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Linke Torten

Kritikpunkte zum Tortenwurf:

  1. Verdrängung: »Die Schuldprojektion des eigenen Versagens, der Protogenozidalität des linken Pazifismus, an der Kollaboration mit faschistischen, djihadistischen Regimes.« [1]
  2. Pseudo-Aktivismus: Man hat der  »repressiven Intoleranz gegen den Gedanken« [2] nachgegeben.
  3. Personalisierung: Das Elend der Linkspartei/Sozialdemokratie wurde auf eine Person reduziert.

Kritikpunkte zur Linkspartei:

  1. Antisemitismus: Das antisemitische Ressentiment wird in dieser Partei regelmäßig und flügelübergreifend tabuisiert oder bestenfalls reaktiv bagetellisiert. [3] Die Linkspartei geiselt gerne „das Vorgehen der israelischen Armee“ [4], verurteilt die „Finanzmafia“ [5], empfängt Antisemiten mit Beifall [6], fordert „U-Boot-Lieferungen an Israel“ [7] zu stoppen und wünscht mehr Unterstützung im Kampf gegen „die Besatzungspolitik“, „unmenschliche Blockade“ und „brutalen Enteignungen“ [8] im Gaza-Streifen. Demnach scheint der Linkspartei Israel trotz aller Existenzrechtbeteuerungen [9] vorallem schmerzvolle „Mahnung“ [10] und „Verpfichtung“ [sic!] [11] diesen Staat endlich von der Landkarte zu tilgen, denn nichts anderes als ein eliminatorischer Verfolgungswahn steckt in diesen Forderungen nach „Überwindung dieses Zustands“ [8].
  2. Antiamerikanismus: Egal ob sich „US-Oligarchen“ [12] scheinbar über das machtlose Volk erheben, Deutschland eine „US-Kolonie“ [13] wird oder die Formierung einer Volksfront gegen TTIP [14] notwendig scheint: „Fuck the US-Imperialism“ [15] kommt in dieser Partei immer gut an. 
  3. Nationalbolschewismus: Eine Partei, die in geheimdienstlicher Manier vergangener SED-Zeiten Listen über politische Gegner anfertigt [16], die Arbeitsplätze zuerst für Deutsche fordert, vom Missbrauch des Gastrechts, von „Obergrenzen“ [17] spricht und Abschiebungen durchführt [18] kann nicht links oder antifaschistisch genannt werden, denn sie stellt das Wohl der Volksgemeinschaft über Menschenleben. 
  4. Selektives Aufstehen gegen nationalistische Regression: Während die Linkspartei den Tortenwurf als „asozial“ [19] bezeichnet, feierte die gleiche Partei eine Ohrfeige derart, dass sie zu einer Bundespräsidentschaftskandidatur führte. [20]
  5. Antiziganismus: Das Kunststück einerseits Schweigeminuten für Flüchtlinge zu halten [21], die man andererseits mit der eigenen Politik in Gefahr bringt [22], spricht eine deutliche Sprache über die konformistische Revolte, die innerhalb der Linkspartei lodert.
  6. Die Lobhudelei der „Marktwirtschaft“ [23], das Abfeiern des „Sozialstaates“ [24] und der Lohnarbeit [25] sind obendrein  affirmativ und regressiv.

Insofern bleibt am Ende mehr Kritik an der Linkspartei als an der Protestnote hängen, obwohl beide Seiten eines Tortendeckels sind.

