Archiv der Kategorie: Arbeitertagebuch

Das Elend der Lohnarbeit

Mal abgesehen davon, dass die Inserate gespickt sind mit Ungenauigkeiten wie die fehlende Angabe darüber, ob der ausgeschriebene Lohn nun in Netto oder Brutto gezahlt wird, gibt es eine breitgestreute Frechheit, die sämtlichen Unternehmen zueigen ist: Sie zahlen nämlich immer zu wenig und sie betrügen einen immer um Nerven, Zeit und Lebenskraft. Eigentlich wäre jeden Tag das Anzünden von Reifen auf Barrikaden in allen Straßen ein völlig angebrachter Vorgang. Aber da global offensichtlich lieber geschuftet wird als die Füße hochzulegen, ist man dazu erniedrigt und verdonnert irgendwelche absurden Heucheleien in einem Bewerbungsschreiben und später folgenden Bewerbungsgesprächen auszubreiten, um sich als Werkzeug verdingen zu dürfen und dadurch als Individuum komplett abzuschaffen.

Wie kann etwas gut sein, was falsch ist? Jeder sieht, dass in Deutschland die Löhne seit über 10 Jahren stagnieren. Über 13 Millionen Menschen leben mittlerweile in relativer Armut und können ihren Kindern keine regelmäßige warme Mahlzeit bieten. Zugleich wuchsen die Unternehmensgewinne. Es gibt Steuererleichterungen für Reiche, während die Unterstützung für Arme und Arbeiter Monat für Monat zusammengestrichen und mit Hürden versehen wird. Gewerkschaften haben seit Jahrzehnten damit aufgehört die Lohnarbeit zu bekämpfen oder wenigstens einen akzeptablen Lohn zu erstreiten. Die ganze Nation hat sich dem Diktat der Profitmaximierung ergeben. Alle sind lebendige Tote.  Da steht man nun als depperter vereinzelter Einzelner und muss die Suppe auslöffeln. Natürlich ist auch das ekelhaft, aber man kann dieses Ekel wiedermal nur an alle und keinen richten, was ziemliche Ratlosigkeit hinsichtlich der Aktionsmöglichkeiten zum Ergebnis hat.

Ich bin seit Jahren enttäuscht diesem stummen Zwang der Verhältnisse nachkommen zu müssen. Es ist aber nicht nur Enttäuschung, es ist völlige Fassungslosigkeit. Im Grunde müsste jedem Arbeitsinserat eine Unterlassungsforderung folgen. Wenn die Angestellten die Waren und Profite produzieren, aber nur der Eigentümer der Arbeitsplätze davon profitiert indem er den Produzenten der Reichtümer einen geringeren Anteil abgibt und ihnen zugleich hinterher die selbstproduzierten Waren auch noch verkauft, dann ist das Betrug. Und der Staat hat all das mit Gesetzen auch noch legalisiert. Also ist auch er ein Betrüger. Sämtliche Regierungen, die diese Gesetze absegnen sind es ebenso Betrüger. Und Leute, die diese Regierungsparteien wählen, können sich ohne Weiteres als Selbstbetrüger bezeichnen, die unbegriffen ihr eigenes Grab schaufeln und dabei sogar noch wütend werden, wenn ein anderer dazu springt und mitgräbt. All das kommt mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit daher, dass einem die Worte fehlen sie zu kritsieren.

Es löst Existenzängste, Angstzustände aber auch Erschöpfung aus, wenn klar ist, dass die Konstitution der Gesellschaft, die sich maßgeblich über die falsche, dumme, gewalttätige Lohnarbeit reproduziert, so gewaltig und total ist, dass sie alle Möglichkeiten hat einen auszugrenzen und auszulöschen. Dies wissen sicher viele Menschen, dass sie jederzeit herausgeworfen und zerstört werden können, wenn sie einen Fehler machen. Wenn die Anspassungsleistung nicht glaubwürdig genug dargestellt werden kann ist die Bedrohung nicht einfach nur vorgestellt, sondern ganz schnell real und der soziale Abstieg ist sicher. Daher dann auch diese absurden Trainingseinheiten sämtlicher Arbeitsagenturen Bewerbungen „richtig“ zu schreiben, so als ob das irgendeine Garantie davor ist, jemals vom profitgesteuerten Kapital überflüssig gemacht zu werden. Niemand ist sicher. All das wird verleugnet, wenn von einem „familiären Team“, einem „tollen Betriebsklima“ gefasselt wird. Es hat sich längst eine ganze Industrie ausgebildet, die den Wahnsinn in Kitsch verwandelt und damit rationalisiert.

Und dann rechnet man sich aus wieviel der Bruttolohn denn bringen wird: Nichtmal die Hälfte der Miete. Aber gearbeitet werden soll für 4 Leute. Natürlich! Fünf Sprachen, alle Ausbildungen, die man womöglich sogar noch selbst zahlen musste, jede Flexibilität rund um die Uhr, mit Begeisterung und Leidenschaft. Was denn noch? In den Stellenanzeigen zeigt sich schon welcher Irrsinn einem Tag täglich um die Ohren geschleudert werden soll, welche Abgründe zum eigenen Schicksal werden sollen. Sie drücken aus, dass man schnellstmöglich wie ein Sklave für blinde Götter Pyramiden in einer staubigen Wüste voller Peitschenhiebe errichten soll. Widerspruch ist zwecklos, darauf gibt es nur noch mehr Schmerzen, Dummheit und Ignoranz. Genialerweise wird die Selbsterniedrigung des Menschen dadurch potenziert, wenn er sich ergeben hat und Bewerbungen schreibt, wenn er „Ja“ zu den Peitschenhieben, dem Staub, Dreck, der Undankbarkeit, den Betrug und Wahnsinn gesagt hat, weil er selbst wahnsinnig genug gemacht wurde: Denn die ganzen Bewerbungsschreiben, die man mit allerlei idiotischen Mantras der BWL befült hat, werden von den Konzernen gern ignoriert, wenn er kein brancheneigener Superman der Leistungs- und Konkurrenzunkultur ist. Genau so fühlt sich ein Bettler, der auf der Straße beim Betteln ignoriert wird. Sein Elend ist den anderen Auftrag, ihn weiter ausgrenzen, auf das er endgültig verschwindet und niemanden von den braven Werktätigen mit seiner gefährlichen, ineffizienten Unrentabilität herunterzieht oder aufhält.

Dass es hiergegen nicht einen einzigen gibt, der aufsteht und sich nicht einfach nur konformistisch dagegen auflehnt, um Schlimmeres zu etablieren, verwüstet jeden Rest an Hoffnung, dass es einmal anders sein könnte. Und das ist die totale Vernichtung von Leben, die die Insignien unseres Zeitalter trägt. Wenn einfach so jeden Tag über 50 000 Menschen verhungern müssen, obwohl zugleich jeden Tag Millionen Tonnen frischer Lebensmittel weggeworfen werden, dann ist das eine klare Ansage an uns alle, dass wir alle uns nur einbilden zu leben. Denn momentan leben wir nur unter der Gnade des Kapitals, der Lohnarbeit und des Staates und zwar solange wie wir arbeiten und Profit abwerfen, und auch das ist schon nicht gut genug, weil wir angesichts unserer menschlichen Mängel zu langsam und ineffizient arbeiten, weswegen ständig vom lebenslangen Lernen, was nicht umsonst wie „lebenslänglich im Knast“ anklingt, gesprochen wird. Ganz offensichtlich ist Angst und Panik das wesentliche Merkmal sämtlicher Charaktere auf der Welt. Es ist nicht genug Liebe da und niemand weiss, wie die jemals in diese Welt kommen soll, also wird wild um sich geschlagen und nach Mitteln gesucht, die die prekäre Identität stabilisiert, was im Falschen ja bloss das Schlechte sein kann: Nation, Arbeit oder Patriarchat.

Die Lohnarbeit ist also inhaltlich falsch, betrügerisch, verletzend, verdummend und in vielen Teilen der Welt auch tödlich. Zugleich erscheint es wahnsinnig, dass man sich stundenlang pro Tag auf eine einzige Tätigkeit fixieren soll, die zugleich einen als Person gar nicht sichert oder schätzt, weil jederzeit die Entlassung droht, weil das Kapital die Autorität der Struktur darstellt. Dadurch, dass man gezwungen ist Rechnungen zu bezahlen, weil man sonst im Knast landet, ordnet man sich also einem Prinzip unter, welches einen auf lange Frist nur zerstören kann. Wenn man Glück hat, hat man gerade mal eine handvoll Stunden pro Woche für sich. D.h. man lebt den Großteil seines Lebens nicht für sich und die, die man liebt oder für das, was man liebt, sondern für ein blindes Prinzip, dass sich Kapitalverwertung schimpft, was aber nur existiert, weil man es akzeptiert, weil es alle akzeptieren. Darin wohnt ein Irrsinn, der sich wirklich milliardenfach in Sekundenbruchteilen überschlägt, dass es einem erneut die Sprache verschlägt. In der Ökonomie ist all das kein Thema. Wer VWL-Vorlesungen besucht, der stellt dieselbe Selbstverständlichkeit fest mit der die täglichen Hungertoten beschlossen werden, wie sie in den Stelleninseraten der Firmen oder im Berufsalltag der Leute stattfindet. Normal ist was Elend schafft. Man liebt und ist dieses Elend, reproduziert es und ist nur gelegentlich mal erschrocken, wenn der eigene gelebte Opportunismus für einen offenbar doch nicht ganz reicht. Aber dann sind eben die anderen Schuld und niemand sonst.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch, Emotionales, Gesellschaft

Hamster mit Burnoutproblem

Frontal 21 hat bahnbrechendes herausgefunden: Die „meisten“ Unternehmen betrachten die „meisten“ ihrer Arbeitskräfte als Ressorce und nicht als Menschen! Ja wie ist denn das bloss möglich? Was für eine Fehlentwicklung oder? Es folgt Gerede vom „leeren Akku“ und vom „Hamsterrad“ aus dem man „nicht rauskommt“, wo man trotz „Spaß“ an der Arbeit irgendwann Suizid begeht, weil es „zuviel“ geworden ist. Und wer ist schuld? Microsoft! Denn die haben letzteren Hamster, der sich sogar noch für seine Unfähigkeit „entschuldigt“, einfach mal nicht zugehört und ganz böse unter Druck gesetzt. „Bissi schwach“, findet der Bruder. Für Microsoft ist dagegen alles in Butter, der Typ war halt depressiv, da kann die liebe Arbeit beim Konzern doch nix dafür, schliesslich gibt es „viele Faktoren die uns Menschen glücklich oder unglücklich machen können“! Blöd nur wenn der Kerl offenkundig gar kein Privatleben mehr hatte, sondern pausenlos von den „1440 Minuten“ am Ackern war.

Das Bewertungssystem wird später als Grund für den großen „Konkurrenzdruck“ angegeben bzw. kritisiert, welches Mitarbeiter von Microsoft offenkundig regelmäßig zum „weinen“ bringt. 5 % Prozent aller Arbeiter im Land leiden an Erschöpfung, der Arbeitsmarkt besticht durch „Bewährung und Bewertung“, überhaupt sind Arbeitsplätze unsicher, „Arbeitsverträge immer öfter befristet“ und was fällt der Frontal 21 Redaktion dazu ein? Rationalisierung und Arbeitsverdichtung sind schuld! Ja, toll und die fällt wohl vom Himmel oder was?! Und ein Arbeitssoziologe haut nochmal drauf und sagt: Wer sich „betriebswirtschaftlich nicht rechnet“ geht! Ja, und warum, aus Spaß an der Freude oder aus purem Sadismus der Manager?! Tja und der Pressesprecher von Microsoft hat keine Ahnung von über 9000 Erschöpften Leuten in seinem Lieblingsbetrieb, na klar! Also dieser ganze Beitrag bringt das Kunststück fertig jede Menge Katastrophen des Kapitalismus zu benennen, aber ihn selbst niemals auch nur mit einem Wort zu problematisieren! Da heult man wegen kaputten Menschen, schafft es aber nicht die Lage vollständig zu analysieren. Muss wohl das „notwendig falsche Bewusstsein“ sein, was die zu funktionalisierten Charaktermasken zerfallenen atomisierten Subjekte im Kapitalismus in sich tragen.

3 Kommentare

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch, Gesellschaft

Gleichgültigkeit im Maßanzug

Wenn man als Arbeitnehmer kündigt braucht man nicht erwarten das der zuständige Personalleiter, Abteilungsleiter, Niederlassungsleiter oder Chef irgendeine Form der Emotion zeigt. Im Grunde genommen ist es diesen Typen scheissegal aus welchen Gründen man ausscheidet. Sie sehen höchstens oberflächlich eine Persönlichkeit aus Fleisch und Blut vor sich, in erster Linie rattern bei ihnen die betriebswirtschaftlichen Folgen durch die Birne. Die Frage warum jemand freiwillig geht, gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten, wird genauso wenig gestellt, wie um den scheidenden Mitarbeiter und dessen Erfahrungen gekämpft wird. Gleichgültig wird die Änderung im Abwicklungsprozess der Profitmaximierung hingenommen, ohnehin sind die Beziehungen untereinander als Kollegen begrenzt und distanziert, für die meisten ist die Arbeit eine einzige Quälerei die aus Liebe zur Familie, Geldnot oder Geldgeilheit ertragen wird. Es gibt Chefs die ihre Mitarbeiter allen Ernstes trotz dieser offenkundigen Fakten mit sozialistischen Sprüchen von Revolutionären wie Rosa Luxemburg motivieren wollen produktiver, im Sinne der Profite, zu arbeiten. So findet sich bei einer der vielen Emailansprachen auch der Spruch: „Wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Diese Durchhalteparolen sind ein pikantes und entlarvendes Beispiel dafür wie tief die Ahnungslosigkeit und das Desinteresse um die Geschichte des Kapitalismus und der Arbeiterschaft sitzen muss. Selbst Führungspersonen, studierte Leute mit Jahrzehnten beruflicher Erfahrung, erschöpfen sich in Stumpfsinn nur um irgendwie den Laden am laufen zu halten und produktiver zu machen. Es ist auch scheiss egal ob das allen schadet, solange es keine ernsthaften Bewegungen oder brennende Strassensperren auf dem Weg zur Arbeit gibt werden diese Mitläufer weitermachen und glauben das sie mit ihren Überstunden, ihren dicken Gehältern, überteuerten Fahrzeugen, Klamotten und ihrer Überheblichkeit, Ahnunglosigkeit sowie Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Geschichte, sich selbst und anderen Kollegen richtig liegen. Für die ist alles in bester Ordnung jede Arbeitsflexibilisierung und -intensivierung, jede ihrer Arbeitsanweisungen erscheint ihnen als der einzig richtige und legitime Weg für das Glück aller, die Leute müssen nur brav arbeiten dann wird alles gut. Sie können sich nichts anderes vorstellen weil sie nie anders gelebt haben und sich auch nichts schöneres erträumen können als irgendwelche Führungsrollen zu schauspielern. Das wir alle besser dran sind ohne diese Hierarchien, ohne Wettbewerb, ohne Profitmaximierung, ohne Rollenspielerei und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, deren Bedürfnissen und so weiter kommt diesen eindimensionalen Menschen tatsächlich nicht in den Sinn. Darin besteht die ganze Traurigkeit und Wüste.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Allmächtiger Kern

