Elendiges Studentenmillieu

Studienbeginn leicht gemacht, heisst es auf der Webseite. Es muss einem als Studienbeginner wie blanker Hohn erscheinen. Jedes Detail ist vom Studenten selbst zu erbringen. Entgeht ihm irgendeine Information aufgrund von Zufällen oder falschem Optimismus, hat er prompt Stunden mit Rennerei verbrannt. Die Servicestellen lassen sich Informationen höchstens aus der Nase ziehen, schliesslich sind sie seit Jahren die Massen von Studenten mit ihren immergleichen ahnungslosen Fragen längst müde geworden.

Und wo wir schon bei Massen sind: Die Massen ziehen zu überfüllten Hörsälen, an pinkelnden, schmuddeligen Obdachlosen und verbissen dreingrinsenden Greenpeaceflyerverteilersklaven vorbei. Am Ende steht ein Professor hunderten Studierenden aufeinmal gegenüber. Massenuniversität, es wird einem klar, wenn man selbst in einem der größten Hörsäle der Universität keinen Platz mehr findet und mitten auf den Gängen sitzen muss. Schlimmer macht es, dass man sich dadurch vergewissern kann, wieviele Konkurrenten eigentlich exakt dieselben Trampelwege besteigen, wie man selbst. Wieder so eine Drohung. Es gibt tausend Andere, hol alles aus Dir heraus oder das war es mit Dir und Deinen sogenannten Träumen. Wer die stickige Luft und hunderte Gesichter links und rechts von sich nicht ertragen kann, sollte lieber sofort verschwinden und es so tun, wie man es an solchen Universitäten offensichtlich triggern will: Allein.

Allein ist überhaupt gleich das nächste Problem. Es mag tausende Studenten geben, hübsche, intelligente, wie hässliche und dumme, aber letztlich studiert man allein. Der gemeine Student ist zu sehr damit beschäftigt Hörsäle, Meldeämter, Öffnungszeiten, Straßen, Vorlesungen, Bücher, Kapitel, Wohnungen, Jobs, ECTS-Punkte zu finden oder zu erhalten. Glücklich sind jene, die schnell Bezugspersonen oder Gruppen gefunden haben. Andere, die stiller, vorsichtiger oder schlicht unattraktiv sind, haben es doppelt so schwer, schliesslich entgehen ihnen die Erfahrungen und Kontakte anderer Mitstudenten.Und Geld verbrennt man dadurch noch schneller als Kalorien beim herumlaufen durch eine riesige Stadt. Natürlich mag es auch genug Studenten geben, die den ganzen Tag nur kichern, ausschlafen, zocken, shoppen und feiern. Für derartige Kreaturen dürften all diese Aspekte kaum ins Gewicht fallen.

Das organisatorische frisst vor allem in der Anfangsphase mehr als der eigentliche Lehrinhalt. Das sollte man nicht unterschätzen. Und da haben wir noch gar nicht von den inhaltlichen Problemen gesprochen, die ja überhaupt nirgends zur Verhandlung stehen. Die Maschinerie existiert also auch im akademischen Bereich. Die Studentenschaft wird von ihr tausendfach eingesogen, dabei gehen sicherlich hunderte dabei kaputt, aber darum ist es nicht schlimm, schliesslich gibt es kontinuierlichen Nachschub, der diese Bedingungen bewusst, ahnungslos oder bedigungslos hinnimmt bzw. hinnehmen muss. Ohne ein genaues Ziel und entsprechender Entschiedenheit, dieses zu erreichen, ist es nicht zu bewältigen, dieses verdammte Studium.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Studententagebuch

2 Antworten zu “Elendiges Studentenmillieu

  1. nevermore

    Was soll ein „Greenpeaceflyerverteilersklave“ sein?

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