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Nationen voller Sklaven

Die „Gleichheit“ und „Gerechtigkeit“ in unserer Gesellschaft besteht darin, dass jeder Mensch das Recht hat von Kindesbeinen an als Schüler im kapitalistischen Bildungssystem zu einem „mündigen Bürger“ erzogen zu werden, der die „Freiheit“ geniesst, sich in voller Abhängigkeit zum Kapital als Ware Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt in sämtlichen Branchen und Berufen zu verkaufen. Die Unmündigkeit darin wird deutlich, wenn man sich die Wertung der Menschen über die Folgen dieses Verhaltens ansieht. Das Kapital reisst den Planeten ständig nach verwertbarem Material auf, vergiftet, vermüllt und zerstört Wasser, Tierwelt, Land, Luft und Leute, was nur durch die Beteiligung aller Individuen an der kapitalistischen Produktionsweise über ihre Arbeitskraft möglich ist. Gewertet werden diese unübersehbaren Katastrophen als Ungerechtigkeit, Unvernunft, Unmoralisch, Unsinnig, Unerwünscht, was nur mit weiteren Regeln in der Wirtschaft zu lösen sei. Ein Zusammenhang zwischen globalen Wachstumszwang von Staatshaushalten, Konzernen und der globalen Zerstörung von Umwelt oder der Verrohung menschlicher Beziehungen wird nicht gesehen.

Diese verzerrte Wahrnehmung auf die Realität sorgt z.B. für die Fortsetzung des Hungers in aller Welt, während ein paar Kilometer weiter frische Lebensmittel weggeworfen werden, weil sie keinen Käufer gefunden haben. Woher kommt dieser Blickwinkel? Die Identifikation des modernen Menschen mit Leistungs- und Konkurrenzprinzipien beginnt in der „fortschrittlichen Zivilisation“ mit dem Notensystem, dem vergleichen der Schüler untereinander, der Drohung für immer ein Versager zu bleiben, wenn die Noten sich nicht verbessern, durch die Kritik und Anleitung der Lehrer, dem Liebesentzug der Eltern, wenn die Leistungen nicht stimmen usw. Eltern, Verwandte, Lehrer usf. besitzen eine außerordentliche autoritäre Machtposition über den jungen Menschen, der ihnen vertraut, von ihnen abhängig ist, wodurch sich automatisch eine Gläubigkeit in Autoritäten bei den Schülern bzw. Kindern einstellt.

Die gesamte Identität wird mit den Jahren nach und nach darüber aufgebaut inwieweit man sich den Ansprüchen der Autoritäten bzw. der äußeren Welt angleichen kann, die man für absolut logisch und gerecht hält, weil man nichts anderes zu Gesicht bekommt und keine aktiven Rebellionen dagegen kennt. Das Kind unterdrückt im Zuge dessen eigene Wünsche, Bedürfnisse und Hoffnungen, zerbricht chancenlos unter dem Gewicht der Ansprüche der kapitalistisch-geprägten Umgebung. Es übernimmt fortan das Lebensmotto, welches allgemeinhin für die meisten Menschen die Handlungsmaxime ist: Nur wer Leistung bringt kann Liebe und/oder Anerkennung erwarten. Anerkennung und Liebe sind in so einem gesellschaftlichen Zusammenhang immer Mangelware, also wird alles für sie getan.

Ist diese Haltung übernommen wird sie gleichermaßen als Anspruch und Lebenseinstellung gegenüber allen anderen Menschen und der Gesellschaft in allmöglichen Lebenssituationen formuliert: Was nützt mir der Kerl? Was bringt mir der Job? Wieviel bekomme ich für mein Geld im Kaufhaus? Stimmen meine Leistungen im Beruf? Ist mein Arbeitskollege nützlich für das Unternehmen? Werde ich ordentlich regiert? Werde ich gerecht bezahlt? Das Leben wird als Chance begriffen „soviel wie möglich“ herauszuholen und „das Beste daraus zu machen“. Die gesamte Welt erscheint nur dafür existent maximal ausgebeutet zu werden. Das ist nichts weiter als blanker Egoismus, der als notwendige Folge der kapitalistischen Produktionsweise entstehen muss, weil es kein anderes Ansinnen als Leistungs- und Wettbewerbsmaximen gibt, unter denen das Invidiuum sein Leben bestreiten kann. Das bürgerliche Subjekt, welches hier beschrieben wurde, ist das nützlichste Vehikel für das Kapital, weil es die notwendige Sklavenmentalität mit sich bringt.

Eine Hinterfragung der Welt findet aus einer derartigen Sklavenmentalität nicht statt. Die Spielregeln des Kapitalismus werden akzeptiert. Es dominieren z.B. in den Massenmedien immer wieder Fragen wie: Werden die Spielregeln gerecht umgesetzt? Warum greift die Politik nicht ein, wenn dieses oder jenes betrieben wird? Wenn man als Verlierer dieser Spielregeln verhungert, dann ist es aus dieser Mentalität heraus bloss gerecht, denn „wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“. Sozialhilfe oder Solidarität gibt es nur, wenn der Betroffene zu Protokoll gibt, möglichst schnell wieder um Anerkennung und für Profite kämpfen zu wollen und entsprechende Bewerbungen verschickt, was unter dem Banner „Fordern und Fördern“ bei der Arbeitsagentur steht. Solange die Mehrheit der Menschen ihre Liebe und Anerkennung über die Leistung im Wettkampf um Profite erstreiten will, wird sie einerseits unter deren Mangel leiden und andererseits als unmündige Diender des Kapitals die Welt ungeniessbar machen.

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Wer braucht das Oktoberfest?

Die Wiesn ist ein Megaevent in Bayern und das bereits seit vielen Jahrzehnten. Die Besucherzahlen der letzten Jahre belaufen sich regelmäßig im Millionenbereich. Dementsprechend profitieren finanziell einige zehntausend Menschen von den überteuerten Preisen in den Zelten und Fahrgeschäften, im Personenverkehr, in Hotels, bei Stadtrundfahrten usw.  Die Beachtung dieses traditionellen Sauffestes ist weltweit gigantisch. Nun stellt sich schon die Frage warum diese Wiesn derart groß geworden ist und wieso es derart viele Menschen gerade in der örtlichen Umgebung dort hin zieht. Die grosse Menschenmasse, die ein gemütliches Schlendern erschweren, die bereits angesprochenen saftigen Preise, können ja wohl kaum die Attraktivität der Wiesn ausmachen. Viele Menschen werfen sich extra für diese Veranstaltung in hunderte Euro teure Trachten um darin ordentlich einen über den Durst zu saufen. Warum?

Das regelmäßige kollektive Besaufen steht für ein grundsätzliches Symptom von Entfremdung in der kapitalistischen Gesellschaft. Es ist ja nicht nur die Wiesn, die dazu einlädt zu feiern. Fußballspiele, Weihnachten, Ostern, Silvester, Vatertag, Geburtstage, die Heirat von selbsternannten Mächtigen und tausende Clubs, Bars, Pubs, bieten quasi permanent landauf landab die Möglichkeit sich mit dem Nervengift Alkohol und diversen anderen legalen wie illegalen Substanzen abzuschießen. Und diese Möglichkeit wird gerne wahrgenommen. Die Alkoholleichen gehören zum ganz gewöhnlichen Bild auf der Wiesn und überall in Europa und in der Welt. Offensichtlich scheinen nicht nur ein paar Millionen auf der Wiesn etwas miteinander zu teilen. Offenbar teilt die gesamte Weltbevölkerung den Hang sich auszutoben, sich gehen zu lassen, sich von etwas zurückzuziehen und das gemeinsam mit Freunden und Fremden zu praktizieren. Viele Menschen sterben aufgrund des übermäßigen Konsums dieser Drogen. Aber es soll hier nicht der Zeigefinger erhoben werden, es geht darum die Hintergründe des Partyhungers der Bevölkerung näher zu beleuchten.

Manipulation und Konditionierung in der Schule und im Beruf, im Sinne der inneren Logik des Systems

Die Art wie wir leben hängt eindeutig mit der Art zusammen wie wir arbeiten. Den Großteil unseres Lebens verbringen wir auf der Arbeit. Zuvor haben wir einen Großteil unseres Lebens damit verbracht, in der Schule die besten Noten zu erhalten. Der Leistungsdruck und die Prinzipien des Wettbewerbes konnten wir so verinnerlichen. Ein Großteil der Menschheit identifiziert sich also mit dem Konkurrenzkampf in der Welt. Die Schwierigkeiten die daraus hervorgehen sind im Grunde genommen offensichtlich, wenn man einfach mal hinsieht. So sieht man bereits in der Schule und sicherlich auch aus eigener Erfahrung von damals, was schlechte Noten mit einem Menschen anrichten können. Fehlendes Selbstbewusstsein als Folge des Liebesentzuges durch die Eltern, weil die das Kind nur dann hochjubeln und offen als wertvoll erkennen, wenn es zum oberen Notenfeld der Klasse gehört. Natürlich mag es auch tolerante Eltern geben, die ihr Kind nicht maßregeln, ausschimpfen wenn es den Vorgaben in der Schule nicht entspricht. Aber wir wissen wie es in der Regel läuft. Es geht schliesslich „um dein Leben“, „Du lernst für dich, nicht für mich“, „Wenn Du dich nicht anstrengst, wirst Du dein ganzes Leben unglücklich sein“. Jeder hat da seine Individuellen Erfahrungen gemacht, wie mit schlechten Leistungen im elterlichen Haus umgegangen wurde. Die Folgen sind ähnlich individuell.