Das Schlimmste ist die stetige Wiederholung der ewigselben Problematik. Ständige Wiederkehr von Phrasen, Sprüchen, Situationen, alles scheint vorprogrammiert. Man kann heute sagen wie es morgen oder die nächsten Wochen, Monate und Jahre sein wird. Die Unterschiede und Veränderungen sind immer nur oberflächlich. Es gibt andere Kollegen, es gibt andere Satzstellungen, sanftere oder boshaftere Äußerungen, es gibt freundliche und unfreundliche Chefs und alles scheint überhaupt keine Rolle zu spielen für den Kern, der uns alle in die Büros dieser Welt treibt. Jegliche Spontanität wird aus den Individuen gesaugt, die Individuen existieren nur noch für diesen Kern. Der wesentliche Kern jeglichen Treibens der die Leute zusammenhält, der sie gemeinsam kämpfen lässt, obwohl sie sich selbst und alle anderen verabscheuen. Wenn Plakete im Büro hängen die so etwas dämliches sagen wie „Service ist unsere Leidenschaft“ oder „Wir hängen uns voll für unsere Kunden rein“ mit entsprechenden Sinnbildern darüber, dann spielen sie auf diesen Kern an der unsere Familie, Umwelt, unser ganzes Leben vergiftet. Der Kern ist die Profitmaximierung, die maximale Verwertung menschlicher Arbeitskraft, die Intensivierung des Arbeitsprozesses. Jegliches Gelächter der Kollegen an guten Tagen kann nicht über diesen Kern hinaus gelangen. Nichts, weder der Urlaub, die Freizeit, das Intimleben kann diesen Kern aufheben und nichtig machen. Alles geht von ihm aus und alles bezieht sich auf ihn und entsprechend stark ist seine Sogwirkung auf alle Generationen. Blind wird darauf vertraut das die Ordnung der viele Millionen Menschen folgen schon seine Richtigkeit hat. Als ob den Leuten schon immer nichts anderes übrig blieb sich den Verhältnissen hinzugeben. Als ob die Leute schon immer so hörig den Gesetzen des  Kapitals und der herrschenden Klasse waren. Jeder der diese Ordnung, die in Wahrheit Chaos ist, als das erkennt und artikuliert was sie ist, wird als Nestbeschmutzer, Eigenbrödler oder schlicht als Mensch mit negativer Einstellung abgewertet und abgefertigt. Die ganze Problematik spitzt sich so noch weiter zu. Wie erklärt man einen Kranken der sich für gesund hält, wie krank er eigentlich ist? Wie kann man als Infizierter, als von der allmächtigen zerstörerischen Ordnung Bedrohter überhaupt gegen den Kern ankommen? Man wird von ratternden Motoren genauso überfallen wie von den sich ständig ausweitenden Industriegebieten und Asphaltlandschaften. Es stinkt ständig nach Verwahrlosung, in Form von Öl, Benzin, Urin usw. Man muss darauf achten nicht in zerbrochene Bierflaschen der letzten Trunkenbolde zu treten, oder in die Kackhaufen von geliebten neurotischen Haustieren. Achtlos wird diese Umwelt betreten, benutzt und weggeworfen als würde es sie immer geben unabhängig davon was wir als Menschen so machen. Völlig abgeschottet sitzen die Leute in ihren überteuerten Fahrzeugen auf dem Weg zur Arbeit, zum Discounter, zur Disco oder zum Urlaubsziel und begreifen dabei gar nicht wie sie modern und bequem die Erde unbewohnbar machen. Wie kann man soetwas aufrütteln ohne gleich als Öko, Kommunist und so weiter beschimpft zu werden? Die stetige Wiederholung muss endlich gebrochen werden. Der Kern muss offenkundig gemacht werden. Ob das letztlich die Menschen überzeugt die sich in all diesen Katastrophen wohl fühlen bleibt fraglich.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Im Büro

„Scheiße!“
„So eine Scheiße!“
„Alles scheiße!“
„Auf meinem Tisch liegt nur Scheiße!“
„So eine verdammte Scheiße hier!“
„Ich kotz gleich!“
„Arschloch!“
„So ein dummes Arschloch!“
„Ich trete gleich jemanden zusammen!“
„Ich scheiß gleich auf den Tisch und kündige!“
„Was? – Hallo? Sagen Sie mal..?! Sind Sie zu blöd mich zu verstehen?“
„Dieser verdammte Wichser soll sich nicht so anstellen!“
„Wollen Sie mich verarschen?!“
„Ich dreh gleich durch!“
„So ein Hurendreck!“
„Der Typ gehört erschossen!“
„Ich glaub Du spinnst wohl ein bisschen?!“
„Ich glaub der spinnt wohl?!“
„Spinnt der ein bisschen?!“
„Ich mag nicht mehr!“
„Ich mag nicht mehr, ehrlich!“
„Ich glaub ich fang gleich das kotzen an!“
„Wenn ich den Typen sehe, spuck ich ihm ins Gesicht!“
„Dem sollte man mal eine reinhauen!“
„So ein Weichei“
„So ein Trottel“
„So ein Depp“
„So ein Wichtigtuer“
„Wie kann man nur so dumm sein?“
„Verdammte Scheiße!“
„Ich mache diese Scheiße nicht mehr mit!“
„Ich geh gleich heim, ist mir scheißegal!“
„Macht Euren Dreck doch alleine!“
„Welcher Volldepp war das?“
„Was soll diese Scheiße?“
„Solche Luschen können wir nicht gebrauchen!“
„Wahnsinn!“
„Wahnsinn, echt!“
„Irrsinn!“
„Das ist so ein Beschiss hier!“
„Ich komme mir so verarscht vor!“
„Man wird hier nur verarscht!“
„Länger mache ich das nicht mehr mit!“
„Also dann, bis morgen!“

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Was mich Montag bis Freitag erwartet

Entnervte, verzweifelte, traurige und einsame Menschen die an Übergewicht, Waschzwang, Sex- und Geltungssucht leiden. Einige von ihnen sind cholerisch veranlagt und schreien fast den ganzen Tag herum. Andere drücken sich mit vielen kleinen Raucherpausen vor der Arbeit oder quatschen ständig über Fußball, Frauen, reißen selten-dämliche Scherze vorwiegend über Ossis und deren angebliche Schwächen. Die meisten jammern über zuviel Arbeit, darüber wie wenig sich die Führung um Verbesserungen bemührt und wie schwer es in Zukunft sein wird trotz der Umstrukturierung des Unternehmens.

Sie lachen oft gebrochen und halbherzig, ihre Körper sind faltig, ergraut, erschlafft und wirken geschunden. Viele sind unausgeglichen, haben Bluthochdruck, nehmen Tabletten, nutzen ihre Freizeit intensiv mit Party machen oder langen Ausflügen in die Natur. Egal was sie machen, egal wieviel sie schreien und jammern, sie bleiben von früh bis spät an ihrem Platz und machen ihre Arbeit. Sie schimpfen dabei nicht nur über die Chefs oder schlechten Fußball, sondern freilich auch über Politiker die ja nur noch in die eigene Tasche wirtschaften würden. Und ich sitze mittendrin und ertrage diese Situationen, diese Vorstellungen und Lebensweisen. Ich bin wie diese Menschen gefangen und doch frei. Ich könnte jederzeit gehen. Jederzeit mit diesem Unsinn aufhören. Nur wer bezahlt dann die Rechnungen? Was wird dann aus mir?

Keiner kann 30-40 Jahre so leben. Jeden Tag diese verstörten Menschen um einen herum. Jeden Tag diese gesellschaftlichen Strukturen die mit ihren Sachzwängen Dein ganzes Sein zerstückeln und vergiften. Ich verstehe diese Menschen, ich verstehe ihr Leiden und ihr Elend. Aber was soll ich tun? Einfach gehen? Oder gemeinsam mit ihnen leiden und dumme Sprüche ablassen? Was ist unser Leben dann noch wert? Wir leben doch gar nicht. Wir schneiden jeden Tag eigenhändig ein Stück unserer Zeit und unserer Kraft aus unserer Existenz um ein Prinzip am Leben zu erhalten. Das Prinzip welches viele von uns schon einsam, leer und krank gemacht hat. Das Prinzip der Profitmaximierung. Wer gut leben will braucht Geld, wer Geld will muss arbeiten, egal was, egal für wen, egal welchen Zweck diese Arbeit innerhalb der Gesellschaft erfüllt.

Wir wissen nicht was wir tun. Wir empfinden nur instinktiv was wir brauchen. Essen, Lebensraum, Liebe. Letzteres bekommen wir zu selten. Pech gehabt.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Kleine Ursache – Große Wirkung

Ich habe erlebt wie sich Obdachlose wegen einer leeren Pfandflasche angeschrien haben und ich dachte mir wie schlecht es diesen Menschen gehen muss, sich wegen so einer Kleinigkeit derart das Leben schwer zu machen. Andererseits bedeutet diese Pfandflasche für diese Obdachlosen ein wenig mehr Ruhe, denn damit lässt sich ein Bier oder eine Mahlzeit erkaufen, was die Existenz am Rande der Gesellschaft ein wenig mehr erträglicher macht. Diese Ruhe bedeutet viel, gerade wenn man das Gefühl hat, alles um einen herum würde immer schneller, greller und lauter. Wie kann man völlige Ohnmacht am besten bekämpfen? Etwa nüchtern? Die Obdachlosen kämpften mit dieser Pfandflasche um ihren Seelenfrieden und damit um ihr Überleben.

Jetzt erlebte ich neulich eine Szene in einer völlig anderen gesellschaftlichen Schicht. Zwei Arbeitnehmer schreien sich an, Argumente gibt es nicht, nur wilde Verzweiflung und Erschöpfung in den Sätzen. Die Szene war explosionsartig, schnell und intensiv. Nur worum ging es? Ein Telefonat wurde falsch verbunden. Deshalb dieses wilde Geschrei, die Unterstellungen und Beleidigungen. Unausgeglichene Menschen die darüber streiten wie man am besten die Effizienz im Unternehmen steigern könnte. Forderungen werden aufgestellt, Drohungen ausgesprochen und am Ende stapft der Initiator der Schreierei entnervt aus dem Raum. Ich fragte mich wieder, wie kann man sich nur das Leben so schwer machen? Sollte ich lachen oder schimpfen?

Und diese Woche trifft es mich. Mir wird, während meiner Abwesenheit und aufgrund einer spontanen Entscheidung aus der Führung, betriebsintern der Platz meiner Tätigkeit genommen, indem ein anderer Kollege diesen erhält. Informiert werde ich indem ich vor vollendete Tatsachen gestellt werde, als ich meine Tätigkeit ausüben möchte. Meine erste Reaktion war natürlich Verwunderung und schließlich wurde ich sauer, als ich keinen alternativen funktionierenden Platz für meine Aufgaben vorfinden konnte. Ein erster Anruf beim ausübenden IT-Mann erhellt die Situation auch nicht, denn dieser gibt fluchend bekannt, er könne jetzt keinen neuen Arbeitsplatz herbei „hexen“. So musste ich mir auch noch einen funktionierenden Platz suchen, an dem ich meine ohnehin schon öden Abläufe erledigen konnte. Ich war angespannt, aber war die respektlose Art ja bereits seit Monaten gewohnt.

Weiter ging es am nächsten Tag: Der neue Platz auf dem man mich abschieben will, besitzt keinen Zugang zu Email oder dem betriebsinternen System, verfügt über eine alte verschmutzte Tastatur und liegt obendrein geografisch ungünstig in Bezug zu meinen Aufgaben. Also setze ich mich erneut woanders hin und informiere den IT-Experten der nicht hexen kann. Er richtet mir die notwendigen Dinge ein, sperrt zugleich meinen Zugang zu anderen PCs, damit ich auch bloß nur auf diesem geografisch noch immer ungünstigen Arbeitsplatz sitze. Ich schreibe eine Email und sage die Tastatur ist völlig verdreckt (der Staub hatte sich schon in die Tasten gefressen und das helle Weiß zu dunklen Grau verkrustet), also unbrauchbar für jemanden der den ganzen Tag darauf tippen soll, beschreibe das ich aufgrund dieses Arbeitsplatzes für meine Aufgaben mehr Umstände in Kauf nehmen muss und wie respektlos ich es empfinde keinerlei Vorabinformationen zu diesem erzwungenen Wechsel erhalten zu haben.

Reaktion? Er antwortet erbost ich habe jeden Arbeitsplatz zu akzeptieren und es wäre nicht seine Aufgabe Leute über Veränderungen zu informieren. Obendrein stellt er kommentarlos, während meiner Abwesenheit, eine Schüssel, Toilettenpapier und einen Reinigungslappen auf den neuen Platz, – schließlich hätte die Firma keine anderen Tastaturen im Haus. Später gibt er dann zu Protokoll, es wäre meine Aufgabe für einen funktionierenden Arbeitsplatz zu sorgen, – wobei sich mir sofort die Frage stellte, wofür er dann überhaupt noch da ist? Jedenfalls sieht er kein Problem mit dem Platz, betrachtet mein Anliegen herablassend und lässt dem Chef auch noch eine Kopie des Gesprächverlaufs zu kommen, was wohl zeigen sollte wie dumm ich mich anstelle. Provokant fragt er, wenn ich ein Problem hätte, könnten wir das „gerne“ mit der Führung besprechen.

Ich war nun wirklich mehr als angepisst. Meine Reaktion kam prompt, ich konkretisierte meine Kritik und sprach direkt von Respektlosigkeit und Ineffizienz die sich in dieser Entscheidung und diesem „kollegialen“ Umgang darstellt. Freilich wird sich die Führung demnächst dazu äußern und ich bot in meiner Antwort an die grundlegende Struktur des Großraumbüros zusammen mit allen Kollegen zu gestalten. Nun bringe ich morgen selbst eine neue Tastatur mit und schenke sie dem Unternehmen. Vielleicht ist dieser Streit damit beigelegt, aber er hat unheimlich viel Kraft gekostet. Es ist schwierig bei solch albernen Schwierigkeiten ruhig und sachlich zu bleiben, – vor allem dann wenn der Kollege überhaupt kein Verständnis oder Respekt für eine Notwendigkeit hält und die eigenen Probleme belächelt, Argumente mit Gehässigkeit untergräbt usw.

Letztlich kann man solche Schwierigkeiten innerhalb unserer jetzigen Ökonomie überhaupt nur mit einem Argument bekämpfen: Effizienz. Wer hat die besseren Argumente die zu mehr Effizienz führen? Emotionen zählen genauso wenig wie Respekt. Was durchschlägt ist die Effizienzsteigerung, die Profitsteigerung. Meine Bedürfnisse und Argumente werden nur dann gehört, wenn sie Geld abwerfen. Dieser heiße Tanz ist noch nicht ausgetanzt, ich weiß nicht wohin mich diese Aktion führt. Ich hätte auch still sein können und brav einfach die neuen Verhältnisse akzeptieren können. Aber ich wollte nicht ohnmächtig hinnehmen was andere mir einfach hinwerfen. Es ist mir wichtig in die Konfrontation zu gehen, bevor es zu spät ist, bevor man sich nur noch anschreit.

