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Sprengt die Lohnarbeit!

Arbeiten bedeutet Gewalt erfahren. Die Zurichtung der eigenen Persönlichkeit geschieht über den Inhalt der Tätigkeit. Der Diebstahl von Lebenszeit, die Entfernung jeglicher Kontrolle über das eigene Leben, die Verewigung der Abhängigkeit von einem Prinzip, dass man automatisch und blind bestätigt, wohnt jeder Arbeitsstelle inne. Was getan werden soll bestimmt der Chef und was der denkt bestimmt der Markt und was der denkt ist die Kapitalverwertung und die hat nur sich selbst im Sinn, aber nicht die Menschen samt ihrer Bedürfnisse. Das Skandalöse an unserer Wirtschaftsform besteht also in der Abgabe von Leben für ein selbstreferentielles, anonymes und abstraktes Herrschaftsystem, welches niemand steuert. Lediglich die wenigen Eigentümer von hohen Mengen von Kapital oder Firmen können in die Nähe von Nutznießern dieser prekären Lage gerückt werden, aber auch sie müssen sich permanent der Profitabilität gewahr sein, sofern sie mit ihren Vermögen nicht in Frührente gegangen sind.

Die Lohnarbeit übt eine strukturelle Gewalt auf jeden Menschen aus. Sie zerstört die Fantasie, sie macht krank, sie raubt einem die Zeit, die Nerven, die Gesundheit und sie hört niemals auf. Sie ragt in alle Lebensphären hinein und katalogisiert, kategorisiert, verwertet alles. Die Schönheitsideale rühren daher genauso wie die vollen Fitnesscenter oder Universitäten. Die arbeitsgeile Welt vergisst sich selbst im Schweisse ihres Angesichts. Dass die Menschen sich mit ihrer täglichen Lohnarbeit ins eigene Fleisch schneiden, verdrängen sie mit größter Hingabe. Das Hangeln von einer zur anderen Freizeitbeschäftigung, soll die Reproduktion der eigenen Arbeitskraft sichern, sodass es für ein weiteres Quartal reichen möge. Die apathischer Warterei auf den großen Knall, dass man sich vor der Massenvernichtung vielleicht noch hinwegducken kann, macht die totale Teilnahmslosigkeit gegenüber das eigene Leben, aber auch das der anderen aus. Der Lebensinhalt wird bestimmt von der Verwertbarkeit der eigenen Tätigkeiten und Gedanken. Die Menschen sind nicht geboren. Sie sind nur Zuchtmeister, Arbeitskraftbehälter, zerrissene, zerschlissene, erstarrte Drohnen deren Programmierung das Kapital vorgenommen hat.

Die gesamte Gesellschaft ist trotz ihres betriebsamen Lärms von einer Friedhofstille eingenommen, die nach Tod riecht. Unsere Weltordnung beruht auf Leichenschmaus und Kannibalismus, der Konkurrenzkampf und Leistungsdruck ist der direkte Ausdruck davon. Wer nicht arbeitet stirbt. Wer arbeitet stirbt, – aber etwas später. Und die Angst, dass es sie früher erwischen wird, wenn sie Widerstand leisten, lässt die Menschen mitmachen. Das ist kein Ausdruck einer lebendigen Welt, die sich ihren Ängsten, Verdrängungen und Verwerfungen stellt. Es ist eine verlogene Welt, die dringend zugrunde gehen will bevor irgendjemand ihr den Spiegel vorhält. Und jener, der versucht diesen Spiegel zu halten wird eilig bestürmt und zunichte gemacht. Die Feldherren des Kapitals werfen schnell ihr Napalm auf Dich, damit ihre Autorität nicht untergraben wird. Die Maschinen müssen laufen, die Menschen müssen darin zugrunde gehen, etwas anderes hat diese Gesellschaft nicht als Substanz.

Und doch bringt sie das Potential mit, was ihre Produktivität angeht, dass sie die Grundlage für eine bessere Gesellschaft bietet, in der der Mensch angstfrei verschieden sein kann und dem Müßiggang nach gehen kann. Dieses gilt es zu betonen, auch wenn das bedeutet, dass die Lohnarbeit zu meiden ist, um die eigene Fantasie und Intellektualität zu bewahren, Armut und sozialen Abstieg, Peinigung, Ausgrenzung, Einsamkeit et cetera zur größeren Alltagserfahrung werden als ohnehin schon. Die Unerträglichkeit der Welt muss zu einer unerträglichen Kritik führen, die diejenigen, die diese Welt unerträglich machen, ihrer eigenen Unerträglichkeit überdrüssig werden lässt. Die Selbstreflexion muss gegenüber der Resignation angespornt werden. Die Menschen müssen verstehen, dass sie die Welt bereits aktiv gestalten nur eben nicht so wie sie sie gerne hätten. Die Bewusstlosigkeit gegenüber den konstitutiven Momenten der Gesellschaft, muss der bewussten Gestaltung der Gesellschaft weichen. Ein erster Schritt wäre die Einsicht, dass die Lohnarbeit eine Katastrophe gegen die Menschheit ist, die sie sich selbst angetan hat.

Es wird unerbittliche Kämpfe gegen die Interessenten an diesen Zuständen geben müssen. Das Interesse der Lohnarbeiter liegt unbestritten in der Abschaffung der Lohnarbeit, weil sie ihrer Entfaltung im Wege steht. Die Kapitalverwertung zerstört uns alle. Sie zerstört die Umwelt und die Tierwelt. Sie fördert nur Kapitalverwertung und sonst nichts. Aber wir müssen uns selbst fördern, wir müssen uns entfalten können und uns selbst genügen. Wenn jeder gegen den anderen konkurriert, wird jeder blockiert und das Recht des Stärken und der Gewalt herrscht. Daher ist dieser Zwangszusammenhang zu durchbrechen zugunsten einer möglichst geteilten Machtstruktur, die die Verantwortung allen Menschen in individueller Form zukommen lässt. Die einzige Perspektive liegt in einer selbstorganisierten polit-ökonomischen Bedürfnisstruktur, die sich auf Gebrauchswerte und die Menschen konzentriert. Das oberste Diktat ist also die Befriedigung von Bedürfnissen und nichts anderes. Das Ziel muss die Reduktion von notwendiger Arbeit sein, damit maximal gelebt werden kann.

Hierzu müssen wir radikale Räte bilden, die die Lohnarbeiter entsprechend auf die Umstände ihrer Unfreiheit solange hinweisen bis sie die Lage verstehen. Der Generalstreik vollzieht dann das endgültige Ende der bisherigen Eigentumsverhältnisse. Der Staat wird etwas dagegen haben, aber auch der kann schnell aufgelöst werden, wenn jeder einsieht, dass dieser nur eine Clique aus Schlägertrupps enthält, die das Falsche stützt. Eine besondere Frage wird sein, wie die Gewaltenteilung fortgesetzt werden kann, wie gegenwärtige sinnvolle Rechte bewahrt und durchgesetzt werden können, obwohl die Angst vor der staatlichen Autorität fehlt. Bevor also praktisch etwas bewältigt wird, muss die Gewaltfrage simultan zur Eigentumsfrage gestellt werden. Außerdem: Wie können die Güter fair, effizient ohne den Zwang der Kapitalverwertung an jene gelangen, die ihrer am dringensten bedürfen?

Ungeachtet dieser schwierigen Fragen, die unbedingt vorher genau diskutiert werden müssen, ist es unabdingbar, dass die Menschen sich ihren Ängsten stellen. Nur wenn sie die Ursachen der Angst kennen, können sie die Angst loswerden und endlich das Leben angehen, ohne stets eingeschränkgt, gehemmt, geängstigt, niedergehalten, zerstört zu werden. Wer die Lohnarbeit nicht bekämpft verewigt sein Elend, versteinert überhaupt jeden Wahnsinn, der momentan für absolute Normalität und Notwendigkeit gehalten wird, obwohl sich dieser nur durchhält, weil die Menschen sich aus Angst und Identifikation mit dem Aggressor, dem Falschen nicht um die Ursachen ihres Leidens kümmern.

