Archiv der Kategorie: Emotionales

Emotionale Verbindung zu einem kotzenden Haufen Gedärme..

Irrtum

Reicher an Armut wiederholt sich die leere Wiederholung im ansatzlosen Verwirrspiel zeitloser, nebliger Grautöne. Verbiedert, verstockt, verklärt, verdummt, verlassen verbaut sich alles. Das Leben als Sackgasse in einem Labyrinth aus Unsagbarem. Das trübe Tal der Enttäuschung ist die letzte Oase des Ertrinkenden. Tiefgegraben, tief gefallen ohne Aussicht auf den Horizont. Die blanke Erschütterung über das eigene Unvermögen treibt die Sucht zur Selbstzerstörung. Das Ende hat nie existiert.  Ich blute in Grautönen. Raues Grauen entfaltet sich in schrecklichen Falten. Irrlichter. Das letzte Wimmern. Das Blühen ist Grauen. Nichts lässt sich verdauen. Alles ist nur gefressen gewesen und ist nun am verwesen. Der alltägliche Krempel wird unter Ratlosigkeit zum Henker. Die letzte und erste Mahlzeit ist der verdorbene Dreck aus alten Jahren. Immer Außenseiter im Kerker geblieben. Jedes Wort ist ein Elefant im Porzellanladen. Das Vergessen ist King. Das Verstummen unter Tauben. Das Leben ist so als ob niemand jemals gelebt hätte. Geboren um zu Sterben, um auf die letzte Stunde zu warten. Es ist nur noch ein Wettbewerb der Zeittotschläger. Immer gewesen. Immer am verwesen. Jedermann verdeckt geradezu unzureichend seine Nichtigkeit. Jedermann ist niemand. Keiner ist jemand. Vom Nichts durchgestrichen und festgehalten. Wer alles gesehen hat, dem ist die Gleichgültigkeit geblieben. Ob jemand stirbt, brennt oder verdirbt. Keiner war jemals hier oder dort. Durchreisende Fieberträume. Mit Ensetzen wächst die Traurigkeit, die Unmöglichkeit den Irrtum ungeschehen zu machen. Belanglose Verletzungen wiederholen sich. Trägheit wird von Alter übertroffen. Müde stirbt der Tag und die Nacht. Umsonst gelebt. Umsonst gelitten. Alles ist vergeben. Nur die Irren lachen noch. Die Maschinen überleben. Die Anderen nicht. Das war so, wird immer so sein. Nur Narren rütteln und sterben daran. Nur die Krankheit erinnert an das Leben, was hätte sein können, irgendwo im Abstrakten jenseits aller Gedanken und jeder Zeit. Ich war nur ein Schatten der vergehen musste. Ein Anhängsel einer Maschinerie ohne Gedanken oder Gefühl. Das letzte Achtung, die letzte Rettung, das letzte Wort und dann wieder sofort: Die Wiederholung.

