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Vergeblichkeit & Einförmigkeit in der Weltlosigkeit

Unsichtbar und nonverbal setzt sich die Katastrophe über die monokausale Kapitalvewertung durch. Mangel ist für den modernen Menschentyp charakteristisch. Meine Eltern und ich waren stets atomisiert. Wir flohen vor den Mauern und Selbstschussanlagen der DDR in eine vermeintlich bessere Welt. Aber diese neue Welt brachte ständige Wechsel der Arbeits- und Wohnorte mit sich. Die Hinwendung zur Kapitalakkumulation hat unsere junge Familie anonymisiert und die Zerrissenheit über ganze Generationen hinweg geprägt. Die Entfremdung gegenüber Opa, Oma, Onkeln, Tanten, Cousinen und Cousins, von Nachbarn, Bekannten, alten Weggefährten, wurde in Kauf genommen für ein vermeintlich besseres Leben. Doch alles war schon während dieser hoffnungsvollen Entscheidung verdorben. Balzac sagte einmal, dass das Leben ohne großes Vergessen nicht funktionieren würde, aber der Kapitalismus besteht heutzutage aus einer enormen Selbstvergessenheit der Individuen. Kein Wort bedeutet heute noch etwas. Die Priorität des Alltagslebens wird stets pragmatisch auf das gesetzt, was sich augenscheinlich am wichtigsten aufdrängt und selbstsetzt: Die Kapitalakkumulation. Aber dieses Prinzip ist, folgt man Marx, falsch und zerstörerisch für alles. Diese Reproduktionsform brachte höhere Produktivkräfte, aber es hat die Menschen, die kaum welche waren, entleert. Beobachte ich meine Familie, so sehe ich eine zerstörte Bande, die verstummt, enttäuscht, verletzt und gedemütigt wurde und nun freudlos, perspektivlos, nackt, blutend auf den Trümmern ihres Lebens im Ozean abtreibt. Aber über mehr als kurzatmige Aufreger ist man in der Familie angesichts dieses Zustandes nicht hinausgelangt.

Und doch, obwohl die Schinderei dem Alltag glich, weil man die Anpassungsleistung gegenüber dem falschen Prinzip der Kapitalakkumulation unbedingt vollziehen wollte, kam es nie zum Bruch mit der Gesellschaft, sondern man brach sich willentlich selbst. Die Verletzungen, die die Gesellschaft an ihnen und uns anrichtet führt zu selbstverletzenden Verhalten, krankhafter Innerlichkeit und beschleunigt die Monotonisierung des Lebens. Vielen Menschen scheint das geringe Selbstwertgefühl zueigen zu sein, was eine Art Rechtfertigungsdruck für die eigenen Taten und Gedanken erforderlich macht. Und das obwohl das System, welches sie zugrunde richtet, sich nicht rechtfertigt, sondern über die blinde Tätigkeit der fassungslosen Individuen immer wieder erneut vor sie setzt und endlose Aufopferung verlangt. Die Welt ist nach dem heutigen Stande eine Endstation für Übriggebliebende. Sie hält eine permanente Vernichtungsdrohung gegenüber den Überlebenden aufrecht, vollzieht diese Drohung aber zugleich z.B. an zehntausenden Hungertoten jeden Tag. Wenn wir alle diese Vernichtungsindustrie aufrechterhalten, denn es gibt niemand sonst der das tut, macht uns das zu Mittätern an unserem Elend, aber auch am Elend anderer, denn wir leben in der globalisierten Welt der Kapitalakkumulation. Alle Hände sind blutig. Angesichts dieser alltäglichen Ungeheuerlichkeit, ist es kein Wunder, dass es auch ein Interesse in den Menschen geben muss, wegzusehen, sich der Routine hinzugeben, der Verantwortung zu entziehen und es sich scheinbar möglichst leicht zu machen. Aber Anpassung bedeutet lebenslange Schinderei in der Lohnarbeit mit dem Staat und dem Kapital. Ein Krankheitstag und es kann vorbei sein.