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Das Elend der Lohnarbeit

Mal abgesehen davon, dass die Inserate gespickt sind mit Ungenauigkeiten wie die fehlende Angabe darüber, ob der ausgeschriebene Lohn nun in Netto oder Brutto gezahlt wird, gibt es eine breitgestreute Frechheit, die sämtlichen Unternehmen zueigen ist: Sie zahlen nämlich immer zu wenig und sie betrügen einen immer um Nerven, Zeit und Lebenskraft. Eigentlich wäre jeden Tag das Anzünden von Reifen auf Barrikaden in allen Straßen ein völlig angebrachter Vorgang. Aber da global offensichtlich lieber geschuftet wird als die Füße hochzulegen, ist man dazu erniedrigt und verdonnert irgendwelche absurden Heucheleien in einem Bewerbungsschreiben und später folgenden Bewerbungsgesprächen auszubreiten, um sich als Werkzeug verdingen zu dürfen und dadurch als Individuum komplett abzuschaffen.

Wie kann etwas gut sein, was falsch ist? Jeder sieht, dass in Deutschland die Löhne seit über 10 Jahren stagnieren. Über 13 Millionen Menschen leben mittlerweile in relativer Armut und können ihren Kindern keine regelmäßige warme Mahlzeit bieten. Zugleich wuchsen die Unternehmensgewinne. Es gibt Steuererleichterungen für Reiche, während die Unterstützung für Arme und Arbeiter Monat für Monat zusammengestrichen und mit Hürden versehen wird. Gewerkschaften haben seit Jahrzehnten damit aufgehört die Lohnarbeit zu bekämpfen oder wenigstens einen akzeptablen Lohn zu erstreiten. Die ganze Nation hat sich dem Diktat der Profitmaximierung ergeben. Alle sind lebendige Tote.  Da steht man nun als depperter vereinzelter Einzelner und muss die Suppe auslöffeln. Natürlich ist auch das ekelhaft, aber man kann dieses Ekel wiedermal nur an alle und keinen richten, was ziemliche Ratlosigkeit hinsichtlich der Aktionsmöglichkeiten zum Ergebnis hat.

Ich bin seit Jahren enttäuscht diesem stummen Zwang der Verhältnisse nachkommen zu müssen. Es ist aber nicht nur Enttäuschung, es ist völlige Fassungslosigkeit. Im Grunde müsste jedem Arbeitsinserat eine Unterlassungsforderung folgen. Wenn die Angestellten die Waren und Profite produzieren, aber nur der Eigentümer der Arbeitsplätze davon profitiert indem er den Produzenten der Reichtümer einen geringeren Anteil abgibt und ihnen zugleich hinterher die selbstproduzierten Waren auch noch verkauft, dann ist das Betrug. Und der Staat hat all das mit Gesetzen auch noch legalisiert. Also ist auch er ein Betrüger. Sämtliche Regierungen, die diese Gesetze absegnen sind es ebenso Betrüger. Und Leute, die diese Regierungsparteien wählen, können sich ohne Weiteres als Selbstbetrüger bezeichnen, die unbegriffen ihr eigenes Grab schaufeln und dabei sogar noch wütend werden, wenn ein anderer dazu springt und mitgräbt. All das kommt mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit daher, dass einem die Worte fehlen sie zu kritsieren.

Es löst Existenzängste, Angstzustände aber auch Erschöpfung aus, wenn klar ist, dass die Konstitution der Gesellschaft, die sich maßgeblich über die falsche, dumme, gewalttätige Lohnarbeit reproduziert, so gewaltig und total ist, dass sie alle Möglichkeiten hat einen auszugrenzen und auszulöschen. Dies wissen sicher viele Menschen, dass sie jederzeit herausgeworfen und zerstört werden können, wenn sie einen Fehler machen. Wenn die Anspassungsleistung nicht glaubwürdig genug dargestellt werden kann ist die Bedrohung nicht einfach nur vorgestellt, sondern ganz schnell real und der soziale Abstieg ist sicher. Daher dann auch diese absurden Trainingseinheiten sämtlicher Arbeitsagenturen Bewerbungen „richtig“ zu schreiben, so als ob das irgendeine Garantie davor ist, jemals vom profitgesteuerten Kapital überflüssig gemacht zu werden. Niemand ist sicher. All das wird verleugnet, wenn von einem „familiären Team“, einem „tollen Betriebsklima“ gefasselt wird. Es hat sich längst eine ganze Industrie ausgebildet, die den Wahnsinn in Kitsch verwandelt und damit rationalisiert.

Und dann rechnet man sich aus wieviel der Bruttolohn denn bringen wird: Nichtmal die Hälfte der Miete. Aber gearbeitet werden soll für 4 Leute. Natürlich! Fünf Sprachen, alle Ausbildungen, die man womöglich sogar noch selbst zahlen musste, jede Flexibilität rund um die Uhr, mit Begeisterung und Leidenschaft. Was denn noch? In den Stellenanzeigen zeigt sich schon welcher Irrsinn einem Tag täglich um die Ohren geschleudert werden soll, welche Abgründe zum eigenen Schicksal werden sollen. Sie drücken aus, dass man schnellstmöglich wie ein Sklave für blinde Götter Pyramiden in einer staubigen Wüste voller Peitschenhiebe errichten soll. Widerspruch ist zwecklos, darauf gibt es nur noch mehr Schmerzen, Dummheit und Ignoranz. Genialerweise wird die Selbsterniedrigung des Menschen dadurch potenziert, wenn er sich ergeben hat und Bewerbungen schreibt, wenn er „Ja“ zu den Peitschenhieben, dem Staub, Dreck, der Undankbarkeit, den Betrug und Wahnsinn gesagt hat, weil er selbst wahnsinnig genug gemacht wurde: Denn die ganzen Bewerbungsschreiben, die man mit allerlei idiotischen Mantras der BWL befült hat, werden von den Konzernen gern ignoriert, wenn er kein brancheneigener Superman der Leistungs- und Konkurrenzunkultur ist. Genau so fühlt sich ein Bettler, der auf der Straße beim Betteln ignoriert wird. Sein Elend ist den anderen Auftrag, ihn weiter ausgrenzen, auf das er endgültig verschwindet und niemanden von den braven Werktätigen mit seiner gefährlichen, ineffizienten Unrentabilität herunterzieht oder aufhält.

Dass es hiergegen nicht einen einzigen gibt, der aufsteht und sich nicht einfach nur konformistisch dagegen auflehnt, um Schlimmeres zu etablieren, verwüstet jeden Rest an Hoffnung, dass es einmal anders sein könnte. Und das ist die totale Vernichtung von Leben, die die Insignien unseres Zeitalter trägt. Wenn einfach so jeden Tag über 50 000 Menschen verhungern müssen, obwohl zugleich jeden Tag Millionen Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen werden, dann ist das eine klare Ansage an uns alle, dass wir alle uns nur einbilden zu leben. Denn momentan leben wir nur unter der Gnade des Kapitals, der Lohnarbeit und des Staates und zwar solange wie wir arbeiten und Profit abwerfen, und auch das ist schon nicht gut genug, weil wir angesichts unserer menschlichen Mängel zu langsam und ineffizient arbeiten, weswegen ständig vom lebenslangen Lernen, was nicht umsonst wie „lebenslänglich im Knast“ anklingt, gesprochen wird. Ganz offensichtlich ist Angst und Panik das wesentliche Merkmal sämtlicher Charaktere auf der Welt. Es ist nicht genug Liebe da und niemand weiss, wie die jemals in diese Welt kommen soll, also wird wild um sich geschlagen und nach Mitteln gesucht, die die prekäre Identität stabilisiert, was im Falschen ja bloss das Schlechte sein kann: Nation, Arbeit oder Patriarchat.

Die Lohnarbeit ist also inhaltlich falsch, betrügerisch, verletzend, verdummend und in vielen Teilen der Welt auch tödlich. Zugleich erscheint es wahnsinnig, dass man sich stundenlang pro Tag auf eine einzige Tätigkeit fixieren soll, die zugleich einen als Person gar nicht sichert oder schätzt, weil jederzeit die Entlassung droht, weil das Kapital die Autorität der Struktur darstellt. Dadurch, dass man gezwungen ist Rechnungen zu bezahlen, weil man sonst im Knast landet, ordnet man sich also einem Prinzip unter, welches einen auf lange Frist nur zerstören kann. Wenn man Glück hat, hat man gerade mal eine handvoll Stunden pro Woche für sich. D.h. man lebt den Großteil seines Lebens nicht für sich und die, die man liebt oder für das, was man liebt, sondern für ein blindes Prinzip, dass sich Kapitalverwertung schimpft, was aber nur existiert, weil man es akzeptiert, weil es alle akzeptieren. Darin wohnt ein Irrsinn, der sich wirklich milliardenfach in Sekundenbruchteilen überschlägt, dass es einem erneut die Sprache verschlägt. In der Ökonomie ist all das kein Thema. Wer VWL-Vorlesungen besucht, der stellt dieselbe Selbstverständlichkeit fest mit der die täglichen Hungertoten beschlossen werden, wie sie in den Stelleninseraten der Firmen oder im Berufsalltag der Leute stattfindet. Normal ist was Elend schafft. Man liebt und ist dieses Elend, reproduziert es und ist nur gelegentlich mal erschrocken, wenn der eigene gelebte Opportunismus für einen offenbar doch nicht ganz reicht. Aber dann sind eben die anderen Schuld und niemand sonst.

