Unser politisches und wirtschaftliches System ist unbrauchbar

Wenn man sich die Frage stellt, inwieweit unsere Demokratie noch funktioniert, so ist es vorallem wichtig sich nicht in Pauschalisierungen zu ereifern. Die Politiker lügen und betrügen, ja, aber nicht alle. Die Wirtschaft beutet aus, aber nicht nur. Die Wirtschaft hat uns in ihrer kapitalistischen Form materiellen Wohlstand gebracht, gleichzeitig ist dieser Wohlstand jedoch nur durch die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft möglich geworden, was ein hoher Preis ist. Wenn man davon spricht wie oberflächlich, krank und bewusstlos die Menschen sind, dann ist auch das nicht die volle Wahrheit. Vielen ist klar das die Demokratie konkrete Probleme nur punktuell und nicht sonderlich tiefgreifend löst. Atomkraftwerke werden nicht sofort abgeschaltet, weil ein Restrisiko besteht oder weltweit kein einziges Endlager existiert. Die Arbeitslosen und Hungernden dieser Welt bekommen keine Perspektive, keinen Job, kein Brot. Es gibt zahllose Problemherde die sich über Jahrzehnte und länger festgesetzt haben. Wahlen verändern daran nichts, warum eigentlich? Warum beutet die Wirtschaft Menschen aus? Warum wird Arbeit intensiver je mehr rationalisiert wird? Weshalb betrachtet man immer die anderen Menschen als Konsumzombies, ohne sich selbst einzuschließen? Es gibt hier ganz klare Verbindungen die nicht mit Vorurteilen oder wilden Verschwörungstheorien erkannt werden können. Die Politiker sind keine Übermenschen, die die Weltherrschaft an sich reissen wollen, um die Gesellschaft mit ihrem Gewaltmonopol für immer zu unterwerfen. In der Regel glauben sie einer guten Sache zu dienen, sie wollen das Gute, sie streben nach dem Guten. In der Wirtschaft denkt sich der Konzernleiter nicht haarklein aus, wie er seine Mitarbeiter noch mehr quälen und auspressen kann, um weitere überteuerte Konsumprodukte für den Privatgebrauch zu verwenden. In der Regel glauben auch die Bosse, einer grundsoliden guten Sache zu dienen. Wächst die Wirtschaft, gewinnen alle Menschen, ist der allgemeine Duktus unserer Ökonomie. Und was ist mit den restlichen Menschenmassen auf diesem Planeten? Sie wollen das beste aus ihrem Leben machen, es genießen und möglichst reich ausschöpfen, sodass sie am Ende sagen können, sie hätten wirklich gelebt.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Was ist gut? Ist es gut sich bei den Wahlen zwischen Parteien entscheiden zu können, die sich inhaltlich immer weniger unterscheiden? Alle Parteien gleichen sich immer mehr an, weil sie alle, sofern sie in eine Regierungsbeteiligung geraten, vor der Realisierung ihrer politischen Inhalte, den Haushalt konsolidieren müssen. Daher müssen erst einmal die finanziellen Aspekte geklärt werden, bevor die Parteisoldaten die Gesellschaft bewusst gestalten können. Die Politik räumt dem Kapital also die größte Bedeutung ein, sie legt ihre eigentlichen Inhalte beiseite um die wirtschaftliche Funktion der Konzerne innerhalb der nationalen Grenzen zu gewährleisten und sicherzustellen. Da sich diese Aufgabe in den letzten Jahrzehnten durch die Krisen immer weiter verkompliziert hat, rückt sie immer mehr in den Mittelpunkt und füllt mittlerweile das Hauptaugenmerk der Politiker aus. Erst kommt die Ökonomie, danach die Ökologie, das Soziale, die Kultur und so weiter. Es gibt aber noch einen weiteren Punkt: Selbst wenn die Parteien ihre Inhalte besprechen und Stück für Stück umsetzen könnten, wird es immer Millionen von Menschen geben, die ihre Bedürfnisse als nicht befriedigt sehen müssen. Meinungen werden durch