Archiv der Kategorie: Arbeitertagebuch

Das Elend der Lohnarbeit

Mal abgesehen davon, dass die Inserate gespickt sind mit Ungenauigkeiten wie die fehlende Angabe darüber, ob der ausgeschriebene Lohn nun in Netto oder Brutto gezahlt wird, gibt es eine breitgestreute Frechheit, die sämtlichen Unternehmen zueigen ist: Sie zahlen nämlich immer zu wenig und sie betrügen einen immer um Nerven, Zeit und Lebenskraft. Eigentlich wäre jeden Tag das Anzünden von Reifen auf Barrikaden in allen Straßen ein völlig angebrachter Vorgang. Aber da global offensichtlich lieber geschuftet wird als die Füße hochzulegen, ist man dazu erniedrigt und verdonnert irgendwelche absurden Heucheleien in einem Bewerbungsschreiben und später folgenden Bewerbungsgesprächen auszubreiten, um sich als Werkzeug verdingen zu dürfen und dadurch als Individuum komplett abzuschaffen.

Wie kann etwas gut sein, was falsch ist? Jeder sieht, dass in Deutschland die Löhne seit über 10 Jahren stagnieren. Über 13 Millionen Menschen leben mittlerweile in relativer Armut und können ihren Kindern keine regelmäßige warme Mahlzeit bieten. Zugleich wuchsen die Unternehmensgewinne. Es gibt Steuererleichterungen für Reiche, während die Unterstützung für Arme und Arbeiter Monat für Monat zusammengestrichen und mit Hürden versehen wird. Gewerkschaften haben seit Jahrzehnten damit aufgehört die Lohnarbeit zu bekämpfen oder wenigstens einen akzeptablen Lohn zu erstreiten. Die ganze Nation hat sich dem Diktat der Profitmaximierung ergeben. Alle sind lebendige Tote.  Da steht man nun als depperter vereinzelter Einzelner und muss die Suppe auslöffeln. Natürlich ist auch das ekelhaft, aber man kann dieses Ekel wiedermal nur an alle und keinen richten, was ziemliche Ratlosigkeit hinsichtlich der Aktionsmöglichkeiten zum Ergebnis hat.

Ich bin seit Jahren enttäuscht diesem stummen Zwang der Verhältnisse nachkommen zu müssen. Es ist aber nicht nur Enttäuschung, es ist völlige Fassungslosigkeit. Im Grunde müsste jedem Arbeitsinserat eine Unterlassungsforderung folgen. Wenn die Angestellten die Waren und Profite produzieren, aber nur der Eigentümer der Arbeitsplätze davon profitiert indem er den Produzenten der Reichtümer einen geringeren Anteil abgibt und ihnen zugleich hinterher die selbstproduzierten Waren auch noch verkauft, dann ist das Betrug. Und der Staat hat all das mit Gesetzen auch noch legalisiert. Also ist auch er ein Betrüger. Sämtliche Regierungen, die diese Gesetze absegnen sind es ebenso Betrüger. Und Leute, die diese Regierungsparteien wählen, können sich ohne Weiteres als Selbstbetrüger bezeichnen, die unbegriffen ihr eigenes Grab schaufeln und dabei sogar noch wütend werden, wenn ein anderer dazu springt und mitgräbt. All das kommt mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit daher, dass einem die Worte fehlen sie zu kritsieren.

Es löst Existenzängste, Angstzustände aber auch Erschöpfung aus, wenn klar ist, dass die Konstitution der Gesellschaft, die sich maßgeblich über die falsche, dumme, gewalttätige Lohnarbeit reproduziert, so gewaltig und total ist, dass sie alle Möglichkeiten hat einen auszugrenzen und auszulöschen. Dies wissen sicher viele Menschen, dass sie jederzeit herausgeworfen und zerstört werden können, wenn sie einen Fehler machen. Wenn die Anspassungsleistung nicht glaubwürdig genug dargestellt werden kann ist die Bedrohung nicht einfach nur vorgestellt, sondern ganz schnell real und der soziale Abstieg ist sicher. Daher dann auch diese absurden Trainingseinheiten sämtlicher Arbeitsagenturen Bewerbungen „richtig“ zu schreiben, so als ob das irgendeine Garantie davor ist, jemals vom profitgesteuerten Kapital überflüssig gemacht zu werden. Niemand ist sicher. All das wird verleugnet, wenn von einem „familiären Team“, einem „tollen Betriebsklima“ gefasselt wird. Es hat sich längst eine ganze Industrie ausgebildet, die den Wahnsinn in Kitsch verwandelt und damit rationalisiert.

