Stotternder Husten

Wenn wir von Geburt an von der Gesellschaft abgeschöpft werden, unser ganzes Leben Stück für Stück über Schule und Berufsleben ausgehöhlt werden, sodass wir am Höhepunkt nicht mehr wissen was wir empfinden oder denken sollen, Führer, Sinn und Liebe vermissen, dann ist der Moment gekommen, sich zu ergeben. Sei ein Vehikel, ein entleertes Behältnis, das nur für die Reproduktion eines unsichtbaren Monsters dient. Eine Schaltstelle, ein Bahnhof, ein reiner Durchgangsposten und wundere Dich über Deine Ersetzbarkeit und protestiere für mehr Gerechtigkeit, die niemals kommen wird, weil Du niemals hinterfragst welche Funktion Du eigentlich ausübst. Jeden Tag ratterst Du die Routine ab, möglicherweise mit einem Phantomschmerz, der dich an hoffnungsvolle, glückliche Momente Deiner Kindheit erinnert. Aber das ist jetzt eine Wüste. Glückliche Balloons hängen an den Füßen von Kadavern, die in anderen Kadavern stecken, vor sich hin modern und wie Wolkenkratzer ins Nichts ragen. Wir sind dazu erzogen ins Nichts zu tauchen und Nichts zu werden. All das Gerede von Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstverwirklichung ist nur Dünger für die Nicht-Existenz. Das gehört zum Schein des Lebens. Die Produkte, die wir kaufen imitieren nur was Leben sein könnte und auch nur in einer völlig verdorbenen, schwachsinnigen Form. In der Matrix gab es wenigstens Maschinen gegen die man hätte rebellieren können, aber hierzulande gibt es weder einen auserwählten Führer noch irgendein Paradies, die Schwerkraft ist völlig außer Kraft gesetzt. Wir sind Unsichtbare, wir umklammern Verrücktheiten. Die Welt wird nicht von den Menschen zusammengehalten, die sind längst weg. Der Riss geht durch uns alle, er füllt das komplette Innere wie ein Vakuum. Alle Dialoge sind leere Sprechblasen. Wer sich ergeben hat, funktioniert wenigstens im Sinne dieser Verrücktheiten. Man lagert in diesem Ei und träumt sich zurecht, während man vegetiert und ins Monstrum investiert. Der Ergebene kann dem Hungernden das Brot verweigern, die Obdachlosen verprügeln, Deutschlandfahnen schwenken, Bomben werfen und arbeiten gehen. Er kann die Welt hassen und Kinder zeugen. Diese Kinder werden dann auch abgetragen und werden hassen lernen. Diese ganze Zerrissenheit ist ein Problem derer, die sich noch erinnern und zweifeln, die sich noch nicht entschieden haben ob sie verrückt werden oder sich ergeben.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Emotionales

Eine Antwort zu “Stotternder Husten

  1. Mathias

    So traurig dies klingt, so wundervoll klingt es mir.
    Ergeben … du schreibst nicht „aufgeben“ … ergeben, so unwahrscheinlich es für mich, den Menschen, der doch strebt, der doch das Streben selbst zu seiner Hauptaufgabe gemacht hat, klingen mag, ist das, was bleibt.
    Und möglich … nur am Ende aller Hoffnung, wie mir scheint.
    Bist du soweit? Bin ich es?
    Oder sollten wir nicht mehr Fragen? Besser, die Fragen ignorieren, die fragen, ohne gefragt zu werden?
    Und wie sollte das gehen, nicht mehr zu fragen, trotz aller Fragen im Kopf?
    Vielleicht so … sich ergeben.
    Vielleicht schließt sich der Kreis.
    Oder tausche ich das Fragen nur gegen ein „Vielleicht“ …

    Ergeben, klingt gut für mich, beruhigend, still.
    „Es ist wie es ist“ bekannt! und bewusst ohne Komma.

    Man, das tut ganz schön weh!

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