Monatsarchiv: April 2012

Verloren im Weltraum

Leere Köpfe, leere Aktentaschen, werden durch die kalten Straßen getragen. Nichts spricht, stumm schleppt sich das Leben fort. Die Reise ins Nichts. Ins freie Inhaltslose ohne Schall, ohne Form, ohne Sicht oder Licht. Die Armut ist weit verbreitet. Schwere Maschinen in den Gängen, dichte, dicke Luft in den Zimmern und wütendes Ungeziefer welches herum hämmert und klopft. Das ist Gewalt gegen das Leben. Folterkerker der Moderne, mit lächelnden Henkern, gewinnenden Botschaften und der Gewissheit der Fortschritt ist gesichert. Drogen im Herzen, Krankheiten im Kopf, Asche in den Adern, Schmerz in den Zellen, Trümmer in allen Winkeln, in allen Lebenswelten. Wir sind Ruinen die durch Ruinen wandern. Das ist unser Elend, das ist unser Schicksal. Wir haben gewählt und wählen weiter, mit dem Schritt, mit jedem Tritt ins Gewohnte. Die Zukunft ist eine Hure, wie die Liebe, das Geld und der Mensch. Austauschbare nutzlose Schräubchen sind wir, die sich in den schmierigen klappernden Maschinen winden. Es wird gejammert, es wird getobt, unternommen aber, wird nichts was von Bedeutung wäre. Es kommt Freude auf wenn jemand Funken vor Raserei wirft und dabei spektakulär allein oder mit anderen stirbt. Abwechslung vom grauen Nichts. Routine, Alltag, Gleichschritt, der Ernst des Lebens. Wer träumt verliert. Wer verliert ist verloren, verloren in einer verlorenen Gesellschaft. Verloren im Weltall, treiben wir auf unserem Floss, versinken im Nichts. Das nennen wir Leben. Wer kommt dagegen an? Gibt es eine Idee? In allem steckt Chaos und Wahnsinn. Ignoriert wird das schlechte Gewissen, das schlechte Gefühl, dieser Geruch des Selbstbetrugs. Orientierungslose Schwachköpfe in hochtechnisierten Blechkisten auf Betonlandschaften, die sich auf erniedrigte Mitmenschen einen herunterholen um sich von ihrem eigenen erbärmlichen Elend für einen Schuss abzulenken. Immer wieder diese Wände und Ketten der Oberflächlichkeit. Stumpfsinn, Schwachsinn, Elend. Man wünscht sich die Flut die alles hinfort spült, diesen ganzen Dreck in den Leibern und Bauten. Aber nichts passiert. Hoffnungslos ausgeliefert, den beschränkten Sinnen, der unerbittlichen Natur, der Spirale Evolution. Das Leben erscheint als Gefängnis, was bleibt ist die Wahl der Zellenecke. Darum streiten wir, wer ist im Recht, wer ist gerecht, wo ist Orientierung, Sicherheit und Ordnung? Keine Zeit, wir brauchen Superstars, Superkanzler, Führung und Autorität, unseren eigenen Gedanken trauen wir nicht, so haben wir es gelernt. Alles ist die Sekte. Niemandem ist zu vertrauen. Vieleicht können wir bald für immer schlafen und alles vergessen was in den letzten Jahrtausenden passiert ist. Wir könnten wieder träumen von einem warmen Gefühl das beständig bleibt. Träumen von einer Welt ohne Neid, Zorn, Gier und Missgunst, ohne Vergewaltigung, Mord, Hunger und organisierten Irrsinn. Wer könnte uns dann noch wecken? Vielleicht passiert das wenn wir unter der Erde sind. Vielleicht passiert nie irgendetwas. Trotz aller Entwicklungen. Trotz aller Hoffnungen. Wir kennen uns nicht. Wir verstehen uns nicht. Und wir sind froh nicht daran erinnert zu werden. Es wäre schön wenn wir alle ohne es zu merken gemeinsamen Massensuizid zelebrieren würden, als die inkonsequente selektive Schlachterei und Quälerei in der Historie.

Der Text wurde im Dezember 2010 geschrieben.

