Monatsarchiv: September 2015

Ekelwochen mit Sido

Schwarz-Rot-Gold total: Paul Hartmut Würdig, reich geworden durch sexistische Songs wie »Arschficksong«, hat mit »wehenden Fahnen« eine alternative Nationalhymne für patriotische Erweckungsmomente seiner Deutschen geschrieben und leistet mit seiner Beschwörung der Volksseele einen Beitrag zur »Wiedergutwerdung der Deutschen.« Unterstützt wird er dabei von »neun jungen Hörfunkprogrammen der ARD«, da der Song im Rahmen der massenmedialen Ekelwoche »Heimat« produziert wurde (»Geographisch, emotional oder politisch: Heimat geht jeden an.«).

Sido, der 1,44 Millionen Likes auf Facebook hat, ist »einfach begeistert« von seiner »kleinen Heimat«, denn sie reicht »vom Minister bis zum Kaiser.« Zwischen Minister und Kaiser fand der systematische Massenmord der deutschen Massen an Millionen Juden statt und bereits das Kaiserreich träumte vom »Platz an der Sonne« und brach den ersten Weltkrieg vom Zaun. Was solls: »Du bist nie so ganz gerecht, trotzdem liebe ich dich echt.«

Rassistische Progrome, Straftaten  und Morde während der deutsche Staat wegsieht und dadurch mithilft. Jährlich tausende Tote aufgrund einer von Deutschland geprägten EU-Außenpolitik. Aber »egal, daran gewöhnste dich«, denn »niemand ist perfekt!« Sido winkt alle Katastrophen durch, die durch diese Zwangsgemeinschaft diktiert, praktiziert und reproduziert werden und die man aufgrund ihrer Unmenge kaum vollständig bilanzieren kann: Ob es nun um die Geschäfte mit dem antisemitischen iranischen Regime durch Vize-Kanzler Gabriel (SPD) geht, ob es um den Konkurrenzkampf, Leistungsdruck, die Arbeitswut der permanenten Mobilisierung sämtlicher menschlichen Kräfte für die Verwertungs des Werts zugunsten des nationalen Bruttoinlandsprodukts und zuungunsten der Lebensqualität aller geht, Sido meint dazu nur: »Du bist der Grund, dass ich gut schlafen kann.«

Deutschland kann anrichten was es will, Sido ist zufrieden: »Du bist perfekt auf deine Art, fast genau wie ichs mag.« Durch seinen Song liefert er einen kleinen Beitrag zur Idealisierung und Naturalisierung der Volksgemeinschaft, die unendliche Opfer, Disziplin, Berechenbarkeit und Lustfeindlichkeit von ihren Insassen erzwingt. Dabei wäre es nötig Nationalismus als gegenaufklärerische Strömung, als funktionaler Bestandteil des kapitalistischen Produktionssystems und einer pathologischen psychischen Verfassung zu kritisieren und zurückzuweisen. »Wir können wieder unverkrampft „Wir“ sagen«, auch Dank Sido.

»Du kleines Land, wenn mir mal Wieder nicht gefällt, was ich hier sehe, ruf ich Poldi an und er zeigt mir die Weltmeister-Trophäe.« Die »Weltmeisterschaft des Nationalismus« soll in der Tat diesen Effekt beim Konkurrenzsubjekt haben: Wenn Du nur genug Opfer bringst triumphierst Du über alle anderen Wettbewerber am Markt. Triumph ist nur über die Niederlage anderer erhältlich, womit systemisch bereits die Vernichtung der Konkurrenz eingeschrieben ist. Sidos Song ist ein Beispiel für den »ungeglaubten Glauben« des Konkurrenzsubjektes im Kapitalismus.

P.S. Auf Sido möchte man rapmäßig mit Prezident/Whiskeyrap antworten: »Die effizienten Menschen werden effizient zugrunde gehen.«

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Oktoberfestung

Das ist kritisch-investigativer Journalismus: Leuten beim Saufen helfen. Da hat sich das Studium ja gelohnt. Rätselhaft wie man zu so einer Massenveranstaltung gehen kann, wo einem allerlei Körperflüssigkeiten von Wildfremden ins Gesicht spritzen, überteuerte Preise üblich sind und zugleich die Volksgemeinschaft mit Trachten aus NS-Köpfen glorifiziert wird. Mal abgesehen davon, dass man sich bei dem Gedränge, Lärm und Gestank nicht unterhalten kann, muss man sehen, wie sich Leute massenhaft Nervengift einflössen und dafür bejubelt werden. Die Kultivierung völliger Blindheit und Belieibigkeit, gefangen im Zentrum eines Verblendungszusammenhangs.

„Suche Millionär“-Button tragen, für Geld eine Rolle spielen, die eigentlich nichts mit einem zutun hat, eine „Stück Fleisch“ sein, welches Bier bringt und dann die Massen an Leute, die sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinken, weil sie sich selbst nicht anders aushalten können: Elend wo man nur hinblickt. Für das größte Drogenfestival der Welt seine Gesundheit riskieren, ohne irgendeinen Lustgewinn, nur weil es die Masse macht. Das erscheint mir ziemlich typisch deutsch, trotz aller Touristen dort. Dass bei all dem die CSU mitmacht und gleichzeitig Cannabiskonsument wie Schwerverbrecher jagen lässt, ist nur der vorläufige Schlußpunkt.

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