Monatsarchiv: Oktober 2011

Kälte und Zerstörung

Im Berufsleben gibt es keine Gnade. Menschliche Emotionen, Zweifel und Eigenheiten sind nur dann am Arbeitsplatz, für den Chef, für den Kunden, für die Firma relevant, wenn sie die Profite erhöhen. Milliarden gehen täglich zur Arbeit. Es ist der ganz normale Wahnsinn. Wie selbstverständlich prostituieren sich die Massen am Strassenstrich, genannt Markt, um einen Hungerlohn oder fette Boni einzusacken. Gleichgültig in welcher Branche, gleichgültig welcher Konzern, ob Millionen Angestellte oder in Selbstständigkeit, alle Menschen konkurrieren gegeneinander auf dem Strassenstrich, um Freier, um Kunden, um Konsumenten, Absätze, Zukunft und Lebensqualität. Wenn sich indische Bauern umbringen, weil sie ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Wenn sich klassische Prostituierte von Zuhältern prügeln lassen und pro Nacht 5 Freiern den Arsch hinhalten. Wenn für Coltan, Eisen, Öl und Gold tausende Kubikmeter Erde entweder mit blossen Händen oder gigantischen Baggern umgegraben werden. Wenn Händler an der Börse mit Lebensmitteln spekulieren. Wenn man sich als Bürohengst mit einem PC-System, schreienden Kunden und fordernden Chefs herumschlagen muss. So haben wir überall denselben Hintergrund. Sie alle brauchen Profite um in diesem System überleben zu können. Sie brauchen jemand, der bereit ist, für ihre Dienstleistung zu bezahlen. Die Unterschiede mögen gewaltig sein, aber da jeder Mensch auf dem Strich steht, gibt es automatisch Gewinner und Verlierer, schliesslich kann nicht jeder jeden Tag 10 Freier abkriegen.

Angebot und Nachfrage stehen für Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit in der Ökonomie. Es steht jedem frei unter einer Brücke zu schlafen, dem Armen und dem Reichen. Wenn die Nachfrage nach der eigenen Dienstleistung nicht da ist, dann ist man selber schuld, dann hat man offensichtlich nicht genug getan, um von Freiern als wertvoll genug erachtet zu werden. Wer nicht den Vorurteilen einzelner Entscheidungsträger in Schlüsselpositionen entspricht, der kann unter Umständen schnell den sozialen Abstieg vollziehen, ohne jemals nachhaltige Hilfe von irgendjemanden erwarten zu können. Im Gegenteil, der deutsche Staat streicht Förderungen und Unterstützung, zwingt die Arbeitslosen indirekt dazu jeden Job anzunehmen. Einzig die Familie kann ein wenig helfen, aber wenn die nicht über genug finanzielle Mittel oder Kontakte verfügt, ist auch sie völlig machtlos gegenüber der Logik des Marktes. Wer ein paar Mal zu spät kommt, wer nicht freundlich Kunden bedient oder Vorgänge, Aufträge, Befehle, Anweisungen und so weiter angemessen erfüllt, der wird keine Woche überleben. Es gilt als normal sich dem allgemeinen geschäftlichen Treiben zu ergeben, denn Individualität, Zweifel oder gar Kritik haben hier keinen Platz, wenn sie nicht irgendwie Erträge liefern können. Die Brutalität die hierin steckt ist eindeutig. Wer nicht passt, muss sich passend machen, flexibel sein, Weiterbildung betreiben, trainieren, an sich arbeiten, um irgendwann einmal wieder Konkurrenten am Strich ausstechen zu können. Habe den Mut dich deines Verstandes zu bedienen, ja sicher lieber Kant, aber nicht wenn das den von Dir selbst hochgejubelten Konkurrenzkampf* behindert!