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Pedanterie in Deutschland

Täglich verhungern tausende Menschen, tausende Armutsflüchtlinge ersaufen vor Europas Küsten und das mit der Unterstützung von Milliarden Lohnarbeitern und erneuten Milliarden Investitionen. Ohne die  tagtägliche Initiative  genannter Lohnabhängiger, wäre die dafür verantwortliche „Wirtschaftsordnung“ nicht überlebensfähig und sie wäre auch gar nicht in dieser Form existent. Aber in den Köpfen der Massen ist z.B. über die Medien davon nicht mehr als der moralische Zeigefinger vorzufinden.

Problematisiert wird ein Schnäppchenjäger Wulff, die Zockerei mit Lebensversicherungen, irgendwelche Unternehmer die als „verantwortungslose Heuschreckenschwärme“ auf Märkten agieren, sittenwidrige, „schweinische“ Löhne, die irgendwie krank machen, Altersarmut, Kinderarmut, „Pleite-Griechen„, Hartz IV „Drückeberger„, aber nie gibt es sachlich differenzierte Analysen, die komplexe Zusammenhänge präzise auf den Punkt bringen. Es existiert quasi nie eine Verbindung zwischen all diesen Themen. Emotionale, vorurteilsbeladene, selbstherrliche und scheinheilige Debatten werden angestossen, verkürzt kritisiert und durchs Dorf getrieben bis der nächste Skandal kommt, wobei Details und der Schein alles dominieren und das große Ganze niemanden zu interessieren scheint.  Davon lassen sich alle inspirieren und prägen. Niemand ist sicher und niemand ist unbeteiligt. Sowohl an den Stammtischen als auch bei Videoportalen wie Youtube oder am Arbeitsplatz, wird sich engagiert über das aktuellste Thema abreagiert, ohne fundiert zu analysieren oder irgendeine Konsequenz daraus zu ziehen. Hier nimmt man es offensichtlich nicht so genau mit den Gründen für die Probleme unserer Gesellschaft.

Was stattdessen ganz genau zählt ist die Wahrung der Ordnung, des Scheins und hier ist jedes Detail wertvoll. So soll der eigene Wagen gewaschen sein, wenn schon das halbe Weltmeer mit radioaktiven Müll verstrahlt wird. Schliesslich will man gegenüber Freunden, Bekannten und den Kollegen nicht blöd da stehen. Eine aufgeräumte Wohnung ist ebenfalls enorm wichtig, gerade wenn man schon Europas Müll in Afrika ablädt, mit dem sich deren Kinder dann vergnügen können. Die halbe deutsche Bevölkerung sitzt in über 43 Millionen Fahrzeugen und betrachtet es als Ausdruck individueller Freiheit tausende Menschen dabei zu töten. Es ist nur fair, sich in diesem Zusammenhang und im selben Atemzug als vorbildlich in Sachen Umweltschutz zu bezeichnen. Wichtig ist in Deutschland natürlich die Kompetenz am Arbeitsplatz mit den entsprechenden Tugenden von Fleiß, Disziplin, Belastbarkeit, Flexibilität, Teamfähigkeit, um im Unternehmen einer Ökonomie zu dienen, die lieber Millionen an heilbaren Krankheiten verrecken lässt, anstatt ihnen Medikamente kostenlos zur Verfügung zu stellen. Leistung kann sich eben nur dann lohnen, wenn überhaupt gearbeitet wird, bzw. eine Infrastruktur vorhanden ist, in der man als Lohnsklave seine Lebenszeit zu Arbeitszeit pervertieren kann. Das ist soziale Marktwirtschaft, der Tauschwert triumphiert über den Gebrauchswert.

Alle gucken weg, wollen  ihre persönliche Beteiligung am alltäglichen morden, zerstören, vergiften usw. ausblenden und verleugnen. Probleme sind zwar da, aber woher sie kommen, who knows, who cares?! Schreien wir solange bis sich einer drum kümmert. Oder: Man kann es nicht ändern, also gehen wir arbeiten und danach feiern. Ignoranz und Selbstverleugnung als Lebensinhalt.  Das alltägliche Geschrei und die Raserei in Arbeits- und Freizeit hilft dabei nicht allzu sehr ins Grübeln zu geraten. Kaum hat man sich über irgendwelche Schädlinge der Menschheit ausgelassen, lässt es sich auch viel leichter weiterarbeiten und vorallem die Alternativlosigkeit akzeptieren. Denn wo keine Analyse da auch keine Vision einer anderen Gesellschaft. Fatalismus ist genauso normal wie Pedanterie in Deutschland. Es ist zwar alles im Arsch, aber ordentlich arbeiten  muss man natürlich trotzdem, denn es gehört sich so, warum auch immer. Das kotzt einem tagtäglich entgegen, in teuren Anzügen, gern auch im modischen Kleidchen, mit betroffener Mimik, mit Gekicher, als wäre die Welt kein Schlachtfeld mit Millionen Toten pro Jahr, die für eine Ordnung gerichtet wurden und werden, welche von kaum einen als fundamentales Problem erachtet werden. Stattdessen werden die Leichenberge als Teil des Panoramas akzeptiert, bestiegen und höchstens schockiert fotografiert.

