Prügelnde Polizisten für eine bessere Welt

Martialisch gekleidete Polizisten prügeln friedlichen Demonstranten ihre Forderungen nach einem besseren Leben aus dem Leib. Das Gewaltmonopol des spanischen Staates zeigt was deren Wünsche und Nöte tatsächlich wert sind. Ihre Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit wird mit Schlägen, Tritten und Drohungen beantwortet. Das wahre Gesicht der Demokratie äußert sich in dieser rohen Gewalt. Kommunikation, Dialog, Transparenz, Solidarität, Gerechtigkeit, Perspektive, Sicherheit all das fehlt nicht nur in Spanien. Auch in Griechenland gehen seit Monaten tausende Menschen auf die Straße. In Nordafrika brodelt es nachwievor. Während die spanischen Demonstranten auf ihren Plätzen bemerkenswerte Visionen für eine andere Gesellschaft entwickeln, wie beispielsweise die basis-demokratischen Abstimmungen zu allen Themen der Gesellschaft, und ihre Konsensbereitschaft einfach praktizieren, wirkt der Staat wie ein ängstliches Monster, welches wild und wahllos auf alles einschlägt, was auch nur im Entferntesten gefährlich oder bedrohlich sein könnte.

In solchen Momenten weiß man als Kritiker der bestehenden Verhältnisse, des Staates und des Kapitalismus, man hat mit seinen Zweifeln und Befürchtungen von Anfang an Recht gehabt. Man weiß wie wichtig es ist die Durchsetzung von Menschenrechten zu fordern und dabei nicht auf eine Regierung, Parteien, Gewerkschaften oder Konzerne zu warten. Die Spanier ergreifen ihre Chance, eine Chance die für alle Völker der Welt seit Jahrzehnten und in jedem Moment greifbar ist: Die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, ohne Profitmaximierung und Konkurrenzkampf. Wobei man auch ganz klar sagen muss, ganz so radikal sind sie nicht, die Spanier. Sie protestieren weil sie keine Jobs haben, sie protestieren weil zu wenig bezahlt wird. Sobald ihren Forderungen in dieser Richtung entsprochen wird, was nicht leicht sein wird, werden sie brav zurück an ihre Arbeitsplätze gehen, Profite auf ihre Kosten maximieren und sich politisch so gering engagieren, wie sie es die letzten Jahrzehnte, seit Franco getan haben. Man mag es nicht glauben, es gab in Spanien jahrelang landesweit gelebten Anarchismus! Wären sie nicht von autoritären Kommunisten und Faschisten eingekesselt worden, hätte dieser Anarchismus noch heute bestand, davon bin ich überzeugt. Der Anarchismus enthält alles was die Spanier auch heute fordern!

Man mag also hoffen, es würde alles anders. Man mag hoffen, es würde sich diesmal anders entwickeln, angesichts der erschreckenden Brutalität des Staates gegenüber „seiner“ Bevölkerung. Eine Sicherheit auf grundlegende Veränderungen gibt es nicht. Die Bevölkerung hat sich spontan zu diesen Protesten entschieden. Ob diese Spontanität reicht um eine bessere spanische Welt aufzubauen? Solidarität darf nicht an den Landesgrenzen aufhören. Deutsche Arbeiter, Arbeitslose, Schüler, Rentner usw. sollten sich solidarisch erklären und ebenfalls am Alexanderplatz, Marienplatz, an den großen Plätzen in den größten Städten campieren und zwar solange, bis auch hier klar ist, wir wollen dieses System nicht mehr, weil es uns erstickt und daran hindert das Leben zu entfalten. Aber darauf kann man in Deutschland lange warten. Wir würden keine Revolution machen, dazu müssten wir den Rasen betreten. Solange wir mit den über 50 Mio. Fahrzeugen in Deutschland herumkurven, den Versprechen und Verführungen der Lebensmittelindustrie, der Modeindustrie, Unterhaltungsindustrie usw. mehr glauben schenken als unserem Gewissen, solange lassen wir Menschen in Afghanistan im Auftrag unserer profitorientierten Regierung töten, leisten wir unterlassene Hilfe bei den tausenden Hungertoten täglich, lassen Energiekonzerne den Planeten verstrahlen und vergeuden unser Leben am Arbeitsplatz.

