Monatsarchiv: Juli 2015

Pro Asyl

Die Bedeutung eines Pro-Asyl-Protestes darf nie unterschätzt werden, auch wenn er nicht direkt zum Kommunismus führt.

Am heutigen Tag wurde in Traiskirchen gegen die rassistische Asylpolitik Österreichs demonstriert. Hierbei gaben vorallem die Non-Citizens selbst den Ton an. Sie feierten sich selbst und ihr Anliegen. Sie lachten, sangen und gaben sich so gegenseitig Mut. Sie wünschen sich nur das Gröbste: Nahrung, Bildung, Bewegungsfreiheit, Arbeit, Familie, Wohnung, Sicherheit und nicht zuletzt die gesellschaftliche Anerkennung als Mensch.

Sie mögen in diversen Sprachen gerufen haben, aber mit einer Stimme riefen sie heute immer wieder, was man ihnen geben muss: „Passport, passport, passport!“ Man muss ihnen zurufen: Ja, natürlich! Ihr seid im Recht! Nehmt euch dieses Recht! Es ist Zeit! Setzt diesen Protest fort, damit endlich umgesetzt wird, was längst umgesetzt gehört: Die Durchsetzung der Mobilitätsfreiheit für alle Menschen, die Erklärung der Illegalität von Grenzen, die bedingungslose Anerkennung sämtlicher Bürgerrechte für alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft.

Ich habe in einigen Augen heute Hoffnung gesehen. Die Hoffnung darauf, dass die Ohnmacht, Apathie und Tyrannei ein Ende haben könnte, dass endlich alles anders sein könnte. Sie durften an diesem Nachmittag endlich vollwertige Menschen sein, für kurze Zeit Glück empfinden und einen Moment lang den Geruch des Paradieses schnuppern. Dieses Lachen will ich überall sehen! Ich will sehen, wie die Non-Citizens stolz und aufrecht ihrem Leben Geltung verschaffen, sodass es ihnen nie wieder genommen werden kann! Diese menschenverachtende Segregation und Internierung muss sofort Geschichte werden.

Aber damit dieser Moment nicht nur ein Moment bleibt, sondern lebenslange, allgemeine Gültigkeit hat, bedarf es sozialer Errungenschaften, die hart erkämpft werden müssen. Hierbei müssen wir Privilegierte, wir Europäer, wir Deutsche und Österreicher den Non-Citizens zur Seite stehen. Der rassistische Ausschluss der Non-Citizens durch das Gesetz, kann nur durch die antirassistischen Wähler und Angehörigen der Parteien aufgehoben werden, da man den Staatenlosen in den Asylheimen keinerlei politische Willensbildung im Parlament gestattet. Eigentlich müsste man ihnen das Wahlrecht zugestehen, so wie sich das für eine Demokratie gehört. Aber leider schiebt man sie viel zu schnell ab, alsdass ihnen das irgendetwas bringen würde.

Wir als Europäer müssen jedenfalls dafür plädieren und in allen Parteien/Organisationen dafür arbeiten, dass die Abschiebepolitik sofort gestoppt werden muss. Jeder Flüchtling ist anzuerkennen, völlig egal wie sein Fluchtgrund lautet, denn es gibt keine zwei Klassen Mobilität. Freiheit muss für alle Menschen gelten und nicht nur für das Kapital. Gleichzeitig erscheint es wichtig organisatorische und sprachliche Fähigkeiten weiterzugeben, um Wissen und Kräfte zu bündeln, Fehler nicht zu wiederholen, die Dynamik zur Realisierung der Menschenrechte für alle Asylbewerber tagtäglich zu steigern. Gerade darin wird der Knackpunkt liegen, diese humanitäre Katastrophe Schritt für Schritt zu bewältigen.

P.S. Es war schön zu sehen, dass Demoteilnehmer Rassisten aus der Solidaritätsdemo konsequent wegdrängten und die Non-Citizens beschützten. Die Rassisten mögen ihre Nationalflaggen schwenken, ihren Hass herauskrakeelen, die Rolladen ihrer Häuser runterlassen, verwundert den Kopf schütteln, den Polizisten zu zwinkern, aus ihren kartoffeligen Gesichtern herausstarren, am Ende wird ihre Dummheit und ihr Ressentiment aussterben, davon bin ich überzeugt.

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„Fuck ju Göthe“? No, fuck you!