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77 Menschen getötet: Für Breivik klarer Fall von „Notwehr“

Breivik denkt den Nationalismus zu Ende. Er sieht überall Feinde der eigenen herrlichen Nation. Dazu gehören angeblich integrationsunwillige Moslems, die selbstverständlich nur in Norwegen leben um ihre „faschistische Religion“ zu verbreiten und wehrlose Norweger vampirartig zu missbrauchen. Obendrein Teil der Achse des Bösen: Die Marxisten, die diese Moslems dabei unterstützen würden. Beide Sorten von Schädlingen der Nation müssten laut Breivik ausgerottet werden. Ihm ging es mit Blei und Sprengstoff um den schnellen Akt der Säuberung des norwegischen „Genpools“. Er hätte also nur vernünftigerweise und als Ausdruck von „Güte“ in Notwehr gegen die angebliche Islamisierung durch bärtige Islamisten und Marxisten in Europa gehandelt. Als man ihm eine paranoide Schizophrenie und damit eine fehlende Zurechnungsfähigkeit während der Tatzeit diagnostizierte, war er entsprechend beleidigt. Er sah die Größe seines für ihn so rationalen und vernünftigen Werks in Gefahr. Wo liegen die Ursachen für ein derartiges Weltbild?

Fahnungschef Mæland billigt Breivik eine „rechtsextreme, christlich-fundmaentalistische Haltung“ zu. Sozialwissenschaftler Gule charakterisiert ihn als nationalkonservativ, mit konservativer, christlicher Ideologie. Allerdings widerspräche laut Oda Lambrecht und Christian Baars seine Gleichgültigkeit gegenüber den 77 Opfern essentiellen Glaubensinhalten. Er würde vielmehr „kompromisslos bestimmte konservative Werte“ vertreten. Politikwissenschaftler Hafez behauptet, dass die „Mainstream-Diskure über die angebliche islamistische Bedrohung“ den Anschlag mit verursacht hätten. Psychiater Leygraf behauptet Breivik würde an einer individuellen Krankheit leiden, daher müsse man alle seine Ausführungen unter diesem gesundheitlichen Aspekt betrachten. In diesen verschiedenen Einschätzungen liegt überall ein gewisser wahrer Kern.

Im internationalen Konkurrenzkampf des Kapitalismus setzt sich die Atomisierung und Zersetzung des Individuums fort. Die Identifikation mit Leistungs- und Wettbewerbsprinzipien bilden die stärkste charakterliche Prägung des modernen Menschen. Das Berufsleben isoliert und zementiert die soziale Rolle in der Gesellschaft. Man definiert sich über den Beruf, betrachtet Arbeit als Lebensinhalt. Diese Konzentration des Lebens auf wirtschaftliche Aspekte, ist von zentraler Bedeutung, da der Konkurrenzkampf das egoistische Individuum bildet. Und das egoistische Individuum will seine Vorteile soweit wie möglich realisieren, auch wenn das im harten Konkurrenzkampf für die breite Masse kaum möglich ist. Es gibt also erstens kaum noch verlässliche Bezugspunkte zu anderen Menschen und Gruppen mit denen man sich identifizieren, groß und mächtig fühlen kann und zweitens gibt es einen enormen Drang danach sich groß und mächtig zu fühlen.