Aber ich glaube noch zu unerfahren mit solchen Situationen zu sein, schließlich geht es mir nicht wirklich darum das Unternehmen profitabler zu machen, weil ich die hierfür zugrunde liegende Ideologie der Profitmaximierung als menschen-verachtend betrachte, verabscheue und verwerfe. Also werde ich wohl als „Verlierer“ aus diesem Konflikt gehen und in Zukunft aufgrund von Lästerei immer belächelt werden, bis ich mir erneut mit Mehraufwand und Mehrarbeit Respekt erarbeitet habe. Alles in Allem sind diese Kämpfe idiotisch, sie sind derart primitiv wie ihr Streitgegenstand. Ich weiß nicht wie ich so einen Müll aus dem Kopf bekommen soll, – also schreibe ich darüber in der Hoffnung davon frei zu werden. Diese Konflikte belasten die menschlichen Beziehungen unheimlich. Man wird mich sicher nun für einen Typen halten der aus jeder Mücke einen Elefanten macht. Vielleicht bin ich auch einfach nur ein armes Weichei für den IT-Mann und seine Kumpels.

Ich weiß es nicht, aber ich glaube schon richtig zu liegen, wenn ich mehr Kommunikation, Rücksprache und damit auch Respekt fordere. Wie soll ein Unternehmen in Zukunft bestehen, wenn es nicht einmal seine eigenen Mitarbeiter respektvoll behandeln kann? Wie soll dieses Unternehmen gegenüber der Konkurrenz bestehen und sich vor allem durchsetzen wenn die Kollegen sich kaum vernünftig unterhalten können? Es fehlt schlicht die Zeit und die Kraft all diese Schwierigkeiten in Ruhe zu besprechen und zu lösen. Deshalb wird auch mein Problem schlicht weg geschoben und jegliche Lösungsansätze werden abgewürgt. Am Ende wird es laufen wie bisher, der Betrieb läuft aufgrund von Notlösungen und auf Kosten der Mitarbeiter, weshalb viele kündigen und nur jene dort arbeiten, die kaum Fachkenntnisse haben und jeden Euro brauchen, – also jeden Mist mitmachen. So läuft es bestimmt nicht nur indem Betrieb indem ich jetzt arbeite, weshalb ich mir keine Hoffnungen machen darf mal bessere Verhältnisse vorzufinden.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Haben oder Sein?

Ratlos akzeptiere ich mein momentanes Los. Meine berufliche Tätigkeit wurde ausgeweitet, eine saftige Gehaltserhöhung ausgesprochen und eigentlich wären damit genug Bedingungen erfüllt um bereits jetzt von einer erfolgreichen Woche zu sprechen. Nur bleibt mir so noch weniger Zeit für die Dinge die mich interessieren und faszinieren. Ich kann mich weniger mit den Problemen unserer Zeit beschäftigen, die grundlegender Natur sind. Es gibt unheimlich viel in den einzelnen Branchen zutun, ganze Nationen ächzen unter den wirtschaftlichen Belastungen. Viele Angestellte und Mitarbeiter reiben sich Tag für Tag im Arbeitsalltag auf, bewältigen in immer kürzerer Zeit, immer mehr Arbeit und werden bis auf den letzten Tropfen ausgepresst wie eine Zitrone. Seit dieser Woche wird also auch bei mir wieder ordentlich gepresst, bis ich nicht mehr zugebrauchen bin und auf dem Müll geworfen werde.

Natürlich ist finanzielle Unabhängigkeit in einem derart materialistisch geprägten System etwas, was so gut wie alle Menschen anstreben und sich erhoffen, aber es ändert nichts daran das es grundsätzlich nur ein Wettlauf um Zahlen ist und als illusorischer Selbstzweck, fernab vom eigentlichen Leben, von dem was eigentlich wichtig ist, zwingend scheitern muss. Der menschliche Verstand bildet sich immer wieder neue Illusionen ein um die grundlegende Illusion zu stützen, es ist wie ein Wahngebilde eines psychisch Kranken. Wir gehen täglich zur Arbeit in der Hoffnung damit etwas für die Gesellschaft und damit für uns selbst zutun, aber in Wahrheit dienen wir einer Illusion die aus Zahlen besteht. Es geht darum Kapital anzuhäufen, egal mit welcher Tätigkeit. Wir sind mittlerweile soweit, dass wir alle gesellschaftlichen Bereiche danach ausrichten, ob es „nützlich“ also finanzielle Auswirkungen hat.

Es gibt mit Sicherheit Gruppierungen die, um ihre profitsüchtigen Interessen zu schützen, diesen Status Quo erhalten wollen und deshalb auf eine Politik setzen, die die Bevölkerung beruhigen soll. Wir hören zwar wie sehr unser Staat verschuldet ist, aber unsere Minister sprechen davon, diese Schulden sehr bald mit einem soliden Sparkurs abzubauen. In Wirklichkeit müssen all diese Milliarden von uns erwirtschaftet werden, also von etwa 30 Millionen Menschen. Und hier sind noch nicht einmal die Abgaben für die ganzen Versicherungen drin, die Fixkosten, Miete, Kleidung, Nahrung usw. Zu einem großen Teil arbeiten wir also nur damit wir uns erhalten können, damit wir diese Situation erhalten können, die wirtschaftlich und politisch seit langem der Fall ist. Wir treten auf der Stelle, während wir insgesamt abtreiben, zurückfallen, ich habe den Eindruck das wir all das nicht länger tragen können.

Wie sehr lassen sich denn die Menschen noch ausbeuten, abzocken und belügen? Wie weit kann die Ablenkung noch funktionieren? Und was wird passieren wenn die Menschen wütend werden? Wird Deutschland seine erste Revolution erleben? Landen wir wieder im Faschismus? Unsere Gier, die einsmals der Wunsch nach einem sorgenfreien Leben war und durch Erziehung, Massenmedien, Politik und Wirtschaft vergiftet wurde, wird uns in schwere Konflikte führen. Wir haben lange genug versucht die Armut aus unseren Reihen zu halten, haben sie nach China und Afrika exportiert. Aber die Armut bei uns wächst, das sehen wir an den wirklichen Arbeitslosenzahlen oder den zigtausenden die auf Nahrungsmittelspenden angewiesen sind. Wir müssen uns also damit auseinandersetzen. Wir müssen fragen was mit unserem System los ist, was wir mit unserer täglichen Tätigkeit anrichten. Die Attacken auf den Sozialstaat, welcher aus einigen Ideen des Sozialismus besteht und blutig erkämpft werden mussten, sind allesamt versuche Märkte also Profite zu finden.

Die Masse an Arbeit die immer weniger Menschen bewältigen müssen, ist der logische Rythmus des Kapitalismus, er wird die Menschen solange auspressen bis sie zusammenbrechen. Unsere Politik hat sich von der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten derart zudröhnen lassen, sie ist handlungsunfähig, sie wird uns strikt in die Konlfikte führen, die uns das zerstören werden, was wir in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben. Wir liegen mitten in der Endphase dieser Ideologie. Man hat versucht den Kapitalismus sozial zu halten und wir erleben das Scheitern dieses Versuchs. Entweder es gibt eine Revolte und neue Unterdrückung oder eine Revolution mit neuen Freiheiten. Es ist an der Zeit alle Menschen darüber aufzuklären was nicht funktioniert, warum es nicht funktioniert und was wir an uns erkennen oder verändern müssen um dies in Zukunft zu verhindern, was gleichzeitig auch bedeutet: wir müssen fragen was wir eigentlich wollen.

Wollen wir Haben oder Sein?

4 Kommentare

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Mein Weg und meine Gefährten

Ich fahre täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit und normalerweise gefällt mir das ganz gut. Nur scheinen offenbar etliche Passanten der Ansicht zu sein, ich hätte gefälligst, wie sie, zu Fuß zu laufen, denn sie weigern sich zu 90 Prozent trotz wilden Geklingels und Gerufe von mir zur Zeit zu gehen und beschimpfen mich auch noch. Oft sehen sie mich aus 10-50 Meter Entfernung und starren mich an, als ob ich dadurch absteigen würde. Rentner mit ihren Hunden, Hausfrauen die gemeinsam einen Spaziergang machen, irgendwelche Leute mit dicken Einkaufstüten und all das mitten im Industriegebiet! Ich weiß nicht warum ihr Vollidioten mitten im Industriegebiet Eure Runden drehen müsst, vor allem in der Rushour! Es ist unfassbar, mir kommen sogar Fahrradfahrer entgegen die sich strickt weigern zur Seite zu fahren und lieber in den Graben fahren, anstatt einfach 1 Meter zur Seite zu fahren, so wie ich das ständig machen muss. Ich würde ja gar nichts sagen wenn das 1 mal in der Woche passieren würde, aber es passiert wirklich täglich etliche Male und jedes Mal frage ich was mit diesen Leuten los ist. Schaffen sie es nicht auf ihre Mitmenschen zu achten und entsprechend zu beachten wie schwer oder leicht sie es haben? Mit dem Fahrrad hat man gerade jetzt, bei ungeräumten Wegen keinerlei Möglichkeiten großartig auszuweichen, man ist auf die Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen angewiesen. Es ist schlimm genug das die Gemeinde unfähig ist die Wege freizuhalten, aber wenn nichtmal diese Kleinigkeit von den Mitmenschen beachtet werden kann, dann ist mir auch klar warum kompliziertere Schwierigkeiten gar nicht erst gesehen werden. So, jetzt wisst ihr, ich ziehe auf der Straße den kürzeren, obwohl ich das größere Vehikel gegenüber Passanten habe, was für eine Qual und Erniedrigung. Jetzt etwas wichtigeres:

In der Praxis sehe ich tagtäglich wie es in unserem wirtschaftlichen System abgeht. 3 meiner Kollegen haben heute ziemlich viele Überstunden gemacht. Der erste Kollege 12 Stunden, die anderen beiden 14 Stunden. Ich frage Euch, wieviel haben diese Kollegen wohl noch vom Tag gehabt? Wieviele Nachrichten in den Medien konnten sie wahrnehmen und kritisch reflektieren? Wieviele Proteste hätten sie an diesem Tag machen können? Wieviele Bücher lesen, Filme sehen und Frauen küssen können? Da bleibt kaum noch Zeit um das Leben zu genießen, die eigene Tocher aufwachsen zu sehen bzw. Erziehung zu betreiben. Da bleibt noch weniger Zeit der Politik und Wirtschaft auf die Finger zu hauen usw. Und hier sieht man ein grundlegendes Problem dieser Gesellschaft, die Menschen müssen soviel arbeiten, dass sie kaum noch in der Lage sind der Demokratie Leben einzuhauchen und genau das sorgt dafür das die Politiker jeden Mist verzapfen können, ohne dass ein riesiger Aufschrei durch die Gesellschaft geht. Die wenigen Menschen die jetzt noch über einen Arbeitsplatz verfügen müssen die tägliche Arbeit mit hohem Einsatz erledigen, dieser hohe Druck sorgt für psychische bzw. physische Probleme, die Leute essen, trinken, rauchen zuviel, schreien, jammern und kämpfen sich durchs Leben. Sobald sie erschöpft von der Arbeit kommen, wollen sie den restlichen Tag bzw. die restliche Nacht wenigstens ein bisschen genießen und gehen feiern, treffen sich mit ihrer Frau oder ihrem Mann, kümmern sich um das Kind oder die Kinder etc. Sie haben keinen Nerv und keine Kraft sich mit schwierigen Themen der Politik oder Wirtschaft auseinanderzusetzen.

Ich gehöre zu den wenigen die das tun und habe entsprechend wenig vom Leben. Ich führe ein Doppelleben. Am Tag arbeite ich und in der Nacht differenziere, reflektiere und publiziere ich. Täglich frage ich mich ob ich das noch länger durchhalte, ob es sich überhaupt lohnt, ob ich überhaupt jemals in der Lage sein werde all die komplexen Mechnismen vollständig begriffen zu haben. Es geht mir nicht nur darum zu verstehen was passiert, sondern auch zu verstehen warum vieles bisher nicht funktioniert hat und wie Alternativen aussehen könnten. Allein der erste Punkt braucht ein halbes Leben, bei den anderen Punkten ist es nicht anders. Als Einzelkämpfer neige ich oft zu schwarz-weiß Ansichten, entweder es funktioniert oder nicht. Ich glaube ich kann allein gar nichts bewegen, aber bevor ich mich mit anderen engagiere, will ich für mich die grundlegenden Sachen geklärt haben. Blinder Aktionismus ist fatal, daher orientiere ich mich an anderen Aktivisten, entweder vergangener oder aktueller Zeiten. Mich treibt die Hoffnung auf eine bessere Welt an. Ich will nicht akzeptieren das Milliarden Menschen hungern und in entfremdeter, schlechtbezahlter Arbeit zerfallen. Es geht auch um kommende Generationen. Ich werde auch immer älter und merke langsam, die Menschen, die jünger sind als ich, werden immer mehr. Und dann frage ich mich, wissen sie um ihre Verantwortung, um ihre Chancen? Oder sind sie mindestens so verblendet und gebrochen wie die Erwachsenen? Es ist notwendig für die Sache möglichst bald offensiver zu sein, lokal Menschen zu finden die mitmachen und mitdenken, unabhängig von Parteien oder Ideologien. Ohne erhöhten Einsatz wird es keine Freiheit geben, zumindest keine von höherer Qualität als bisher.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Die Zeiten haben sich nicht geändert

Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, denn meine Tage ähneln sich immer mehr. Viele Menschen sehen darin den gewöhnlichen Rythmus eines Arbeiters oder Angestellten. Man steht auf, macht sich sauber, zieht sich an, geht zur Arbeit, arbeitet bis man völlig entnervt ist und geht dann nach Hause um sich hinzulegen. Dieser Ablauf wird dann immer und immer wieder bis zur Rente wiederholt. Nebenbei bleibt natürlich wie schon oft festgestellt, keine Zeit mehr um sich mit wirklich interessanten Dingen auseinanderzusetzen. Viele Projekte und Bücher bleiben in der Ecke liegen, ich kann mir keine neuen Erkenntnisse beibringen, – vorallem nicht unter Zeitdruck und ohne entsprechender Muse. Die Arbeit zerstört meine Möglichkeiten, obwohl sie mir das nötige Geld gibt um Nahrung, Lebensraum usw. zu bezahlen. Das aber etwas grundlegendes nicht stimmt, empfinde und denke ich mir andauernd.

Befreiung aus dieser Situation ist nur mit einem großen „sozialen Abstieg“ möglich oder mit einer langfristigen verstärkten Aktivität innerhalb der künftigen Jobs, mit entsprechender finanzieller Entlohnung. Beides ist Risikoreich, beides macht mich nicht glücklich. Die Probleme die sich tagtäglich ergeben sind vorallem kollektiver Natur, mit ihnen habe ich als Individuum kaum Chancen sie selbst zu lösen. Wenn bspw. der Markt dafür sorgt, dass ich soviel Arbeiten muss und so wenig bezahlt bekomme oder nicht die chance bekomme mich akademisch weiterzubilden weil es selbst mit Abschluss keine sichere Aussicht auf eine berufliche Tätigkeit gibt, dann ist das nicht nur für mich traurige Realität sondern für Millionen von Menschen. Wer kann schon machen was er will? Solange alles Geld kostet gibt es keine Möglichkeit genau das zu tun. Ähnlich die ganzen Hierachien, das sind alles Herrschaftssysteme, in der sich ein Mensch über den anderen stellt. Was das mit Freiheit zutun haben soll ist mir ein Rätsel. Offenbar betrachten die Menschen aber diese Dinge als Notwendigkeit, weil sonst die Erde im Chaos versinken würde, – oder so.

