Monatsarchiv: September 2013

Stotternder Husten

Wenn wir von Geburt an von der Gesellschaft abgeschöpft werden, unser ganzes Leben Stück für Stück über Schule und Berufsleben ausgehöhlt werden, sodass wir am Höhepunkt nicht mehr wissen was wir empfinden oder denken sollen, Führer, Sinn und Liebe vermissen, dann ist der Moment gekommen, sich zu ergeben. Sei ein Vehikel, ein entleertes Behältnis, das nur für die Reproduktion eines unsichtbaren Monsters dient. Eine Schaltstelle, ein Bahnhof, ein reiner Durchgangsposten und wundere Dich über Deine Ersetzbarkeit und protestiere für mehr Gerechtigkeit, die niemals kommen wird, weil Du niemals hinterfragst welche Funktion Du eigentlich ausübst. Jeden Tag ratterst Du die Routine ab, möglicherweise mit einem Phantomschmerz, der dich an hoffnungsvolle, glückliche Momente Deiner Kindheit erinnert. Aber das ist jetzt eine Wüste. Glückliche Balloons hängen an den Füßen von Kadavern, die in anderen Kadavern stecken, vor sich hin modern und wie Wolkenkratzer ins Nichts ragen. Wir sind dazu erzogen ins Nichts zu tauchen und Nichts zu werden. All das Gerede von Freiheit, Gerechtigkeit und Selbstverwirklichung ist nur Dünger für die Nicht-Existenz. Das gehört zum Schein des Lebens. Die Produkte, die wir kaufen imitieren nur was Leben sein könnte und auch nur in einer völlig verdorbenen, schwachsinnigen Form. In der Matrix gab es wenigstens Maschinen gegen die man hätte rebellieren können, aber hierzulande gibt es weder einen auserwählten Führer noch irgendein Paradies, die Schwerkraft ist völlig außer Kraft gesetzt. Wir sind Unsichtbare, wir umklammern Verrücktheiten. Die Welt wird nicht von den Menschen zusammengehalten, die sind längst weg. Der Riss geht durch uns alle, er füllt das komplette Innere wie ein Vakuum. Alle Dialoge sind leere Sprechblasen. Wer sich ergeben hat, funktioniert wenigstens im Sinne dieser Verrücktheiten. Man lagert in diesem Ei und träumt sich zurecht, während man vegetiert und ins Monstrum investiert. Der Ergebene kann dem Hungernden das Brot verweigern, die Obdachlosen verprügeln, Deutschlandfahnen schwenken, Bomben werfen und arbeiten gehen. Er kann die Welt hassen und Kinder zeugen. Diese Kinder werden dann auch abgetragen und werden hassen lernen. Diese ganze Zerrissenheit ist ein Problem derer, die sich noch erinnern und zweifeln, die sich noch nicht entschieden haben ob sie verrückt werden oder sich ergeben.

Ein Kommentar

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Alle sind willkommen

Tausende flüchten, ersaufen vor Europas Küsten oder vegetieren und sterben in Lagersystemen. Sie sind lediglich Objekte und Bedrohung, statt Subjekte und Bereicherung. Jene die den Horrortrip durch Stacheldraht und Kontrollen überstanden haben erhalten vom Staat zuviel zum Sterben und zuwenig zum Leben. Das ist beabsichtigt und das ist inakzeptabel!

Am 03.09.2013 versammelten sich ein paar hundert Leute in der Münchner Innenstadt um sich solidarisch mit jenen Staatenlosen zu erklären. Für einen kurzen Moment wurde der Normalbetrieb für eben jene Non-Citizens unterbrochen, denen man sonst lieber das Leben und die Beine bricht. Wir können über alles streiten, aber in diesem Punkt dürfte Einigkeit herrschen: Jeder Mensch soll frei von Hunger, Repression und Perspektivlosigkeit sein.

Ja, diese Demonstration hat keine Revolution ausgelöst. Wie auch, wenn Millionen Menschen dem Zauber falscher Verhältnisse erliegen. Aber sie gab jenen Hoffnungslosen eine geringe Hoffnung, dass sie hierzulande einmal willkommen sein und leben könnten wie wir Europäer. Besser so als das was in Rostock-Lichtenhagen geschah und sich in Hellersdorf zu formieren scheint! Besser Bürger Europas als zu hungern und eingesperrt zu sein!

Ihrem Wunsch nach Leben sollte Unterstützung folgen und nicht Glotzerei oder Lamentiererei. Es geht um konkrete Aktivität und das Einstehen für die Bedürfnisse jener denen man aus ökonomischen Kalkülen nichts zubilligen will. Jenen Verhältnissen, die dem entgegenstehen muss Einhalt geboten werden, über die Herangehensweise werden wir weiter streiten, aber auch deren alltägliche Opfer müssen unmittelbar geschützt und unterstützt werden!

Insofern gilt was die streikenden Non-Citizens, fordern:

Die bedingungslose Anerkennung unserer Asylanträge

Stopp aller Abschiebungen

Abschaffung der Residenzpflicht

Schließung aller Asylsuchenden-Lager

(Mehr auf: http://refugeestruggle.org/de )

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