Und dann rechnet man sich aus wieviel der Bruttolohn denn bringen wird: Nichtmal die Hälfte der Miete. Aber gearbeitet werden soll für 4 Leute. Natürlich! Fünf Sprachen, alle Ausbildungen, die man womöglich sogar noch selbst zahlen musste, jede Flexibilität rund um die Uhr, mit Begeisterung und Leidenschaft. Was denn noch? In den Stellenanzeigen zeigt sich schon welcher Irrsinn einem Tag täglich um die Ohren geschleudert werden soll, welche Abgründe zum eigenen Schicksal werden sollen. Sie drücken aus, dass man schnellstmöglich wie ein Sklave für blinde Götter Pyramiden in einer staubigen Wüste voller Peitschenhiebe errichten soll. Widerspruch ist zwecklos, darauf gibt es nur noch mehr Schmerzen, Dummheit und Ignoranz. Genialerweise wird die Selbsterniedrigung des Menschen dadurch potenziert, wenn er sich ergeben hat und Bewerbungen schreibt, wenn er „Ja“ zu den Peitschenhieben, dem Staub, Dreck, der Undankbarkeit, den Betrug und Wahnsinn gesagt hat, weil er selbst wahnsinnig genug gemacht wurde: Denn die ganzen Bewerbungsschreiben, die man mit allerlei idiotischen Mantras der BWL befült hat, werden von den Konzernen gern ignoriert, wenn er kein brancheneigener Superman der Leistungs- und Konkurrenzunkultur ist. Genau so fühlt sich ein Bettler, der auf der Straße beim Betteln ignoriert wird. Sein Elend ist den anderen Auftrag, ihn weiter ausgrenzen, auf das er endgültig verschwindet und niemanden von den braven Werktätigen mit seiner gefährlichen, ineffizienten Unrentabilität herunterzieht oder aufhält.

Dass es hiergegen nicht einen einzigen gibt, der aufsteht und sich nicht einfach nur konformistisch dagegen auflehnt, um Schlimmeres zu etablieren, verwüstet jeden Rest an Hoffnung, dass es einmal anders sein könnte. Und das ist die totale Vernichtung von Leben, die die Insignien unseres Zeitalter trägt. Wenn einfach so jeden Tag über 50 000 Menschen verhungern müssen, obwohl zugleich jeden Tag Millionen Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen werden, dann ist das eine klare Ansage an uns alle, dass wir alle uns nur einbilden zu leben. Denn momentan leben wir nur unter der Gnade des Kapitals, der Lohnarbeit und des Staates und zwar solange wie wir arbeiten und Profit abwerfen, und auch das ist schon nicht gut genug, weil wir angesichts unserer menschlichen Mängel zu langsam und ineffizient arbeiten, weswegen ständig vom lebenslangen Lernen, was nicht umsonst wie „lebenslänglich im Knast“ anklingt, gesprochen wird. Ganz offensichtlich ist Angst und Panik das wesentliche Merkmal sämtlicher Charaktere auf der Welt. Es ist nicht genug Liebe da und niemand weiss, wie die jemals in diese Welt kommen soll, also wird wild um sich geschlagen und nach Mitteln gesucht, die die prekäre Identität stabilisiert, was im Falschen ja bloss das Schlechte sein kann: Nation, Arbeit oder Patriarchat.

