Wie könnte eine bessere Welt aussehen?

Es gibt nicht zu Unrecht eine Art Bilderverbot bzgl. des Kommunismus, weil eine Ausmalung einer Utopie bloss dazu führt, dass man sich nicht mit der Kritik der Verhältnisse abgibt und dabei davon absieht, warum bestimmte Bedürfnis- und Gesellschaftsstrukturen zu der desolaten Gesamtsituation beitragen, sie ermöglichen und fortsetzen.

Aber wie könnte Utopie aussehen, wenn man das mal ignoriert? Was wäre, wenn die halbe Welt im Generalstreik stünde und kurz davor steht, die kapitalistische Produktionsweise zu stoppen?  Die Streikenden müssten ziemlich schnell eine Produktionsweise etablieren, die auf Bedürfnissen und Gebrauchswerten beruht. In der alle Bedürfnisse, die niemanden (ungewollt) verletzen. Wenn man Lust auf einen Schokoriegel hat, dann  müsste in der kommenden Gesellschaft nicht Geld, Kapital, Staat, Wert, Tauschwert, verschiedene Fetschismen wie Arbeitsfetischismus daran maßgeblich beteiligt sein, wie dieser zustande kommt und zur Befriedigung des Konsumenten führt. Die Zeit, Arbeitsteilung und Qualifikation müsste genauso eine bedeutende Rolle spielen, wie die neue Operationalisierung der Verteilung und Produktion von Waren. Die Menschheit müsste zum ersten Mal bewusst ihre Gesellschaft gestalten: Dies setzt voraus, dass jeden Tag geprüft wird, ob man die Bedürfnisse genug befriedigt und die Gebrauchswerte genug Qualität und Quantität besitzen. Das wäre also so eine Art alternativer Prüfung der eigenen betrieblichen Tauglichkeit: Schmecken die Schokoriegel und bilden sie die gesamte Palette von Geschmäckern ab, die niemanden in einer Art und Weise schädigen, wie es gut für ihn oder sie ist.

Man müsste ebenso schauen wieviel Arbeitszeit braucht man in der neuen Gesellschaft und den neuen Bedingungen von Produktivität, die sich nicht mehr dem Konkurrenzkampf, Leistungsdruck unterwerfen, wie es unter dem Kapitalprinzip wäre, sondern unter dem Diktat der Bedürfnisse. Zugleich beruht die Befriedigung der Bedürfnisse und die Ausbildung der Gebrauchswerte nicht mehr auf Gewalt, sondern auf Vertrauen und Solidarität. Wir waren schon immer aufeinander angewiesen, haben das aber in den aller seltensten Fällen gelebt. In dieser neuen Epoche wäre genau das nun aber bewusst zu leben. Wir alle wollen ein Höchstmaß an Befriedigung erfahren, dazu brauchen wir Gebrauchswerte und dazu ist die schnellsmögliche Abwicklung der notwendigen Arbeitszeit zur Reproduktion der Reichtümer offensichtlich. Unser neuer und zentraler Ansporn die Arbeit zu erledigen ist demnach nicht Zwang, sondern Genuss. Produktivität geschieht nur noch unter dem Maßstab des Lustgewinns. Wir verzichten also nur noch dann auf Lust, Freizeit usw., um mehr Lust und Freizeit zu produzieren, z.B. wenn wir Schokoriegel zu produzieren, die wir hinterher genüsslich verzehren oder Maschinen produzieren, die wir hinterher zur Reduktion der generellen Arbeitszeit einsetzen können.  Damit also das Leben generell immer besser werden kann, müssen wir aktiv daraufhin arbeiten und die gesamte Ordnung der Gesellschaft darauf ausrichten. Oberste Priorität für die Gesellschaft hat der Schutz von Kindern, Frauen, Älteren und Erkrankten. Ressentiments müssen sensibel beachtet und sinnvoll mit psychotherapeutischen Mitteln geheilt werden. Die Entfernung der Notwendigkeit von Profitabilität öffnet den Raum für bislang ungeahnte Zuwendungen gegenüber allen benachteiligten Gruppen, weil die Reichtümer und Produktivkräfte auch dorthin fliessen, wohin sie Aufgrund der Profitgrenze nicht gelangen durften.