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Labyrinth

Zumeist geht man neue Wege und verändert sich, doch die Sackgassen sind Routine. Man steigt in den Gängen über die Kadaver vorheriger Generationen und rührt sich nicht daran. Man sackt ihren Krempel ein und sucht weiter nach dem Ausgang. Schliesslich hat der eigene Kopf Jugend und Kompetenz gepachtet. Die Energie pulsiert aus allen Adern und fleischt sich in den größten Saft, bis es platzt. Und die Zeit vergeht. Die Trümmer sind Möbel. Das Leichenfeuer ist das Tablet für Powerpointpräsentationen. Mut mit Anzug. Uhrzeit und Takt. Immer dem Irrtum hinterher. Zwischendrin Enttäuschung. Schmerz. Elend. Wahnsinn. Das alles sind wir. Dabei kommt kein Zweifel auf. Es ist national. Es ist Kapital. Erste Reihe. Zweite Reihe. Jede Reihe. Alles benebelt im Nebel unter Produktion von mehr Giftgas. Mit Power und Kommunikation ins Feld und Büro. Stolz reiben wir uns im Blut. Kotzen auf Knopfdruck. Die Orientierung ist ein gesichtsloses Monster. Tote werden geboren in Sackgassen und gleichgültigen Räumen. Das Lächeln ist eine Atombombe. Die rumpfartigen Kreaturen zerstauben im Kopierraum. Die Wüste spuckt Dreck und Teufel den wir anbeten. Alsbald trägt uns das Alter gen Grab. Es ist auch im Nichts. Umsonst gelebt. Umsonst gesucht. Verschwendet. Nie gewusst was worin verfangen. Die Augen drehen sich nach innen. Die Zungen sind zerschnitten. Die brennenden Kometen spalten Schädel und Gedanken. Republiken voller Verlierer. Unterschiede gibt es nur noch in Varianten von Ratlosigkeit. Taubstumme Stumpfmassen zittern und rationalisieren vor sich hin. Die Wände neigen sich über die Köpfe. Der Himmel wird zerrissen. Ein Königreich für einen Wallhack. Aber er kommt nicht. Nichts ändert sich. Alles wird nur älter, verdirbt und stirbt.

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Nacht

Die Gewohnheit in der Hölle zu leben war immer ein ungewolltes Geschenk, dass sich wie Sisyphos zu seinem Felsblock verhielt, den er auf ewig einen Berg hinaufwälzen muss, nur damit dieser Felsblock am Gipfel wieder hinunter rollt. Doch nun wächst der Fels, das Geschenk, weil die Erfahrungswelt in Bitterkeit ertrinkt. Von Geburt an in das Grauen geworfen, war es immer schon üblich Erkenntnis über bittere Erfahrungen zu erlangen. Aber sie wiegen schwer und verhüten gar nichts. Es ist nicht so, dass nach einem Schlag nie wieder ein weiterer erfolgt. Im Gegenteil, nimmt das Alter zu desto mehr Schläge hat man mitgenommen. Die Schwäche nimmt genauso zu wie das Alter und die Anzahl der eingesteckten Schläge. Und wie immer ist auf niemanden Verlass. Es ist höchstens Verlass darauf, von allen verlassen zu sein. Auch von sich selbst ist man verlassen, schliesslich konnten nie verlässliche Leute gefunden werden. Es gibt nur seltene Andeutungen, die unverbindlich geblieben sind. Ich erheische vom Leben stets nur ein beiläufiges Zwinkern, was man selten gleich als solches erkennt. Ein abstrakter Fingerzeig deutet an, wie es hätte sein können. Ich hätte ein Mensch sein können. Mit Freunden, Familie, Frau, Kindern, Perspektiven, Wohlstand, Glück und Gesundheit. Aber es wird nie so sein. Alles ist verkommen. Alles muss in den Träumen passieren. Und bis dato waren meine Träume immer besser als die Wirklichkeit. Aber auch sie sind vom höllenhaften Alltag reduziert worden. Fantasie wird in der toten Welt nicht gebraucht. Wer sie doch anwendet, gilt als Anarchist und Terrorist. Das Unvermögen der Menschen dem Elend die Stirn zu bieten hat mich ruiniert. Und die Schwangerschaft dieses Ruins begann schon in meiner Kindheit. Es gab Chancen, aber nutzen konnte ich sie nie. Mal wollte ich nicht, mal sah ich sie nicht, mal waren andere oder irgendetwas Schuld. Das Scheitern als Routine hat mich nun vom Anfang des Abgrunds zu seinem Ende geführt. Und jetzt, wo alles Schatten ist, ist meine Ratlosigkeit größer dennje. In allen gesellschaftlichen Kreisen war ich Fremdkörper geblieben. Ich wurde toleriert, aber nur in der Hoffnung, endlich zu gehen. Aus meiner Gewöhnlichkeit habe ich nie einen Hehl gemacht. Das Leben ist absurd, sinnlos und grausam. Ich habe es immer satt gehabt. Ich habe es nicht verstanden. Es hat mich nicht verstanden. Das Leben und ich: Ein einziges Missverständnis. Ich war nicht fähig das Leben zu leben. Anderen scheint es mühelos zu gelingen. Ihr Selbstvertrauen und ihre Stabilität ist mir ein unlösbares Rätsel. Im Bombenhagel zwischen Obdachlosen Melange trinken und das Leben geniessen. Ein Triumph des Irrsinns. Ich bin nie damit fertig geworden. Stecken geblieben. Inkonsequent. Voller Selbstmitleid und Plattheiten habe ich mit wachsenden Lebensalter meinen Ruin schuldhaft selbst vorangetrieben. Je älter man wird desto mehr Schuld hat man auf sich geladen. Erst prägen einen die anderen, schliesslich prägt man sich selbst. Und wenn die große Weigerung nicht gelingt, dann ist man kein Mensch. Die Erwartungen plagen mich, obwohl sie hoffnungslos und einfallslos sind. Ohne Ernsthaftigkeit blicke ich grimmig allem entgegen. Die ganze Existenz ist nur noch lächerlich. Jedes Wort und jedes Gespräch ein neuer Gipfelpunkt der Überflüssigkeit. Aber da sowieso nie jemand zugehört hat und nie irgendjemand aufrichtiges Interesse gezeigt hat, ist die Überflüssigkeit auch noch belanglos. Nichts ändert sich, das Grauen findet nur immer neue Kleider. Wenn man eine Änderung feststellt, dann vorallem an sich selbst. Es schwindet die Jugend und damit der Biss. Starrsinn wird üblich. Gleichgültigkeit und Trostlosigkeit werden nur noch von Bitterkeit und Vergesslichkeit übertroffen. Am Ende sollte Cioran doch Recht behalten, es ist ein Nachteil geboren zu sein.