Manche Menschen kriegen am Ende noch die Kurve, schreiben einen Abschluss der sich halbwegs sehen lassen kann. Andere hingegen werden im Laufe der Zeit zu regelrechten Musterschülern. Der ganze Rest hat verloren. Die Schule ist eine Institution, die die Schüler unter Druck setzt. Der Lehrstoff wird innerhalb kürzester Zeit durchgezogen. Der Lehrplan orientiert sich nicht an der Individualität der Kinder, sondern an den Vorgaben des Staates, der die Anforderungen des Marktes im Blick hat. Die Schule trennt die Menschen also von einander, indem sie via Schulnoten sortiert wer einmal eine wertvolle Arbeitskraft sein wird und wer weniger wertvoll, also leicht austauschbar sein wird. Die große Masse wird später eine Ausbildung in den verschiedenen Betrieben machen und die ganze Brutalität der Lohnarbeit als Selbstverständlichkeit annehmen. Einige machen eine akademische Ausbildung und weisen schliesslich jene an, die eine berufliche bzw. minderwertigere Ausbildung gemacht haben. Der Rest bleibt in Arbeitslosigkeit oder hangelt sich im Niedriglohnsektor von einem miesen Job zum nächsten. Nachdem man also als Kind gelernt hat seine Spontanität und Individualität zurückzustellen, um später einen Job zu erhalten, von dem sie mehr oder weniger gut leben können, steigert sich mit der Zeit der Druck, den man aus der Schule kennt. Ganz still und leise wird man als Auszubildender mit immer mehr und schwierigeren Aufgaben betraut. Man lernt Verantwortung für das Unternehmen zu tragen, wie es so schön heisst.

Nach Übernahme in ein befristetes oder unbefristetes Arbeitsverhältnis steht man also Tag für Tag seinen Mann oder seine Frau am Arbeitsplatz. Die immer selben Probleme treten auf. Kunden beschweren sich, Abläufe funktionieren nicht, müssen optimiert werden, der Chef will Rationalisierungen durchsetzen, Überstunden fallen an und auch das Privatleben gerät immer mehr unter Druck, weil die Eltern ihre Unterstützung Stück für Stück zurückziehen, nachdem sie ihr eigenes Kind fast 2 Jahrzehnte unterstützt haben. Man wird also als ganz gewöhnlicher Lohnabhängiger mit der Routine konfrontiert, die der Kapitalismus schon seit Jahrzehnten praktiziert. Millionen von Menschen kämpfen in den Büros, Baustellen, Lagerhallen dieser Welt um ihren Platz in der Gesellschaft. Es geht ständig darum die eigene Position im Unternehmen und damit auch am Markt zu sichern und erfolgreich auszubauen. Das bedeutet man muss sich als Angestellter gegenüber anderen Angestellten durchsetzen. Damit sind nicht nur die Kollegen in der eigenen Firma gemeint, sondern auch die Kollegen in anderen Firmen. Wenn der Chef Rationalisierungen durchsetzen will, dann um die Konkurrenz für einige Wochen abzuhängen oder zumindest zu ihr aufzuschließen. Überstunden sind wie ein Schlag ins Gesicht für die Konkurrenz, denn die muss da mindestens gleichsetzen, um ihre Anteile am Markt nicht zu verlieren. Natürlich gibt es effizientere Konzerne, bei denen das nicht zutrifft, die also ihre Angestellten nicht zu Überstunden zwingen müssen, damit sie als Konzern am Markt profitabel sind. Aber es geht hier lediglich um eine vereinfachte pointierte Darstellung der ökonomischen Normalitäten.

Wenn man also Überstunden schiebt, dann müssen andere Menschen nachziehen. Wenn ihr Unternehmen die geleistete Arbeit dann nicht in Profit umsetzen kann, war die Mehrarbeit für den Arsch und man gehört für diesen Tag oder u.U. für dieses Quartal zu den Verlierern. Generell wird erst nachdem produziert worden ist, am Markt, beim Verkaufen und Kaufen von Waren festgestellt, inwieweit die eigene Arbeitskraft etwas wert ist. Nicht selten kommt es zu Überraschungen. So können ineffiziente Ausbeuter der Lohnarbeit leicht pleite gehen. Andersherum können Lohnabhängige die keine Überstunden leisten wollen, die sich nicht genug für das Unternehmen einsetzen, die nicht flexibel genug sind, aus dem Unternehmen geworfen werden und durch ein willigeres Humankapital ausgetauscht werden. Wir haben Millionen Arbeitslose, daher ist das überhaupt kein Problem und jeder kennt diese Angst jederzeit rauszufliegen, nicht gut genug zu sein. Man findet diese Ängste bereits in der Schule. Als Kind glaubt man zu wenig wert zu sein und das setzt sich schliesslich im Job fort. Man wünscht sich Anerkennung und die erhält man nur durch Leistung, bzw. Leistung die gesellschaftlich anerkannt wird. Und diese anerkannte Leistung kann man vorwiegend nur am Arbeitsplatz erwirtschaften. Arbeitslose sind nichts wert in dieser kapitalistischen Gesellschaft, sie kosten der Gesellschaft sogar etwas und dementsprechend minderwertig fühlen sich Menschen, die von Sozialleistungen abhängig sind. Das ist alles Teil einer sektenartigen Gesellschaft. So gut wie alle Menschen glauben an die Arbeit, an die Firma, an den Staat, der all diese Zustände gesetzlich legitimiert und jeden einzelnen von uns in den Schulen indoktriniert hat, genau so zu denken, zu fühlen und zu handeln.

Was hat das mit der Wiesn zutun?

Wenn man also aus dem Großteil seines Lebens die Erfahrung gemacht hat, dass man nur dann etwas wert ist wenn man Leistung am Arbeitsplatz bringt und das die Anerkennung oftmals viel zu gering ausfällt, beziehungsweise oft nur ihren Ausdruck in der monatlichen Überweisung findet. Dann fühlt man sich schlecht. Dann fühlt man sich minderwertig. Dann glaubt man immer zu wenig zu liefern, zu wenig zu sein. Daraus bilden sich bei tausenden Menschen psychische Störungen. Es ist mittlerweile allgemein bekannt, dass Millionen von Menschen unter Depressionen und Burnout leiden. Sie fühlen sich chronisch minderwertig und haben chronisch zuviel gearbeitet. Ich unterstelle das sie aufgrund dieser Minderwertigkeitsgefühle und dem Konkurrenzkampfwahn an den nationalen und internationalen Märkten so empfinden und gehandelt haben. Sie sind aufgrund des Kapitalismus und diesem Staat und nahezu allen anderen Staaten weltweit dazu getrieben worden, sich und andere Menschen zu zerstören. Nachdem sie zehntausende Stunden im Job den Anforderungen und Vorgaben entsprochen haben und sie oft übererfüllt haben, fühlen sie sich immer noch nicht glücklich. Auch finden die Anforderungen und Vorgaben vom Markt in Form des Arbeitgebers kein Ende. Wer will, der kann 200 Jahre arbeiten und wird selbst danach immer noch jede Menge aufgebürdet bekommen. Denn das Kapital hat immer eine Aufgabe für seine überlebenswichtige, wertschöpfende Kreatur, namens Lohnabhängiger.

Man stellt sich also zurück wenn man im Job tätig ist. Nur ganz wenige Menschen gehen in ihrem Beruf auf, lieben den Stress, die Routine, die Beschimpfungen der Kunden, die Schwierigkeiten in den Abläufen und die stetig steigenden Anforderungen und Vorgaben am Arbeitsplatz. Viele nehmen diese ganzen Zustände als Normalität hin. Sobald psychische oder physische Schwierigkeiten aufkommen, sehen sie das Problem bei sich selbst und nicht der Art und Weise wie Arbeit in dieser Gesellschaft organisiert wird. Um diese Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen oder ihnen vorzubeugen, wird in der sogenannten Freizeit der Ausgleich gesucht. In der Freizeit wollen die Menschen so sein wie sie wirklich sind. Nur hier dürfen sie auch so sein wie sie sein wollen. Sie müssen hier nicht profitabel tätig sein, auch wenn viele Freizeitaktivitäten mittlerweile exakt diesen Charakter angenommen haben. Sport ist da ein sehr gutes Beispiel. Der Konkurrenzcharakter ist dort extrem im Vordergrund. Jeder will der Beste sein und sich profilieren, Anerkennung ergattern. Anerkennung die man im Beruf oder in der Schule nur ungenügend gefunden hat. Und genau diese Mentalität, die dem Konkurrenzdenken in der Firma bzw. am Arbeitsplatz entspringt, findet sich selbst im Konsum wider. Wer kann sich welche Produkte leisten? Wer kann am meisten Alkohol trinken?