Es hängt aber immer davon ab was die Menschen wirklich wollen, wie weit sie mit ihrem Bewusstsein sind, wie weit sie ihre Konditionierungen abgestreift haben. Je fortgeschrittener das ganze ist, desto näher kommen wir alle dem Paradies. Die Ablehnung meinerseits gegenüber den Aberglauben dieses und jenes wäre nun das Rezept für das bessere Leben, und nur diese Lebensweise darf sich durchsetzen usw, ist gigantisch. Mir fällt es daher sehr schwer den Arbeitsalltag ohne lautstark zu protestieren durchzuziehen. Natürlich mache ich meine sachlichen Aufgaben, auch wenn sie langweilig sind, schlecht bezahlt sind, wenn sie keinerlei Neugier in mir wecken usw. Ich weiß das ich durch die Vorstellungen der anderen dazu gezwungen bin dies ersteinmal hinzunehmen. Denn ich habe keine Fähigkeiten, die mir erlauben, unabhängig zu leben. Man hat seit ich auf der Welt bin versucht, mich in eine degenerierte Gesellschaft zu integrieren, eine Gesellschaft die sich von sich selbst entfremdet hat und es noch nicht einmal selbst bemerkt und entsprechend bekämpft. Das ist alles ziemlich traurig und ich sehe anhand der Verhaltensweisen vieler Menschen, bei ihrer Jagd nach Spaß, Genuss und Anerkennung, wie ausgehungert diese Menschen sind. Das wird uns ins Chaos führen, weil das Bewusstlosigkeit ist.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Das Leben ist kein Kaufhaus

Die Tage sind wieder voll von langweiliger Strebsamkeit und gedankenloser Hetzerei. Ich bin zurückgekehrt in meinen alten Beruf und obwohl es sich um einen neuen Arbeitgeber handelt, scheint sich rein gar nichts verändert zu haben. Es gibt Ärger mit den Kunden, Ärger mit den Kollegen, Ärger mit den schweren Zeiten auf dem Markt. Die alten Kollegen haben sich quasi gar nicht verändert. Sie sind weiterhin dick, alt und eindimensional geblieben. Ich habe Angst genau so zu sein, auch wenn es absurd ist. Jeder Mensch hat so seine Fehler und das macht ihn einzigartig. Aber hier ist das etwas anderes. Diese Menschen scheinen im Sumpf stecken geblieben zu sein, als hätten sie die Jahre nur damit zugebracht, wie wild im Sumpf zu stapfen ohne aus ihm herauszugelangen. Burnout von Körper und Geist. Wo ist da die Lebensqualität?

Zwischen all den Tätigkeiten die sie in ihrem Job ausüben, zwischen all den Anweisungen, Sprüchen und Lachern suche ich ihre Persönlichkeit, ihre Träume und Sehnsüchte, – aber ich finde rein gar nichts. Diese Leute scheinen durchsichtig zu sein, nicht greifbar, wo sind sie nur verloren gegangen? Jeden Morgen weigere ich mich dorthin zu gehen, aber irgendwie werde ich ja doch wieder auf diesem Bürostuhl sitzen und versuchen maximale Leistung abzurufen, obwohl klar ist das es mich nicht glücklich macht. Es gibt eben keine Wahl für mich, es bleiben nur Tätigkeiten die mich abstumpfen. Ich werde abstumpfen wie meine alten Kollegen, werde mich immer mehr auflösen und nichts weiter sein als Jemand der Tasten drückt, Anweisungen gibt und Zahlen auf fremden Konten erhöht. All das nennen diese geistlosen Marionetten Freiheit, Entfaltung, Möglichkeiten! Für mich ist das alles nur noch grauer Brei, dem ich nicht entfliehen kann. Das ist wie in einem Sarg lebendig eingeschlossen zu sein und gleichzeitig ständig gesagt zu bekommen man müsse die Dunkelheit darin als dunklen Himmel begreifen, durch den man gerade fliegt.

Illusorisch zu glauben diese Abhängigkeit von fremdbestimmter Arbeit könnte mich glücklich machen.  Ich verwöhnter deutscher Junge bin gefangen in einem goldenen Käfig, voller Fertigprodukte, Videospiele und Arbeitsplätze. Nicht zu vergessen die Massenmedien die mir tagtäglich das Gehirn mit ihrem Unsinn waschen. Aber der Käfig ist nicht real, er besteht nur in meinem Kopf. Natürlich kann ich gehen wohin ich will, tun was ich will und entsprechend die Konsequenzen tragen. Aber ich schätze ich wäre allein nicht überlebensfähig. Wer soll meine Nahrung produzieren? Wer soll meine Kleidung produzieren? Wer soll meinen gebrochenen Arm heilen? Wer soll mich im Alter pflegen? Irgendwie sind diese Fragen da. Ich bin ein Systemkind, Opfer jahrzehnte-langer Propaganda, ich könnte nicht eine einzige Woche ohne Discounter überleben. Es ist unglaublich wie dämlich ich eigentlich bin. Ich kenne kaum Pflanzen, kaum die Möglichkeiten des Ackerbaus oder wie ich mich selbst heilen kann. Eigentlich bin ich längst völlig abgestumpft und ich mache mir nur vor etwas feinfühliger zu sein als meine alten Kollegen.

Aus diesem Kreislauf der Verblödung zu entfliehen braucht Mut und Wissen. Ich hatte beides bisher nicht, ich weiß auch nicht ob ich mir beides in Zukunft erwerben kann. Ich weiß nicht einmal ob sich das noch lohnt. Irgendwie ist mir nicht mehr danach ein Leben irgendwo aufzubauen. Es gibt in mir keinerlei Aufbruchstimmung. In Berlin habe ich soviele alternative Zombies kennengelernt, ich war davon völlig geschockt, schliesslich war ich auf der Flucht vor gewöhnlichen Arbeiterzombies. Grundsätzlich habe ich die Befürchtung überall wären nur Zombies unterwegs und laufe generell ständig Gefahr gebissen, getreten, verletzt und zerstört zu werden. Es gibt keinen Schutz und keine Sicherheit, klar, – aber das was hier auf diesem Planeten jeden Tag betrieben wird, kann doch nicht der Ernst dieser Menschheit sein. Es gibt soviele Menschen die täglich saufen, kiffen, ficken, arbeiten und noch nicht einmal wissen warum sie es tun, nicht mal dann wenn es sie völlig fertig macht. Und egal wie es sich anfühlt, es führt immer ins größere Übel statt ins Paradies. Die Leute kommen einfach nicht darauf das sie sich mit ihren behämmerten Gedanken wahnsinnig machen und so gerät das Chaos zu wachsen.

Die Menschen wollen mehr sein als Tiere, sie wollen mehr sein als ein Lebewesen welches kackt, frisst, rülpst und vor sich hinlebt, obwohl diese Vorstellung völlig absurd ist. Der Mensch will Fortschritt, Wachstum, Wettbewerb, Zukunft, Sicherheit, herrje, was für ein ausgemachter Schwachsinn. All das ist doch völlig wertlos. Es sind nur komplexe Gedankenkonstrukte die nichts mit dem Leben an sich zutun haben. Es sind nur Worte. Es ist nur Gerede. Ein Beispiel: Die Wähler lassen sich alle Jahre wieder von den Politikern verarschen, es gibt falsche Wahlversprechen, jedes Mal. Und trotzdem boykottieren die Wähler nicht das System und alle Parteien, sondern sie machen einfach weiter so, als ob nichts gewesen wäre. Das ist an grenzenloser Dummheit nicht mehr zu überbieten, zeigt aber einfach die Kraft der Worte, die Kraft der komplexen Ideologien die in den Köpfen der Menschen funktionieren. Wir sind alle Opfer von Propaganda die seit unserer Geburt von Eltern, Medien, Schule und so weiter auf uns abgefeuert wird, 24 Stunden am Tag, jede Woche, jeden Monat und jedes Jahr! Bei all diesem Lärm hört man nicht einmal seine eigene innere Stimme.

Aber wir senden auch Propaganda aus. Wir schminken uns, trainieren in Fitnesscentern, machen eine Ausbildung, sorgen für materiellen Reichtum um zu zeigen das wir etwas sind und etwas können etc. All das ist oberflächlicher Müll, der nichts aber auch rein gar nichts bedeutet. Diese Leere die ich spüre, ist nichts weiter als das Bewusstsein darüber, wie endlos primitiv, oberflächlich und dämlich der gesamte Alltag in der gesamten Weltbevölkerung abgeht! Es ist dermaßen enttäuschend, traurig und deprimierend, ich habe keine Ahnung warum ich nicht längst geplatzt bin von all diesen Emotionen. In den letzten Monaten kamen ständig Forderungen an meine Adresse, ich solle doch endlich wieder arbeiten, solle doch vernünftig werden, hätte zu verstehen das man dieses und jenes akzeptieren müsse und so weiter. Typisches Sklavengerede. Keine Spur von Selbstbestimmung, keine Spur von Selbstbewusstsein. Ich fühle mich wie im Knast, obwohl ich nie Gitterstäbe gesehen habe. Der Zwang zur Lohnarbeit, der Zwang der ständigen Flexibilität, Weiterbildung usw. das soll Freiheit sein? Keine Wahlmöglichkeiten über den beruflichen Werdegang zu haben, ist eine tolle Realisierung der Grundrechte. Ach, ich könnte endlos formulieren, es bringt nichts.

Keiner wird aufstehen. Keiner wird protestieren. Keiner wird die Alternative produzieren. Das System ist zu groß. Wer ein anderes Leben will, muss es sich selbst holen und allein leben. Das kann man nicht erkaufen, nicht erbetteln, schon gar nicht verbal.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Schmerzhafter Neubeginn

Für mich beginnt heute eine neue Etappe im Leben. Ich beginne heute eine neue Tätigkeit in meinem alten Ausbildungsberuf, einem Beruf in dem ich eigentlich nie glücklich war. Natürlich bin ich etwas angespannt, vorallem weil ich mit alten Kollegen zusammenarbeiten werde und schon länger nicht mehr in diesem Bereich tätig war. Ich muss alle Zweifel und Unsicherheit hinwegschieben, so tun als wäre das alles kein Problem und ab sofort wieder vollen Einsatz zeigen. Inwieweit ich das durchhalten werde, inwieweit ich damit durchkommen werde, wird sich wohl in den kommenden Stunden, Tagen, Wochen und Monaten zeigen. Es wird eine Zeit der Entbehrungen, eine Art Durststrecke die ich möglichst solide aushalten muss. Wer weiß, vielleicht bin ich schon heute Abend nicht mehr im Geschäft. Vielleicht wird alles zur unerträglichen Qual und ich fliehe nach ein paar Minuten. Vielleicht stehe ich es aber auch unfassbar locker durch und lerne sogar Spaß zu haben. Wer weiß, ich kenne das Unternehmen kaum, noch weniger das Arbeitsklima, die alltägliche Arbeit usw.

Ich bin nicht wirklich glücklich darüber, diesen Weg zu gehen, aber ich hatte keine andere Möglichkeit. Diese Tätigkeit ist mein Wiedereinstieg in das bürgerliche Leben, welches eben geprägt ist von Leistungsdruck und jedes Detail wird überbewertet. Mir wird es an Zeit und Muse für meine Projekte, Bücher usw. fehlen. Ich muss an meiner beruflichen Karriere schrauben, wenn ich mehr finanzielle Mittel für eben diese Projekte, Bücher usw. haben möchte. Es ist so eine Art Deal, hoffentlich kann ich meine Vorstellungen verwirklichen, hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es mal war. Auf der anderen Seite habe ich die schlimmen früheren Zeiten auch irgendwie durchgestanden und das obwohl ich jünger war und weniger Erfahrung hatte. Jetzt nehme ich viel mehr in diese Tätigkeit mit und sollte deshalb eigentlich auch gelassener sein. Trotzdem fühle ich mich unwohl, denn ich habe in den letzten Jahren in dieser Branche nichts aufbauen können. Ich habe mich im Gegenteil ziemlich fallen gelassen und werde dementsprechend kritisch betrachtet.

Man wird mir einiges abverlangen, Überstunden, Mehrarbeit, ich muss jeden Tag alle Informationen die ich kriegen kann einsaugen und innerhalb kürzester Zeit wissen. Tue ich das nicht, bin ich extrem schnell draußen. Es gibt hunderte die meinen neuen Job machen würden. Ich muss 100% voll da sein. Fehler egal wie sie zustande kommen muss ich minimieren, wenn ich im Geschäft bleiben will. Es ist ein trauriger Zustand, aber um das zu erreichen was mir wichtig ist, muss ich diesen engstirnigen Regeln, die ja eigentlich vom Markt diktiert werden, nachkommen. Mich ängstigt diese Situation. Natürlich ist es nur ein Job, natürlich ist es gesetzlich begrenzt und mir kann eigentlich gar nichts schlimmes passieren und trotzdem fühle ich mich sehr unwohl. Irgendwie bin ich auch heiß auf diesen Job, ich kann beweisen das ich etwas kann, aber andererseits bin ich es leid es immer wieder beweisen zu müssen. Die ständige Wiederholung geht mir auf die Nerven, was letztlich auch der Grund meines Ausstiegs war. Aber es gibt keine andere Möglichkeit sich unabhängig zu machen.

Natürlich kann ich von Harz4 leben, aber dann könnte ich mich nicht mehr im Spiegel ansehen. Es funktioniert einfach nicht Selbstständigkeit zu predigen und selbst nicht selbstständig zu sein. Also muss ich in den sauren Apfel beissen und das nehmen was ich kriegen kann. Vielleicht habe ich in ein paar Jahren die verlorene Zeit gut gemacht, habe Weiterbildungen wahrgenommen und einen besseren Platz im Berufsleben, an diese Hoffnungen sollte ich mich besser klammern, als immer nur an die Zweifel. Letztlich ist das alles aber nicht so einfach. Die täglichen Anforderungen die nun auf mich zukommen verlangen Aufopferung, verlangen überdurchschnittlichen Einsatz, es braucht schon eine gewisse Überzeugung, sonst endet man in irgendwelchen Krankheiten. Vorrübergehend soll das alles für mich nun Alltag sein. Ich weiß keine andere Lösung. Meine Möglichkeiten bleiben beschränkt und eindimensional. Hilfe habe ich keine zu erwarten, die muss ich mir schon selbst erarbeiten. Ständiger Kampf, ständiges konkurrieren mit alles und jedem, was für ein sinnloser Zeitvertreib.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Arbeit macht frei?

Wer einen Job will darf sich nicht die Haare und den Bart so lang wachsen lassen wie ihm das gefällt. Es geht auch nicht in Lieblingsklamotten beim Bewerbungsgespräch aufzutauchen oder Tättowierungen im Gesicht zu haben. Wir haben nach wie vor eine Gesellschaft voller Menschen die mit primitiven Vorurteilen ihr Leben begreifen und gestalten. Statt sich zu öffnen wird abgelehnt und verurteilt noch bevor sich die betreffende Person äußern kann, noch bevor man sich überhaupt näher kennengelernt hat. Denn wir haben keine Zeit, es gibt tausende Bewerber für eine Stelle und da nimmt man sich lieber für die Leute Zeit die am besten in das eigene idealisierte Bild eines Kollegen passen, auch wenn man sich dabei oft genug täuschen kann.