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Der Letzte

Mehr als die Hälfte meines Lebens bin ich dagegen. Schon fast seit ich denken kann bin ich dagegen. Ich gehörte nie dazu. Und wenn ich dazu gehörte, dann als Geisel. Als Überlebender habe ich letztlich alle Schlachten geschlagen, aber nie gewonnen. Lokalen Terror zu überstehen, heisst nicht den globalen überstanden zu haben. Verletzt zu sein hat seinen Wert verloren. Auch die Wut ist nur noch eine Abstraktion. Der Riss der Welt ist das was ich bin. Die Tendenz der Entwicklung ist, dass es so bleiben wird. Verschleppt zu sein, ist kein Schande. Ich werde dagegen sein, auch wenn es nichts ändert. Der Tod existiert nicht, aber das Leben ist auch gleichgültig. Die allgemeine Sinnlosigkeit des Leids lähmt. Obwohl die Erkenntnis gar nicht so weit weg ist, wurde sie nicht ergriffen. Die Angst, dass alles was man je getan oder gedacht hat, der Auslöser für die Vernichtung allen Lebens ist, sorgt für die Fortsetzung der alltäglichen Katastrophen. In der Ahnung, dass jemand über diesen Wahnsinn richten könnte, wird er auf immer neuerlichen Stufenleitern angefeuert. Jeder Trümmermensch wird noch weiter zertrümmert. Alles wird kurz und klein geschlagen, zerhackt, zerstückelt, zerschnitten. Keiner soll es wissen! Keiner soll sagen können, dass das Heute, die dunkelste Zeit überhaupt ist. Generationen haben umsonst gelebt. Je größer die Zahl desto sinnloser die Generation.