Jede Handlung seit der 3.Klasse in der Schule dient dem Konkurrenzkampf, den Leistungsprinzipien des kapitalistischen Systems. Mit jeder guten Note schlägt man einem Schüler mit schlechteren Betragen in die Fresse, denn durch diesen Beleg der eigenen Leistungsfähigkeit weist man die künftigen Bedürfnisse des Schlechteren als weniger legitim zurück. Aber das passiert nicht weil man es persönlich so gewollt hat. Es passiert weil das System Menschen so bewertet und behandelt. Schlechte Noten, schlechter Abschluss, schlechte Berufsausbildung oder sogar gar keine Berufsausbildung, bedeutet eine schlechte berufliche Karriere, mit geringen Einkommen und damit letztlich schlechter Lebensbedingungen, die kaum lebenswert erschienen und einen noch stärker für jeden verdammten Dreck in der Welt anfällig machen. Menschen die ihre Leistung nicht bringen, haben es in diesem System also „verdient“ schlechter zu leben als andere. Dagegen können andere Menschen in Afrika, Indien, Indonesien, China, Brasilien, Peru und hunderten anderen Regionen und Orten der Welt schuften wie sie wollen, sie erhalten trotz harter Knochenarbeit einen nur Hungerlohn. Ihr Spielraum für Protest, Widerstand oder gar kritischer Reflexion ist quasi nicht vorhanden. Denn ihre Nation, ihr Wirtschaftsstandort ist schlicht nicht konkurrenzfähig im internationalen Wettbewerb, der sozusagen auf einem internationalen Strassenstrich stattfindet, auf dem sich Nationen nochmal extra mit ihren Exporten und Importen prostituieren.

Die haben eben Pech gehabt. Genauso die Hungernden in dieser Welt. Jeden Tag verhungern Tausende und es gellt kein Aufschrei durch die Massenmedien oder die Bevölkerung. Zuletzt nur mal kurz wegen Somalia, aber dann war auch wieder Ruhe, die nächste Katastrophe war wichtiger. Wir alle sind damit beschäftigt uns im System nach oben zu treten. Wenn hunderte Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa ersaufen oder aufgrund der Überproduktion die Umwelt zerstört und vergiftet wird, dann ist das kaum mehr als eine bedauerliche Bemerkung wert. Es veranlasst niemanden dazu über diese Gesellschaft und die notwendigen Hintergründe zu reflektieren, die solche menschenverachtenden Zustände möglich machen. Trotz der Proteste die immer wieder in den letzten Jahrhunderten aufgeflammt sind und auch in der jetzigen Dekade erneut aufflammen, ging es immer weiter mit diesen Prinzipien und der sozialen Kälte in den menschlichen Beziehungen. Auch wenn man sich engagiert, solange man am Berufsleben festhält, überwiegt eben die Unterstützung der Zerstörung der Welt und menschlicher Werte und Beziehungen!

Jeder hat seine eigene Wohnung, seine eigene Küche, seinen eigenen Fernseher, seinen eigenen Wagen, lebt vereinzelt, vereinsamt neben anderen Menschen her. Nur noch wenige Menschen haben tatsächlich einen großen Freundeskreis, weil ihnen schlicht die Zeit für so etwas fehlt. Und weil ihnen die Zeit fehlt, verlernen sie völlig den Wert solcher Beziehungen. Die Beziehungen werden oberflächlich und orientieren sich immer stärker daran, ob man davon etwas hat. Das geht bis in die größte Intimität die ein Mensch eingehen kann. Viele kennen gar nicht den genauen Charakter und Empfindungen ihres Sexualpartner, sie interessieren sich in erster Linie für dessen äußerliche Hülle, seine berufliche und gesellschaftliche Stellung. Das wird als Selbstverständlichkeit behandelt, schliesslich vögelt man ja nicht dessen Charakter, heißt es. Und aus solchen Konstellationen entstehen Schwangerschaften mit Kindern, die teilweise völlig unter dieser Oberflächlichkeit zu leiden haben. Aber auch sie werden lernen die Fresse zu halten, sich auf dem Strich zu prostituieren, sich dem allgemeinen Wahn, dem Stress, dem Profit, dem Staat hinzugeben. Denn das Kind wird sich von seinem eigenen Gemüt abspalten, weil nur die Befehle und Ansprüche der Eltern und der Äußeren Umwelt zählen. Es wird der Ideologie des Marktes, des Kapitals und des Staates so gut entsprechen wie es nur kann und die Hoffnung vieler Milliarden Konkurrenten teilen, es einmal besser zu haben als die Eltern. Verrat an den eigenen Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen ist ganz gewöhnlicher Alltag in dieser Gesellschaft. Man verliert sich jeden Arbeitstag ein Stückchen weiter und ist am Ende völlig verzweifelt und verstört. Das nennt man dann „Midlife Crisis“, Burnout oder Depressionen, wobei es freilich noch mehr Krankheiten und Symptome gibt. Es ist eine Selbstverständlichkeit keine grundsätzliche Kritik oder Widerstand zu leisten, denn die Massen funktionieren und machen mit, weil sie nicht zu sich selbst stehen wollen oder können. Wer es dennoch tut, geht in der Regel den sozialen Abstieg und wird auch noch Hohn und Spott als Quittung erhalten.