Parteien verpauschalisiert. Du willst sofort aus der Atomkraft aussteigen? Wähl die CDU, die will die Atomkraft auch abschaffen, aber eben erst in ein paar Jahrzehnten. Du willst keinen Krieg? Wähl die Grünen, die wollen auch keinen Krieg, aber nur solange er nicht wichtig für die Demokratie ist. Ständig werden konkrete Forderungen durch die politische Realität aufgeweicht und sogar ins Gegenteil verkehrt. Die Unterschiede zwischen Realität und Wunschvorstellung klaffen weitauseinander. Man sieht es bei jeder Wahl: Es wird alles versprochen was dem menschlichen Verstand logisch erscheint. Die Bürger gewinnen die Hoffnung endlich Erfüllung durch eine bestimmte Partei zu finden und dann, kaum ist die Wahl vorüber, wird beschwichtigend formuliert. Egal ob Steuern, Sozialsysteme, überall muss plötzlich ein Kompromiss gefunden werden, wie aus heiteren Himmel erscheint den Politikern die Lage viel schwieriger als noch vor Tagen oder Wochen. Man hat es auch in den letzten Wochen wunderbar am Beispiel von Kanzlerin Merkel erkennen können. Kaum explodiert ein Kernkraftwerk, hat sich für sie die Lage auf wundersame, plötzliche Weise verändert und Kernkraftwerke können unverzüglich abgeschaltet werden, was die letzten Jahre als Katastrophe für die Stromversorgung galt. Obendrein ist mindestens seit den 70ern klar, das Atomkraftwerke von Naturkatastrophen und Terroranschlägen heimgesucht werden können.

Diese üblen Verrenkungen finden deshalb statt weil Politiker eben ihre Prinzipien dem Kapital unterordnen müssen. Klar, es mag auch Politiker geben die das Kapital per se für eine gute Sache halten. Aber grundsätzlich müssen auch Kapitalismuskritiker in Parteien an der Regierung so verfahren, sonst können sie nicht regieren ohne das Land an die Wand zu fahren. Jedenfalls ist die Atomkraft vorallem deshalb so wichtig für dieses Land weil über Jahrzehnte enorme Summen durch den Steuerzahler verprasst wurden, und diese mit den horrenden Gewinnen der Konzerne über Steuereinnahmen zumindest teilweise und irgendwann zurückfliessen sollten. Daher erschien es Merkel sinnvoll die Verlängerung dieser riskanten Technologie zu beschließen. Natürlich ist ihr klar das jede Menge Risiken vorhanden sind. Helmut Kohl äußerte sich vor kurzem ganz ähnlich, Atomkraftwerke seien riskant, aber im Leben sei eben nichts ohne Risiko. Hier wird ganz offen mit der Sicherheit und Gesundheit von hunderten Millionen Menschen gespielt, um die Kapitalinteressen der Energiekonzerne und des Staates zu schützen und zu sichern. Es ist absurd eine solche Behauptung aufzustellen, denn Atomkraft ist ein Risiko welches vermeidbar ist, das Leben hingegen muss ertragen werden bis es sein Ende findet. Radioaktivität ist quasi eine menschliche Kopfgeburt die uns nun die saftige Landschaft in apokaylptische Wüsten zu verändern droht. Ich weiß nicht ob Merkel oder Kohl irgendein Prinzip haben, jedenfalls steht in der Partei CDU, welcher beide angehören, vorallem ein C für christlich bzw. das Christentum, für Nächstenliebe und so weiter. Wenn man mal von den Kreuzzügen, Hexenverbrennungen und allerlei mehr organisierten Wahnsinn absieht, dürfte es uns allen doch reichlich schwer fallen Millionen verstrahlte Menschen und Quadratkilometer als Ausdruck von innerster Menschenliebe zu verstehen. Daher ist ganz klar diese Irrationalität an der Kapitalismusgläubigkeit festzumachen. Die Politiker gehen ungefähr demselben bereits genannten Trugschluss nach, wie die meisten Konzerne und die darin aktiven Menschen. Sie glauben in der Tat, wenn die Wirtschaft wächst gewinnen alle Menschen.