Die Atemlosigkeit, das Verstummen, die Entleerung, die Anonymisierung, die Leere, das sind nur Teilaspekte eines totalen Verlusts von Lebensqualität, der sich klangheimlich, aber zugleich offen darstellt. Der Raubbau am eigenen Leben vollzieht sich mit jedem Arbeitstag, so still und hintergründig, dass die okkulten Banden unserer Gesellschaft keine Mühe haben, ihren Wahnsinn zu rationalisieren und Neuankömmlingen aufzuherrschen. Und wenn das nicht hilft, wird die Alternativlosigkeit der Wirtschaftsordnung betont oder schlicht das Leben oder die Rationalität des Zweifelnden in Frage gestellt. Dem okkulten Schein unserer Gesellschaft zu unterliegen, hat aber nicht nur etwas mit Betrug oder Gewalt zutun, sondern auch mit Macht. Die Mächtigkeit ergibt sich aus der Allgegenwärtigkeit der kapitalverwertenden Logik. Ohne personale Autorität ist die Unterwerfung also ohne Weiteres genauso üblich. Es braucht keinen Aggressor, der diktiert, man habe zu konkurrieren und unendlich Leistung zu bringen, das sagt man zu sich, wenn man sich in der Schule oder am Arbeitsplatz umblickt. Der Wärter und Gefangene wohnt in einem selbst. Die Sozialisation hat die Internalisierung der okkulten Werte dieser Geselschaft erfolgreich erledigt. Nur da, wo die Sozialisation von Zweifel bestimmt war, durch Krisen innerhalb der Familie oder dergleichen, konnte die Anpassung an die Gesellschaft und ihre wahnsinnigen Praktiken nicht ganz dicht vollzogen werden. Ausbruchmöglichkeiten sind in der Tat lange undenkbar. Noch ehe man einen Gedanken vollzog, ist es zu spät und man muss Rechnungen bezahlen.

So gleicht alles Tun im Sinne von Aufbauen nutzloser Mühe. Jahrzehnte haben meine Eltern ihre Zeit, ihre Kraft, Intelligenz und Emotion vornehmlich der Lohnarbeit und der Steigerung einer Zahl geopfert, sind dauernd umhergezogen, wie Vieh wurden sie vom Kapital getrieben, nur um unter dem Konkurrenz- und Leistungsdruck zusammenzubrechen, zu erkranken, zu verzweifeln. Sie sind gescheitert, das wissen sie auch. Ihr Überleben ist kein Leben. Ihre Gestaltungsmöglichkeiten haben sich auf den Klodeckel oder den 3 wöchigen Jahresurlaub reduziert. Nach ihrer Scheidung konnten sie die Einsamkeit in ihrem Leben regelrecht greifen. Die Einsamkeit war unüberwindbar und unerträglich. Die jahrzehntelange Zweisamkeit schien darüber hinwegzutrösten, dass es sonst niemanden außer ihnen gab, der mit ihnen tiefere Bindungen einging. Die Anderen waren häufiger eher Bedrohung als Verheißung. Jetzt, wo in der ältesten, wichtigsten Bindung die Seuche alles erstickte, erschien alle Tätigkeit, erschienen alle Mühen dauerhaft im Licht der Bedeutungslosigkeit. Nichts gilt mehr, weil nie irgendetwas anderes gegolten hat, als die Kapitalverwertung. Alles was erbaut wurde, wird in Sekunden durch die blinde Tätigkeit anderer vernichtet. So funktioniert unsere Gesellschaft, im kleinen wie im großen. Die Umweltzerstörung zeigt das augenscheinlich: Der Effekt all unserer Tätigkeiten im Alltag mündet über die Vermittlungen der Gesellschaft in Chaos, Vernichtung, Mord und Wahnsinn. Keiner geht der Blutspur nach und wenn doch, wird er häufig selbst wahnsinnig.

