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Emotionen statt Reflektionen – „Hunger!“ mit Claus Kleber

Das Fernsehen ist etwas fürs Volk, sagte einmal Felix Bartels. Und Claus Kleber spricht als Nachrichtenvorleser der Nation für das Volk. „Claus Kleber und Co-Autorin Angela Andersen interessieren sich bei ihrer Bestandsaufnahme vor Ort weniger für die Mächtigen und Regierenden, mit denen Kleber sonst als News-Anchorman des ZDF zu tun hat. Hier geht er vor allem zu den Menschen, die von Hunger und Durst betroffen sind und tapfer für eine bessere Zukunft kämpfen.

Das Internet funktioniert ähnlich wie das Fernsehen – nämlich über Emotionen. (Claus Kleber). Der ZDF-Anchorman geiselt das raffende Kapital, schreibt mit „Not“ und „Verzweiflung“ gegenüber dem „Unfassbarem“ eine flammende Hommage zugunsten des schaffenden Kapitals. „Hunger, lerne ich, hat viele Gesichter. Hier sind es die Fratzen von Profitgier und Inkompetenz.“ Er glaubt, dass wir zu viel Fleisch konsumieren („Chinas Rinderwahnsinn„) und daher Menschen verhungern. „Wenn sich jemand bescheiden muss, dann alle. Auch Egoismus ist ein Gesicht des Hungers.“ Antworten „sucht die zweiteilige Dokumentation weniger in Zahlen und wissenschaftlichen Analysen als in einer sehr persönlichen Betrachtung mit einer optimistischen Vision.“ Eine Vision, die dümmer kaum sein könnte: „Urban Gardening„, ein „Löffel Zuckerwasser„, „riesige Kugeln im Ozean“ und „faire Investitionen“ sollen als kleine „Puzzelstücke“ die Rettung sein. Kein schlechtes Ergebnis für eine Weltreise und ein Jahr „Planung, Überlegung und Fokussierung“ oder? Und überhaupt: „Um es gleich zu sagen: Das wird kein restlos objektiver Bericht.“ Na dann kann die geistlose, ressentimentbeladene Hetze ja losgehen!

Eigentlich ist alles super in der Marktwirtschaft. Maitland in Australien: „Das wir eigentlich genug für alle ernten, verdanken wir auch Kerlen,“ und „Kerlen“ wird hier mit einer extra Portion Pathos ausgesprochen; „Kerlen wie Ben. Er macht aus einem großen Stück Halbwüste in Südaustralien Brot für die Welt.“ Quasi wie Jesus, schöpft er aus der Todeszone Wüste („an den Grenzen des möglichen„) Leben. Ben: „Wir verwandeln Regen in Getreide.“ Transsubstantiation im ZDF! Ich habe es kapiert Kleber, der Arbeiter ist ein Heiliger! Aber dann das: „Silotürme und Verladeanlage haben Farmer gebaut. Jetzt kauft ein Großkonzern das Ganze auf.“ Der heilige Arbeiter wird vom internationalen Kapital überfallen. Schrecklich! Unerhört! Völker dieser Welt stürmt zu den Waffen!

Tapfer wirft sich der Volkstribun Kleber uneigennützig in den Dreck der Welt, um uns die ganze grauenvolle Wahrheit zu präsentieren: Tüchtige Produzenten, die im Schweiße ihres Angesichts schaffendes Kapital hervorbringen, aber „Rädchen im Getriebe der Großkonzerne“ sind, stehen seiner Ansicht nach im Kampf gegen eine „Weltmacht“ voller „Megakonzerne“, die „ihre Risiken streuen“, „Investmentfonds“, die „mit Milliarden pokern“ und „Geldstörmen“, die „30 mal so mächtig wie der Wert aller Ernten zusammen“ sind. Dies wäre nicht nur in Australien so, sondern auch in Afrika: „Der Großinvestor hat keine Hoffnung gebracht, er hat sie genommen.“ Gleiches gilt für Indien: „Einflussreiche Fabrikanten sichern sich dort ein Stück vom Profit hier. Auf der Strecke bleiben die, um die es eigentlich gehen soll.

