„Fuck ju Göthe“? No, fuck you!

„Fack ju Göthe“ wirkt auf mich wie ein Werbespot der Bundeswehr, der möglichst hipp bei den Jugendlichen ankommen will, um sie späterhin auf dem Schlachtfeld umso leichter und überzeugter verheizen zu können. Dieser Film gehört zum 4. erfolgreichsten Film seit 1968 und hatte bis zum Juli 2014 ca. 7.320.620 Zuschauer. Aber warum? Ein vulgärer, drogenabhängiger, manierloser, krimineller, sexistischer, lügender, K.O.-Tropfen austeilender Zuhälter mit Migrationshintergrund und Hauptschulabschluss wird by accident Aushilfslehrer. In dieser Position angelangt transformiert er sich und die Verlierer der Schule in leistungsfähige Konformisten, wobei permanent Fröhlichkeit und Leichtigkeit im Vordergrund steht, egal ob es um Mobbing oder Suizidalität geht. Hier wird ganz unverholen ein Bildungssystem abgefeiert, welches nicht zufällig Menschen wie Robert Steinhäuser hervorgebracht hat.

Zeki Müller versprüht die nötige Arroganz, das Testosteron und die Muskelkraft um die Disziplinierung der Jugend umso effizienter voran und damit in die Maschinerie der Kapitalverwertung zu treiben. Als Emporkömmling des Ghettos spricht er die Sprache der Kids und erreicht sie eher. Er ist der Führer mit Migrationshintergrund. Er schiesst wie ein School Shooter auf die Schüler, um sie ins Klassenzimmer zu treiben und zeigt was mit ihnen passiert, wenn sie nicht spuren: Sie drohen wirklich erschossen zu werden. Er unterteilt die Frauen in „Fickbarkeit“ also in Fruchtbarkeitsgraden und Hochwertigkeit von Genetik, führt die Prügelstrafe wieder ein, denn das ist Deutschland hier: Es herrscht Zucht und Ordnung! Er droht den sozialen Abstieg an, indem er zeigt wer nicht zum deutschen Volkskörper gehört, weil er den Profit mindert: Junkies, Hartz 4-Empfänger und Nazis. Mauerblümchen werden von ihm in den Puff gebracht, wo sie zu Sexualobjekten derart umgestaltet werden, dass sie endlich für Deutschland möglichst bald Babys werfen und sich somit wiederum für die Nation nützlich machen.

Die Botschaft ist klar, auch der letzte Dreck an der Schule kann etwas aus sich machen, wenn er sich nur anstrengt. Und die Verlierer wollen sich schließlich auch anstrengen, denn sie waren im Schützengraben mit ihrem Führer, haben sich hinter der Parole „Fack ju Göhte“ vereinigt, die die Abwesenheit des Geistes bezeugt, um sich unnützen Krempel wie Autos kaufen zu können, die letztlich nur von den sozialen Katastrophen des Alltags ablenken. Dadurch haben sie die Disziplin so internalisiert, dass sie nicht mal dann „schummeln“, wenn sie könnten. „Jugend forscht“ wird als produktive Werkbank gezeigt, exakt so will der Staat die kommende Generation sehen. Kein Kinderlachen ist mehr zu hören, nur noch das emsige Klopfen der Hammer im Betrieb.

Die Eindimensionalität der Figuren geht immer so weiter: Frauen sind auf ihre „Titten“ und „Haare“ konzentriert oder trottelig, schrullig, nicht respektiert, überfordert, gefühlskalt, hysterisch, Sexobjekt. Jugendliche benutzen ausschließlich Schimpfwörter („Julia, du Fotze, ich will ficken. Zack, Zack. Zeig’ mal Möpse.“), Suizidgefährdete Lehrer deuten an, dass der Leistungsdruck den Lehrplan auf die Schüler einzuprügeln nicht gerade große Befriedigung bedeutet. Und wenn der Lehrer sich aus dem Fenster stürzt, dann ist das im Film nur ein Vehikel um darüber zu lachen. So ein Idiot, glaubt, dass er in der Schule Mensch sein kann! Die Direktorin hat Angst vor der Schuldirektion, die „Punkte“ vergibt und guckt, ob ihre Schule effizient genug ist. Die Lehrer haben Angst, dass sie ihre Schulklasse nicht konform genug bekommen. Die Schüler haben Angst, keinen Platz in der Gesellschaft zu finden, weil ihre Noten nicht stimmen. Die Schultoiletten sind voller Graffiti und schon lange nicht mehr renoviert worden. Das Bildungsbudget wird klein gehalten, sonst werden die Leute durch Zufall noch zu non-konformistisch. Ängstlich bis begeistert wird das „Lehrerranking online“ im Lehrerzimmer betrachtet, keiner ist frei vom unendlichen, allgegenwertigen Blick und Druck der Verwertung.

Und jetzt soll auch noch ein zweiter Teil herauskommen? Wir leben in finsteren Zeiten. Ich schließe mit einem Zitat von Theodor W. Adorno: »In Deutschland lag über den heitersten Filmen der Demokratie schon die Kirchhofsruhe der Diktatur.«

Interessanter Artikel zum Film: http://jungle-world.com/artikel/2013/50/48982.html

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