Die Lohnarbeit ist also inhaltlich falsch, betrügerisch, verletzend, verdummend und in vielen Teilen der Welt auch tödlich. Zugleich erscheint es wahnsinnig, dass man sich stundenlang pro Tag auf eine einzige Tätigkeit fixieren soll, die zugleich einen als Person gar nicht sichert oder schätzt, weil jederzeit die Entlassung droht, weil das Kapital die Autorität der Struktur darstellt. Dadurch, dass man gezwungen ist Rechnungen zu bezahlen, weil man sonst im Knast landet, ordnet man sich also einem Prinzip unter, welches einen auf lange Frist nur zerstören kann. Wenn man Glück hat, hat man gerade mal eine handvoll Stunden pro Woche für sich. D.h. man lebt den Großteil seines Lebens nicht für sich und die, die man liebt oder für das, was man liebt, sondern für ein blindes Prinzip, dass sich Kapitalverwertung schimpft, was aber nur existiert, weil man es akzeptiert, weil es alle akzeptieren. Darin wohnt ein Irrsinn, der sich wirklich milliardenfach in Sekundenbruchteilen überschlägt, dass es einem erneut die Sprache verschlägt. In der Ökonomie ist all das kein Thema. Wer VWL-Vorlesungen besucht, der stellt dieselbe Selbstverständlichkeit fest mit der die täglichen Hungertoten beschlossen werden, wie sie in den Stelleninseraten der Firmen oder im Berufsalltag der Leute stattfindet. Normal ist was Elend schafft. Man liebt und ist dieses Elend, reproduziert es und ist nur gelegentlich mal erschrocken, wenn der eigene gelebte Opportunismus für einen offenbar doch nicht ganz reicht. Aber dann sind eben die anderen Schuld und niemand sonst.

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Hamster mit Burnoutproblem

Frontal 21 hat bahnbrechendes herausgefunden: Die „meisten“ Unternehmen betrachten die „meisten“ ihrer Arbeitskräfte als Ressorce und nicht als Menschen! Ja wie ist denn das bloss möglich? Was für eine Fehlentwicklung oder? Es folgt Gerede vom „leeren Akku“ und vom „Hamsterrad“ aus dem man „nicht rauskommt“, wo man trotz „Spaß“ an der Arbeit irgendwann Suizid begeht, weil es „zuviel“ geworden ist. Und wer ist schuld? Microsoft! Denn die haben letzteren Hamster, der sich sogar noch für seine Unfähigkeit „entschuldigt“, einfach mal nicht zugehört und ganz böse unter Druck gesetzt. „Bissi schwach“, findet der Bruder. Für Microsoft ist dagegen alles in Butter, der Typ war halt depressiv, da kann die liebe Arbeit beim Konzern doch nix dafür, schliesslich gibt es „viele Faktoren die uns Menschen glücklich oder unglücklich machen können“! Blöd nur wenn der Kerl offenkundig gar kein Privatleben mehr hatte, sondern pausenlos von den „1440 Minuten“ am Ackern war.

Das Bewertungssystem wird später als Grund für den großen „Konkurrenzdruck“ angegeben bzw. kritisiert, welches Mitarbeiter von Microsoft offenkundig regelmäßig zum „weinen“ bringt. 5 % Prozent aller Arbeiter im Land leiden an Erschöpfung, der Arbeitsmarkt besticht durch „Bewährung und Bewertung“, überhaupt sind Arbeitsplätze unsicher, „Arbeitsverträge immer öfter befristet“ und was fällt der Frontal 21 Redaktion dazu ein? Rationalisierung und Arbeitsverdichtung sind schuld! Ja, toll und die fällt wohl vom Himmel oder was?! Und ein Arbeitssoziologe haut nochmal drauf und sagt: Wer sich „betriebswirtschaftlich nicht rechnet“ geht! Ja, und warum, aus Spaß an der Freude oder aus purem Sadismus der Manager?! Tja und der Pressesprecher von Microsoft hat keine Ahnung von über 9000 Erschöpften Leuten in seinem Lieblingsbetrieb, na klar! Also dieser ganze Beitrag bringt das Kunststück fertig jede Menge Katastrophen des Kapitalismus zu benennen, aber ihn selbst niemals auch nur mit einem Wort zu problematisieren! Da heult man wegen kaputten Menschen, schafft es aber nicht die Lage vollständig zu analysieren. Muss wohl das „notwendig falsche Bewusstsein“ sein, was die zu funktionalisierten Charaktermasken zerfallenen atomisierten Subjekte im Kapitalismus in sich tragen.