Fragen über Fragen:

Generell stellt Kleber Fragen ohne sie je zu beantworten: „Was haben wir falsch gemacht?“ Oder: „Warum kommen so viele Lebensmittel nie bei den Hungernden an?“ Oder: „Wie kann es immer noch sein, das Menschen an Hunger sterben?“ Oder: „Wir produzieren mehr als genug Nahrung für alle. Warum leiden dann immer noch hunderte Millionen an Hunger?“ Oder kombiniert mit eigenen Ressentiments: „Wie können wir dem Land und den Ozeanen noch mehr abgewinnen, ohne die Böden auszulaugen und Fischbestände zu zerstören? Dürfen Nahrung und Trinkwasser weiterhin als Spekulationsobjekte an Börsen missbraucht oder als Machtinstrumente eingesetzt werden?“ Und: „Wie können trotz der weltweiten Bevölkerungsexplosion alle Menschen satt werden?

Guter Weizen verrottet. Liegen geblieben in Spekulationsgeschäften bei denen die Rechnung nicht aufging.“ Kleber fragt in eine Runde indischer Bauern: „Also nochmal die Frage, die mich hergeführt hat: Da ist soviel Reis hier, warum gibt es in Indien immer noch Hunger?“ Ein indischer Bauer antwortet: „Schlechtes Management der Regierung.“ Kleber: „Die Regierung ist schuld, huh!?“ Ein zweiter indischer Bauer schaltet sich ein: „Ja, Korruption. Die haben unser ganzes Geld auf schweizer Bankkonten versteckt.“ Kleber fragt den ersten indischen Bauer wieder: „Stimmt das was er sagt?“ Dieser reagiert zustimmend: „Er hat völlig Recht! Das sind alles Schurken. Krokodile, die das Land ausbeuten und das Volk bluten lassen.“ Unter emotionalisierenden Beats wird das unkommentiert einfach so stehen gelassen, als ob es sich dabei um eine treffende Analyse gehandelt hätte.

Über Respekt

Von seiner Anmutung her ist es ein großer, wenn Sie so wollen, opulenter Film. Mit Respekt vor den Menschen, denen wir begegnen“ (Claus Kleber im Interview). Die jungen Männer in dem afrikanischen Dorf fragen Claus Kleber, ob sie nicht nach Deutschland kommen dürfen und er „schafft es nicht„, lässig an einem Baum gelehnt, „ihnen ehrlich zu sagen„, „dass aus ihrem Traum nichts wird„. Macht nix Claus, Frontex wird es ihnen schon in Deinem Sinne zeitnah begreiflich machen.

Salamatus Land ist Beute geworden, eines globalen Trends. Reiche Staaten und Firmen pachten bestes Land der Dritten Welt. Kolonialismus 2.0. Nicht mit Soldaten. Mit großen Geld.“ Salamatu erzählt dann ganz im Widerspruch dazu, dass sie eben doch unter Waffengewalt von Soldaten, Polizisten und schliesslich ihrem Häuptling, der die Regierung hinter sich hatte, ihr Land völlig unter Wert verkauft hat.

Sie [die Bevölkerung in dem afrikanischen Dorf] glauben wohl, dass dieser Film den Konzern zu einem besseren Deal zwingen wird.“ Was für ein Irrtum, es geht hier in der „persönlichen Betrachtung“ nur darum Vorurteile zu bestätigen und eben nicht darum die Lebensverhältnisse der Armen nachhaltig und qualitativ zu verbessern. Warum sonst hat man sich gleich von Beginn an von der Wissenschaft verabschiedet? Kleber weiter im Text: „Aber ich sage es nicht, damit Salamatus weiter mit mir spricht.“ Klar, verarschen wir sie ruhig noch weiter, soviel zum Thema „wenn wir die Afrikaner betrügen.“ (Claus Kleber im Interview) – „Ich fühle mich schäbig dabei, aber ich brauche ihre Geschichte.“ Wofür? Für die Quote? Um bei Markus Lanz mehr erzählen zu können und Schulterklopfer zu ernten? Um im Namen der Armen besser in den Krieg gegen die Spekulanten ziehen zu können?

