Archiv der Kategorie: Eigenes Buch

Erste Gedankengänge

Das eigene Buch

Ich hab im April 2010 darüber berichtet an einem eigenen Buch zu schreiben. Ich will einen kleinen Statusbericht abliefern. Momentan sind etwa 40 A-4 Seiten geschrieben, welche ca. 120 000 Zeichen enthalten. Es hätte mehr werden können, aber es gab soviel zutun und ich habe immer wieder zwischenzeitlich hier einzelne Beiträge geschrieben, auf Emails reagiert und in Diskussionen im persönlichen und virtuellen Umfeld agiert. Die Form des Buches ist weiterhin unklar. Soll es etwas fiktives oder etwas reales sein, Roman oder Bericht, es ist nicht klar. Vielleicht wird es beides, ein fiktiver Bericht. Ein Art gefundenes Tagebuch, wie es Hermann Hesse in Steppenwolf gemacht hat. Ich mische damalige Erlebnisse mit theoretischen Analysen, Beiträgen von dieser Webseite und es sieht momentan schwer nach einem sehr langen Beitrag  aus, der auch in diesem Blog hätte erscheinen können. Natürlich gehe ich sehr stark auf meinen eigenen Weg ein, was hier überhaupt nicht besprochen wird. Es gibt viele Herausforderungen. Ich muss tausende Tage und Erkenntnisse irgendwie auf den Punkt bringen. Mein Ziel ist es, dem Leser zu helfen, in seiner Position, ihn vor bitteren Erfahrungen zu schützen. Berlin war für mich wohl eine der bittersten Erfahrungen überhaupt. Ich habe Menschen sterben sehen. Gesehen wie sie sich mit Gewalt, Drogenkonsum und Drogenhandel das Leben zerstörten. Wer einmal durch Berlin gegangen ist, mit offenen Augen, weiß wovon ich spreche. Diese Stadt ist voller Abgründe und einige habe ich beschritten, ohne selbst infiziert zu werden. Aber es hat mich beeinflusst, hat mich ein Stück weit der Realität näher gebracht. Wer glaubt denn das eine Prostituierte oder ein Mörder fähig für die andere Welt ist? Das sind praktische Fragen. Wie kann man diesen Menschen helfen? Ist es überhaupt möglich? Die Welt hat sich weiter gedreht während ich versuchte dieses Buch zu entwickeln. Viele Sachen die ich geschrieben habe, sehe ich mittlerweile wesentlich differenzierter. Die Grundlagen sehe ich aber immer noch so. Es ist erstaunlich, wenn ich Texte aus den Jahren 2002 oder 2003 ansehe, kann ich dem immer noch weitgehend zustimmen, auch wenn die Ausführungen recht spartanisch ausgefallen sind. Insgesamt bin ich weiterhin zuversichtlich, dieses Buch wird mir gefallen, auch wenn es ein echtes Megaprojekt ist und es ziemlich anstrengend ist.  Das regelmäßige Schreiben auf dieser Webseite hat mir gut getan, ich kann in der vergangenen Erkenntnissen blättern und Brücken zur Gegenwart bauen.  Daher wird diese Webseite noch lange weiter bestehen, egal wie populär sie ist. Es war ohnehin nie der Anspruch tausende Besucher täglich zu haben. Die Menge der Gefolgschaft sagt nichts über die Qualität aus. Und folgen soll mir ohnehin niemand.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Eigenes Buch

Buchprojekt gestartet

Ich habe letzte Woche konkret angefangen an meinem ersten Buch zu schreiben. Thematisch bezieht es sich vorallem auf meine Zeit in Berlin. Es geht um die alternative Szene, Hausbesetzungen, Hausbesetzer an sich, die Probleme der Selbstorganisation und die Probleme unserer Gesellschaft allgemein.

