Zerstreuung & Zerstörung

Ich bin heute morgen aufgewacht und habe mich gefragt: Warum? Ich bin aus einem Traum aufgewacht. Ich habe geträumt, dass ich ein schmales Buch über die Flucht in eine andere Welt lese. Ich konnte die Sätze aber nicht entschlüsseln. Ich war in einer Bibliothek und sie wurde langsam und immer schneller von unbekannten Leuten, die ehemals Leser wie ich waren, aufgelöst und abgetragen. Sie tragen unzählige Bücher auf ihren Armen hinaus und mahnen mich, dass es jetzt keine Zeit mehr gibt, dieses Buch zu lesen. Ich versuche trotzdem die Sätze zu entschlüsseln, aber ich gerate in Panik und Aufregung, ich kann nur ahnen, worum es gehöen könnte. Irgendeine Stimmung von: „Es ist umsonst. Es war umsonst.“ Wie eine lang gezogene tiefe bassige Note. Am Ende ist der Raum so gut wie leer, nur noch ich stehe darin mit diesem schmalen Buch. Es ist leer. Ich werde wach.

Das Geklapper meines Nachbarn hat mich unbewusst geweckt. Er hat die tolle Idee gehabt, um 7 Uhr morgens sein Mittag- und Abendessen vorzukochen. Es dauert 1 Stunde bis er mit dem Geklapper aufhört. Ich frage mich wieder, was ich mich jede Stunde in meinem Leben frage: Wie soll ich weiterleben? Ich habe es irgendwie im Laufe meines Lebens geschafft, mich der Dringlichkeit dieser Frage zu entziehen. Aber sie stellt sich permanent. Und wenn meine Verdrängung nicht mehr funktioniert, ist die Frage so laut, dass ich nichts mehr anderes wahrnehme. In solchen Momenten weiss ich, dass ich nicht mehr weiterleben kann. Und doch vergehen diese Momente wieder. Ich fühle mich schuldig, dass ich das Leben nicht geniessen kann. Wie dumm muss man sein, wenn man nicht leben kann? Es ist doch das einfachste auf der Welt. Und erklären kann man es auch niemanden.

Die unendliche Geschichte, die von anderen Intellektuellen erzählt wird, von denen ich dachte, ich könnte mir von ihnen Hoffnung auf eine bessere Welt leihen, wird einfach nur aus als eine Art Hobby erzählt und nicht, um tatsächlich das Leben lebenswert zu machen. Ich bin enttäuscht, dass die Cleveren, die ich getroffen habe, im Grunde genommen nur mehr alle Bücher lesen wollen, aber sonst nichts mehr von der Welt erwarten. Ich kann nicht soviele Bücher lesen. Ich habe zuviel Angst vor dem nächsten Tag, weil ich nicht weiss, wie ich ihn bezahlen soll. Ich hoffe jeden Tag, dass das Schicksal endlich Gnade vor Recht walten lässt. Aber ich bekomme jeden Tag neue Befehle, denen ich folgen muss, deren Sinn ich aber nie verstehe. Aus irgendeinem Grund bin ich der einzige, der begriffsstutzig ist. Oder ich bin der einzige, der sich von dieser Begriffsstutzigkeit aufhalten und zerstören lässt anstatt daraus irgendetwas produktives zu machen. Wenn ich meinen Zweifel Ausdruck verleihen möchte, dann kommt nur unverständliches Gebrabbel heraus, wie bei einem Baby, das die Sprache noch nicht gelernt hat. Andere, die cleverer sind als ich, gelingt es die fantastischen Kritiken zu entwickeln. Ich liege dagegen auf dem Boden und versuche mich nicht von meiner Panik vor dem Kapital ersticken zu lassen.

Ich wünschte, ich wäre tot. Es ist jeden Tag so. Soweit, so normal. Aber ich fühle und denke so, weil ich mir kein Leben vorstellen kann. Ich weiss nicht, was das Leben sein soll und was es mir geben kann. Was habe ich denn zu geben? Gar nichts. Ich bin einfach nur erschreckend, öde, schwierig, leer, arm, weinerlich, unstoppbar idiotisch, beschränkt, unfähig, nutzlos, abgrundtief verkommen. Ich stehe mir im Weg. Ich stehe anderen im Weg. Ich rede Unsinn und habe nichts zu sagen. Ich bin so deplatziert und überflüssig, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Heute soll ich auf eine Feier gehen, aber ich weiss nicht wie man feiert. Ich finde keinen Grund zu Feierlichkeiten, obwohl es um den Jubel der Geburt einer Person geht, die durchaus viele vernünftige Sachen gesagt hat. Aber ich denke nur an die Toten, die jeden Tag aufgrund von gesellschaftlichen Mängeln sterben müssen. Und ich frage mich, wann ich an der Reihe bin. Ich hatte Glück, dass es mich nicht so früh, wie die anderen armen Teufel getroffen hat. Aber irgendwie auch Pech, weil ich so lange auf das Ableben warten muss. Es ist absolut uninteressant darüber nachzudenken. Es ist Selbstmitleid und Verkommenheit. Belangloses Nichts. Es gibt kein Ende. Ich muss mich mit der Warterei begnügen.

