Monatsarchiv: Juli 2014

Weltmeister – Na und?

Sexy Spielerfrauen umarmen ihre potenten Einkommensmillionäre. Sie haben immer an sie geglaubt. Merkel und Gauck fallen ihren Kriegern um den Hals, die das Ausland teilweise bis aufs Blut fair niedergerungen und somit einen seltenen deutschen Ausnahmezustand der Einigkeit erstritten haben. Die Leistungsgesellschaft feiert sich selbst. Hunderttausende bejubeln Nation und Konkurrenzkampf. Für einen winzigen Moment sind die Hungertoten, die Umweltzerstörungen, die Kriege, die Verrohungen der sozialen Beziehungen und all die anderen unbezahlbaren Opfer dieses Prinzips von Wettbewerb und unendlicher Kapitalverwertung über die nationalen Arbeitsplätze vergessen.

Endlich hat es sich mal gelohnt der deutschen Schicksalsgemeinschaft anzugehören. All die beschwerlichen Alltagskämpfe um Noten oder Quartalszahlen sind für einen winzigen Moment vergessen. Die Schere zwischen arm und reich, die fehlenden Partizipationsmöglichkeiten in der Politik oder im Betrieb, der leere Geldbeutel und die Angst vor der Zukunft. Dieser Sieg sorgt für die notwendige Motivation, die deutsche Kapitalverwertung im Wettbewerb weiter voranzutreiben, denn er schürt die Hoffnung darauf, dass man selbst mal attraktive Personen für sich gewinnt, die scheinbar bedingungslos an einen glauben, dass man selbst mal Einkommensmillionär ist und Ausgelassenheit zulassen kann, anstatt permanent Verzicht zu üben und Kampf, Hinhaltetaktiken oder Vertröstungen als Lebensinhalt zu haben. Wartet nur, irgendwann seid ihr dran. In 24 Jahren oder nie!

Die hysterischen Jubelschreie in den Kneipen und an den Fanmeilen sind befüllt von der Hoffnung endlich mal etwas zu bedeuten. Im Alltag sind die Menschen Kostenpunkte, hinter denen permanent ein Fragezeichen steht, so wie bei Löw und all seinen „Spezialkräften“ in der Nationalmannschaft. Wer hat die Potenz das Bruttoinlandsprodukt zu erhöhen und wer nicht? Auch die Aussortierten sollen ihre Schicksalsgemeinschaft von Erfolg zu Erfolg pushen, egal ob Hartz IV Empfänger oder Ersatztorhüter.

Wir als deutsch-geborene Konkurrenzsubjekte sollen nicht nur im Sport Weltmeister sein, sondern überhaupt überall und für immer, daher wird alles durchrationalisiert und bejubelt was damit zutun hat. Opferbereitschaft, Aderlass um das deutsche Wesen bzw. Bruttoinlandsprodukt zu mehren. Jeder rennt willentlich oder nicht insgeheim einem Weltpokal nach, den er nie erreichen wird, weil die Anforderungen u.a. über die abstrakte Arbeit unendlich ansteigen. Die Gesellschaft hat sich monoton auf ein Ziel eingeschworen: Profit. Merkel und Gauck wünschen sich, wie die meisten Deutschen, im Schweiße ihres Angesichts endlich Weltmeister in der Politik und Ökonomie zu sein. Allmachtsfantasien krakeeln immerdann aus dem deutschen Michel, wenn er ausgelassen sich selbst feiert. Nichts gelernt, alles verdrängt, endlich wieder deutsch sein und Spaß dabei.

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Napalm Gauck

Gauck weiß jetzt „was geht„. Gauck „mahnt, drängt und fordert“ „zu den Waffen zu greifen“ (!), um „unsere Werte zu verteidigen„, denn „Krieg existiert„. Letzteres ist halt so, wen interessieren schon die Hintergründe. Gauck wolle nicht mehr wegsehen, wenn Menschen wie 1994 in Ruanda abgeschlachtet werden, dabei ist die afrikanische Instabilität, deren historisches, ökonomisches Verliererdasein dem marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampf geschuldet, bei dem Gauck das freiheitliche Wasser im Mund zusammenläuft. Afrika kann gegen Europa und Deutschland nicht gewinnen, weil horrende, riskante Investitionen nötig wären, die das scheue Reh der Kapitalverwertung schon im Ansatz verschrecken. Man setzt als Kapitalist lieber auf Gewinner, denn jedes Quartal braucht steigende Renditen. Insofern ist das Potential für ein neues Ruanda weiterhin groß, wie die alltäglichen bürgerkriegsähnlichen Zustände seit Genrationen belegen und das liegt an der Art wie Politik und Ökonomie in Europa, Amerika, China usw. betrieben wird.

Wie kann Frieden in einer Welt existieren, in der Nationen gegen andere Nationen mit allen Mitteln unendlich um Märkte konkurrieren? Gauck schaut jeden Tag weg, wenn tausende Menschen verhungern oder lebensrettende Medikamente nicht erhalten, denn das ist ja alles im Sinne der Menschenrechte, die den Markt regeln. Die Menschenrechte sagen: Nur wer Geld hat, darf mit der Befriedigung seiner Bedürfnisse rechnen, alle anderen verrecken elendig oder führen ein Schattendasein. Und damit das so bleibt, will Gauck Krieg führen, denn er sieht das Problem nur bei denen, die dieser Ordnung mit eigenen Brutalitäten im Weg stehen. Gauck repräsentiert deutsches Kapital und dieses soll mithilfe des Militärs gemehrt werden. Morde für die kapitalistische Ordnung bringen Respekt bei anderen Konkurrenten ein und das eröffnet Türen für tiefere Partnerschaften, mehr Raum auf dem geopolitischen Parkett und damit Märkte sowie Kapital. Bedingungslose deutsche Expansion schimmert also in all seinen Sätzen durch. Das ist es, was nun „geht„. Deutschland expandiert  nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Vergangenheit. Stephan Grigat brachte es auf den Punkt:An der Aussöhnung der Deutschen mit ihren Verbrechen soll die Welt genesen.

Weitere Details fallen auf:  Wieviel von der „sozialen Marktwirtschaft“ zu halten ist, für die Gauck plädiert, zeigen die zehntausenden Klagen vor den Sozialgerichten zur Agenda 2010 bzw. Hartz 4, denen hinterher überwiegend Rechtmäßigkeit bescheinigt wird.

Gauck beklagt zudem die Ungleichheit von armen und reichen Menschen in Russland, um die Illegitimität Putins darzustellen, – will die Vermögensungleichheit in Deutschland allerdings nicht erkennen. Dabei hat das DIW 2012 erwiesen, dass Deutschland die größte Ungleichverteilung von Vermögen innerhalb der Eurozone aufgewiesen hat.

Widersprechen muss man dem Märchenonkel auch beim Thema Refugees: Europa kann problemlos sämtliche Flüchtlinge aufnehmen. Die weltweiten Flüchtlingsströme belaufen sich auf weniger als 40 Millionen Menschen. Europa bietet derzeit Raum für über 700 Millionen Menschen. Wenn es darum geht, die Opfer der Mauer in der DDR zu beklagen, ist Gauck ganz groß, obwohl es sich hierbei im Vergleich zu den jährlich ca. 1500 sterbenden Flüchtlingen vor Europas Grenzen um geringere Zahlen von ca. 136 Maueropfern handelt.

Weitere Beiträge zu Gauck:

Mann Gottes, Präsident des Krieges“ – Von Georg Seesslen

Wollt ihr den totalen Gauck?“ – Von Hermann L. Gremliza

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