Mir liegt viel daran möglichst nah an meinen Erlebnissen dran zu bleiben, ehrlich und ohne großartige Umschweife darüber zu berichten was aus meiner Sicht in Berlin stattfand und wie ich überhaupt dazu kam nach Berlin zu gehen, welche Geschichte meine Überlegungen haben, was mich antreibt die Dinge nicht so zu akzeptieren wie sie sind usw.

Natürlich habe ich keine Ahnung ob es jemals einen Verlag finden wird, aber in erster Linie dient mir dieses Projekt dazu meine Erinnerungen festzuhalten, Erkenntnisse zu fokusieren und entsprechend an Interessierte weiterzugeben. Es war eine wichtige Zeit für mich in Berlin und mit diesem Projekt möchte ich dem einfach ein Denkmal setzen.

Es gibt in diesem Blog zwar schon eine Rubrik bzgl. eigenes Buch. Aber da ist der Fokus auf eine frühere Phase meines Lebens. Das Buch wird hier erst veröffentlicht, wenn ich es als vollständig betrachte.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Berlin, Eigenes Buch

Kapitel 4

Wir hatten also Grün gegen Grau getauscht. Wir lebten ab sofort in einem Industriegebiet. Autos, LKWs, Flugzeuge rund um die Uhr. Und da wir direkt in einer Spedition lebten, gab es die Größte Ruhe nur zwischen 0 und 4 Uhr. Ansonsten war immer Betrieb, die Fahrer füllten und leerten ihre LKWs an den Rampen. Es gab Geschrei und Unfälle. Sie lassen die Motoren laufen und werfen Müll und Flaschen mit ihrem Urin ins Gebüsch nahe des Gebäudes. Sprich es war ein radikaler Umschlag. Gerade für mich war es ein richtiger Schlag.

Ohne großartige Pause ging es auf die neue Schule. Sie lag verwinkelt mit ein paar Bäumen etwas am Rande der Kleinstadt. Der Direktor war ein 1,70 Meter großer älterer Herr mit Glatze und minimalen grauen Flaum hinter den Ohren. Er begrüßte mich krächzend und wünschte mir alles Gute, mein Vater war dabei sagte dasselbe und ehe ich mich versah stand ich vor 30 neuen Gesichtern die mich alle musterten und mit kritischer Mimik verurteilten. Gegen 9 Uhr musste ich aufstehen und mich vorstellen. Dies war meine Chance, ich dachte, ich könnte alle Zweifel und Vorurteile aus den Köpfen stossen, wenn ich wie früher meine Mitmenschen zum lachen bringe und ihnen meine tolle Art zeige. Aber die Antwort war Stille, als ich heiterer Stimme meinen Namen, meine Herkunft und meine Zuversicht äußerte.

Ich hörte die Uhr ticken, Füsse auf den Boden tippen und die spürte die mitfühlende Lehrerin mit ihrem besorgten Blick. Nichts passierte. Mein Herz schlug schnell und aufgeregt. Ich war völlig überfordert und am Boden zerstört. Tapfer stand ich weiter und blickte hoffnungsvoll in ein paar pubertäre Gesichter. Wie sie aussehen, dachte ich. Die Eine hatte sich wild geschminkt, sie sah wie ein weiblicher Krieger aus, vorallem weil sie sehr knapp gekleidet war. Ein paar Jungs hingen cool in ihren Stühlen, starrten auf den Tisch und spielten mit irgendwas in ihren Händen. Ein paar schauten mich an, aber wenn ich sie ansehen wolle, schauten sie weg. Die Lehrerin brach letztlich die Ruhe und bedankte sich bei mir. Sie fuhr mit dem Unterricht fort und ich konnte mich setzen.