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Wir hatten unsere Zeit

Anstatt sich zu fragen warum täglich tausende Menschen verhungern, stellen wir uns lieber die Frage warum Einwanderer hin und wieder Einheimische zusammenschlagen. Schockiert fragen Journalisten und Politiker: Wohin soll das nur führen? Was machen wir nur mit den Ausländern? Während unzählige Konzerne den Planeten vergiften und Menschen für Profite vergewaltigen, stellen wir uns die Frage: Ob Kate ihren William wirklich liebt und ob sie der großen Verantwortung gerecht werden kann. Ihr Kleid kostet soviel, es könnte hunderte Menschen in Afrika wochenlang ernähren. Aber es interessiert uns nicht. Uns interessiert wie der FC Bayern spielt, ob der Sarrazin aus der SPD fliegt, mit wem Popsternchen XY vögelt, welcher Modetrend gerade in ist, usw. usf. Wir funktionieren so gut als Zombies einer ignoranten, zynischen, kapitalistischen Realität, wir wissen gar nicht das wir als Lohnabhängige ausgebeutet werden, und wenn wir es wissen scheuen wir uns davor die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Wir müssten sofort unsere Konzerne, Staaten und Parlamente zum Teufel jagen und individuell, direkt Verantwortung für unsere Handlungen und Vorstellungen übernehmen. Stattdessen holen wir uns einen darauf herunter, das die Nordafrikaner die „Freiheit“ entdeckt hätten und sich nicht länger unterdrücken lassen würden, als ob die parlamentarische Demokratie und der Kapitalismus genau das bedeuten würden. Dabei sind sie nur von einem Käfig in den nächsten gewandert und wir applaudieren in unseren Käfigen.

Mal abgesehen davon, das man sich tagtäglich von den Medien einreden lässt, was man zu denken hat, worüber man sich aufzuregen hat, lässt man sich von der Politik und den Konzernen tagtäglich einreden sie wären nur für die Wähler und die Lohnabhängigen da, dabei ist es genau umgekehrt. Wir werden manipuliert und ausgeraubt von der Politik und den Konzernen. Man jammert über den Niedriglohnsektor und sagt, das ist Ausbeutung, das ist gegen die Menschenwürde, dabei wird in diesem Bereich bloß die kapitalistische Grundordnung konsequent ausgelebt. Wenn in Bangladesh Näherinnen für ein paar Dollar am Tag oder in der Woche für C&A, H&M, Kik und auch Edeldesigner ackern, damit wir was schickes für unsere oberflächliche Individualität zum austragen haben, dann ist das nichts anderes als konsequent gelebte Betriebswirtschaft. Je stärker, heftiger und gnadenloser man die Lohnabhängigen ausbeutet bzw. ausquetscht desto besser ist das für den Staat und die Konzerne. Natürlich muss man darauf achten die Leute nicht tot zu quetschen, hierfür ist der Staat da. Und worüber redet man in den Medien, in der Politik und in den Konzernen? Über faule Arbeitslose, mangelnde Fachkräfte, schlägernde Jugendliche und Deutsche in der Minderheit, alles Themen die auch wichtig sind, aber die die eigentlichen Probleme dieser Gesellschaft ausblenden und verschleiern. Nicht selten sind diese Themen nur Symptome für die eigentlichen Probleme.

Unser größtes Problem ist der Kapitalismus und der Parlamentarismus, weil die Menschen unmöglich darin tun können was sie eigentlich wollen und weil sie dazu gezwungen werden einer primitiven Logik zu folgen, die in letzter Konsequenz den Planeten zu einem menschenfeindlichen Ort machen wird und bloß einer Minderheit erlaubt so zu leben, wie sie es für richtig hält. Der Kapitalismus zwingt uns alle, egal ob Arbeitsloser, Ausländer, Zeitarbeiter, unbefristeter Angestellter beim Staat oder in der Wirtschaft, Rentner, Kinder, Polizisten, unsere überlebensnotwendigen Bedürfnisse gegeneinander auszuspielen. Wir müssen egoistische Arschlöcher sein, um etwas für uns und unsere Liebsten zu fressen zu haben. Wir müssen dafür sorgen das jemand anderes an unserer Stelle verliert. Im Kapitalismus muss immer irgendjemand verlieren, damit ein anderer gewinnen kann. Und je höher man steigen will, desto mehr Menschen müssen verlieren. Wenn man sich anschaut wie riesig die Vermögen der Reichen sind, und die Armut der Massen entgegenhält, wird es einem schlagartig klar. Man kann unmöglich durch eigene geistige oder körperliche Arbeit Milliarden verdienen, das wird nur durch massenhaften Betrug und Ausbeutung möglich. Das was für Privatpersonen gilt, gilt für Konzerne ebenso. Die Konzernvermögen wachsen und die Löhne stagnieren. 90 Prozent von uns haben keine Chance jemals der Lohnabhängigkeit zu entrinnen. Wir werden immer der Willkür der Konzerne und Staaten ausgesetzt sein. Wir werden immer in Angst, Unsicherheit und Entfremdung verharren müssen bis uns der Tod endlich von dieser Entmündigung erlöst. Vorausgesetzt natürlich, wir wehren uns nicht.

Arbeit ist scheiße und daran wird sich niemals etwas ändern, weil so wie die Arbeit organisiert ist, kann sie niemals unseren Bedürfnissen und Interessen dienen. Wir dienen als Lohnabhängige zuerst dem Kapital und den Interessen der Kapitaleigentümer. Das sind alles keine großartigen Neuigkeiten, aber trotz all der tagtäglichen Katastrophen, scheint es kaum einen von uns wirklich dazu zu veranlassen handfest dagegen vorzugehen. Stattdessen wird weitergemacht wie bisher, man folgt dem Klatsch und Tratsch, geht wählen, geht arbeiten, gebährt sogar Kinder in diese Maschinerie hinein, als ob man Zeit für sie hätte, als ob man ihnen eine lebenswerte Welt bieten könnte. Es ist doch absoluter Wahnsinn angesichts der unzähligen Taten gegen die Menschenwürde untätig zu bleiben und sogar alles dafür zutun, damit es noch schlimmer wird, indem man den Gesetzen des Marktes und des Staates folgt. Es kann doch kein „Weiter so“ geben, wie die Parteien immer so phrasenhaft daher schwafeln. Und doch geht es genauso weiter. Weil letztlich immer die Isolation vorgezogen wird. Man entscheidet sich immer für das Geld, für die Karriere im Krebsgeschwür, weil es leichter ist. Denn fängt man erstmal an die Probleme tatsächlich nicht als Problem der Politiker oder der Konzerne zu sehen, sondern als persönliches Problem, als Problem der eigenen Nachkommen, muss man alles in Frage stellen und eigene Fehler eingestehen, sein Leben umkrempeln und von Zeit zu Zeit radikaler gegen die Verbrechen vorgehen. Und weil die meisten von uns genau das wissen, überlassen wir es lieber den Anderen und beschimpfen sie hinterher als unfähig, korrupt und so weiter, was ja auch zutreffen mag, aber eben durch unser Handeln und unsere Vorstellungen unterstützt und überhaupt erst möglich wird.

