Nichtigkeiten im Zerrspiegel

Eine zugestellte gesellschaftliche Realität schlägt mir in jeder Sekunde ins Gesicht. Die absolute und totale Zementierung der virtuellen und realen Zusammenhänge erschlägt sämtliche Korridore, die zum Glück führen könnten. Aber selbst Glück ist ein unklarer Begriff. Jedes Wort ist zu leer. Verwirrung, Begriffstutzigkeit und seltsame Ratlosigkeit hat sich im Laufe der Jahre zu einer Stille destilliert, die nur noch als allgemeines, stumpfes Gähnen einer lebensmüde gewordenen Gewöhnlichkeit gedeutet werden kann. Diese erdrückende, bedrückende Apathie mitsamt unreflektierter Unfähigkeit einerseits zu bestimmen was ist, wer man ist und verwahrlostem Desinteresse andererseits, was gefühlt oder gedacht werden soll zerstückelt, zerfasert, zerreibt, zerborstet, zertrümmert, zermartert, zermalmt, zerstört, zerfällt einen.

Trübsalbläserei in den rauchenden, bleiernen Trümmern einer nie gekannten, genossenen, gewollten Gesellschaft. Die eigene Unlust, Unzufriedenheit korreliert in der Unfähigkeit die Wut in Widerstand umzuwandeln, der nicht regressiv ist. Das blanke Elend breitet sich mit der Unkenntnis zu einem Lifestyle aus und brühtet unaufhörlich neue Eiterbeulen aus. Die normale Einsamkeit überdauerte tausende Jahre überlebte tausende Begegnungen. Sie triumphierte über jede Geste, jedes Geräusch, jede Assoziation oder Begegnung. Und sie wird die Geschichte weiter schreiben von einem Leben voller Isolation und Kälte, die die basalen Elemente unserer Zeit bezeichnen. Als glühende, hohle Blechwanderpokale aus der Massenproduktion von und für die Massenproduktion sind gesichtsloses Kreaturen jeglicher Empathie beraubt.  Wenn die Zerstreuung als letzte Bastion lediglich wie ein Schleier wirkt ist der Wahnsinn identitätsstiftend und der Prügelstock ein Zauberstab.

Soviele Worte wurden geschrieben, gedacht und gesagt, aber sie verblieben ungehört, unbedacht, ungeniessbar und somit unsinnig. Trauer mischt sich in die Melange dieser zeitlosen Tyrannei deren Schrecken in mir und um mir herum eine fantastische Zukunft haben. Das alles wird weitergehen. Wenn nur noch Ressentiments die Gemüter berühren, was bleibt dann noch? Die Stille. Und sie ist nur eine Kehrseite einer Medaille, die das Nichts bedeutet. Das Scheitern im Kampf mit der eigenen Leere und der allgemeinen Leere zeigt an, dass die Kraft ausgehen wird. Ganz natürlich führt das Aufbäumen in den Erstickungstod. Die winzigen Korridore waren vielleicht immer nur eine Projektion. Was soll dann noch das Treiben mit den Schatten? Blind, gedemütigt, ignoriert, verlassen, verstossen, verloren und eingeschlossen in eine Triebökonomie voller Neurosen. Darüber wird nicht verhandelt, es ist schliesslich auch längst beschlossen, dass es reproduziert werden soll.

Der Trost ist inexistent, die Idee davon auch. Nichts ist mehr vorstellbar. Es fehlen die Worte, die Gefühle, die Zeit, die Menschen und alles was Leben bedeuten könnte. Glück kann nur noch subjektiv unter Ignoranz sämtlicher Bestimmungen, Substanzen und Realitäten existieren. Glück ist Illusion und existiert daher nur noch in den Köpfen von Idioten oder Wahnsinnigen. Die Ernüchterung missfällt freilich. Die Suche geht weiter, um dem Elend andere Kleider zu schenken, aber es ist hoffnungslos. Die Schatten bewegen sich im Schein und verzweifeln an der Oberfläche. Immer und immer wieder. Die Unglaublichkeiten werden mit dem ungeglaubten Glauben göttlich.

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Eingeordnet unter Emotionales

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