Einerseits war ich erleichtert, aber auf der anderen Seite wußte ich, dass dies nur die erste Schlacht des Krieges war. Ich begann damit, mein Leben als Krieg zu betrachten. Ich sah mich als Isolierter, Unverstandener und Außenseiter. Es machte mich stumm, traurig und zornig. Ab und zu begann ich die darauf folgenden Wochen noch Kontakte zu knüpfen, aber ich verlor immer mehr jegliche Hoffnung und auch jegliches Interesse an meinen Mitschülern. Ich vergrub mich in eine Fantasiewelt. Hing stundenlang vor dem Rechner. Eines Tages fand ich in einem Kiosk eine Zeitschrift die über harte Metal Musik berichtete. Es war wohl so eine Arz Szenemagazin und ich hatte gerade ein paar Münzen dafür übrig.

Ich betrachtete sehr genau die Gruppen die darin abgebildet waren. Es gab auch eine CD mit verschiedenen Hörbeispielen. Ich mochte nicht alle Stücke darauf. Aber manche Interpreten gaben mir Bestätigung. Fortan begann ich mich ernsthaft für die diese Musikrichtung zu interessieren. Ich ging in einen größeren Musikladen und schaute mir ein paar CDs an. Von meinem geringen Taschengeld kaufte ich mir hier und da etwas. Ich ging nur nach den Abbildungen auf den CDs. Was mir künstlerisch gefiel, von der Aufmachung oder der Zeichnungen her kaufte ich letztlich auch. Einige Stücke verstand ich erst nach mehrmaligen höhren. Ich begriff nach und nach die Empfindungen der verschiedenen Musiker und fand mich in einer ganz bestimmten sehr besonders wieder. Ich fühlte mich dabei unheimlich frei und geborgen. Mein neuer Freundeskreis war geboren.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Eigenes Buch

Kapitel 3

Als ich 13 Jahre alt war, empfand ich die Jahre meines Lebens als spannend, aufregend und unendlich Vielfältig. Ich fand immer mehr Spaß an der Schule, fast jeder in der Schule kannte mich und umgekehrt. Mit jedem Menschen hatte ich etwas erlebt. Es gab irgendwie immer eine Verbindung oder eine Vertrauensbasis. Auch mit den Lehrern. Dadurch gab es eine gewisse Sicherheit. Nichtsdestotrotz gab es wie bereits erwähnt genug Schwierigkeiten.

Eines Tages, als meine Leistungen besonders stagnierten gab es ein Treffen mit meinem Klassenlehrer, jener Lehrer der sich hauptsächlich für die Klasse verantwortlich zählt. Meine Eltern, der Lehrer und ich trafen uns in einem idyllischen Cafe mitten in der sonnigen Altstadt. Mein Lehrer sah ein bisschen aus wie ein alter Albert Einstein, mit grauen Schnauzer und Halbglatze. Für mich war er damals schon die ultimative Intelligenz in der Schule. Ich hatte die Vorstellung, es gäbe kaum einen Menschen der schlauer war als er. Alles was er sagte schien mir Hand und Fuß zu haben.

So kam in diesem besonderen Gespräch die Dinge heraus, die sowieso klar waren. Er sagte ich könnte ein viel besserer, wenn nicht sogar herausragender Schüler sein, wenn ich mich nur endlich hinsetzen und lernen würde. Ehrfürchtig nickte ich und beobachtete ihn, wie nach gesagten Satz an dem Tässchen nippte. Meine Eltern sahen das genauso und man brabbelte weiter um dieses Thema herum. Ich sagte dabei nicht viel, ich habe eigentlich nur zu gehört und meine Umgebung gefühlt.

Meine Noten wurden auch ein bisschen besser und als besondere Krönung darf ich mein ausgezeichnetes Referat über ein Buch von Jules Verne bezeichnen. Ich liebte das Buch und ich verschlung jeden Buchstaben darin. Man konnte mir Nichts über ihn erzählen was ich nicht schon wußte. Ich erhielt die beste Note und hatte eine fröhliche Schülermeute vor mir, die laut applaudierte und jubelte. Das war für mich einprägend und sehr positiv. Ich began in Ansätzen zu verstehen, dass Schule nicht unbedingt mein Feind sein musste, mir nicht die Nerven, die Zeit und die Vielfalt nahm, sondern eine Art und Weise war gewisse Dinge kategorisch nachzuvollziehen.