Anstatt sich hinzusetzen, sich zu informieren und sich zu organisieren, macht man sich lieber etwas vor und nährt damit alle nur erdenklichen Katastrophen. Tagtäglich wird millionenfache unterlassene Hilfeleistung praktiziert, weil der Irrglaube vorherrscht, man könne sich nicht ändern und man könne das System nicht ändern. Wir geben die Kontrolle über das Leben ab, indem wir als Lohnarbeiter und Wähler funktionieren, wir machen uns zu Opfern und Tätern, indem wir unsere Zeit und Kraft für die Profite opfern und unsere Stimme zur Legitimierung der Gesetze, die die Art und Weise der Ausbeutung und Unterdrückung festlegen, abgeben. Natürlich ist es nicht nur Ignoranz und Apathie. Wir sind auch gebunden an unsere Jobs, die wie Ketten an uns hängen und jeden moralischen Fortschritt in der Menschheit verhindern. Wir empfinden große Abhängigkeit gegenüber dem Zwang Geld verdienen zu müssen, denn es wurde seit Jahrhunderten kaum anders praktiziert. Alles ist die Sekte. Die Schule, die Familie, die Nachbarschaft, die Medien, Konzerne und Staaten. Alle redeten sie uns ein, es sei gut sich unterzuordnen und zu funktionieren. Alles nur um einem Zweck zu dienen: Profitmaximierung. Wir arbeiten so hart, wir dienen so hart diesem Zweck, wir haben kaum Zeit über etwas anderes nachzudenken. Die Leere und Verzweiflung wächst. Jahrzehntelang hat man sich mit Medien, Party und Hobbys ablenken können. Man hat sich bis zu einem gewissen Grad etwas vormachen können. Die Frage ist: Wie lange noch? Wann werden die üblichen Unruhen und Katastrophen außer Kontrolle geraten? Vielleicht sind Fukushima und Gaddafi Vorboten einer Menschheit die sich heftiger als jemals zuvor selbst zerfleischen wird.

Auch dieser Text wird bestenfalls zu fruchtlosen Debatten und billigen Anschuldigungen führen, denn keiner will tatsächlich etwas verändern. Wir ereifern uns lieber in Grabenkämpfen und kleinlichen Streitereien, anstatt uns auf die wesentlichen Probleme der Menschheit zu konzentrieren. Wir sind satt und müde. Wir sind froh nicht hungern zu müssen. Es genügt uns die Universität besuchen zu dürfen und als Lohnabhängiger zu funktionieren. Es ist okay betrogen, unterdrückt und ausgebeutet zu werden, wenn für uns genug dabei abspringt. Wir sind fette Sklaven, die dank der Produktivitätssteigerungen noch fetter werden. Und wir werden anderen Sklaven jedes Gramm Zucker, jeden Kinofilm und jeden sorgenlosen Nachmittag am sonnigen See verweigern, weil wir wissen, das unser Wohlstand nur ein Wohlstand auf Zeit ist. Bald haben wir uns in die Steinzeit gefressen, gearbeitet und gekämpft. Man möchte dieser uneinsichtigen, selbstsüchtigen Masse den letzten Tritt geben, welcher sie in den Abgrund fallen lässt. Wir als glattrasierte, nikotinrauchende, blechkübelfahrende Affen haben es wohl nicht anders verdient. Unser Raumschiff brennt und die Sonne explodiert. Wir hatten unsere Zeit. Was mag bloss als nächstes kommen?

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90 Prozent von Euch haben keine Chance

Ihr denkt, wenn ihr brav zur Schule geht und alles stumpf auswendig lernt, werdet ihr einen sonnigen, flauschigen Platz innerhalb der Republik erhalten? Ihr glaubt, wenn ihr Euch durch die Universität und den beruflichen Alltag quält, tagtäglich schwerste Opfer bringt, Eure Wünsche und eigentlichen Bedürfnisse vernachlässigt, werdet ihr bald in der Lage sein, Euch ein Leben zu erkaufen, welches frei von diesen Belastungen und Entbehrungen ist? Ich kann Euch enttäuschen, ihr werdet immer so vor Euch hinvegetieren. Ihr werdet auf den Traumprinzen warten, wie ihr auf den Traumjob wartet, oder sollte ich besser sagen, auf Eurer Traumausbeutungsverhältnis? Ich spucke auf Eure Naivität. Ihr glaubt jedes Jahr aufs Neue den Betrügereien der Parteien und Konzerne und jammert unter falschen, naiven Freunden, wie scheiße Eure Leben doch gerade gegen die Wand fährt. Jedes Jahr verhungern hunderttausende Menschen, meint ihr man macht vor Euch halt? Meint ihr, ihr habt ein Happy End verdient? Ihr werdet verheizt wie die Soldaten in Afghanistan. Man scheißt auf Eure Bedürfnisse, Wünsche und Euren Gerechtigkeitssinn! Ihr dürft alles erzählen, aber es wird niemanden interessieren, der die wichtigen Entscheidungen trifft. Was war denn mit Stuttgart 21? Schön habt ihr Schwäblezapfen Eure Proteste gemacht, die Politik scheißt auf Euch und baut das Teil trotzdem und zwar genau so wie es geplant war. Das ist Demokratie! Ihr wollte es so! Und was war mit der Atomkraft? Gorleben? Wieviele haben demonstriert? Nichts ist passiert, die Demonstranten wurden sogar zu Verbrechern erklärt, es mussten erstmal tausende Menschen in Japan sterben, damit die Politik ein paar oberflächliche Sprüche und in Aktionismus verfällt, aber auch nur weil die Wahlen anstanden.

Ihr seid nur Vieh, welches mit Angstmacherei dazu angetrieben wird wählen zu gehen, arbeiten zu gehen,  Steuern zu zahlen, zu konsumieren, ja nicht zu demonstrieren oder etwas gegen diesen Wahnsinn zu organisieren! Was glaubt ihr denn wer ihr seid? Glaubt ihr den Versprechen der Werbespots? Liebt ihr wirklich Tierkadaver und Zuckerwasser? Glaubt  ihr wirklich es ist elegant mit Blechlawinen die Umwelt zu verpesten, von der wir alle abhängig sind? Wollt ihr wirklich verstrahlte Lebensmittel, Kinder und Kontinente, nur weil der Atomstrom angeblich so billig ist? Wollt ihr Euren Kindern in Asphaltruinen erklären wie mal ein Baum aussah? Ist Euch das zu dramatisch? Hundertausende Tonnen Fleisch, mitsamt Kot und Antibiotika, werden jedes Jahr von Euch gefressen, als ob es nichts anderes gäbe. Ja, es schmeckt halt! Fickt Euch, es leiden Lebewesen, wie ihr es immer noch seid, dafür, ihr gedankenlosen Spasten. Ihr wollt geliebt werden, aber Tiere sind Euch scheißegal? Tiere sind nur Sachen, sagt unser Gesetz. Unser Gesetz sagt auch das Menschen, die nach Deutschland bspw. von Afrika aus fliehen, sich schön wieder in ihr Land zum Sterben verpissen können, sofern sie nicht gerade etwas mitbringen, was unseren Reichtum vermehrt, was übrigens für 99 Prozent gilt. Wart ihr schonmal in einem Flüchtlingslager? Nö, nie gehört! Warum stapeln wir denn jeden verdammten Tag die Hungertoten? Wir produzieren jedes Jahr einen verdammten Holocaust und keine Sau kümmert sich drum, stattdessen fragt ihr brunzdämlichen Konsumjunkies nach dem nächsten Handy, kritisiert Spielfilme oder wichst Euch einen auf 18 jährige Girls, die sich von perversen Geschäftemachern für ein paar Euros in alle Löcher ficken lassen. Ja, Gleichberechtigung, die Frauen kriegen immer noch nicht dieselbe Kohle wie Kerle, und der Unterschied zwischen Ost und West ist immer noch gegeben. Tja, Pech gehabt! Haltet die Fresse und macht weiter so! Ich bin das Arschloch! Man weiß gar nicht mehr wohin man greifen soll, überall nur Scheiße! Und was passiert trotzallem? Es wird millionenfach Bild gelesen, DSDS geglotzt und was noch viel schlimmer ist, ihr geht arbeiten und zur Schule als wären diese Katastrophen das Normalste der Welt. Denn Hitler, Stalin und Mao waren ja viel schlimmer. Heute leben wir ja in der modernen aufgeklärten Welt, heute kann das alles nicht mehr passieren. Blöd nur das wir die drei längst ums zehnfache überboten haben! Life fast, die young, who cares!

90 Prozent von Euch haben keine Chance auf ein schönes Leben, weil der Kapitalismus und die Demokratie strukturell bedingt Gewinner und Verlierer produziert. Es kann immer nur eine Minderheit gewinnen. Man sieht es doch im Sport, wieviele tausend Menschen trainieren für Olympia, nehmen daran teil und gewinnen letztlich? So läuft es auch in der Wirtschaft und Politik. Und jetzt könnt ihr Euch mal fragen ob das gerecht ist und was ihr dagegen tun wollt. Ich sage Anarchismus ist die Lösung.