Das Problem dabei ist aber das die Wirtschaft nicht unendlich wachsen kann ohne die Menschen, die Tiere und die Umwelt auszubeuten und zu zerstören. Es ist ein Grundübel dieser Wirtschaftsweise die auch nicht durch die oberflächlichen Lösungen der Parteien gelöst werden kann. Am schlimmsten sind Parteien wie die Grünen die einen ökologischen Kapitalismus, einen grünen Kapitalismus propagieren, einen Kapitalismus der von Fairtrade schwadroniert und Konsumbewusstsein. Genau auf der selben schlimmen Ebene bewegen sich Konzerne wie Google die die Arbeitsplätze zu Spielhallen und Erlebnisparks machen um noch mehr versteckte Arbeitskraft ausfindig und nutzbar zu machen. Fakt ist nunmal das die Profitmaximierung eine Notwendigkeit in unserer globalen Weltwirtschaft ist. Es gehört zwingend zum 1 mal 1 so wenig wie möglich für Dinge auszugeben die die Profite nicht erhöhen. Am besten sollte man als Unternehmer keinen Cent für die Umwelt oder die Mitarbeiter ausgeben. Mit der gesellschaftlichen Entwicklung und Bewusstseinsteigerung kam es aber immer wieder zu schweren Kämpfen und Auseinandersetzungen die es fertig brachten Umweltschutz und Tariflöhne als Norm zu etablieren. Aber auch das befindet sich immer zur Disposition. Die Zerstörung und Ausbeutung war immer auf einem viel zu hohen Niveau, nach einigen Fortschritten befinden wir uns mittlerweile in einer Situation die als worst case definiert werden kann. Schlimmer kann es zwar schon noch kommen, aber wir sind andererseits auch auf dem besten Weg dieses schlimmste Szenario möglichst bald zu realisieren.

Der Regenwald wird genauso wie viele andere Wälder in den USA, Russland oder China ohne jegliche Nachhaltigkeit wild gerodet, weil die armen Menschen keine andere Möglichkeit zum ‘Überleben haben, als eben durch den Verkauf von uralten wertvollen Holz zu völligen Dumpingpreisen. Überall wird auf diesem Planeten nach Rohstoffen gebuddelt. Egal ob es um Gold, Silber, Coltan, Kupfer oder Öl geht, der Hunger nach Rohstoffen ist unbegrenzt denn diese bilden die Grundlage für die Produktion von noch mehr Produkten, um noch mehr Profite daraus schöpfen zu können. Es gibt unzählige illegale bzw. wilde Minen, Kaffee- und Kakaoplantagen in denen Kinder und Erwachsene für Hungerlöhne ihre Gesundheit ruinieren. Auch ist es mittlerweile üblich das tausende Menschen auf Müllbergen nach verwertbaren Resten kramen um sich irgendwie ihr geschundenes Leben zu sichern. Auf der anderen Seite gibt es uns Westeuropäer, wir gehören noch zu den Gewinnern des weltweiten Kapitalismus. Wir stehen auf der vermeintlich richtigen Seite. Trotzdem tragen wir unseren Teil zum Heer der Millionen Arbeits- und Perspektivlosen bei. Es gibt tausende die auf der Straße leben, von den Ämtern aus Kostengründen keine Hilfe erhalten, gerade bei Suchterkrankungen und schweren Schicksalsschlägen die nur durch jahrelange Therapie zu bewältigen sind. Es gibt Millionen Menschen die in Hartz IV Verhältnissen ihr bescheidenes Dasein verleben. Sie versinken in Verzweiflung, Einsamkeit, Apathie, Lethargie, Traumatas, den Verurteilungen der Politik und der für die Profite arbeitenden Bevölkerung. Sie gehen zu der Treberhilfe, zu den Tafeln, kramen im Müll der Wegwerfgesellschaft, lassen sich auf Ämtern und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen erklären wie man zu arbeiten und zu leben hat. Sie mögen nicht verhungern, aber ihr Leben können sie nicht entfalten, genauso wie die Menschen die verhungern müssen, die keine Schule besuchen können, die an verunreinigten Wasser und heilbaren Krankheiten sterben. Ihr Leben ist umsonst geboren worden weil ihre Arbeitskraft nicht gebraucht wird. Und jene Menschen die das zynische Glück haben sich als willenlose Nutte auf den Märkten der Industriegesellschaften zu verkaufen ächzen unter den massiven Belastungen die das moderne Wirtschaftsleben mit sich bringt.