Erst bemerke ich die Geistlosigkeit der Welt, der Mitmenschen und dann bei mir selbst. Ich denke, dass alles zu spät ist. Der Moment, wo ich etwas hätte ändern können, muss vor Jahren gewesen sein. Aber vor Jahren hatte ich diesen Moment in die Zukunft verlegt. Wenn ich älter bin, dachte ich, wüsste ich, was zutun wäre. Ich müsste nur, ja, was? Die Zukunft hätte es zeigen sollen, aber sie hat mir nur den stummen Schmerz gezeigt. Wenn ich zugebe, dass ich aufgegeben habe, hat das viele Konsequenzen. Ich muss den Kontakt zu den wenigen Leuten abbrechen, mit denen ich überhaupt noch spreche und denen ich zuhöre. Ich muss sie vor mir schützen. Einerseits möchte ich nicht, dass sie von mir enttäuscht sind. Aber die Enttäuschung wäre sowieso gering und schnell vergessen. Andererseits möchte ich nicht, dass ich mit meinem Scheitern ein Thema bei ihnen werde. Ich möchte einfach verschwinden. Ansatz-, erinnerungs- und wortlos. Es ist das letzte echte Bedürfnis, was mir geblieben ist. Ich will keine Rolle mehr in irgendeiner Form spielen.

Man kann aber nicht spurlos verschwinden. Ich weiss nicht wohin ich gehen soll. Ich weiss nicht wie ich leben soll. Ich habe alles probiert, was ich denken konnte. Ich bin ratlos und rastlos. Ich kann nur noch mehr Schäden bei mir selbst anrichten. Eindeutig bin ich zu beschränkt mir etwas vernünftiges aufzubauen. Ich überlege, wenn die ersten Suizidgedanken am Morgen vergangen sind, zur Lebensberatung zu gehen. Aber dort wird man mich auch wieder nur anstarren und mit Plattheiten verjagen. Ich weiss, dass die sozialen Strukturen in dieser Gesellschaft alle unterfinanziert sind und das qualifizierte Personal extrem selten ist. Ich muss die Nadel im Heuhaufen finden und das unter enormen Zeit- und Kostendruck. Ich habe noch nie eine solche Nadel in der Vergangenheit gefunden. Wenn man einen guten Rat gebraucht hat, ist er nie gekommen.

Ich habe mir verboten, zu schreiben. Aber ich habe nie aufgehört dieselben nutzlosen Gedanken zu denken. Jetzt schreibe ich sie auf und vergleiche sie. Ich vergleiche, obwohl ich schon verglichen habe. Ich sehe, dass ich dasselbe denke und schreibe, wie ich das immer tue. Und dann merke ich wieder, dass da nichts Neues entsteht. Ich drehe mich um mich selbst bis mir schwindelig wird. Und wenn ich dann umfalle, ohnmächtig werde und später wieder aufwache, dann mit dem Wunsch, das diese ewigen Wiederholungen aufhören mögen. Es ist langweilig. Ich bin so langweilig. Mir fällt nichts ein. Ich habe keine Ideen, keine Wünsche, keine Hoffnungen mehr. Aber das klagen darüber ändert nichts. Wie bin ich nur in diese Sackgasse geraten? Womit habe ich das verdient? Ich bin wohl nur noch mit Medikamenten ruhig zu stellen. Eine erzwungene Ruhe von Außen muss mich im Leben halten, – was für eine Farce. Aber ich glaube nicht, dass es solche Wundermittel gibt.

