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Wenn Tränen nicht genug sind

Die Sinnlosigkeit des Lebens steigert sich mit der irrationalen Gesellschaft in der wir leben. Natürlich fällt das nicht auf, wenn das soziale und berufliche Leben scheinbar intakt ist. Aber jeder gerät dann und wann in eine Schocksituation, wenn ihm ein winziges Element des alltäglichen Grauens plötzlich entgegentritt. Ein Erlebnis außerhalb der barbarischen Routine verschlägt kurz die Sprache, die sonst alles zurecht zu rücken weiss. Der schmutzige Obdachlose, der stinkend und versunken im Rausch mitten auf der Rolltreppe liegt, wäre so ein exemplarisches Bild, wo die Massen ignorant drübersteigen, um noch mehr solcher gescheiterter Existenzen hervorzubringen.

Das mir der Ekel entgegenschlägt, wenn ich auch nur daran denke die Wohnung zu verlassen ist einfach Ausdruck von Millionen Schlüsselerfahrungen, die über die Jahre zusammengekommen sind. Allein die Idee so zutun als wäre es völlig normal, dass jeden Tag zehntausende Menschen trotz genug Lebensmittel verhungern, schlägt mir jeglichen Lebensmut aus. Aber genau diese Ignoranz ist für alle Menschen kein Anlass irgendwelche Barrikaden zu errichten und solange zu streiken bis sich etwas ändert. Es ist sogar so, dass man sich rechtfertigen muss, wenn man über so eine Tatsache empört ist. Und so geht es dann bei etwas geringeren Katastrophen weiter. Allein die Frechheit der Universität formale Logik über Reflektion zu stellen müsste ihren Untergang bereiten. Aber stattdessen gibt es von Millionen Studenten als Quittung die Totenstille der aufopferungsvollen, konformistischen Betriebsamkeit.

Mir ist richtig übel. Mir dreht sich körperlich der Magen um, ich fühle mich Elend und ganz grässlich, wenn ich daran denke, auch nur noch einen Tag mit dieser Welt verbringen zu müssen, die die Verkehrung mehr liebt als das Glück. Und die Isolation ist unüberwindbar, weil diese affektive Besetzung allgemein stark ist. Es gibt überhaupt keinen Begriff von irgendwas. Und dadurch wird alles rekursiv. Meine Gedanken kreisen seit Jahren um die Attentate, die die Gesellschaft permanent auf mich ausübt. Sie bringt mich permanent in die Notlage, hält mich in der Krise, streicht mich durch, bemängelt, sabotiert, manipuliert mich und ich kann seit meiner Geburt absolut nichts dagegen machen. Es ist so als wäre ich ein lebendiger Teil eines toten Dings, welches wie eine presslufthammerartige Maschine unaufhörlich auf der Stelle tritt und ein Überleben nur unter Hochspannung erlaubt. Da hilft kein Schreien, kein Toben, kein Kritisieren, keine Verweigerung, kein Widerstand, auch das Mitmachen bietet keine Ruhe vor dem Terror den alle für normal halten. Einzig der Tod entzieht einen mit Gewissheit, daher auch die hohen Suizidraten weltweit.

Dieser Verlust von Sensibilität, die absolute Pampigkeit, die rigoros umsich greift, wenn man auch nur mal den Hauch von Innehalten offen zeigt, die alles niederschlägt, weil es das Andere nicht ertragen kann, weil es kränkt, weil es daran erinnert, dass das eigene Leben bislang umsonst gelebt wurde, zerstört auch in mir Tag für Tag den letzten Rest an Reflexionsvermögen. Und dieses Spannungsverhältnis kann ich als Einzelperson nur verlieren. Entweder man hält die Ambivalenzen aus oder man geht zugrunde. Mit Sicherheit bleibt die Bedrohung gleich, die Angriffe werden boshafter, undurchsichtiger, durchschlagender. Mit dem Alter verliert sich Kraft, Zeit und Netzwerk, womit der Niederschlag härter und deutlicher ausfällt. Nichts hält dieses Monstrum auf und niemand versteht irgendwas. Und dann wundern sich die Leute, wenn man nicht vergnügt im Hörsaal formale Logik paukt. Ich kann mich nicht mehr selbst täuschen: Mir fehlen die Worte. Nichts beschreibt die Lage mehr präzise. Es ist vorbei. Und wahrscheinlich hat in vergangenen Zeiten bloß eine Illusion von Beschreibbarkeit existiert, die das schreiben irgendwelcher Phrasen ermöglichte.

