Gewissheiten

Geboren in einem Land, das nicht mehr existiert. Geboren worden aufgrund einer Liebe, die nicht mehr existiert. Großgezogen worden in einer Familie, die nicht mehr existiert. Geliebt worden von einem Menschen, der nicht mehr existiert. Geflohen über sämtliche Grenzen. Nie angekommen. Nie willkommen. Nie erwartet irgendwo anzukommen. Und den Schmerz angenommen wie Atemluft. Schlachten verloren. Leben als Scheitern. Schon als Kind schmeckte alles nach Blut. Jeder Schritt auf Treibsand. Erstickendes Gas zwischen Autobahn und Flughafen. Zwischen Schule und Industriegelände wirkt nur die Herabsenkung lebendiger Anteile. Lebensrealität als Alptraum. Zwischen den Stühlen bis in alle Ewigkeit. Trägheit, Trübsal, Irrsinn und Verwirrung. Und wenn verloren wird ohne zu kämpfen, dann ist jeder Schlag tödlich. Doch die Existenz geht weiter. Ob es grausam ist oder nicht. Es findet statt. Nicht gehört werden, nicht die Worte finden, die Laute vergessen und schliesslich komplett auflösen. Schikanen voller Minenfelder. Taumelnd durch Ruinen. Immer die gleichen Wiederholungen. Jahre hätten ausgelassen werden müssen. Das Alter, Fettwerden, gefaltet werden im brennenden Alltag. Versteinert werden. Betrogen werden. Versunken im Ersticken. Im nahtlosen Versinken. Schläge aus dem Nichts. Explosionen aus dem Nichts. Es regnet Leichen und man applaudiert. Generation Blut. Hoffnungslos. Ahnungslos. Taubstumm. Grau voller Rum. Hätte mir was anderes gewünscht. Unbestimmbar.

Es ist entlarvend. Keine Richtung zu sehen. Keinen Weg zu kennen. Freier Fall. Abgetrieben auf unbekannten Gewässern. In Trümmern geschlagen. Überhaupt vernichtend geschlagen. Kraftlose Mutlosigkeit. Besinnungslose Dummheit. Trockene Verwüstung. Verwüsteter Schwindel. Schwindelige Müdigkeit. Unentrinnbares Chaos. Chaotische Ordnung. Permanente Umwälzung für die Etablierung des zerstörerischen Status Quo. Unbewusste-bewusste Evolution der personfizierten Involution. Vergessen im Erinnern. Erinnern im Vergessen. Zerfallen ohne zu bestehen. Brennen von allen Seiten. Bestehen für das Nichts. Sich selbst verwandeln in das Nichts bis man selbst alles ins Nichts verwandelt. Wunschloses Unglück. Begriffslos sprechend. Nichtssagend agierend. Verwirrend gesprochen. Unintendiertes Unheil. Potenzierung des Elends mit der Routine der Alltäglichkeit. Beliebiges Schicksal. Umsonst gelebt. Umsonst verschwendet. Verschwendet um verworfen zu sein. Grundlos. Ursache der Existenz nur in Beliebigkeit gegründet. Die Beliebigkeit der zufälligen Liaison. Alkohol blutete das Leben nicht weg. Es existierte. Schroff. Unbarmherzig. Unkraut, das nicht vergeht. Auf dem Wüstenplanet. Das Minenfeld der matten Glücklosen in alpraumartigen Grauklötzen besteht in ihnen, wenn sie sprechen und agieren. Es interessiert sie nicht. Nichts ist von Interesse. Irrtümer, Katastrophen, Wahnsinn und Traumlosigkeit in den Sümpfen der Ewigkeit. Das Los ist ein endloser Marathon durch das sauerstofflose Pech. Gluckernde brennende schwarze Straßen brennen sich ins Gemächt. Das Gehirn schmilzt und gerinnt durch die Augenlöcher in den Dreck. Es kann niemand hören. Nichts findet Gehör. Köpfe platzen. Pickel platzen. Eis platzt. Das Packeis packt alles ins weisse Grell, zerschneidet in Hell, was nicht schnell verwelkt. Und was hell, das ist Blitz. Atombombenblitz. Der letzte Pilz. Zischen. Dröhnen. Klappern. Überrollt werden. Alles fährt weiter. Zieht weiter. Der Schmerz zieht weiter tief in die Seele. Kriecht in die letzten Winkel und frisst das Leben auf. Eitert jede Fläche voll und platzt in Blutgedärmen heraus in das gesellschaftliche Nichts aus Kälte, Abgasen und Sachzwängen. Keiner liest das, keiner sieht das. Die Treppen sind aus Leichen. Sie ebnen teamfähig den Weg zur Eigentumswohnung. Das war schon bekannt. Es gehört zu jeder Kindheit. Das Bluten. Das Eitern. Das Zertrümmern. Das Vergessen. Das Versteinern. Darin gefällt man sich. Darin verbrennt man sich. Das Brennen. Das Scheitern. Die Gewissheit sich zu demolieren und zu ruinieren je weiter die gesellschaftliche Lebenszeit voranschreitet. Da ist keine Hoffnung, kein Gedanke, kein Gefühl, kein Moment. Das Nichts ist nicht nichtig genug. Es ist noch weniger als nichts. Die Zeit heilt alle Wunden, weil sie woanders Wunden blutig schlägt und nicht jede Wunde offen und salzig halten kann. Ich habe gelacht, ich habe gedacht, gegessen, geschlafen und geraten. Es ging nicht anders. Das Leben ist ein Verhängnis. Unentrinnbar. Verwoben im strömenden Fluß der ambivalenten Gleichgültigkeit. Der Zynismus der Verhältnisse ist Wesenskern der Individualität. Unermessliches Leid steckt in jeder Lebenssekunde. Die Unendlichkeit des Sternenhimmels wirkt klein dagegen. Undenkbar was Schmerz bedeutet. Wir schwimmen darin und sind daraus hervorgegangen. Bringen es hervor, weil wir uns bewegen. Das Leben ist eine Wunde und sie ertränkt mit ihrem Blut. Gebrochen erbrochen. Versprechen gebrochen. Es sind nur noch Scherzgedanken möglich. Nichts funktioniert mehr. Alles ist der Lächerlichkeit preisgegeben. Bedeutung findet nur noch im Witz statt. Die Existenz bewegt sich wie ein Idiot im Kreis. Jahrhunderte an einer Stelle wird sich gedreht, um die eigene Achse. Es ist unbekannt, was relevant ist. Das festhalten aneinander zieht in die Tiefe. Aber allein ist die Tiefe gleichgültig ähnlich vorhanden. Sachlich notiert. Abwartend. Es passiert nichts. Es gibt keinen Unterschied. Stabilität existiert in der Krise nur die Schwerkraft.

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Eingeordnet unter Emotionales, Nicht kategorisiert

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