Ich warte auf ein Wunder. Ich warte darauf, dass die Zeit vergeht. Am liebsten würde ich nur noch schlafen. Der Staat und das Kapital verbietet mir das aber. Wahrscheinlich könnte ich meinen Willen durchsetzen, wenn ich jegliche Höflichkeit verliere. Ich habe dieser Feier heute auch nur zugesagt, weil ich höflich sein wollte. Aber ich habe da nichts verloren. Ich werde wieder um Optimismus ringen, um die Leute nicht zu verschrecken. Ich bin den meisten nicht plausibel. Und ich gebe ihnen recht. Ich habe kein Plausibilität in mir. Ich bin verkorkst. Ruiniert. Verloren. Verstummt. Ich habe lange darüber nachgedacht. Aber ich finde keine Lösung. Ich kann mich nicht selbst aus dem Sumpf ziehen. Und wenn man selber das nicht kann, dann kann es niemand. Niemand kennt einen besser als man selbst. Man muss schon auf Wunderheiler treffen, aber die sind in der Realität nur Scharlatane.

Ich selbst empfinde mich auch als Scharlatan. Ich habe immer so getan als würde ich leben wollen. Aber eigentlich wollte ich immer auf der Stelle tödlich zusammenbrechen. Ich habe betrogen und gelogen und zwar in dem Sinne, dass ich mir und anderen vorgemacht habe, dass ich genau so sein will, wie ich gerade bin. Ich will aber nicht. Ich will weder so noch anders sein. Ich will überhaupt nicht sein. Immer wenn man existiert, muss man etwas dafür tun. Es wird erwartet, dass für die Gesellschaft etwas getan wird. Es wird erwartet, dass für die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse, wie wohnen und essen, die man selbst ja wohl kaum per Geburt für sich hochheilig erzwungen hat, weil man so egoistisch ist, gearbeitet wird. Ich muss nutzlose, uninteressante Scheisse betreiben, die mich alles hassen lässt, weil ich existiere. Natürlicher Weise ensteht da der Wunsch nicht mehr zu leben, um die Unendlichkeit der Forderungen zu beenden.

Gleichzeitig arbeitet man nicht nur für die Bedürfnisse von sich selbst, die man nie wollte. Sondern auch für die Bedürfnisse der anderen, die man auch nie wollte. Und dann muss man noch am häufigsten zuviel arbeiten, weil man ständig über den Tisch gezogen wird. Aber niemanden scheint das ernsthaft zu interessieren. Stattdessen ist es allgemein anerkannt und wer dagegen die Stimme erhebt, der hat es eben nicht verstanden. Ich weiss nicht, da wäre ich schon ganz gern gestorben. Aber es passiert halt nicht. Am Ende werde ich 100 Jahre und vielleicht noch älter. Der älteste Mensch der Welt, in der Geschichte der Menschheit, der gleichzeitig so alt geworden ist, weil er jeden Tag sterben wollte, aber nie den Mut hatte, sich endlich aus dem Fenster zu werfen. Meine größte Angst ist, dass ich, wie die letzten Jahrzehnte, ständig denselben Tag erlebe. Jeden Tag die gleichen Gedanken, die gleichen Situationen, die gleichen Gespräche, die gleiche Hoffnungslosigkeit.

Und dann sieht man die anderen Menschen, die alle ihrer Routine nachgehen. Klar, einige sehen beschädigt aus. Aber andere sind regelrecht euphorisch und sprühen nur so vor Tatendrang in einer belanglosen Existenz inmitten eines unendlichen Universums, welches sich komplett gleichgültig gegenüber solchen Personen verhält. Sie bauen sich eine Karriere auf, ein Haus, eine Familie, einen Garten. Fliegen in den Urlaub. Musizieren. Lesen und schreiben. Alles wunderbar. Und ein paar Meter weiter bettelt einer, um eine handvoll Euro, die er von genau diesen Leuten nie bekommt. Es ist als ob die verkrachten Existenzen und die Erfolgreichen in völlig verschiedenen Welten leben. Aber tatsächlich leben sie in der gleichen. Die Bettler werden verjagt wie die Fliegen und die Erfolgreichen, die hier wohl der Scheisshaufen sind, tun so, als hätten sie nichts mit ihnen zutun. Ich habe das nie verstanden.

Alle sind immer so beschäftigt. Sie haben Projekte, Pläne und Arbeiten. Sie verdienen Geld. Aber wofür? Woher wissen sie, dass das irgendwas bringt? Ständig gibt es Krisen, Verschuldung und Hungertod. Also, das was Millionen Leute machen, funktioniert de fakto nicht. Das Problem der Gesellschaft wird immer nur vertagt. Wie die Klimakonferenzen. Jaja, es wird schon noch besser, keine Sorge. Und dann bleibt es doch so wie es ist oder ist eigentlich noch schlimmer. Viele Schwierigkeiten bestehen seit Jahrzehnten und es gibt keine große Menschenmenge, die das fundiert angeht. Es gibt nur Verzweiflung, Eitelkeit und Unfähigkeit. Die wenigen Talentierten, die nicht in diesem Sumpf untergehen, können trotz ihrer Fähigkeiten auch nichts daran ändern. Sie probieren ganz individuell Höhenflüge zu absolvieren, unabhängig vom Elend der Masse. So oder so, es bleibt wie es ist und doch ist alles viel schlimmer geworden. Ich beobachte das seit Jahren. Gleichgültigkeit produziert sich dadurch.

