Kahlschlag

Die FDP ist in einer Krise, heißt es. Sie hätten nur materielle Dinge in den Vordergrund gestellt, anstatt sich auf die Werte des Liberalismus zu besinnen, sich für Bürgerrechte und Freiheit einzusetzen. Nun möchte man diese Diskrepanzen damit lösen ein paar Köpfe auszuwechseln. Ein leere laufende Sprechblase wird durch eine andere ersetzt. Was natürlich gar nichts an den fehlenden Inhalten verändern wird, man sieht es an der „jungen Generation“ in der FDP: Schmierölglatte Typen wie Lindner propagieren plötzlich den Atomausstieg, nachdem die Partei Jahrzehnte die AKWe akzeptierte. Ähnlich die CDU. Die sogenannten Mächtigen schielen auf die Profiteure von Fukushima: Die Grünen. Blöd gelaufen. Auch für uns, als arbeitende Bevölkerung werden wir weder von der FDP, CDU, den Grünen und den restlichen Parteien jemals eine Politik erwarten können, die zu einer Befreiung aus der Lohnabhängigkeit und Profitmaximierung führen wird. Alle wollen an die Macht, alle sehen kein Problem im Kapitalismus. Okay, außer vielleicht „die Linke“, aber man muss sich nur ansehen was die in Berlin angerichtet haben, sie unterscheiden sich kaum von anderen, wenn sie erstmal in der Regierung sind.

Und während tagtäglich tausende Menschen verhungern stellt man sich die Frage wie das Land ohne die FDP auskommen soll, wieso die Kanzlerin nicht einmal mehr die Verwaltung ihrer Kollegen und der diversen Themen auf die Reihe kriegt. Während Millionen Menschen unter den Leistungsprinzipien ächzen, erkranken und zerbrechen, stellen sich die Politiker und Manager nur eine Frage: Wie können wir dieses Land zu mehr Wachstum verhelfen, wie können wir noch mehr Profite erzielen? Die ganze degenerierte Gesellschaft hat nur noch diese Vorstellung im Kopf, alles wird darauf reduziert, es ist der größte gemeinsame Nenner, welcher alle Menschen und Zusammenhänge auf den Punkt bringt. Während Hartz IV Empfänger in ihren subventionierten Plattenbauwohnungen vergammeln, Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa absaufen, in wilden Plastikzelten auf „unserem Land“ campieren, rascheln die Vermögenden der Welt mit den neusten Gewinnen und quälen sich mit der Frage: Wohin mit dem ganzen Zaster? Irrsinnige Zustände die ich schon unzählige Male angesprochen habe. Aber es passiert nichts. Es interessiert keine Sau ob Menschen verhungern oder ertrinken weil sie am falschen Ort geboren wurden und zufällig keine Möglichkeit haben ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Wir sind so sehr damit beschäftigt eigene Fortschritte im System zu machen, denn wir wollen Party am Wochenende, ein Auto, ein Haus, eine Frau, vielleicht sogar Kinder und 2-3 Mal im Jahr eine fette Urlaubsreise.

Wer ist schuld? Die inhaltslosen Parteien? Die Gesellschaft als solche, die sich stets selbst einredet wie wichtig Profite sind? Es ist eben nicht einfach. Es gibt keinen präzisen Bösewicht, man kann nicht sagen die FDP oder Merkel oder Ackermann ist an allem schuld. Natürlich tragen sie eine besonders hohe Verantwortung und entsprechend auch einen größeren Anteil an der jetzigen globalen Situation der Menschheit. Sie blockieren mit ihren Worten und Taten die Rettung von Hungernden, Ausgebeuteten und Unterdrückten. Sie sehen vorwiegend die Interessen der Konzerne, deshalb sind sie konservativ. Für sie sind Profite deshalb so wichtig, weil sie glauben dadurch liessen sich die Bedürfnisse der Menschen am ehesten befriedigen. Aber das entspricht nicht der Realität. Je mehr sie den Profiten Wert beimessen desto schwieriger wird es für die Menschen ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen. Kaum einer ist heute in der Lage Lebensmittel aus dem nahegelegenen Wald zu beschaffen oder simpler die Baumarten zu bestimmen, aber jeder kennt die Burger von den Fast Food Ketten, jeder kennt die Marken dieser kapitalistischen Welt. Ist das nicht eine klare Aussage darüber wie entfremdet wir bereits leben? Wenn Parteien und Konzerne keine andere Antwort als Wachstum, Leistung und Konkurrenzkampf kennen, dann spiegeln sie auch am deutlichsten wieder woran die Menschen glauben. Es ist schwierig einem Nazi seinen Rassismus auszureden, genauso schwierig ist es mit den Lohnarbeitern oder Kapitalisten. Wie will man ihnen erklären, in welcher Situation sie sich seit Jahren und Jahrzehnten befinden?