Die Wiesn ist also einerseits eine Möglichkeit sich zu profilieren. Man kann sich die teure Maß leisten und man kann auch etliche davon trinken, ohne gleich kotzen zu müssen. Das soll das andere Geschlecht bzw. generell alle Menschen beeindrucken. Dabei ist es nur Ausdruck von Entfremdung. Entfremdung ist ein Begriff den Karl Marx und Erich Fromm gebraucht haben. Es geht mir in diesem Zusammenhang darum zu zeigen, warum die Wiesn für viele Menschen so wichtig ist. Denn andererseits erhält man nämlich als entfremdeter Lohnabhängiger bei solchen Events, wie der Wiesn, die Möglichkeit sich den Verwertungslogiken, die mittlerweile in fast allen Lebensbereichen wirken, für wenige Stunden zu entziehen. Es gibt nämlich neben der Möglichkeit sich beim Saufen zu profilieren, auch die Möglichkeit sich abzuschießen und damit nicht mehr so zu funktionieren, wie es die Gesellschaft seit der Kindheit an von den Individuen traditionell verlangt. Ich habe also Verständnis für die Alkoholleichen, für die Suchtprobleme in dieser Gesellschaft. Sie sind ein klares Symptom und Indiz für eine Gesellschaft voller Individuen die „im Falschen“ (Adorno) lebt. Dennoch lösen die Individuen ihre Schwierigkeiten nicht, wenn sie jede Möglichkeit wahrnehmen, sich abzuschießen oder sich beim Konsum von Waren zu profilieren.

Die Atomisierung der Individuen findet durch den vom Staat und dem Kapital organisierten Konkurrenzkampf an den Arbeitsplätzen, in den diversen Konzernen und Branchen weltweit statt. Nahezu alle Menschen konkurrieren gegeneinander um einen Bruchteil der Profite, um damit ihre grundlegenden Bedürfnisse zu befriedigen. Die Bedürfnisse der Menschen blockieren sich also gegenseitig, weil nur so die Profitmaximierung stattfinden kann. Nur gewerkschaftliche Organisierung, Generalstreiks, die darauffolgende Steigerung der Kenntnisse bezüglich der ökonomischen Widersprüche, Zerstörungen und der damit einhergehenden Ausbeutung, Entfremdung und Unterdrückung, die Abschaffung des Kapitalismus und des Staates, kann diese Zustände, die den eigentlichen Bedürfnissen der arbeitenden Masse entgegenstehen, nachhaltig abschaffen. Die tatsächlichen Bedürfnisse des Menschen sind mit dem Kauf von Waren nicht vollständig zu befriedigen. Zwar erhalten die Massen eine gewisse Sättigung, denn die Qualität der Produkte im Einzelhandel oder der Unterhaltungsindustrie konnten in den letzten Jahrzehnten, auch durch die Steigerung der Produktivität, ständig verbessert werden. Doch fühlen sich viele Menschen einsam, wie eine Maus im Laufrad, also ständigem Druck, Zwängen und Vereinnahmungen ausgesetzt. Zivilisationskrankheiten machen seit Jahrzehnten die Runde. Millionen sind nachwievor von den Reichtümern der Gesellschaft ausgeschlossen. Darunter auch die Menschen in Afrika, ganz akut in Somalia, die zu tausenden tagtäglich ihr Leben lassen müssen, nur weil sie für die grundlegendsten Bedürfnisse, die hierfür nötigen finanziellen Mittel nicht aufbringen können.

Die Revolutionen und Revolten in Nordafrika sollten uns in Deutschland, Europa und generell in den gesamten Industrienationen dazu aufrütteln, eine Weiterentwicklung der politischen und wirtschaftlichen Organisierung voranzutreiben. Denn der Parlamentarismus, die Vertreterschaft in der Politik, die Ausbeutung der Ware Arbeitskraft bzw. Ware Mensch, ist nicht im Interesse unserer eigentlichen Bedürfnisse und Individualität. Wir treten tagtäglich mit dem Antritt in Schule und Beruf, unsere eigene Identität mit Füßen, wir blockieren die Entfaltung unserer Persönlichkeit, wie die Persönlichkeit aller Individuen weltweit. Was uns seelischen Qualen aussetzt und letztlich an den Bodengrund einer Alkoholflasche führt. Wir sollten saufen wenn wir wirklich etwas zu feiern haben. Wenn tausende tagtäglich verhungern, Millionen Arbeitslos sind, Milliarden in Lohnarbeit versklavt sind und nur eine Minderheit von all diesen Zuständen parasitär profitiert, dann haben wir nicht zu saufen und zu feiern, sondern dagegen zu kämpfen! Wir müssen uns solidarisieren, organisieren und darüber reflektieren wie wir als Gemeinschaft leben wollen!

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Willkommen im Kapitalismus: Wie ein Discounter seine Mitarbeiter ausbeutet

Der besagte Discounter ist nur die Spitze des Eisberges, die anderen Konkurrenten am Markt agieren nicht anders, genauso wie generell sämtliche Konzerne nach demselben Prinzip agieren und funktionieren. Es geht grundsätzlich nur um den Profit, danach wird sich vielleicht auch um alles andere wie Menschenrechte, Umwelt, Nachhaltigkeit und Sinn der Produktion gekümmert. Da der Druck am Markt aber immer heftiger wird, je näher man der Grenze, der möglichen Ausbeutung von Arbeitskraft und der möglichen Senkung von Kosten, angelangt ist, wachsen auch die Risiken und die Zerstörungen in jeder Hinsicht. Als Konzern geht man noch rigoroser gegen Mitarbeiter vor, die nicht alles geben, man fordert generell mehr von allen Mitarbeitern und gleichzeitig erwartet man das Lohnsenkungen ins Bodenlose akzeptiert werden. Bei Lidl wurden die Mitarbeiter jahrelang ausspioniert, Betriebsräte wurden verfolgt und rausgeworfen, Netto agiert hier kaum anders, will laut Frontal 21 sogar wissen was bei Ver.di so besprochen wird. Die Mitarbeiter arbeiten selbst bei Krankheit, bürden sich unheimliche Lasten auf, weil sie es als Mensch nie anders gelernt haben. Wer zuetwas kommen will, der muss auch ranklotzen, der muss auch zeigen das er will und kann, der muss das Jammern sein lassen und entsprechend wie gefordert funktionieren. Das ist aber grundsätzlich falsch! Die Mitarbeiter sollten nicht funktionieren, sie sollten streiken und protestieren. Dazu fehlt ihnen aber leider das entsprechende Bewusstsein, schliesslich haben sie ihr ganzes Leben nur gearbeitet und selbst in der Schule haben sie nur systemkonformes Zeug gehört und auswendig gelernt. Also wird alles nur noch schlimmer, auch weil die Manager es nicht anders kennen, die im Beitrag als die bösen Buben dargestellt werden. Diese versuchen doch bloss den eigenen Konzern an die Spitze zu bringen. Gesetze stören bei der Profitmaximierung natürlich nur, daher schreit dieser Frontal 21 Beitrag genauso wie die Mitarbeiter nach dem Staat: Er soll doch bitte diesen Konzern zähmen und zwingen die Regeln einzuhalten. Aber das löst nicht die Quelle der Probleme. Die Ahnungslosigkeit über die eigene Befindlichkeit, die eigene Rolle im globalen System könnte nicht größer sein.

Von systematischer Ausnutzung durch ihren Arbeitgeber berichten Mitarbeiter und Führungskräfte bei Netto Marken-Discount. Nach ihren Worten herrscht dort ein brutales Klima der Angst und Unterdrückung. Netto Marken-Discount – nicht zu verwechseln mit der dänisch-deutschen Firma NETTO – ist ein Tochterunternehmen der Edeka-Gruppe, der Marktführerin im deutschen Lebensmittelhandel. Die Expansion werde auf dem Rücken der Beschäftigten betrieben, so der Vorwurf der Gewerkschaft Verdi. (Text & Quelle: ZDF)

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Wir hatten unsere Zeit

Anstatt sich zu fragen warum täglich tausende Menschen verhungern, stellen wir uns lieber die Frage warum Einwanderer hin und wieder Einheimische zusammenschlagen. Schockiert fragen Journalisten und Politiker: Wohin soll das nur führen? Was machen wir nur mit den Ausländern? Während unzählige Konzerne den Planeten vergiften und Menschen für Profite vergewaltigen, stellen wir uns die Frage: Ob Kate ihren William wirklich liebt und ob sie der großen Verantwortung gerecht werden kann. Ihr Kleid kostet soviel, es könnte hunderte Menschen in Afrika wochenlang ernähren. Aber es interessiert uns nicht. Uns interessiert wie der FC Bayern spielt, ob der Sarrazin aus der SPD fliegt, mit wem Popsternchen XY vögelt, welcher Modetrend gerade in ist, usw. usf. Wir funktionieren so gut als Zombies einer ignoranten, zynischen, kapitalistischen Realität, wir wissen gar nicht das wir als Lohnabhängige ausgebeutet werden, und wenn wir es wissen scheuen wir uns davor die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Wir müssten sofort unsere Konzerne, Staaten und Parlamente zum Teufel jagen und individuell, direkt Verantwortung für unsere Handlungen und Vorstellungen übernehmen. Stattdessen holen wir uns einen darauf herunter, das die Nordafrikaner die „Freiheit“ entdeckt hätten und sich nicht länger unterdrücken lassen würden, als ob die parlamentarische Demokratie und der Kapitalismus genau das bedeuten würden. Dabei sind sie nur von einem Käfig in den nächsten gewandert und wir applaudieren in unseren Käfigen.

