Gleichgültigkeit im Maßanzug

Wenn man als Arbeitnehmer kündigt braucht man nicht erwarten das der zuständige Personalleiter, Abteilungsleiter, Niederlassungsleiter oder Chef irgendeine Form der Emotion zeigt. Im Grunde genommen ist es diesen Typen scheissegal aus welchen Gründen man ausscheidet. Sie sehen höchstens oberflächlich eine Persönlichkeit aus Fleisch und Blut vor sich, in erster Linie rattern bei ihnen die betriebswirtschaftlichen Folgen durch die Birne. Die Frage warum jemand freiwillig geht, gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten, wird genauso wenig gestellt, wie um den scheidenden Mitarbeiter und dessen Erfahrungen gekämpft wird. Gleichgültig wird die Änderung im Abwicklungsprozess der Profitmaximierung hingenommen, ohnehin sind die Beziehungen untereinander als Kollegen begrenzt und distanziert, für die meisten ist die Arbeit eine einzige Quälerei die aus Liebe zur Familie, Geldnot oder Geldgeilheit ertragen wird. Es gibt Chefs die ihre Mitarbeiter allen Ernstes trotz dieser offenkundigen Fakten mit sozialistischen Sprüchen von Revolutionären wie Rosa Luxemburg motivieren wollen produktiver, im Sinne der Profite, zu arbeiten. So findet sich bei einer der vielen Emailansprachen auch der Spruch: „Wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Diese Durchhalteparolen sind ein pikantes und entlarvendes Beispiel dafür wie tief die Ahnungslosigkeit und das Desinteresse um die Geschichte des Kapitalismus und der Arbeiterschaft sitzen muss. Selbst Führungspersonen, studierte Leute mit Jahrzehnten beruflicher Erfahrung, erschöpfen sich in Stumpfsinn nur um irgendwie den Laden am laufen zu halten und produktiver zu machen. Es ist auch scheiss egal ob das allen schadet, solange es keine ernsthaften Bewegungen oder brennende Strassensperren auf dem Weg zur Arbeit gibt werden diese Mitläufer weitermachen und glauben das sie mit ihren Überstunden, ihren dicken Gehältern, überteuerten Fahrzeugen, Klamotten und ihrer Überheblichkeit, Ahnunglosigkeit sowie Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Geschichte, sich selbst und anderen Kollegen richtig liegen. Für die ist alles in bester Ordnung jede Arbeitsflexibilisierung und -intensivierung, jede ihrer Arbeitsanweisungen erscheint ihnen als der einzig richtige und legitime Weg für das Glück aller, die Leute müssen nur brav arbeiten dann wird alles gut. Sie können sich nichts anderes vorstellen weil sie nie anders gelebt haben und sich auch nichts schöneres erträumen können als irgendwelche Führungsrollen zu schauspielern. Das wir alle besser dran sind ohne diese Hierarchien, ohne Wettbewerb, ohne Profitmaximierung, ohne Rollenspielerei und Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, deren Bedürfnissen und so weiter kommt diesen eindimensionalen Menschen tatsächlich nicht in den Sinn. Darin besteht die ganze Traurigkeit und Wüste.

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Eingeordnet unter Arbeitertagebuch

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