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Bruchstück

Mein ganzes Leben lang habe ich versucht mich vor dem Verhängnis des Alltags zu schützen. Aber ich war von Anfang an chancenlos gegen die Entmündigung, Erniedrigung, Entwürdigung, Ohnmacht, Genussunfähigkeit, Interesselosigkeit, Freudlosigkeit, die autistisches Dahinsiechen und wunschloses Unglücklichsein auslöste. Die ermüdende Leere ist sowohl im Privat- wie auch Berufsleben allgegenwärtig. Mein Leben ist ein ein einziger Friedhof gescheiterter Pläne. Meine Sprache, meine Mimik, meine Vernunft, alles ist zerfallen und hemmungslos gewöhnlich. Es wäre alles halb so schlimm, wenn ich allein so ein Bruchstück wäre.

„Wir gehen einer Zeit entgegen, wo alles dürftiger werden wird, da ja die Gleichmacherei auch den Besitz ergriffen hat. Man wird billige Wäsche und billige Bücher verlangen, wie man ja bereits kleine Bilder verlangt, da der Platz für die großen fehlt. Hemden und Bücher werden nicht mehr dauerhaft sein, das Solide verschwindet allmählich.“
(Balzac, Verlorene Illusionen, 1839)

Man ist dem Leben, der Gesellschaft, der Umgebung, dem Beruf und dem Kapital ausgeliefert. Die erlittene Wirklichkeit, wie auch die individuelle Wirklichkeit, die sich in Zerfall und Verfall ausdrückt und obszön als Persönlichkeit verklärt wird. Die einzigen wirklich funktionierenden Schutzmittel und Waffen gegen die Wirklichkeit sind in Geldformen zu finden. Ausschliesslich ein Koffer voll Geld, würde mich vor der Welt retten, würde die Hölle in ein Paradies verwandeln. Wo vorher nur Unmöglichkeiten waren, wären plötzlich lauter Möglichkeiten vorhanden. Ich hätte unendlich Zeit und Raum mich zu entfalten. Es gäbe keine Störfaktoren mehr. Niemand könnte irgendetwas diktieren, außer meine Fantasie und Muse, egal wie verkommen die nun wieder sein mögen. Der Tag und die Nacht wären frei. Unbelastet, unvoreingenommen und unvergiftet. Soweit das noch möglich ist.

Aber niemals findet man einen Koffer voll Geld und das Leben zerrinnt. Es verkommt unaufhaltsam und systematisch. Wenn ständig unter Existenzangst und Unvermögen improvisiert werden muss, um das erbärmliche Überleben sicher zu stellen und das ganze Leben nur noch ein widerlicher Kompromiss ist, eine Konsequenz von Entscheidungen darstellt, die niemals ganz die eigenen waren, dann bleibt nichts lebenswertes übrig. Zur Mängelexistenz kommt die Mangelallgemeinheit und umgekehrt. Es gibt nicht nur niemanden auf den man sich verlassen kann, worunter auch die eigene Persönlichkeit gehört, sondern überhaupt die gesamte Gesellschaft ist vollkommen haltlos geworden. Egal ob man nun Leistung bringt oder nicht: Jeder ist ersetzbar, aber auch zerstörbar. Die Vernichtung von Individuen und Individualität symbolisiert sich in Syrien oder im Mittelmeer. Auf die eigene Individualität kommt es genauso wenig an, wie die Individualität aller anderen. Was man geleistet hat, was man empfindet oder denkt, ist ähnlich irrelevant, wie der Wunsch nach einer anderen Welt oder Menschen, auf die man vertrauen kann. Unsere ganze Welt scheint mehr und mehr ohne Menschen auszukommen und es gibt immer weniger Menschen, die davon Notiz nehmen oder sich daran stören.