* = Kant schrieb folgendes 1784 in der ‚Berlinischen Monatsschrift‚: „Ohne jene, an sich zwar eben nicht liebenswürdige, Eigenschaft der Ungeselligkeit, woraus der Widerstand entspringt, den jeder bei seinen selbstsüchtigen Anmaßungen notwendig antreffen muß, würden in einem arkadischen Schäferleben, bei vollkommener Eintracht, Genügsamkeit und Wechselliebe, alle Talente auf ewig in ihren Keimen verborgen bleiben: Die Menschen, gutartig wie die Schafe die sie weiden, würden ihrem Dasein kaum einen größeren Wert verschaffen, als dieses ihr Hausvieh hat; sie würden das Leere der Schöpfung in Ansehung ihres Zwecks, als vernünftige Natur, nicht ausfüllen. Dank sei also der Natur für die Unvertragsamkeit, für die mißgünstig wetteifernde Eitelkeit, für die nicht zu befriedigende Begierde zum Haben, oder auch zum Herrschen! Ohne sie würden alle vortreffliche Naturanlagen in der Menschheit ewig unentwickelt schlummern. Der Mensch will Eintracht; aber die Natur weiß besser, was für seine Gattung gut ist: sie will Zwietracht. Er will gemächlich und vergnügt leben; die Natur will aber, er soll aus der Lässigkeit und untätigen Genügsamkeit hinaus, sich in Arbeit und Mühseligkeiten stürzen, um dagegen auch Mittel auszufinden, sich klüglich wiederum aus den letztern heraus zu ziehen.
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Brandanschläge in Berlin & deutsche Bomben in Afghanistan

Die Anschläge auf die Infrastruktur Berlins wurden von linken antiautoritären Vorstellungen inspiriert. Die Anschläge der Bundeswehr auf die Bevölkerung Afghanistans wurden von den westlichen Wertvorstellungen autoritärer Staaten inspiriert. Die Anschläge der Taliban wurden von religiösen autoritären Vorstellungen inspiriert. Nachdem also, um ganz vereinfacht zu beginnen, autoritäre Staaten mithilfe ihrer terroristischen Staatsdiener Menschen zerfetzt haben, rächten sich religiöse Terroristen ähnlich willkürlich, worauf der deutsche Staat, um seine innere Sicherheit im Sinne der freien Verwertung des Kapitals zu schützen, mit pflichtbewussten, bewaffneten Staatsdienern und Bomben geantwortet hat. Weil letzteres nun sein 10. Jubiläum feierte, dachten sich einige Individuen, inspiriert von linken Thesen, es sei nun an der Zeit innezuhalten, die Bevölkerung zu „entschleunigen“ und mithilfe diverse Brandsätze, medientaugliche Rache an dem militärischen Komplex unserer Gesellschaft durchzuführen. Was haben all diese Zerstörungen gemeinsam?

Der Krieg im Irak, in Afghanistan, ob ausgehend von Amerika oder Deutschland ist zweifelsohne Destruktivität. Der Terror der von Al Kaida ausgeht ist ebenfalls eindeutig destruktiv. Und nun antworten linksinspirierte Individuen auf all diese Zustände mit Destruktivität! All diese verschiedenen Formen von Destruktivität scheinen also von verschiedenen Ideologien inspiriert zu sein. Der Staatsdiener in Form eines Bürgers in Uniform, identifiziert sich mit dem autoritären Zwangskollektiv genannt Staat und Nation. Akzeptiert daher seine Werte, die sich daraus speisenden Vorstellungen von Recht und Unrecht. Diese stehen im völligen Widerspruch zu dem religiösen Zwangskollektiv genannt Islam, welches eigene Werte, Vorstellungen von Recht und Unrecht mit sich bringt. Natürlich ist das Christentum genauso ein Zwangskollektiv wie der Islam. Obendrein kommen die rachsüchtigen Taten linksinspirierter Täter hinzu, mit ihrem eigenen Bild von Recht und Unrecht, die wohl eher antiautoritären Vorstellungen nachgehen. Bricht man das also derart herunter, stehen sich verschiedene Weltbilder gegenüber, die sich gegenseitig mithilfe ihrer Träger, den individuellen Menschen gegenseitig bekämpfen. Es scheint also ein Krieg der Vorstellungen und Traditionen zu sein, der letztlich den Planeten verwüstet, Menschen tötet und gefährdet.