Fressen und gefressen werden:

Plötzlich spielen die Preise „verrückt“. „Kein Wunder, wenn die Weltbevölkerung dreimal schneller wächst als die Produktion, brauchen wir immer mehr. Koste es was es wolle.“ Moment mal! Hat Claus Kleber nicht eben Jean Ziegler zitiert, der sagte, dass jedes verhungernde Kind ermordet wird, weil bereits jetzt für 12 Milliarden Menschen Nahrung produziert wird? Wen interessiert es, die Chinesen fressen „mit der Tendenz grenzenlos„, so als ob sie schwarze Löcher in ihren Mägen hätten. Also gehen wir dort mal hin und suggerieren, dass der Welthunger mit Veganertum zu erledigen ist. „Es ist Wahnsinn. Menschen verhungern und wir mästen weltweit 1,5 Milliarden Kühe für unsere Lust auf Fleisch und Milch.“ Dabei war der Konsum noch nie Antriebsfeder für den Kapitalismus, sonst würde niemand hungern und würden nicht Millionen Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen. Daher weiß Kleber auch nicht was er den Chinesen vorwerfen soll: „Sie arbeiten sauber und gewissenhaft.“ Wie echtes schaffendes Kapital eben! Sie tun was alle tun, sie arbeiten so, dass es profitabel ist. „Sie richten sich nach den Regeln industrieller Nutztierhaltung und sie glauben, dass das Fortschritt sei. Das habe ich ja auch geglaubt, bis jetzt.“ Nein, letzteres war ein Scherz, das glaubt er immer noch, deswegen plädiert er ja für „faire Investitionen„, um sowohl Hunger als auch alles andere lösen. „Wenn demnächst alle soviel Fleisch essen, wie wir heute, fahren wir die Sache gemeinsam vor die Wand.“ Nein, selbst wenn wir alle nur noch Steine lecken, wird das wohl kaum die Dynamiken und Krisen innerhalb des Kapitalismus verändern oder lösen, schließlich tangiert unser Konsumverhalten nicht das Prinzip der kapitalistischen Produktionsweise. Autarkie und Verzicht in Zeiten von Überfluss ist obendrein schlichte Dummheit.

Reflektionen statt Emotionen:

Im Kapitalismus verhungern Menschen, obwohl Lebensmittel in überreichlichem Ausmaß produziert werden. Im Kapitalismus werden Kriege geführt, obwohl genug Güter für alle vorhanden sind – niemand um sein Überleben kämpfen müßte. Im Kapitalismus müssen Menschen körperlich schwer schuften, obwohl es ausreichend und zunehmend perfektere Maschinen gibt, die ihnen die Mühe abnehmen oder zumindest unendlich erleichtern könnten. Im Kapitalismus müßte immer weniger gearbeitet werden, dennoch verlängert sich der Arbeitstag auf bis zu 16 und mehr Stunden, werden selbst Kinder zur Arbeit herangezogen. Marxens Vermutung: Nicht obwohl soviel Reichtum im Kapitalismus geschaffen wird, verelenden Menschen, sondern gerade weil. Genauer: Die Form, in der der Reichtum geschaffen wird, die Warenform, ist dafür verantwortlich, daß Menschen massiv verelenden.“ („Die halbe Wahrheit ist die ganze Unwahrheit“ – Conne Island)

Mich überfordert das Labyrinth,“ kein Problem Claus! Schauen wir uns die Realität an. Aber wo fangen wir da am besten an? Vielleicht dort wo die Dokumentation beginnt. „So hatte ich mir den Tag nicht vorgestellt: Ich suche Einblick in eine Krise und stattdessen führen sie mir ihren Stolz vor„: Säcke voller Lebensmittel werden vor die Füße des entgeisterten Nachrichtensprechers und Armutstouristen ausgeschüttet.

Dabei ist das gar nicht verwunderlich: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung‘, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.“ (K. Marx, Kapital I, MEW 23, 49). Es gibt genug Gebrauchswerte in der Welt, die von den Menschen konsumiert werden könnten, ein Blick in irgendein Kaufhaus oder die Produktionszahlen von Lebensmitteln oder anderen Gütern zeigt das. Die Gebrauchswerte können aber nicht konsumiert werden, wenn das menschliche Bedürfnis sich nicht über finanzielle Mittel legitimiert. Wer kein Geld hat, wird auch nicht essen. Deshalb verhungern Menschen neben Bergen von frischen Lebensmitteln. Gebrauchswerte werden nur dann verkauft, wenn die in der Ware enthaltene Kalkulation aufgeht, also genug Tauschwerte für die Mehrwertproduktion veräußert werden können. Es ist also nicht so wie die Ausgangsfrage der Dokumentation suggeriert: „Auf unserem Planeten müsste kein Kind verhungern oder verdursten, wenn wir alles richtig machen würden.“ Es verhungern und verdursten Menschen, eben gerade weil wir alles „richtig“ also im Sinne der kapitalistischen Produktionsweise machen.