Hier bietet sich die Herkunft als ideale Möglichkeit an, dem Geltungsdrang der vernachlässigten Identität nachzugehen und das Gefühl von Bedeutungslosigkeit damit zu füllen. Deutschlandfahnen wehten nicht zum Spaß bei irgendwelchen Sportereignissen in ganz Deutschland. Der Jubel und Trubel um die eigene Nation, lässt eigene Nöte, Schwächen und Zweifel in den Hintergrund rücken. Man gewinnt wieder Hoffnung, schöpft Kraft für die nächste Etappe im internationalen Konkurrenzkampf auf den globalen Märkten, kann wieder über die politischen  Fehlentscheidungen hinwegsehen und so weiter. Breivik identifiziert sich stark mit seiner Nation, ihrer wirtschaftlichen, kulturellen Stärke und überhöht sie derart, dass ihm andere Nationen insbesondere islamisch geprägte Nationen fern, fremd und gefährlich erscheinen.

Er fand schnell ein Fundament für seine Vorurteile, so wie die sogenannten normalen Kritiker des Islams, die dieser Religion Faschismus unterstellen. Täter gibt es überall auf der Welt.  Breivik war zwar ähnlich paranoid, unsachlich und atomisiert wie sämtliche Patrioten, Nationalisten und Konservativen heutzutage, aber er wollte nicht einfach nur darüber klagen, dass angeblich seine  Herkunft und damit seine Identität durch fremde Einflüsse beschmutzt oder gar vernichtet werden. Er wollte handeln statt reden um die eigene Nation vor wirtschaftlichen und ökonomischen Schäden zu verteidigen.

Darin besteht der einzige Unterschied zu Typen wie Seehofer  („Multikulti ist tot„), Merkel („Jetzt machen wir hier mal Multikulti und leben so neben’ander her und freuen uns über’nander“ / „Dieser Ansatz ist gescheitert, absolut gescheitert„), Sarrazin („Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate.„) und Co.  Um diesen Zusammenhang auszublenden erklären ihn die Medien nahezu geschlossen als „Irre„, „Zynisch„, „Teuflisch“ oder „Pervers“  obwohl er lediglich den allgemeinen, normalen Nationalismus, der vom Staat, von den Parteien und Konzernen gelebt und vorgegeben wird, radikal als Individuum bis ins letzte Detail umgesetzt hat. Damit ist der menschenverachtende Charakter der gesamten Zivilisation  im praktizierten Nationalismus dieses Menschen offenbar geworden.

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JuliensBlog – Scheißegal

1. Du gibst also offen zu, dass Dir die Kinder in Afrika scheißegal sind und darauf bist Du auch noch stolz denn Du glaubst damit kein Heuchler zu sein. Ganz im Gegensatz zu anderen Leuten, denn denen sind laut Deiner Aussage zwar diese Kinder ähnlich scheißegal, aber wollen dies nur nicht zugeben.

Deine eigene Haltung ist eindeutig menschenverachtend und es wird nicht besser indem man derartiges zugibt. Man ist nur dann besser als jene die man kritisiert, wenn man Ignoranz, Intoleranz, Lethargie, Ahnunglosigkeit, Vorurteile und Naivität aktiv bekämpft. Du vertrittst in diesem Video, wie auch schon bei anderen Videos, gefährliches Halbwissen, was im folgenden auch nachgewiesen werden wird. Vorausschickend: Du erreichst mit Deinem YT-Channel hunderttausende von Menschen und trägst damit auch eine wesentlich größere Verantwortung als gewöhnliche Menschen, die nur ein paar hundert Menschen mit ihren Äußerungen und Verhalten beeinflussen. Man hält Dich für intelligent und eloquent, erwartet daher auch Substanz in Deinen Thesen und übernimmt sie schliesslich auch auf Schulhöfen, im Beruf oder bei Freunden, Bekannten, gerade wenn man noch ziemlich jung und unerfahren ist. Du verbreitest mit Deinen Videos also Deine eigenen Vorurteile, die mitunter rassistisch sind („Aidsverreckende Schokobabys“ ist keine Satire), ohne Dir über die Konsequenzen im Klaren zu sein.

2. Es folgt Deine Kritik der Funktion von Spenden hierzulande, die das Gewissen kurzfristig erleichtern würden, weil wir uns damit einreden würden, etwas gegen die Armut usw. zutun, was Deiner Ansicht nach gar nicht stimmen soll.