Ist ein gewöhnlicher Angestellter, ein Vorstandschef eines Dax-Konzerns eine willenlose Nutte des Kapitals? Selbstverständlich. Man könnte auch sagen das wir alle Kapitalsoldaten sind, oder hörige Gläubige des schnöden Mammons. Letztlich läuft es auf dasselbe hinaus, wir ordnen wie die Politiker als Wirtschaftssubjekte unsere Interessen und Bedürfnisse dem Kapital unter. Wir sehen im Dienst der Profitmaximierung auch die Befriedigung unserer Bedürfnisse, was eindeutig schizophren ist, denn immer weniger Geld für immer mehr Arbeit zu erhalten, kann nicht unser eigentliches Streben und im Interesse unserer Bedürfnisse sein. Warum aber machen wir es trotzdem mit? Es gibt außer dem sozialen Abstieg keine Alternative. Wer an der Gesellschaft wenigstens ein bisschen teilhaben möchte, der muss arbeiten, der muss sich verkaufen. Es gibt genug Menschen die sagen, Arbeit sei etwas positives. Wer arbeitet könne sich verwirklichen und gleichzeitig die Gesellschaft mitgestalten. Aber das ist eine illusorische und dreckige Lüge. Denn das Kapital bestimmt worin sich der Mensch verwirklichen kann, das Kapital sagt inwieweit eine Gestaltung möglich ist. Hast Du kein Geld kannst Du dir nicht Klamotten kaufen mit denen Du Individualität vorgaukelst. Bist Du nicht leistungsfähig, erhälst Du kein Geld und bist von Almosen der sogenannten Leistungsträger abhängig. Bei letzteren Beispiel wird Dir als Arbeitsloser sozusagen das Recht auf Selbstbestimmung genommen. Wir wollen unsere Firma nach vorne bringen, wir wollen das die Abläufe im Betrieb reibungslos funktionieren, wir wollen als Angestellte funktionieren damit wir stolz auf uns sein können. Wir leisten etwas und erhalten dafür Geld. Das sind die üblichen Glaubensbekenntnisse. Wenn man das ohne diese duckmäuserischen Phrasen betrachtet kommt folgendes heraus: Jeder Betrieb im Kapitalismus dient dem Kapital und damit auch alle seine Abteilungen und zugehörigen Angestellte. Alles wird präzise auf die Profitmaximierung abgestimmt. Jedes Bewerbungsgespräch belegt es eindeutig, der Personalchef guckt sich das junge Mädchen, das gerade aus der Schule kommt, genau an. Ist sie fleissig, ist sie zuverlässig, kann sie sich im Team einfügen, ist sie eine Person die zur Effizientsteigerung der Maschinerie beitragen kann? Das was in den Schulen schon mit dem lernen von Bewerbungsschreiben anfängt, nämlich das saubere pedantische Formulieren von wirtschaftlichen Fähigkeiten, soll letztlich im ausbeutenden Betrieb seinen vollen lebenslangen Ausdruck finden. Hat man es dann geschafft einen der begehrten Arbeitsplätze zu ergattern muss man sich 11 Monate des Jahres Tag für Tag stundenlang dem Profit unterordnen. Jede Tätigkeit im Betrieb ist darauf ausgerichtet möglichst schnell, ordentlich und kostenorientiert erledigt zu werden. Jede Pause, jedes private Gespräch, jeder Besuch auf einer privaten Homepage, jedes nicht begreifen eines betrieblichen Umstandes wird als Kostenfaktor betrachtet. Wer am Markt bestehen will muss seine Mitarbeiter im Griff haben, sie müssen sich täglich immer stärker an die Marktsituation anpassen. Sie müssen Kunden umgarnen und hinzugewinnen, Probleme unverzüglich mit Kollegen abklären und regeln, sie haben den ganzen Tag nichts anderes zu tun als Kosten zu minimieren und Gewinne zu maximieren. Kann man darauf als Angestellter stolz sein? Gestaltet man damit das eigene Leben so wie man es sich vorgestellt hat? Ist das die Realisierung der Wünsche, Träume und Bedürfnisse aller Menschen?