Erst hat man es satt, dann ist man übersättigt und schliesslich gibt es überhaupt keinen Ausdruck mehr für den Zustand. Dennoch soll der Tag begonnen und vollzogen werden, als wäre er voller Möglichkeiten und Entscheidungen, die man selbst treffen oder verwerfen kann. Aus Verzweiflung gerät man in chaotische Lagen, ist dauerhaft in Kränkung, Leistungs- und Konkurrenzdruck gefangen bis die ganzen alltäglichen Verletzungen nicht mehr der Rede wert sind und ihre Entzündung zur Tradition überhöht werden. Es ist als ob man ein leeres Papier in einem weißen Raum ohne Wasser, Licht oder Luft wäre. Hier und da kommt eine riesige Schere in den Raum und zerschneidet einen. Natürlich ohne Kommentar. Die Obdachlosigkeit ist nur die sichtbarste Form der allgemeinen Unsichtbarkeit aller Menschen. Der zerstörte, verdreckte, verwirrte und verarmte Mensch, der bettelnd und erniedrigt in den Einkaufsstraßen zerrissen herumliegt und wimmert, ist nur das deutlichste Erscheinungsbild, der inneren Konstitution des modernen Menschen. Viele haben Angst so ein Obdachloser zu sein, dabei merken sie nicht, dass sie es längst sind. Tatsächlich sind sie nur ein paar Mahnungen und Abmahungen davon entfernt.

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A simple mind

Die Möglichkeiten eines Menschen sind ähnlich eingeschränkt wie dessen Autonomie. Die Gewöhnlichkeit und Durchschnittlichkeit kann ich bei mir andauernd feststellen. Es gab Entscheidungen, die förderlich waren, keinen Erfolg zu haben. Die eigene Dummheit hat  eine missliche Lage dramatisiert. Das Hadern mit diesem Unvermögen wird ein lebenslanger, schmerzhafter Zustand bleiben. Schutzlos und verletzbar ist man nicht nur außerhalb der Welt, sondern auch in sich, innerhalb der eigenen vier Wände. Erwartungen, Hoffnungen, Gedanken und Ideen stellen sich erst nach Monaten und Jahren als völlig wahnwitzig und grauenvoller Zusammenhang von Verlust sowie Missverständnissen heraus. Wieder wurde Geld, Zeit und Kraft für Luftschlösser verbraten. Ein Schlag ins Wasser. Immer wieder. Einer nach dem anderen. Ein erwachsenes Kind, dass sich ständig beim Spielen blutig schlägt, und nicht merkt, dass der Ernst des Lebens ihm den Boden für diese Experimente enzieht.

Die Enge wächst mit den Lebensjahren. Die Komplexität von Erinnerungen und Erfahrungen bleibt weitgehend unartikuliert. Niemand interessiert sich für irgendetwas aufrichtig und vollständig. Es gilt gerade zu als Stigma, sich in etwas hineinzustürzen, ohne darin einen Profit erhoffen zu können. Zugleich bedrohen diese Träumereien die Reproduktion. Man wächst in die Welt hinein, damit wächst auch der Abgrund in einen selbst hinein. So zugestellt die Welt für Klarheit, Empathie oder Humanität ist, so gilt das auch für die eigene Identität. Dass nichts aus einem werden wird, wird mit den Jahren deutlicher. Alles bleibt undefinierbar. Das schwammige Nichts als Nebelwüste einer grauen Monotonie ohne Raum und Zeit oder Halt. Die uferlose Untröstlichkeit schwankt zwischen wütender Raserei und zynischer Apathie. Ich will mir nicht fatalistisch die Welt über und in den Kopf wachsen lassen, weil ich mich immer noch an die Hoffnung erinnere, sie bewusst zu beleben, aber doch wächst sie überall hin und zementiert, limitiert mich. Vielleicht ist diese Erinnerung auch stets nur eine Wahnvorstellung gewesen. Wer ihr nachgeht, zertrümmert die letzten mageren Ankerpunkte.