2-3 Cent („Ficks“) wären uns egal und selbst wenn wir die ganze Tasche voller „Ficks“ hätten, würde es uns dennoch nicht wirklich interessieren was die Hungernden angeht. Das erklärst Du mit Egoismus. Es ist allgemeinbekannt das Spenden tatsächlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, aber dennoch helfen sie tausenden von Menschen unverzüglich und das ist mehr wert, als wenn man gar nichts macht oder einfach nur Videos dreht in denen man völlig unqualifiziert Spenden kritisiert. Jede Spende ist wichtig, weil dadurch Menschen vor Krieg, Hunger, Krankheit oder Analphabetismus gerettet werden können. Wer Spenden generell für wirkungslos hält und ihre einzige Funktion in der Gewissenserleichterung von westlichen Bürgern sieht, der verkennt völlig wieviele Menschen durch sie gerettet werden konnten.

3. Du beklagst anschliessend die Betroffenheitsorgien, die durch Trailer von Hilfsorganisationen ausgelöst werden und die Macht der Kulturindustrie mit ihren Movie-Blockbustern, die die Menschen wieder vergessen lässt, was in anderen Teilen der Welt abgeht. Es folgen Sprüche wie „Wir sind Arschlöcher die Glück haben in der ersten Welt zu leben“. Unsere Sorgen seien nur Handyrechnungen, „was abends in der Glotze läuft“, fehlendes Klopapier. „Wir hatten Glück und die Anderen halt nicht.“

Hier wird klar wie oberflächlich Du vorgehst. Es ist unzureichend zu glauben das die Medien oder die Lust auf Medien einzig und allein verantwortlich für den fehlenden Aktionismus gegen den Hunger in der Welt ist. Vielmehr liegt es an der Sozialisation, Tradition, der Politik und Ökonomie warum Menschen nicht unverzüglich den Kampf gegen Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit aufnehmen. Wir sind von Geburt an danach erzogen Leistung im Konkurrenzkampf zu erbringen und ziehen daraus unser Selbstwertgefühl, unsere Identität! Darauf basiert auch unsere Ökonomie und unser Nationalstaat. Individuen in Haushalten, Konzernen und Nationen konkurrieren gegeneinander um Profite, Macht und damit um indirekte Befriedigung real unstillbarer egoistischer Bedürfnisse, die sich aus der bereits angesprochenen Sozialisation speisen. Der von Dir beklagte Egoismus ist eine fundamentale Säule des Kapitalismus. Wären wir nicht egoistisch erzogen, könnten wir nicht in der Schule oder im Beruf funktionieren. Wäre diese Funktionsweise nicht vorhanden, wie es bei einigen Individuen oder Staaten der Fall ist, droht der soziale Abstieg, Arbeitslosigkeit, Defizite im Staatshaushalt. Mangelnde egoistische Konkurrenzfähigkeit geht also mit dem Verlust von Lebensqualität einher, wodurch sich die Menschen im Laufe der Zeit immer stärker auf Monetäres bzw. Materielles fixieren, weil diese ökonomischen Erfolg symbolisieren und mitunter sogar garantieren. Dieser Konkurrenzkampf ist es übrigen auch, der die Armut in Afrika überhaupt erst möglich macht und Millionen Menschen von den Gütern ausschliesst, die sie für ihr Überleben benötigen. Menschen verhungern nur, weil sie ihre Nachfrage nicht finanzieren können, und weil sie nicht zahlen können, werfen wir die frischen Lebensmittel lieber weg, als sie zu verschenken.

Die Menschen kennen also weltweit keine andere Welt als die egoistische, kapitalistische Welt. Daher ist das beklagen oder eingestehen von Egoismus und der sich daraus ergebenden Lebenshaltung albern, sofern daraus keine tieferen Erkenntnisse und Aktionen folgen, wie es bei Dir der Fall ist. Menschen haben in ihrer Reduziertheit als konkurrierendes, atomisiertes Individuum bloss ihre egoistische Eindimensionalität. Aus diesem charakterlichen Mangel folgt seelische Leere. Menschen bringen sich um, laufen Amok, saufen sich tot, töten sich mit anderen Drogen, Medikamenten, erkranken also an Depressionen, Borderline, Burnout, Schizophrenie, andere Persönlichkeitsstörungen usw. Kurzum: Millionen Menschen sind traumatisiert und wissen keine Lösung aus der anerzogenen Eindimensionalität. Sie wissen nicht wie sie ohne Egoismus leben, denken oder fühlen sollen. Das ist ein Phänomen der kapitalistischen Gesellschaft, einzelne Individuen flüchten sich angesichts dieser Realität nunmal gerne in Musik, Film und Fernsehen, weil das wesentlich einfacher ist als in die Untiefen der Psyche vorzudringen. Sie wissen keinen Ausweg, weil ihnen einerseits die Nerven, die Zeit und andererseits die Fantasie bzw. das Interesse an Theorie fehlt.