Komischerweise erinnert mich das ziemlich an die Zeit mit den Nazis damals, die hatten ihr Ideal vom arischen Menschen, blauäugig, blond und so weiter, man durfte keine nähere Abstammung zu jüdischen Mitmenschen haben wenn man beispielsweise an staatlichen Unternehmen teilnehmen wollte. Auch hier gab es also gewisse „Voraussetzungen“ die aus Sicht des Arbeitgebers erforderlich waren um überhaupt an eine Zusammenarbeit zu denken. Und das finde ich schon beängstigend. Ich verstehe das heutzutage nach „passenden“ Angestellten für das Unternehmen gesucht wird, aber das hat mittlerweile Formen angenommen, da kann ich nur den Kopf schütteln. Offenbar ist das gesellschaftlich anerkannt und daher gar kein Problem, also nicht erwähnenswert.

Und wenn ich so weiter darüber nachdenke haben wir noch etwas gemeinsam zu der damaligen Zeit. Wir haben immer noch den unerschütterlichen Glauben an die Arbeit. Damals hatten die Nazis an das Konzentrationslager in Dachau „Arbeit macht frei“ notieren lassen, heute scheint sich das in Millionen Köpfen eingebrannt zu haben. Denn täglich rasen und hetzen Millionen „Erwerbstätige“ durch die Strassen zu ihrem Arbeitsplatz um sich finanziell unabhängig zu machen, also um sich mithilfe der Arbeit zu befreien auch wenn das total aussichtslos ist. Und der absolute Oberhammer ist für mich, dass einige dieser Leute u.a. lange Zeit auch ich, mit Zügen sich dorthin verschleppen lassen.

Hat man überhaupt das Glück einen Job zu haben, dann muss man also mit Zügen zu den Arbeitslagern, Arbeitsplätzen gefahren werden. Kaum ist man dort angelangt schlägt einem eine Wand der Verzweiflung, Aufregung, Unruhe, Unsicherheit und Angst entgegen. Die Mitgefangenen, Kollegen empfinden ähnlich wie man selbst und mehr oder weniger wird versucht, die Situation gemeinsam auszuhalten. Wir verharren gemeinsam auf unseren Arbeitsstätten, versuchen emotional und gedanklich weit weg zu sein und harren aus. Lassen das stumpfe hämmern der Industrie über uns ergehen, nicken brav wenn der Chef Befehle und Weisungen weitergibt, ignorieren die Wut und Traurigkeit in uns auch wenn wir dadurch umso weniger das eigene Leben nicht entfalten können. Ja, so empfinde ich das. Wir haben längst wieder Konzentrationslager im Land installiert und wir haben uns daran gewöhnt, sind freiwillig dort eingezogen, im Glauben dort würden wir unsere Freiheit erarbeiten können. Stattdessen wird alles nur noch schlimmer.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Die Zeit ist abgelaufen

Ja, es geht wieder los. Brav in die Hände gespuckt, Gürtel enger geschnallt und losmarschiert! Bewerbungen muss ich schreiben, ich zwinge mich dazu. Nachdem ich einige Zeit ohne üblichen Arbeitsvertrag gearbeitet habe, also unentgeltlich und ehrenamtlich, bin ich finanziell dazu gezwungen mich dazu zu zwingen irgendeine Scheiße zu finden. Und das ist alles andere als einfach, – gerade mit meinem Lebenslauf. Ich bin kein schlechter Kerl, aber die Unternehmen wollen eben nunmal traumhafte Angestellte, sie wollen die Überflieger die die Profite nur so übersprudeln lassen. Solche gibt es nicht mehr, falls es sie jemals gab, – aber sie suchen sich gewisse Leute aus bei denen sie sich genau das erhoffen. Und bei mir fällt es ihnen schwer daran zu glauben, – soweit meine Theorie.

Jedenfalls muss ich wieder meinen Arsch hinhalten, ich gehe wieder auf den Strich, muss meine Qualifikation auf dem Markt verticken, schreie heraus was ich zu bieten habe, in der Hoffnung einen Käufer zu finden. Alles nur damit meine Familie mich nicht mehr als faulen Taugenichts beschimpfen kann. Immerzu tadelten sie meinen Lebensstil, er sei krank, pervers, primitiv, eine absolute Katastrophe. Tja, dies konnte ich immerzu nur an sie weitergeben. Wie kann man sich nur tagtäglich dermaßen verarschen lassen, dachte und sagte ich. Jetzt reihe ich mich doch tatsächlich wieder in das dämliche Heer der Arbeiter ein. Und es geht wirklich nur ums Geld, es ginge bestimmt auch ohne, aber dafür habe ich momentan einfach nicht den Mut. Das ist der einzige Grund, ich habe keinen Mut ohne Geld zu leben und deshalb verkaufe ich mich wieder.

Es ist erbärmlich und erniedrigend. Ich habe jegliche Lust aufs Leben verloren. Heute habe ich mich gefragt wieviele Jahre ich der letzten 10 Jahre wirklich genossen habe. Ich würde sagen maximal 2 Jahre, wobei diese wirklich nur dadurch zustande kommen weil es innerhalb dieser 10 Jahre immer nur stunden-, tage- und wochenweise halbwegs gut ging. Ich finde das ist ein übles Symbol für meine Lebensqualität, es zeigt warum ich nicht mehr will. Diese Menschen um mich herum haben mich ein Leben gelehrt welches mich in den Suizid treibt. Diese Menschen um mich herum haben von meiner Geburt an alles daran gesetzt den Selbstbetrug auf mich zu übertragen. Trotz all der materiellen Reichtümer die Deutschland hat empfinde ich totale Leere und das seit etlichen Jahren.

Ich glaube mittlerweile nicht daran irgendeinen Beruf oder Arbeitsplatz zu finden der es mir ermöglichen wird mich zufrieden zu machen. Soetwas gab es für mich auch noch nie. Die Schule hat mich nicht glücklich gemacht, und auch mein erster Job den ich bereits mit 14 machte schon gar nicht. Also soll es mein ganzes Leben so weitergehen? Ist das mein Leben? Darauf kann ich verzichten. Statt 6-7 Jahrzehnte Leid, Schmerz, Verdrängung usw. draufzulegen knall ich mich lieber sofort über den Haufen. Ich mache diese Scheiße nicht mit und man kann mich auch nicht mit Wohlstandsmüll ablenken und befriedigen. Es funktioniert einfach nicht. Mir reicht es nicht 11 Monate zu arbeiten und nur einen Monat für mich zu haben. Es reicht mir nicht 12 Stunden des Tages mit arbeiten zu verbringen, 8 stunden zu schlafen und nur 4 Stunden für mich zu haben. Man hat mir das Leben gestohlen schon bevor ich auf die Welt gekommen bin und ich bin nicht der einzige, – im Gegenteil!

Ausgenommen von den „oberen Zehntausend“ teilen nämlich Milliarden Menschen ein ähnliches Schicksal wie ich. Manchen ist das bewusst, den meisten eben nicht und dadurch funktioniert diese Ausbeute. Die relative Dummheit der Massen sorgt für die Ungerechtigkeit, für die Vernichtung der Lebensqualität von ganz vielen Individuen. Ich bin extrem traurig, enttäuscht und entsetzt über diese Zustände und das seit Jahren!! Nicht einmal meine Eltern können das verstehen und das schmerzt mich noch mehr. Sie sagen sogar, man solle sich ruhig verkaufen, aber für sehr gute Preise, damit man ganz schnell finanziell unabhängig ist, – aber dagegen protestieren und dieses nicht mit dem eigenen Leben und der eigenen Fähigkeiten unterstützen, – nein das wäre  Wahnsinn aus ihrer Sicht. Sie zeigen mir warum ich innerlich derart zerrissen bin. Ich habe begriffen wie es läuft, weiß auch was ich dagegen tun könnte, aber trotzdem kann ich im Moment nicht wirklich danach handeln.

Aber ich ahne das ich höchstens 2-3 Jahre noch diesen Mist mitmache, ich werde jeden Cent sparen und dann verpisse ich mich. Vielleicht hänge ich mich nächste Woche auch auf, wer weiß, ich kann das alles überhaupt nicht mehr einschätzen. Es ist purer Wahnsinn was da draußen abgeht und dennoch gibt es keinerlei Proteste, es gibt überhaupt keine Debatten, schlafen meine Mitmenschen alle? Lieben diese Menschen die Gewalt, die Zerstöung, die Vergewaltigung der Liebe?!!? Ich begreife es einfach nicht. Und in diesem Zustand muss ich Bewerbungen rauswerfen in denen ich darum flehe und bitte genommen zu werden, weil ich ja doch so ein wertvoller Mensch sei, nein, – weil ich doch so eine wertvolle Arbeitsdrohne für die vorrübergehende Nutzung bin. Alles Wahnsinn, Massenwahnsinn, diese Verblödung auf allen Ebenen. Ich gleite ab in Verzweiflung und bleibe weiterhin allein.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Moderne Sklaverei

Ein Mann fliegt nach mehr als 10 Jahren aus einem Unternehmen heraus welches er mit permanenter überdurchschnittlicher Leistung gestützt und gefördert hat. Er hat wirklich jahrelang überragende Leistungen gebracht hat Arbeit für 5 Leute gemacht, er hat erst vor einigen Monaten wochenlang 20 Stunden am Tag gearbeitet und alles nur weil er Angst um die Zukunft seiner Familie hat. Er sagt er bekommt keinen Job wenn er aus dieser Firma gekündigt wird, er hält sich für zu alt und so weiter. Ich will gar nicht weiter auf die Details eingehen, aber ist es nicht ein erbärmliches System wenn jemand der gigantische Leistungen über Jahre bringt, sich nebenberuflich weitergebildet hat, immer für seine Kollegen und Kunden da war, egal ob national oder international, nicht mehr gebraucht wird nur weil er zu alt ist bzw. die Firma sagt er ist zu teuer!? Ich habe mir für dieselbe Firma volle 3 Jahre den Arsch aufgerissen und sehe nun wie sie diese Investition meiner Lebenszeit, Leistung und so weiter einfach wegschmeisst. Das sind 3 verlorene Jahre, bei meinem Vater noch mehr Jahre, außer dem Geld natürlich was wir erhalten haben. Aber soll das alles sein?

Es ist wie bei den ganzen anderen Konzernen in den Medien wo unsere Politiker um deren Existenz „kämpfen“. Das ist ein oberflächlicher Kampf und wir wissen das wir eigentlich das gesamte System hinterfragen müssen weil es asoziale Früchte trägt, sich wie ein Monster verhält, sich gegen die Menschen richtet und sie vernichtet. Aber soweit kommt es nicht und ich finde das merkwürdig. Mein Vater hat soviel getan, hat eigentlich immer zweimal oder sogar dreimal soviel gemacht wie von ihm verlangt wurde, weil er gehofft hatte das man ihm das später mal danken wird. Stattdessen fliegt er auf die Strasse und darf mit seiner Familie sehen wo er bleibt. Die Kosten laufen weiter da hilft keiner, außer mit ein paar Euros der Staat. Aber dort kommt man sich wie ein Bettler vor und will eigentlich gar nicht dorthin. Aber es geht nicht anders, das ist die einzige Hilfe die man erhält. Ein tolles System.

Wieso sind Menschen die viel geleistet haben, Erfahrung, Motivation und so weiter haben nicht hochgeachtet in dieser Gesellschaft? Warum muss man selbst wenn man einen Job hat um seinen Arbeitsplatz fürchten? Wieso diese Zukunftsängste, warum sind die meisten Leute in ihrem Beruf abgehetzt, fertig und traurig? Ich glaube jeder kennt diese Spannungen und Konflikte zwischen Kunden, Kollegen, den Leitern, Chefs und so weiter. Die meisten haben ihre Ursache nur in diesem harten Wettbewerb und weil es darum geht möglichst viel Profit zu scheffeln. Das wird nur leider immer schwieriger, weil immer mehr Menschen auf diesem Planeten leben und andere Länder natürlich auch daran arbeiten ihre Verhältnisse zu verbessern. Jeder Mensch möchte eben sein Leben „nutzen“ und arbeitet. Begrenzte Märkte, begrenzte Resourcen, begrenzte Eigenschaften überall. Alle Menschen können hier niemals gewinnen, es muss Verlierer und Gewinner geben. Ist das mit dem Grundgesetz vereinbar? Wenn Menschen permanent Angst um ihre Existenz haben müssen? Wenn sie sich trotz Job permanent fürchten müssen nicht gut genug zu sein für diese Gesellschaft, für diesen Wettbewerb?

Letztlich muss man aber auch sagen das der Wettbewerb an dem wir tagtäglich teilnehmen niemals fair war. Noam Chomsky beschreibt das in seinem Buch „Profit over People“ mit sehr vielen Details, darin heißt es unter anderem, die USA hätten mit Einfuhrverboten genauso wie England ihre eigene Industrie gegenüber anderen Nationen gestärkt. So hat man beispielsweise die Einfuhr von Baumwolle aus Indien in den USA verboten bzw. zeitweise gestoppt damit die Baumwolle welche von Sklaven, i.d.R. gewaltsam verschleppte Afroamerikaner, produziert wurde im eigenen Markt gewinnbringend abgesetzt werden konnten. Durch diesen Gewinn konnten die Besitzer bzw. Unternehmer natürlich ihre Position auf dem nationalen und internationalen Markt ausbauen.

Ähnlich lief es mit der Stahlproduktion ab, Chomsky meint sogar das 20 der heutigen 100 größten Unternehmen Amerikas ohne staatlichen Eingriffe niemals so erfolgreich gewesen wären. Und es ist ganz sicher das dies noch heute der Fall ist, denn warum sollte man altbewährte Methoden nicht immer und immer wieder anwenden? Die Gier des Menschen nach Erfolg, Macht und so weiter ist unendlich, sie kennt keine Grenzen und das ist schädlich. Ich denke man braucht nur genau hinsehen, dann sieht man wie die Unternehmen auch in der Politik versuchen Einfluss auf ihre Position im Markt zu nehmen. Und es funktioniert, das Zauberwort heißt Lobbyismus, da gibt es Spenden, Rabatte und Einladungen an Politiker und Journalisten damit alles etwas besser funktioniert für das eigene Unternehmen. Das ist eben Marktwirtschaft, seine Chancen wahrnehmen und nutzen. Wer nicht handelt verliert. Ganz einfach. Andere Unternehmen haben nicht diese Möglichkeiten, wollen diese Möglichkeiten vielleicht auch gar nicht haben weil sie an einen fairen Wettbewerb glauben. Aber was tun wenn der Wettbewerb niemals fair war?