Die wirklichen Menschen gleichen Gespenstern oder Schatten. Ein Blick in die U-Bahn, in die Konzerne, Parlamente und man sieht ihre Erstarrung, die verschreckten Hühnern gleicht. Kein Wunder, dass die Menschen rassistisch, sexistisch, antisemitisch, antifeministisch ihre starren Denkformen artikulieren, um ihr krisenhaftes Katastrophen-Ich provisorisch, kurzfristig mit der Niedermachung scheinbar Schwächerer zu stabilisieren. Die Geschichte lehrt ihnen gar nichts, nur die Anpassung an das gesellschaftlich gerade akzeptierte Vokabular, um die erinnerungslose Hoffnungslosigkeit zu bestärken. Das Leben ist so schemenhaft geworden, dass kaum einer noch bestehen kann, ob er sich nun anpasst oder nicht. Die Auflösung unter dem Getöse des Kapitals hat nach all den Jahrzehnten nichts mehr übrig gelassen. Wir sind die zufällig überlebenden, herumirrenden Abfallprodukte einer untergehenden Zivilisation.

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Eingeordnet unter Gesellschaft

Deathdrive

Wenn ich persönlich bilanzieren müsste, inwieweit mein Leben bislang lebenswert gewesen ist, dann kann ich von einem totalen Versagen sprechen. Die Zeit in der irgendwelche Illusionen möglich waren sind längst Vergangenheit. Es gibt nur noch verblichene Erinnerungen daran. Nun wo auf die letzten Schimmer der Jugend geblickt wird und Jahre in Jahrzehnte gefasst werden können, ist die Zukunft aus meiner individuellen Biografie heraus gesehen völlig uninteressant geworden. Es war niemals erträglich, das habe ich in den letzten 9 Jahren hier dokumentiert. Man kann also nicht sagen, ich hätte es trotz aller Bitterkeit nicht versucht. Aber das Leben bleibt strikt sinnlos, egal wie sehr man nun argumentiert, kämpft, arbeitet und hadert. Das Weiterleben ist eine reine Gewohnheit geworden und setzt sich nur fort, weil man zu faul ist dem eine Ende zu bereiten. Die Schule, die Lohnarbeit, die ganze Pubertät und Jugend eine einzige Enttäuschung. Ein Desaster mit zuvielen schrecklichen Einzelheiten. Nie wird es Raum oder Zeit geben diese erbärmlichen Umstände zu diskutieren und auszuräumen. Und sowieso: Niemand sollte mit diesem Schrott belästigt werden. Es ist alles gänzlich unmöglich geworden, wahrscheinlich war es überhaupt nie möglich sich in Ordnung zu bringen. Das nun die totale Einsamkeit sich mit dem Alter verstärkt ist keine Überraschung. Jahrelang wurde nicht zugehört. Selten war es Bosheit, die Menschen sind nunmal beschäftigt. Sie sind auch Elend. Ich mache ihnen keine Vorwürfe. Aber dann soll es die Freiheit geben von dem Abstand zu nehmen, was sich sonst Leben nennt. Die Leere der Welt ist mir schon viele Jahre unter die Haut gekrochen und hat alles an mir hohl gemacht. Das Sträuben war nur etwas Todeskampf, ein Augenblick der vor der Ewigkeit nicht auffällt. Ich kann nicht einmal mehr darüber trauern, was ich gewesen war oder was ich hätte sein können. Es ist einfach nur klar, dass dieses Leben vorbei ist. Es gibt nur noch diese allgemeine Ratlosigkeit als würde ich darauf warten, dass der Vorhang fällt, aber er fällt nicht, obwohl der Plot auserzählt ist. Die Lust auf das Ende kann in so einer Lage nur steigern. Es erscheint vernünftig. Die Zeit hat keine Wunden geheilt, sie hat sie vertieft. Die Zeit hat keinen Rat