Es vergingen ein paar Wochen und es wurde Herbst. Meine Mutter begleitete mich ungewöhnlicherweise mit in die Schule. Sie fuhr mich sogar die vielen Kilometer hin. Sie sagte sie müsse etwas mit meinem Klassenlehrer klären und ich würde mit ihr auch zurück fahren. Es war sowieso ein kurzer Schultag für. Der Unterricht ging nur bis 11:20 Uhr. Das Ende des Unterrichts konnte ich nach wie vor kaum erwarten und ich war sehr glücklich als ich meine Mutter für die Rückfahrt begrüssen durfte. Sie wirkte etwas angespannt als ich sie wieder traf. Sie schaute auf den Boden und fing dann leise an, es würde eine große Veränderung in unserem Leben geben. Ich hing zwischen meinen Gefühlen, was sollte nun kommen? Was sollte so schwerwiegend sein?

Sie sagte wir würden wegziehen. Nicht weit, ich könnte meine alten Freunde schon besuchen. Ich war geschockt und hielt es für einen Witz. Ich sagte nichts, nur kurz dass ich das nicht will. Sie sagte auch sie wolle das nicht. Die Entscheidung hätte mein Vater allein getroffen. Er war unzufrieden mit den Nachbarn. Es gab immer wieder Ärger. Soweit ich als Kind dies mitbekam, gab es mal ein Problem am Wochenende. Mein Vater arbeitete viel und er kam Samstag früh nach Hause und hatte die Nacht durchgearbeitet. Er wollte sich ausruhen und eine Runde schlafen. Wir wohnten in einem mehrstöckigen Gebäude, an einem hohen Berg mit vielen anderen Häusern, mit mittelgroßen bis großen Gärten. Wir hatten unsere Wohnung ganz oben, mit einem Balkon und einem minimalen Dachgeschoss.

Ein Stock unter uns lebte ein Rentner der sehr gerne Klavier spielte und einen kleinen weissen Hund hatte. Welche Rasse dieser war, weiss ich nicht genau. Jedenfalls spielte dieser alternde Mann jenes Samstag Morgens auf seinem Klavier. Er klimperte irgendetwas, ich konnte es nicht genau nachvollziehen. Ich hörte diese Klänge aber gerne. Auch am Morgen wenn ich davon wach wurde. Es war eigentlich angenehm, nicht sehr laut aber gut hörbar. Nach einigen Minuten hörte ich wie im Nebenzimmer mein Vater aufstand und ins Wohnzimmer ging. Er stellte die großen Boxen unseres Soundsystems mit den Lautsprechern nach unten auf den Boden und drehte voll auf. Meine Mutter machte die Tür des Wohnzimmers zu, als sie sah das ich wach wahr und lachte etwas verlegen.

Aufgrund dieses und einiger anderer Ereignisse entschied mein Vater also mit seiner Familie wegzuziehen. Wir zogen in eine Kleinstadt die weitaus weniger Natur enthielt als das Dorf indem wir zuvor lebten. Es gab keine kleinen Flüsse, keine riesigen Wälder, kein Vogelgezwitscher und keine Nachbarschaft mehr. Stattdessen lebten wir nun in einer Hausmeisterwohnung einer Spedition, nahe einer Autobahn, einer Hauptstrasse und ein paar Feldern. Mein geschockter Zustand weitete sich aus, als ich zum ersten Mal die Büroartige Wohnung betrat. Ich wußte um die Chancen die dieser Umzug beinhaltete, ich wußte aber genauso um die Risiken. Meine Freunde und Freundinnen würden mich nicht besuchen kommen, es wäre zu teuer und zu zeitintensiv. Ich musste wie meine Eltern mit der neuen Situation klarkommen, egal wie. Mein Vater sagte, Menschen kommen und gehen, sei nicht traurig, daran musst Du dich gewöhnen.