Danke an Lars der mich zu dem Titel dieses emotionalen Ausbruchs inspiriert hat.

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Allmächtiger Kern

Das Schlimmste ist die stetige Wiederholung der ewigselben Problematik. Ständige Wiederkehr von Phrasen, Sprüchen, Situationen, alles scheint vorprogrammiert. Man kann heute sagen wie es morgen oder die nächsten Wochen, Monate und Jahre sein wird. Die Unterschiede und Veränderungen sind immer nur oberflächlich. Es gibt andere Kollegen, es gibt andere Satzstellungen, sanftere oder boshaftere Äußerungen, es gibt freundliche und unfreundliche Chefs und alles scheint überhaupt keine Rolle zu spielen für den Kern, der uns alle in die Büros dieser Welt treibt. Jegliche Spontanität wird aus den Individuen gesaugt, die Individuen existieren nur noch für diesen Kern. Der wesentliche Kern jeglichen Treibens der die Leute zusammenhält, der sie gemeinsam kämpfen lässt, obwohl sie sich selbst und alle anderen verabscheuen. Wenn Plakete im Büro hängen die so etwas dämliches sagen wie „Service ist unsere Leidenschaft“ oder „Wir hängen uns voll für unsere Kunden rein“ mit entsprechenden Sinnbildern darüber, dann spielen sie auf diesen Kern an der unsere Familie, Umwelt, unser ganzes Leben vergiftet. Der Kern ist die Profitmaximierung, die maximale Verwertung menschlicher Arbeitskraft, die Intensivierung des Arbeitsprozesses. Jegliches Gelächter der Kollegen an guten Tagen kann nicht über diesen Kern hinaus gelangen. Nichts, weder der Urlaub, die Freizeit, das Intimleben kann diesen Kern aufheben und nichtig machen. Alles geht von ihm aus und alles bezieht sich auf ihn und entsprechend stark ist seine Sogwirkung auf alle Generationen. Blind wird darauf vertraut das die Ordnung der viele Millionen Menschen folgen schon seine Richtigkeit hat. Als ob den Leuten schon immer nichts anderes übrig blieb sich den Verhältnissen hinzugeben. Als ob die Leute schon immer so hörig den Gesetzen des  Kapitals und der herrschenden Klasse waren. Jeder der diese Ordnung, die in Wahrheit Chaos ist, als das erkennt und artikuliert was sie ist, wird als Nestbeschmutzer, Eigenbrödler oder schlicht als Mensch mit negativer Einstellung abgewertet und abgefertigt. Die ganze Problematik spitzt sich so noch weiter zu. Wie erklärt man einen Kranken der sich für gesund hält, wie krank er eigentlich ist? Wie kann man als Infizierter, als von der allmächtigen zerstörerischen Ordnung Bedrohter überhaupt gegen den Kern ankommen? Man wird von ratternden Motoren genauso überfallen wie von den sich ständig ausweitenden Industriegebieten und Asphaltlandschaften. Es stinkt ständig nach Verwahrlosung, in Form von Öl, Benzin, Urin usw. Man muss darauf achten nicht in zerbrochene Bierflaschen der letzten Trunkenbolde zu treten, oder in die Kackhaufen von geliebten neurotischen Haustieren. Achtlos wird diese Umwelt betreten, benutzt und weggeworfen als würde es sie immer geben unabhängig davon was wir als Menschen so machen. Völlig abgeschottet sitzen die Leute in ihren überteuerten Fahrzeugen auf dem Weg zur Arbeit, zum Discounter, zur Disco oder zum Urlaubsziel und begreifen dabei gar nicht wie sie modern und bequem die Erde unbewohnbar machen. Wie kann man soetwas aufrütteln ohne gleich als Öko, Kommunist und so weiter beschimpft zu werden? Die stetige Wiederholung muss endlich gebrochen werden. Der Kern muss offenkundig gemacht werden. Ob das letztlich die Menschen überzeugt die sich in all diesen Katastrophen wohl fühlen bleibt fraglich.

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Im Büro

„Scheiße!“
„So eine Scheiße!“
„Alles scheiße!“
„Auf meinem Tisch liegt nur Scheiße!“
„So eine verdammte Scheiße hier!“
„Ich kotz gleich!“
„Arschloch!“
„So ein dummes Arschloch!“
„Ich trete gleich jemanden zusammen!“
„Ich scheiß gleich auf den Tisch und kündige!“
„Was? – Hallo? Sagen Sie mal..?! Sind Sie zu blöd mich zu verstehen?“
„Dieser verdammte Wichser soll sich nicht so anstellen!“
„Wollen Sie mich verarschen?!“
„Ich dreh gleich durch!“
„So ein Hurendreck!“
„Der Typ gehört erschossen!“
„Ich glaub Du spinnst wohl ein bisschen?!“
„Ich glaub der spinnt wohl?!“
„Spinnt der ein bisschen?!“
„Ich mag nicht mehr!“
„Ich mag nicht mehr, ehrlich!“
„Ich glaub ich fang gleich das kotzen an!“
„Wenn ich den Typen sehe, spuck ich ihm ins Gesicht!“
„Dem sollte man mal eine reinhauen!“
„So ein Weichei“
„So ein Trottel“
„So ein Depp“
„So ein Wichtigtuer“
„Wie kann man nur so dumm sein?“
„Verdammte Scheiße!“
„Ich mache diese Scheiße nicht mehr mit!“
„Ich geh gleich heim, ist mir scheißegal!“
„Macht Euren Dreck doch alleine!“
„Welcher Volldepp war das?“
„Was soll diese Scheiße?“
„Solche Luschen können wir nicht gebrauchen!“
„Wahnsinn!“
„Wahnsinn, echt!“
„Irrsinn!“
„Das ist so ein Beschiss hier!“
„Ich komme mir so verarscht vor!“
„Man wird hier nur verarscht!“
„Länger mache ich das nicht mehr mit!“
„Also dann, bis morgen!“

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Schulnoten und Banknoten sind Symbole unserer Bewusstlosigkeit

Es ist erstaunlich wie viel man innerhalb von wenigen 24 Stunden erleben kann, wenn man nicht den ganzen Tag damit verbringt Profite für einen Arbeitgeber zu erwirtschaften. Für Menschen die ihre Arbeit an dem immer selben Arbeitsplatz verrichten müssen, im Büro oder an der Kasse, bleibt wenig Raum für neue Perspektiven auf das Leben und vor allem für ihre eigenen Möglichkeiten ihr Leben zu gestalten. Genauso trifft das auf Schüler zu, sie sitzen ähnlich wie die Angestellten in den immer selben Gebäuden und Gegenden, wo eben der Schulbetrieb durchgezogen wird. Klar, man nennt das Heimat oder Standort, Industriegebiet, usw. Aber die Welt ist groß und weit, wir wissen das und langweilen uns schnell wenn sich immer wieder ähnliche Muster auftun.

Der Schulweg, der Arbeitsweg ändert sich oft über Monate und Jahre so gut wie gar nicht. Folglich hat man es mit den immer selben Schwierigkeiten und Besonderheiten zutun. Manche lieben das, es gibt ihnen Sicherheit, sie können sich klar daran orientieren, ihr Leben um diesen Mittelpunkt herumbauen und zementieren. Auch wenn sie dann schnell in Panik geraten wenn sich ein paar Kleinigkeiten ändern, beispielsweise die Wetterverhältnisse, oder schlimmer, wenn der Arbeitgeber sich einen günstigeren Standort für die Profitsteigerung sucht. Man hat Familie, Mietwohnung, Freunde und Bekannte, die man nicht missen möchte. Über die Jahre gewöhnt man sich an die immer selben Muster, stumpft ab, degeneriert, weil man die Isolation als Normalität verstanden hat. Dabei spricht eigentlich nichts dagegen gemeinsam mit seinen Freunden, der Familie durch Länder zu reisen, hier und dort zu leben. Wäre da nicht die Sache mit der Sicherheit. Wir sind Sicherheitsfanatiker, wir lernen schnell das wir Leistung bringen müssen um Geld zu erhalten, Miete bezahlen, Haus ab bezahlen, Urlaub und auch gewöhnliche Lebenshaltungskosten finanzieren zu können.