Mal abgesehen davon, das man sich tagtäglich von den Medien einreden lässt, was man zu denken hat, worüber man sich aufzuregen hat, lässt man sich von der Politik und den Konzernen tagtäglich einreden sie wären nur für die Wähler und die Lohnabhängigen da, dabei ist es genau umgekehrt. Wir werden manipuliert und ausgeraubt von der Politik und den Konzernen. Man jammert über den Niedriglohnsektor und sagt, das ist Ausbeutung, das ist gegen die Menschenwürde, dabei wird in diesem Bereich bloß die kapitalistische Grundordnung konsequent ausgelebt. Wenn in Bangladesh Näherinnen für ein paar Dollar am Tag oder in der Woche für C&A, H&M, Kik und auch Edeldesigner ackern, damit wir was schickes für unsere oberflächliche Individualität zum austragen haben, dann ist das nichts anderes als konsequent gelebte Betriebswirtschaft. Je stärker, heftiger und gnadenloser man die Lohnabhängigen ausbeutet bzw. ausquetscht desto besser ist das für den Staat und die Konzerne. Natürlich muss man darauf achten die Leute nicht tot zu quetschen, hierfür ist der Staat da. Und worüber redet man in den Medien, in der Politik und in den Konzernen? Über faule Arbeitslose, mangelnde Fachkräfte, schlägernde Jugendliche und Deutsche in der Minderheit, alles Themen die auch wichtig sind, aber die die eigentlichen Probleme dieser Gesellschaft ausblenden und verschleiern. Nicht selten sind diese Themen nur Symptome für die eigentlichen Probleme.

Unser größtes Problem ist der Kapitalismus und der Parlamentarismus, weil die Menschen unmöglich darin tun können was sie eigentlich wollen und weil sie dazu gezwungen werden einer primitiven Logik zu folgen, die in letzter Konsequenz den Planeten zu einem menschenfeindlichen Ort machen wird und bloß einer Minderheit erlaubt so zu leben, wie sie es für richtig hält. Der Kapitalismus zwingt uns alle, egal ob Arbeitsloser, Ausländer, Zeitarbeiter, unbefristeter Angestellter beim Staat oder in der Wirtschaft, Rentner, Kinder, Polizisten, unsere überlebensnotwendigen Bedürfnisse gegeneinander auszuspielen. Wir müssen egoistische Arschlöcher sein, um etwas für uns und unsere Liebsten zu fressen zu haben. Wir müssen dafür sorgen das jemand anderes an unserer Stelle verliert. Im Kapitalismus muss immer irgendjemand verlieren, damit ein anderer gewinnen kann. Und je höher man steigen will, desto mehr Menschen müssen verlieren. Wenn man sich anschaut wie riesig die Vermögen der Reichen sind, und die Armut der Massen entgegenhält, wird es einem schlagartig klar. Man kann unmöglich durch eigene geistige oder körperliche Arbeit Milliarden verdienen, das wird nur durch massenhaften Betrug und Ausbeutung möglich. Das was für Privatpersonen gilt, gilt für Konzerne ebenso. Die Konzernvermögen wachsen und die Löhne stagnieren. 90 Prozent von uns haben keine Chance jemals der Lohnabhängigkeit zu entrinnen. Wir werden immer der Willkür der Konzerne und Staaten ausgesetzt sein. Wir werden immer in Angst, Unsicherheit und Entfremdung verharren müssen bis uns der Tod endlich von dieser Entmündigung erlöst. Vorausgesetzt natürlich, wir wehren uns nicht.

Arbeit ist scheiße und daran wird sich niemals etwas ändern, weil so wie die Arbeit organisiert ist, kann sie niemals unseren Bedürfnissen und Interessen dienen. Wir dienen als Lohnabhängige zuerst dem Kapital und den Interessen der Kapitaleigentümer. Das sind alles keine großartigen Neuigkeiten, aber trotz all der tagtäglichen Katastrophen, scheint es kaum einen von uns wirklich dazu zu veranlassen handfest dagegen vorzugehen. Stattdessen wird weitergemacht wie bisher, man folgt dem Klatsch und Tratsch, geht wählen, geht arbeiten, gebährt sogar Kinder in diese Maschinerie hinein, als ob man Zeit für sie hätte, als ob man ihnen eine lebenswerte Welt bieten könnte. Es ist doch absoluter Wahnsinn angesichts der unzähligen Taten gegen die Menschenwürde untätig zu bleiben und sogar alles dafür zutun, damit es noch schlimmer wird, indem man den Gesetzen des Marktes und des Staates folgt. Es kann doch kein „Weiter so“ geben, wie die Parteien immer so phrasenhaft daher schwafeln. Und doch geht es genauso weiter. Weil letztlich immer die Isolation vorgezogen wird. Man entscheidet sich immer für das Geld, für die Karriere im Krebsgeschwür, weil es leichter ist. Denn fängt man erstmal an die Probleme tatsächlich nicht als Problem der Politiker oder der Konzerne zu sehen, sondern als persönliches Problem, als Problem der eigenen Nachkommen, muss man alles in Frage stellen und eigene Fehler eingestehen, sein Leben umkrempeln und von Zeit zu Zeit radikaler gegen die Verbrechen vorgehen. Und weil die meisten von uns genau das wissen, überlassen wir es lieber den Anderen und beschimpfen sie hinterher als unfähig, korrupt und so weiter, was ja auch zutreffen mag, aber eben durch unser Handeln und unsere Vorstellungen unterstützt und überhaupt erst möglich wird.

Anstatt sich hinzusetzen, sich zu informieren und sich zu organisieren, macht man sich lieber etwas vor und nährt damit alle nur erdenklichen Katastrophen. Tagtäglich wird millionenfache unterlassene Hilfeleistung praktiziert, weil der Irrglaube vorherrscht, man könne sich nicht ändern und man könne das System nicht ändern. Wir geben die Kontrolle über das Leben ab, indem wir als Lohnarbeiter und Wähler funktionieren, wir machen uns zu Opfern und Tätern, indem wir unsere Zeit und Kraft für die Profite opfern und unsere Stimme zur Legitimierung der Gesetze, die die Art und Weise der Ausbeutung und Unterdrückung festlegen, abgeben. Natürlich ist es nicht nur Ignoranz und Apathie. Wir sind auch gebunden an unsere Jobs, die wie Ketten an uns hängen und jeden moralischen Fortschritt in der Menschheit verhindern. Wir empfinden große Abhängigkeit gegenüber dem Zwang Geld verdienen zu müssen, denn es wurde seit Jahrhunderten kaum anders praktiziert. Alles ist die Sekte. Die Schule, die Familie, die Nachbarschaft, die Medien, Konzerne und Staaten. Alle redeten sie uns ein, es sei gut sich unterzuordnen und zu funktionieren. Alles nur um einem Zweck zu dienen: Profitmaximierung. Wir arbeiten so hart, wir dienen so hart diesem Zweck, wir haben kaum Zeit über etwas anderes nachzudenken. Die Leere und Verzweiflung wächst. Jahrzehntelang hat man sich mit Medien, Party und Hobbys ablenken können. Man hat sich bis zu einem gewissen Grad etwas vormachen können. Die Frage ist: Wie lange noch? Wann werden die üblichen Unruhen und Katastrophen außer Kontrolle geraten? Vielleicht sind Fukushima und Gaddafi Vorboten einer Menschheit die sich heftiger als jemals zuvor selbst zerfleischen wird.