gebracht, sie hat eher jegliche Grundlagen dafür entzogen. Dass da niemand ist, der einen wird halten können. Dass da niemand ist, der einem das Leben erleichtert. Schien mir schon als Kind bekannt. Ich kenne frühe Einträge aus den 1990ern, wo ich lediglich weitermachen wollte, weil die Zukunft doch irgendetwas für mich bereithalten muss. Es kann doch nicht alles umsonst gewesen sein. Und doch aber ist es so. Prüfen und eine Überprüfung der Prüfung führen immer zum selben Ergebnis. Es gibt nichts. Ich bin nichts. Ich werde nichts sein. Ich kann nichts.  Die Sinnlosigkeit ist manifest, sie ist so stramm und plastisch, so deutlich wie sonst gar nichts in der Welt. Das ist es was  überhaupt noch existiert, wenn sonst nichts ist. Diese Atomisierung, Isolierung, Vereinzelung, Beliebigkeit, das permanente aneinander vorbeisprechen, die Angst vor Zurückweisung, die idiotischen Erwartungshaltungen, das Lügen, Betrügen, Kalkulieren, es wird niemals aufhören. Es wird sich vertiefen, wenn nichts geschieht. Und bislang ist nichts geschehen. Es gibt keine Zerstreuungsmöglichkeiten mehr die ich wahrnehmen möchte, zugleich gibt es keine ernsthaften Perspektiven in dieser leeren Totalität, die Leben genannt wird. Die Distanzierung von allem kann nicht genug vollzogen werden, schliesslich hängt die Identität im Falschen. Man trägt das Elend immer mit sich selbst herum. Eine Lebenfreude zu entwickeln, wo Menschen sinnlos sterben, sinnlos ihre Zeit erwürgen, erscheint widersinnig. Nichts ist mehr logisch. Und Logik selbst findet nur noch in Kreuzworträtseln statt. Doch wenn das Ende selbst festgelegt wird, dann ist auch jede Kommunikation zu Ende. Es gibt dann ganz bestimmt keine Lösung mehr. Also muss weitergelebt werden nicht nur aus Feigheit, Faulheit, sondern auch, weil dem Unbekannten wieder eine Chance gegeben werden muss? Ich wäre wieder an der Stelle in meiner Kindheit. Das Leben zirkuliert offenbar nur etwas herum, um dann wieder an den Ausgangspunkt zu gelangen. Alles was zwischendrin zählte, waren die Erfahrungen, die man machen konnte. Aber da war eben nichts. Wie kann man sich daran bloss erfreuen? Wenn nichts geblieben ist, wenn sogar mit weniger verblieben wird als man von Geburt an hatte, was soll man dann noch? Es ist alles ausgezogen. Ich bin ein Fremder und mit allem fremd. Ein paar Floskeln und Gesten werden nicht Jahrzehnte voller Verlust bereinigen. Es ist versaut, vermasselt und verkommen. Katastrophales Scheitern trotz aller Mühen und Sorgen. Da würde nur ein Idiot drüber hinweg lächeln. Ich sehe nun woher die eingefallenen Gesichter kommen, worauf der Alkoholismus eine saftige Wiese findet, um sich auszubreiten. Die Gebrochenen die man überall sieht zu denen gehöre ich auch. Die Maschine hat mich zertrümmert und hat nicht einmal Notiz von mir genommen. Es macht nicht wütend, wenn gelernt wurde das diese Wut nicht gesehen und verstanden wird. Alles ist zu grob geworden. Und was einem bleibt ist nur der Jammer und die Selbstbezüglichkeit. Früher wäre ich noch vorsichtig gewesen soetwas zu veröffentlichen. Aber es ist längst Gewissheit, dass es keinen Unterschied mehr macht, was man denkt oder ausspricht. Es bleibt und verbleibt alles ungehört und stumm, ohne Konsequenzen und apathisch ewig tränenreicher Abgrund.