Boykottieren kann man schliesslich schlecht, denn sonst hat man schnell keine Grundlage worauf man überleben kann. Innerhalb weniger Monate geht das eigene Unternehmen pleite, bzw. hat man als Angesteller nicht mehr genug Geld um seine Wohnung bzw. Lebenshaltungskosten zu bezahlen. Außerdem sinkt unser Marktwert wenn wir nicht arbeiten. Wir stecken also in einem Wettbewerb der nicht fair ist und in einem System das uns auf widerlichste Weise korrumpiert. Wir müssen uns verkaufen sonst können wir nicht überleben. Wir können schliesslich nicht alle von Sozialhilfe leben und das wird auch mittlerweile immer härter bestraft, in dem man in verfassungswidrige Jobs vermittelt wird, Stichwort 1-Euro-Job. Es gibt genug Fälle in denen das belegt wird und wogegen nur wenige Menschen tatsächlich lautstark protestieren. Es ist einfach so das die meisten Mensch entweder unheimliche Angst haben, zu sehr damit beschäftigt sind ihren Job zu behalten, etwas neues zu finden, ehrgeizig sind und so weiter.

Es gibt viele Faktoren warum diese ungerechten Verhältnisse die sich gegen die Menschen richten nicht aufgelöst werden. Und es gibt ganz sicher auch Unternehmen und Politiker die natürlich die Verhältnisse beibehalten wollen, weil sie profitieren und es dürfte sich um Menschen handeln die eine ganze Menge zu sagen haben in diesem System. Sonst würde das doch alles längst nicht mehr stattfinden. Und fast alle Arbeitnehmer hängen mit drin, schliesslich werden sie von diesen Menschen bezahlt, kaufen deren Produkte und fragen nicht weiter nach wenn ihnen etwas sauer aufstößt. Klar passiert das schon auch, aber aus meiner Sicht noch viel zu wenig, da ist viel mehr drin und könnte uns alle viel freier machen. Es ist eine Frage von Zivilcourage und Mut. Wie lange sollen wir noch bluten und leiden für ein dummes System für dumme Ideale? Warum sollte Deutschland nicht das erste Land sein das sich von einem barbarischen System befreit? Wir sind doch ehemals das Land der Dichter und Denker gewesen, warum nutzen wir unser Potential nicht einfach? Es gibt niemand der uns zwingen kann all das mitzumachen. Wir sollten laut über Alternativen nachdenken.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Das ist Wahnsinn! Wir sind Wahnsinn!

Wie ich gerade erfahren musste ist mein letzter Arbeitgeber pleite. Er wirft Ende des Jahres etwa 100 Mitarbeiter auf die Strasse. Ich habe dort zwar nur kurze Zeit gearbeitet fand aber recht schnell Zugang zu den Mitarbeitern dort und wir wurden schnell richtige Kollegen. Wir versuchten uns so gut es geht zu helfen. Man lachte und meckerte zusammen, aber vorallem kämpften wir uns durch die miesen Umstände, durch das neue System, stritten und diskutierten endlos mit den Kunden und unseren Bossen. Das ging für mich wochenlang so, für die Anderen war es bereits eine jahrelange Tortour. Jeden Tag schleppten wir uns egal bei welchem Sauwetter zu unserem edlen Arbeitgeber. Wir hielten jede Schikane und Dummheit aus, machten uns gegenseitig mut und hielten mit schwarzen Humor, viel Ironie und Ablenkung den primitiven Alltag durch. Alleine der Arbeitsweg war für mich eine Belastung, etwa 1 Stunde brauchte ich mit dem Fahrrad, S-Bahn und Bus dorthin, sofern es keine Probleme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gab. Ich war 12 Stunden am Tag nur mit diesem Job beschäftigt, konnte am Abend nichts anderes tun als mich beruhigen und versuchen zu schlafen.

Nunja, und das war alles umsonst. All das hoffen, kämpfen und quälen war völlig für die Katz. Ein tolles System. Ich habe übrigens auch gehört das mein Ausbildungsbetrieb wieder 10 Leute entlässt, weil alles etwas schlechter gelaufen ist als erwartet. So ist es eben. Mal hat man Glück mal Pech, so sagt doch der Unternehmer oder? Diese Menschen strömen jetzt auf den Arbeitsmarkt und versuchen Stellen zu finden die viel zu teuer und kaum bezahlbar sind. Nur die Besten werden überhaupt erstmal angehört und Diejenigen mit den besten Kontakten haben dann auch mal eine reale Chance. Ein tolles System. Wer 6 Monate nicht gearbeitet hat ist wertlos für diese Gesellschaft. Er ist out. Wie kann ein Mensch out sein? Wie kann ein Mensch weggeworfen werden? Schaut Euch um dann seht ihr überall wie das geht! Und das obwohl die meisten Menschen das getan haben was man von ihnen erwartet. Man bekommt einen Tritt in den Hintern, fliegt auf die Strasse, hat trotzdem Ausgaben, steht vor dem Nichts und man bekommt gesagt man ist ja selber schuld. Wer nicht ständig wachsam ist und profitable Fäden zieht verliert. Wer das nicht verstanden hat ist eben selber schuld. Der bekommt seine paar Mark vom Amt und nach einer Galgenfrist ist er eben nicht mehr tauglich für die Gesellschaft. Ein tolles System.

Die Grundrechte und die Orientierung der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an dem Glück aller Menschen sind wohl völlig vergessen und verworfen worden. Es ist traurig. Man kämpft stundenlang jeden Tag im Beruf wie auch auf den Arbeitswegen, Privat und Gesundheitlich sogut wie an allen Fronten und man soll diese Probleme mit dem „verdienten“ Geld lösen. Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber das Geld reicht nicht dafür. Wenn eine Tätigkeit langweilig, dumm, belastend, nervend, zerfressend, quälend und erniedrigend ist, dann macht das krank und umso mehr wenn man zu wenig Geld dafür bekommt, sich nicht wirklich langfristig frei kaufen kann. Arbeit macht frei, aber nur dann wenn man irgendwie mal genug Geld beiseite  schaffen kann. Aber schaut Euch die Kosten an: Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Steuern, Auto, Internet, Handy, was muss denn alles jeden Monat bezahlt werden? Und fürs Alter muss auch vorgesorgt sein wenn man sich nicht nach 67 Jahren tot gearbeitet hat. Ganz wenige Menschen sind wirklich glücklich und zufrieden mit ihrem Leben und überhaupt im reinen mit dem was in dieser Nation und Welt passiert. Vielleicht auch weil sie nicht im Leiden der anderen Menschen drin stecken. Wie auch?

Wir sind viel zu beschäftigt mit unseren eigenen Sorgen, Vorstellungen, Idealen und so weiter, wir kriegen doch gar nicht mit was unser Nachbar oder die Kollegen so beschäftigt und fertig macht. Wie sollen wir überhaupt mitkriegen das wir alle ziemlich idiotischen Illusionen hinterherrennen die unser Leben in den meisten Fällen zu einem qualvollen Wettrennen machen? Ich habe soviel gearbeitet und sehe jetzt wie eine Firma nach der anderen für die ich hunderte und tausende Stunden investiert habe den Bach runtergeht. Ist das die Schuld von mir? Die Schuld von den Managern? Die Schuld von der Konkurrenz? Die Schuld der Krise? Die Schuld der Bankiers? Die Schuld der Politiker? Die Schuld des Systems? Die Schuld der Vorstellungen vieler Menschen vom alltäglichen Leben? Wie tief dringen die Menschen denn in die Probleme ein die sie täglich zu bewältigen haben? Wie weit trauen sie sich in den Kanninchenbau hinein? Es gehört eine gehörige Portion Mut dazu, denn steckt man erstmal drin, kann man nur tiefer reingehen, die Erkenntnisse brennen sich fest und dann steckt man in einer Zwickmühle mit dem System.

Wenn man erkannt hat das wir jetzt genug von allem haben und wir eher einen Schritt zurück als nach vorne machen sollten. Dann gehört Mut dazu diesen zutun. Wer spricht es als Erster aus? Wer geht diesen Schritt zuerst? Wer geht mit? Wir sehen doch das unser Planet keine weiteres Amerika oder Europa verträgt. Was soll aus Afrika, Indien, China, Brasilien und so weiter werden, wenn sie nicht aus den üblichen Quellen ihre Industrienationen produzieren können? Wir haben begrenzte Rohstoffe, begrenzte Märkte, begrenzte Wachstumsmöglichkeiten, begrenzte Vorstellungen genauso wie wir nur einen Planeten haben. Also was soll dieser Unsinn? Wir wissen doch dass das alles völliger Blödsinn ist. Wieso quälen wir uns weiter? Ist es weil alle weitermachen? Ist es weil wir befürchten bekämpft, isoliert und beschimpft zu werden? Wie weit wollen wir gehen? Der Abgrund ist bestimmt nicht mehr weit. Ich weiß nicht wieviele Arbeitslose dieses Land noch verträgt und wieviele Qualen sich die jetzigen Angestellten noch zutrauen, aber auf Dauer kann das einfach nicht gut gehen. Das System ignoriert genauso wie alle mir bekannten vorherigen Systeme die Bedürfnisse der Menschen. Also wird es fallen, es wird zerbrechen und mit allen Leuten sterben die sich zu sehr damit identifiziert haben.

Die Leute scheinen sich an die Probleme zu klammern, sehen die essentiellen Probleme darin nicht. Klar kann ich gut daherreden, aber das sind nunmal die Ergebnisse meiner Überlegungen und Erfahrungen. Vielleicht kann mir jemand mal was anderes berichten, aber ich sehe seit Jahren nichts anderes, als dass sich die Menschen tagtäglich gegenseitig und sich selbst fertig machen. Nur wenige Menschen finden daran gefallen, gehen als Sieger hervor und leben auf der Sonnenseite des Lebens. Es ist nunmal leider so und ich verstehe einfach nicht wie man so eine Situation einfach so lassen kann. Man muss doch gemeinsam an Lösungen arbeiten und nicht auf einem Stand verharren der nichts anderes als Vernichtung bedeutet. Wir zerstören unsere Umwelt, die Tiere und uns selbst, all das Potential was in allem wohnt und darauf wartet erkannt und gefördert zu werden. Wir haben nicht die leiseste Ahnung welchen Preis wir hier bezahlen. Was ist Geld und Macht schon gegen ein glückliches Leben wert? Wer braucht diesen Mist wenn man begriffen hat das es nur von Menschen gebraucht wird die Angst haben. Das Leben ist ein Risiko und es kann jederzeit vorbei sein. Warum quälen wir uns so? Was soll dieser Mist?

Man bezeichnet mich bereits jetzt als jemanden der ausgestiegen ist und das nur weil ich mich einige Zeit den üblichen Verhaltensmustern widersetzt habe. Klar geht es mir nicht gut dabei, denn ich werde angefeindet, man sagt ich sei faul, dumm, würde nicht am Leben teilnehmen, wäre eine Schande für meine Familie und wären alle so wie ich hätte die Gesellschaft niemals soetwas wie die Medizin im heutigen Entwicklungsstadium schaffen können. Ich werde unglaublich missverstanden und zerrissen. Viele sind wütend, nicht nur weil ich mich traue das was sie jahrelang mitgemacht haben einfach fallen zu lassen, sondern auch weil sie einfach nicht glauben können das einer Wettbewerb für primitiv hält. Klar verliere ich Geld, ich verliere an Wert im Markt und so weiter, aber ich bin ein Mensch und habe einen unermesslichen Wert der über diese dämlichen Vorstellungen unseres Systems hinaus geht. Ich denke wir haben das vergessen. Wir haben alle vergessen was wir wirklich wert sind und worauf es im Leben ankommt. Was bedeutet denn ein Job bei dem man unglücklich ist, den man nur macht um seine Lebenshaltungskosten zu machen? Das ist wie wenn ein Mensch gezwungen ist anschaffen zu gehen. Wir sind alle Prostituierte, wir brauchen gar nicht über Menschen im Puff lachen. Das ist nahezu überall in der Gesellschaft Normalität wird eben nur anders ausgelebt.

Wollen wir weiterhin alle Huren sein oder endlich mal als vollwertige Menschen anerkannt sein und in Freiheit und Brüderlichkeit zusammen leben? Das steht doch überall in unseren offiziellen Nationalengesängen und -gesetzen, warum werden diese Vorstellungen nicht im Alltag als Grundlage für Debatten  bzw. als Lebensgrundlage genommen? Wieso steht der Profit über den Menschen, die Tiere und Umwelt? Was bringt der ganze Fortschritt wenn die Menschen damit unglücklich sind oder daran zugrunde gehen? Wie soll denn das weitergehen? Ich bin glücklich das wir gute Mediziner haben, okay, aber wir brauchen nicht jede Woche im Fernsehen neue Shows über Scheiße fressen und schlank hungern. Wir brauchen bestimmt auch nicht jedes Jahr Millionen neue Autos, Kühlschränke, Fernseher, Computer, was soll denn das alles? Wir schmeissen Lebensmittel weg und ein paar Kilometer weiter verhungern die Menschen. Das passiert jeden Tag und hier kümmert es niemanden obwohl jeder gern Kaffee aus Afrika trinkt und Zigaretten aus Brasilien raucht. Die Flüchtlingsströme interessieren auch nicht. 1 Millionen Suizide jährlich interessieren auch nicht. Die ganze Masse von Menschen hierzulande kennt verdammt nochmal keine Demokratie, keine Grundrechte, keine Gnade.

Und das alles macht mir verdammt nochmal Angst! Ich weiß nicht wohin diese ganze Kacke führen soll. Das ist der totale Krieg da draussen und wir alle schreien wie vor Goebbles damals laut HURRAAA oder JAAAA obwohl wir uns damit alle umbringen!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Der schrille stumme Schrei der Partygesellschaft

Es ist 3 Uhr morgens als ich laute dumpfe Musik in ferner Nachbarschaft höre. Ich steige auf mein Fahrrad und fahre hin um zu sehen was dort passiert. Die Band heißt Deichkind und tritt auf einer Massenveranstaltung vor tausenden von betrunkenen kreischenden jungen Leuten auf. Als ich ankomme ist bereits alles vorbei und die Massen taumeln benebelt von den Drogen, der lauten Musik auf glitschigen Untergrund nach Hause. Die Tage davor hatte es öfter mal Regen gegeben, einige Autos steckten im Schlamm und kamen nur schwer von der Stelle. Die Veranstaltung liegt an einem See und überall sind Zelte von Fans aufgebaut. Einige hören laute Musik, schreien, grillen, hocken auf ihren Plastikstühlen, versinken darin, haben eine Freundin auf dem Schoss oder starren benebelt in die Nacht.

Die Atmosphäre ist gleichzeitig geladen und entspannt. Ich glaube die meisten sind hergekommen um ihre Probleme und Verzweiflung aus den Leib zu schreien oder sie irgendwie für ein paar Stunden zu betäuben. Es ist illusorisch, aber  viele Menschen probieren das weltweit ständig. Sicher findet irgendwo auf der Welt gerade dasselbe statt, in Italien oder Brasilien. Die Musik, die Menschen, die Drogen und das ländliche Umfeld mögen anders sein, aber im Kern geht es genau um dasselbe. Ein paar Stunden aus einem gewöhnlichen langweiligen traurigen Leben fliehen, welches mit den gesellschaftlichen Ketten der Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien festgehalten wird. Es starten immer mehr Autos, viele Besucher steigen in Sonderbusse, andere gehen zu Fuß nach Hause, sie kichern, gackern, albern herum, reden nonsens und liegen sich hier und da in den Armen während sie weiter durch die Nacht stolpern.