Die blinde Sprachlosigkeit mündet immer in Stottern, Phrasen oder unzulänglichen, peinlichen Situationen. Es sind klägliche Versuche verfolgt von Depression und Angst. Die Perspektivlosigkeit wuchert in allen Sekunden. Unterwerfung und Selbstunterwerfung werden zur produktiven, konstruktiven Macht, die alles permanent unterminiert, umdeutet, verschachtelt, bis zur Unerkennbarkeit abstrakt werden lässt. Menschen und ich, das sind stumpfe Rümpfe, kaputtgewordene Herausgefallene, entgrenzte Eingegrenzte, verzweifelte Monolithen, die nur noch mit einem Zittern, einem Bündel aus erstickten Funken, durch die Trümmerwelten ihrer Schattenexistenz irren. Das jämmerliche, verwirrende Gewirr im Getöse der Maschinerie, verkleidet die routinisierte Dauermobilisierung im Dienste der Gesamtvernichtung von allem und aller durch allem und aller. Virtuelle Simulationen dynamisieren unerkannte Abstraktionen, prügeln auf die Restbestände der Subjekte ein und gewinnen Kraft aus den geringen Aktionen und Reaktionen eben dieser. Mythen mystifizieren die schmerzhafte Realität und wer versucht daran zu rütteln, verbrennt, verrennt und verliert sich.

In Zeiten der Not wiegt nicht nur Armut, Hunger, Angst und Wut sehr schwer, sondern auch die fehlende Fähigkeit, jene Kreativität zu entwickeln, sich aus dieser Mangellage herauszuarbeiten. Alle Handgriffe nach Rettung kosten Kraft, die man eigentlich benötigt, um die Schieflage nicht noch schlimmer auszuprägen. Aber greifen muss man doch? Sich nur anzusehen wie Wahnsinn, Tyrannei und Vernichtung sich gesetzmäßig produziert, verteilt, zirkuliert und wirkt, käme einer ewigen höllenhaften Folter gleich. Diese permanente Nicht-Existenz auszuhalten, obwohl es keine revolutionäre Subjektivität zu geben scheint, und die sich laufend steigernde Wirkungskraft der brutalen Apparaturen an sich und anderen arbeiten zu sehen, ist eindeutig unerträglich. Aber es folgt dennoch Tag auf Tag, es geht weiter, die Geschichte zieht einen durch, wie der eigene Körper es laufend tut. Die Wartestellung auf das Ende enthält außerdem noch pestschwarze Langeweile. Darauf zu warten, dass der Himmel Risse bekommt und durch diesen Riss eine riesige Hand nach einem greift, ist dann wohl der Gipfel aller Wahnideen. Allerdings sind die Wahnideen das einzige worauf sich bauen lässt, wenn sonst nichts anderes als abstrakte Herrschaft möglich ist. So, ist die Verbreitung von Religionen schon im eigenen Unvermögen angelegt und daher nachvollziehbar. Das eigene Scheitern ist Teil eines Scheitern der Menschheit zu Bewusstsein zu gelangen und das Leben vernünftig zu leben.

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Don’t be afraid. We are all gonna die anyway.

Keine Sekunde darf ein Gedanken darüber verschwendet werden, was andere Menschen über einen denken könnten, wenn man bestimmte Dinge tut oder sagt. Grundsätzlich ist es daher gefragt, möglichst radikal den eigenen Impulsen nachzugehen und ihnen bestmöglichen Ausdruck zu verleihen. Die Angst vor Ablehnung oder Respektlosigkeit ist wie jede Angst letztlich irrational, auch wenn in Gefangenschaft dieser Angst, das nicht direkt auffällig wird. Wir leben in einer Abfolge von Generationen, die den Zerfall und Verfall erleben, leben und reproduzieren. Davon ist niemand frei.