Jede Tätigkeit verfängt nur weiter, brütet neues Unglück aus ist verwoben mit dem Falschen. Nirgends wird es auch nur ansatzweise thematisiert, schliesslich ist die Aktivität in jeglicher Hinsicht auf die Fortsetzung der Generalmobilisierung gegen das Leben konzentriert. Einspruch unmöglich und sowieso abgelehnt. Wer hier nicht folgt, der verliert, wogegen diejenigen, die folgen, vielleicht etwas später verlieren. Und letzteres ist die Masse, die überall mit einer Selbstverständlichkeit agiert, dass es trotz wiederholter Betonung nicht genug frappieren kann. Nichts gelernt aus der Geschichte des Nationalsozialismus, alles verdrängt und mit anderen Worten fortgesetzt: Das ist mein wachsendes Irritationsmoment gegenüber dieser Welt. Die Katastrophe geht immer weiter und nie kommt irgendwem auch nur die Idee von einer Notbremse in den Sinn. Schrecklich. Die Zerstreuung, um das zu ertragen, ist noch nicht erfunden worden.

Ich weiss also nicht warum noch weiterleben. Es ist eine Frage, die sich seit der Kindheit aufgedrängt hat, in der Pubertät und Jugend sich durchzog und jetzt im jüngeren Erwachsenalter geblieben ist. Dass nun die ungewisse Zukunft aufgrund der Erfahrung als Schrecken gewiss ist, macht die Umstände nicht besser. Aus dem Unwetter kommend, im Unwetter stehend ins Unwetter zu gehen, ohne zu wissen was das alles soll oder wie es besser sein könnte, wird es sicher nicht mehr lange gehen. Sich damit abzufinden bereitet das Ende vor. Es ist die Gleichgültigkeit gegenüber sich selbst und dem Leben insgesamt. Das die Maschinerie gewinnen würde hatte ich geahnt und doch bin ich enttäuscht. Es war immer schon alles entschieden. Es gab keinen Kampf, der sowieso verloren worden wäre. Hoffnung war schon immer schal. Mein Lebensmut war immer zart. Die Tritte der Umgebung haben ihr übriges getan. Dahingehend ist die letzte Bastion zu sehen: Die Vorfreude auf das Ende gleicht dem glücklichen Selbstmörder, der die Tat noch nicht vollzogen hat, aber endlich ihre konkrete Umsetzung kennt.

Dies bereitet keine Grundlage für irgendwas. Es setzt nur die Unmöglichkeit fort mit sich, den anderen und dem allgemeinen Dämon zu leben. Ich weiss nicht wohin mit mir und euch. Mir ist das alles peinlich und jedes Wort ist zuviel und ungenau. Ratlosigkeit, Apathie, Angst und Trauer verbindet sich mit Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Dummheit und Wahnsinn. Dagegen gibt es kein Mittel. Der Himmel ist global dunkel geworden. Wenn es eine Überschrift für mein Leben geben soll, dann: Allein. Ich war immer schutzlos ausgeliefert. Gestern, heute und morgen. Die Gewalt ist überall und zugleich unidentifizierbar. All die Tritte machen irgendwann regungslos in der Erwartung, dass alles und alle glauben man sei längst tot. Das war nie ein Leben, das war nur ein Ausharren darauf, dass es endlich vorbeigehen möge.