Wir arbeitsgeilen, autoritätsgläubigen Kapitalsoldaten, uns ist es wirklich scheißegal was die Spanier, Griechen und Afrikaner wollen. Wir hoffen weiterhin das Flüchtlinge nicht nach Europa kommen, hübsch vorher absaufen und brav mit ihren Familien verhungern, genauso wie wir hoffen das die Spanier, Griechen, Portugiesen und Iren nicht auf den Gedanken kommen wer eigentlich von ihrer Perspektivlosigkeit und Armut profitiert. Es sind nämlich vornehmlich deutsche Menschen, mit ihren deutschen Banken, mit ihren deutschen Anlegern und so weiter. Und was tun wir, als kritische Zeitgenossen und Deutsche dagegen? Wir gucken zu und hoffen niemals betroffen zu sein oder besser noch von dem Leid zu profitieren. Ist das nicht pervers? Wir haben überhaupt nichts gelernt. Gelernt haben wir bloss zu funktionieren. Wie Soldaten. Der Wahnsinn ist jedoch sicher nicht nur deutsch. Es geht mir ja um den Kapitalismus, welcher international, unabhängig von der Nationalität funktioniert. Aber sollten wir angesichts unserer Geschichte nicht irgendwas gelernt haben? Warum prügelt die Kanzlerin auf die angeblich so faulen Griechen ein, anstatt ihnen die Zinsen günstiger zu gestalten, damit sie auch eine Chance haben? Wohin führt bloss diese egalitäre, kalte Sicht der Dinge und woher kommt sie? Die Profitmaximierung und der Konkurrenzkampf werden uns alle ohne Zweifel, früher oder später alles kosten was wir uns aufgebaut haben. Dieser permanente Weltkrieg saugt die Menschen aus. Alle versuchen zu nehmen was sie kriegen können. Seelenlose Arbeitsdrohnen und Konsumzombies scheinen diese westliche Welt zu bevölkern.

Die Sonne scheint, es gibt nichts zu sehen, also weitermachen! Diese Spanier sind doch bloss irre Träumer! Wir haben unsere stolze Ignoranz, soll uns doch einer beweisen wie falsch wir liegen, solange machen wir weiter! Immer weiter! Produzieren wie die Wahnsinnigen Waffen, Autos, Handys, Kühlschränke, Computer, Lebensmittelskandale, verstrahlte Gewässer und Gebiete. Keine Katastrophe erscheint katastrophal genug um endlich konsequent dagegen zu Handeln. Die eigenen Interessen, die anerzogene Profitorientierung verdirbt jede Hoffnung. Wir haben die Rolle des Staates verinnerlicht, wir prügeln verbal und physisch auf Andersdenkende, Protestierende und Verlorene genauso ein, wie die spanische Polizei. Arm ist nicht nur das spanische Gewaltmonopol, jede Nation ist arm dran, egal wie hoch das Vermögen oder Bruttosozialprodukt auch sein mag. Alle funktionieren nach kapitalistischen Prinzipien. Kein Land dieser Erde ist frei vom Gegeneinander, vom Gift des egoistischen Strebens nach mehr und immer mehr. Die Menschheit ist krank. Und kaum einer strebt danach dies zu erkennen oder zu genesen. Die Lüge, der Selbstbetrug, lebt sich inmitten des Massenmordes trotzdem ganz gut. Denn alle lügen, alle betrügen sich selbst. Massenmord ist normal. Egal ob Hunger oder Krieg, es ist wie einkaufen oder Party machen, es gehört zum freiheitlich-demokratsichen Leben dazu. Manche verlieren, andere gewinnen, shit happens! So ist es nunmal, warum darüber nachdenken, es ist eh nicht zu ändern.

Obama inszeniert sich als friedlichen Menschen, während er  Menschen im Irak oder Afghanistan ermorden lässt, während er Osama anklagt und entgegen der Werte seiner Nation hinrichten lässt. Gibt es darüber großartige Verwunderung? Er ist wirklich ein idealer Stellvertreter einer Welt, die voller verlogener Menschen ist, die alle grinsend, freundlich, korrekt, ihr Recht durchdrücken, ihre Familien auf den Leichen von Verhungerten großziehen. Natürlich sind nicht alle Menschen dumm oder schlecht, aber die Mehrheit scheint es doch zu sein, denn sie wählt Parteien die ihnen nichts nützen, Bremen wählt z.B. seit Jahrzehnten SPD. Die Mehrheit scheint dumm oder schlecht, schliesslich arbeitet sie  für Konzerne, die ihr nichts bringen, außer überflüssige Güter, zerstörte Beziehungen, vermüllte Landschaften und geistigen sowieso kulturellen Nonsens. Jede Stadt gleicht immer mehr einem Kaufhaus und nur eine Minderheit scheint sich daran zu stören. Uns geht es einfach zu gut.

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