Blood on the dürüm

Man trinkt den Weißwein aus der Flasche besonders in der U-Bahn und als Gruppe. Die Bettlertrupps gehören zum Inventar wie das Volkstheater. Deren Aufseher sind wie unnachgiebige Dirigenten. Einsame Frauenherzen schmunzeln über verliebte Pärchen, die sich aneinander lehnen. Migranten tummeln sich hinter versifften, verwaschenen Plexiglasscheiben und vor irgendwelchen Massencomputer, um dort billig zu surfen. Der Asphalt ist voller Flüssigkeiten, die schräg den Gehsteig hinunterlaufen. Cops kontrollieren Migranten. Blaulicht in der Nacht. Mädels reden über gescheiterte Beziehungen, die Unfähigkeit der ehemaligen Partner. Andere singen ihre Lieblingssongs. Männer reden darüber, dass sie nicht die Rolltreppe hinunterlaufen können, weil zu wenig Platz ist obwohl genug Platz ist. Fetzige, grelle Outfits wechseln sich mit dreckiger Arbeiterkluft, edlem Pelzmantel und teuren Anzügen ab. Trotz riesigem Gerangel herrscht Gelassenheit und Ruhe beim sonntäglichen Supermarkteinkauf. Fremde Hunde werden gestreichelt, man nickt einander vertraut zu. Dann noch mehr Märkte mit sovielen Nationalitäten wie die Welt zu bieten hat: Arabische, russische, chinesische, japanische, türkische, italienische, ungarische, indische Spezialitäten. Zuviele Waren um sie jemals probiert zu haben. Obdachlose singen Urfaust-Interpretationen nach und liegen lässig mit gestreckten Beinen mitten auf den Fußwegen herum. Andere pinkeln vor das Universitätsgebäude. Keiner hält sie auf. Es gibt auch keine Fahrkartenkontrolleure. Keine Ruhepausen der U-bahnen. Aber Schluss ist Samstags schon um 18 Uhr. Was nun nicht bei den Handyverkäufern gilt. Hunderte strömen aus den U-Bahnen. Die Bahnen rattern und scheppern in dunkle Löcher hinein. Aus dem Nichts taucht ein schmaler, kleiner Junge auf, der auf seinem Skateboard verschnörkelt durch die Menge fährt. Kinder rollen auf ihren Schuhen umher, die an der Sohle kleine Rollen angebracht haben. Jemand trägt einen großen Strauß weißer und roter Rosen grinsend durch die Gegend. Zwei Kumpels mit Elvisfrisuren scherzen miteinander herum. The Doors schwirrt laut durch eine Häuserschlucht. Man hat Blut an der Jacke vorm Kebabladen und bestellt lächelnd Dürüm.

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Eingeordnet unter Studententagebuch

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