Neben diesen Grundwiderspruch im Kapitalismus gibt es noch einen weiteren: Einerseits muss immer mehr lebendige Arbeit (variables Kapital) eingespart, deren Tätigkeit durch Maschinen (tote Arbeit, konstantes Kapital) ersetzt werden, andererseits ist diese lebendige Lohnarbeit der einzige wertschaffende Faktor. Norbert Trenkle spricht hier vom „Selbstwiderspruch des Kapitals zwischen Produktivkraftentwicklung und Verwertungsimperativ.“ Der Zwang, Mehrwert zu produzieren, hat zudem zur Folge, die Mehrwertmasse zu senken. Jede Innovation in der Produktion, die u.a. der Konkurrenzkampf aufnötigt, sorgt für Einsparung menschlicher Arbeitskraft und für eine Reduktion der Wertproduktion, weil mehr und besser in kürzerer Zeit produziert werden kann. Es müssen mehr Waren als zuvor abgesetzt werden, damit Profit gemacht werden kann. Resultat ist anders gesagt die gesamtkapitalistische Senkung der Wert- und Profitmasse.

Die Verwertung des Werts gerät also immer weiter ins Stocken, seit 1945 wurden Staaten mehrere hundert Mal zahlungsunfähig, da die die Märkte gesättigt sind, dort keine Profite mehr im großen Maß abzusetzen sind, die Produktivkraft größer denn je ist, keine gigantischen Produktinnovationen, wie die der Mikroelektronik, mehr stattfinden. Damit Wertschöpfung überhaupt noch ausreichend stattfinden kann, wird Spekulation mit Finanzprodukten notwendig. Fiktives Kapital in Form von Aktienkapital greift auf zukünftige reale Wertschöpfung (Lohnarbeit) zu. Ergeben sich nicht die prognostizierten Verwertungen, platzt die Spekulationsblase und es gibt eine Krise.

Ernst Lohoff: „Es wird so getan, als wäre der spekulative Kasino-Kapitalismus der Grund für mangelnde Realinvestitionen und Massenarbeitslosigkeit. In Wirklichkeit ist das Verhältnis genau umgekehrt: Weil die Produktivitätssteigerung der dritten industriellen Revolution seit den achtziger Jahren die Expansion der Märkte überholt und arbeitsplatzträchtige Realinvestitionen unrentabel gemacht hat, strömt das Geldkapital in die Finanzmärkte und treibt immer größere spekulative Blasen.“ („Entfesselter Spekulant“ – Jungle World)

Die Lohnarbeit existiert für die Produktion von Mehrwert, das Finanzkapital bzw. die Spekulation existiert für die Produktion von Mehrwert. Sie sind die Kehrseiten derselben Medaille, bedingen und beziehen sich aufeinander. Wer also vom Mehrwertterror in der Fabrik nicht reden will, sollte von den finsteren Spekulanten schweigen. Alle Individuen in dieser Gesellschaft werden geknechtet ovn einem und demselben Zwangsverhältnis, dem neuen kategorischen Imperativ: Handle so, dass am Ende mehr rauskommt!