Während die Thesen des Bekennerschreibens regelrecht tragisch an den Kern der gesellschaftlichen Probleme vorbeischiesst und daher mit Destruktivität antwortet, ist den Taliban und den Soldaten, Politikern nicht einmal im Ansatz klar, warum sie sich mit der Religion oder dem Staat identifizieren und ihm Gehorsam und Pflichtbewusstsein bis in den Tod entgegenbringen. Fehlende Empathie mit den eigenen persönlichen Bedürfnissen, Wünschen und Sehnsüchten und aller anderen Lebewesen auf der Welt, ist eine der grundlegenden Gemeinsamkeiten von Terroristen des Staates, der Religion und dieser linksinspirierten Aktivisten. Wieso sind soviele Menschen fähig anderen Menschen Schaden hinzuzufügen oder wie es im Fall der linksinspirierten Aktivisten ist, zumindest dieses Risiko einzugehen, dass Menschen verletzt werden? Es ist fehlende Empathie. Grundsätzliches Unvermögen sich in die Lage anderer Menschen hinein zu versetzen und deren Schwierigkeiten zu erkennen, sich selbst in diesen anderen Menschen zu erkennen. Die Taliban, die Soldaten, Politiker, die Aktivisten sind getrieben von Selbsthass und Antworten, das hat die Geschichte bewiesen, mit Hass, mit Destruktivität, mit Gewalt und Zerstörungswut. Daraus folgt weiteres Unverständnis, weitere Anfeindungen und eine Hineinsteigerung in Ideologien, die die Individuen letztlich noch weiter abstumpfen, vereinzeln und voneinander abspalten.

Wie aber ist diese fehlende Empathie und dieser Selbsthass möglich? Woher kommt dieser Hass? Warum antworten Millionen Menschen auf Destruktivität mit weiterer Destruktivität? Wie haben die Menschen gelernt ihre individuellen Empfindungen zu verdrängen, sich in den Staat, die Religion, den Militarismus, also den Ideologien einzureihen und unterzuordnen? Offensichtlich muss hier bereits in der Kindheit eine Abspaltung stattgefunden haben, in der man schon als Kind lernte, die eigenen Vorstellungen, Empfindungen und Sehnsüchte zurück zu stellen, weil es die Eltern, die Schule, der Staat, der Kapitalismus verlangten. Entweder man entspricht als Kind fremden, autoritären Vorgaben oder erfährt Zurückweisung, Ablehnung und Liebesentzug, wenn man eigene Autonomie praktizieren will, also ein „schwieriges“ und „anstrengendes“ Kind ist. In beiden Fällen sondert man bereits als Kind das eigene innere Gemüt ab, um von der äußeren Umwelt anerkannt, geschätzt und geliebt zu werden. Selbst wenn man rebelliert, entspricht man den Negativvorstellungen der Eltern bzw. der Gesellschaft und wird abgelehnt. Es sind also vor allem die Eltern, die gesellschaftlichen Umstände selbst, mit ihren Vorurteilen, Konditionierungen, die aus einem autoritären Weltbild stammen, die das Kind, die uns alle als Kind maßgeblich dazu zwang, sich selbst für seinen eigenen Drang zur Autonomie von Gefühlen, Vorstellungen und Handlungen zu hassen. Denn die eigenen Eigenschaften schienen ja dafür verantwortlich zu sein, dass die Eltern einen ausschimpften oder bestraften.