All das kann in den Branchen auf unterschiedlichste Art und Weise stattfinden, aber letztlich funktionieren sie alle nach dem selben Prinzip. Egal ob im Discounter als Verkäufer, oder als Mechaniker in der Werkstatt, oder als Manager in einer Bank, es gilt immer die Tätigkeit möglichst schnell, ordentlich und kostenorientiert zu erledigen, Kosten zu minimieren und Gewinne zu maximieren. Und unterm Strich sagen sich die meisten Menschen in der Wirtschaft, wenn wir hart arbeiten gewinnen wir alle. Das ist aber nicht korrekt. Selbst wenn sich alle anstrengen, ihre Arbeitskraft und Arbeitszeit voll ausreizen, bedeutet das am Ende nicht eine Steigerung der Konzernerträge und Löhne oder eine Entfaltung der persönlichen Bedürfnisse und Vorstellungen. Es gibt unzählige Faktoren die ich nun nicht näher schildere, ich sage nur wie es letztlich Tag für Tag als Resultat für uns alle daher kommt: Es gibt Gewinner und Verlierer am Markt. Genau dieses Prinzip sorgt dafür das Menschen ihre Jobs verlieren, Betriebe ihre Niederlassungen schließen oder ins kostengünstigere Ausland verlagern, das der Niedriglohnsektor wächst, Arbeitslose arbeitslos bleiben, Profite an Minderheiten weitergereicht werden. Die Verlierer haben eben laut der unsichtbaren Hand des Marktes versagt, egal wie hart sie gearbeitet haben, oder wieviel der Manager studiert hat. Der Markt hat immer Recht, er ist quasi das Medium des Kapitals, durch ihn spricht das Kapital zu seiner Glaubensgemeinschaft. Das Kapital ist in ständiger Bewegung und führt ein unkontrollierbares Eigenleben. Es wird teilweise von Politikern wie Horst Seehofer ehrfürchtig „Monster“ genannt, welches man „irgendwie im Griff“ haben müsse. Das Kapital sucht sich den idealen Nährboden für das eigene Wachstum. Wenn viele Millionen Menschen in Hunger, Elend, Arbeits- und Perspektivlosigkeit leben, ohne Chance auf nachhaltige Veränderung, während gleichzeitig weitere Millionen zu Dumpinglöhnen und mittelmäßigen Löhnen zehntausende Stunden pro Leben schuften, gibt es natürlich auch eine Minderheit die als Gewinnerseite betrachtet werden darf. Sie hat es geschafft sich entweder aus einer prekären Situation zu befreien und aufzusteigen, was recht selten ist, schliesslich können nicht alle gewinnen, oder ihre vermögende Situation weiter auszubauen, entweder durch kluge Finanzanlagen, Erbschaft oder verstärkte Ausbeutung im Konzern. Dies ist es was ein Karl Marx als Klassengesellschaft definiert hat und sie besteht nach wie vor. Während Milliarden Menschen kaum etwas verdienen trotz horrender Produktivität, verdienen einige wenige Menschen Milliarden von Dollar indem sie die Produktivität der Menschenmassen über das Eigentumsrecht ausbeuten. Die Konzerngewinne steigen, aber die Löhne stagnieren. Während auf der einen Seite des Globus horrende Reichtümer gefeiert werden, verrecken andere im Nichts. Dies ist der normale Wahnsinn im Kapitalismus. Dies ist die Marktwirtschaft die alle Parteien mit ihrer Politik unterstützen, die alle Konzerne mit ihrer tagtäglichen Betriebsführung fortführen und verschlimmern. Alle wollen das Gute machen aber mit ihrem Handeln aber das genaue Gegenteil. Jeder liebe Kollege, jeder nette intelligente Chef, ist ein Zerstörer dieser Welt.