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Eingeordnet unter Emotionales

Love me tinder

„Oh nein, oh nein, überhaupt nicht mein Typ.“
„Magst Du Bier?“
„Und was ist Dein liebster Sport?“
„Hier geht ja nichts oder?“
„Ach, ich weiß auch nicht.“

Diese awkward-silence Momente zwischen leeren Floskeln deuten das eigentliche Problem von Tinder bzw. der Nutzung dieser Plattform an: Menschen, die keine Ahnung haben was sie überhaupt miteinander zutun haben sollen, die nicht wissen wer sie sind oder was sie eigentlich wollen oder in welcher Gesellschaft sie leben, treffen aufeinander, um sofort die perfekte Liebe oder Erfüllung oder einen Lustgewinn zu erfahren. Doch das ist völlig unmöglich, da die Übereinstimmung zunächst und ausschließlich über die oberflächliche Erscheinung vollzogen wird, wodurch der Mensch mit seinen Umständen und Charakter völlig außenvor bleibt. Die Enttäuschung ist quasi permanent eingeschlossen.

Darin wohnt auch diese Beliebigkeit: Entweder bist Du es sofort wert oder Du wirst in der nächsten Sekunde durch ein nächstes Tinderdate ersetzt. Jeder ist austauschbar, keiner ist besonders. Eine umfassende Beziehungslosigkeit oder Unfähigkeit zur Beziehung drückt sich in dem Erfolg von Tinder aus. Der Mensch von heute hat keine Zeit, keinen Nerv und keinen Verstand für die Auseinandersetzung mit dem Anderen und Fremden, um dadurch zu lernen, was er selbst will und was die Begegnung bedeutet oder liefert bzw. nicht bedeutet oder liefert. Die Selbstbezogenheit bleibt erhalten, es kommt zu keinem Erkenntnisgewinn und die eigene Blase vergrößert sich ungebrochen.

Ein Marathon durch die Geschlechter, ohne jemals irgendeinen Erfahrungswert zu erhalten, das ist die pure Einsamkeit. Tinder verspricht gar nichts, kann es auch gar nicht. Tinder findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern inmitten einer Leistungsgesellschaft, die an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten ist und seit Generationen für eine Zerstörung der realen und sozialen Welt sorgt. Zwischen Tinder und Fitnesscenter muss die eigene Fruchtbarkeit und Verwertbarkeit möglichst effizient dargeboten und verschachtern werden. Tinder ist der verzweiflte Versuch nicht an Einsamkeit zu ersticken, und zugleich Berufsleben im vollen Umfang aufrechtzuerhalten, doch durch die Nutzung dieser Plattform verstärkt sich die Einsamkeit eher noch, weil man als Mensch gar nicht stattfindet, sondern nur als Verwertungskategorie, einem Idealbild von Partner, der gar nicht existiert. Um wirklich wertvolle Beziehungen zu erhalten ist eine Reduktion des Berufslebens notwendig, denn die Kosten Zeit, Mühe, Aufwand, Ruhe, Vertrauen, Geduld und natürlich Interesse. All das wird vom Beruf aufgefressen.

Die falschen Partner liegen zerstreut wie Sand am Meer und warten darauf von der Flut davon gerissen zu werden, weil das Leben in dieser Gesellschaft immer schon falsch war. Da kaum einer einen Begriff von der Qualität des Lebens hat, erliegt das Individuum einer Blindheit, die zu einer völligen Fehleinschätzung dessen führt, was sie sind, worin sie sich befinden oder wie sie mit dem sozialen Umfeld umgehen. Der Höhepunkt ist dann die Anspannung, das Unbehagen im Treffen, der abstösst, Unglück verdeutlicht, mit Alkohol, Nikotin oder Sex erfolglos zu kompensieren versucht wird.

Der Erfolg von Tinder drückt aus, dass man einen gesellschaftlichen Mangel, den man als Individuum durch Einsamkeit spürt, überwinden will. Doch man kann nicht außerhalb der Gesellschaft existieren, die diese Einsamkeit produziert, und sein privates Glück finden, – weil die soziale, entleerende Verbindung nie auffhört, egal wie prekär sie auch sein mag.

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