Don’t be afraid. We are all gonna die anyway.

Keine Sekunde darf ein Gedanken darüber verschwendet werden, was andere Menschen über einen denken könnten, wenn man bestimmte Dinge tut oder sagt. Grundsätzlich ist es daher gefragt, möglichst radikal den eigenen Impulsen nachzugehen und ihnen bestmöglichen Ausdruck zu verleihen. Die Angst vor Ablehnung oder Respektlosigkeit ist wie jede Angst letztlich irrational, auch wenn in Gefangenschaft dieser Angst, das nicht direkt auffällig wird. Wir leben in einer Abfolge von Generationen, die den Zerfall und Verfall erleben, leben und reproduzieren. Davon ist niemand frei.

Es ist entscheidend, die Kritik hieran zu maximieren, um sich nicht mit diesem Falschen gemein zu machen. Der Preis ist mit aller Wahrscheinlichkeit, dass das blanke Unverständnis von tausenden Leuten einem entgegenschlägt, schliesslich ist es normal den Alltag hinzunehmen, die Lohnarbeit zu absolvieren, sich einzurichten in den Katastrophen. Freilich gibt es gar keine andere Möglichkeit als sich zu arrangieren, um nicht direkt den Suizid zu vollziehen. Als Konkurrenz- und Rechtssubjekte sind wir ohnehin funktionalisierte, funktionalisierende Objekte, die eingerichtet sind in die Kapitalverwertung und richten diese zugleich aus. Daraus entflieht keiner, egal ob jemand nun in Bangladesh Fußbälle für ein paar Cent zusammen näht, Milliarden auf den Bahamas-Inseln zählt oder in einem besetzten Haus kiffend Fußball guckt. So divers wie die Erscheinungsformen des Lebens sind, so monoton ist ihr Wesen. Das scheinbar Intakte ist nur Ausdruck einer Trägheit von Krise, die sich noch nicht an diesen konkreten Punkt innerhalb einer Beziehung oder Identität durchgeschlagen hat. Allerdings ist nicht, wie es im Titel dieses Textes scheinbar anklingt, von Fatalismus auszugehen, wenn man die Gewissheit hat, dass alles tödlich enden wird, sondern vielmehr für die Zeit und Momente zu streiten, die bis zum Tode möglich sind. Insbesondere geht es um die Potenz nachfolgender Generationen, die sich mit den katastrophalen Folgen der jetzigen Katastrophen herumschlagen werden müssen. Insofern ist die Verantwortung für die Radikalität der Kritik stark intersubjektiv und abstrakt. Konkret dankt einem keiner, wenn man Kategorien und Sozialverhältnisse wie Wert, Gender, Staat, Kapital, Nation, Religion, Lohnarbeit als irrsinnigen Unsinn kritisiert und zurückweist. Es ist allerdings historische Pflicht auf deren Überwindung zu zielen und hinzuarbeiten.

Der Preis für diese Haltung darf nicht unterschätzt werden. Die Folgen können jahrzehntelange Einsamkeit, Armut und kräftezehrende Kämpfe ohne Aussicht auf Erfolg sein. Es gehört zur Historie der Linken grundsätzlich zu Scheitern. Die Auseinandersetzung mit komplexer Theorie verschlingt Jahre bis irgendeine halbwegs gesicherte Erkenntnis möglich ist und selbst dann ist sie womöglich schon wieder veraltet. Auch hier liegt erneut ein Grund vor möglichst radikal vorzugehen und schon beim Einteilen des Alltags keine Kompromisse mehr zu machen. Wer die Theoriearbeit vernachlässigt, vernachlässigt die Menschwerdung der Zivilisation. Die Menschheit befindet sich in der Pubertät und dementsprechend sind die Vorwürfe ihrer einzelnen Exemplare in den meisten Fällen nicht dringlich wahrzunehmen. Die ganze psychische, kognitive bzw. intellektuelle Konstitution des Subjekts wohnt im Zerfall und Verfall, denn die Fähigkeit eines vernünftigen Realitätssinn kann nicht auf der Grundlage von permanenter Mobilmachung für die Kapitalakkumulation gedeihen, auch wenn der produzierte Überfluss eine Dynamik der Möglichkeit zur radikalen Veränderung dieser unmündigen Verhältnisse enthält.