Auch dieser Text wird bestenfalls zu fruchtlosen Debatten und billigen Anschuldigungen führen, denn keiner will tatsächlich etwas verändern. Wir ereifern uns lieber in Grabenkämpfen und kleinlichen Streitereien, anstatt uns auf die wesentlichen Probleme der Menschheit zu konzentrieren. Wir sind satt und müde. Wir sind froh nicht hungern zu müssen. Es genügt uns die Universität besuchen zu dürfen und als Lohnabhängiger zu funktionieren. Es ist okay betrogen, unterdrückt und ausgebeutet zu werden, wenn für uns genug dabei abspringt. Wir sind fette Sklaven, die dank der Produktivitätssteigerungen noch fetter werden. Und wir werden anderen Sklaven jedes Gramm Zucker, jeden Kinofilm und jeden sorgenlosen Nachmittag am sonnigen See verweigern, weil wir wissen, das unser Wohlstand nur ein Wohlstand auf Zeit ist. Bald haben wir uns in die Steinzeit gefressen, gearbeitet und gekämpft. Man möchte dieser uneinsichtigen, selbstsüchtigen Masse den letzten Tritt geben, welcher sie in den Abgrund fallen lässt. Wir als glattrasierte, nikotinrauchende, blechkübelfahrende Affen haben es wohl nicht anders verdient. Unser Raumschiff brennt und die Sonne explodiert. Wir hatten unsere Zeit. Was mag bloss als nächstes kommen?

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Pornografie für die Verdammten dieser Erde

Ihr schuftet freiwillig bis ihr verreckt, Ihr wählt freiwillig wer Euch betrügt und ausbeutet, weil ihr glaubt es sei Ausdruck von Freiheit für Konzerne zu arbeiten und Parteien zu wählen. Ihr seid jederzeit korrumpierbar, jeder kann Euch kaufen, auch wenn das den Tod von Menschen, Tieren und der Umwelt bedeutet. Ihr unterstützt das Prinzip der Ausbeutung, welches Milliarden knechtet und eine elitäre Minderheit privilegiert, mit Eurer Schulbildung, Ausbildung, Karriere, Arbeitskraft, Bewusstlosigkeit, Apathie, Lethargie, Ignoranz und Schizophrenie. Ihr verschachert Euer einzigartiges, unendlich wertvolles Leben für Geld, es ist Euch egal was das bedeutet. Und selbst wenn: Eure Bedenken, Zweifel und Gefühle habt ihr längst verraten und verdrängen gelernt. Jetzt hungert ihr gelegentlich nach Leben, Zeit, Genuss, wertvollen Momenten und starken Freundschaften, wie all die anderen Verdammten dieser Erde, weil ihr eben doch nicht alles verraten, vergessen und verdrängen könnt. Ihr seid Menschen deren Träume und Bedürfnisse gelebt und wahrgenommen werden wollen.

Was wollen Konzerne?

Die Konzerne wollen Eure Arbeitskraft auspressen, das gilt immer und global, egal wie nett die Kollegen sind oder wie interessant die Arbeit ist. Daher interessiert sich der Konzern nicht für Eure Bedürfnisse, alles was ihn interessiert ist: Wie kann man möglichst effizient viel Zaster aus dem Humankapital holen. Natürlich funktioniert das auch indem man das Humankapital freundlich behandelt, es nicht mit Befehlen verschreckt und ein Dienstauto gewährt oder Überstunden bezahlt. Der Wolf kommt sozusagen im Schafspelz daher. Die Freizeit wird immer geringer und kann immer weniger ausgelebt werden, weil wir zu erschöpft aus der Arbeit kommen. Die Arbeit intensiviert sich mit zunehmender Entwicklung der Konkurrenzkämpfe an den weltweiten Märkten. Immer mehr Konkurrenten drängen auf den Markt und verkomplizieren den Verkauf von Waren, weil es zu viele Anbieter und zu wenig Nachfrage gibt. Daher gilt es z.B. auch als modern nach der Arbeit mit den Kollegen und dem Boss noch einen saufen zu gehen, dies dient dazu versteckte Arbeitskraft ausfindig zu machen, denn: Wenn man sich miteinander identifiziert, funktioniert man als Team auf dem Markt besser und hat folglich auch mehr Chancen auf höhere Profite. Nun stellt sich die Frage: Wo ist eigentlich der böse Kerl der uns auspresst? Kann man ihn gepflegt zusammenscheissen oder umstimmen? Der so genannte Kapitalist steckt mittlerweile in uns allen, aber vor allem in jenen Leuten die an Schlüsselpositionen des Kapitalismus sitzen und einfach nur ganz harmlos ihren Job machen. Das kann der Niederlassungsleiter sein, der Abteilungsleiter, die Vorstandsvorsitzenden und so weiter. Diese Leute schauen sich die ganze Zeit genau an wie die Zahlen sind und dann entscheiden sie was für den Konzern möglicherweise am besten ist. Müssen Leute rausgeworfen werden? Müssen die Leute angetrieben werden, damit sie schneller und mehr arbeiten? Wie kann man sie dazu bringen? Hierfür gibts ziemlich ulkige Lehrgänge für Führungspersönlichkeiten. Im Grunde ist das nur ein Seminar für moderne Sklavenhalter. Um die Frage zu beantworten ob man diese Leute umstimmen kann: Ja, sicher, aber das wird wahrscheinlich nur zu einer Pleite des Konzerns führen und würde das System nicht ändern. Firmenpleiten gehören zum Alltag.

Eine Welt voller Sklaven

Im Prinzip hängen also auch die Bosse und leitenden Angestellten am Busen des Kapitalismus. Ihre Jobs hängen genauso von den Profiten ab wie die Jobs aller anderen. Nur haben sie natürlich höhere Gehälter, damit auch mehr Sicherheiten, verfügen aufgrund ihrer Position über ein ganz anderes berufliches Netzwerk, welches sie in der Regel bei Insolvenz nicht in den sozialen und finanziellen Ruin führen wird. Außerdem sehen diese Führungspersönlichkeiten oft Monate vor der Insolvenz die tatsächliche Lage des Unternehmens und können entsprechend früh Maßnahmen für den weiteren Verlauf der Karriere ergreifen. Gewöhnliche Angestellte, Praktikanten, Azubis, 0 bis 400 Euro Jobber, Zeitarbeiter, Angestellte mit befristeten und unbefristeten Arbeitsverträgen haben da meist keine Chance. Es wird generell gern gehofft das sich alles „zum Guten“ wenden wird. Der Konzern wird einen schon nicht rauswerfen, vor allem nicht nach all den Jahren, nach allem was getan und investiert wurde. Die Naivität der Leute ist gigantisch. Sie glauben nur weil sie ihre Arbeitskraft verkaufen, wäre Dankbarkeit und Solidarität seitens des Konzerns zwingend erforderlich. Aber das einzige was zählt ist der Profit und wenn Angestellte die Kohle nicht mehr reinbringen, haben sie sich ganz einfach ohne murren zu verpissen. Egal ob sie sich zukünftig vom Müll anderer Angestellte und Bosse ernähren müssen, ihren Lebenspartner, ihre Wohnung oder ihren Lebenswillen verlieren. Es gibt keine Gnade in diesem System und es gibt auch keine Reformen die das jemals ändern werden, denn dazu müsste man grundsätzliche Mechanismen der kapitalistischen Produktionsweise aufheben, u.a. die Profitmaximierung.

Das Elend hat unzählige Gesichter

Man muss sich nur ansehen wie Menschen in Chile, Indien, Afrika, Brasilien, China, Ukraine, Bangladesh bzw. generell Indonesien und in vielen anderen Ländern behandelt werden. Die Konzerne wandern in diese Länder ab, weil die Löhne sehr gering sind. Die Löhne sind u.a. so gering weil diese Menschen noch nie etwas von Menschenrechten oder Menschenwürde gehört haben. Sie wissen nicht welche Rechte sie als Menschen, als Angestellte haben. Es gibt keine Versicherungen oder zusätzliche Leistungen für Gesundheit und Alter. Das freut die leitenden Angestellten der diversen Konzerne und sie investieren in diese Regionen um mit höchsten Profiten ihre Ware an den heimatlichen Märkten zu verschachern. Viele Menschen sterben dort weil es keinerlei Sicherheit am Arbeitsplatz gibt, weil es Geld kosten würde so etwas einzurichten und weil es sowieso egal ist, denn jeder Angestellte kann jederzeit durch einen nächsten armen Lohnabhängigen ersetzt werden. Menschen in Japan bringen sich nicht selten um, wenn sie ihren Job verlieren. Sie haben sich so sehr mit dem Konzern identifiziert, sie glauben ohne Job seien sie wertlos. Diese Überidentifikation konnte möglich werden aufgrund der Lohnabhängigkeit und Entfremdung. Die Menschen drohen zu verhungern, drohen den Kontakt zur Gesellschaft zu verlieren, wenn sie kein Geld haben. Dieses Geld können sie nur erhalten wenn sie die Bedingungen der Konzerne akzeptieren. Sie müssen also den leitenden Angestellten gefallen, sonst haben sie keine Chance. Somit befindet man sich als Lohnangestellter immer in einer Erpressungsituation. Das gilt nicht nur für Kinderarbeiter oder in extremen Elend lebende Hungernde, sondern auch für den Hartz IV Empfänger, einem Rentner oder einem Schüler, für die eigenen Eltern hier in Europa oder Amerika.