So übernimmt man nach einiger Zeit die Position der Eltern, verdrängt die eigene Individualität, hasst sie mitunter das ganze Leben, woraus sich Selbsthass und Hass auf andere Menschen entwickelt, der wiederum Abspaltung und Ausgrenzung von anderen Individuen impliziert. Die Staatsdiener grenzen also andere Menschen aus, indem sie ihrem Zwangskollektiv dienen, indem sie sich mit ihm identifizieren und ihn für einen Teil ihrer eigenen Individualität und Freiheit halten. Die Übernahme von Ideologien ist seit dem elterlichen und schulischen Machtkampf zum Überlebensmotto geworden. Wer sich nicht anpasst verliert. Aber wer sich anpasst, verliert seine Individualität. Dieser Widerspruch ist unerträglich für Menschen die sich mit Ideologien ein funktionierendes Leben aufgebaut haben, daraus ihr Empfinden von Recht, Ordnung, Verantwortung, Freiheit und Liebe definiert haben. Für sie ist es lebensbedrohend wenn ihre Ideologie, ihre Identifikation mit dem Zwangskollektiv Staat oder Religion hinterfragt, kritisiert und angegriffen wird. Darauf reagieren sie mit äußerster Brutalität, so zum Beispiel mit Terrorakten. Mal werden Bomben in U-Bahnen gezündet, um die Ungläubigen zu belehren, zu vernichten, zu überzeugen, um sie dazu zu bringen, die Größe der eigenen Ideologie  anzuerkennen und damit auch die eigene völlig durch die Abspaltung von Empathie und der eigenen Individualität verdrehte, krank- und wahnhafte Persönlichkeit zu respektieren. Dann werden Familien mit deutschen Bomben in Afghanistan zerfetzt, um die Freiheit und Sicherheit des eigenen Zwangskollektivs zu sichern und ebenfalls das Signal zu senden, respektiert unsere Macht und alle dahinterstehenden Individuen, die sich damit identifizieren. Beide Ideologien, ob religiös oder staatlich, fußen also in entfremdeten Menschen, die jederzeit manipulierbar und zu neuen Schandtaten verführbar sind.

Und die besagten linksinspirierten Aktivisten haben anscheinend auch keine andere Idee, als darauf ebenfalls mit Bomben zu antworten, diesmal aber als Rache, als Kritik an das Bombenwerfen in aller Welt mithilfe der deutschen Waffenindustrie. Darin ist eindrucksvoll ihr empathieloses, entfremdetes Unverständnis gegenüber der Destruktivität anderer Menschen in Staaten und Religionen dokumentiert, obwohl ihre schemenhafte Analyse im Bekennerschreiben einige korrekte Ansätze aufgewiesen hat. Die Antwort von linken Aktivisten sollte eben nicht die Gewalt, welche neue Feinde, Unverständnis und Destruktivität hervorrufen wird, der Selbsthass, welcher immer neuen Hass produziert und in die Welt setzt, sein. Denn Gewalt und Hass melden beide eigene Machtansprüche an. Es sollte stattdessen mit Liebe, Mitgefühl, Solidarität, Kommunikation und Organisation reagiert werden. Dabei ist auf dezentrale, antiautoritäre und undogmatische Durchführung zu achten. Das freie Individuum in seiner Ganzheit und Individualität soll anerkannt sein und so als Maßstab für eine bessere Welt dienen.  Die Antwort auf all die Zerstörung der Welt, ausgehend von erwachsenen Kindern, die sich noch immer ungeliebt und unakzeptiert fühlen, die sich in Ideologien und deren Zwangskollektiven geflüchtet haben, sich aktuell im Kapitalismus in Leistungswahn und Konkurenzkampf erschöpfen, dabei den Planeten zerstören, sind also nicht Brandsätze und daraus erhoffte kurzfristige „Entschleunigung“. Daraus erfolgt keine Inspiration der entmündigten, geschundenen, ausgebeuteten Individuen, die sich durch den Alltag schleppen und sich dafür hassen, sich selbst nicht entfalten zu können, geschweige denn zu erkennen, worin ihre eigentlichen, ursprünglichen Sehnsüchte und Bedürfnisse stecken! Das müssen die Revolutionäre dieser Welt zu allererst lernen. Wer den Hass, die Ausbeutung und Zerstörung, die Herrschaft des Menschen über den Menschen in aller Welt beenden will, muss zunächst einmal das Trauma seiner eigenen Kindheit erkannt, verarbeitet und überwunden haben!

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