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Gleichgültigkeit im Maßanzug

Wenn man als Arbeitnehmer kündigt braucht man nicht erwarten das der zuständige Personalleiter, Abteilungsleiter, Niederlassungsleiter oder Chef irgendeine Form der Emotion zeigt. Im Grunde genommen ist es diesen Typen scheissegal aus welchen Gründen man ausscheidet. Sie sehen höchstens oberflächlich eine Persönlichkeit aus Fleisch und Blut vor sich, in erster Linie rattern bei ihnen die betriebswirtschaftlichen Folgen durch die Birne. Die Frage warum jemand freiwillig geht, gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten, wird genauso wenig gestellt, wie um den scheidenden Mitarbeiter und dessen Erfahrungen gekämpft wird. Gleichgültig wird die Änderung im Abwicklungsprozess der Profitmaximierung hingenommen, ohnehin sind die Beziehungen untereinander als Kollegen begrenzt und distanziert, für die meisten ist die Arbeit eine einzige Quälerei die aus Liebe zur Familie, Geldnot oder Geldgeilheit ertragen wird. Es gibt Chefs die ihre Mitarbeiter allen Ernstes trotz dieser offenkundigen Fakten mit sozialistischen Sprüchen von Revolutionären wie Rosa Luxemburg motivieren wollen produktiver, im Sinne der Profite, zu arbeiten. So findet sich bei einer der vielen Emailansprachen auch der Spruch: „Wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Diese Durchhalteparolen sind ein pikantes und entlarvendes Beispiel dafür wie tief die Ahnungslosigkeit und das Desinteresse um die Geschichte des Kapitalismus und der Arbeiterschaft sitzen muss. Selbst Führungspersonen, studierte Leute mit Jahrzehnten beruflicher Erfahrung, erschöpfen sich in Stumpfsinn nur um irgendwie den Laden am laufen zu halten und produktiver zu machen. Es ist auch scheiss egal ob das allen schadet, solange es keine ernsthaften Bewegungen oder brennende Strassensperren auf dem Weg zur Arbeit gibt werden diese Mitläufer weitermachen und glauben das sie mit ihren Überstunden, ihren dicken Gehältern, überteuerten Fahrzeugen, Klamotten und ihrer Überheblichkeit, Ahnunglosigkeit sowie Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Geschichte, sich selbst und anderen Kollegen richtig liegen. Für die ist alles in bester Ordnung jede Arbeitsflexibilisierung und -intensivierung, jede ihrer Arbeitsanweisungen erscheint ihnen als der einzig richtige und legitime Weg für das Glück aller, die Leute müssen nur brav arbeiten dann wird alles gut. Sie können sich nichts anderes vorstellen weil sie nie anders gelebt haben und sich auch nichts schöneres erträumen können als irgendwelche Führungsrollen zu schauspielern. Das wir alle besser dran sind ohne diese Hierarchien, ohne Wettbewerb, ohne Profitmaximierung, ohne Rollenspielerei und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, deren Bedürfnissen und so weiter kommt diesen eindimensionalen Menschen tatsächlich nicht in den Sinn. Darin besteht die ganze Traurigkeit und Wüste.