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Blood on the dürüm

Man trinkt den Weißwein aus der Flasche besonders in der U-Bahn und als Gruppe. Die Bettlertrupps gehören zum Inventar wie das Volkstheater. Deren Aufseher sind wie unnachgiebige Dirigenten. Einsame Frauenherzen schmunzeln über verliebte Pärchen, die sich aneinander lehnen. Migranten tummeln sich hinter versifften, verwaschenen Plexiglasscheiben und vor irgendwelchen Massencomputer, um dort billig zu surfen. Der Asphalt ist voller Flüssigkeiten, die schräg den Gehsteig hinunterlaufen. Cops kontrollieren Migranten. Blaulicht in der Nacht. Mädels reden über gescheiterte Beziehungen, die Unfähigkeit der ehemaligen Partner. Andere singen ihre Lieblingssongs. Männer reden darüber, dass sie nicht die Rolltreppe hinunterlaufen können, weil zu wenig Platz ist obwohl genug Platz ist. Fetzige, grelle Outfits wechseln sich mit dreckiger Arbeiterkluft, edlem Pelzmantel und teuren Anzügen ab. Trotz riesigem Gerangel herrscht Gelassenheit und Ruhe beim sonntäglichen Supermarkteinkauf. Fremde Hunde werden gestreichelt, man nickt einander vertraut zu. Dann noch mehr Märkte mit sovielen Nationalitäten wie die Welt zu bieten hat: Arabische, russische, chinesische, japanische, türkische, italienische, ungarische, indische Spezialitäten. Zuviele Waren um sie jemals probiert zu haben. Obdachlose singen Urfaust-Interpretationen nach und liegen lässig mit gestreckten Beinen mitten auf den Fußwegen herum. Andere pinkeln vor das Universitätsgebäude. Keiner hält sie auf. Es gibt auch keine Fahrkartenkontrolleure. Keine Ruhepausen der U-bahnen. Aber Schluss ist Samstags schon um 18 Uhr. Was nun nicht bei den Handyverkäufern gilt. Hunderte strömen aus den U-Bahnen. Die Bahnen rattern und scheppern in dunkle Löcher hinein. Aus dem Nichts taucht ein schmaler, kleiner Junge auf, der auf seinem Skateboard verschnörkelt durch die Menge fährt. Kinder rollen auf ihren Schuhen umher, die an der Sohle kleine Rollen angebracht haben. Jemand trägt einen großen Strauß weißer und roter Rosen grinsend durch die Gegend. Zwei Kumpels mit Elvisfrisuren scherzen miteinander herum. The Doors schwirrt laut durch eine Häuserschlucht. Man hat Blut an der Jacke vorm Kebabladen und bestellt lächelnd Dürüm.

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Elendiges Studentenmillieu

Studienbeginn leicht gemacht, heisst es auf der Webseite. Es muss einem als Studienbeginner wie blanker Hohn erscheinen. Jedes Detail ist vom Studenten selbst zu erbringen. Entgeht ihm irgendeine Information aufgrund von Zufällen oder falschem Optimismus, hat er prompt Stunden mit Rennerei verbrannt. Die Servicestellen lassen sich Informationen höchstens aus der Nase ziehen, schliesslich sind sie seit Jahren die Massen von Studenten mit ihren immergleichen ahnungslosen Fragen längst müde geworden.

Und wo wir schon bei Massen sind: Die Massen ziehen zu überfüllten Hörsälen, an pinkelnden, schmuddeligen Obdachlosen und verbissen dreingrinsenden Greenpeaceflyerverteilersklaven vorbei. Am Ende steht ein Professor hunderten Studierenden aufeinmal gegenüber. Massenuniversität, es wird einem klar, wenn man selbst in einem der größten Hörsäle der Universität keinen Platz mehr findet und mitten auf den Gängen sitzen muss. Schlimmer macht es, dass man sich dadurch vergewissern kann, wieviele Konkurrenten eigentlich exakt dieselben Trampelwege besteigen, wie man selbst. Wieder so eine Drohung. Es gibt tausend Andere, hol alles aus Dir heraus oder das war es mit Dir und Deinen sogenannten Träumen. Wer die stickige Luft und hunderte Gesichter links und rechts von sich nicht ertragen kann, sollte lieber sofort verschwinden und es so tun, wie man es an solchen Universitäten offensichtlich triggern will: Allein.

Allein ist überhaupt gleich das nächste Problem. Es mag tausende Studenten geben, hübsche, intelligente, wie hässliche und dumme, aber letztlich studiert man allein. Der gemeine Student ist zu sehr damit beschäftigt Hörsäle, Meldeämter, Öffnungszeiten, Straßen, Vorlesungen, Bücher, Kapitel, Wohnungen, Jobs, ECTS-Punkte zu finden oder zu erhalten. Glücklich sind jene, die schnell Bezugspersonen oder Gruppen gefunden haben. Andere, die stiller, vorsichtiger oder schlicht unattraktiv sind, haben es doppelt so schwer, schliesslich entgehen ihnen die Erfahrungen und Kontakte anderer Mitstudenten.Und Geld verbrennt man dadurch noch schneller als Kalorien beim herumlaufen durch eine riesige Stadt. Natürlich mag es auch genug Studenten geben, die den ganzen Tag nur kichern, ausschlafen, zocken, shoppen und feiern. Für derartige Kreaturen dürften all diese Aspekte kaum ins Gewicht fallen.