Der Film mit Claus Kleber ist also eben nicht wie die SZ-Online schreibteine sehr systematische Analyse der Gründe“ für Hunger. Das Credo der Kritik von Claus Kleber lautet: Lohnarbeit und Mittelstand gegen Finanzkapital für eine krisenfreie Marktwirtschaft, in der „die tüchtigen Produzenten belohnt und nicht die unproduktiven Geldverleiher, Grundeigentümer und andere Parasiten bereichert“ werden (Neo-Gesellianer Klaus Schmitt, zitiert nach Robert Kurz 1995). Man spricht den multinationalen Konzernen gesamtwirtschaftliche Verantwortungslosigkeit zu, weil sie sich aus den angeblich produktiven Sektor zurückzögen, stattdessen Wertpapiergeschäfte tätigten, dem Mittelstand damit den Boden unter den Füßen wegzögen. Die bombig laufende Marktwirtschaft wird angeblich von geldgeilen, kosmopolitisch ausgerichteten Dunkelmännern attackiert, die die Politik und überhaupt alles in der Tasche haben, wenn man sie nicht dingfest macht. Kleber stülpt der subjektlosen Herrschaft des Wertprinzips seine üble Ausbeutersubjektivität über. Es hat im Kapitalismus eine lange, gefährliche Tradition, die Zirkulationssphäre des Kapitalismus, gegen die Produktionssphäre auszuspielen, weswegen diese Kritik überhaupt keine ist, sondern reines Ressentiment.

Für Chaya

Ein Kommentar

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Kurzer Abriss

Gerade in den letzten Tagen, in denen ich verstärkt an die Zeit in Berlin denke erscheinen mir die Schwierigkeiten der meisten Menschen in einem neuen Licht. Ich erkenne die menschliche Seite meiner Kollegen, meines Chefs und Vorgesetzten, die der Putzen und so weiter. Mir ist ihre Belastung wesentlich stärker bewusst und verstehe ihre Frustration. Viele arbeiten unheimlich hart, sehr lange, Tag für Tag, nur um ein halbwegs würdevolles Leben finanzieren zu können. Andere hingegen haben dazu gar keine Möglichkeit und sind darüber frustriert, wovon sich einige total entmutigen lassen. Immer wieder kommt es zu Streit, Konflikten, die scheinbar eine ständige Wiederholung sind, denn es geht immer um dasselbe. Die Menschen wünschen sich Unterstützung, ehrliche, aufrichtige Zuneigung, eine Chance die sie wirklich ergreifen können, sie brauchen täglich handfeste Perspektiven, keine leeren Versprechen, keine tröstenden Worte, keine Ablenkung von diesen Problemen. Die Menschen nehmen das alles nur noch hin, weil sie keine Alternative kennen. Sie wissen keine Alternative zum egoistischen Verhalten. Sie glauben an die Leistungsprinzpien, die Wettbewerbsprinzipien, auch wenn sie genau wissen, es wird mehr Leid produzieren, immer mehr Menschen in den Abgrund stoßen.

Wir haben diese Menschen auch hier in Deutschland, selbst wenn behauptet wird, die könnten ja auf Kosten der Gemeinschaft leben. Was ist das für ein Leben, wenn man völlig machtlos ist? Man kann natürlich Hartz IV beantragen, wird dann aber zum Spielball der Ämter, die einen in Beschäftigungsmaßnahmen stecken, die rein gar nichts bringen, außer langeweile und noch meh Frustration. Selbst wenn man einen Job hat, weiß man das es jederzeit vorbei sein kann, gleichgültig welche Leistungen man in der Vergangenheit erbracht hat. Das ist keine Freiheit, das ist Willkür des Kapitals, Willkür unseres Glaubens an egoistische Prinzipien. Geld ist nützlich, klar. Aber wir haben längst die Übersicht darüber verloren; warum es immer schlimmer statt besser wird. Ist es die Börse? Sind es die Reichen? Sind wir irgendwie alle daran schuld? Eine permanente Debatte darüber sehe ich nur in Nischen der Gesellschaft, ansonsten wird nur Gejammert oder Gejohlt. Die meisten glauben daran, dass das System bald komplett gegen die Wand fährt und es wird so sein, aber keine fragt was danach kommen wird. Werden wir dann vielleicht es noch schlimmeres produzieren, weil wir uns heute keine Gedanken gemacht haben, welche Fehler in der Vergangenheit getan wurden?