Emotional war ich sehr mit meinen Freunden und Freundinnen verbunden. Ich habe sie sehr in mein Herz geschlossen und dieses brach mir mit dem Umzug. Ich war zu diesem Zeitpunkt auf keinen Fall bereit für neue Menschen in meinem Leben. Der Umzug war anstrengend. Meine Mutter musste nebenbei für ihre Weiterbildung lernen und mein Vater war gesundheitlich vorbelastet, so war ich wohl die größte Hilfe bei der Schlepperei. Ich half wo ich konnte, setze mich aufopferungsvoll ein, auch wenn ich innerlich angespannt und verunsichert war. Man könnte die Gefühlslage wie einen leisen Anflug von Panik beschreiben, der sich aber Tag und Nacht behielt.

Wir waren sehr beschäftigt und ich konnte die letzte Zeit kaum noch geniessen. Am letzten Tag ging ich nocheinmal zu meinen Lieblingsstellen. An den Bach, in den Wald, an den Fußballplatz, an meinen Kindergarten und so weiter. Ich schoss ein paar Bilder die ich noch heute habe. Immernoch wollte ich nicht wahrhaben, dass das nun nichtmehr zu meinen Leben gehören sollte. Es war so friedlich, die Sonne schien trotz des Herbstes warm und glühend durch die Blätter der Bäume auf mich herab. Ein sanfter Wind versuchte mich scheinbar zu trösten, in meinen wehleidigen Gedanken.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Eigenes Buch

Das Treffen

Einmal an einem späten Sommer Nachmittag traf ich mich mit einer jungen Frau. Wir kannten uns bisher nur aus dem Internet und ich schien sie ständig mit meiner Art zu faszinieren. Sie machte gerade ihr Abitur und wollte danach etwas in Richtung Kunst machen. Sie glaubte an ihr Talent und träumte von einem schönen, langen Leben ohne großartige Zerstörung. Sie war verspielt und war obenherum grün verkleidet. Da waren auch Sandalen ähnliche Schühchen an ihr. Sie hatte ihre Lippen dezent mit Farbe beschmiert, ihre Finger und Fußnägel waren dagegen knallig rot angemalt. Naja, jedenfalls hopste sie für ein paar Stunden neben mir herum. Sie wollte wissen wer ich bin und was ich mache. Ich versuchte ihre Neugier zu befriedigen. Sie hing mir an den Lippen und ich war darüber überrascht.

Wir streifen durch die Strassen und duchquerten schließlich einen großen Platz, mit einer bekannten traditionellen Kirche davor. Ich beobachtete ihr Gesicht. Wie es aufmerksam die Umwelt verfolgte und irgendwie immer einen Grund fand zu lächeln, zu juchzen und zu lachen. Wache Augen blickten mich schnell an, wenn sie sicher waren dabei nicht von mir beobachtet zu werden. Wir unterhielten wir uns über belanglosen Müll während wir von Einflüssen erschlagen durch die Menschenmenge steuerten. Dabei drang uns die Stimme eines Protestes näher und näher. Offenbar predigte da Jemand etwas, was ihn emotional sehr berührte. Er rang regelrecht um seinen Verstand. Er hatte wirres fast schulterlanges rotes Haar, trug ein altes grünes billiges Jacket auf seinem nackten Oberkörper, eine ausgefranzte Anzughose und stand breitbeinig vor einigen verwunderten Passanten. Mit weit aufgerissenen Augen brüllte er aus vollem Halse:

„Die Tiere haben es am besten! Ich will das sie Steuern zahlen, Kleidung tragen, unsere Sprache sprechen und vernünftig arbeiten gehen! Diese faulen Viecher haben sich lang genug ausgeruht! Die sollen uns endlich helfen! Warum sollen wir für deren Rechte kämpfen? Die interessiert es doch gar nicht, Hauptsache was zu fressen und ausschlafen! Die sind selbst eingesperrt stumm und lassen alles mit sich machen! Was fällt denen ein, haben die kein Gehirn im Leib? Ich will das auch die ihre Miete zahlen, ich will das sie selbst fürs Atmen zahlen, sie sollen zahlen für all die Morde die sie unbestraft begannen haben! Diese Bestien ohne Verstand sollen bezahlen und schuften und ihre Kindes Kinder genauso!“

Sie vermutete dahinter einen Scherz, eine Show so wie einige andere Menschen. Ich zog eine ernste Miene auf als sie ihm ein bisschen Kleingeld gab. Der Mann war ganz offensichtlich durchgedreht, vermutlich ein frustrierter Tieraktivist und sie gibt ihm Geld. Eine gute Seele schien sie mir zu sein, viel zu gut für mich. Deprimiert ging ich mit ihr dem Ende des Treffens entgegen. Die Gespräche wurden tiefer, sie sagte man müsse nach vorne blicken und sich nicht immerzu selbst bremsen, aber ich zweifelte am Sinn dieser Haltung. Ich sah in allem nur ein Irrtum. Als größten Irrtum verstand ich die Sprache. All die Wirrköpfe die auf dieser Erde stolperten, frassen und kackten, entwickelten dieses monströse Wahnsinnsgeschoss unseres Verstandes. Auch jetzt und morgen wird das immer so weitergehen. Wie ein Fluss werden die Begriffe, Bedeutungen, Traditionen und Regeln fliessen. Aber davon erzählte ich ihr nichts. Ich hätte es sowieso nicht genau sagen können.

Wir fanden uns nach einigen Schritten auf einer Parkbank nahe eines Flußes wieder. Es wurde schon dunkel als sie flüchtig sagte, sie müsste dringend auf die Toilette. Ich lächelte ein bisschen und bestätigte sie darin, dass wir wohl dagegen etwas tun müssten. Irgendwie fanden wir für sie ein Cafe mit einer Toilette, welches sich an einem Kreisverkehr mit viel Grün befand. Man hörte ein paar Klänge aus einem klassischen Konzert und ein Mofa knatterte an uns vorbei als wir uns verabschiedeten. Sie schaute mir fest in die Augen und umarmte mich. Wir sagten einen Moment gar nichts und hingen kurz in unseren Gedanken. Dann sagte sie, sie würde zu einer angesagten Feier gehen und ich sagte okay. Sie lud mich ein und ich zierte mich sofort. Ich schob eine Ausrede vor und fühlte mich weiter endlos geschmeichelt. Ich behauptete ich müsste schreiben, ich hätte einige Gedanken die unbedingt festgehalten werden müssten. Sie sagte sie wolle mich nicht aufhalten und wünschte frohes Schaffen. Ich sagte zu mir im Kopf, was für ein Idiot ich sei und wünschte ihr einen schönen Abend.

Wir trennten uns, die Dunkelheit machte meine Heimfahrt kühl, aber ich war elektrisiert von diesem Treffen. Als ich nach einer Weile an meinem Tisch sass und die Gelegenheit hatte zu schreiben, kam mir eigentlich nur wieder die Sache mit der Sprache in den Sinn. Ich schrieb:

Stampfender Verstand kotet Leben voll

Das Wort ist Zerstörung geworden. Sprachen sind zerstörende Irrtümer die die Freiheit immer fester und kompakter einwickeln. Das Leben im Würgegriff des Verstandes. Lautlos tippt mit leisen Schritten das Gedankenmonster auf kühlen weiten Gängen umher und kotzt immerzu neue Phrasen aus sich heraus, die brüllend, keuchend, rotzend Aufmerksamkeit, Licht und Nahrung verlangen. Man stirbt einmal mehr mit jedem Monstrum, der Raum wird enger, geringer und erdrückender. Das Selbst scheint sich in der Masse der haarigen, schwarzen Suppe voll Wörter und Satzschlangen aufzulösen. Irrer Juckreiz schneidet sich durch die Hülle, das Gefühl von Wahnsinn kommt mit jedem Herzschlag um Herzschlag näher und stößt dichter und dichter an den Tod. Die Drehungen beginnen zu schleudern, das Drama wird zu einem kreischenden Meer aus abertausenden von Stimmen und das Nichts wird zum blinden Schleier der vortäuscht es gäbe Grenzen. Die Illusion von Sinn in Sinnlosigkeit schlägt sich in die Wahrnehmung des seelenlosen Zufallskopf.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Eigenes Buch

Politik ist lebensfremd

Mein Vater sagte mir nach meiner Ausbildung oft ich solle mein Leben ordnen, mit dem Arsch an die Wand kommen und die Zeit nutzen. Zeit ist Geld und Geld ist Lebensqualität, so pflegte er es zu sagen. Ich verstand genau was er meinte, trotzdem hatte ich keinerlei Motivation diesen Schlüssen und Sprüchen zu folgen. Ich sah darin keinen Reiz. Mir schien die Arbeiterei, die Bürokratie und Politik dahinter lebensfremd und künstlich. Sie hatte keinen Puls, sie hatte zwar Leben durch die Menschen, aber keinen echten Wandel. Ständig wurde etwas getan, aber letztlich ist es doch immer dasselbe geblieben. Ich wußte nicht wofür ich Energie aufbringen sollte, wofür ich aufstehen sollte und für was ich kämpfen sollte. Ich hatte doch schon alles, außer eine vernünftige Umwelt.

Mein Leben empfand ich schon immer als wunderschön. Getrübt wurde es nur immer wieder durch fremde Ideen und Einflüsse, aus wirren Köpfen, aus kalten Seelen, aus nimmersatten Bäuchen. Ich empfand lange Zeit eine große Verwirrung in mir, angestiftet durch viele kleine Propagandaminister, die als solche nie klar zu erkennen waren. Nun nach einigen schweren Phasen die ich überstanden habe, kann ich  Mitleid und Verständnis für sie aufbringen, obwohl sie mich schwer blendeten. Ich habe verstanden, dass diese Blender selbst geblendet waren. Es war nicht ihre absicht mich zu blenden, sie hatten sich selbst nie begriffen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Eigenes Buch

Hört auf Euch zu hassen

Wenn man aufhört in Zeit, Geld, Karriere, Berufe, Ämter, Regierungen, Nationen, Sprachen, Religionen Parteien, Organisationen, Zahlen, Bildungsabschlüssen zu denken wird man verstehen, dass man jede Person als Mensch betrachten muss. Wenn sich alle Menschen die Hände geben würden, was wäre da für eine Kraft vorhanden? Was könnte dann erreicht werden? Wir würden erkennen wie ähnlich wir uns sind, wie sehr wir uns lieben und respektieren können. Wir würden verstehen das Gewalt und Krieg völlig nutzlos und absurd sind. Wir würden versuchen unsere Kommunikation zu verstehen und wirklich miteinander reden!

Jeder Mensch hat einen gewissen Anteil an dieser Kraft und an dieser Realität die wir hatten, haben und haben werden. Unsere Instinkte sind dabei sehr wichtig, sie leiten uns und sorgen für absolute Harmonie. Durch die Technologisierung unserer Gesellschaft, haben wir uns lauter Hilfen und Extras im Leben angeschafft. Fortschritt und Wachstum um jeden Preis. Alles ist von unseren Systemen und Vorstellungen umzingelt. Längst haben sich davon einige Dinge verselbstständigt. Die Menschen wollen Geld haben, sie wollen größer und mächtiger sein als andere Menschen, obwohl sie das durch Nichts sein können. Wir brauchen mehr Selbstvertrauen, wir dürfen den Kapitalismus nicht zu unserem Leben machen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Eigenes Buch