Quellen:
[1] Facebookposting von Felix Riedel: https://www.facebook.com/felix.riedel.92/posts/1122454054444016
[2] »Resignation« – Von Theodor W. Adorno: http://www.conne-island.de/nf/80/29.html
[3] http://www.hagalil.com/2014/09/antisemitismus-in-der-linkspartei/
[4] https://www.die-linke.de/index.php?id=251&tx_ttnews%5Btt_news%5D=33626&tx_ttnews%5BbackPid%5D=35&no_cache=1
[5] http://www.sahra-wagenknecht.de/de/article/2318.panama-papers-belegen-tatenlosigkeit-der-bundesregierung.html
[6] http://www.welt.de/politik/deutschland/article134328086/Wo-die-Linke-ist-sind-Israelfeinde-nicht-weit.html
[7] https://www.die-linke.de/index.php?id=251&tx_ttnews%5Btt_news%5D=18345&tx_ttnews%5BbackPid%5D=35&no_cache=1
[8] https://www.facebook.com/sahra.wagenknecht/posts/1323478964336164
[9] http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-06/ramelow-linkspartei-israel
[10] https://www.facebook.com/sahra.wagenknecht/posts/1323061511044576
[11] https://www.facebook.com/linksfraktion/posts/10153732036468434
[12] http://publikative.org/2015/12/14/wagenknecht-antiamerikanismus/
[13] https://twitter.com/SWagenknecht/status/591226312687222784
[14] https://www.die-linke.de/politik/aktionen/ttip-und-ceta-stoppen/positionen-zu-ttip/
[15] https://www.facebook.com/oskarlafontaine/posts/912235182171283
[16] http://www.sueddeutsche.de/politik/linke-gysi-bartsch-und-die-lafodoedel-1.2671809
[17] http://www.vice.com/de/read/gastrecht-verwirkt-obergrenzen-fuer-fluechtlinge-ausbildungsplaetze-zuerst-fuer-deutsche-773
[18] »Ja, Thüringen muss abschieben«, sagt Hennig-Wellsow http://www.neues-deutschland.de/artikel/1013378.linkenspitze-wiedergewaehlt.html
[19] https://www.facebook.com/KatjaKipping/posts/1173088142723177?hc_location=ufi
[20] https://www.die-linke.de/nc/politik/aktionen/archiv/2012/beate-klarsfeld-kandidiert/
[21] https://twitter.com/katjakipping/status/736856679757811712
[22] http://jungle-world.com/artikel/2016/07/53509.html
[23] http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/linkspartei-ist-sahra-wagenknecht-noch-links-14018254.html
[24] https://www.die-linke.de/partei/dokumente/programm-der-partei-die-linke/iv1-wie-wollen-wir-leben-gute-arbeit-soziale-sicherheit-und-gerechtigkeit/soziale-sicherheit-im-demokratischen-sozialstaat/
[25] https://www.die-linke.de/partei/dokumente/programm-der-partei-die-linke/iv1-wie-wollen-wir-leben-gute-arbeit-soziale-sicherheit-und-gerechtigkeit/gute-arbeit/

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Deutschlands Wutbürger

Hunderte Berliner applaudierten am 1. April 2014 mit Begeisterung einem antisemitischen Demagogen, der nun auch im Internet mit zehntausenden Klicks innerhalb weniger Tage großen Erfolg hat.

Ken Jebsen ist als deutscher Wutbürger, und Wut ist hier in all seinen Auftritten wörtlich zu nehmen, vorallem in Folge seiner Querfrontstrategie zu einigen Kunststücken fähig: Er argumentiert einerseits eindeutig antisemitisch, wenn er behauptet, der „Zinseszins“ und die „Wirtschaftseliten“ würden die Welt regieren und stellt sich andererseits gleichzeitig auf die Seite von Dutschke (APO, SDS, marxistischer Soziologe) und die Geschwister Scholl.

Desweiteren ist er konsequent uneindeutig wenn er diverse Themen anspricht: Er sei für „Veränderungen“ und „Aktivist“, weil er „aktiv ist“ (wer hätte das gedacht) und „unabhängiger Reporter“ (was auch immer das heißen soll), der nicht zum Kanzler gemacht werden will (sondern Reichskanzler?), der „die da oben“ wegfegen will (Marsch nach Berlin?), der für Konsumverzicht, Dezentralisierung, Schwarmintelligenz (Blut- und Schicksalsgemeinschaft?), den Aufbau eigener Medien (Völkischer Beobachter?) plädiert: „Wir brauchen unser eigenes Twitter, Google, Facebook“ (Antiamerikanismus darf nicht fehlen). Er hetzt gegen Banken, Merkel, die FDP, Wahlen, breitet 9/11 Verschwörungstheorien aus, hat etwas gegen „totale Überwachung“, „gegen Regierungen“ und „gekaufte“ Politiker, misstraut den Amerikanern mehr als den Russen, befürchtet den „dritten Weltkrieg“ in Europa usw. Seine Thesen richten sich dabei strikt an die Vorurteile und Emotionen seiner Zuhörer, die alle Steilvorlagen dankbar und jubelnd aufgreifen.