Das sind die kleinen glücklichen Momente dieser mir so fremden Menschen. Ich habe nichts mit ihnen zutun, glaube aber sicher zu wissen was in ihnen vorgeht und warum sie das alles machen. Eigentlich ist es ein schöner Ort besonders in der Nacht. Aber die Veranstalter haben überall sehr helle Scheinwerfer aufgestellt, es gibt Sicherheitspersonal welches streng auf die vorbeiziehenden Gestalten blickt, aus einigen Ecken dröhnt weiter Musik und es gibt noch viele andere kleinere Lampen und Lichter die auf dem gesamten Platz verteilt wurden. Viele Menschen haben sich verabredet um gemeinsam und anonym eine Band zu feiern die scheinbar keine echte Richtung vertritt. Vorhin hörte ich etwas von Yippie Yippie Yeah und Remmidemmi typisches Partygegrölle, nutzlose Phrasen die die menschliche Leere nur oberflächlich stopfen können und recht schnell mit dem Alkohol ausgekotzt oder ausgepisst werden.

Brot und Spiele: Diese Leute sind erfolgreich mit ihrer Musik, haben es sich erarbeitet und damit irgendwie verdient. Sie fahren gleich nach ihrem Auftritt in einem großen roten Bus mit schwarzgefärbten Scheiben weg. Soll man ihnen einen Vorwurf machen? Sie sind erfolgreich mit ihrer Version von Ablenkung. Sie lösen nichts, sie versuchen nur glücklich zu sein, genau wie die Leute die für ihre Auftritte bezahlen und besaufen. Manchmal glaube ich den Menschen reicht es gewisse Illusionen und Träume zu haben, damit sie ihren jämmerlichen Alltag bewältigen und ertragen können. Das Wochenende ist Opium fürs Volk. Da darf man sich wenigstens ein bisschen entfalten, lebendig sein und überhaupt so sein wie man es gerne hätte. Da die meisten kaum einen Gedanken daran verschwenden was sie denn gerne wären, kommt meistens nur Bullshit dabei heraus. Sie werfen ihr Potential weg, schieben die Ketten für ein paar Stunden Spaß zur Seite und treten spätestens am Montag gehorsam willig oder widerwillig ihren Dienst an der Gesellschaft an.

Diesen Menschen fehlt es an einer Richtung, genau wie der Gesellschaft an sich. Es geht nur darum die notwendigen Leistungen zu erbringen, darüber hinaus gibt es nach dieser Logik nicht viel mehr. Wer die Leistung nicht erbringen kann, ist eben ein Verlierer, wird weggeworfen und vergessen. Wer ein paar Monate arbeitslos war und keinen Job fand oder wollte, wird wissen wie ich es meine. Seht Euch an wie man mit den Rentnern umgeht die kaum bis gar kein Geld besitzen. Wie geht es überhaupt den Menschen hierzulande und weltweit, die kaum bis keine Besitztümer, Qualifikationen oder dergleichen haben? Unsere tolle „soziale Marktwirschaft“ hat dafür genausowenig übrig, wie die Politiker etwas für ihre Bürger. Es geht letztlich nur darum die Verhältnisse beizubehalten. Die Leute sollen arbeiten und feiern. Andere profitieren davon und wollen natürlich nicht dabei gestört werden. Um derartiges in den einzelnen Fällen konkret nachzuweisen braucht es aber Menschen die sich lange Zeit präzise damit auseinandersetzen. Diese Menschen gibt es immer seltener, denn die Zeiten sind hart, jeder Job ist unsicher und jeder Mensch ist in einer Leistungsgesellschaft ersetzbar.

Alles was produziert wird muss auch gekauft werden. Es muss irgendwelche Idioten geben die sich nutzlosen Mist kaufen, die zuviel Essen, Rauchen, Saufen, sich ablenken und ihre Kritikfähigkeit, Zivilcourage und ihr Gewissen vergessen, verdrängt oder verkauft haben. Und wenn diese Leute noch krank werden, ist das auch sehr gut, denn dann kann man ihnen Medikamente verkaufen, sie zum Psychiater schicken der ihnen Medikamente verschreibt. Klar kostet das den Krankenkassen etwas, die holen sich das Geld von anderen Leuten, indem sie alte Menschen nicht mehr für teure Krebstherapien zulassen. Es gibt für alle Probleme Lösungen um den Profit zu steigern!

Und wer nicht arbeiten will, der muss einfach nur mehr gefordert werden. Wer in der Schule nicht funktioniert wird mit schlechten Noten bestraft, wer keine Ausbildung macht oder in einem Job arbeitet wird mit weniger Geld bestraft, alles was nur irgendwie den Produktions- und Korruptionskreislauf des wirtschaftlichen und politischen Machtapparates schwächen könnte muss bestraft werden. Und jene Menschen die folgen und fleissig arbeiten werden mit Geld belohnt, damit sie sich ein Stückchen Freiheit erkaufen und auf nichtssagenden Konzerten saufen können. Die nächsten Krisen kollektiv wie individuell sind schon vorprogrammiert, könnt ihr Euch alle drauf freuen!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Die Krankheiten der Gesellschaft

Überall im Land geschieht Unrecht, Dummheit, Korruption, Verfehlungen aller erdenklich-möglichen Formen finden einen Platz in dieser ganzen Gesellschaft. Ich als einzelner Mensch soll dennoch allen Bilderbuchidealen entsprechen die sich ein Unternehmer nur vorstellen kann. D.h. ein lückenloser Lebenslauf mit einer klar ersichtlichen Steigerung der Fach- und Sachkenntnisse in einem gewissen Beruf.

Weise ich nicht diesen Lebenslauf auf, weise ich nicht die Kenntnisse auf bin ich teuer und unangenehm für den Unternehmer. Ich bin damit ein Mensch der weniger wert ist für den Unternehmer. Ich bekomme dadurch schwieriger einen Job und muss mich auf die Unternehmen konzentrieren die nicht so genau hinsehen, leider sinkt dabei auch das Nivaeu  des Jobs. Folglich befinde ich mich in einer stillen sozialen Abwärtsspirale die sich immer schneller dreht, je später ich davon Wind bekomme.

Natürlich bin grundsätzlich immer ich selbst verantwortlich für meinen Lebenslauf, grundsätzlich bin ich schuld für alles was dort zu finden ist. Viele Faktoren werden nicht berücksichtig und es gibt selten eine zweite Chance, bzw. überhaupt eine erste Chance. Denn wir alle müssen sparen, die Unternehmen gleich dreimal, denn der Wettbewerb ist hart, wir kennen das alte Lied der Globalisierung. Ich bin sehr frustriert von dieser Realität. Nur weil ich mir die ehrliche Mühe mache in einer Auszeit eine Orientierung bzgl. Lebenssinn und Hinterfragung der Gesellschaft voranzutreiben, werde ich gegenüber notorischen Ja-Sagern die jedem beschissenen Trend hinterher rennen benachteiligt.

Eine absurde Gesellschaft. Wieso werden nicht gerade Diejenigen gefördert die die Gesellschaft hinterfragen? Warum sind nur die erfolgreich die letztlich nur die Eigennutz-maximierung im Sinn haben? Wieso denken Unternehmen nicht in globalen Zusammenhängen? Ich nenne diese korrupten Strukturen eine Krankheit die uns auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft schwer bremsen und behindern wird. Solche Menschen wie ich müssen es ausbaden. Jene ohne Lobby, jene die eigentlich nichts weiter als ein geregeltes konstruktives Leben wollen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Nebelwanderung

Ich fühle mich hin und her gestossen von den Mechanismen der Gesellschaft. Aufgrund der sogenannten Finanzkrise wurde ich Weihnachten aus der Firma geworfen, von der ich bisher im Tagebuch sprach. Es ist viel passiert, ich habe einige Dinge gelernt und dann war alles sehr schnell vorbei. Innerhalb von 7 Tagen war alles vorbei und seitdem stehe ich wieder auf der Strasse und darf mich um Arbeitslosengeld, neuen Job und Bewerbungen kümmern.

Viel ungeliebte Bürokratie muss ich mir also antun, ich komme mir vor wie ein Schmarotzer. Egal ob ich beim Amt sitze, oder in einem Bewerbungsgespräch. Grundsätzlich habe ich das Gefühl zu betteln. Ich bettle um Geld, ich bettle um Chancen. Denn ich fühle mich in der schwächeren Position und möchte eigentlich auch gar keine Hilfe, denn ich habe meist doch alles alleine auf die Reihe bekommen. Die Regeln der Gesellschaft sind größer als ich und solange ich nach deren Pfeife tanze, muss ich mich natürlich entsprechend verhalten.

Glücklich macht es mich nicht. Ich weiß das es mich auch nie glücklich machen wird. Irgendwie gibt es nur die eine Lösung und zwar aus diesem konfliktreichen System zu fliehen. Dies ist aber leider eine Entscheidung für das Leben und momentan kann ich sie einfach nicht treffen. Zuvieles liegt noch im unerschlossenem Nichts.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Zweite Woche

Ich habe eine zeitlang keine Sachen mehr geschrieben, weil sich ein gewisser Schreibdruck aufgebaut hat, der mich nicht sonderlich kreativ denken lässt. Zu berichten gäbe es schon einiges. Die Kollgen in der Firma, in der ich arbeite, lerne ich besser kennen und es baut sich ein wenig Ruhe und Vertrauen auf, – wenn auch auf rein sachlicher und oberflächlicher Basis.

Wenn ich sie mir so von Tag zu Tag ansehe, anhöre und beobachte wie sie ihren Arbeitstag durchleben. Dann merke ich wie sie immer wieder kämpfen. Sie kämpfen mit vielen sachlichen Fehlern und Problemen, die sie möglichst schnell bewältigen wollen. Und je öfter das Telefon klingelt und je öfter sie durch andere Kollegen gestört werden, desto unruhiger und aggressiver reagieren sie. Sie haben eine innere Anspannung und überspielen sie nach und nach mit kleinen Scherzen und Anmerkungen. Sie hangeln sich durch die Stunden und den Tag. Sie wissen, sie können nicht einfach alles hinschmeissen und rausgehen, was anderes machen und das Leben wirklich genießen. Denn sie stehen, genau wie ich und viele andere Menschen in tausend anderen Firmen, unter Leistungs- und Wettbewerbsdruck. Wir stecken im Kreislauf des Kapitalismus und wir brauchen jeden Monat Geld und dieses bekommen wir nur wenn wir schön brav alles tun und lassen, was uns sozusagen mitgeteilt wird.

Eigentlich ist das mitteilen und unterteilen von Aufgaben wie ein Befehl von einem General an seine Soldaten. Natürlich hat jeder Vorgesetzte, wie der Angestellte, Jemanden der über ihn steht und dessen Weisung er sich unterwerfen muss. Freiheit existiert nach meinen bisherigen Erfahrungen und Überlegungen also in keinem vom Menschen bisher geschaffenen System oder Markt. Wenn überhaupt gibt es nur Bruchteile davon und die sind auch nur sehr verkrüpelt. Das Leben was viele Menschen führen, unterscheidet sich kaum vom Sterben. Denn kaum jemand atmet, sieht, riecht, redet wirklich bewußt. Alles ist Routine.

Fast jeden Tag fahre ich mit der S-Bahn zur Arbeit. Sie ist meistens recht voll und viele Menschen sind müde, schlafen, schauen grimmig. Wenige lesen Bücher, ein paar mehr hören Musik und es gibt auch welche die nur ausdruckslos vor sich hinstarren. Jeder scheint so seine Mittelchen zu haben, um sich durch den Alltag zu treiben. Jeder hat seine Argumente warum er jeden Morgen aufsteht, raus in die Kälte, im Halbdunkel mit Fahrrad, Bus und Bahn in die Arbeit zu fahren. Es ist nicht nur Geld, es ist auch das Gefühl gebraucht zu werden, wichtig zu sein und Verantwortung zu tragen. Es ist das Wissen, sich etwas aufzubauen und weiterzukommen. Ist es nicht so? Warum wirken die Menschen dann so niedergeschlagen und ausgehungert? Ist es nicht mehr eine Qual? Eine Flucht in die Zukunft? Wollen die nicht alle etwas sein, obwohl sie diesen toten Zustand nie erreichen können?

Ich lerne und verstehe täglich. Das liegt aber nicht daran das ich mich im Tunnelblick auf die Arbeit und das Geld verdienen konzentriere, sondern weil ich aufhöre mich ständig selbst zu ficken. Jeder Mensch setzt sich selbst unter Druck. Jeder will besser, stärker, schneller, stolzer und wertvoller sein als vorher. Das nenne ich Sklaverei. Das nenne ich Selbstmord. So wird niemand Freiheit erleben und Liebe empfinden. Diese mechanisierte Welt ist voller Menschen die täglich ihr durchgeplantes Leben mit abgepackten, zerkleinerten Vorstellungen, Ideen und Zwängen füllen. Sie sind dabei sich jeden Tag Stück für Stück weiter einzugrenzen, weiter zu vernichten, weiter selbst zu belästigen. Seht Euch die Welt an, das ist nur das Ergebnis der inneren Einstellung von Miliarden Menschen. Wollt ihr sagen, da ist alles in Ordnung, machen wir so weiter?

Es bringt nichts, sich über die Arbeit aufzuregen. Solange man die Verträge einhält, solange man den üblichen ehrgeizigen Plänen der Meisten nacheifert, wird man niemals frei sein. Es gibt keine Freiheit in der Organisation, Moral oder Vernunft. Wir werden jämmerlich einschlafen, durch die Schlafmittelchen die wir selbst eingeworfen haben. Wir wollen nicht einsam sein, sondern immer beschäftigt sein, wir laufen vor unserem Geist und der Wahrheit davon. Meine Kollegen leben ihr Leben, auch wenn es beschränkt und so unendlich langweilig ist. Sie meckern über kleinste Problemchen und wissen gar nicht wie stark sie selbst schuld an ihrer Situation sind.

Ich werde sehen wie es sich bei mir entwickelt. Aber ich achte darauf bewußt zu leben, auch wenn ich durch die allumfassende  Propaganda, die Beschränkung als Freiheit verkauft, einiges zu leisten habe.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Vierter Tag

Ja, es stellt sich immer stärker eine gewisse Routine ein. Die Vorgänge wiederholen sich und ich begreife einmal mehr, wie stark begrenzt das Arbeitsleben sein kann. Soviele Spezialisten um mich herum, und wenn ich sie mir genauer ansehe, sie durchleuchte und durchdenke. Dann merke ich wie wenig von ihnen übriggeblieben ist. Wieviel Mensch ist von ihnen neben dem Beruf noch übrig?

Sie sind irgendwie gefangen in ihren dienstlichen, beruflichen Fähigkeiten, sie hängen in ihren Verpflichtungen gegenüber dem Arbeitgeber und dem eigenen Verantwortungsgefühl. Treiben sich an, weil sie Geld dafür bekommen, was sie wiederum in Massagen, Kleidung, Auto und so weiter stecken. Das Geld hält das Leben am laufen und damit das Leben läuft und auch in Zukunft weiterläuft, wird viel Energie in den Job gesteckt. In der Hoffnung es würde sich lohnen, mit dem Ziel das es einen bald besser gehen wird als jetzt. Mit dem Ziel bald unabhängig zu sein und in Frührente zu gehen. Mit dem Ziel endlich das Leben genießen zu können und verstehen zu lernen.