Das organisatorische frisst vor allem in der Anfangsphase mehr als der eigentliche Lehrinhalt. Das sollte man nicht unterschätzen. Und da haben wir noch gar nicht von den inhaltlichen Problemen gesprochen, die ja überhaupt nirgends zur Verhandlung stehen. Die Maschinerie existiert also auch im akademischen Bereich. Die Studentenschaft wird von ihr tausendfach eingesogen, dabei gehen sicherlich hunderte dabei kaputt, aber darum ist es nicht schlimm, schliesslich gibt es kontinuierlichen Nachschub, der diese Bedingungen bewusst, ahnungslos oder bedigungslos hinnimmt bzw. hinnehmen muss. Ohne ein genaues Ziel und entsprechender Entschiedenheit, dieses zu erreichen, ist es nicht zu bewältigen, dieses verdammte Studium.

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Metropolis

In eine neue Stadt zu gelangen, ist manchmal wie, als würde man in einen Krieg geraten. Milliarden Aspekte stürzen auf den Neuankömmling ein. Gesichter, Augenblicke, Gebäude, Straßenzüge, Stadtpläne, Sprachen, Plakate, Geschäfte, Konsumartikel, Schuhgeklapper, U-Bahnen, Fahrzeuge, Menschen und Tiere. Die Perspektive verändert sich völlig, obwohl sich die Normalität des Alltags kaum von anderen Städten unterscheidet. Menschenmassen marschieren zur Rush-Hour ob Morgens oder Abends durch die Adern der Stadt und bringen sie dadurch zum pulsieren. Termine, Prüfungen und Aufträge müssen erledigt werden, um Rechnungen bezahlen zu können. Wer die Bürokratie, Fristen und Erledigungen nicht rechtzeitig befriedigt verliert.

Ein Neuanfang in einer anderen Stadt birgt noch mehr als im gewohnten Umfeld das Risiko, von ihr zerdrückt zu werden. Die Bettler zeugen davon. Die um Aufmerksamkeit bettelnden Flyerverteiler vor besonders stark frequentierten Gebäuden wirken auf mich ähnlich vom sozialen Abstieg bedroht, ist es doch eine geringbezahlte, wenig qualifizierende Tätigkeit. Es ist eine Drohung: Pass nur auf, wenn Du dich nicht anstrengst, landest Du selbst in diese Situation. Völlig allein mit einer gewaltigen Millionenstadt zu ringen, ist grausamer als ein wochenlanger Marathonlauf durch die Wüste. Entscheidend ist, Prioritäten zu setzen und strikt die Aufgaben abzuarbeiten. Für den Genuss bleibt allerdings kaum Raum übrig.

Die erste Vorlesung hatte den selben Charakter, der Professor kündigt an, dass es in wenigen Wochen eine Prüfung geben wird, die die Spreu vom Weizen trennt. Für einige wird es das abrupte Ende ihrer akademischen Ambitionen bedeuten. Es handelt sich um einen gnadenlosen, ausufernden Vokabeltest, der im Grunde auf dem schulischen Bulemielernen beruht. Eine Enttäuschung ist das Studium überhaupt vom ersten Tag an: Man ist völlig auf sich allein gestellt. Man ist sein eigener, kompromissloser Manager, betreibt endlose Selbstoptimierung, plant und absolviert Vorlesungen, Lerninhalt und -form. Man durchwandert einen Schlauch, der einen von den anderen trennt. Die gewaltigen Fassaden der Universität verschlucken den Menschen an sich. Da ist eine unendliche Einsamkeit im Studentenleben, die sich auch nicht vom professoralen Mikrofonnutzer oder den geringen Erkenntnissen aus dem Studium selbst berühren oder mildern lässt.