Vielen Menschen ist diese recht einfache Tatsache nicht bewusst. Manchen ist diese Tatsache vielleicht eher bewusst als anderen und noch weniger Menschen sprechen das letztlich auch einmal aus. Daher erscheint es oft so als ob viele Menschen die Situation einfach akzeptieren und ihr Leben recht willenlos vergeben. Aber ich denke das die Unzufriedenheit und Skepsis schon immer recht hoch war. Kein Schulkind mag die Schule, schon aus reinem Instinkt. Das Leistungsstreben gehört nicht zu unserer Natur. Natürlich wollen wir uns ausprobieren und Dinge ausreizen, aber wir brauchen nicht zum Sieger gekürt werden um uns glücklich zu fühlen. Kein Angestellter, kein Boss mag seine Tätigkeit aus dem selben Grund. Es mag Ausnahmen geben, aber auch diese Menschen werden bestätigen müssen, dass sie den Spaß an der Arbeit verlieren wenn es nur noch ums Geld geht. Und das geschieht ganz automatisch weil der Konkurrenzkampf sich im Verlauf der ständigen Wiederholung der kapitalistischen Produktion verstärken muss. Kein Profit ist hoch genug und keine Rationalisierung ist rational genug. Alles muss noch schneller, noch besser, noch kostenorientierter gemacht werden. Alle Kosten müssen noch mehr minimiert und alle Gewinne müssen noch mehr maximiert werden, denn nur so kann das wirtschaftliche Überleben eines Betriebes gesichert werden und damit auch der eigene Job, die Familie, das gesellschaftliche Miteinander und die Teilhabe an der Gesellschaft. In der Wirtschaft arbeiten wir den ganzen Tag nur gegeneinander und die Politik legitimiert das mit ihrem Staat, mit ihrem Gewaltmonopol und der Justiz. Im Kapitalismus wird es immer Krisen geben denn wir sind als Menschen nunmal nicht perfekt. Wir sind endliche begrenzte Lebewesen und können daher der Profitmaximierung niemals gerecht werden. Die Rohstoffe gehen zu neige, das wird automatisch auch endlose Krisen für die jetzige kapitalistische Produktionsweise geben. Vielleicht kommt irgendwann der „grüne Kapitalismus“, aber das wird nichts an der Profitmaximierung und der Ausbeutung der Menschen ändern. Es werden weiterhin Menschen verhungern nur weil sie kein Geld haben, nur weil sie keine Arbeit haben. Die Massenmedien werden sich dieser Problematik weiterhin nur beiläufig widmen, schliesslich belebt es nicht gerade die Quote und den Konsum stetig die Hungertoten zubeklagen, auch wenn das dringend erforderlich wäre! Die Politik wird weiterhin vorwiegend darauf achten den Haushalt zu konsolidieren und die Wirtschaft als solche in die Zukunft zu führen. Eine grundlegende Veränderung wird durch die parlamentarische Demokratie niemals stattfinden, sie müsste quasi mit ihren Parteien über sich selbst hinauswachsen und bislang grundlegende Mechanismen und Machtstrukturen verlassen. Wir sehen anhand der letzten Jahrzehnte wie unmöglich es erscheint innerhalb der parlamentarischen Demokratie eine Überwindung des Kapitalismus zu realisieren. Denn leider ist der Staat elementarer Teil des Kapitalismus und verbietet sogar in seinen Gesetzen friedlich Veränderungen anzustreben. Wir können in der Politik schlussendlich wählen was wir wollen, die Entfaltung unserer Persönlichkeiten wird dadurch niemals realisiert werden können, damit ist der Hölle auf Erden weiterhin Tür und Tor geöffnet.