Bei manchen meiner Kollegen habe ich das Gefühl, es ist längst zu spät. Ihr Gang ist träge, ihre Blicke trübe, ihr Lachen schief und krumm. Die Sprüche, die Witze, gut einstudierte über die Routine eingespielte Wachmacher und Motivationsschübe. Irgendwie wirken sie weniger lebendig als die Kinder, die ich auf dem Weg zu Arbeit sehe. Die Kinder hüpfen, schreien, lachen und tanzen über die Straßen. Egal bei welchen Wetter. Und die Älteren tapsen schlaff über den Bordstein, als ob sie am liebsten gleich in ein Grab fallen wollten.

Wahrscheinlich haben sie nie ein echtes Gefühl von Freiheit erlebt. Waren nie am Meer und haben dort mal eine Nacht verbracht. Haben nie wirklich geliebt und leidenschaftlich für jemanden gelebt. Sehen sich nie richtig die Sterne an und trauen sich nicht über einfachste Dinge ganz offen zu staunen. Sie haben ihr Leben zu einem Schubladensystem gemacht. Abgesperrt und abgeschirmt. Afrika ist weit weg und von Politik wollen sie auch nichts wissen. Was hat man schon mit der Finanzikrise zutun? Ersparnisse sind sicher, okay und nun?

Gedankenlose Gleichgültigkeit mitten im Leben, mitten im stressigen Arbeiten. Und ich sitze da und schaue mir die Leute an. Was hat das alles nur zu bedeuten? Was wird denn daraus werden, wenn wir weiter so leben? Kann uns das echt mal glücklich machen? Ständig muss jeden Monat die Kohle rein und ob man sich mit der Arbeit identifiziert und ob man sich mit den Kollegen auch menschlich wirklich versthet, alles nur nebensächliche Dinge. Wichtiger ist, das alle Kollegen dazubeitragen, dem Unternehmen zu mehr Effizienz und mehr Geld zu verhelfen. Das ist unser einziges gemeinsames Ziel. Und ich denke das ist so anstrengend und falsch, es bringt uns schneller an den Tod als wir glauben.

Wenigstens kann ich froh sein, morgen ist der letzte Tag der ersten Woche überstanden. Natürlich geht es dann nächste Woche weiter und ich habe am Wochenende viel Bürokratie vor mir. Doch ich habe einige Erkenntnisse gewonnen und einige Herausforderungen bewältigt. Vielleicht wird mir das auch auf meinem Weg durch die Zivilisationen helfen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Dritter Tag

Die alltägliche Arbeit wird zur Routine und ich nehme mehr und mehr Fahrt auf. Das Unternehmen ist eine eigene kleine Welt und es gibt ganz schön viele Spezialisten darin. Und ich sollte möglichst bald einer von ihnen sein, denn dann kann ich alles bezahlen was ich zahlen muss und kann in neue Inspirationen investieren.

Die Anfahrt verlief heute glücklich und ohne Schwierigkeiten. Das war sehr angenehm und ich kam gelassen in die Arbeit, begrüsste energiegeladen und voller Schwung die Kollegen. Und das obwohl ich heute morgen kaum aus dem Bett wollte. Ich dachte, ich könnte ohne Probleme 3-4 Stunden weiterschlafen. Aber das würde im Gegensatz zu meiner Einsicht stehen: Ich will weiterkommen und viel lernen. Und das bezieht sich nicht nur auf den Job sondern auf das ganze Leben.

Es fällt mir leichter den Job auszuüben, wenn ich die große Übersicht behalte. Natürlich wird es dadurch nicht vollkommen leicht, aber zumindest sind die Gefühle, das Gemüt und die Gedanken rein und ohne Groll. Das ist wirklich eine entspannte Lebensweise. Ich werde gleich noch im Fitnesscenter an meiner Fitness arbeiten. Ich werde viel Freude dabei empfinden, auch wenn es wirklich anstrengend ist.

Außerdem gibt es weitere Visionen für meine Zukunft. Natürlich kann alles sofort zu Ende sein, aber ich orientiere mich was ich machen könnte und woran ich als Mensch wirklich wachsen könnte. Ich will mich nicht in Luftschlösser verfangen und deshalb plane ich nah an den Fakten und der Wirklichkeit. Das bündelt meine Energie und ich sehe mich auf dem Vormarsch. Mal sehen ob ich mich weiter steigern kann, auch wenn das nicht wirklich mein Ziel ist.

Ich will einfach nur wachsen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Zweiter Tag

Der heutige Arbeitstag begann mit einem kleinen Abenteuer. Es gab ein massives Problem bei der Anfahrt und ich stand plötzlich vor dem Problem nicht pünklich bei der Arbeit erscheinen zu können.

Die Taxiunternehmen wollten oder konnten meinen Wünschen und Anforderungen nicht nachkommen. Und so blieb mir nichts anderes als von anderen, nächstgelegenen Menschen Hilfe zu erbitten.

Ein Pilot, ein Chinese und ein Niederbayer teilten mit mir ein Taxi. Sie hatten es wohl viel früher bestellt und packten gerade ihr Zeug ein als sie mir auffielen. Ich fragte nach einem freien Platz und man bejahte lächelnd das sei kein Problem. Die Richtung war auch halbwegs sinnvoll und ich konnte weitaus früher in der Arbeit sein.

Der Pilot und der Chinese unterhielten sich auf Englisch über das Problem das bei der Anfahrt auftrat. Sie wussten nicht genau was los war, also sagte ich ihnen das wohl eine Person in die Gleise gefallen ist und daraufhin sagte der Pilot folgendes: Wenn es ein Suizidversuch war, hätte er das wohl besser in der Nacht tun sollen und nicht zu den Pendlerstoßzeiten.

Bei dem Chaos welches auf den Bahnhöfen auftrat, ist diese Äußerungen nur verständlich aber dennoch respektlos gegenüber das Leid des Einzelnen der in den Gleisen lag. Aber egal, die beiden unterhielten sich weiter über das Oktoberfest und Kollegen. Relativ einfaches Englisch, ich konnte gut die Inhalte nachvollziehen.

Unser Fahrer war wohl ein Türke, sein Deutsch war schwammig, aber er war stets bemüht freundlich zu formulieren und zu agieren. Nur sein Fahrstil war vielleicht etwas riskant und hastig. Wir gerieten auch in einen Stau und mussten uns gedulden. Der Chinese meinte daraufhin, es wäre immer besser in Bewegung zu bleiben als auf einer Position zu verharren. Das klang irgendwie weise.

Jedenfalls kam ich etwas später als am ersten Tag an und etwa 1 Stunde später als von mir geplant. Natürlich wussten alle wichtigen Personen bescheid, da ich telefonisch auf meine Schwierigkeiten verwies. Meine gestrigen Unsicherheiten und Ängste die ich für heute befürchtet hatte, hielten sich in Grenzen.

Es kam eine leichte Welle eines guten Arbeitsklimas bei mir an und ich habe schon eine kleine Routine beim abarbeiten der, für viele, lästigen Ablage. Heute habe ich mich zwar ertappt wie ich auf die Uhr sah und mir wünschte es würde doch einen Zeitsprung geben, aber es war nicht so stark mit unangenehmen Gefühlen verbunden, wie ich es von früheren Arbeitsverhältnissen kannte.

Das liegt wohl auch an der lockeren Art und dem relativ guten Klima innerhalb der Abteilung. Man geht kollegial miteinander um, es dudelt leise ein Radio im Hintergrund, die Arbeit wird meist sehr still absolviert und es gibt kaum echte Unruhestiffter. Es gibt auch keine täglichen Angstmomente, wie vielleicht ein Tagesziel was unbedingt erreicht werden muss. Oder ein steifes begrüssen, verabschieden oder abmelden in die Pause. Es läuft einfach, es gibt immer was zutun und das Wichtigste ich bin beschäftigt und helfe diesen Leuten wirklich weiter. Ich helfe ihnen weiter und sie helfen mir weiter. Das ist ein guter Deal.

Wer weiss wie es hier weitergehen wird. Aber ich werde weiterhin versuchen mein inneres in einem angenehmen Klima zu halten, denn dies ist Voraussetzung für ein harmonisches Arbeitsleben, vorallem dann wenn ich es größtenteils gezwungenermaßen durchleben muss. Wie viele Millionen andere Menschen auch.

Dazu habe ich auch etwas geschrieben, aber dazu wohl in späteren Tagen mehr.

Was ich noch sagen kann: Ich habe mehr geredet und mehr von mir gezeigt. Ich habe den Menschen direkt angesehen, wie sie sich mir öffneten. Vorher war da ein grauer Schal und während des persönlichen Gesprächs blüten sie auf und ich mit ihnen. Das ist denke ich eine gute Grundlage, wobei mir das so nur 2 mal gelang. Aber es gibt so verflucht viele Kollegen hier und ich bilde mir ein das es bisher nur Glück war.

Sollte ich wirklich ein kommunikativer Typ sein? Wir werden sehen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Erster Tag

Mein erster Arbeitstag nach einiger Zeit, war mit vielen heftigen Ängsten und Unsicherheiten verbunden. Auch jetzt, nach dem überstandenen Tag spüre ich diese Unruhen in mir mehr oder weniger deutlich. Sie sind Ausdruck meiner Vergangenheit. Meine Erfahrungen vorallem in dieser bestimmten Branche, waren selten wirklich angenehm.

Ich verbinde mein Arbeitsleben immer mit Schmerz, Kampf, Unsicherheit, Ungerechtigkeit, Durststrecken, Langeweile und vielen anderen negativen Aspekten. Ganz besonders dachte ich lange Zeit, Arbeit sei Zeitverschwendung. Weil es mir im Prinzip die Lust und die Freiheit am Leben nimmt. Und das obwohl man durch das verdiente Geld, in dieser Gesellschaft, rein theoretisch, Freiheiten und Privilegien erkaufen könnte.

Nur war mir das immer vollkommen gleichgültig. Geld ist wertlos und der Materialismus genauso. Wir können jederzeit sterben und gerade deshalb müssen wir jetzt unser Leben geniessen. In der Gegenwart und nicht in der Freizeit oder im Urlaub oder an anderen späteren Zeitpunkten irgendwann in der Zukunft. Ich hielt es nie für angebracht dem Glück hinterher zu rennen. Die Erfüllung ist kein Ziel sondern eine Lebensform. Es gibt dafür nur eine Voraussetzung, kreativ Denken und vorallem viel Geduld.

Meine Ahnungen und Befürchtungen sollten an dem heutigen ersten Tag nicht weiter bestätigt werden. Natürlich gab es ein bisschen zuviele neue Gesichter, ein bisschen zuviel an Informationen und alles wirkte etwas steif und holprig. Aber wenigstens hat mich niemand angeschrieen oder gleich meine innerliche Unentschlossenheit erkannt und mich dementsprechend unverzüglich rausgeworfen. Jedes Unternehmen braucht Menschen die motiviert und engagiert sind, ohne zögern und ohne Zweifel.

Ich habe mich engagiert, aber nicht weil ich mich mit dem Unternehmen identifiziere, sondern weil ich größere Vorhaben im Sinn habe. Mir schwebt etwas vor und es braucht Zeit damit es reifen kann.

Das Arbeitsgelände bildet den üblichen Stil des grauen Arbeitens, mit einem Hauch von Moderne. Was die Situation eigentlich nicht wirklich verbessert hat. Ich machte stets gute Miene zum unsicheren Spiel. Wer weiss wie lange das noch gut gehen wird, aber viel mehr Möglichkeiten und Chancen habe ich nicht.

Es gilt diesen Herausforderungen zu absolvieren, egal wie hart es werden wird. Denn es lohnt sich doppelt und dreifach, so bilde ich mir das zumindest ein. Die näheren Kollegen scheinen jedenfalls nett zu sein. Wer weiss was in ihnen schlummert. Was sie für Komplexe und Ängste haben. Ihre Routine überlagt das alles, ich habe den Eindruck es handelt sich um Vollprofis, ein eingespieltes Team, das nur mässig auf Neuzugänge reagiert. Eine kühle Wirkung hat sowas, auch wenn es nicht unbedingt persönlich gegen mich gerichtet ist.

Diesen Zustand bzw. Positionen der Leute in diesem Büro zu überwinden, ist eine der wichtigsten Aufgaben, neben dem Verstehen der unternehmensinternen Systeme und Abläufe. Eine Verbindung zu jedem einzelnen Büromenschen herzustellen und damit kleine Sicherheiten aufzubauen, macht den Alltag sehr viel leichter.

Leider bin ich nicht so der Small-Talk Typ der auf die Menschen zu geht, ihnen begeistert die Handschüttelt und dieses glitzern in den Augen hat. Ich bin ein unsicherer Typ. Alles kann passieren und wenn nicht, im nächsten Moment denke ich wieder darüber nach was passieren könnte. Es gilt zu handeln und nicht zu denken. Ja, ich weiss. Aber in der Realität tue ich mich schwer und hadere mit den neuen Idealen, die eigentlich nur der Fassadenwechsel meiner alten unglücklichen Verhaltensweisen bedeuten.

Das Glück liegt irgendwo da vorne, dachte ich immer. Es ist ganz leicht und schal zu erkennen. Wärmend und sichernd. Wahrscheinlich ist es eine Illusion, ich gerate nackt in einen Reisswolf und habe vor das lächelnd zu überleben. Was für Aussichten, ob es das wert ist? Wie soll es weitergehen, wenn nicht?

Morgen geht es jedenfalls wieder los und der Puls steigt. Ich weiss nicht ob es richtig ist. Ob es nicht sinnvollere Jobs für mich gibt. Aber Fakt ist: Diesmal werde ich nicht davon rennen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

Arbeitertagebuch

Da es mir schwer fällt Arbeit in der jetzigen Gesellschaftsform zu lieben, und ich auch sonst kaum Menschen habe mit denen ich dieses Thema besprechen kann. Werde ich ein Arbeitertagebuch führen.

Denn ich denke, es kann mir helfen den Kopf freizukriegen und besser alle notwendigen Aufgaben und Anforderungen zu erfüllen, die man von mir verlangt. Ich will mich mit diesem Tagebuch auch daran erinnern, wofür ich das mache. Denn ich arbeite nicht um mir schöne Sachen kaufen zu können oder noch reicher zu werden als ohnehin schon (Ich bin ein typischer durchschnittlicher Westeuropäer, kein Milionärssohn oder dergleichen).

Sondern um langsam meine Möglichkeiten zum Erwerb von mehr Weisheit, Wissen und Ruhe zu steigern und letztlich auch zu erfüllen. Das ist doppelt harte Arbeit und ich tue das weil ich an die Wahrheit und die Freiheit glaube.
Ich will mein Leben nutzen und nicht von Zwängen, Mustern oder anderen einschränkenden Verhaltensweisen belasten, fesseln und verkrüpeln.

Ich will also meine Gedanken hier absetzen und von meiner Gegenwart trennen. Denn ich brauche einen klaren Kopf um weiterzukommen und meine gesellschaftliche Lage zu verbessern.  Dabei will ich versuchen, keine Gefühle zu ignorieren, keinen Zwang zu produzieren, sondern wirklich Freiheit zu erleben und das große Ganze im Blick zu haben. Ich will versuchen nicht zu jammern und nicht zu optimistisch zu denken.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Arbeitertagebuch