Es ist entscheidend, die Kritik hieran zu maximieren, um sich nicht mit diesem Falschen gemein zu machen. Der Preis ist mit aller Wahrscheinlichkeit, dass das blanke Unverständnis von tausenden Leuten einem entgegenschlägt, schliesslich ist es normal den Alltag hinzunehmen, die Lohnarbeit zu absolvieren, sich einzurichten in den Katastrophen. Freilich gibt es gar keine andere Möglichkeit als sich zu arrangieren, um nicht direkt den Suizid zu vollziehen. Als Konkurrenz- und Rechtssubjekte sind wir ohnehin funktionalisierte, funktionalisierende Objekte, die eingerichtet sind in die Kapitalverwertung und richten diese zugleich aus. Daraus entflieht keiner, egal ob jemand nun in Bangladesh Fußbälle für ein paar Cent zusammen näht, Milliarden auf den Bahamas-Inseln zählt oder in einem besetzten Haus kiffend Fußball guckt. So divers wie die Erscheinungsformen des Lebens sind, so monoton ist ihr Wesen. Das scheinbar Intakte ist nur Ausdruck einer Trägheit von Krise, die sich noch nicht an diesen konkreten Punkt innerhalb einer Beziehung oder Identität durchgeschlagen hat. Allerdings ist nicht, wie es im Titel dieses Textes scheinbar anklingt, von Fatalismus auszugehen, wenn man die Gewissheit hat, dass alles tödlich enden wird, sondern vielmehr für die Zeit und Momente zu streiten, die bis zum Tode möglich sind. Insbesondere geht es um die Potenz nachfolgender Generationen, die sich mit den katastrophalen Folgen der jetzigen Katastrophen herumschlagen werden müssen. Insofern ist die Verantwortung für die Radikalität der Kritik stark intersubjektiv und abstrakt. Konkret dankt einem keiner, wenn man Kategorien und Sozialverhältnisse wie Wert, Gender, Staat, Kapital, Nation, Religion, Lohnarbeit als irrsinnigen Unsinn kritisiert und zurückweist. Es ist allerdings historische Pflicht auf deren Überwindung zu zielen und hinzuarbeiten.

Der Preis für diese Haltung darf nicht unterschätzt werden. Die Folgen können jahrzehntelange Einsamkeit, Armut und kräftezehrende Kämpfe ohne Aussicht auf Erfolg sein. Es gehört zur Historie der Linken grundsätzlich zu Scheitern. Die Auseinandersetzung mit komplexer Theorie verschlingt Jahre bis irgendeine halbwegs gesicherte Erkenntnis möglich ist und selbst dann ist sie womöglich schon wieder veraltet. Auch hier liegt erneut ein Grund vor möglichst radikal vorzugehen und schon beim Einteilen des Alltags keine Kompromisse mehr zu machen. Wer die Theoriearbeit vernachlässigt, vernachlässigt die Menschwerdung der Zivilisation. Die Menschheit befindet sich in der Pubertät und dementsprechend sind die Vorwürfe ihrer einzelnen Exemplare in den meisten Fällen nicht dringlich wahrzunehmen. Die ganze psychische, kognitive bzw. intellektuelle Konstitution des Subjekts wohnt im Zerfall und Verfall, denn die Fähigkeit eines vernünftigen Realitätssinn kann nicht auf der Grundlage von permanenter Mobilmachung für die Kapitalakkumulation gedeihen, auch wenn der produzierte Überfluss eine Dynamik der Möglichkeit zur radikalen Veränderung dieser unmündigen Verhältnisse enthält.