Das Elend in Deutschland

Hartz IV Empfänger können nicht von den Sozialabgaben leben, sie werden von den Konzernen nicht gebraucht, die Medien, Politiker und Nachbarn inszenieren sie gerne als Asoziale, dabei sind sie nichts anderes als die Hungernden dieser Welt, sie gehören zu den Verlierern im System Kapitalismus. Beobachtet mal wieviele Leute an den Haltestellen oder Stadien nach Müll suchen. Es gibt keine Jobs für alle Menschen, das ist Systembedingt, denn Jobs sind teuer und minimieren Profite. Rentner können nicht mehr von ihrer Rente leben und müssen sich Zuverdienstmöglichkeiten erschließen, meist als 400 EUR Jobber, gehen putzen oder fahren Taxi und das nach vielen Jahren Lohnarbeit. Die Politik spricht davon wie toll das ist, denn der Staat profitiert natürlich davon wenn die Leute statt für ihr Recht und Geld zu protestieren lieber arbeiten gehen. Schüler müssen ihre Noten ständig optimieren um bei Bewerbungen positiv aufzufallen. Diese jungen hoffnungsvollen Menschen werden hier erneut auf Zahlen reduziert, obwohl kein Mensch in eine Schublade passt! Ich nenne das Alltagsfaschismus der kapitalistischen Bürokratie, die übrigens auch beim Staat gelebte Normalität ist, gerade was die Arbeitsagenturen angeht. Die eigenen Eltern müssen wie die meisten Lohnabhängigen im beruflichen Alltag diversen Repressalien und Widerständen trotzen. Motzende Kunden, Zeitdruck, Termine, Verpflichtungen, Meetings, immer wieder Probleme in den Abläufen, fehlende Unterstützung aufgrund von Rationalisierungen, ignorante und arrogante Sprüche von Oberen, eine sich tagtäglich wiederholende Zermürbung des einzigartigen menschlichen Wesen findet mit unendlich vielen Nadelstichen ihren bitteren rauen Ausdruck. Unsere Eltern müssen uns quasi nebenbei großziehen und erziehen. Sie leiden selbst darunter wenig Zeit für ihr Kind zu haben. Kinder sind überhaupt eine sehr teure Angelegenheit, wer kennt sie nicht? Die Angst beim Sex, ein Kind zu zeugen was man nicht bezahlen kann? Dies muss als Armutszeugnis dieser kapitalistisch geprägten Gesellschaft verstanden werden.

Ausbeutung der Tierwelt

Tiere werden im Kapitalismus ähnlich wie die Menschen lediglich als Quelle für Profite betrachtet. Deshalb gibt es diese sehr merkwürdige Entwicklung der Massentierhaltung. Tiere die zu tausenden in abgeschotteten Hallen auf ihre Schlachtung warten, Antibiotika und Fleisch in ihrem Futter akzeptieren müssen, und später als Bioqualitätsfleisch an den Konsumenten bzw. Lohnabhängigen verschachert werden sind ganz normale Zustände. Der Preisdruck treibt die „Fleischproduzenten“ dazu immer mehr Tiere unter immer kosengünstigern, also schlimmeren, Bedingungen einzusperren. Es gibt natürlich gesetzliche Kontrollen, diese finden in der Realität aber viel zu selten statt. Egal ob in der Kosmetik- oder Textilindustrie, Forschung, Ausbeutung der Tierwelt ist allgegenwärtig. Die zunehmende Lust auf Fleisch und Milchprodukte sorgt für ein immer größer werdendes Heer von Schlacht und Melktieren und damit auch für eine wachsende Zahl von Tieren die großes Leid erfahren müssen. Die Palette der Grausamkeiten ist facettenreich, die Tiere werden bei lebendigen Leib geschlachtet, trotz aller Vorkehrungen, werden mit gebrochenen Beinen zur Schlachtung gezerrt oder müssen aus vereiterten Eutern Milch geben. Fast-Food-Ketten preisen mit ihren teuren Werbekampagnen ein sorgloses und harmonisches Verzehren ihrer Produkte an. Prominente, bei denen man nicht weiß aufgrund welcher wichtiger Leistungen sie prominent sind, starren mechanisch in die Kamera, machen auswendig gelernte Späßchen, die laut Marketingagentur am besten ankommen, zeigen ihre tolle Figur und beissen grinsend in Tierleichen. Propaganda ist allgegenwärtig, aber hier findet sie ihre absolute Vollendung u.a. auch mit einem manipulierenden Slogan der einem einreden soll was man liebt. Jeder weiß auf welche Kette ich hier anspreche, was für den Erfolg der Kampagne spricht, was wiederum viele tausend gequälte Tiere bedeuten wird. Die Menschen essen viel zu viel Fleisch, mehr als es ihnen gut tut, und uns tut nur sehr wenig Fleisch tatsächlich gut. Einmal im Monat würde so ein Burger völlig reichen. Mittlerweile haben sich die Fast Food Ketten aber wie eine Seuche verbreitet, sie finden sich in Stadtzentren, in der Nähe von Schulen, Bahnhöfen oder Stadien. Auch hier schauen sich Angestellte und Führungspersönlichkeiten die Zahlen genau an, wo können wir am meisten Geld machen? Ihre Kampagnen zielen ebenso nur darauf ab möglichst viele Menschen zu verführen. Es spielt ihnen in die Karten wenn die Menschen auf die Tiere und die Gesundheit scheißen, daran ändern ihre Alibi-Salate, glückliche-Kühe-auf-saftigen-Wiesen-Spots auch nichts.

Ausbeutung der Natur & Umweltverschmutzung

Wenn der Fleischkonsum steigt, steigt die Zahl der Tiere die geschlachtet werden müssen und damit steigt auch die Zahl der Futtermitteltonnagen. Wälder müssen gerodet werden damit Soja und ähnliches angebaut werden kann, um die Millionen Nutz- und Schlachttiere zu füttern. Würden wir in der westlichen Welt weniger Fleisch verzehren könnten wahrscheinlich tausende Menschen vor dem sicheren Hungertod gerettet werden, denn Soja könnte auch von ihnen gegessen werden. Aber da die Hungernden dieser Welt kein Geld haben, sind ihre Bedürfnisse für unser System irrelevant. Es macht mehr Sinn die Umwelt zu zerstören, Tiere mit Genen und Züchtung in immer kürzerer Zeit auf ein ertragsreiches Schlachtniveau zu bringen, ihr Fleisch und Futtermittel um die halbe Welt zu karren, horrende Energie zu verschwenden um am Ende Konsumenten mit zuviel von allem krank zu machen, die Gesundheitssysteme zu belasten und Kindern ihre Väter und Mütter zu rauben. Fettleibkeit ist eine Epidemie, die diverse Zivilisationskrankheiten auslöst. Herzrythmusstörungen, Asthma, Allergien, es gibt unzählige Beispiele. So bringt der Fleischkonsum auch eine zunehmende Verschmutzung der Umwelt mit sich. Das betrifft aber auch viele andere Produkte, egal ob Computer, Handys, Fernseher, Autos, Motorräder, diverse Lebensmittel von Kakao, Kaffee über Bananen usw. Was tagtäglich aufgrund unseres Konsumverhaltens durch die Welt gefahren, verschifft und geflogen wird, ist unermesslich. Der Ölverbrauch steigt von Jahr zu Jahr, der Hunger sämtlicher Industrienationen ist ähnlich unermesslich wie unsere Suche nach neuen Konsumerlebnissen. Wir langweilen uns weil wir unsere wirklichen Bedürfnisse nicht kennen, weil wir unglücklich sind im Job, in der Familie, in der Liebe oder mit uns selbst. Deshalb brauchen wir Ablenkung statt Lösungen. Dies führt unweigerlich zu Ölkatastrophen. Es gehört mittlerweile zum normalen Wahnsinn: Tiere die in Ölteppichen ersticken, hundertausende Liter Wasser werden zu einer giftigen Suppe die alles verklebt und abtötet. Regelmäßig laufen Tanker auf Grund oder sinken, Ölplattformen gehen in Brand oder Bohrlöcher sorgen für monatelange Verschmutzung. Wir brauchen Rohstoffe wie Öl um unsere Produktion aufrechtzuerhalten. Die Konzerne wollen jedes Jahr mehr Computer, Handys, Fernseher, Autos, Motorräder uvm. verkaufen. Dieser Energiehunger hat uns in die Atomkraft getrieben. Die Atomkraft sorgt in Fukushima für einen strahlenden Alptraum. Sogar das Meer wird nun verstrahlt. Die Technik ist nicht beherrschbar, Kritiker sagen das seit Jahrzehnten. Aber man ist verliebt in die Idee. Nachdem Milliarden investiert wurde, will man umso mehr Milliarden wieder heraus holen. Es gibt hunderte Atomkraftwerke und kein Endlager, es gibt Studien die eine Häufung der Krebserkrankungen rund um Atomkraftwerke belegen. Das sind eben Kollateralschäden. Tausende Tiere und Menschen sterben für den zweifelhaften Wohlstand der Massen. Dafür traten Politiker wie Merkel und Kohl ein. Die Zerstörung der Weltmeere, Wälder, Naturschutzgebiete, einzigartiger Lebenswelten wie auf Madagaskar gehören zur traurigen Normalität im Kapitalismus. Je mehr die Menschen sich von den Versprechen der Konzerne und Parteien verführen lassen, desto stärker werden die Bedrohungen und Zerstörungen ausfallen und fortschreiten.

