Alle sind willkommen

Tausende flüchten, ersaufen vor Europas Küsten oder vegetieren und sterben in Lagersystemen. Sie sind lediglich Objekte und Bedrohung, statt Subjekte und Bereicherung. Jene die den Horrortrip durch Stacheldraht und Kontrollen überstanden haben erhalten vom Staat zuviel zum Sterben und zuwenig zum Leben. Das ist beabsichtigt und das ist inakzeptabel!

Am 03.09.2013 versammelten sich ein paar hundert Leute in der Münchner Innenstadt um sich solidarisch mit jenen Staatenlosen zu erklären. Für einen kurzen Moment wurde der Normalbetrieb für eben jene Non-Citizens unterbrochen, denen man sonst lieber das Leben und die Beine bricht. Wir können über alles streiten, aber in diesem Punkt dürfte Einigkeit herrschen: Jeder Mensch soll frei von Hunger, Repression und Perspektivlosigkeit sein.

Ja, diese Demonstration hat keine Revolution ausgelöst. Wie auch, wenn Millionen Menschen dem Zauber falscher Verhältnisse erliegen. Aber sie gab jenen Hoffnungslosen eine geringe Hoffnung, dass sie hierzulande einmal willkommen sein und leben könnten wie wir Europäer. Besser so als das was in Rostock-Lichtenhagen geschah und sich in Hellersdorf zu formieren scheint! Besser Bürger Europas als zu hungern und eingesperrt zu sein!

Ihrem Wunsch nach Leben sollte Unterstützung folgen und nicht Glotzerei oder Lamentiererei. Es geht um konkrete Aktivität und das Einstehen für die Bedürfnisse jener denen man aus ökonomischen Kalkülen nichts zubilligen will. Jenen Verhältnissen, die dem entgegenstehen muss Einhalt geboten werden, über die Herangehensweise werden wir weiter streiten, aber auch deren alltägliche Opfer müssen unmittelbar geschützt und unterstützt werden!

Insofern gilt was die streikenden Non-Citizens, fordern:

Die bedingungslose Anerkennung unserer Asylanträge

Stopp aller Abschiebungen

Abschaffung der Residenzpflicht

Schließung aller Asylsuchenden-Lager

(Mehr auf: http://refugeestruggle.org/de )

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Aktivismus

2 Antworten zu “Alle sind willkommen

  1. nevermore

    Danke! Ich habe „Permanent Vacation“ dem Titel nach ursprünglich für einen Abschiedspost gehalten – gut das dem nicht so ist.

    Ich finde gut, dass du eine direkte Möglichkeit anbietest aktiv zu werden – so fühlt man sich nicht ganz so ratlos wie bei deinen anderen Texten, zumindest wenn man sich noch nicht in diesem Umfeld befindet.

    Der Umgang mit Asylsuchenden ist tatsächlich grausam und die meisten Menschen wissen nicht mal über diese Zustände bescheid oder reden von „Arbeitsplätzen“ die dadurch gefährdet würden.

    Für mich stellt die derzeitige Situation den Grund dar links zu wählen, wenn auch in anderen Ansichten kritisierbar, immerhin mit der Forderung das Asylrecht grundlegend zu verbessern. Die Änderungen im kleinen Rahmen und der aktive Kampf gegen rechte Ideologie sind das einzige was sich im Moment machen lässt.

    • redaktion0001

      Permanent Vacation ist ein Film von Jim Jarmusch und dessen Stimmung wollte ich in dem letzten Text nachspüren.

      Konkrete Aktivität ist oft sehr schwierig und muss von jedem Einzelnen zuvor ausgiebig reflektiert werden, bevor sie angestrebt wird. Das kann man nicht pauschal empfehlen. Das ist harte Arbeit, die auf jeden Menschen wartet, wenn es ihm Ernst mit der Verbesserung von gesellschaftlichen Verhältnissen ist. Man muss z.B. Texte wie jene von Postone lesen um zu verstehen was getan werden kann oder muss: http://www.anarchismus.at/antifaschismus/faschismus-und-nationalsozialismus/367-postone-nationalsozialismus-und-antisemitismus

      In der Tat kosten Flüchtlinge Geld, aber das tut jeder Mensch im Kapitalismus, daher auch die Restriktionen im Sozialsystem für deutsche Staatsbürger, die besonders streng seit der Agenda 2010 in Deutschland durchgeführt werden und dem Staat erhebliche Profite zu Lasten der Ärmsten einbrachten. Das Elend der Flüchtlinge ist größer als das Elend der Lohnabhängigen, weswegen Soforthilfte hier noch dringlicher ist, allerdings liegt die Ursache für das Elend beider Gruppen in Staat, Nation und Kapital. Das Wertgesetz, welches Postone im obigen Aufsatz anspricht durchzieht die gesamte globale Gesellschaft, beherrscht fast alle Köpfe und Gemüter.

      Die Linkspartei mag eher sozialdemokratisch sein, zuviele DDR-Nostalgiker und zu wenig Marx-Leser haben, aber es ist sichlich kein Fehler sie als Opposition im Bundestag zu haben solang es keine reflektiertere Alternative gibt. Bislang formiert sich jenseits des Parlaments keine andere Opposition, was wiederum am stressigen Arbeitsalltag und der komplizierten Theorie liegt.

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