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Allmächtiger Kern

Das Schlimmste ist die stetige Wiederholung der ewigselben Problematik. Ständige Wiederkehr von Phrasen, Sprüchen, Situationen, alles scheint vorprogrammiert. Man kann heute sagen wie es morgen oder die nächsten Wochen, Monate und Jahre sein wird. Die Unterschiede und Veränderungen sind immer nur oberflächlich. Es gibt andere Kollegen, es gibt andere Satzstellungen, sanftere oder boshaftere Äußerungen, es gibt freundliche und unfreundliche Chefs und alles scheint überhaupt keine Rolle zu spielen für den Kern, der uns alle in die Büros dieser Welt treibt. Jegliche Spontanität wird aus den Individuen gesaugt, die Individuen existieren nur noch für diesen Kern. Der wesentliche Kern jeglichen Treibens der die Leute zusammenhält, der sie gemeinsam kämpfen lässt, obwohl sie sich selbst und alle anderen verabscheuen. Wenn Plakete im Büro hängen die so etwas dämliches sagen wie „Service ist unsere Leidenschaft“ oder „Wir hängen uns voll für unsere Kunden rein“ mit entsprechenden Sinnbildern darüber, dann spielen sie auf diesen Kern an der unsere Familie, Umwelt, unser ganzes Leben vergiftet. Der Kern ist die Profitmaximierung, die maximale Verwertung menschlicher Arbeitskraft, die Intensivierung des Arbeitsprozesses. Jegliches Gelächter der Kollegen an guten Tagen kann nicht über diesen Kern hinaus gelangen. Nichts, weder der Urlaub, die Freizeit, das Intimleben kann diesen Kern aufheben und nichtig machen. Alles geht von ihm aus und alles bezieht sich auf ihn und entsprechend stark ist seine Sogwirkung auf alle Generationen. Blind wird darauf vertraut das die Ordnung der viele Millionen Menschen folgen schon seine Richtigkeit hat. Als ob den Leuten schon immer nichts anderes übrig blieb sich den Verhältnissen hinzugeben. Als ob die Leute schon immer so hörig den Gesetzen des  Kapitals und der herrschenden Klasse waren. Jeder der diese Ordnung, die in Wahrheit Chaos ist, als das erkennt und artikuliert was sie ist, wird als Nestbeschmutzer, Eigenbrödler oder schlicht als Mensch mit negativer Einstellung abgewertet und abgefertigt. Die ganze Problematik spitzt sich so noch weiter zu. Wie erklärt man einen Kranken der sich für gesund hält, wie krank er eigentlich ist? Wie kann man als Infizierter, als von der allmächtigen zerstörerischen Ordnung Bedrohter überhaupt gegen den Kern ankommen? Man wird von ratternden Motoren genauso überfallen wie von den sich ständig ausweitenden Industriegebieten und Asphaltlandschaften. Es stinkt ständig nach Verwahrlosung, in Form von Öl, Benzin, Urin usw. Man muss darauf achten nicht in zerbrochene Bierflaschen der letzten Trunkenbolde zu treten, oder in die Kackhaufen von geliebten neurotischen Haustieren. Achtlos wird diese Umwelt betreten, benutzt und weggeworfen als würde es sie immer geben unabhängig davon was wir als Menschen so machen. Völlig abgeschottet sitzen die Leute in ihren überteuerten Fahrzeugen auf dem Weg zur Arbeit, zum Discounter, zur Disco oder zum Urlaubsziel und begreifen dabei gar nicht wie sie modern und bequem die Erde unbewohnbar machen. Wie kann man soetwas aufrütteln ohne gleich als Öko, Kommunist und so weiter beschimpft zu werden? Die stetige Wiederholung muss endlich gebrochen werden. Der Kern muss offenkundig gemacht werden. Ob das letztlich die Menschen überzeugt die sich in all diesen Katastrophen wohl fühlen bleibt fraglich.

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Im Büro

„Scheiße!“
„So eine Scheiße!“
„Alles scheiße!“
„Auf meinem Tisch liegt nur Scheiße!“
„So eine verdammte Scheiße hier!“
„Ich kotz gleich!“
„Arschloch!“
„So ein dummes Arschloch!“
„Ich trete gleich jemanden zusammen!“
„Ich scheiß gleich auf den Tisch und kündige!“
„Was? – Hallo? Sagen Sie mal..?! Sind Sie zu blöd mich zu verstehen?“
„Dieser verdammte Wichser soll sich nicht so anstellen!“
„Wollen Sie mich verarschen?!“
„Ich dreh gleich durch!“
„So ein Hurendreck!“
„Der Typ gehört erschossen!“
„Ich glaub Du spinnst wohl ein bisschen?!“
„Ich glaub der spinnt wohl?!“
„Spinnt der ein bisschen?!“
„Ich mag nicht mehr!“
„Ich mag nicht mehr, ehrlich!“
„Ich glaub ich fang gleich das kotzen an!“
„Wenn ich den Typen sehe, spuck ich ihm ins Gesicht!“
„Dem sollte man mal eine reinhauen!“
„So ein Weichei“
„So ein Trottel“
„So ein Depp“
„So ein Wichtigtuer“
„Wie kann man nur so dumm sein?“
„Verdammte Scheiße!“
„Ich mache diese Scheiße nicht mehr mit!“
„Ich geh gleich heim, ist mir scheißegal!“
„Macht Euren Dreck doch alleine!“
„Welcher Volldepp war das?“
„Was soll diese Scheiße?“
„Solche Luschen können wir nicht gebrauchen!“
„Wahnsinn!“
„Wahnsinn, echt!“
„Irrsinn!“
„Das ist so ein Beschiss hier!“
„Ich komme mir so verarscht vor!“
„Man wird hier nur verarscht!“
„Länger mache ich das nicht mehr mit!“
„Also dann, bis morgen!“