Der Kapitalismus bietet einige Erfahrungswerte, die uns in der neuen Zeit nützlich sein werden. Empirische Methoden bieten die Möglichkeit neue Vertriebsmöglichkeiten zu entwickeln. Ein zentraler Punkt ist nämlich die Frage, wie wir Milliarden Güter mit Milliarden Konsumenten möglichst schnell, hochwertig und nachhaltig zusammenbringen können. Denkbar wäre soetwas wie eine globale Webseite mit gewaltigen Datenbanken, die die Bedürfnisse der Leute aufnimmt und an die Produzenten weiterleitet, sodass am Ende eine schnelle Lieferung erfolgt. Heute kennen wir das als Amazon.com nur eben mit den falschen Produktionsverhältnissen mit Gewalt, Zwang und Ausbeutung. Die Verbindungslinien der Datenbank könnten also global und lokal gleichermaßen dicht gesponnen sein, sodass nie eine Versorgungslücke entsteht, Planbarkeit für Produzenten und Konsumenten zu jeder Zeit existiert. Die neuen Geldscheine müssten Zahlen enthalten, die z.B. für den Zeitaufwand oder eine gewisse Kategorie von Zeitaufwänden sprechen. Jeder Mensch ist Anteilseigner an den Reichtümern der Welt. D.h. Ein Mensch erhält mit wachsendem Alter per se immer mehr Anteile am gesellschaftlichen Reichtum, weil wir generell davon ausgehen, dass er eine Bereicherung darstellt, sodass immer ein Minimum an Anteil vom Reichtum der Gesellschaft vorhanden ist, egal ob er nun arbeitet oder nicht.  Hungertod, Tod durch verdursten oder fehlender Medikamente ist damit abgeschafft. Für bestimmte notwendige Arbeiten, die z.B. keinen hohen Qualfifizierungsgrad erforden, wäre es denkbar, eine Art Lotterie einzuführen, sodass diese nach dem Zufallsprinzip bei täglichen oder wöchentlichen Wechsel vollzogen wird. Unangenehme Arbeiten könnten davon betroffen sein, die noch nicht von Maschinen geleistet werden können.

Das Prinzip der neuen Zeit sollte für jedes Kind verständlich sein. Wenn jemand etwas will, dann kriegt er es. Und er kriegt es deshalb, weil wir generell alles produzieren, was gewollt wird, solange es Umwelt, Tiere oder Menschen nicht schädigt. Assoziativ, netzwerkartig organisiert sich angesichts der angemeldeten Bedürfnisse eine neue Gesellschaft und Rationalität aus. Sowohl Grundbedürfnisse als auch Spezialbedürfnisse werden sowohl aufgrund ihrer Notwendigkeit als auch aufgrund ihres Lustgewinns Geltung erhalten. Dies ist das Geschenk der Produktivitätskraft, die Millionen von Menschen über Generationen hinweg hervorgebracht haben. Ihnen verdanken wir die Gelegenheit zur Realisierung des Pardieses. Ohne gelebte Empathie wird dieses System nicht möglich sein und es stellt sich die Frage, wie mit Mängeln, Gewalt und dergleichen umgegangen werden kann. Die Räte, die sowohl in Produktionsstätten, Gemeinden usw. existieren, müssten einerseits jederzeit abwählbar sein und andererseits eine Kontrollfunktion darstellen. Sie müssen sicherstellen, dass die Macht auf alle Individuen geteilt wird, sodass alle Individuen die Verantwortung übernehmen können, die ihnen von Geburt an zuteil wurde. Jeder Mensch hat sein Leben ganz zu leben. Kein Mensch darf über den anderen stehen. Es kann nur eine kurzfristige Autorität geben, die z.B. aufgrund von Qualifikation über dem anderen steht und in bestimmter Funktion eine Weisungsbefugnis hat. Ein Kind kann in der Regel nicht darüber befinden wie der Bau eines Wasserkraftwerkes modernisiert werden kann. Die Räte müssten sich also permanent selbst reflektieren, so wie die Menschen auch, sie müssten permanent überprüfen, ob der Aufbau und die Realität dem Wunsch entspricht, dass alle frei sind.  Die Menschen, die arbeiten, müssen die Gewissheit haben, die auch der Realität entspricht, dass sie andere Menschen mit ihrer Arbeit befriedigen und das diese Menschen ihrerseits wiederum daran arbeiten, sie zu befriedigen. Das klingt nach einer Orgie und so soll es auch sein. Natürlich hat jeder die Gelegenheit frei zu wählen, wo, wann, wie, was geschieht.