Wenn Du also von Arschlöchern sprichst, dann meinst Du damit wohl eher traumatisierte, missbrauchte, missverstandende, vernachlässigte Individuen, die nach Jahrzehnten im Kapitalismus von dessen Anforderungen völlig aufgerieben und zerrissen worden sind. Du beschimpfst also Opfer, anstatt auf sie einzugehen. Diese Opfer empfinden das von Dir bezeichnete westliche „Glück“ als auswegslose Hölle, die z.B. aus einem endlosen Berufsleben im Hamsterrad, voller Kontrollverlust und Unsicherheit besteht. Die allerwenigsten Menschen können sich den Luxus leisten, irgendwelche Videos zu drehen oder sorgenvoll ans Klopapier zu denken. Offenbar sind Dir aufgrund Deiner jungen Jahre die Härten dieser Realität völlig unbekannt. Millionen verharren in Perspektivlosigkeit, Stress, (Zukunfts-)Angst, Unzufriedenheit, materiellen Mängeln, anderen seelischen Qualen und finden keinen Halt oder eine Perspektive die echte Lebensqualität beinhalten würde. Hier nun anzukommen und zu sagen, helft doch mal denen in Afrika, ist absurd. Zerstörte Menschen sollen hungernden Menschen helfen, das funktioniert bestimmt. Der westliche Mensch ist ein von der Politik und Ökonomie zerstörter Mensch, der wie ein Junkie als Lösung seiner Probleme immerzu Heroin wählt, dabei aber alles nur noch verschlimmert. So läuft es auch in Deiner Geisteshaltung. Du findest keine Lösung, also spuckst Du anderen in die Suppe, giesst Öl ins Feuer und erwartest freudig die sich darausergebende Katastrophe. Da könnte man sicherlich den Vergleich zu deinem geliebten Joker in Batman ziehen, auch wenn Du mir noch eher als der Oliver Pocher von Youtube vorkommst.

4. Weitere Sprüche von Dir folgen: „Was soll dieses Rumgelaber?“. „Es kümmert uns nicht, weil es uns nicht betrifft“ behauptest Du.

Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, das die Armut in Afrika nichts mit unserem Leben in Europa zutun hat. Wir leben in einer globalen kapitalistischen Ökonomie mit Handelsbeziehungen ohne Grenzen. Rohstoffe werden von Afrika nach Europa, Elektroschrott, Atommüll von Europa nach Afrika transportiert. Wir Europäer profitieren von der Armut in Afrika, da sich dadurch einerseits die Preise für Rohstoffe kontrollieren lassen und andererseits keine „wehrhafte Demokratie“ wie in Deutschland zu erwarten ist, die mehr verlangt, als das Ersatzteillager und Müllhalde der westlichen Welt zu sein. Die Destabilität Afrikas ist die Mine des Reichtums für Europa. Je größer man also Afrika für die geopolitischen Interessen der eigenen Nation ausnutzen kann, desto höher auch die Lebensqualität der eigenen Bürger. Es gehört mittlerweile auch zur Normalität, dass wir die Küsten vor Afrika leer fischen und dann billigeres Fleisch als auf deren lokalen Märkten verkaufen, wodurch wir gleich doppelt deren Infrastruktur und Lebensqualität vernichten. Es herrscht ein permanenter Wirtschaftskrieg zwischen Europa und Afrika. Man darf auch nicht vergessen, das Europa eine Festung für Hungerflüchtlinge aus Afrika ist. Diese lässt man regelmäßig einfach absaufen, diese von Dir vorgeführte „Scheiß egal“ Mentalität ist also bereits politische Praxis.

