Abwesenheit der Reife

Ich trage wie die meisten Menschen Geschichten, Gedanken, Probleme, Visionen und Flausen mit mir herum. Es gibt niemanden dem ich davon erzählen und berichten könnte, zumeist fehlt die Zeit, das Interesse, Mitgefühl und so weiter. Viele haben ihre Jobs, Hobbys und gewohnten Menschen die sich zumeist nur oberflächlich verändern und verhalten. Das gibt Halt und Sicherheit, aber vorallem keine lästigen Veränderungen in Form von Erfahrungen und Erkenntnissen. Jegliche Unterhaltung die doch irgendwie stattfinden musste war für mich vorhersehbar. Ich darf nichts erwarten. Wieviel Lebensqualität erlebt ein durchschnittlicher Mitbürger wie ich? Gedrängel auf den Fusswegen, Strassen, an den Supermarktkassen und Bankautomaten, Gehetze zum Büro, im Büro und auf dem Weg nach Hause, Abgase in der Lunge, Müll, Kotze und Scherben zieren die Betonlandschaft wie speckige Fettringe und vergilbte Falten die Körper meiner Nächsten. Gehupe, beinahe und richtige Zusammenstösse von ökologischen und ökonomischen Wahnsinn, zwischen Plattenbau, vollgepissten vermüllten Spielplätzen, überfüllten Arztpraxen, unterbesetzten Schleckerläden und immer geöffneten Tanken, Burger-, Dönerbuden, Autobahnen und Flughäfen. Immer zischen Blechlawinen durch die planierten Pfade. Die Luft erscheint als tödliches Transportmittel für allmögliche Gifte. Überall schmeissen die Leute ihren Krempel herum, setzen Haustiere zur Urlaubszeit aus, werfen vollgepinkelte Flaschen ins Gestrüp und jammern über ihre Luxusprobleme. Inmitten dieser Wüste feiern meine Mitmenschen sich selbst und irgendetwas, vielleicht um all das besser ertragen zu können, um ihre Einsameit, Verzweiflung und Hilflosigkeit zu verbergen. Die ganze Welt ist zerrissen und voller endloser Schluchten in denen arme Seelen um Erlösung bitten. Die Sucht vieler Menschen nach unbefangener Freude die sie in Diskotheken, am Boden einer Wodkaflasche, den primären Geschlechtsmerkmalen von Fremden suchen, ist Ausdruck einer grossen Furcht. Der Furcht vor der leeren Unendlichkeit in ihnen und um ihnen herum. All dieser Lärm in den Häuserschluchten, die Spektakel in den Medien und die Dramen in den Familien, die Konflikte ums Geld in den Konzernen sind vollkommene Leere und stehen als lebendige stinkende zersetzende Wahrzeichen für das blanke Entsetzen und die Trostlosigkeit die diese untoten Menschenmassen mit Blut und Tränen verbreiten. Übelkeit, Ekel, Trauer, Apathie und Depressionen gehören zu den einzigen verlässlichen Gefährten in diesen Wüsten voller Schlachtfelder. Wer will da schon irgendetwas erwarten? Jedes Wort ist überflüssig. Die Menschen richten sich in der Katastrophe ein und werden so selbst zu einer. Ich spüre wie es mir langsam egal wird. Es ist wie eine Transformation zu einem Zombie. Die Allgegenwärtigkeit der Ignoranz impft einem täglich ein das es sich nicht lohnt das eigene Gewissen zu hören. Was bleibt einem übrig. Isoliert durch Profitmaximierung und Konkurrenzkampf sind wir nach etlichen Jahrzehnten derart behindert und unfähig Alternativen zu erdenken das wir alle die es trotzdem probieren als Träumer und Spinner abtun. Wir sind trotz aller Fortschritte kein bisschen reifer geworden.

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Eingeordnet unter Gesellschaft

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