Selbst wenn man sich an den Nordpol in eine Blockhütte zurückziehen würde, um auf das Ende ohne ein Wort zu warten, wäre der Kostendruck und die Zukunftsangst normal. So weit ist es schon gekommen. Oder ich übersehe die Tricks und Betrügereien, die möglich sind. Ich habe Angst vor der Zukunft. Ich weiss, was auf mich zukommt. Ich will nicht, dass es auf mich zukommt. Ich will es nicht erleben. Nicht schon wieder. Aber das flehen und betteln hat noch nie geholfen. Ich könnte mich radikal verweigern und jeglichen Respekt gegenüber der letzten Person verlieren, die ich aus irgendeinem Grund nicht enttäuschen will, obwohl ich kein vernünftiges Wort mit ihr wechseln kann. Ich weiss nicht, ob eine Verweigerungshaltung überhaupt durchhaltbar ist. Der Staat kann einem zu allen zwingen. Die finanziellen Mittel werden radikal zusammengestrichen bis man nur noch Essensmarken hat. Ich bin erschöpft. Ich habe keine Kraft mehr.

Ich denke an die Leute, denen es noch schlechter als mir ergeht. Ich kann mir nicht vorstellen, wie stark sie leiden müssen. Man sieht sie. Und weiss nie, wie man ihnen wirklich entscheidend weiterhelfen kann. Es gibt nur kleine Gesten. Und das wars. Die Vernachlässigung ist so allgemein, dass sie mich erschlägt. Ich kann mir nichtmal selbst helfen. Wie konnte ich jemals glauben, dass ich etwas an dieser Welt ändern könnte? Wieso hatte ich jemals Hoffnung? Als Kind hatte ich schon ein paar Mal Suizidgedanken und habe sie verworfen, weil ich dachte, dass die Zukunft mir schon noch einen Grund zum Leben liefern wird. Ich wollte neugierig sein. Ich wollte dem Leben eine Chance geben, weil ich wusste, dass es noch zu früh ist, um es zu verwerfen. Ich hatte leise Ahnungen, wie das Leben sein könnte. Aber ich ahnte nicht, wie ich scheitern würde, wie sich alles krum und schief entwickeln würde. Wie alles zerstört wird, in sich zusammenfällt und wie darauf wiederum neue Trümmer entstehen, die dann das Leben ausmachen.

Die meisten halten sich auf Betriebstemperatur. Immer schön betriebsam sein. Pläne haben, reisen, arbeiten, feiern. Der Moment, wo man innehält, darf nicht eintreten. Wenn man das tut, so bin ich mir sicher, würde man in Selbstzweifeln ertrinken. Ich tue das gerade. Ich verstehe viel davon. Die Leute möchten sich in vielen Fällen nicht an ihre eigene Mangelhaftigkeit und Unfähigkeit erinnern. Die Sinnlosigkeit ihrer Alltäglichkeit wird von ihnen selbst in der Regel nicht ins Bewusstsein gerufen. Es wird permanent von Selbstverständlichkeiten ausgegangen, die auch tatsächlich existieren, aber nur, weil sie als solche von den Menschen selbst produziert werden. In Wahrheit gibt es keine Rationalität hinter dem Geld oder dem Staat oder dem Konzern. Es ist im Grunde eine allgemein anerkannte Lüge, die dadurch wie eine Wahrheit fungiert. Und weil das so ist, kommt das Grauen im Alltag ganz normal vor. Und es ist für die Leute auch normal, dass alles grauenhaft ist. Sie jammern und sterben ja auch den ganzen Tag. Und gelegentlich bricht Aktionismus los, der noch mehr Unsinn anrichtet.