Wie kommen wir also zu Geld? Nur indem wir uns für die Arbeitgeber flexibel machen. Wir erklären uns bereit möglichst langfristig unser gesamtes Leben dem Betrieb zu verschreiben. Natürlich wollen wir nicht allzu viele Überstunden machen, aber das passiert allzu oft, wenn man mal länger dabei ist und verstanden hat wie ersetzbar man ist. Man fürchtet sich davor die regelmäßigen Einnahmen zu verlieren und damit auch die Sicherheit, die in Wahrheit ja gar keine ist. Die Schule ist hier nur so eine Art Vorreiter. Die Lehrer sind wie die Chefs in den Betrieben, sie sagen uns was es zu tun gilt, und wenn wir es nicht erfüllen, bekommen wir nach einigen Ermahnungen, gut zu reden, Fristen und danach eben entsprechend härtere Strafen, die letztlich in Kündigung, also Versetzung in andere Schulen, Sonderschulen usw. münden können. Im Kern bereitet die Schule uns nur darauf vor, was das Leben für uns insgesamt sein wird, ein permanentes Hetzen nach Leistungserfolgen und Resultaten mit denen wir uns schließlich ein Einkommen/eine Belohnung „verdienen“.

Dies ist kein Zeichen einer freien harmonischen Gesellschaft. Viele Menschen wissen das, egal wie alt sie sind, aber ihre Folgerungen daraus sind sehr unterschiedlich. Einige kämpfen offen gegen die Verhältnisse an bis sie hart bestraft und zerstört werden, andere agieren eher im stillen, betreiben subversive Aktionen, sabotieren Betrieb und Lehrbetrieb, indem sie die innere Kündigung vollziehen, langsamer arbeiten oder ständig schwätzen, dem Unterricht ferne Tätigkeiten betreiben wie zeichnen, träumen und Musik hören usw. All das sind verzweifelte Versuche eine kollektive Ohnmacht und Besinnungslosigkeit zu ertragen bzw. zu überwinden. Aber allein sind wir ohne Chance hier etwas langfristig funktionierendes zu ermöglichen. Wir können weglaufen, wir können zerstören, wir können schreien, uns mit Lärm und Rausch ablenken, es wird nur ein paar Momente helfen, weil wir Geld brauchen um unsere Bedürfnisse zu bezahlen. Das macht uns traurig und es saugt uns die Lebenslust aus. Wir schöpfen ständig Dinge deren Zweck wir nicht erkennen können, an dem wir uns nicht bereichern können. Wer sieht denn schon das Ergebnis seiner Arbeit? Wer sieht denn schon den Wert einer Schulnote? Zahlen die sich unterscheiden, warum sollte man daran seine Gefühle, sein ganzes Leben fixieren und ausrichten? Was soll das? Ist das nicht eine große Dummheit die nur in Verzweiflung, Krankheit und Krieg münden kann? Das Leben ist viel zu bedeutend und vielseitig, als es an diese dogmatischen Ideologien zu fixieren, die hinter diesen Zahlenspinnereien stecken.

Egal ob Schulnoten oder Banknoten, es geht um Zahlenspinnerei die uns die Lebenslust nimmt. Daher will ich alles tun um uns davon zu befreien. Die Lebenslust muss frei sein von zementierten Lebensvorstellungen. In allererster Linie so wie wir es erleben wenn wir lieben und uns verlieben. Wir lieben doch bestimmte Dinge, bestimmte Menschen, bestimmte Situationen, die uns bereichern. Es gibt überall Muster in der Welt, wir können sie gar nicht alle wahr nehmen, aber es macht definitiv krank immer nur einem Muster zu folgen. Muster wie die Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien die in unserer Politik und Wirtschaft seit vielen Jahrtausenden als Normalität vorgegaukelt werden. Es ist eine Frage der Erziehung, eine Frage der Kommunikation, der Vorstellungen der jetzigen Generation der Menschheit, inwieweit wir das fortsetzen wollen. Wollen wir unseren Kindern denselben Unsinn antun, den wir selbst Jahre und Jahrzehnte erleiden mussten? Ist es denn zwingend notwendig, für ein schönes Leben, was auch immer man darunter versteht, ständig gegen andere Menschen und ihre Bedürfnisse anzukämpfen? Gibt es keine Möglichkeit Arbeit anders zu organisieren? Ohne Chef und demokratisch? Warum sollte es nicht möglich sein Mieten abzuschaffen? Grundsätze wie Eigentum, Staat und Kapital zu hinterfragen?

Wir müssen schon etwas riskieren um diese Fragen zu beantworten. Wir sollten uns von zweifelhaften Sicherheiten befreien, die nichts anderes sind als Ketten, die uns lang genug gehindert haben das Leben zu erleben, wirklich frei durch die Welt zu gehen und sie mit unseren Liebsten zu entdecken.

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Die Sklaven hier – Die Sklaven dort

Dieses alltägliche Ritual, zur selben Uhrzeit aufzustehen, sich genauso wie am Vortag zu säubern, sich in die  Arbeitsklamotten zu werfen, auf den Weg zur Arbeit zu machen, dort dann stundenlang die immer selben Probleme zu bewältigen und zu ertragen, um letztlich erschöpft wieder zurückzukehren und ins Bett zu kriechen, macht mein Leben monoton und eindimensional. Es wird aber von den meisten Menschen als ein erfülltes Leben betrachtet, denn mit dem auf der Arbeit erwirtschafteten Geld, lässt sich ja wunderbar Zeug kaufen, was  von dieser Monotonie ablenkt und diese dann auch irgendwie erträglicher macht. Natürlich wird oft gesagt, wenn Dir Dein Job nicht gefällt, such Dir einen neuen, was angesichts der schon seit 3 Jahre währenden Krise ein eher mieser Rat ist. Dann wird oft hinterher geschoben, es wäre früher ja soviel schlimmer gewesen, da wurden Leute, die nicht mitzogen,  schlicht umgebracht. Oder es wird auf die hungernden Menschen in aller Welt verwiesen, denen würde es ja wirklich dreckig gehen, die hätten echte Probleme, das was mir Schwierigkeiten bereitet sind dagegen ja wohl Kleinigkeiten.

Ich sehe aber eine Verbindung zwischen denen die Verhungern und mir. Zufällig bin ich ein privilegierter Sklave, weil ich in einer Arbeiterfamilie in Deutschland geboren wurde. Ich hatte rein formal bis zur 4. Klasse die Möglichkeit in die Oberschicht aufzusteigen, was mir aber nicht möglich war, weil mir Schule schon immer missfiel, gerade die Spalterei durch das Notensystem. Auch andere Mitschülern fanden es blöd bestraft oder belohnt zu werden, nur weil sie bestimmte Noten hatten. Die Trennung der Klassengemeinschaft in Gymnasiasten, Realschüler und Hauptschüler sorgte für traurige Gemüter. Aber diese Gefühle mussten verdrängt werden, denn es gab klare Regeln und Prinzipien die es zu erfüllen galt, – weshalb auch immer. Eigentlich ging es ab dieser Trennung immer so weiter. Es wurde bestraft und belohnt, was entweder Glück oder Unglück in der Schule, in der Familie, im späteren beruflichen und gesamten Leben bedeutete. Es wird seit Jahrzehnten darüber gestritten ob unser Schulsystem gerecht ist und wie man es verbessern könnte. Die Fronten sind verhärtet.

Jedenfalls bin ich ein privilegierter Sklave, weil ich aufgrund der schulischen Kategorien nur bestimmte Berufe ausüben darf, Berufe die mich lediglich über Wasser halten, aber nicht  innerhalb weniger Jahre eine selbstbestimmte Entfaltung ermöglichen können. Entfaltung wird in unserer leistungsorientierten Gesellschaft eben nur möglich, wenn es Profite bringt. Tätigkeiten die keinen Profit abwerfen haben keinen Wert, sind also auch keine Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit, so die Unterstellung der Gesellschaft. Dies ist die Qual aller privilegierten Sklaven, sie dürfen Arbeiten, sie dürfen konsumieren, aber finden in dem was sie tun und leisten keine Erfüllung. Wirkliche Erfüllung ist nur für wenige Menschen in dieser Gesellschaft möglich. Für wenige Künstler, Wissenschaftler, Politiker und reiche Erben. Wer sich entfalten will braucht vorallem Kapital. Fehlt Kapital, braucht es enorm viel Anstrengungen dieses zu erwirtschaften, was aber aufgrund der hohen Konkurrenz am Markt quasi unmöglich ist.

