Sprengt die Lohnarbeit!

Arbeiten bedeutet Gewalt erfahren. Die Zurichtung der eigenen Persönlichkeit geschieht über den Inhalt der Tätigkeit. Der Diebstahl von Lebenszeit, die Entfernung jeglicher Kontrolle über das eigene Leben, die Verewigung der Abhängigkeit von einem Prinzip, dass man automatisch und blind bestätigt, wohnt jeder Arbeitsstelle inne. Was getan werden soll bestimmt der Chef und was der denkt bestimmt der Markt und was der denkt ist die Kapitalverwertung und die hat nur sich selbst im Sinn, aber nicht die Menschen samt ihrer Bedürfnisse. Das Skandalöse an unserer Wirtschaftsform besteht also in der Abgabe von Leben für ein selbstreferentielles, anonymes und abstraktes Herrschaftsystem, welches niemand steuert. Lediglich die wenigen Eigentümer von hohen Mengen von Kapital oder Firmen können in die Nähe von Nutznießern dieser prekären Lage gerückt werden, aber auch sie müssen sich permanent der Profitabilität gewahr sein, sofern sie mit ihren Vermögen nicht in Frührente gegangen sind.

Die Lohnarbeit übt eine strukturelle Gewalt auf jeden Menschen aus. Sie zerstört die Fantasie, sie macht krank, sie raubt einem die Zeit, die Nerven, die Gesundheit und sie hört niemals auf. Sie ragt in alle Lebensphären hinein und katalogisiert, kategorisiert, verwertet alles. Die Schönheitsideale rühren daher genauso wie die vollen Fitnesscenter oder Universitäten. Die arbeitsgeile Welt vergisst sich selbst im Schweisse ihres Angesichts. Dass die Menschen sich mit ihrer täglichen Lohnarbeit ins eigene Fleisch schneiden, verdrängen sie mit größter Hingabe. Das Hangeln von einer zur anderen Freizeitbeschäftigung, soll die Reproduktion der eigenen Arbeitskraft sichern, sodass es für ein weiteres Quartal reichen möge. Die apathischer Warterei auf den großen Knall, dass man sich vor der Massenvernichtung vielleicht noch hinwegducken kann, macht die totale Teilnahmslosigkeit gegenüber das eigene Leben, aber auch das der anderen aus. Der Lebensinhalt wird bestimmt von der Verwertbarkeit der eigenen Tätigkeiten und Gedanken. Die Menschen sind nicht geboren. Sie sind nur Zuchtmeister, Arbeitskraftbehälter, zerrissene, zerschlissene, erstarrte Drohnen deren Programmierung das Kapital vorgenommen hat.

Die gesamte Gesellschaft ist trotz ihres betriebsamen Lärms von einer Friedhofstille eingenommen, die nach Tod riecht. Unsere Weltordnung beruht auf Leichenschmaus und Kannibalismus, der Konkurrenzkampf und Leistungsdruck ist der direkte Ausdruck davon. Wer nicht arbeitet stirbt. Wer arbeitet stirbt, – aber etwas später. Und die Angst, dass es sie früher erwischen wird, wenn sie Widerstand leisten, lässt die Menschen mitmachen. Das ist kein Ausdruck einer lebendigen Welt, die sich ihren Ängsten, Verdrängungen und Verwerfungen stellt. Es ist eine verlogene Welt, die dringend zugrunde gehen will bevor irgendjemand ihr den Spiegel vorhält. Und jener, der versucht diesen Spiegel zu halten wird eilig bestürmt und zunichte gemacht. Die Feldherren des Kapitals werfen schnell ihr Napalm auf Dich, damit ihre Autorität nicht untergraben wird. Die Maschinen müssen laufen, die Menschen müssen darin zugrunde gehen, etwas anderes hat diese Gesellschaft nicht als Substanz.