Plädoyer

Wenn also Konzerne Menschen, Tiere und Natur für die Profite auf zerstörerische Art und Weise ausbeuten, bis sie nicht mehr überleben können, stellt sich doch die Frage warum all das weiter betrieben wird. Es gibt diesen Irrglauben, die Politik müsse das alles Regeln. Der kleine Mann sei ja völlig machtlos, obwohl er tagtäglich in den Betrieb rennt und seine Arbeitskraft investiert und damit die ganze Maschinerie legitimiert und am laufen hält. Manchmal denke ich: Es braucht nur einen einzigen Generalstreik und dann ist Schluss mit diesem ganzen Scheiß! Aber nein, die Leute reden sich ein, sie können es nicht ändern, glotzen daher lieber seelenlose Sport-, Sing- und Modelwettbewerbe, jammern wie dumm das doch alles ist, gehen saufen, ficken Menschen die sie nicht lieben, zeugen leere Kinder, wählen Parteien die diese ganze Situation mit Gesetzen legitimieren und prostituieren sich am Arbeitsmarkt für ein paar Kröten. Wieso machen die Leute Jobs die ihnen nicht gefallen? Warum machen sie miese Arbeitsbedingungen mit? Sie empfinden eine große Ohnmacht wenn sie die Katastrophen dieser Welt erleben. Die kapitalistische Gesellschaft hat die Individuen atomisiert. Jeder für sich, jeder gegen jeden, Ellbogengesellschaft, wir kennen die Schlagworte. Wir glauben keine Macht zu haben, weil wir bei den Wahlen unsere Stimme und am Arbeitsplatz unsere Individualität abgeben. Wir tun das aus Tradition, weil es bislang immer so gemacht wurde. Jene die dies hinterfragt haben mussten schwere gesellschaftliche Repressionen ertragen, denn die freiheitlich-demokratische Welt ist keine freie Welt. Warum musste Martin Luther King jr. sterben als er sich für die Rechte seiner Brüder und Schwestern eingesetzt hat? Oder Malcolm X? Warum musste Rudi Dutschke sterben als er beharrlich die Unbrauchbarkeit unseres politischen und wirtschaftlichen Systems anklagte und zu mehr zivilen Ungehorsam aufrief? Warum landen Anarchisten wie Jörg Bergstedt im Knast, wenn er sich im Namen von uns allen gegen Genfood einsetzt? Warum werden Menschen in gesellschaftskritischen Projekten von Spitzeln selbst in ihrem Bett überwacht? Warum erhalten dagegen Politiker wie Roland Koch, der in seinen Wahlkämpfen mit ausländerfeindlichen Parolen auffiel, das Bundesverdienstkreuz? Warum wünscht sich der bayrische Minister Seehofer Betrüger wie Guttenberg an der politischen Spitze? Es gibt ganz offensichtlich Interessengegensätze in dieser Gesellschaft deren Hintergründe nur in zeitintensiven Recherchen begriffen werden können. Meine Ausführungen können diesbezüglich nur unzureichend sein. Aber ich appelliere an jeden Leser sich undogmatisch und ohne Tabus die Zustände dieser Welt anzusehen und darüber zu reflektieren. Es muss unser gemeinsames Anliegen sein nachhaltige und wirksame Alternativen und Veränderungen voranzutreiben. Es kann nicht sein das die Ausländer, der Islam oder Sozialhilfeempfänger zum Problem erklärt werden, Hetze betrieben wird statt Aufklärung und Dialog, unser tatsächliches Problem ist ein globales, nämlicher der Kapitalismus und gegen ihn muss mit allen friedlichen Mitteln gekämpft werden.

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Kahlschlag

Die FDP ist in einer Krise, heißt es. Sie hätten nur materielle Dinge in den Vordergrund gestellt, anstatt sich auf die Werte des Liberalismus zu besinnen, sich für Bürgerrechte und Freiheit einzusetzen. Nun möchte man diese Diskrepanzen damit lösen ein paar Köpfe auszuwechseln. Ein leere laufende Sprechblase wird durch eine andere ersetzt. Was natürlich gar nichts an den fehlenden Inhalten verändern wird, man sieht es an der „jungen Generation“ in der FDP: Schmierölglatte Typen wie Lindner propagieren plötzlich den Atomausstieg, nachdem die Partei Jahrzehnte die AKWe akzeptierte. Ähnlich die CDU. Die sogenannten Mächtigen schielen auf die Profiteure von Fukushima: Die Grünen. Blöd gelaufen. Auch für uns, als arbeitende Bevölkerung werden wir weder von der FDP, CDU, den Grünen und den restlichen Parteien jemals eine Politik erwarten können, die zu einer Befreiung aus der Lohnabhängigkeit und Profitmaximierung führen wird. Alle wollen an die Macht, alle sehen kein Problem im Kapitalismus. Okay, außer vielleicht „die Linke“, aber man muss sich nur ansehen was die in Berlin angerichtet haben, sie unterscheiden sich kaum von anderen, wenn sie erstmal in der Regierung sind.

Und während tagtäglich tausende Menschen verhungern stellt man sich die Frage wie das Land ohne die FDP auskommen soll, wieso die Kanzlerin nicht einmal mehr die Verwaltung ihrer Kollegen und der diversen Themen auf die Reihe kriegt. Während Millionen Menschen unter den Leistungsprinzipien ächzen, erkranken und zerbrechen, stellen sich die Politiker und Manager nur eine Frage: Wie können wir dieses Land zu mehr Wachstum verhelfen, wie können wir noch mehr Profite erzielen? Die ganze degenerierte Gesellschaft hat nur noch diese Vorstellung im Kopf, alles wird darauf reduziert, es ist der größte gemeinsame Nenner, welcher alle Menschen und Zusammenhänge auf den Punkt bringt. Während Hartz IV Empfänger in ihren subventionierten Plattenbauwohnungen vergammeln, Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa absaufen, in wilden Plastikzelten auf „unserem Land“ campieren, rascheln die Vermögenden der Welt mit den neusten Gewinnen und quälen sich mit der Frage: Wohin mit dem ganzen Zaster? Irrsinnige Zustände die ich schon unzählige Male angesprochen habe. Aber es passiert nichts. Es interessiert keine Sau ob Menschen verhungern oder ertrinken weil sie am falschen Ort geboren wurden und zufällig keine Möglichkeit haben ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Wir sind so sehr damit beschäftigt eigene Fortschritte im System zu machen, denn wir wollen Party am Wochenende, ein Auto, ein Haus, eine Frau, vielleicht sogar Kinder und 2-3 Mal im Jahr eine fette Urlaubsreise.

Wer ist schuld? Die inhaltslosen Parteien? Die Gesellschaft als solche, die sich stets selbst einredet wie wichtig Profite sind? Es ist eben nicht einfach. Es gibt keinen präzisen Bösewicht, man kann nicht sagen die FDP oder Merkel oder Ackermann ist an allem schuld. Natürlich tragen sie eine besonders hohe Verantwortung und entsprechend auch einen größeren Anteil an der jetzigen globalen Situation der Menschheit. Sie blockieren mit ihren Worten und Taten die Rettung von Hungernden, Ausgebeuteten und Unterdrückten. Sie sehen vorwiegend die Interessen der Konzerne, deshalb sind sie konservativ. Für sie sind Profite deshalb so wichtig, weil sie glauben dadurch liessen sich die Bedürfnisse der Menschen am ehesten befriedigen. Aber das entspricht nicht der Realität. Je mehr sie den Profiten Wert beimessen desto schwieriger wird es für die Menschen ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen. Kaum einer ist heute in der Lage Lebensmittel aus dem nahegelegenen Wald zu beschaffen oder simpler die Baumarten zu bestimmen, aber jeder kennt die Burger von den Fast Food Ketten, jeder kennt die Marken dieser kapitalistischen Welt. Ist das nicht eine klare Aussage darüber wie entfremdet wir bereits leben? Wenn Parteien und Konzerne keine andere Antwort als Wachstum, Leistung und Konkurrenzkampf kennen, dann spiegeln sie auch am deutlichsten wieder woran die Menschen glauben. Es ist schwierig einem Nazi seinen Rassismus auszureden, genauso schwierig ist es mit den Lohnarbeitern oder Kapitalisten. Wie will man ihnen erklären, in welcher Situation sie sich seit Jahren und Jahrzehnten befinden?