Während der normale Sklave in Afrika von Geburt an arm ist und gar nicht die Möglichkeit hat sich in Kaufhäusern sinnlosen Gütern hinzugeben oder im Fernsehen dämliche Soaps zu betrachten, von Billig-Produkten immer fetter zu werden, muss sich ein privilegierter Sklave für ein Null-Summenspiel tagtäglichen den Arsch aufreissen, um seine Rechnungen bezahlen zu können und eben diesen entfremdeten Lebensstil meistern zu können. Beides ist Armut, beides ist Unmündigkeit, beides macht unglücklich und krank. Beides wird von unserem jetzigen politischen und wirtschaftlichen System mithilfe der Leistungs-, Wettbewerbs- und Konkurrenzprinizpien aufrecht erhalten und damit verstärkt. Und die wenigen Menschen die sich entfalten können, wollen ihren Lebensstil natürlich schützen und tun ihr möglichstes dafür auch ihren Kindern diesen Stil zu gewährleisten. All das wurde einmal als Klassenkampf bezeichnet. Aber auf beiden Seiten gab es wohl nie genug Bewusstsein dafür.

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Arbeit macht frei?

Wer einen Job will darf sich nicht die Haare und den Bart so lang wachsen lassen wie ihm das gefällt. Es geht auch nicht in Lieblingsklamotten beim Bewerbungsgespräch aufzutauchen oder Tättowierungen im Gesicht zu haben. Wir haben nach wie vor eine Gesellschaft voller Menschen die mit primitiven Vorurteilen ihr Leben begreifen und gestalten. Statt sich zu öffnen wird abgelehnt und verurteilt noch bevor sich die betreffende Person äußern kann, noch bevor man sich überhaupt näher kennengelernt hat. Denn wir haben keine Zeit, es gibt tausende Bewerber für eine Stelle und da nimmt man sich lieber für die Leute Zeit die am besten in das eigene idealisierte Bild eines Kollegen passen, auch wenn man sich dabei oft genug täuschen kann.

Komischerweise erinnert mich das ziemlich an die Zeit mit den Nazis damals, die hatten ihr Ideal vom arischen Menschen, blauäugig, blond und so weiter, man durfte keine nähere Abstammung zu jüdischen Mitmenschen haben wenn man beispielsweise an staatlichen Unternehmen teilnehmen wollte. Auch hier gab es also gewisse „Voraussetzungen“ die aus Sicht des Arbeitgebers erforderlich waren um überhaupt an eine Zusammenarbeit zu denken. Und das finde ich schon beängstigend. Ich verstehe das heutzutage nach „passenden“ Angestellten für das Unternehmen gesucht wird, aber das hat mittlerweile Formen angenommen, da kann ich nur den Kopf schütteln. Offenbar ist das gesellschaftlich anerkannt und daher gar kein Problem, also nicht erwähnenswert.

Und wenn ich so weiter darüber nachdenke haben wir noch etwas gemeinsam zu der damaligen Zeit. Wir haben immer noch den unerschütterlichen Glauben an die Arbeit. Damals hatten die Nazis an das Konzentrationslager in Dachau „Arbeit macht frei“ notieren lassen, heute scheint sich das in Millionen Köpfen eingebrannt zu haben. Denn täglich rasen und hetzen Millionen „Erwerbstätige“ durch die Strassen zu ihrem Arbeitsplatz um sich finanziell unabhängig zu machen, also um sich mithilfe der Arbeit zu befreien auch wenn das total aussichtslos ist. Und der absolute Oberhammer ist für mich, dass einige dieser Leute u.a. lange Zeit auch ich, mit Zügen sich dorthin verschleppen lassen.

Hat man überhaupt das Glück einen Job zu haben, dann muss man also mit Zügen zu den Arbeitslagern, Arbeitsplätzen gefahren werden. Kaum ist man dort angelangt schlägt einem eine Wand der Verzweiflung, Aufregung, Unruhe, Unsicherheit und Angst entgegen. Die Mitgefangenen, Kollegen empfinden ähnlich wie man selbst und mehr oder weniger wird versucht, die Situation gemeinsam auszuhalten. Wir verharren gemeinsam auf unseren Arbeitsstätten, versuchen emotional und gedanklich weit weg zu sein und harren aus. Lassen das stumpfe hämmern der Industrie über uns ergehen, nicken brav wenn der Chef Befehle und Weisungen weitergibt, ignorieren die Wut und Traurigkeit in uns auch wenn wir dadurch umso weniger das eigene Leben nicht entfalten können. Ja, so empfinde ich das. Wir haben längst wieder Konzentrationslager im Land installiert und wir haben uns daran gewöhnt, sind freiwillig dort eingezogen, im Glauben dort würden wir unsere Freiheit erarbeiten können. Stattdessen wird alles nur noch schlimmer.

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Die hässliche Fratze der Gesellschaft

Jeden Tag kotzt mir die hässliche Fratze der Gesellschaft mit ihren beschränkten selbstgefälligen verblendeten Idealen ins Gesicht. Sie schreit mich an, sie brüllt mir ins ängstliche Gesicht ich soll mich nicht so anstellen und verdammt nochmal Kohle ranschaffen. Ich bin nichts wert für diese alleszerfressende vernichtende schlachtende Maschinerie wenn ich ausschlafe, mit dem zufrieden bin was ich habe und was ich bin! Ich habe mich zu quälen und illusorischen Vorstellungen nachzurennen, ich muss mich daran aufgeilen wieviel ich im Monat verdiene, muss mich mit frustrierten Arschlöchern mit Minderwertigkeitskomplexen rumschlagen um ein „wertvoller“ Teil für diese Gesellschaft kurz vorm Abgrund zu sein!

Mein Leben ist nur dann erfüllt wenn ich mich mit monotonen Arbeitsprozessen nur für die Profite gegen die Konkurrenz und für die Ausbeutung, Verarschung von Kundschaft und Umwelt voller Selbstverleugnung die Perfektion des Asozialen vorantreibe! Ich bin nur dann etwas für diese Gesellschaft wert, wenn ich sie nicht hinterfrage, wenn ich sie annehme als wäre sie von Gott so und nicht anders vordiktiert worden, ich soll arbeiten, ich soll die Befehle annehmen und nur widersprechen wenn es die Profite, Rentabilität und die Motivation der Arbeiter und des Konzernes steigert. Meine Kreativität ist nur gefragt wenn es mich und meine Kollegen reicher macht, wenn wir uns davon völlig sinnlosen überteuerten Scheiß kaufen können. Konsumgeilheit ist wichtig wir brauchen Idioten die die Scheiße kaufen die tagtäglich in rauen Mengen produziert werden.

Meine Zweifel sind naive trottelige kindische Konstrukte die völlig haltlos sind, in Wahrheit habe ich Angst zu arbeiten, ich habe Angst das meine Leistung nicht reicht! Es ist überhaupt nichts daran das man mir seit der Kindheit eingeredet hat, ich sei wertlos und hätte mich anzustrengen um ein bisschen mehr wert zu sein als Scheiße! Es stimmt nicht das selbst Minister von Selbstzweifel zerfressen werden und glauben sie seien nicht gut genug für den Job den sie machen! Alles nur spastische Hirngespinnste, nur wer arbeitet ist frei und wer nicht arbeitet bleibt ein Nichts und wird immer ein Versager bleiben den alle treten, bespucken dürfen die Grundrechte gelten für solche Taugenichtse nicht! Dafür wurde nicht eine Industrienation aufgebaut, diese Nation soll nur für Menschen stehen die diesen Planeten mit ihrer herrlich-kranken perfekten Disharmonie verschandeln und vernichten wollen!

Ich bin der Idiot, ich habe mich nun endlich hinzusetzen, jede Woche, jeden Tag, Bewerbungen zu schreiben. Ich soll mich zu den Diktatoren hinter den Schreibtischen sitzen und darum betteln an den Schlachten in den Bürogebäuden teilzunehmen. Ich soll sagen ich will, ich kann, ich sollte, nehmen Sie mich bevor ich wertloses Stück unter der Brücke an meinem Erbrochenen ersticke! Ohne diesen Job bin ich nichts, ich brauche ihn, ich will mich daran klammern als wäre es mein Leben! So wollt ihr es doch! Ich soll dankbar sein eine miese langweilige stressige Tätigkeit in einer Firma zu bekommen, die auf Grundrechte scheißt und Profitmaximierung als einziges ernsthaftes Ziel anstrebt.