Es gibt demnach knallharte ökonomische Gründe warum es uns betrifft. Diese Fakten werden verdrängt, aus bereits in Punkt 3 genannten Gründen. Es fehlt Zeit, Nerven, Geld, Gesundheit, Identität, Mut und Wissen diesen Zusammenhang zu sehen und entsprechende Alternativen zu erarbeiten und zu erkämpfen.

5.Würde eines der Afrika-Kinder hierzulande geboren sein, würde es sich genauso wenig darum kümmern was in Afrika passiert, wenn wir die Hungernden dort wären.

Natürlich hängt es immer auch von der Sozialisation ab, wie man mit anderen Menschen umgeht. Näher wurde das ebenfalls in Punkt 3 erläutert.

6. 2-3 Cent Spenden würden uns nicht weniger zu Arschlöchern machen, die nur an sich denken.

Der Akt des Spendens signalisiert ein Mindestmaß an Mitgefühl und macht uns in der Tat ein wenig mehr zu Menschen als zu „Arschlöchern“.

7. Du bezeichnest es als utopisch wenn es „jedem auf der Welt gut“ ginge. Es sei obendrein „nicht unser scheiß Problem“ wie es anderen geht.

Angesichts der unglaublichen Produktivitätssteigerungen der letzten Jahrzehnte könnte man jeden Menschen ein würdevolles Leben ermöglichen. Es scheitert bislang bloss an der gesellschaftlichen Organisation sämtlicher individuellen Interessen und Bedürfnisse. Ideen liegen z.B. im Anarchismus vor und wurden auch bereits praktisch erfolgreich ausprobiert (Spanien, Ukraine usw). Wir produzieren für ca. 12 Milliarden Menschen Lebensmittel, ein Großteil davon wird aber weggeschmissen oder an Tiere verfüttert, die wir später essen. Die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein Resultat der Bewusstlosigkeit der konkurrierenden Subjekte im Kapitalismus. Denn wie immer gibt es Mangel an Zeit, Geld, Nerven, Gesundheit, Identität, Stabilität im sozialen Gefüge usw usf, die einen Prozess der Bewusstwerdung über Mängel im eigenen oder gesellschaftlichen Verhalten ermöglichen würden. Würde man bspw. den Fleischkonsum, die Nutzung von Kraftfahrzeugen einschränken, liesse sich genug Energie und Rohstoffe sparen um schneller sämtlichen Menschen die Lebensqualität zu bieten, die wir in Europa seit Jahrzehnten kennen. Dies alles mag utopisch erscheinen, doch war selbst unsere heutige Demokratie lange Zeit völlig utopisch, was man z.B. in Zeiten des Absolutismus sieht.

Wer sagt, es sei „nicht unser scheiß Problem“ wie es anderen Menschen auf der Welt geht, propagiert menschenverachtende Ansichten und bekundet damit seine Unkenntnis über gesellschaftliche Zusammenhänge und Möglichkeiten.

8.“Wenn ich Politiker wäre, wäre mein Slogan wählt Julien für ein egoistisches Deutschland.“

Hitler wollte genau das. „Deutschland über alles“. Aber natürlich bist Du kein Nazi, das war reine „Satire“, wie schon bei den „an aidsverreckenden Schokobabys“.

9. „Wir geben den Griechenland keine Milliarden, wenn wir selbst 2 Billionen EUR Schulden haben.“

Die Milliarden an Griechenland sind keine Geschenke, sie fliessen mit Gewinn an Deutsche Banken zurück. Vielleichte sollte man nicht darauf bestehen das Griechenland deutsche Rüstungsgüter in Milliardenhöhe erwirbt? Nein, besser nicht, das steht doch dem „egoistischen Deutschland“ im Weg. Der Übergang zwischen Faschismus und Nationalismus ist übrigens fliessend, wie wir im zuvorigen Punkt bereits erkannt haben.

10. „Wir kümmern uns nur um uns selbst, weil wir im besten Land der Welt wohnen. Alle anderen sind uns scheißegal“

Und wieder eine These in bester „Deutschland über alles“-Manier. Deutschland ist nur deshalb so erfolgreich weil es einerseits Millionenfach die Löhne drückt, damit billige hochwertige Produkte erzeugt und schliesslich gewinnbringend im Ausland absetzt. Der Erfolg und Reichtum Deutschland basiert also auf der Nachfrage und dem Konsum in den Nachbarländern (u.a. auch Griechenland, wie bereits angesprochen). Dir sollten „alle anderen“ besser nicht „scheißegal“ sein. Wieder wird deutlich das Du keinen Schimmer von Politik oder Ökonomie hast.