Fehler werden andauernd gemacht. Keiner ist frei von Mängeln. Perfektion wäre Ausdruck von Unmenschlichkeit. Daher darf man sich die eigene Mangelexistenz zugestehen, aber sollte sie zugleich nicht idealisieren. Also keine Angst vor Fehlern, sie sind vielmehr Wegweiser zur wünschenswerten Realität. Die Menschen vergessen einen ohnehin laufend. Sie nehmen häufig nicht einmal Notiz von sich selbst. Alle sind sich fremdgeworden und bluten aus sich heraus. Die Unzuverlässigkeit und Oberflächlichkeit menschlicher Beziehungen resultiert vornehmlich daraus, dass sie dem Kapitalprozess anhängen. Der Zerfall von Empathie und Intellekt kommt daher, weil dieses Vermögen ausschliesslich auf einen monotonen Zweck zugerichtet wird. Generation für Generation war das Wirtschaftswachstum der größte und einzige Imperativ. Alles andere zog sich dem nach. Häufig werden technologische Faktoren wie Smartphones für die Unfähigkeit zur Zwischenmenschlichkeit angeführt, aber das verkennt den inneren Gehalt unserer Gesellschaft. Die sich permanent überschlagende und umwälzende Politökonomie geht von den Individuen aus, die sich damit zugleich ebenso permanent zerstören und für neue Anforderungen der Wertverwertung modernisieren. Dass der Mensch sich permanent selbst verdinglicht und damit die ganze Identität auf eine Maschine reduziert, erzeugt u.a. permanent psychische Gebrechen. Depressionen und Burn-Out gelten als Massenphänomen, aber es gibt auch mildere Subformen davon, die man logischerweise als noch weiter verbreitet vermutet werden können. Auch hier ist wieder ein Argument zu finden, warum man sich nicht von anderen Menschen nicht abhängig machen kann. Ihre Urteile und Verurteilungen beruhen nicht nur auf Antiintellektualismus und Zivilisationsfeindschaft, sondern auch auf Verzweiflung und Regression. Wer diesen Irrationalismus Ernst nimmt, ist selbst Teil davon und wird entsprechend nie wieder glücklich im Leben, obschon Glück ohnehin eine generelle Marginalität ist.

Ohne Distanzierung von der allgemeinen gesellschaftlichen Realität zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, wird auch keine radikale Kritik an ihr möglich sein, weil die Lohnarbeit den Intellekt genauso korrumpiert wie das emotionale Gefüge. Lohnarbeit macht dumm und krank, raubt wertvolle Lebenszeit, wenn nicht gerade das seltene Glück getroffen wurde, von der Kritik monetär leben zu können. Und selbst dann besteht die Gefahr, dass aus Existenzängsten oder ökonomischen-politischen Krisen heraus eine Kündigung droht und daher eine Anpassung also Beschneidung der radikalen Kritik erfolgen muss. Niemand kann einem irgendetwas garantieren. Jeder ist austauschbar. Alle sind abhängig von der Kapitalakkumulation. Es gibt keine Autonomie davon. Permanent ist mit einer enormen Unreife des Geistes und der Tat zu rechnen, die von einem selbst aber auch anderen performativ mehr oder weniger streng und heftig realisiert wird. Selbsterkenntnis bedeutet auch Selbstzerstörung im Sinne von Vernichtung der persönlichen Illusionen, was harte, undankbare Arbeit bedeutet. Wer sich selbst der Illusionen beraubt, der steht ungefiltert einer grauenhaften Realität gegenüber, die allgemein stets verklärt wird. Die lohnende Qualität hierin liegt ausschliesslich darin, dass bei Fortsetzung dieser Tätigkeit eine aufklärende Erklärung ausgebreitet werden kann, die auch andere Menschen inspiriert, diesen Prozess bei sich anzugehen, was letztlich soziale Realität wandeln wird. Allerdings ist das eine sehr romantische Vorstellung, die selbst eingestehen muss, dass das Jahrzehnte andauert, keine Garantien enthält und zugleich permanent bedroht ist von der krisenhaften Alltäglichkeit von Identität bis Kapitalverwertungsprozess.

Der allgemeinen Unkenntnis, dem permanenten Vergessen wohnt auch das Glück inne, sich davon loszulösen und innerhalb von deren blinden Flecken eine Existenz zu fristen, die sich bei entsprechender Hingabe nahezu komplett davon distanziert. Es wird zwar immer ein Restbestand von ekelhafter Instrumentalität und Formalisierung in der eigenen Identität und Realität existieren, aber man kann diesen über Kritik unschädlicher machen, als wenn man sich ohnmächtig ergibt, wie es die breite Masse der Individuen in der Wirtschaft, Politik, Kultur, Kunst, Sport und diversen anderen Segmenten der Gesellschaft unternehmen. Der Konformität aller wohnt auch ein Zauber zur Revolution inne, den es zu erlernen und vollführen gilt.

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