Fehler werden andauernd gemacht. Keiner ist frei von Mängeln. Perfektion wäre Ausdruck von Unmenschlichkeit. Daher darf man sich die eigene Mangelexistenz zugestehen, aber sollte sie zugleich nicht idealisieren. Also keine Angst vor Fehlern, sie sind vielmehr Wegweiser zur wünschenswerten Realität. Die Menschen vergessen einen ohnehin laufend. Sie nehmen häufig nicht einmal Notiz von sich selbst. Alle sind sich fremdgeworden und bluten aus sich heraus. Die Unzuverlässigkeit und Oberflächlichkeit menschlicher Beziehungen resultiert vornehmlich daraus, dass sie dem Kapitalprozess anhängen. Der Zerfall von Empathie und Intellekt kommt daher, weil dieses Vermögen ausschliesslich auf einen monotonen Zweck zugerichtet wird. Generation für Generation war das Wirtschaftswachstum der größte und einzige Imperativ. Alles andere zog sich dem nach. Häufig werden technologische Faktoren wie Smartphones für die Unfähigkeit zur Zwischenmenschlichkeit angeführt, aber das verkennt den inneren Gehalt unserer Gesellschaft. Die sich permanent überschlagende und umwälzende Politökonomie geht von den Individuen aus, die sich damit zugleich ebenso permanent zerstören und für neue Anforderungen der Wertverwertung modernisieren. Dass der Mensch sich permanent selbst verdinglicht und damit die ganze Identität auf eine Maschine reduziert, erzeugt u.a. permanent psychische Gebrechen. Depressionen und Burn-Out gelten als Massenphänomen, aber es gibt auch mildere Subformen davon, die man logischerweise als noch weiter verbreitet vermutet werden können. Auch hier ist wieder ein Argument zu finden, warum man sich nicht von anderen Menschen nicht abhängig machen kann. Ihre Urteile und Verurteilungen beruhen nicht nur auf Antiintellektualismus und Zivilisationsfeindschaft, sondern auch auf Verzweiflung und Regression. Wer diesen Irrationalismus Ernst nimmt, ist selbst Teil davon und wird entsprechend nie wieder glücklich im Leben, obschon Glück ohnehin eine generelle Marginalität ist.

Ohne Distanzierung von der allgemeinen gesellschaftlichen Realität zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, wird auch keine radikale Kritik an ihr möglich sein, weil die Lohnarbeit den Intellekt genauso korrumpiert wie das emotionale Gefüge. Lohnarbeit macht dumm und krank, raubt wertvolle Lebenszeit, wenn nicht gerade das seltene Glück getroffen wurde, von der Kritik monetär leben zu können. Und selbst dann besteht die Gefahr, dass aus Existenzängsten oder ökonomischen-politischen Krisen heraus eine Kündigung droht und daher eine Anpassung also Beschneidung der radikalen Kritik erfolgen muss. Niemand kann einem irgendetwas garantieren. Jeder ist austauschbar. Alle sind abhängig von der Kapitalakkumulation. Es gibt keine Autonomie davon. Permanent ist mit einer enormen Unreife des Geistes und der Tat zu rechnen, die von einem selbst aber auch anderen performativ mehr oder weniger streng und heftig realisiert wird. Selbsterkenntnis bedeutet auch Selbstzerstörung im Sinne von Vernichtung der persönlichen Illusionen, was harte, undankbare Arbeit bedeutet. Wer sich selbst der Illusionen beraubt, der steht ungefiltert einer grauenhaften Realität gegenüber, die allgemein stets verklärt wird. Die lohnende Qualität hierin liegt ausschliesslich darin, dass bei Fortsetzung dieser Tätigkeit eine aufklärende Erklärung ausgebreitet werden kann, die auch andere Menschen inspiriert, diesen Prozess bei sich anzugehen, was letztlich soziale Realität wandeln wird. Allerdings ist das eine sehr romantische Vorstellung, die selbst eingestehen muss, dass das Jahrzehnte andauert, keine Garantien enthält und zugleich permanent bedroht ist von der krisenhaften Alltäglichkeit von Identität bis Kapitalverwertungsprozess.

Der allgemeinen Unkenntnis, dem permanenten Vergessen wohnt auch das Glück inne, sich davon loszulösen und innerhalb von deren blinden Flecken eine Existenz zu fristen, die sich bei entsprechender Hingabe nahezu komplett davon distanziert. Es wird zwar immer ein Restbestand von ekelhafter Instrumentalität und Formalisierung in der eigenen Identität und Realität existieren, aber man kann diesen über Kritik unschädlicher machen, als wenn man sich ohnmächtig ergibt, wie es die breite Masse der Individuen in der Wirtschaft, Politik, Kultur, Kunst, Sport und diversen anderen Segmenten der Gesellschaft unternehmen. Der Konformität aller wohnt auch ein Zauber zur Revolution inne, den es zu erlernen und vollführen gilt.

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