Ernüchterung graut am neuen Ort also bei genauerem Blick schnell auf. Möglichkeiten interessante Menschen kennenzulernen, verringern sich sofort, wenn man sich vergewissert, welches Pensum zu absolvieren ist. Studieren ist ein Vollzeitjob und dennoch sollte nebenbei auch noch gejobbt werden, damit die Verschuldung einem nicht über dem Kopf wächst. Der Druck Leistung und Geld in durchschnittlichen oder besser überdurchschnittlichen Sinne tagtäglich erreichen zu müssen, zerfrisst einem kontinuierlich die Muse, die Stadt und deren Menschen zu entdecken. Darin liegt die grauenvolle Ruhe innerhalb der emsigen Betriebsamkeit: Ganz ergeben in diesem leistungsortientierten Konkurrenzkampfes, identifizieren die Individuen gar nichts falsches in ihrem Leben. Es ist wie es ist, damit lebt man, auch wenn einem das Gesicht und erst Recht die Seele dabei einfällt. Die Zeit heilt keine Wunden, sie reisst eher neue auf. Jede Stadt reisst neue auf. Da den Spagat zu finden, der das Wundenlecken ermöglicht, ist die Herausforderung, die nur mit größter Vorsicht und Disziplin realistisch wahrgenommen werden kann.

Der Hoffnung auf ein reichhaltiges, wunderbares Leben eine Chance zu geben, bedeutet täglich dem allgegenwärtigen politökonomischen Prinzip Leben abzutrotzen. Es gehört Entschiedenheit dazu ganz bewusst jeden Tag etwas für sich zutun und nicht für den Beruf oder das Studium. Die Lebensqualität ist irgendwo in winzigen Nischen und Momenten der gesellschaftlichen Beziehungen versunken. Sie aufzuspüren ist eigentlich für sich schon ein Fulltimejob, der allerdings nie bezahlt wird, hierin liegt dann wohl die Qual bei der Suche nach Lebensqualität.

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Mangelnde Kommunikation

Wo wird denn in dieser Gesellschaft noch in Gruppen über die großen Probleme der Gesellschaft diskutiert? Wo werden Lösungen erarbeitet und wo wird versucht sie in der Realität auszuprobieren? In der Arbeit wird es wohl kaum solche Debatten geben, dort orientieren sich die Angestellten und leitenden Angestellten nur am betriebsinternen Alltag und wickeln Kundenaufträge und etwaige Probleme ab. Darüber hinaus gibt es unter den Kollegen kaum Gespräche über die Fehler bzw. Denkfehler dieser Gesellschaft. Es wird gequatscht über Fußball, Frauen, Saufen, Firmen, Branchen, sicher auch mal über die Politik, aber aufgrund der hohen Komplexität bleibt es immer bei oberflächlichen Sprüchen und Phrasen.

Die Parteien in unserem Land sind vielleicht die einzigen Gruppen die tatsächlich quasi täglich etwas grundsätzliches  verändern (wollen), aber in den meisten Fällen leider nicht zum Positiven für alle Menschen, sondern nur für eine begrenzte Anzahl von Menschen, für eine bestimmte Klientel oder Wählergruppe. Die Wahlen sind längst zu einer Art monströse PR-Show abgestürzt, es geht nur noch darum die Wähler zu verführen, ihnen alles zu erzählen damit sie wählen, was gewählt werden soll. Es geht nicht mehr um Ideale, Prinzipien, Moral, Ehtik, was zählt ist die Erhaltung der Macht, die Anhäufung von Kapital, die Unterdrückung der kritischen Meinung. Hier kann sich kein Bewusstsein bilden, welches über dieses Konkurrenzdenken hinaus geht.

Die Menschen kämpfen gegeneinander, egal ob in Politik oder Wirtschaft. Es ist irrational sich für andere Menschen einzusetzen, denn es lohnt sich finanziell nicht, man hat quasi „nichts“ davon und immer mehr Menschen lassen es daher, sich für grundlegende Probleme der Menschheit zu interessieren, geschweige denn Lösungen zu erarbeiten. Lieber beschäftigt sich die Masse mit Dingen die nicht so kompliziert sind und nicht so schwer fallen. Es wird versucht das Leben zu genießen, während täglich Tausende verhungern, Tausende an heilbaren Krankheiten verenden, Millionen mit ein paar Cent pro Tag auskommen müssen. Obwohl wir eigentlich wissen müssten, als privilegierte Menschen der westlichen Hemisphäre, wir können nicht glücklich sein solange soviele bzw. nur irgendein Mensch derartiges Leid ertragen muss.