Es kommt darauf an den Gebrauchswerten und Bedürfnissen gerecht zu werden. Der Zeitaufwand zur Herstellung bestimmter Produkte dürfte eines der wichtigsten Kriterien werden, um die Gesellschaft sinnvoll zu strukturieren. Die Wachsamkeit der konkreten Produzenten wird dafür sorgen, dass die notwendige Arbeit verrichtet wird, damit die Gesellschaft sich derart reproduzieren kann, dass ihr Reichtum an Bedürfnisbefriedigung nicht geringer wird. Das Diktat der notwendigen Arbeit ist der wirkliche Ernst des Lebens vor dem wir uns alle beugen müssen. Das wäre sozusagen etwas für die neuen Schulen, sie sollen lehren, was logisch ist: Wir müssen bestimmte Strukturen aufbauen und pflegen, damit wir geniessen können. Die gute Nachricht ist, dass der Ernst des Lebens sehr viel geringer gehalten werden kann, wie gegenwärtig, denn die Produktion orientiert sich an uns und nicht an einem unersättlichen blinden Prinzip, an dem nur eine Minderheit profitiert. Die Bindungskraft an der neuen Produktionsweise wird von Generation zu Generation stärker sein und das noch Frische, Unvertraute zur Normalität machen. D.h. für uns wird es am schwierigsten die neue Zeit zu etablieren, weil wir die Verwerfungen der alten in uns tragen, und so stellen wir entsprechende Ruinen der Vergangenheit dar, die bald von den neuen Generationen mit saftigen Grün überwuchert werden. Möge unser grässliches Zeitalter in diesem neuen Licht in Vergessenheit geraten und sich nie wieder wiederholen.

Ergänzung – 10.07.16: Die Verdinglichung muss für die Menschen arbeiten. Es müssen Verwertungsschlüssel gefunden werden, die Zweckrationalität und materialistische Rationalität als Nervenpunkte inne haben. Dem gegenwärtigen kaufmännischen Minimal-Maximal-Prinzip müsste anstelle der reinen Zweckrationalität nach Profitmaximierung eine Neudefinition erfolgen, und zwar, dass das Handeln und Streben ausschliesslich zur Bedürfnisproduktion eingesetzt wird. D.h. Es wird nach dem minimalsten Aufwand in der Produktionssphäre gesucht, um maximal den eigenen Bedürfnissen bzw. der Befriedigung der Bedürfnisse nachgehen zu können. Um die Bedürfnisse also stärker befriedigen zu können, muss die Gesellschaft von einer Rationalität durchzogen werden, die diesen Zweck assoziativ unterstützt, fordert und belohnt. Die Menschen müssten über die operative Reproduktionsarbeit zwischen erster und zweiter Natur darauf hinarbeiten, dass sie immer weniger arbeiten müssen, um mehr Reichtum zu geniessen. Entscheidend ist der Verteilungsschlüssel. Er muss den Anteil eines Individuums an der Produktion enthalten, die aktuelle Produktivkraft der Gattung und die gegenwärtigen Bedürfnisse der Individuen transparent kommunizieren und operationalisieren.

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