Wir sind mehr – vom selben Elend

Das ist besinnungsloser Betroffenheitskitsch, der den Musikern und dem Publikum ein gutes Gewissen einreden soll, obwohl sie überhaupt nichts gegen den postnazistischen Normalbetrieb unternehmen. Den Beweis bringen die Toten Hosen selbst, weil sie heute wie damals vor 25 Jahren nichts anderes betrieben haben als Ergriffenheitsprosa, welche ausschliesslich ergriffen sein will, aber nirgends jemals irgendwo eingreift. Das tut absolut keinem Weh, sondern im Gegenteil, es ist ein anfeuerndes Weiterso an die deutsche Volksgemeinschaft, die sich seit Jahrzehnten mit durchsichtigen juristischen Kniffen weigert Reparationszahlungen an die NS-Opfer zu zahlen. Es ging nur um Gefühle und keine Gedanken.

Bei tausenden Abschiebungen, tausenden Angriffen gegen Flüchtlingsheime, die Abschaffung des Asylrechts, die Abschaffung Menschenrechte der Migranten sowie Flüchtlinge, sowie Abschottung der Bundesrepublik und EU sagte keine Stadt, keine Band, kein Bürger nein! Und als der NSU aufflog war genauso Totenstille im Land! Fast so als würde man heimlich zustimmen.

Und jetzt plötzlich, als das Ansehen der Wohlfühlbürger in der nationalstaatlichen Zwangsgemeinschaft bedroht zu sein schien, entbrannte ein „lauter“ Aufschrei totaler Symbolpolitik, die mit inhaltsloser Quantität ihre antiintellektuellen Phrasen drischt: „Wir sind mehr!“ Mehr wovon? Mehr von der gesamtgesellschaftlich anerkannten deutschen Volksgemeinschaft, die in ganz rechtsstaatlicher Manier Menschen in Todeszonen abschiebt und dem sicheren, stillen, kostengünstigen, und effizienten Ableben überlässt. Frei.wild hat übrigens einen Song namens „Wir sind viele“.

Daher betont der deutsche Pilz vom Dienst, Campino, es gehe nicht um einen „Kampf links gegen rechts“. Vielmehr ginge es darum, „dass man nicht allein ist“, wie Kraftclub Brummer anmerkt. So als wäre der Staat und das Kapital nicht genauso dafür verantwortlich wie das unmündige Individuum, dass Menschen unter Drohung der sozialen Vernichtung als atomisierte Subjekte allein im Konkurrenz- und Leistungskampf am jeweiligen Wirtschaftsstandort bestehen müssen. Ministerpräsident Kretschmer dankt den beiden Nationalmusikanten daraufhin jedenfalls eilig für ihr Engagement. Frank-Walter Steinmeier, der gerne glücklich mit antisemitischen Hinrichtungsweltmeistern wie Hassan Ruhani in den Armen liegt, segnete folgerichtig mit sozialdemokratischer Mythenbildung die öffentliche Onanie der Zwangsgemeinschaftsinsassen ab.

„Wir stehen hier für Einigkeit, Recht und Freiheit“, brachte es ein Hofberichterstatter am Ende des Livestreams von #Wirsindmehr Chemnitz auf den Punkt. Das „Zeichen für Toleranz“ ist ein Zeichen für Deutschland. Es ist ein stolzes Zeichen im Sinne einer Ergebenheitsgeste für das deutsche Vaterland, welches notwendig Rassismus, Faschismus und Antisemitismus hervorbringen muss.

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