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Was mich Montag bis Freitag erwartet

Entnervte, verzweifelte, traurige und einsame Menschen die an Übergewicht, Waschzwang, Sex- und Geltungssucht leiden. Einige von ihnen sind cholerisch veranlagt und schreien fast den ganzen Tag herum. Andere drücken sich mit vielen kleinen Raucherpausen vor der Arbeit oder quatschen ständig über Fußball, Frauen, reißen selten-dämliche Scherze vorwiegend über Ossis und deren angebliche Schwächen. Die meisten jammern über zuviel Arbeit, darüber wie wenig sich die Führung um Verbesserungen bemührt und wie schwer es in Zukunft sein wird trotz der Umstrukturierung des Unternehmens.

Sie lachen oft gebrochen und halbherzig, ihre Körper sind faltig, ergraut, erschlafft und wirken geschunden. Viele sind unausgeglichen, haben Bluthochdruck, nehmen Tabletten, nutzen ihre Freizeit intensiv mit Party machen oder langen Ausflügen in die Natur. Egal was sie machen, egal wieviel sie schreien und jammern, sie bleiben von früh bis spät an ihrem Platz und machen ihre Arbeit. Sie schimpfen dabei nicht nur über die Chefs oder schlechten Fußball, sondern freilich auch über Politiker die ja nur noch in die eigene Tasche wirtschaften würden. Und ich sitze mittendrin und ertrage diese Situationen, diese Vorstellungen und Lebensweisen. Ich bin wie diese Menschen gefangen und doch frei. Ich könnte jederzeit gehen. Jederzeit mit diesem Unsinn aufhören. Nur wer bezahlt dann die Rechnungen? Was wird dann aus mir?

Keiner kann 30-40 Jahre so leben. Jeden Tag diese verstörten Menschen um einen herum. Jeden Tag diese gesellschaftlichen Strukturen die mit ihren Sachzwängen Dein ganzes Sein zerstückeln und vergiften. Ich verstehe diese Menschen, ich verstehe ihr Leiden und ihr Elend. Aber was soll ich tun? Einfach gehen? Oder gemeinsam mit ihnen leiden und dumme Sprüche ablassen? Was ist unser Leben dann noch wert? Wir leben doch gar nicht. Wir schneiden jeden Tag eigenhändig ein Stück unserer Zeit und unserer Kraft aus unserer Existenz um ein Prinzip am Leben zu erhalten. Das Prinzip welches viele von uns schon einsam, leer und krank gemacht hat. Das Prinzip der Profitmaximierung. Wer gut leben will braucht Geld, wer Geld will muss arbeiten, egal was, egal für wen, egal welchen Zweck diese Arbeit innerhalb der Gesellschaft erfüllt.

Wir wissen nicht was wir tun. Wir empfinden nur instinktiv was wir brauchen. Essen, Lebensraum, Liebe. Letzteres bekommen wir zu selten. Pech gehabt.

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Kleine Ursache – Große Wirkung

Ich habe erlebt wie sich Obdachlose wegen einer leeren Pfandflasche angeschrien haben und ich dachte mir wie schlecht es diesen Menschen gehen muss, sich wegen so einer Kleinigkeit derart das Leben schwer zu machen. Andererseits bedeutet diese Pfandflasche für diese Obdachlosen ein wenig mehr Ruhe, denn damit lässt sich ein Bier oder eine Mahlzeit erkaufen, was die Existenz am Rande der Gesellschaft ein wenig mehr erträglicher macht. Diese Ruhe bedeutet viel, gerade wenn man das Gefühl hat, alles um einen herum würde immer schneller, greller und lauter. Wie kann man völlige Ohnmacht am besten bekämpfen? Etwa nüchtern? Die Obdachlosen kämpften mit dieser Pfandflasche um ihren Seelenfrieden und damit um ihr Überleben.