Viele haben sich mit ihrer Situation identifiziert. Als Schüler kämpft man noch damit, immer dieser Leistungsdruck, immer diese Prüfungen, warum muss das sein? Aber letztlich ergeben wir uns früher oder später und in den meisten Fällen, den Schuldzuweisungen und Bevormundungen der Eltern und Lehrer. Sie meinen es ja nur gut mit einem, auch wenn es letztlich die Katastrophen dieser Welt verschlimmert. Die Eltern und Lehrer haben es nicht begriffen, wie sollen es die Kinder begreifen? Es war schon immer so, Du kannst nichts ändern, Du bist ein Träumer, ein Idealist, Du solltest lieber etwas vernünftiges tun. Jeder kennt diese Sprüche wenn man grundsätzliche Probleme kritisiert. Wenn man sich wie die Eltern und Lehrer damit abfindet, haben die Hungernden und Lohnabhängigen dieser Welt einen Mitstreiter für ihre freie Entfaltung verloren. Die Schulen sind nichts weiter als eine Fabrik, die die jungen Menschen darauf abrichtet im späteren Berufsleben zu funktionieren. Dies funktioniert nur indem man die jungen Menschen bricht, diszipliniert und Befehle verteilt. Natürlich wird das immer auch mit einer verwässterten Pädagogik aus den 60ern verkauft, aber im Grunde genommen ist klar das man die besten Noten fordert. Alle die nicht ins Raster und in die Vorstellungen passen werden als kranke und unwillige Kreaturen bezeichnet, man schickt sie zum Psychiater, gibt ihnen Medikamente, setzt sie mit unzähligen Mitteln unter Druck. Und im Fernsehen wird verkündet: Leistung bringt uns alle nach vorn!

Wahr ist aber das die Politik und die Wirtschaft uns nicht weiterhelfen können. Profite führen nicht zu mehr Glück. Ist es ein Zeichen von Reife Flüchtlinge ersaufen und Hungerne verhungern zu lassen, während man genüßlich Döner isst? Ist es ein Zeichen von Reife einen BMW zu fahren und bereits nach einem weiteren Fahrzeug zu gucken? Gerade wenn man die beiden Fragen im Zusammenhang sieht kann man die Frage recht eindeutig beantworten. Wir müssen uns ganz persönlich fragen warum die Politik und Wirtschaft uns nicht weiterhelfen kann. Es macht keinen Sinn wählen zu gehen, genauso wie es keinen Sinn macht arbeiten zu gehen. Denn in beiden Fällen wird man betrogen, einmal auf das Recht die Gesellschaft nach den eigenen Bedürfnissen mitzugestalten und einmal um den vollen Reichtum der Gesellschaft. Politiker können unmöglich die Bedürfnisse von Millionen von Menschen kennen und umsetzen, dies ist Sache der Menschen selbst. Kapitalisten können unmöglich ihre Profite aufgeben, nur um den Menschen ein freies leben zu ermöglichen. Es wäre schlicht ihr Ende! Deshalb müssen sich die Menschen selbst organisieren, sie müssen sich politisieren, sie müssen sich verinnerlichen wie dramatisch ihre Lage und die Lage ihrer Brüder und Schwestern in aller Welt ist. Es ist schwierig aus der Perspektive des Konkurrenzkampfes herauszugelangen, schliesslich ist das Fernsehen und die Gesellschaft voller Wettkämpfe und Schaukämpfe. Auch die Branchen sind freilich voller Kampf, es geht stets darum den Schwachen zu prügeln um ihn sein Brot zu nehmen. Achtet darauf wenn ihr von der Arbeit nach Hause fahrt, wie Menschen im Müll nach brauchbaren suchen. Sie sind die Verlierer. Sie waren nicht stark genug für die Marktwirtschaft. Sie haben sich eben nicht genug anstrengt, aber ist es fair sie in unwürdigen Zuständen krepieren zu lassen?

Die Einsamkeit und Leere, die wir durchaus als gewöhnliche und alltägliche Gefährten kennen, wird nicht aufhören wenn wir uns nicht fragen warum wir soviel arbeiten und kämpfen müssen. Wir müssen uns fragen warum die Demokratie uns nicht das liefert was wir wollen. Natürlich müssen wir uns auch erst einmal klar werden was wir wollen.

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Ausbeutung & Unterdrückung ist nur durch Deine Bewusstlosigkeit möglich

Es herrscht immer noch Krieg zwischen den Menschen, egal ob als Nationen, Konzerne, Klassen, Gruppen zusammenfasst oder als Individuen innerhalb dieser Gruppierungen. Alle haben sich gewissen Plänen verschrieben. Es geht ihnen um Erfolg, Anerkennung und Fortschritt. Doch egal was erreicht wird oder nicht erreicht wird, generell sind die Menschen damit unzufrieden. Also folgen sie immer weiter Plänen die sie sich mit ihrem Verstand bzw. ihrem Ego erdacht haben oder die sie von jemand anderen eingeredet bekommen haben.

In der Schule wird damit angefangen den Menschen zu erzählen wie das Leben zu laufen hat. Es gibt keine Alternative und man darf als Schüler auch nicht einfach weggehen. Man muss zuhören, man muss mitmachen, man muss den Prinzipien und Vorstellungen der Lehrer, des Lehrplanes, der Eltern, der herrschenden Meinung gehorchen und sich dieser unterwerfen. Denn tut man dies nicht, wird man entsprechend bestraft, je besser man folgt, je mehr man aktuell geltende Ansichten des Zeitgeistes verinnerlicht und fehlerfrei widergibt, desto mehr Erfolg in Form von Noten, sozialen Aufstieg gibt es dann auch.

Diese Form des Forderns, Belohnens und Strafen, ist quasi überall Realität. Egal ob als Hartz IV Empfänger, Manager oder US-Präsident, Du hast Regeln zu folgen, Regeln denen wir uns unterworfen fühlen, Regeln die wir nicht selbst beeinflussen können. So hat man uns das immer eingeredet und entsprechend funktioniert die Welt. Tagtäglich herrscht Krieg zwischen den Menschen, sie kämpfen in Konzernen um Profite, um ihre Arbeitsplätze, um ihren Lebensstandard und am Ende des Tages gibt es immer einen Gewinner und einen Verlierer. Meistens sind es die Menschen die in den letzten Jahrhunderten generell die Verlierer waren. Die Menschen in der Dritten Welt haben schlechte Karten, weil bei ihnen Kapitalismus nie Sinn gemacht hat und sie ihn auch niemals praktiziert haben.

Man sagt die Afrikaner sind faul und selbst schuld an ihrem Leid, sie könnten sich ja etwas aufbauen und so weiter. Aber wären sie dann glücklicher? Sind wir denn glücklicher mit unserer „Zivilisation“? Was haben wir denn schon? Atomkraft, Waffen, Tiefkühlpizza, DSDS, Parteien die niemals das tun was ihre Wähler wollen, immer mehr Niedriglohnjobs, ich weiß nicht ob das alles Ausdruck von Fortschritt sein soll. Es gab wohl nie geistigen Fortschritt, nie Weisheit in der Schule, Politik oder Wirtschaft. Ich habe schon den Eindruck, dass man Konsumzombies braucht um Arbeitsplätze zu sichern, die Bevölkerung leichter kontrollieren zu können, damit der Status Quo weiterhin so bleiben kann wie er seit Jahrzehnten ist.

Während Milliarden Menschen verlieren, sich mit weniger bis gar nichts zufrieden geben müssen, bzw. es in vielen Fällen einfach zu lassen, weil sie sich nicht für die Probleme ihres Lebens interessieren und sich lieber mit Konsum und Vergnügen ablenken lassen, gibt es die berühmten „Oberen“ 10 000 die die Politik, Wirtschaft, Medien, Bildung etc. dominieren und maßgeblich beeinflussen. Soll das Demokratie sein? Soll das zum Glück aller beitragen? Wird das die Konflikte und die Kriege zwischen den Menschen, Nationen und Konzernen lösen? Bestimmt nicht und das ist sicher auch nicht das Ziel der Herrschenden. Teile und herrsche ist deren Motto.

Und solange die Menschen nicht ihre Bedürfnisse, ihr Verhalten hinterfragen, solange sie nicht hinterfragen warum sie soviel arbeiten müssen und immer weniger verdienen, während sie gleichzeitig immer mehr bezahlen müssen, wird sich alles nur noch mehr verschlimmern. Die Leute müssen an die Quelle der Probleme herantreten. Es ist der Verstand welcher nach Konflikten giert, welcher nach Erfolg und Anerkennung giert. Die meisten leben von uns in der Vergangenheit oder Zukunft, obwohl nur ein Moment zählt; nämlich die Gegenwart, das hier und jetzt. Wir könnten von einem Tag auf den anderen alle Probleme lösen, wäre das der Mehrheit der Menschheit bewusst. Wir könnten die Militärs auflösen, die Vermögen der Reichen nutzen, um den Hungernden Nahrung zu schenken, den Kranken Medizin zu schenken usw.

Diese Möglichkeiten werden natürlich in den Massenmedien, in der Schule usw. nicht angesprochen, denn das würde den Status Quo gefährden.

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