11.“Deutschland gemessen an anderen Ländern natürlich ziemlich gut, aber im Rahmen unserer Möglichkeiten geht es uns beschissen. Weil wir andauernd an irgendwelche anderen Spacken denken und Almomsen verteilen, die sowieso nichts bewirken!“

Im Rahmen unserer Möglichkeiten? Träumst Du von der Weltherrschaft Deutschlands? Wer ist eigentlich dieses „uns“? Vorhin war es per se negativ gesprochen, nun wird behauptet eine deutsche Gemeinschaft hätte irgendwelche Nachteile aufgrund „irgendwelcher Spacken“ obwohl es genau umgekehrt ist, wie ich in Punkt 10 nachgewiesen habe. Man kann sich nur fassungslos angesichts dieser absurden Thesen zeigen, die eindeutigen Realitätsverlust belegen.

12. „Aus der Dritten Welt wird nie die Erste Welt. Warum sollte man das Geld für sowas verbrennen?“

Warum nicht? Man hat Billionen verbrannt um eine Ökonomie aufrechtzuerhalten, die den Hunger bzw. das Elend in der gesamten Welt ermöglicht. Warum sollte man das Geld nicht einmal für etwas vernünftiges, nämlich für den Kampf gegen Hunger, Krieg usw. einsetzen? Weil es sich nicht rechnet oder was?! Woher kommt die Gewissheit, dass es niemals zu einer grundlegenden Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse kommen wird? Das ist reine Spekulation, die aufgrund halbgarer Sprüche geführt wird.

13. „Die Leute da unten haben nie etwas anderes gekannt. Und dann kommen da irgendwelche heiligen Samariterwichser an und geben ihnen Hoffnung. Mich kotzt diese Scheinheiligkeit an.“

Nun ist es bei Dir also verboten hoffnung zu geben. Wer sind denn die „heiligen Samariterwichser“? Ist das eine Kritik an NGOs? Sollen die ihre Arbeit einstellen und stattdessen lieber Deine Videos angucken? Alles scheißegal, lass die Leute ruhig verrecken und anstatt zu spenden, geht lieber Kippen und Alkohol kaufen. Was ist denn das Resultat Deiner ganzen Thesen? Was ist das Ziel dieses Videos? Man erkennt hier deutlich wieviele falschen Thesen zu einem verachtenswerten Weltbild führen. Schlimmer macht es nur noch die hohe Verbreitung dieses geistigen Abfalls.

14. „Wenn es Euch nicht scheißegal ist, dann fliegt doch darunter in den Dreck, nehmt ein Kind mit und ermöglicht ihm ein schöneres Leben hier in Deutschland oder was weiß ich. Kein einziger von Euch würde das machen. Und das ist auch in Ordnung. Gebt einfach zu, dass es Euch scheißegal ist. Oder lebt weiter in eurer Seifenblase weiter und tut so als würdet ihr euch für irgendwen anders interessen als euch selbst. Es ist mir scheißegal und ich steh dazu. Was ist mit Euch?“

Wieder wird das menschenverachtende Weltbild als vernünftig dargestellt. Als ob man einem Nazi auf die Schulter kloppft wenn er sagt „Ich hasse Ausländer und ich steh dazu“. Es ist absurd. Jeder Mensch muss sich hierzuland um sein ökonomisches Überleben kümmern. Die Lebenshaltungskosten sind genauso immens wie der globale Konkurrenzkampf. Wer hier verliert, verliert schnell Familie, Wohnung, Auto, Perspektive, Lebensqualität und Lebenslust. Das ist das von Dir reichlich naiv umjubelte Glück der ersten Welt. Man kann schon rein aus den gesellschaftlichen Verhältnissen heraus nicht einfach nach Afrika fliegen und zehntausende Menschen retten, denn dazu müsste man reich sein und wer ist schon reich? Eine Minderheit und die ist nur so reich, weil sie alles für sich behält. Wenn man das mal durchdenkt was Du hier sagst, kommt man erneut zu dem Schluss, dass es hier keine großartige Auseinandersetzung mit der Thematik gegeben haben muss.

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