Europa dafür nicht verantwortlich. Und welcher arme Afrikaner würde die mörderische, unterlassene Hilfeleistung schon anklagen können? Merkwürdig: Dem Kapital erlaubt man Reisefreiheit, aber den Menschen nicht. Da erinnert man sich doch an die DDR!

Es soll zwischen dem 13. August 1961 und dem 9. November 1989 zwischen 137 und 245 Todesopfer an der Berliner Mauer gegeben haben. Dieses Unrecht wird immernoch häufig und legitimerweise  in Dokumentationen, im Theater oder Spielfilmen beklagt,  aber was ist mit den mindestens 180 verstorbenen Menschen, die allein letztes Jahr bei dem Versuch ein besseres Leben zu führen starben? Gauck spuckt Blut und Galle wenn es um den DDR-„Unrechtsstaat“ geht, aber hier reicht es nur für eine dusselige Geste des Bedauerns, als hätte er in seiner Funktion als Bundespräsident überhaupt keine Verantwortung und Möglichkeiten dagegen zu intervenieren. Schlimmer noch: Jene Freiheit, die Gauck mit dem Fall der Mauer erlebt haben will, erwürgt nun die Flüchtlinge aus aller Welt. Es ist nämlich die unsichtbare Hand des Marktes, das Europa, Deutschland, Afrika, Frontex, die Steuerzahler führt und würgt, wenn  Scharen von vermeintlichen menschlichen Parasiten bzw. wertlosen Flüchtlingen ausgesperrt, sanktioniert und beschimpft werden, die scheinbar überfallartig dem Europäer sein tapfer erarbeiteten Lohn stehlen wollen. Da keimen in jenen Europäern Verlustängste auf, die sowieso nie viel hatten und sich nie gefragt haben warum, wo sie doch so verbissen ihre Überstunden abgerissen haben.

Die europäischen Steuerzahler wissen ganz offensichtlich nicht, dass sie mit den Flüchtlingen im selben Boot sitzen. Sie haben den Konkurrenzkampf verinnerlicht und jegliche Menschlichkeit verdrängt, schliesslich muss man konform und flexibel bleiben um den Job zu behalten. Es ist auch für Lohnabhängige teuer sich für Schwächere einzusetzen und gut für die Karriere sie als Aufstiegshilfe zu nutzen. Oft genug müssen geduldete Flüchtlinge miese Arbeitsbedingungen ertragen und finden alles andere als eine Willkommenskultur oder freundliche Integrationsprogramme vor. Wie heißt es so gräßlich im Volksmund? Nach unten treten, nach oben buckeln. Wir alle sind lohnabhängig, egal ob wir nun aus Afrika oder Europa stammen. Ab Geburt zwingt man uns per Zuweisung zu einer Nationalität gegeneinander zu kämpfen und das für normal zu halten. Im Konkurrenzkampf verschwindet zu allererst das menschliche Bedürnfnis nach sozialer Wärme. Wo Leistung und Kampf herrscht ist kein Platz für Verständnis und Solidarität. Gerade jene Solidarität muss aber gegenüber den Flüchtlingen stattfinden indem die Verhältnisse hinterfragt und überwunden werden. Angesichts der horrenen Produktivitätssteigerungen muss kein Mensch Mängel erleiden.

Hierzulande haben hunderttausende Proletarier einige dünne soziale Errungenschaften mithilfe der mittlerweile zahnlosen Gewerkschaften erstritten, wodurch aus der Marktwirtschaft eine soziale Marktwirtschaft wurde, auch wenn die zum Beispiel im Zuge der stärkeren globalen Konkurrenz durch die Agenda 2010 wieder abgebaut wurde und wird. Dies muss Afrika noch genauso erstreiten wie Asien. Europa hat von einem Wirtschaftssystem profitiert, welches es beginnend mit der Aufklärung, der französischen Revolution, dem Merkantilismus Stück für Stück auf die Welt brachte, während z.B. Afrika dafür bluten musste.  Dies kann man im „Schwarzbuch Kapitalismus“ von Robert Kurz nachlesen. Die Flüchtlinge sind nicht dafür verantwortlich, dass das Leben im Kapitalismus schwieriger wird bzw. schwierig ist. Es ist vielmehr der globale Konkurrenzkampf um Marktanteile, welcher über das betriebs- und volkswirtschaftliche Mantra der Neoklassik international, national, kommunal, über die Konzerne und Lohnabhängigen permanent aufrechterhalten wird, um auf rationale Weise einen irrationalen Selbstzweck zu folgen, der im Kern bloss aus Geld mehr Geld machen will.

Faktisch spielt der Mensch in dieser jetzigen Ökonomie eine untergeordnete Rolle, da er nur dann leben darf, wenn er profitabel ist und selbst wenn er das ist, existiert er nur als Automat des Kapitals woraus seelische Krisen von Amokläufen über Depressionen und Süchte entstehen. Tatsächlich verhungern Menschen in Afrika, Indien oder Bangladesh, wenn sie keine Arbeit haben. Das würden wir auch, wenn vorherige Generationen von Lohnabhängigen keine Sozialsysteme erkämpft hätten. Besser wäre es gewesen, sie hätten den Umsturz des Kapitalismus erkämpft, aber immerhin. Die Afrikaner werden von uns, über die Gesetzgebung, über die Parlamente, über die staatliche Souveränität aus demselben Profitkalkül ausgesperrt, wie wir als Lohnabhängige, wenn wir aufgrund eines Leistungsabfalls oder härterem Preiskampf am Markt aus Kostengründen entlassen werden. Niemand von uns hat die Kontrolle über sein eigenes Leben, das haben wir der unsichtbaren Hand des Marktes überlassen. Die Haushaltskonsolidierung der europäischen Staaten funktioniert nicht anders als die Quartalsabrechnung bei Unternehmen: Die Kosten müssen niedriger sein als die Gewinne, egal ob darunter nun die Umwelt (Atomkraft/Plastikinseln auf den Weltmeeren usw.), die Tierwelt (Ausrottung von Arten) oder die Menschen (Hungertod) zu leiden haben. Hieran wird mehrheitlich geglaubt (siehe Wahlergebnis September 2013), wie ein Christ an Gott, wie ein Moslem an Allah glaubt und dementsprechend unzugänglich ist die damit identifizierte Bevölkerung für Gegenargumente.

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