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Kampfzwang

Wir sind gezwungen uns durch die Welt zu schlagen. Die gesellschaftlichen Forderungen sind eindeutig: Arbeite, verdiene mit irgendetwas Geld oder geh sterben. Das soziale Netz hat seine Grenzen, seit neueren Reformen hat es größere Löcher und Begrenzungen bekommen. Wer sich nicht durch den Arbeitsmarktdschungel kämpft oder gar einfach nicht stark genug ist sich im Wettbewerb gegen die Konkurrenz durchzusetzen, hat nicht mehr viel vom Leben zu erwarten. Die Freiheit des Egoismus ist das höchste Gut in dieser Welt. Es gibt keinen Zusammenhalt, keine Perspektiven und schon gar nicht so etwas wie Ruhe. Stets sind wir gezwungen uns beruflich weiterzuentwickeln, in den seltensten Fällen machen wir das freiwillig. Wir sind gezwungen flexibel zu sein, wir haben uns den Regeln des Marktes zu beugen, wir sind die Marionetten der Konzerne, wir folgen dem Diktat der Bilanzen. Gibt es schlechte Zahlen braucht es bessere humane Ressourcen, wir können nur die Besten brauchen!

Die jungen Schulabgänger mit dem besten Notenschnitt sind gerade gut genug! Deren Naivität muss vollends in das Unternehmen integriert und investiert werden, diese junge Kraft muss benutzt und gebraucht werden bis der Mensch dahinter daran zugrunde geht. Die Menschen sind die Batterien, die Brennstoffzellen des Unternehmens und werden beliebig ausgetauscht, vorallem wenn sie nicht mehr funktionieren. Es gibt keine Gerechtigkeit. Derjenige mit dem größten Ego gewinnt. Wer kann am meisten vorweisen, sich am stärksten hervortun? Dieser Jemand gewinnt, wird hochbezahlt. Welche Perspektiven haben wir schon? Es geht darum einen Job zu erhalten, sein Leben finanzieren zu können, wir sind wie Junkies die jede Woche ihren Schuss brauchen. Wir müssen uns verkaufen wie Huren und von jedem anficken lassen der genug bezahlt. Wir sind in völliger Abhängigkeit zum Beruf groß geworden. Alles ist darauf ausgerichtet für den Beruf zu leben, wer sich nicht über den Beruf definiert oder nicht arbeitet existiert für diese Gesellschaft nicht. Wer nicht arbeitet, wer nichts einzahlt ist ein reiner Kostenfaktor und muss entsprechend gezwungen werden sich wieder in Reih und Glied zu begeben. Wer das nicht macht, wird weiter bestraft, finanziell, wird isoliert und gezwungen miese Jobs zu machen.

Kritik und Zweifel werden nicht gehört oder nicht ernstgenommen, denn keiner kann diesen Wahnsinn stoppen. Was wäre denn wenn man die Hungertoten überall in der Welt beachten würde? Was wäre wenn man die Millionen Arbeitslose nicht mehr wie Asoziale behandelt? Da würden sich Unruhen im ganzen Land ausbreiten, keine Sau würde mehr fleissig produzieren, alles würde plötzlich in Frage gestellt. Da gibt es keine Rekordgewinne mehr, keine Export oder Importrekorde mehr. Die Gesellschaft wäre mit ihren habgierigen Vorstellungen in einer Sinnkrise, müsste sich völlig auflösen und neuorientieren. Wir müssten erkennen, dass wir die Menschen- und Grundrechte umsetzen müssen und das dies unser einziges gemeinsames Ziel sein sollte. Aber warum passiert das nicht? Wieso kämpfen die Menschen allein? Wieso fühlen sie sich alle verlassen, gespalten, zerstört, getrieben, gezwungen, hilflos, traurig, ohne Mut und Kraft? Ich denke wir haben alle von Geburt an unmengen an Manipulation, Missbrauch und Zerstörung erfahren. Wir wurden benutzt, genauso wie unsere Eltern und werden wie sie unser ganzes Leben ausgenutzt.

Es fängt in der Schule an, wer in der Schule gute Noten schreibt, hat tatsächlich die Chance glücklich zu werden, auch wenn dieses Glück oberflächlich ist, weil es nur auf das eigene Leben und eigene Leistungen zurückgeführt wird. Unser Schulsystem ist darauf ausgerichtet Gewinner und Verlierer zu produzieren. Es ist absichtlich so ausgerichtet Konflikte und Probleme zu erzeugen, die jungen Menschen zu zwingen gewisse gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Normen zu akzeptieren und nicht zu hinterfragen. Der Leistungsdruck wird von Klasse zu Klasse erhöht, es wird immer mehr Lehrstoff pro Tag und Stunde verbreitet. Jene die die Leistung nicht erbringen können oder wollen, gelten als dumm, beschränkt oder sogar lästig. Es gibt zwar Lehrer die ihr bestes geben um die Schüler zu motivieren möglichst gute Leistungen zu bringen, abr nur weil ihnen völlig klar ist: leisten die Schüler nicht viel, werden sie später zu Verlierern abgestempelt sein und ihr ganzes Leben darum kämpfen als etwas Besseres zu gelten. Von Anfang an werden wir in diese Strukturen hineingeworfen und mit egoistischen Ideen manipuliert.