Man verlangt von mir und Millionen anderen Menschen das ich nach ihren Plänen und Maschinen wie eine Maschine funktioniere und nur dann Menschlichkeit aufkommen lasse wenn ich den Kunden damit Geld aus der Tasche leihern kann oder insgeheim eigene Vorteile unter den Kollegen rausschlagen kann! Diese Gesellschaft funktioniert nur mit Habgier, wer nicht habgierig ist geht unter und wird von den gierigen wildgewordenen Menschenaffen erniedrigt soweit es nur geht! Diese Gesellschaft soll ich mit meiner Arbeitskraft, mit meiner Lebenszeit unterstützen, ich habe zu marschieren, deren Lieder zu singen und das Nest nicht zu beschmutzen!

Ich bin das Problem wenn ich mit den Millionen Tieren mitfühle die täglich weltweit geschlachtet werden. Diese Tiere werden geschlachtet für Menschen die zu fett und dekadent sind, als dass sie sich für die Menschen interessieren die täglich zu tausenden ein paar Kilometer weiter verhungern! Ich bin das Problem wenn ich sehe wie die Menschen vor lauter Gier die größten Monster und Wracks werden nur um ein bisschen wie ein Star zu sein, nur um ein bisschen Besonders zu sein, nur um ein bisschen Aufmerksamkeit zu erhaschen für ihr trauriges irres Leben! Auch wenn alles innerhalb von Tagen völlig umsonst war!

Die Zivilisation terrorisiert sich seit zahllosen Jahrhunderten und in diesem Jahrhundert ist es nicht anders. Ich bin ein Opfer und soll wie andere gleichzeitig auch ein Täter sein. Ich soll diesen Planeten, die Tiere und Mitmenschen für mein täglich Brot vergewaltigen, zusammentreten und weitgehend ignorieren, nur damit ich eine Existenzberechtigung und entsprechenden Lohn habe!

Dies ist eine kranke kalte Gesellschaft die ihre Kinder ständig dazu zwingt sich selbst und andere Menschen zu hassen, weil sich keiner für gut genug oder vollständig hält! Die Medien und Politiker schreien ständig nach Reformen, Veränderungen, prangern Probleme von einzelnen Teilaspekten an und begreifen letztlich nicht wie schlimm und tief die Probleme tatsächlich sitzen, wo die tatsächlichen Ursachen liegen. Sie wollen Killerspiele und Waffen verbieten und erwarten das dies für ihre Interessen völlig genügt, vergessen aber die Strukturen der Gesellschaft zu verändern, die die Amokläufer, die offensichtlichen Wahnsinnigen und Irren in Wahrheit kontinuierlich hervorbringt.

Wir müssten unser gesamtes Denken verändern, unser Bewusstsein weiterentwickeln um die Quelle der Probleme zu erkennen und endlich das richtige zutun. Solange aber ständig darum gekämpft wird Menschen wie mich und andere Neulinge in dieser Welt dazu zu erziehen, zu ködern, zu locken, zu zwingen einen Job zu erfüllen den sie nicht leiden können, der keinen echten sinnvollen konstruktiven Wert hat, der sehr viele Menschen sich selbst eingeschlossen glücklich macht, wird das Leben weiterhin für Millionen Menschen eine Qual sein, eine Hetzerei, ein Pfad des Schmerzes und Leidens. Nur wenige Menschen haben soviele Privilegien, haben so eine starke reiche Familie, die das niemals erleben werden, die empfinden ihr Leben als unbegrenzt schön und frei.

Die große Masse hingegen hat das so zu erleben wie ich es ertragen muss. Ist das alles was wir vom Leben erwarten? Schmerz für Geld? Ich habe es so satt. Das ist nicht das Leben was ich Jahrzehnte leben will.

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Arbeitertagebuch

Da es mir schwer fällt Arbeit in der jetzigen Gesellschaftsform zu lieben, und ich auch sonst kaum Menschen habe mit denen ich dieses Thema besprechen kann. Werde ich ein Arbeitertagebuch führen.

Denn ich denke, es kann mir helfen den Kopf freizukriegen und besser alle notwendigen Aufgaben und Anforderungen zu erfüllen, die man von mir verlangt. Ich will mich mit diesem Tagebuch auch daran erinnern, wofür ich das mache. Denn ich arbeite nicht um mir schöne Sachen kaufen zu können oder noch reicher zu werden als ohnehin schon (Ich bin ein typischer durchschnittlicher Westeuropäer, kein Milionärssohn oder dergleichen).

Sondern um langsam meine Möglichkeiten zum Erwerb von mehr Weisheit, Wissen und Ruhe zu steigern und letztlich auch zu erfüllen. Das ist doppelt harte Arbeit und ich tue das weil ich an die Wahrheit und die Freiheit glaube.
Ich will mein Leben nutzen und nicht von Zwängen, Mustern oder anderen einschränkenden Verhaltensweisen belasten, fesseln und verkrüpeln.

Ich will also meine Gedanken hier absetzen und von meiner Gegenwart trennen. Denn ich brauche einen klaren Kopf um weiterzukommen und meine gesellschaftliche Lage zu verbessern.  Dabei will ich versuchen, keine Gefühle zu ignorieren, keinen Zwang zu produzieren, sondern wirklich Freiheit zu erleben und das große Ganze im Blick zu haben. Ich will versuchen nicht zu jammern und nicht zu optimistisch zu denken.

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Die Zähne fallen aus und die Haut zerplatzt

Wisst ihr ich habe Angst davor morgen den Leuten in der S-Bahn, Trambahn oder am Arbeitsplatz in die Augen zu sehen. In den letzten Monaten ist in mir ein Gefühl von Zerbrechlichkeit großgeworden. Ich spüre tiefe Furcht darüber wie dünnes Eis zu zerknacken wenn ich mit diesen Menschen zulange Kontakt halte. Ich fürchte das letzte in mir würde zerbrechen, wenn ich sie weiter derart beachte, derart vernünftig und freundlich umsorge und pflege.

Es ist eigenartig. Menschen können ein Segen sein. Menschen können aber auch einen Fluch darstellen. Und wenn ich morgen wieder am Tanz der Fachidiotie teilnehme, hoffe ich nicht zu stolpern und mir nichts zu zerbrechen. Ich besitze keinen Schutz. Ich habe keine dummen Verhaltensweisen. Ich war immer fair. Immer gerecht. Versuchte es jedem Recht zu machen. Aber jetzt merke ich, ich bin am Ende mit dieser Tour. Es gibt Momente, da möchte ich die schrecklichsten Menschen in meinem Alltag einfach aus meiner Wahrnehmung löschen. Sie nehmen mir die Lebensqualität mit ihren vergifteten Aussagen, mit ihren widerlichen Blicken, ihren Forderungen, ihrer Selbstverständlichkeit.

Viel zu empfindlich bin ich geboren worden. Viel zu leicht zu vernichten. Ich bin nicht geschaffen für Hallo, Mahlzeit und Schönen Abend noch. Ich hasse es Kaffee zu kochen, den Kopierer zu benutzen oder Telefonate entgegenzunehmen. Denn das bin nicht ich! Das ist die Gesellschaft. Das ist der Fremdkörper in meinem Leben der mich tief traumatisiert hat. Aber ich bin zäh, ich will leben, ich kann nicht einfach aufgeben. Es hämmert, es trümmert, aber ich lebe! Zäh lebe ich. Aber genießen kann ich kaum und immer weniger. Wofür lebe ich, wenn nur für die Arbeit? Ich bin kein Arbeiter. Warum will man mich zu einem machen? Warum fordert man von mir es auch zu wollen?

Ich bin traumatisiert vom fauligen Geruch der Menschheit, ich leide mit all den Toten die für Gerechtigkeit und Vernunft starben, ich zerbreche, blute, kotze und falle in tiefe Stachelschluchten immer und immer wieder… die Tage sind eine Qual, mir bleiben nur die Nächte voller zarter Träume, voller Umrisse, voller Schatten einer anderen Zeit. Ohnmächtig fern, schwer tolpatschig, zementiert im Gefühl peitsche ich meinen Kadaver durch ein unwürdiges Leben. Taub. Stumm. Blind.

Mir schwinden die Sinne, – ich muss krank sein, ich muss krank sein wenn ich keinen Gefallen daran finde zu arbeiten. Ich will ja, ich will ja, aber doch nicht sofort, ich muss doch noch klären was das Leben bedeutet, was die Liebe ist, ich muss doch wissen was die anderen Menschen denken.. Ich kann doch nicht jeden Tag angekettet in einem Büro kauern und Zettel fressen und widerliche Gespräche enträtseln!! Ich kann doch, aber ich will nicht, denn es macht mich widerlich, denn es macht mich ungerecht, es macht mich TOT!

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