Viele haben sich mit ihrer Situation identifiziert. Als Schüler kämpft man noch damit, immer dieser Leistungsdruck, immer diese Prüfungen, warum muss das sein? Aber letztlich ergeben wir uns früher oder später und in den meisten Fällen, den Schuldzuweisungen und Bevormundungen der Eltern und Lehrer. Sie meinen es ja nur gut mit einem, auch wenn es letztlich die Katastrophen dieser Welt verschlimmert. Die Eltern und Lehrer haben es nicht begriffen, wie sollen es die Kinder begreifen? Es war schon immer so, Du kannst nichts ändern, Du bist ein Träumer, ein Idealist, Du solltest lieber etwas vernünftiges tun. Jeder kennt diese Sprüche wenn man grundsätzliche Probleme kritisiert. Wenn man sich wie die Eltern und Lehrer damit abfindet, haben die Hungernden und Lohnabhängigen dieser Welt einen Mitstreiter für ihre freie Entfaltung verloren. Die Schulen sind nichts weiter als eine Fabrik, die die jungen Menschen darauf abrichtet im späteren Berufsleben zu funktionieren. Dies funktioniert nur indem man die jungen Menschen bricht, diszipliniert und Befehle verteilt. Natürlich wird das immer auch mit einer verwässterten Pädagogik aus den 60ern verkauft, aber im Grunde genommen ist klar das man die besten Noten fordert. Alle die nicht ins Raster und in die Vorstellungen passen werden als kranke und unwillige Kreaturen bezeichnet, man schickt sie zum Psychiater, gibt ihnen Medikamente, setzt sie mit unzähligen Mitteln unter Druck. Und im Fernsehen wird verkündet: Leistung bringt uns alle nach vorn!

Wahr ist aber das die Politik und die Wirtschaft uns nicht weiterhelfen können. Profite führen nicht zu mehr Glück. Ist es ein Zeichen von Reife Flüchtlinge ersaufen und Hungerne verhungern zu lassen, während man genüßlich Döner isst? Ist es ein Zeichen von Reife einen BMW zu fahren und bereits nach einem weiteren Fahrzeug zu gucken? Gerade wenn man die beiden Fragen im Zusammenhang sieht kann man die Frage recht eindeutig beantworten. Wir müssen uns ganz persönlich fragen warum die Politik und Wirtschaft uns nicht weiterhelfen kann. Es macht keinen Sinn wählen zu gehen, genauso wie es keinen Sinn macht arbeiten zu gehen. Denn in beiden Fällen wird man betrogen, einmal auf das Recht die Gesellschaft nach den eigenen Bedürfnissen mitzugestalten und einmal um den vollen Reichtum der Gesellschaft. Politiker können unmöglich die Bedürfnisse von Millionen von Menschen kennen und umsetzen, dies ist Sache der Menschen selbst. Kapitalisten können unmöglich ihre Profite aufgeben, nur um den Menschen ein freies leben zu ermöglichen. Es wäre schlicht ihr Ende! Deshalb müssen sich die Menschen selbst organisieren, sie müssen sich politisieren, sie müssen sich verinnerlichen wie dramatisch ihre Lage und die Lage ihrer Brüder und Schwestern in aller Welt ist. Es ist schwierig aus der Perspektive des Konkurrenzkampfes herauszugelangen, schliesslich ist das Fernsehen und die Gesellschaft voller Wettkämpfe und Schaukämpfe. Auch die Branchen sind freilich voller Kampf, es geht stets darum den Schwachen zu prügeln um ihn sein Brot zu nehmen. Achtet darauf wenn ihr von der Arbeit nach Hause fahrt, wie Menschen im Müll nach brauchbaren suchen. Sie sind die Verlierer. Sie waren nicht stark genug für die Marktwirtschaft. Sie haben sich eben nicht genug anstrengt, aber ist es fair sie in unwürdigen Zuständen krepieren zu lassen?

Die Einsamkeit und Leere, die wir durchaus als gewöhnliche und alltägliche Gefährten kennen, wird nicht aufhören wenn wir uns nicht fragen warum wir soviel arbeiten und kämpfen müssen. Wir müssen uns fragen warum die Demokratie uns nicht das liefert was wir wollen. Natürlich müssen wir uns auch erst einmal klar werden was wir wollen.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Gesellschaft

2 Antworten zu “Kahlschlag

  1. ghore

    Hallo jazariel.

    Ich lasse einen Gruß hier.
    Ich lese dich immer noch, jedes Wort.

    Manchmal denke ich, „Warum sehe ich hier kaum Kommentare?“
    Dann suche ich bei mir.
    Für mich ist es so, es gibt nicht mehr zu sagen, als es jazariel gesagt hat.
    Das meine ich ganz ehrlich.

    Ich habe meinem Vater nur ein paar Sätze aus „Kahlschlag“ vorgelesen.
    Es ergab sich so.
    Er hörte zu und sagte „ja“.
    Dabei nickte er und dieses „ja“ sah ich in seinem ganzen Ausdruck.

    Er hat 46 jahre geschuftet, Akkordarbeit.
    Er ist ein … geschunden.

    Ja, jazariel, ich wünsche mir, dass du nicht aufhörst, zu sagen, was du zu sagen hast.
    So, wie du es vermagst.

    mathias

    • Hallo ghore,

      danke für die freundlichen Worte.

      Ich denke diese Webseite ist nicht sonderlich bekannt, wird von mir nirgends beworben und die Inhalte werden auch nicht auf eine populäre Art und Weise präsentiert.

      Seit längerem überlege ich einen Podcast zu machen, aber momentan fehlt noch eine geeignete Örtlichkeit. Im Prinzip sind solche Inhalte wie eine Beichte und das kann man schlecht irgendwo oder überall machen, ohne dabei herbe Abstriche zu machen.

      Egal was passiert, ich kann wohl nicht aufhören zu denken und zu kommunizeren. Von daher wird es weitergehen.

      Deinem Vater scheint wie es wie meinem Vater zu gehen, er hat meinen Worten kaum etwas hinzuzufügen, außer ein Achselzuchen vielleicht, und er hat sein ganzes Leben hart arbeiten müssen.

      Grüße und Danke für Dein Interesse.

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