Es steckt in unserem Bewusstsein, und wenn wir weiter versuchen zu verdrängen, wird uns das weiterhin unglücklich machen. Wenn wir nicht lernen hinzusehen und schon gar nicht darüber kommunizieren wollen, wenn wir keine Plattformen schaffen, wo das alles endlich stattfinden wird, wie soll es dann Lösungen geben die ins Paradies führen?

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Überlebenskampf

Obwohl ich nicht den härtesten Job habe, bin ich jeden Abend nach der Arbeit ziemlich müde und kaputt. Da bleibt nicht mehr viel Elan für andere Dinge. Auch wenn ich mir täglich etwas vornehme, wird am Abend wenig oder gar nichts daraus. Ich denke ich stecke genauso wie viele andere Leute ziemlich fest im Arbeiterleben.

Jeden Tag gibt es nun Routine auf allen Bahnen meines Lebens. Ich stehe zurselben Uhrzeit auf, dusche, frühstücke und so weiter. Dann aufs Fahrrad, Musik an, S-Bahn, traurige, deprimierte, hängende Gesichter. Einige Leute rauchen oder unterhalten sich, gucken wo die S-Bahn bleibt und reiben sich die Hände vor Kälte.

Dann kommt sie mit den üblichen immer gleichen Geräusch. Ein paar steigen aus, viele wollen rein, die Jagd auf einen Sitzplatz beginnt. Station für Station kommen mehr Leute und es wird voller. Ich lese und höre Musik. Ich versuche möglichst keine Gefühle oder Gedanken über den bevorstehenden Tag zu hegen, das würde mich nur belasten.

Nach weiteren Stationen steige ich um, sehe noch mehr trübe Gesichter und fahre wieder herum. Dann in den Bus, der auch immer nur dieselbe Strecke kennt. Ich steige aus und dann die Treppen des Firmengeländes zur Abteilung hoch. Sage: Guten Morgen, werfe meine Jacke auf den Stuhl und dann geht dieselbe Leier des Vortages von vorne los.

Und das ist nur ein Teil des Ablaufes der sich ganz ähnlich wiederholt. Ich bin mir sicher, so leben neben mir noch viele Millionen andere Menschen. Die einen zweifeln ob das schön ist, die anderen wissen das es erbärmlich ist, und so weiter. Jeder hat so seine Art und Weise seine Situation zu  beurteilen und dann zu durchleben. Wenn ich meinen Alltag so betrachte, und die Gedanken und Gefühle die daraus folgen beobachte, dann kann ich mein Leben nur als stumpfsinnig definieren.

Ähnlich definiere ich wenn ich das Leben von Millionen anderen Menschen betrachte. Sicher, auch die Tiere leben im Stumpfsinn, sie scheinen mir aber im Wesentlichen nicht so einem Chaos ihrer direkten Artgenossen ausgesetzt. Der Mensch ist durch sein Denken wirklich immer schlimmer geworden. Ich weiss nicht was ich aktiv dagegen machen soll.

Es ist mir nicht möglich die Welt zu ändern, oder gar ein Land zu ändern, denn dafür bräuchte ich soviele Eigenschaften, Geld und Macht, die ich in meinem ganzen Leben nie aufhäufen könnte. Ich will mein Leben auch gar nicht dafür verwenden, Wissen, Geld und Macht anzuhäufen. Ich verliere das alles doch mit dem Tod ohnehin. Aber was soll ich tun?

Soll ich wirklich einfach von einem Tag auf den anderen in eine der wenigen abgelegenen Bereiche der Welt, ohne Menschen, ohne Zivilisation und so weiter ziehen? Ich würde wahrscheinlich kein halbes Jahr da draußen überleben. Nie habe ich einen Überlebenskurs oder dergleichen besucht. Dafür würde mir jetzt auch das Geld und die Zeit fehlen. Ich weiss nicht, meine Situation ist stumpfsinnig, ätzend und absolut ausweglos.