„Fack ju Göthe“ wirkt auf mich wie ein Werbespot der Bundeswehr, der möglichst hipp bei den Jugendlichen ankommen will, um sie späterhin auf dem Schlachtfeld umso leichter und überzeugter verheizen zu können. Dieser Film gehört zum 4. erfolgreichsten Film seit 1968 und hatte bis zum Juli 2014 ca. 7.320.620 Zuschauer. Aber warum? Ein vulgärer, drogenabhängiger, manierloser, krimineller, sexistischer, lügender, K.O.-Tropfen austeilender Zuhälter mit Migrationshintergrund und Hauptschulabschluss wird by accident Aushilfslehrer. In dieser Position angelangt transformiert er sich und die Verlierer der Schule in leistungsfähige Konformisten, wobei permanent Fröhlichkeit und Leichtigkeit im Vordergrund steht, egal ob es um Mobbing oder Suizidalität geht. Hier wird ganz unverholen ein Bildungssystem abgefeiert, welches nicht zufällig Menschen wie Robert Steinhäuser hervorgebracht hat.

Zeki Müller versprüht die nötige Arroganz, das Testosteron und die Muskelkraft um die Disziplinierung der Jugend umso effizienter voran und damit in die Maschinerie der Kapitalverwertung zu treiben. Als Emporkömmling des Ghettos spricht er die Sprache der Kids und erreicht sie eher. Er ist der Führer mit Migrationshintergrund. Er schiesst wie ein School Shooter auf die Schüler, um sie ins Klassenzimmer zu treiben und zeigt was mit ihnen passiert, wenn sie nicht spuren: Sie drohen wirklich erschossen zu werden. Er unterteilt die Frauen in „Fickbarkeit“ also in Fruchtbarkeitsgraden und Hochwertigkeit von Genetik, führt die Prügelstrafe wieder ein, denn das ist Deutschland hier: Es herrscht Zucht und Ordnung! Er droht den sozialen Abstieg an, indem er zeigt wer nicht zum deutschen Volkskörper gehört, weil er den Profit mindert: Junkies, Hartz 4-Empfänger und Nazis. Mauerblümchen werden von ihm in den Puff gebracht, wo sie zu Sexualobjekten derart umgestaltet werden, dass sie endlich für Deutschland möglichst bald Babys werfen und sich somit wiederum für die Nation nützlich machen.

Die Botschaft ist klar, auch der letzte Dreck an der Schule kann etwas aus sich machen, wenn er sich nur anstrengt. Und die Verlierer wollen sich schließlich auch anstrengen, denn sie waren im Schützengraben mit ihrem Führer, haben sich hinter der Parole „Fack ju Göhte“ vereinigt, die die Abwesenheit des Geistes bezeugt, um sich unnützen Krempel wie Autos kaufen zu können, die letztlich nur von den sozialen Katastrophen des Alltags ablenken. Dadurch haben sie die Disziplin so internalisiert, dass sie nicht mal dann „schummeln“, wenn sie könnten. „Jugend forscht“ wird als produktive Werkbank gezeigt, exakt so will der Staat die kommende Generation sehen. Kein Kinderlachen ist mehr zu hören, nur noch das emsige Klopfen der Hammer im Betrieb.

Die Eindimensionalität der Figuren geht immer so weiter: Frauen sind auf ihre „Titten“ und „Haare“ konzentriert oder trottelig, schrullig, nicht respektiert, überfordert, gefühlskalt, hysterisch, Sexobjekt. Jugendliche benutzen ausschließlich Schimpfwörter („Julia, du Fotze, ich will ficken. Zack, Zack. Zeig’ mal Möpse.“), Suizidgefährdete Lehrer deuten an, dass der Leistungsdruck den Lehrplan auf die Schüler einzuprügeln nicht gerade große Befriedigung bedeutet. Und wenn der Lehrer sich aus dem Fenster stürzt, dann ist das im Film nur ein Vehikel um darüber zu lachen. So ein Idiot, glaubt, dass er in der Schule Mensch sein kann! Die Direktorin hat Angst vor der Schuldirektion, die „Punkte“ vergibt und guckt, ob ihre Schule effizient genug ist. Die Lehrer haben Angst, dass sie ihre Schulklasse nicht konform genug bekommen. Die Schüler haben Angst, keinen Platz in der Gesellschaft zu finden, weil ihre Noten nicht stimmen. Die Schultoiletten sind voller Graffiti und schon lange nicht mehr renoviert worden. Das Bildungsbudget wird klein gehalten, sonst werden die Leute durch Zufall noch zu non-konformistisch. Ängstlich bis begeistert wird das „Lehrerranking online“ im Lehrerzimmer betrachtet, keiner ist frei vom unendlichen, allgegenwertigen Blick und Druck der Verwertung.

Und jetzt soll auch noch ein zweiter Teil herauskommen? Wir leben in finsteren Zeiten. Ich schließe mit einem Zitat von Theodor W. Adorno: »In Deutschland lag über den heitersten Filmen der Demokratie schon die Kirchhofsruhe der Diktatur.«

Interessanter Artikel zum Film: http://jungle-world.com/artikel/2013/50/48982.html

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