Ab einem gewissen Punkt sehen wir alle weg. Ich sehe, dass man den Problem nicht mehr gerecht werden kann. Es ist nicht nur mein Leben, welches nur noch aus Problemen besteht. Sondern das gesamtgesellschaftliche Leben ist so. Da ist es ein Problem, wenn man nicht damit leben kann. Ich kann aus der Problematisierung dieser Lage aber auch keinen Beruf entwickeln. Ich habe es probiert. Ich habe nicht die Fähigkeiten dafür. Ich kann keine Höhenflüge vollziehen. Ich bin kein Vermittler von Lösungen und Ideen. Alles was ich beobachte, haben schon Millionen andere beobachtet. Es wurde schon von unzähligen Leuten auf den Punkt gebracht. Aber es hat nie etwas geändert. Ich denke, dass wir alle verloren sind. Manchen ist es bewusst, manche verkörpern es sogar. Ich glaube, dass Obdachlose die Verlorenheit der gesamten Welt personifizieren. Und genauso jedes verhungerte Kind. Lösungen gibt es keine. Es gibt nur die unendliche Geschichte der Jammerei und Sabbelei. Die einen kommen intellektuell, die anderen verzweifelt daher.

Ich bin unendlich müde, obwohl ich geschlafen habe. Ich werde den heutigen Tag wieder irgendwie überleben müssen. Es ist eigentlich noch einer der besseren. Ich habe mich von allem freigemacht. Abgesehen von dieser Feier. Aber der Tag ist getrübt, weil er einer der letzten seiner Art sein wird. Es sind nur noch wenige Momente bis das Geschrei wieder anfängt. Ich werde mich wieder sehr quälen müssen. Ich habe die Jobportale durchforstet und nur langweiligen und irren Schrott gefunden. Ich weiss nicht wohin mit mir. Ich kann niemanden anlügen. Ich zeige meine Verachtung und Unfähigkeit ganz offen. Ich finde mich auch nicht gut. Ich bin ekelhaft. Ich bin ohne Intension derart zugrunde gegangen. Ich hatte ein paar Chancen im Leben. Aber ich konnte sie nicht ergreifen. Sie erschienen mir nicht richtig. Aber hätte ich sie ergriffen, würde es mir wahrscheinlich jetzt besser gehen. Oder auch nicht. Vielleicht wäre ich schneller verbraucht gewesen. Ironischer Weise war das, was ich immer gehasst habe, was mich ruiniert hat, noch das beste, was ich je kriegen konnte. Man kann immer noch tiefer sinken im Leben, daran hatte ich nicht gedacht.

So gerne würde ich spurlos verschwinden. Aber es gibt immer einen Preis den man bezahlen muss. Und er ist zu hoch. Jetzt muss ich mich wieder mit Durchhalteparolen begnügen. Mir fallen keine ein. Ich überlebe wohl nur, weil ich so vieles vergesse. Ausblenden, verdrängen, verleugnen, vergessen. Es ist wirklich alles weg. Alles was ich mal sein wollte und was ich mal war. Alles was vielleicht mal liebenswert oder bemerkenswert war. Ist verschwunden. Unrettbar vergangen. Ich denke, wenn man irgendwann diese Zeilen jemals finden sollte, wovon nicht auszugehen ist, dann wird einen nicht wundern, warum ich verschwunden bin. Denn im Grunde war ich nie wirklich da. Ich hatte vielleicht Milisekunden. Momente, in denen ich jemanden was bedeutet habe und wo ich ähnlich empfand. Aber es hat sich sofort wieder relativiert und ist in Vergessenheit geraten. Es gibt ja immer andere, die mehr von allem bieten. Oder so glaubt man, oder so glauben andere. Was können Menschen schon einander geben? Ich habe nie einen Halt in ihnen gefunden.

Ich war so naiv zu glauben, dass ich in diesem Leben ankommen würde. Ich weiss gar nicht, ob ich wirklich daran gelaubt habe. Ich habe es mir wohl eingeredet und vorgemacht, um überleben zu können. Ich muss mich zurückziehen aus der Politik. Sie macht mich krank. Ich muss mich zurückziehen aus der Ökonomie. Sie macht mich krank. Aber wohin? Ich muss Rechnungen bezahlen, ob ich will oder nicht. Also möglichst alle Kosten reduzieren und dann..? Ich habe zuviele Kosten. Ich bin zu teuer. Es ist nicht zu glauben. Man kann sich nicht so klein machen, dass man überleben kann. Und trotzdem wird man ständig übersehen, wenn man Hilfe braucht. Andererseits, wenn man zahlen soll, dann sieht einen jeder. Jeder verlangt etwas, aber zurück kommt in der Regel nie etwas. Ich stecke in dieser Sackgasse fest, in die ich mich aus Verblendung selbst hineinbewegt habe. Die Verblendung hat immer noch eine gewisse Berechtigung, sie enthält schliesslich die Hoffnung auf ein besseres Leben. Aber die Realität ist: Dieses bessere Leben wird nie eintreten.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Emotionales

Eine Antwort zu “Zerstreuung & Zerstörung

  1. Ich mag, wie du schreibst

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