Gut, wenn man Suizid als Ausweg sieht, gibt es doch noch einen Ausweg. Aber warum sollte ich mein Leben jetzt schon beenden? Zwar würde ich dann aus meiner Entscheidung heraus einen Schlussstrich ziehen und von niemanden abhängig sein und müsste mich auch nicht um die Altersvorsorge kümmern. Nur, ich habe das Leben nicht genug begriffen, alsdass ich es jetzt schon auslöschen könnte. Klar, es ist nicht notwendig, aber irgendwie will ich mir die Chance lassen zu verstehen. Auch wenn es bedeutet, ständig in Gefahr zu leben.

Momentan sehe ich mein stumpfes Arbeiterleben tatsächlich als Überlebenskampf an. Es geht jeden Tag darum achtsam zu sein. Denn es passiert ganz schnell und man ist genervt, sauer und will nur noch weg. Und dann erkennt man sofort, es geht nicht. Man muss den Job durchziehen, denn es gibt unzählige Verpflichtungen, vorallem finanzieller Art, es wäre der Ruin den Widersprüchen nachzugehen.

Ich habe viele Verwirrungen teuer bezahlt. Viele tausend Euro, sprich, ich habe viele Monate quasi für nichts gearbeitet, weil ich einfach unüberlegt Risiken eingegangen bin. Diese Gesellschaft straft soetwas sofort mit finanziellen Abbuchungen. Natürlich wird das immer ganz positiv verpackt. Letztlich weiss ich aber, das die immer nur mein Geld wollten und mir nicht wirklich eine konstruktive Richtung weisen wollten.

Das zeugt einfach von einer zerstörerischen Gesellschaft, wenn unerfahrene Menschen gnadenlos mit hinterhältigen Verträgen und Verpflichtungen mit einem Lächeln geknebelt und gefesselt werden. Erst spät erkennt man dann, die haben alle nur geschauspielert um ihr schickes Auto  oder ihre tollen Anzüge bezahlen zu können. Das ist eine grundverlogene Gesellschaft in der wir leben.

Sie ist in einem hohen Maß stumpfsinnig und kompliziert. Das Leben selbst ist unglaublich einfach, aber der Mensch hat sich selbst und sein Leben mit seinem Denken kompliziert gemacht. Dieses Denken hat auch meinen stumpfsinnigen Alltag verursacht. Ich muss daraus ausbrechen und es auflösen. Anders geht es nicht. Viele Fehler kann ich mir nicht mehr leisten. Mich wird niemand mehr auffangen. Ich bin nicht mehr interessant genug.

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Atemzug für Atemzug

Ich denke, wir alle haben es nicht leicht unser Leben auf die Reihe zu bekommen. Die wenigen Freuden die wir uns oft selbst schenken sind nur von kurzer Dauer und der raue, graue Arbeitsalltag überwiegt dann auch noch um ein vielfaches das minimale Glück.

Morgen werde ich in einen neuen Job einsteigen. Es hat einige Zeit gebraucht diesen zu bekommen. Natürlich habe ich Angst den Anforderungen nicht zu genügen und relativ schnell in dem alten Loch zu sitzen, in das man geworfen wird, wenn man sich nicht sicher ist womit man sein Geld verdienen und die meiste Zeit seines Lebens verbringen will.

Ich werde mir täglich sagen: Ich tue das weil ich noch etwas größeres vorhabe und dieser Job die erste Stufe ist. Auch wenn ich nicht auf Disziplin und Motivation stehe, weil ich beides für eine Unterdrückung des Geistes und des Herzens begreife, – scheint dies wohl eine der wenigen Dinge zu sein die ich versuchen kann, um nicht bei den ersten großen Schwierigkeiten schreiend davon zu laufen.

Natürlich werdet ihr sagen: Stell dich nicht so an, in Indien gibt es 6 Jährige Kinder die im Steinschlag arbeiten. Aber dann habt ihr auch nicht verstanden was ich meine. Wir leben in einer oberflächlichen Gesellschaft, mit entsprechend gedankenlosen Zielen und Vorstellungen aus der Steinzeit. Wir haben einen alten Überlebenstrieb in uns, der uns Dank Kultur und Tradition verstärkt, kaum einen klaren Blick auf die Realität gibt.