Das alles ist nicht richtig und kann nicht richtig werden. Wir dürfen das nicht mehr zulassen. Es ist wichtig dem eigenen Gewissen zu folgen. Lasst Euch nicht von Zeitfressern verführen. Das Fernsehen sendet auch gesellschaftskritische Beiträge, schaut lieber 3sat, Arte, Phoenix und Co. wenn ihr schon nicht völlig auf die Berieselung verzichten wollt. Es wäre zumindest ein Anfang. Macht kleine Schritte, nähert Euch vorsichtig Pionieren des antikapitalistischen und antiautoritären Denkens. Habt keine Vorurteile, keine Tabus, vertraut keinem Experten, keiner Ideologie, keinem Konzept das für alle funktionieren soll. Keiner hat das Rezept das uns alle heilen und retten wird! Der Weg unserer Zivilisation muss ein offener und experimenteller sein. Wir müssen jedem Menschen die Möglichkeit geben sich in dieser Gesellschaft frei und unkompliziert zu verwirklichen. Bislang stehen wir selbst uns im Weg weil wir einen Staat organisieren, legtimieren und dem Kapital folgen. Unsere Ohnmacht ist die Macht des Kapitals und des Staates. Wir sollten nicht akzeptieren das täglich tausende Menschen verhungern, Milliarden Menschen sich nicht verwirklichen können und der Planet immer mehr unbewohnbar wird. Es ist unsere Aufgabe den nächsten Bewusstseinssprung zu realisieren. Wir müssen dafür sorgen das nicht das Kapital sondern unsere Bedürfnisse die Gesellschaft regieren und gestalten. Wir müssen unsere Vorstellungen bewusst ergreifen und tatkräftig umsetzen und verteidigen. Niemand kann uns das abnehmen. Es ist daher erforderlich sich nicht in diesen Katastrophen einzurichten. Wer glaubt er könne glücklich sein zwischen Hungertoten, Müllbergen und verstrahlten Todeszonen der muss ein kranker, blinder Mensch sein, welcher dringend eine Psychotherapie benötigt. Wir sollten uns nicht mit den Rollen begnügen die aus reiner Tradition aufrechterhalten werden. Wir sind nicht einfach nur Angestellte, Schüler, Arbeitslose, Politiker, Manager, sondern grundsätzlich und zu allererst Menschen. Und als solche haben wir unseren Bedürfnissen zu dienen. Aber wie unsere eigentlichen Bedürfnisse aussehen muss erst noch auserkoren werden. Jeder von uns muss sich die Frage stellen was er zum Leben braucht. Ist es nötig 3 Fernseher, 2 Spielkonsolen, 10 Zigarettenschachteln, 2 Autos zu haben? Macht es glücklich im Büro sich von Kunden anschreien zu lassen? Ist es sinnvoll Arbeit nach den Profiten auszurichten? Ist es erforderlich den Politikern zu glauben, sie zu wählen obwohl man noch nie mit ihnen persönlich gesprochen hat? Es gibt etliche Möglichkeiten seine Bedürfnisse herauszufinden. Ich kann hier unmöglich eine Beschreibung darüber abliefern, es ist Euer Job oder vielmehr Dein Job, als Leser, als Mitmensch, als Zeitgenosse zu gucken was Dich reizt und belebt. Und ich bin sicher es ist nicht das unaufhörliche ausbeuten der Arbeitskraft für einen lumpigen Lohn, die Verschwendung der Lebenszeit mit unnützen Prüfungen in der Schule die nichts mit den Herausforderungen des Lebens gemein haben usw. Natürlich muss es eine Organisation geben in der wir uns auch herausfordern können, aber es sollte erlaubt sein das Leben mit faulenzen zu verbringen wenn es einen glücklich macht.

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