Jetzt erlebte ich neulich eine Szene in einer völlig anderen gesellschaftlichen Schicht. Zwei Arbeitnehmer schreien sich an, Argumente gibt es nicht, nur wilde Verzweiflung und Erschöpfung in den Sätzen. Die Szene war explosionsartig, schnell und intensiv. Nur worum ging es? Ein Telefonat wurde falsch verbunden. Deshalb dieses wilde Geschrei, die Unterstellungen und Beleidigungen. Unausgeglichene Menschen die darüber streiten wie man am besten die Effizienz im Unternehmen steigern könnte. Forderungen werden aufgestellt, Drohungen ausgesprochen und am Ende stapft der Initiator der Schreierei entnervt aus dem Raum. Ich fragte mich wieder, wie kann man sich nur das Leben so schwer machen? Sollte ich lachen oder schimpfen?

Und diese Woche trifft es mich. Mir wird, während meiner Abwesenheit und aufgrund einer spontanen Entscheidung aus der Führung, betriebsintern der Platz meiner Tätigkeit genommen, indem ein anderer Kollege diesen erhält. Informiert werde ich indem ich vor vollendete Tatsachen gestellt werde, als ich meine Tätigkeit ausüben möchte. Meine erste Reaktion war natürlich Verwunderung und schließlich wurde ich sauer, als ich keinen alternativen funktionierenden Platz für meine Aufgaben vorfinden konnte. Ein erster Anruf beim ausübenden IT-Mann erhellt die Situation auch nicht, denn dieser gibt fluchend bekannt, er könne jetzt keinen neuen Arbeitsplatz herbei „hexen“. So musste ich mir auch noch einen funktionierenden Platz suchen, an dem ich meine ohnehin schon öden Abläufe erledigen konnte. Ich war angespannt, aber war die respektlose Art ja bereits seit Monaten gewohnt.

Weiter ging es am nächsten Tag: Der neue Platz auf dem man mich abschieben will, besitzt keinen Zugang zu Email oder dem betriebsinternen System, verfügt über eine alte verschmutzte Tastatur und liegt obendrein geografisch ungünstig in Bezug zu meinen Aufgaben. Also setze ich mich erneut woanders hin und informiere den IT-Experten der nicht hexen kann. Er richtet mir die notwendigen Dinge ein, sperrt zugleich meinen Zugang zu anderen PCs, damit ich auch bloß nur auf diesem geografisch noch immer ungünstigen Arbeitsplatz sitze. Ich schreibe eine Email und sage die Tastatur ist völlig verdreckt (der Staub hatte sich schon in die Tasten gefressen und das helle Weiß zu dunklen Grau verkrustet), also unbrauchbar für jemanden der den ganzen Tag darauf tippen soll, beschreibe das ich aufgrund dieses Arbeitsplatzes für meine Aufgaben mehr Umstände in Kauf nehmen muss und wie respektlos ich es empfinde keinerlei Vorabinformationen zu diesem erzwungenen Wechsel erhalten zu haben.

Reaktion? Er antwortet erbost ich habe jeden Arbeitsplatz zu akzeptieren und es wäre nicht seine Aufgabe Leute über Veränderungen zu informieren. Obendrein stellt er kommentarlos, während meiner Abwesenheit, eine Schüssel, Toilettenpapier und einen Reinigungslappen auf den neuen Platz, – schließlich hätte die Firma keine anderen Tastaturen im Haus. Später gibt er dann zu Protokoll, es wäre meine Aufgabe für einen funktionierenden Arbeitsplatz zu sorgen, – wobei sich mir sofort die Frage stellte, wofür er dann überhaupt noch da ist? Jedenfalls sieht er kein Problem mit dem Platz, betrachtet mein Anliegen herablassend und lässt dem Chef auch noch eine Kopie des Gesprächverlaufs zu kommen, was wohl zeigen sollte wie dumm ich mich anstelle. Provokant fragt er, wenn ich ein Problem hätte, könnten wir das „gerne“ mit der Führung besprechen.