Das Hauptziel des Durchschnittsmenschen ist es sich eine Sicherheit aufzubauen. Geld ist hier das Mittelchen zum Zweck. Nur leider ist dieses nur mit dem Tausch von Lebenszeit und Leistung zu erreichen. Lebenszeit sollte eigentlich unbezahlbar sein, aber diesen Widerspruch haben die meisten längst ignoriert, denn es geht um das Überleben und es spielt keine Rolle wie man es sichert, Hauptsache es wird so gut wie möglich und vorallem so nützlich wie möglich erreicht.

Wir haben nicht das Ziel die Welt, das Leben, unsere Gefühle, unser Denken und so weiter zu verstehen. Denn wir glauben alles zu wissen und die hochtechnisierte Welt scheint uns ständig Recht zu geben. Das es an Weisheit, Liebe und vorallem Ruhe fehlt, scheint hier kaum zu interessieren. In dieser Welt gibt es nach wie vor Gewinner und Verlierer. Das sind die Starken und Schwachen. Wir haben diese Kategorien geschaffen. Wir sind Diejenigen die Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit ausüben. Wir definieren Gut und Böse und erfinden ständig neue Definitionen die alles nur noch komplizierter und schwieriger machen.

Man sieht es an meinem Beitrag, er wird auch immer komplizierter. Dabei wollte ich nur sagen, wir Menschen leben nicht wirklich. Wir zerstören nur. Wir zerstören die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft aufgrund unserer Gedanken, Gefühle und Handlungen. Wir leben unecht, unwirklich, an der Realität vorbei. Es gibt nur Lügen in unserer Welt und unser Gott ist der Geldschein. Wir haben uns zu Sklaven gemacht, trotz unserer hohen Ziele. Es wird immer davon gesprochen wieviele Chancen der Kapitalismus doch bietet, aber keiner sieht was dieses System tagtäglich auf diesem Planeten anrichtet.

Das soll keine Kritik am Kapitalismus werden. Es ist eine Kritik an den System, Denkmustern und Verhaltensweisen des Menschen. Wir können keine Freiheit organisieren. Wir können uns Freiheit nicht erarbeiten, erkaufen oder durch Sicherheit erbauen. Es gelingt nur durch verstehen und lernen. Durch leben und leben lassen. Respekt, Geduld, Ruhe, Liebe, Zuversicht und die Anerkennung aller Lebewesen auf diesem Planeten. Es gibt keine Alternativen. Wir lügen uns ständig an. Wir quälen uns. Wir wissen das wir uns zerstören indem Glauben wir könnten es nicht ändern.

Dabei müssen wir nur aufhören. Jetzt sofort. Und keine Systeme produzieren die das alte ersetzen! Ich will keine Anarchie, denn auch das ist ein System.

Jedenfalls habe ich morgen meinen Job zu machen. Ich habe meinen Mann zu stehen, solange bis jemand Stop ruft. Bis es zu Ende ist. Bis Feierabend gerufen wird und ich erleichtert mein Stück Freiheit gierig verschlingen darf. Ich weiss das so ein Leben Elend ist. Ich weiss das es vielen nicht besser ergeht. Und gerade deshalb begreife ich das jetzige menschliche Treiben als definitives, organisiertes und gesellschaftlich akzeptiertes Verbrechen gegen die Freiheit und die Würde aller Lebewesen.

Dieser Ansatz ist so maximal und grundsätzlich, ich werde so viele Jahre brauchen um es anderen Menschen begreiflich zu machen. Ich verstehe es ja nicht einmal selbst. In meinem Innersten spüre ich es aber ganz klar und deshalb kann ich das hier so notieren. Vielleicht verlässt mich irgendwann der Mut und ich werde nie beweisen und erläutern können was ich eigentlich auf dieser Erde wollte. Eine kleine Chance gibt es zwar. Aber ob sie reicht um mich in kalte, graue Bürogebäude zu zimmern und das oft genug, damit keiner Verdacht schöpft. Ich weiss es nicht.

Aufgrund der Fehler die alle Menschen in ihrem täglichen Alltag machen, glaube ich irgendwann selbst ein Fehler zu sein. Wieso bin ich nicht blind? Warum kann ich nur teilweise sehen? Es ist so ein Leiden diese Schwierigkeiten nicht schnell bewältigen zu können, sondern nur Atemzug für Atemzug.

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