Es muss Arbeiter geben und es muss Menschen geben die diese Arbeiter kontrollieren und steuern. Es muss Menschen geben die nicht hinterfragen und all das kaufen was produziert wird. Ohne diese Menschen würde das System zusammenbrechen und die Menschen liesen sich nicht korrumpieren, kontrollieren und ausbeuten. Daher müsste nicht nur das Bildungssystem völlig neu ausgerichtet werden, sondern auch die Wirtschaft, die Politik und Wissenschaft. Leider sind diese Bereiche wie schon zu Zeiten der Nazis Teil des Problems. Es gibt zwar Menschen darin die aufrichtig sind und für gute Dinge kämpfen, aber die meisten Menschen akzeptieren die Verhältnisse oder erkennen sie nicht und unterstützen sie damit. Die Verhältnisse sind ungerecht, machen unheimlich viele Menschen zu minderwertigen Gestalten die jeden Job annehmen müssen.

Wir sind alle gezwungen mitzumachen wenn wir weiterhin künstlich voneinander getrennt und gespalten werden. Wir alle teilen ein gemeinsames Schicksal. Wir sind alle auf diesem Planeten, haben ähnliche Bedürfnisse, Vorstellungen vom Leben und Glück, sind gleichberechtigt und gleich wertvoll. Warum wir diese allgemein bekannte Tatsache nicht in die Realität umsetzen lässt, ist wohl ein absolutes Rätsel. Ich könnte darüber spekulieren, dass es wohl zu allen Zeiten Menschen gab, die ein Interesse daran hatten, dass sich die Menschen gegenseitig bekriegen, als Konkurrenten betrachten usw. Es gibt bestimmt Menschen die diese Verhältnisse erzeugt und gestärkt haben. Es wird kaum nachweisbar sein wer und warum dies alles gemacht wurde. Es ist extrem schwierig das nachzuvollziehen. Wer ist schon so elitär und  weg von der Realität um für Macht und Kontrolle soviele Menschen zu unterdrücken? Wer könnte so kaltblütig sein? Vermutlich werden wir diese Gestalten niemals erkennen und vor Gericht bringen können.

Uns gefällt es ja mittlerweile auch Leistung zu bringen, zu kämpfen und uns wie früher gegenseitig fertig zu machen. Scheinbar akzeptieren genug Menschen diese Realität als völlige Normalität. Die meisten glauben es ginge nicht anders, nur weil sie es selten oder gar nicht anders kennengelernt haben. Vielleicht haben die meisten Menschen den elitären Vorstellungen genauso nachgegeben wie ihre ursprünglichen und jetzigen Herrscher und Manipuleure. Das Opfer wird zum Täter, zum Komplizen und Helfers Helfer. Alle die von diesen hier und jetzt existierenden Verhältnissen profitieren und nichts tun um die Verhältnisse zu verändern, sind Teil des Problems, Teil des Etablisments und müssten eigentlich erstmal jahrelang therapiert werden. Wir kennen das.

Wir kaufen tolle Produkte, gehen toll Essen, nehmen Drogen und machen auch sonst all das was uns ablenkt. Wenn wir uns aber ablenken kommen wir den Ursachen unseres Wunsches sich abzulenken und gehen zu lassen nicht näher. Warum wollen wir denn frei sein? Weil wir uns nicht frei fühlen. Warum fühlen wir uns nicht frei? Weil wir seit unserer Geburt dazu gezwungen und dazu gebracht werden zu kämpfen, gegeneinander und gegen uns selbst. Für Geld würden wir sogar unsere Mutter oder unsere größte Liebe verkaufen, so gut funktioniert die Manipulation mittlerweile. Noch ein paar Jahrzehnte und Liebe wird verboten, weil sie keinen Profit abwirft.

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