Ich war nun wirklich mehr als angepisst. Meine Reaktion kam prompt, ich konkretisierte meine Kritik und sprach direkt von Respektlosigkeit und Ineffizienz die sich in dieser Entscheidung und diesem „kollegialen“ Umgang darstellt. Freilich wird sich die Führung demnächst dazu äußern und ich bot in meiner Antwort an die grundlegende Struktur des Großraumbüros zusammen mit allen Kollegen zu gestalten. Nun bringe ich morgen selbst eine neue Tastatur mit und schenke sie dem Unternehmen. Vielleicht ist dieser Streit damit beigelegt, aber er hat unheimlich viel Kraft gekostet. Es ist schwierig bei solch albernen Schwierigkeiten ruhig und sachlich zu bleiben, – vor allem dann wenn der Kollege überhaupt kein Verständnis oder Respekt für eine Notwendigkeit hält und die eigenen Probleme belächelt, Argumente mit Gehässigkeit untergräbt usw.

Letztlich kann man solche Schwierigkeiten innerhalb unserer jetzigen Ökonomie überhaupt nur mit einem Argument bekämpfen: Effizienz. Wer hat die besseren Argumente die zu mehr Effizienz führen? Emotionen zählen genauso wenig wie Respekt. Was durchschlägt ist die Effizienzsteigerung, die Profitsteigerung. Meine Bedürfnisse und Argumente werden nur dann gehört, wenn sie Geld abwerfen. Dieser heiße Tanz ist noch nicht ausgetanzt, ich weiß nicht wohin mich diese Aktion führt. Ich hätte auch still sein können und brav einfach die neuen Verhältnisse akzeptieren können. Aber ich wollte nicht ohnmächtig hinnehmen was andere mir einfach hinwerfen. Es ist mir wichtig in die Konfrontation zu gehen, bevor es zu spät ist, bevor man sich nur noch anschreit.

Aber ich glaube noch zu unerfahren mit solchen Situationen zu sein, schließlich geht es mir nicht wirklich darum das Unternehmen profitabler zu machen, weil ich die hierfür zugrunde liegende Ideologie der Profitmaximierung als menschen-verachtend betrachte, verabscheue und verwerfe. Also werde ich wohl als „Verlierer“ aus diesem Konflikt gehen und in Zukunft aufgrund von Lästerei immer belächelt werden, bis ich mir erneut mit Mehraufwand und Mehrarbeit Respekt erarbeitet habe. Alles in Allem sind diese Kämpfe idiotisch, sie sind derart primitiv wie ihr Streitgegenstand. Ich weiß nicht wie ich so einen Müll aus dem Kopf bekommen soll, – also schreibe ich darüber in der Hoffnung davon frei zu werden. Diese Konflikte belasten die menschlichen Beziehungen unheimlich. Man wird mich sicher nun für einen Typen halten der aus jeder Mücke einen Elefanten macht. Vielleicht bin ich auch einfach nur ein armes Weichei für den IT-Mann und seine Kumpels.

Ich weiß es nicht, aber ich glaube schon richtig zu liegen, wenn ich mehr Kommunikation, Rücksprache und damit auch Respekt fordere. Wie soll ein Unternehmen in Zukunft bestehen, wenn es nicht einmal seine eigenen Mitarbeiter respektvoll behandeln kann? Wie soll dieses Unternehmen gegenüber der Konkurrenz bestehen und sich vor allem durchsetzen wenn die Kollegen sich kaum vernünftig unterhalten können? Es fehlt schlicht die Zeit und die Kraft all diese Schwierigkeiten in Ruhe zu besprechen und zu lösen. Deshalb wird auch mein Problem schlicht weg geschoben und jegliche Lösungsansätze werden abgewürgt. Am Ende wird es laufen wie bisher, der Betrieb läuft aufgrund von Notlösungen und auf Kosten der Mitarbeiter, weshalb viele kündigen und nur jene dort arbeiten, die kaum Fachkenntnisse haben und jeden Euro brauchen, – also jeden Mist mitmachen. So läuft es bestimmt nicht nur indem Betrieb indem ich jetzt arbeite, weshalb ich mir keine Hoffnungen machen darf mal bessere Verhältnisse vorzufinden.

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