Warum Zinseszinskritik im besonderen antisemitischer Struktur ist? Wenn man die Produktionssphäre von der Zirkulationssphäre unterscheiden bzw. trennen will und das tut Jebsen, wenn er den Zinseszins einsam herausstellt, dann steht das in einer Linie mit historischen, antisemitischen Vorläufern wie Proudhon, Lassalle, Gesell, Gottfried Feders. Man argumentiert damit automatisch gegen das schlechte, unproduktive, raffende Kapital (z.B. Zins, Finanzkapital) und für das gute, produktive und schaffende Kapital (Lohnarbeit), – denn man bedenkt die Werttheorie, das Geld, das Kapital, den Profit, den Staat, die Nation, den Fetisch, die anonyme Herrschaft, die Konkurrenz, den Doppelcharakter der Ware und der Arbeit usw. nicht. Wohin das führen kann, haben die Konzentrationslager des Nationalsozialismus bewiesen, der den Kapitalismus wie Jebsen personalisiert hat (Eliten, die angeblich alles an sich reissen, wie eine jüdische Krake, wie zuletzt bei der SZ, die antisemitisch Facebook kritisierte: http://cdn1.spiegel.de/…/image-663644-panoV9free-yzlf.jpg) und Juden mit dem Kapital gleichsetzte, eben anstelle des Kapitals die Juden ausrottete, um damit den Versuch zu unternehmen, das deutsche Volk zu retten. Nicht umsonst wurde zwischen schaffenden und raffenden Kapital unterschieden.

Ein neuer Volkstribun (so nannte Goebbels einst Hitler) ist geboren, der die deutsche Seele liebkost. Der Vergleich hinkt? Hat Hitler nicht auch eine Querfrontstrategie verfolgt („Nationaler Sozialismus“)? Hat er nicht antisemitisch argumentiert? Hat er nicht gegen die demokratischen Politiker gehetzt? Katastrophen beschworen? An Emotionen und Vorurteile appelliert? Die Deutschen als passive Opfer hingestellt, die sich endlich erheben mögen? Der moderne Antisemit hat aus Auschwitz gelernt, spricht nicht mehr offen von der Ausrottung, versteckt seinen Antisemitismus hinter indirekten Schachtelsätzen, scheinbar gutem Willen wie Jebsen hinter „Frieden“ und „Veränderung“ (Siehe: Die Sprache der Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert – Von Prof. Schwarz-Friedel).

 So zieht der brave, augenscheinlich geläuterte Deutsche und moderne Antisemit gerade wegen Ausschwitz in den Krieg, wie damals Joschka Fischer 1999 bezüglich dem Kosovo argumentierte  und heute Joachim Gauck, der die historische, deutsche Schuld nicht als „Recht auf Wegsehen“ betrachten sondern vielmehr im Gegenteil verstärkt mit Deutschland militärisch eingreifen will. Jebsen muss noch wütender werden, denn er hat Konkurrenz mit all den Sarrazins („Deutschland schafft sich ab“) und Elsässers („Feindbild Familie“) dieser Nation, die auch schon sehr erfolgreich den deutschen Volkstod befürchten. Wobei die sich alle schon auf diversen Podien die Hand gereicht haben. Immer mehr Menschen „wachen auf“. Endlich heisst es wieder: „Deutschland erwache.“ Würde es doch lieber für immer schlafen.

P.S. Hier noch eine Jebsen-Kritik

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