Und doch bringt sie das Potential mit, was ihre Produktivität angeht, dass sie die Grundlage für eine bessere Gesellschaft bietet, in der der Mensch angstfrei verschieden sein kann und dem Müßiggang nach gehen kann. Dieses gilt es zu betonen, auch wenn das bedeutet, dass die Lohnarbeit zu meiden ist, um die eigene Fantasie und Intellektualität zu bewahren, Armut und sozialen Abstieg, Peinigung, Ausgrenzung, Einsamkeit et cetera zur größeren Alltagserfahrung werden als ohnehin schon. Die Unerträglichkeit der Welt muss zu einer unerträglichen Kritik führen, die diejenigen, die diese Welt unerträglich machen, ihrer eigenen Unerträglichkeit überdrüssig werden lässt. Die Selbstreflexion muss gegenüber der Resignation angespornt werden. Die Menschen müssen verstehen, dass sie die Welt bereits aktiv gestalten nur eben nicht so wie sie sie gerne hätten. Die Bewusstlosigkeit gegenüber den konstitutiven Momenten der Gesellschaft, muss der bewussten Gestaltung der Gesellschaft weichen. Ein erster Schritt wäre die Einsicht, dass die Lohnarbeit eine Katastrophe gegen die Menschheit ist, die sie sich selbst angetan hat.

Es wird unerbittliche Kämpfe gegen die Interessenten an diesen Zuständen geben müssen. Das Interesse der Lohnarbeiter liegt unbestritten in der Abschaffung der Lohnarbeit, weil sie ihrer Entfaltung im Wege steht. Die Kapitalverwertung zerstört uns alle. Sie zerstört die Umwelt und die Tierwelt. Sie fördert nur Kapitalverwertung und sonst nichts. Aber wir müssen uns selbst fördern, wir müssen uns entfalten können und uns selbst genügen. Wenn jeder gegen den anderen konkurriert, wird jeder blockiert und das Recht des Stärken und der Gewalt herrscht. Daher ist dieser Zwangszusammenhang zu durchbrechen zugunsten einer möglichst geteilten Machtstruktur, die die Verantwortung allen Menschen in individueller Form zukommen lässt. Die einzige Perspektive liegt in einer selbstorganisierten polit-ökonomischen Bedürfnisstruktur, die sich auf Gebrauchswerte und die Menschen konzentriert. Das oberste Diktat ist also die Befriedigung von Bedürfnissen und nichts anderes. Das Ziel muss die Reduktion von notwendiger Arbeit sein, damit maximal gelebt werden kann.

Hierzu müssen wir radikale Räte bilden, die die Lohnarbeiter entsprechend auf die Umstände ihrer Unfreiheit solange hinweisen bis sie die Lage verstehen. Der Generalstreik vollzieht dann das endgültige Ende der bisherigen Eigentumsverhältnisse. Der Staat wird etwas dagegen haben, aber auch der kann schnell aufgelöst werden, wenn jeder einsieht, dass dieser nur eine Clique aus Schlägertrupps enthält, die das Falsche stützt. Eine besondere Frage wird sein, wie die Gewaltenteilung fortgesetzt werden kann, wie gegenwärtige sinnvolle Rechte bewahrt und durchgesetzt werden können, obwohl die Angst vor der staatlichen Autorität fehlt. Bevor also praktisch etwas bewältigt wird, muss die Gewaltfrage simultan zur Eigentumsfrage gestellt werden. Außerdem: Wie können die Güter fair, effizient ohne den Zwang der Kapitalverwertung an jene gelangen, die ihrer am dringensten bedürfen?

Ungeachtet dieser schwierigen Fragen, die unbedingt vorher genau diskutiert werden müssen, ist es unabdingbar, dass die Menschen sich ihren Ängsten stellen. Nur wenn sie die Ursachen der Angst kennen, können sie die Angst loswerden und endlich das Leben angehen, ohne stets eingeschränkgt, gehemmt, geängstigt, niedergehalten, zerstört zu werden. Wer die Lohnarbeit nicht bekämpft verewigt sein Elend, versteinert überhaupt jeden Wahnsinn, der momentan für absolute Normalität und Notwendigkeit gehalten wird, obwohl sich dieser nur durchhält, weil die Menschen sich aus Angst und Identifikation mit dem Aggressor, dem Falschen nicht um die Ursachen ihres Leidens kümmern.

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Eingeordnet unter Aktivismus, Gesellschaft

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